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2008-12-31

Gestern, heute, morgen

Jahreswechsel. Zeit des Rückblicks, des Resümierens, der Vorausschau.

Für den im Internet aktiven Hobbyfotografen traditionell die Zeit, in der er ein Ranking seiner besten Fotos des Jahres aufstellt und aus diesen dann hässlich gerahmte Collagen bastelt, in der er darüber reflektiert, was ihn in seiner hehren Kunst weitergebracht hat, in der er unter jedem Bild in jeder Community kitschige Neujahrsglückwünsche hinterlässt...
Nee, ich spar mir das mal weitesgehend.

Aber mit einem Bild des Jahres könnte ich - wenn ich mich denn entscheiden müsste - durchaus ohne großes Nachdenken dienen:

And so in the twilight of the living room Vladimir bravely faced the four-headed monster ...

Soviel zur Fotografie. :)

Kommt als nächstes natürlich das Fazit des Musikers.
Doch da ich ja gerade noch wegen Sehnenreizung Zwangspause vom Schlagzeug mache, was uns ja auch einen Auftritt vorigen Samstag gekostet hat, ist das momentan nicht wirklich mein Lieblingsthema. Ich bin aber zuversichtlich, beim nächsten Auftritt am 14. März in Windbergen wieder voll einsatzfähig zu sein. In den folgenden Tagen werde ich mal schauen, wie es sich anfühlt, wieder ein paar Takte zu trommeln. Heute habe ich ja immerhin endlich mal wieder die schwere Kiev-Kamera für ein paar Winterimpressionen mit mir herumgeschleppt - und mein gestriges Joggingrevival nach langer langer Pause hat mein Arm mir auch nicht krumm genommen... es ist also vorsichtiger Optimismus angesagt.


An dieser Stelle sollten dann wohl die Vorsätze fürs anstehende Jahr kommen.
Und tatsächlich habe ich davon wirklich eine ganze Menge.
Aber ich bin ja Softcoreblogger, der hier sowohl im Guten wie im Schlechten außerhalb der Themenkomplexe Bilder machen/kucken und Musik machen/hören nur wenig privates von sich preisgibt. Und das schließt auch einige meiner wichtigsten Vorsätze mit ein. ;)
Nur soviel: es sind zwar einige, aber sie sind durchaus alle aus mir selbst heraus realisierbar. Also keine Lottogewinn- und Supermodelheiratsphantasien.
Yes I can!

So, ich denke das war's mit meinem faulen Jahresendposting. Letzte Nacht war es so bitterkalt, dass ich kaum schlafen konnte, also will ich sehen, dass ich jetzt noch eine Mütze Siesta nachhole, bevor dann allmählich in 2009 hineingerutscht wird.

Einen Guten Rutsch wünsche ich auch allen, die sich dieses (und andere) Geschreibsel von mir freiwillig angetan haben - Ihr seid die besten! :)


2008-12-13

Opeth, Cynic & The Ocean (12.12.2008)

Das war ein geiles Konzert gestern in der Markthalle!

Wer meinen diesjährigen Wacken-Festivalbericht gelesen hat, der weiß, dass ich in erster Linie wegen Cynic nach Hamburg gefahren bin.
Und was soll ich sagen? Ich wurde selbstverständlich nicht enttäuscht. Der Auftritt ergänzte sich ziemlich gut zu dem in Wacken, da diesmal statt der "Focus"-Klassiker fast ausschließlich Lieder des genialen neuen Albums "Traced In Air" gespielt wurden:
  • Nunc Fluens
  • The Space For This
  • Evolutionary Sleeper
  • Celestial Voyage
  • Adam's Murmur
  • King Of Those Who Know
  • Integral Birth
Hach, ich bin allerhöchst entzückt! Vor allem "King Of Those Who Know" ist wohl einer der besten Songs, die derzeit auf den Bühnen dieser Welt gespielt werden. :)

Der einzige Wermutstropfen war die doch arg kurze Spielzeit, welche auch keine Zugabe zuließ. In der Beziehung wäre mir ein Cynic-Headlinergig natürlich lieber gewesen.

Was allerdings nicht heißen soll, dass die anderen Bands schlecht gewesen wären. The Ocean überraschten mich insofern nicht, als dass sie ziemlich genau so klangen, wie ich mir eine mit Opeth tourende Metalband namens "The Ocean" vorgestellt hatte. ;) Das war aber gar nicht übel. Sehr massig, mächtig, aus der Tiefe kommend. Allein der Sänger war mir jenseits seiner Anselmo-Schreihalserei eine Nummer zu unflexibel.

Den Headliner Opeth hatte ich ja schon dreimal in Wacken gesehen und konnte mir von daher schon sicher sein, gut unterhalten zu werden. Da ich aber außer der mittlerweile schon betagten "Blackwater Park"-Scheibe nur einzelne Songs halbwegs kenne / mal gehört habe und somit nur mit zwei Stücken des Sets vertraut war, schlich sich anfangs schon die eine oder andere Länge ein. Nach ein paar Stücken ging die Spannungskurve dann aber nach oben. Vielleicht sollte ich mir doch irgendwann nochmal den einen oder anderen Tonträger der Schweden zulegen.
Die bis an die Decke ausverkaufte Markthalle hatten sie auf jeden Fall verdienterweise voll im Griff.

Maximalqualitätshandygrafie von Opeth:


Fazit: Nächstes Mal bitte Cynic mit extralangem Set auf Headlinertour; und es wäre cool, wenn ich auch mal wieder nicht alleine zum Konzert fahren müsste. ;)
Dennoch: mjammjamm!

2008-12-07

365 Tage

So viel, wie ich knipse, sollte ich es doch eigentlich auch schaffen, ein Jahr lang jeden Tag einen Digiknips abzuliefern.
Und es kann ja nicht schaden, mit der Kamera mal etwas routinierter zu werden.

Dachte ich mir und bin Mitglied bei project 365 geworden.

Eigentlich wollte ich ja erst am 1. Januar anfangen, mich dieser Herausforderung zu stellen, aber da ich nicht allzu oft wie dieses Wochenende einen Bratapfel esse oder mich in der Speicherstadt rumtreibe, habe ich's einfach mal vorgezogen. ;)


2008-12-05

PayQual

Ich schreibe eigentlich eher selten im angefressenen Zustand e-Mails.
Diese hier vom 05. November 2007 war jedoch so eine:

Guten Tag,

Da habe ich also die (scheinbar nicht so gute) Idee, nach längerer Zeit mal wieder eine Online-Bestellung per Paypal zu bezahlen, und Sie wollen zum Dank meine Stromrechnung?
Warum nicht auch noch mein polizeiliches Führungszeugnis oder den Kassenbon meines letzten Supermarkteinkaufes?

Sorgen Sie bitte dafür, dass die XXX zügig und ohne Probleme meine 22,74 Euro erhält (Transaktionscode: XXX), aber verschonen Sie mich doch bitte mit solchen seltsamen Gängeleien!

Wie gesagt: Bringen Sie die Transaktion bitte reibungslos zu Ende!
Was Sie DANACH mit meinem Konto anfangen, ist mir gleich, denn in Zukunft werde ich mich gewiss bemühen, einen weiten Bogen um Ihren Service zu machen.

Gruß,
Stephan Ohlsen

Da ich bis heute nicht eingesehen habe, warum nach einer vollkommen legalen, gewöhnlichen, unverdächtigen Überweisung einer ebenso gewöhnlichen Geldsumme willkürlich mein Konto gesperrt und Kopien von Personalausweis, letzter Gas-, Wasser- oder Stromrechnung, sowie eine Existenzbescheinung des Einwohnermeldeamtes von mir verlangt wurden, habe ich es bis heute auch problemlos so gehalten. Also das mit dem weiten Bogen, meine ich.

Blöd ist nur, dass diese Organisation auf ebay, wo ich gerade seit langer Zeit mal wieder einiges verscherbele, so ein unvermeidbarer Platzhirsch geworden ist. Überall wird dem Käufer erzählt, dass nur PayPal vertrauenswürdig ist, und Versand ins Ausland kannst Du als Verweigerer auch knicken, da dieser in einige Länder ohne PayPal schon gar nicht mehr möglich ist.

Und wenn Du dann von potentiellen Käufern gefragt wirst, ob sie per PayPal zahlen können, Du ihnen am liebsten "Nein, weil das eine unseriöse Pissertruppe ist, die mich mal am Arsch lecken kann!" entgegenbrüllen möchtest, was Du aber selbstverständlich nicht tust, dann baut sich durchaus ein gewisses Aggressionspotential auf, welches nur durch einen Blogeintrag kompensiert werden kann. *g*

2008-11-17

LAIBACH - Kunst der Fuge

- real time review -



LAIBACH - Kunst der Fuge (2008)

Laibach
interpretieren Johann Sebastian Bach. Eigentlich ja höchste Zeit, zumal der Komponist ja sogar sogar im Namen der Slowenen enthalten ist.
Es gibt aber wohl auch andere Gemeinsamkeiten, wie z.B. einen oftmals sehr verkopften, akademischen Ansatz, welcher jedoch weder das Hörvergnügen trübt noch einen gewissen Humor vermissen lässt.

Als wichtiges Beispiel sei da Bachs Umgang mit seinem eigenen Namen genannt, welcher sich im häufigen Gebrauch der Tonfolge B-A-C-H, mit welchen er viele seiner Werke und Überarbeitungen von Werken anderer Komponisten sozusagen signiert hat.
In ihrer "Kunst der Fuge" persiflieren Laibach jene Unterschrift, indem sie im "Contrapunctus 7" eine Kraftwerk-Computerstimme ihren Bandnamen singen lassen.

Ich will mich hier gar nicht überweit aus dem Fenster lehnen und den Musiktheorie- und Klassikexperten mimen, also sei gleich gesagt, dass ich meine Information über Bach und die Fuge - ähnlich wie Laibach die Informationen über die Nationalhymnen im Booklet ihres Albums "Volk" ;) - lediglich aus der Wikipedia beziehe.
Obwohl ich mit dem Komponisten also ansonsten gar nichts am Hut habe, kommt mir gerade das B-A-C-H-Thema als Laibach-Fan jedoch sehr vertraut und typisch vor. Ich nehme an, es ist nicht das erste Mal, dass der gute Mann Einfluss auf ihre Musik genommen hat.

Die "Kunst der Fuge" besteht ausschließlich aus verschiedenen Variationen eines einzigen Themas, ein Ansatz den Laibach im Grunde ja auch schon verfolgt haben, z.B. auf dem Tonträger "Sympathy For The Devil", welcher acht verschiedene Versionen des Rolling-Stones-Hits enthält.

Musikalisch hat Laibachs Fuge mit jenem Werk aber kaum etwas gemeisam. Ebenso unterscheidet es sich deutlich von allen anderen regulären Alben. Weder die stampfenden Rhythmen der Achtziger noch die tanzbaren Beats von "NATO" oder "WAT" finden sich hier. Und vor allem fehlt bis auf die bereits erwähnte synthetische Stimme in "Contrapunctus 7" auch jeder Gesang. Das prägende Tiefgespreche von Milan Fras als Markenzeichen hat hier also komplett Sendepause.
Ebenso fehlt auch jedes echte Instrument. Da Bach keine feste Instrumentierung vorgeschrieben hat, nehmen Laibach sich die Freiheit, ihn als Pionier der Elektromusik zu inszenieren und komplett am PC zu arrangieren.
Im Digipak der CD stehen dazu folgende zwei Zitate:


"It's easy to play any musical instrument: all you have to do is touch the right key at the right time and the instrument will play itself." (Johann Sebastian Bach)

"It's easy to play Bach: all you have to do is open the right program on the right computer and Bach will play itself." (Laibach)

Dementsprechend war die Uraufführung des Werkes im Sommer 2006, im Rahmen des Bachfestes in Leipzig, auch eher eine Kunstperformance als ein Konzert. Während der Computer spielte, gab es die üblichen Filmchen zu sehen und Laibach spielten "Kreuzschach für vier Spieler".

Dieses Jahr folgten im Zuge der CD-Veröffentlichung jedoch noch ein paar Konzerte, auf denen die Fuge tatsächlich live gespielt wurde, auf vier Keyboards und elektronischen Drumpads. Die Bilder und qualitativ eher mauen Aufzeichnungsschnipsel, die davon im Netz kursieren, erinnern gewiss nicht zufällig ein wenig an Kraftwerk. Ich hoffe ja, dass es eine der Aufführungen irgendwann als DVD geben wird. Schließlich ist zwischen "Divided States Of America" (numeriert mit 3) und der Volk-DVD (Nr. 6) ja noch Platz im Regal...


Und was erwartet einen hier nun musikalisch?

Trotz der volldigitalen Adaption bleibt das Werk sehr dynamisch. Hier wabert es lange tief und bedrohlich, dort sprudelt es rhythmisch auf, es stolziert, tröpfelt, quietscht und ziept... dabei bewegt es sich aber immer irgendwie unstet voran. Es gibt keinen wirklich abgeschlossen wirkenden Melodiebogen, keine "Hookline" für den Popmusikkonsumenten. Die Tonfolgen verschieben sich, scheinen ständig auf der Suche nach ihrer Auflösung zu sein. Nein, ganz leichte Kost ist dies wahrlich nicht. Besonders gegen Ende, ab "Contrapunctus 11", wird es schwierig, als die Komposition wie eine Schallplatte zu knistern, aber auch zu springen beginnt. Das ist finster, das ist anstrengend. Zum Glück wird es danach zum Anschluss mit einigen recht lustigen Sounds wieder etwas leichtfüßiger.

Nein, die "Kunst der Fuge" ist wohl nichts, was man mal so nebenbei auf einer Party reinschmeißt. Wenn man sich jedoch ein wenig Zeit für sie nimmt, ist sie ein sehr erfüllendes - und vor allem bei jedem Hören wachsendes - Klangerlebnis.

Fazit: Laibach mal (wieder) ganz anders, aber (selbstverständlich) alles andere als schlecht.



So, damit hätte ich nun alle 2008 erschienen CDs meiner Sammlung besprochen. ;)

2008-11-15

CYNIC - Traced In Air

- real time review -

Traced in Air album cover

CYNIC - Traced In Air (2008)

Eigentlich ist es ja ziemlich dreist, wenn sich eine Band nach fünfzehn Jahren Sendepause mit einem Album zurückmeldet, welches es nur auf 35 Minuten Spielzeit bringt. Eigentlich.
Aber wir reden hier ja vom Reunionswerk der legendären Cynic.

Jene Cynic brachten es vor ihrer Auflösung nur auf ein einziges Studioalbum, "Focus", welches es mit seiner absolut einzigartigen und sich jeder Beschreibung entziehenden Musik geschafft hat, mich all die Jahre immer wieder zu erfreuen und niemals zu langweilen. Es gibt wohl kaum ein anderes Album, welches mich so lange ohne nennenswerte Pausen begleitet hat. Und jenes "Focus" brachte es auch nur auf eine unwesentlich längere Spielzeit als nun "Traced In Air".

Da in einem Cynic-Song mehr steckte, als die meisten anderen Bands im Laufe ihres gesamten Daseins auf die Reihe bekommen, galt bei ihnen der von mir zumeist bei Tonträgern angesetzte Maßstab "mehr ist mehr" ähnlich wie bei Slayers "Reign In Blood" ausnahmsweise nur bedingt.

Galt und gilt!

Denn soviel sei gleich gesagt: Die vier Ausnahmemusiker Paul Masvidal, Sean Malone, Sean Reinert und Neuzugang Tymon schaffen es scheinbar mühelos, an ihre Großtat aus den Neunzigern anzuknüpfen. Es gibt also, wie ich im Wacken-Review bereits vereinfachend sagte, wieder jene Mischung aus (Death) Metal und Mahavishnu Orchestra.

Natürlich merkt man, dass seit "Focus" viel Zeit vergangen ist. An den instrumentalen Fähigkeiten nicht unbedingt, denn die waren ja schon damals auf einem schwindelerregend hohen Niveau. Vor allem drei Dinge unterscheiden "Traced In Air" deutlich vom Vorgänger:

1. Die Produktion ist selbstverständlich heutzutage wesentlich kräftiger.
2. Der cleane Gesang wird zwar wieder durch den esoterischen Effektwolf gejagt, wirkt dabei aber weniger computerhaft, was vor allem daran liegen könnte, dass Masvidals stimmliche Fähigkeiten sich enorm entwickelt haben. Dies merkt vor allem an den Falsettpassagen.
3. Das Songwriting ist tatsächlich noch reifer geworden. Selbstverständlich wird einerseits gefrickelt, bis der Arzt kommt; es geschieht jedoch noch mehr als vorher im Sinne des Songs, der Stimmung. Die sich durch's ganze Album ziehende Stimmung ist tatsächlich noch dichter als in der Vergangenheit.

Einzelne Songs könnte man selbstverständlich, muss man aber nicht herausheben. Zum einen ist alles auf konstant überirdischem Niveau, zum anderen wirkt das Album vor allem als Einheit.
Alles fließt hier ins andere, seien es die Gitarren die von einem Moment zum anderen von Jazz zu heftigen Riffs zu packenden Soli wechseln, oder die unglaublich dynamische Rhythmusarbeit an Bass/Chapman Stick und Drums.
Aber auch die Texte fließen. Philosophische, spirituelle, verdichtete Lyrik, die sich nicht eindeutig entschlüsseln lässt, einem jedoch den Eindruck vermittelt, als würde es auf diesem ja so kurzen Werk um nichts anderes gehen, als um die gesammelten Emotionen des kompletten Menschseins an sich.

Dazu noch ein wundervolles Booklet, welches nicht nur gekonnt an "Focus" anknüpft, sondern (zumindest in der limited edition) sogar noch einen oben drauf setzt, indem es auch noch jedem Song sein eigenes mystisches New-Age-Kunstwerk schenkt, was das Durchblättern und Mitlesen zu einer echten Freude macht.

Während in meinem Player nun bereits mit dem abschließenden "Nunc Stans" mein persönlicher Lieblingstrack läuft, kann ich eigentlich nur zu einem Fazit kommen:
Angesichts des Stellenwertes, den "Focus" für mich persönlich hat und der Tatsache, dass Cynic auf dem Nachfolger keinen Deut nachgelassen haben - eher im Gegenteil! -, ist "Traced In Air" trotz des mächtigen "Death Magnetic" für mich eindeutig... das Album des Jahres! Mindestens!



[edit ein paar Stunden später: Ok, ok... ohne eine kleine, aber notwendige Abweichung vom ursprünglichen Konzept komme ich bei meinem "real time reviews" wohl doch nicht aus, nämlich nach Ablauf der CD-Spielzeit (=Beendigung des Textes) doch noch einmal vor der Veröffentlichung Korrektur zu lesen und die gröbsten Orthographiefehler und Doppelungen auszumerzen. Hier standen ja bis vorhin noch ein paar ganz haarsträubende Sachen wie z.B. "wäre" statt "während". *g*]

2008-11-10

Das ultimative Spam-Gestrypp

Meine drei Free-Accounts in der FC (vormals u.a. bekannt unter Stephan Ohlsen, S. Ohlsen, Der Ohlsen, Der Zweitohlsen, Der Ruinator, Der benutzerfreundliche Benutzerfreund, Liebe ist in der Luft, Starfotograf Liebe ist in der Luft, Stuntfotograf Sievers ist in der Luft, Die Geburt Erich Ribbecks aus dem Geist des Fußballs, Konventionen sind Kokolores, Convenience au Chocolat, Convoy di Coco Jambo, Der Kowboy mit dem Koks, denn die Europameisterschaft ist ja im Grunde nichts anderes als die Weltmeisterschaft der Herzen, Startrainer Erich R., Starimperator Superfotografenpräsident, Starfotografengottkaiser Knipserkönig, Propagandaministerium der CCPP - Abt. Volksbeglückung) sind jetzt mal wieder komplett aufgeräumt und neu durchkonzeptioniert:

2008-11-09

Die böse 88... Wir sind Hitler!

Zu den ja eigentlich eher harmlosen aber dennoch unerträglich lästigen Eigenheiten von Nazis gehört die Vereinnahmung eigentlich ganz alltäglicher Dinge durch diese Gruppe - und sei es auch nur in der Wahrnehmung des entgegengesetzten Spektrums.
So stieß ich im sehr lesenswerten Hitlerblog der taz vor einiger Zeit auf diesen absurden Screenshotbeleg, dass man noch nicht einmal mehr 1988 geboren sein darf, ohne dadurch im Verdacht der GröFaZ-Verehrung zu stehen.

Nach dieser Logik stecken mein Umfeld und ich auch ganz tief drin in Hitlers Hintertür.
So hat vorgestern meine Schwägerin ein Auto angemeldet und sich als Zahl am Ende des Kennzeichens die 99 gewünscht, weil sie in diesem Jahr meinen Bruder kennengelernt hat. War allerdings nicht mehr frei, worauf ihr die 88 angeboten wurde. 88 = acht mal elf. Er hat ja auch am 08.11. Geburtstag, passte also auch irgendwie, hat sie also genommen.
Und was ist mein erster Kommentar zum Auto: "Na, seid ihr auch unter die Nazis gegangen?"

Auch sagte ich natürlich, weil eine meiner Lieblingskameras bekanntlich die wunderbare ukrainische Kiev 88 ist. Für die habe ich mir vor ein paar Tagen mein drittes Objektiv, ein Calejnar 3B 2.6/150 geholt. Freu mich schon sehr darauf, damit rumzuspielen. :)

Mit der Kamera habe ich dieses Jahr übrigens auch auf einer Hochzeit fotografiert. Es war die meiner Schwester und sie fand - uuuhuuhuuhuuu - am 08.08.2008 statt.

Mannmann, es wird wirklich allerhöchste Zeit für die intelligenzbegabte Zivilgesellschaft, die allgemeine Zahlenhoheit komplett zurückzugewinnen. In diesem Sinne: Schtonk!

2008-11-04

a few minutes ago live on CNN

Vor wenigen Minuten live auf CNN: Barack Obama gibt in der amerikanischen Präsidentschaftswahl seine Stimme ab.

Gefühlte 10 bis 15 Minuten steht er an einem dieser supermodernen Wahlterminals. Was zum Henker macht er da so lange? Irgendetwas lesen, tippen... man sieht es ja leider nicht. Nebenan ebenso seine Frau. Anscheinend gibt es zwischendurch Wartepausen (in denen die Maschine vielleicht McCain-Wahlwerbespots zeigt?) und Obama seiner Tochter diesen Wahnsinnsapparat erklären kann. Am Ende drucken sie beide einen riesigen Wisch ab, der dann an anderer Stelle nochmal in einen Computer eingelesen wird... Alles sehr kryptisch für meine mitteleuropäischen Augen.

Nur wenige Minuten später wird ein Korrespondent unterbrochen, um live zur Stimmabgabe von Obamas Vize Joe Biden zu schalten. Dieser geht in eine Wahlkabine, zieht den Vorhang zu und kommt - zack! - nur wenige Augenblicke später grinsend wieder heraus.

Vielleicht kann diese Szene den Amis ja ja für die nächste Wahl als Entscheidungshilfe für ein einheitliches Stimmabgabesystem dienen. Ich persönlich empfehle einen Zettel mit den Namen der Kandidaten und einem großen anzukreuzenden Kreis dahinter in Verbindung mit einer Wahlurne. Geht schnell und vermeidet überlange Warteschlangen.

Allerdings könnte es so passieren, dass der Präsidentschaftskandidat evtl. genauso kurz oder gar kürzer als sein Vize im Fernsehbild zu sehen ist.



Nachtrag: Inzwischen bin ich über den Grund für Obamas lange Bildschirmpräsenz aufgeklärt. Es wurde in seinem Wahlbezirk wohl noch über ein Dutzend andere politische Posten abgestimmt. Das könnte man ja auch nicht an einem anderen Tag machen, am Wochenende zum Beispiel. ;)

2008-10-20

METALLICA - Death Magnetic

- real time review -


Unerhört! Der Oktober ist schon fast zu zwei Dritteln vorbei und hier tut sich nichts!
Das mag daran liegen, dass meine üblichen beiden Standardthemen z.Zt. wenig hergeben. Der nächste Auftritt meiner Band ist erst Ende November (Kellinghusen, Ulmenhofschule) und fotografiert habe ich während der letzten Wochen auch kaum. Höchstens die Neuveröffentlichung einiger meiner schönsten Holgabilder aus der Schweiz vom Sommer 2006 auf flickr ist in dieser Hinsicht erwähnenswert.

Deswegen probiere ich heute mal etwas neues, nämlich ein CD-Review. Für so etwas fühle ich mich zwar generell gar nicht qualifiziert, aber ich sehe es auch eher als Übung für mich selbst an, um die Geschwindigkeit meines Schreibflusses mal etwas zu erhöhen. Ich bin nämlich ehrlich gesagt ein ziemlicher Lahmarsch beim Formulieren von Texten. ;)
Das Zeitlimit für meinen Text bestimmt die CD selbst - ich tippe einfach, während ich die Scheibe höre. Mal sehen, ob ich das auf die Reihe bekomme. Um es mir für den Anfang nicht allzu schwer zu machen, teste ich dieses Konzept nun an einer relativ langen Scheibe, die wohl nicht nur bei mir gerade in Dauerrotation läuft, nämlich Metallicas "Death Magnetic".
Jaja, ich weiß, die unoriginellste Wahl, wo gibt...

Ok, e-Mail und Messenger offline. Uuund PLAY!


METALLICA - Death Magnetic (2008)

Also, los geht's. Schönes, mit diversen klassischen Metallica-Trademarks versehenes Intro. Praktisch auch, um die Lautstärke zu justieren. Würden die Jungs gleich voll lospreschen, könnte es sonst gefährlich für die Gehörgänge werden, da die CD wirklich verdammt laut ist. Das ist für mich aber auch das einzig störende am Sound. Es gibt ja sogar alberne Onlinepetitionen, in denen ein neues Mastering gefordert wird, weil's manchmal etwas ranzt... *kopfschüttel*
Apropos *kopfschüttel*: "That Was Just Your Life" geht nach dem Intro gleich richtig flott thrashig ab! Besonders auffällig der schnelle und deutlich jünger als auf den letzten Alben klingende Gesang von James Hetfield. Da die Saiteninstrumente entgegen aktueller Trends wieder auf 80er-Jahre-Niveau hochgestimmt wurden, ist der Gesang auch wieder etwas höher und dadurch frischer. Eine sehr effektive Maßnahme! Und während man sich noch darüber freut, kommt auch schon das erste von zahlreichen auf "St. Anger" bekanntlich vermissten Gitarrensoli, in denen sich Kirk Hammet scheinbar die lange Abstinenz von der Seele zu hexen scheint. Sehr in den Vordergrund gemischt - fast wie manchmal bei Slayer! Sehr geil!

Inzwischen läuft hier übrigens schon das Solo vom zweiten Song "The End Of The Line". Gleich kommt der ruhige Teil ab Minute 6. "The slave becomes the master", die erste Zeile, die sich bei mir regelrecht ins Gehirn eingebrannt hat. Mag daran liegen, dass man natürlich sofort an "Master Of Puppets" denkt. ;)
Aber nicht nur diese Zeile erinnert auf "Death Magnetic" an MOP. Insgesamt erinnert mich das Album auch textlich aber eher an meinen Metallica-Favoriten "And Justice For All".
Wirklich unzitiert bleibt aber keine Schaffensphase der Band. So finde ich mich beim dritten Song "Broken, Beat And Scarred" beispielsweise durch den sehr repetiven Text an "St. Anger" erinnert, was ausdrücklich nichts schlechtes ist, da ich die Scheibe - gerade auch wegen des so oft gescholtenen rohen Sounds - sehr gerne mag.
Ich gehöre allerdings nicht zu jenen Leuten, die alle Metallica-Auswürfe vergöttern. Mein Liebling ist wie gesagt AJFA, dazu liebe ich wie jeder geschmacksbegabte Metalfan MOP. ;)
Die ersten beiden Alben waren mir niemals so wichtig. Natürlich sind einige Songs absolute Klassiker, aber ich habe sie nie selbst auf Tonträger (abgesehen von Kopien auf Kassette, wer erinnert sich?) besessen. Das schwarze Album würde ich gerne mal wieder hören, kann's aber nicht finden. Danach hat mich die Band dann kaum noch interessiert, bis zum katharsischen "St. Anger" vor 5 Jahren eben.

Jetzt bang ich mal wieder eine Runde...
Es läuft gerade das im Radio lächerlicherweise nicht mitgespielte Finale der Single "The Day That Never Comes". Strukturell die klassische Halbballade im Stile von "Sanatorium" oder "One". Ich mag den Song und sogar das dazugehörige Video, was im Normalfall eher selten vorkommt.
Ok, ich sage es gleich - ich mag alle Songs von "Death Magnetic". *g*
So frisch, so nach vorne preschend, so ausufernd aber niemals langweilig gab es Metallica seit Ewigkeiten nicht mehr. Und die Sache mit dem Sound... hach... Ehrlich gesagt finde ich es einfach nur erbärmlich, wie sich heutzutage über irgendwelche Klangkleinigkeiten aufgeregt wird. Mann Leute, solange die Mucke geil ist, ist der Sound doch echt Banane. Klar, man hört mal wieder kaum, was der Bassist macht - nichts wirklich neues bei Metallica, so sind sie eben... aber wen interessiert's? Die Scheibe geht direkt in die Fresse und klingt dynamisch wie kaum eine andere moderne Metal-CD. Und wie ist die Reaktion mancher Fans darauf? Weil das Schlagzeug nicht wie gewohnt nach Computer klingt (ist es bei sehr vielen Metalscheiben ja auch) wird gefolgert, dass Lars Ulrich wohl nicht spielen kann. Autsch.

"Suicide - I've already died..."
Der Refrain von "Cyanide" hat mich gerade glücklicherweise aus meinem Hirnschmerz gerissen. Grandios! Und wieder eines dieser fantastischen Hammet-Soli. *schwärm*

Gleich kommt der einzige Track, bei dem ich zunächst skeptisch war. "The Unforgiven III" klingt vom Titel her natürlich nicht gerade sehr kreativ. Am Anfang Klavier und Streicher und dann ein halbballadesker Midtempo-Song... der sich tatsächlich spätestens nach dem dritten Durchlauf als bärenstark erweist, auch wenn hier mal nicht aufs Gaspedal getreten wird.

Hmm... jetzt wird's schwierig. Kaum erwähne ich Kreativität, hat mich selbst das Schreibloch ereilt.... *erstmaleinpaarMinutennurzuhör*

Ok, mit "The Judas Kiss" geht es nun wieder deutlich brutaler und vertrackter weiter. Ich möchte mal behaupten, dass der Song zum besten gehört, was die Jungs je komponiert haben. Auch textlich... überhaupt hat sich Hetfield hier einige sehr "nette" Sachen von der Seele geschrieben.
Man glaubt kaum, dass es noch geiler werden kann, aber was passiert? Mit "Suicide & Redemption" (ein Titel der das lyrische Konzept des ganzen Albums widerspiegelt) kommt doch tatsächlich ein 10-minütiges Instrumentalstück! Das hat's lange nicht gegeben - meiner Meinung nach das beste Metallica-Instrumental seit Dream Theaters "Stream Of Consciousness", auch wenn es gegen Ende einen der wenigen schwächeren Momente des Albums enthält, als Metallica für eine halbe Minute versuchen, statt nach Metallica nach Deep Purple zu klingen. Ansonsten aber allerfeinst!

Das Abschließende "My Apocalypse" gehört dann kompositorisch eher zu den simpleren Werken der Band, schüttelt dafür aber nochmal in lupenreiner Thrashmanier so richtig die Birne durch. Wieder einmal lassen an einigen stellen Slayer grüßen. Herrlich!


Fazit Nr.1 : Mit dem Todesmagneten haben Metallica ein Meisterwerk abgeliefert, von dem ich mir sicher bin, dass es sich auch längerfristig in meinen persönlichen Metallica-Top-3 etablieren kann, es sei denn, sie schaffen es tatsächlich, dass mit dem nächsten Output noch zu toppen. Aber bitte nicht erst wieder in fünf Jahren!
Und außerdem: Das Wackenticket für 2009 war sauteuer! Also, wo bleibt endlich die Bestätigung für den Night-To-Remember-Hauptact? ;)

Fazit Nr. 2: Ich bin vollkommen unkritisch, was dieses wohl ohnehin sehr mäßig strukturierte und unvollständige Review vermutlich ziemlich überflüssig macht. Aber egal, ich hab's immerhin in der Zeit geschafft!
Mal schauen, vielleicht schnapp ich mir irgendwann noch andere Alben aus meiner Sammlung für ein Real-Time-Review....

*nochdierestlicheMinutemitbang*

2008-09-28

Nindorf gerockt

Gestern hat Das Rote Universum mal wieder auf einer Party gespielt und dabei einigen Widrigkeiten getrotzt. Und damit meine ich nicht den Nebel, der vor allem die Rückfahrt zu einer äußerst zähen Angelegenheit werden ließ... ;)

Den Konzertbericht gibt's wie immer im Roten Logbuch.

2008-09-27

Scheinwerfer an!

Außer dass ich dort ab und zu ein paar Bilder hochlade und "Knipskiste" spiele, bin ich auf SternVIEW eigentlich fast gar nicht aktiv.

Umso mehr freut es mich daher, dass ein Bild von mir für den Artikel "Mittelformat" der Oktober-Ausgabe des e-Papers VIEW Spotlight ausgewählt wurde. :)

2008-09-21

ROOM 606

Guten Morgen!

Da ich gerade das letzte Foto daraus veröffentlicht habe, möchte ich hier heute einmal auf meine kleine Hotelzimmerserie aus der Superbude (Hamburg) hinweisen. :)

Abgesehen von ein paar digitalen Lensbaby-Schüssen, worauf ich dann doch nicht so große Lust hatte, sind alle Fotos mit der Kiev 88 entstanden. Da ich nach einem langen W:O:A-Wochenende wohl nicht ganz bei der Sache war, habe ich die Bilder großenteils gnadenlos überbelichtet, was durch kürzestmögliche Entwicklung jedoch zum Glück sehr gut kompensiert werden konnte.

Ein paar Bilder sind wegen bösem Brust/Nippel-Alarm der Sicherheitsstufe "mittel" zugeordnet und deswegen eigentlich für Nicht-Flickr-Mitglieder unsichtbar. Um die Serie komplett zu sehen, klickt einfach auf diesen Gästepass!

2008-09-17

Pseudorama

Seit kurzem besitze ich eine Toycam - genauer gesagt eine FunCam - mit "panoramic lens"!
Beeindruckend, was?

In Wirklichkeit ist es natürlich eine stinknormale Plastiklinsen-35mm-Knipse, an der sich hinten eine Maske befindet. Dieses Pseudo-Panorama ist vermutlich das unsinnigste, auf jeden Fall das unökonomischste mir geläufige Filmformat.
Das unter Plastikknipsern bekannteste Beispiel für solcherlei künstliche Formatverkleinerung dürfte wohl die ungeliebte 4,5x6er-Maske für die Holga sein, an welche mich Nadjas Blog gerade gestern erinnerte. Für diese lässt sich aber immerhin argumentieren, dass man damit ja 4 Bilder mehr als sonst belichten kann.
Beim Pseudorama bleibt die Breite aber die gleiche, d.h. man verschenkt im Grunde die Hälfte der potentiell belichtbaren Filmfläche.
Dazu hakt und klemmt es in meinem speziellen Fall auch noch bei Auslösen und Filmtransport, und der Bildzähler bewegt sich fast gar nicht, so dass man ähnlich wie bei der zählerfreien Pingo selbst mitzählen muss, oder man knipst eben im Blindflug.

Aber zum Glück ist das alles relativ Banane, denn auch eine Fake-Format kann ja Freude bereiten und schöne Bilder machen! :-)


2008-09-03

Das Rote Universum im Roten Salon und ein Blick hinter die Kulissen eines tippenden Schlagzeugers

Gestern haben wir in Kiel gespielt.

Es war ein guter Auftritt, einer von der Art, wo ich mich mit dem Bericht für das Rote Logbuch immer schwer tue. Bei im Großen und Ganzen gelungenen Gigs lässt sich ja immer schwer etwas schreiben, ohne sich in zu vielen uninteressanten Details zu verlieren oder allzu selbstherrlich zu wirken.

Die Abwägung, was man erwähnt und was nicht, nimmt beim Verfassen meiner Band-Berichte allgemein tatsächlich oft die meiste Zeit in Anspruch. Und das aus ganz verschiedenen Gründen.

So gibt es, um mal mit dem unerfreulichsten anzufangen - und das betrifft jetzt ausdrücklich nicht dieses Konzert -, in der peacigen Muckerwelt, in der jeder jeden lieb hat, ja tatsächlich auch extrem unkollegiale Bands und Veranstalter, über die man im real life herzlich ablästert, was sich im Netz verewigt aber weniger gut macht. ;)

Überhaupt schreibe ich oft nur sehr wenig oder gar nichts über andere Gruppen, auch wenn die Leute total in Ordnung sind und geile Musik machen. Dies geschieht nicht aus Bosheit, sondern einfach, um den Fokus auf unserem subjektes Erleben als Das Rote Universum zu lassen.
Wenn man zu subjektiv wird, läuft man anderseits Gefahr, Nichtmusiker (ok, dazu zähle ich als Drummer ja eigentlich auch...) zu langweilen. Und jeden vom Publikum oft gar nicht bemerkten Verspieler oder jedes technische Problemchen festzuhalten, wäre ohnehin eine nicht zu bewältigende Sisiphusarbeit. *g*

In Wewelsfleth hatte ich stark damit zu kämpfen, statt mit meiner Doppelfußmaschine auf ein richtiges Bassdrumfell mit nur einem Fuß auf ein Elektrodrumpad zu treten, weshalb wir spontan auch einen Song streichen mussten. Hat aber vor Ort sonst niemanden gejuckt und wenn ich's in den Bericht packe, lässt es mich natürlich auch als unflexiblen Stümper erscheinen. ;)
Gleiches gilt für ein ähnliches Problem in Kiel, wo Sönke nach dem bierbedingten Teilausfall seines Verstärkers quasi im Blind- bzw. Taubflug spielen musste, weshalb wir die Premiere eines ohnehin noch nicht ganz ausgefeilten neuen Songs lieber auf den nächsten Auftritt verschoben haben.

Ich habe auch drüber nachgedacht, meinen ungeschickten Stolperer kurz vor dem Auftritt zu erwähnen, bei dem ich mir mit Anlauf einen großen Zeh am Bühnenrand gestoßen habe. Mir erschien das dann jedoch als zu peinlich und weinerlich, zumal mich das beim Spielen nicht behindert hat und gestern auch noch nicht so weh tat wie heute.

Dass wir es endlich mal wieder hinbekommen haben, einen Gig komplett mitzuschneiden, habe ich ausgelassen, da es so eine größere Überraschung darstellt, falls tatsächlich mal etwas davon veröffentlicht wird. ;)

Und dann wäre da natürlich die kindliche Begeisterung darüber, dass ein Tonmann tatsächlich mal unseren Bühnenplan und Stagerider gründlich gelesen hat, was ja eigentlich nur vom Professionalitätsmangel unseres gewohnten Umfeldes zeugt. *g*

Warum ich hingegen verschwiegen habe, dass ich's irgendwie gut finde, ein doch recht langes Set ganz ohne Coverversion bestritten zu haben, weiß ich gar nicht genau. Vermutlich weil ich eben nicht genau weiß, warum ich's gut finde...


Und warum erwähne ich all diese nicht erwähnten Dinge nun doch hier?

Hmmm... Vielleicht poste ich ja demnächst mal einen Beitrag zum Thema, warum ich in meinem Blog was schreibe oder weglasse. ;)


Ich halte jetzt besser mal die Klappe, bevor mir dieser Text vollkommen entgleitet.
Hier zu guter Letzt der Link zum "offiziellen" Konzertbericht:
Das Rote Universum im Roten Salon

2008-08-31

Liebes Tagebuch, dieses Wochenende...

... war das Wetter sehr schön. Deswegen habe ich heute Sonnenblumen fotografiert - und meine Katze. Beides mit der Kiev 88, mit der ich somit diesen Monat u.a. inkl. der Hochzeit meiner Schwester und Teilen von "room 606" mal wieder satte zwölf Filme verballert habe.

Weil es hier drinnen so schön kühl ist, saß ich aber auch vorm PC. Dort habe ich gestern festgestellt, dass die Linksektion von rotesuniversum.de einen recht ranzigen Leichenmief angenommen hatte und habe dort einmal kräftig aufgeräumt.
Dabei kam mir dann auch in den Sinn, die Gedenkseite für unsere frühere Band Osh zeitgemäßer durch einen myspace-Account zu ersetzen. Sicherlich kein besonders aktiver Freund für andere Nutzer, aber immerhin gibt es dort einen 1996er-Livemitschnitt des ansonsten unveröffentlichten obskuren Songs "Where The Bodies Live" zu hören. ;)

Heute abend habe ich den Computer dann genutzt, um einen kleinen Konzertbericht für unser Rotes Logbuch zu schreiben. Der Auftritt, um den es ging, kam relativ kurzfristig zustande und fand heute morgen um 11 Uhr in Wewelsfleth statt. Nach uns spielte dann eine Blasmusikkapelle den "Jäger von Kurpfalz", Birger und Sönke fuhren nach Hause und ich stopfte das Spritgeld des Tages komplett in meinen Tank. *g*

Danach stattete ich in Itzehoe noch dem Planet-Alsen-rockt-Festival einen Besuch ab, was doch eine perfekte Überleitung dazu darstellt, dass ich auf flickr nun auch ein Alsen-Album eröffnet habe. ;) Dort werde ich zukünftig auch einige meiner älteren Aufnahmen seit 2004 wiederveröffentlichen. Zunächst einmal gibt's aber ein paar relativ frische Bilder vom April zu sehen, diese zum Beispiel:

Planet X

Planet X

Planet X

2008-08-29

"für alle, die sich extrem gerne fremdschämen"

Ich poste ja eher selten Sachen, die jeder Internetjunkie sowieso bald weiß, aber heute kann ich's mir einfach nicht verkneifen, weil's einfach zu geil ist. ;)

Auch wenn man bei jedem Anschauen aufs Neue leidet, halte ich Christian Ulmens "Mein neuer Freund" ja für eines der genialsten Tv-Konzepte der letzten Jahre. Auf ulmen.tv kehren drei seiner Figuren, nämlich der hamburger Alleinunterhalter mit dem unerschöpflichen Witze- und Liederrepertoire Knut Hansen auf Tour in Bayern, Oberschichtnazi Alexander von Eich als Mentor einer Hartz4-Familie und der tragisch minderbemittelte Uwe Wöllner jetzt zurück!
Die ersten Clips sind schon extrem vielversprechend. Ich könnte jetzt natürlich noch ein paar Sätze dazu loswerden, aber am besten schaut ihr selbst! Bei mir wandert die Seite auf jeden Fall in die Favoriten. :)

Trailer:


Pressekonferenz (inkl. einigen der ersten Clips): HIER

2008-08-21

Wacken 2008 - endlich alle Fotos da!

Als ich neulich die Post aus dem Labor sichtete, geriet ich ja zugegebenermaßen schon etwas in Panik.
Mein zweiter Film, den ich auf dem diesjährigen Wacken Open Air in der Adox Golf verschossen hatte, war nämlich nicht mit dabei! Aber ich hatte ihn doch... oder hatte ich...? Nein... Fünf Fuji Astia hatte ich mir vor kurzem besorgt, zwei in Wacken vollgeknipst. Ein Blick in meinen Mittelformatschuhkarton: drei eingeschweißte Astias, kein benutzter. Die Full Metal Bag, Fototaschen und meine Reisetasche durchwühlt, Auto - Handschuhfach - nichts! Hose? Aber das war doch alles schon in der Wäsche? Hatte ich den Film also tatsächlich verschludert? Das wäre ja nach dem Pingo-Flop noch die Krönung... Und das, wo ich doch gesagt hatte, dass eigentlich alles andere egal sei, wenn nur ein cooles Bild von Mambo Kurt dabei wäre...

Irgendwann fiel mir dann aber doch die naheliegendste Lösung ein.
Selbstverständlich war der Film noch in der Kamera.


HIER geht's zu meinen Wacken-Fotos 2008! :)



W:O:A 2008


W:O:A 2008


W:O:A 2008

2008-08-14

Schaufenstergalerie Glückstadt

Ab sofort schmücken neun meiner Fotografien das Fenster Nr.5 (Große Nübelstr. 29; ein paar Meter von der Touristeninformation entfernt) der über die ganze Innenstadt verteilten Schaufenstergalerie Glückstadt.


[edit Februar 2009: Die Ausstellung ist inzwischen beendet. Bilder von mir als Fotodruck, auf Leinwand etc. in unterschiedlichen Größen sind natürlich auf Anfrage auf Anfrage nach wie vor zu haben. ;)]

DÜNE
Helgoland 06/2008, Holga


MÖWE
Helgoland 06/2008, Holga


ALSEN
Itzehoe 05/2006, Holga


THUR
Ostschweiz 07/2006, Holga


WEIHER
Schleswig-Holstein 03/2008, Kiev 88


BÜSTE
Niedersachsen 05/2008, Adox Golf


HAFEN
Itzehoe 03/2007, Adox Golf


NORDSTRAND
Helgoland 06/2008, Kodak Brownie Hawkeye


CAFE
Helgoland 06/2008, Kodak Brownie Hawkeye

2008-08-13

Wacken 2008 - plinder Pinguin

Es wird Zeit für Wacken-Bilder!

Ich habe allerdings noch nicht alle. Und von denen, die ich habe, sind die meisten leider ziemlich... öhm...

Also, ich habe - wie auf flickr zu sehen - auch ein paar anständige Bilder mit der Adox Golf gemacht. Sobald der zweite Rollfilm ebtwickelt und gescannt ist, fietschöre ich die hier auch nochmal.

Meine Hauptknipse war jedoch Pingo:

Lätta & Pingo

Und das hat Pingo angestellt:

plind Pingo


Und nun, da wir alle schön auf den blinden Vogel geschimpft haben, kann ich ja zugeben, dass er gar keine Schuld trägt. ;)

Ok, da ist noch ein Sichtfenster, welches ich nächtes Mal dichtkleben werde, um diese fetten Querstreifen zu vermeiden. Doch jene sind für die Vermurksung der Bilder ja nur zum Teil verantwortlich.
Die Hauptschuld liegt wohl in meiner zu optimistischen Filmwahl. Ich habe dem zwanzig Jahre alten Diafilm einfach viel zu viel zugetraut.

Soweit möglich habe ich die Negative natürlich trotzdem gescannt. Es folgen nun ein paar Pingo-Fotos, auf denen man wenigstens etwas erahnen kann. *g*

Ankunft auf dem Campingplatz:

Abfeiern der W:O:A Firefighters:
(waren gerade bei ihrem letzten Stück)

W:O:A Metal Market:
Wer da gerade gespielt hat weiß ich jetzt nicht mehr...

Multipommesgabel:

Met:

Beni:

Ich glaube, das war bei Obituary:

Hier hatte ich mich eigentlich ganz cool
in der Sonnenbrille gespiegelt...

Viecherfütterung am "Kiss&Ride"-Parkplatz:

*hach*

Und zum Abschluss noch ein paar dominante Vertikalen:

Naja, nächstes Jahr ist ja wieder Wacken. Da mache ich dann vermutlich mehr Bilder, auf denen man etwas erkennen kann. *g*

2008-08-10

scissorisms (5.1 bis 7.10)

Da es mit meinen Wacken-Fotos wohl noch einige Tage dauern wird, möchte ich doch einfach mal zur Überbrückung darauf aufmerksam machen, dass seit meinem ersten Eintrag zur scissorisms-Serie (in dem auch das Prinzip erklärt wird), einige neue Teile hinzugekommen sind. Erstmals habe ich dafür auch mal einen alten s/w-Film benutzt. Die Teile 7.xx sind in Kooperation mit einer brasilianischen flickr-Nutzerin entstanden.

Es folgen ein paar Beispiele. Alle Teile gibt es HIER zu sehen!


scissorism 5.5
scissorism 5.5


scissorism 5.9
scissorism 5.9


scissorism 6.5
scissorism 6.5


scissorism 6.8
scissorism 6.8


scissorism 7.2
scissorism 7.2


scissorism 7.5
scissorism 7.5

2008-08-04

Wacken 2008 - Festivalbericht

Wackööön! Ein paar Tage später, ein paar Beine und Füße kaputter - es wird Zeit für ein paar Worte über das vergangene Open Air, welche über die Information hinausgehen, dass ich Cynic gesehen habe:


Ich habe mir von Cynic auch ein T-Shirt gekauft!

;-)



Ok, ein bisschen mehr war da schon noch.

Zunächst einmal hieß es am Donnerstagnachmittag, meine von weit her angereiste Festivalbegleitung vom itzehoer Bahnhof abzuholen. Auf dem Weg dorthin gab es keine Behinderungen und auch am Bahnhof selbst war bemerkenswert wenig los. Klare Anzeichen dafür, dass man mittlerweile nach Mittwoch schon zu den Nachzüglern zählt.
In Wacken selbst bestand daran dann überhaupt kein Zweifel mehr. Schon Kilometer vorher versuchten Fans noch, überschüssige Karten loszuwerden und hinter dem Ortsschild fand man sich bald in der ersten Verkaufsmeile des Festivals wieder. Die gewohnte erste Zufahrt zu den Campingplätzen war dicht, wir fuhren also weiter nach Gribbohm, durch Gribbohm, aus Gribbohm heraus, nach Holstenniendorf... und landeten dort irgendwo zwischen "Avantasia Avenue" und "Gorgoroth Road" (das Konzept mit den Straßennamen für den Campingplatz hat leider nur begrenzten Nutzen, wenn vor Ort die entsprechenden Schilder fehlen!) auf Platz V.
V steht dabei selbstverständlich nicht für die römische Ziffer 5, sondern für den Buchstaben im Alphabet, der Fußweg zum Festivalgelände wurde also ziemlich lang.
Deswegen und da das Camping nicht gerade bequem wurde, unsere norwegischen Nachbarn ihr Zelt halb über unseres drüber bauten und die generatorbetriebene superlaute Anlage, auf der gefühlte dreißigmal derselbe Manowar-Song gedudelt wurde, anscheinend keinen Power-Off-Schalter hatte, haben wir auch nur die erste Nacht gezeltet und uns für den Rest des Festivals auf die Heimvariante mit echtem Bett und echter Dusche entschieden.
Für Samstag bedeutete das dann Parken auf dem "Kiss & Ride"-Platz in Gribbohm, was von der Strecke her etwa genauso lang ist wie V, sich aber durch den geringeren Grip auf der durchweg asphaltierten Strecke schneller anfühlte. ;)

Nun aber zum wichtigsten, nämlich der Mucke. Für meine Verhältnisse habe ich relativ viele Bands gesehen. Allerdings erst ab Freitag, da wir ja erst Donnerstag abend das Festivalgelände betraten. Während Airborne die Gehörgänge kräftig freipusteten und auf der Party Stage Liv Kristine und Alex Krull, die Marianne und Michael des Metal, schon so weit vor Weihnachten Lametta aufs Publikum regnen ließen, was wohl auch das bemerkenswerteste am Leaves Eyes-Konzert gewesen sein dürfte, akklimatisierte man sich allmählich für den unbestrittenen Headliner des Festivals: Iron Maiden! - Häh, wer? - Iron Maiden!
Ja sie waren wirklich viel zu leise.
Da sieht man endlich zum ersten Mal Maiden live und kann die Band kaum noch hören, sobald die Fans anfangen, mitzusingen - und das nur knapp hinter dem Delay Tower! Bin dann weiter nach vorne gegangen, bis es einigermaßen ging, aber nachvollziehen kann ich's immer noch nicht. Verhält sich die Lautstärke der Band etwas umgekehrt proportional zu ihrer Beliebtheit? Slayer haben in Wacken 2003 ja auch kaum Zimmerlautstärke erreicht...
Abgesehen von diesem Makel war's aber genial. Ein aufwendige Bühnendeko, in der der agile Bruce Dickinson überall mal zu finden war, die obligatorischen Puppentheatereinlagen, ein geiles Oldschool-Set inkl. meiner Wunschlieder "Moonchild", "Rime Of The Ancient Mariner" und "Powerslave"... Hätte nur noch gefehlt, statt dem einzigen doofen Song "Heaven Can Wait" noch mehr von meinem Lieblingsmaidenalbum "Seventh Son Of A Seventh Son" zu spielen (am besten den Titelsong), dann wär's perfekt gewesen. ;)

Mir fehlt ja der Vergleich zum Vorjahr, aber das nach zwei Stunden Eiserne Jungfrauen folgende Gedränge auf dem Weg zum Campingplatz kam mir schon verdammt historisch vor.
Überhaupt, was für Menschenmassen - schon wenn man auf den zahlreichen Video Walls Kamerabilder aus Bühnenperspektive sah... Solche Bilder kannte ich bisher nur von Festivals der Größenordnung Rock am Ring. Faszinierend, aber auch beängstigend.
20.000 Besucher weniger würden dem Festival gewiss nicht schaden.
Erstaunlich, wie viele Bekannte ich dennoch (z.T. sogar mehrmals) zufällig getroffen habe.


Der Freitag begann für mich auf der Partystage mit meinem absoluten Höhepunkt, der Band, die mein mir niemals langweilig gewordenes Metal-Lieblingsalbum der 90er Jahre gezaubert hat und die ich 1994 kurz vor ihrer Auflösung wegen Staus nicht auf dem Dynamo Open Air gesehen hatte. Ich glaube, ich habe ihren Namen schon weiter oben erwähnt... Cynic natürlich!
Die vier Mannen um Paul Masvidal und Drumgott Sean Reinert spielen mit ihrer unvergleichlichen Mixtur aus progressivem Death Metal und Mahavishnu Orchestra natürlich den kompletten Gegenentwurf zum massentauglichen Mitgröhlmetal. Und während Maidens Nicko McBrain am Vortag noch als "the world's worst jazz drummer" vorgestellt worden war, hatten Cynic ihren größten Szenenapplaus ausgerechnet beim total jazzigen Bass-Solo im Instrumentalstück "Textures". Wie schon auf den Videos von der letztjährigen Reunionstour zu sehen, singt Masvidal durchgehend mit esoterisch verfremdeter Vocoderstimme. Die Death-Metal-Growls kamen aus Budgetgründen (eine Person mehr im Tourbus) damals noch vom Band, inzwischen hat der zweite Gitarrist sie übernommen. Sicherlich keine leichte Aufgabe bei einer Musik, die sich ständig oberhalb der normalsterblichen Spielbarkeit bewegt. ;) Allein schon, wie die Band sich manchmal quasi selbst ein- und aus- und sogar crossfaded (Schluss von "Textures") ist der Hammer! Und das alles präsentiert in einer sympathisch wortkargen, fast schüchternen Art, die man nur als absolutes Understatement bezeichnen kann.
Es gab logischerweise hauptsächlich Material von "Focus" zu hören, dazu noch ein paar unveröffentlichte neue Stücke, die Lust aufs kommende Album plus der dazugehörigen Tour im Vorprogramm von Opeth machten. Wer hat sich überhaupt dieses geile Package ausgedacht? :)



Danach hätte für mich meinetwegen auch nur noch Grütze kommen können, was aber zum Glück doch nicht geschah. ;)
Stattdessen kam Regen. Ich schaute mir noch die gar nicht üblen Unearth an, deren Fans im riesigen Circle Pit der Niederschlag scheinbar vollkommen egal war, dann musste ich mich zum Auto aufmachen, um Turnschuhe gegen Gummistiefel, kurze Hose gegen Jeans und meine eigene durchnässte Regenjacke gegen das durchaus zweckmäßige Teil aus der "Full Metal Bag", von der es dieses Jahr tatsächlich genügend gab, einzutauschen.

So ausgestattet sah ich mir neben kurzen Abstechern zur Zeltbühne und der für meinen Geschmack nicht mehr so gut besetzten True Metal Stage noch etwas Soilwork, aber vor allem die gewohnt genialen (und in ihren Ansagen immer wieder lustigen) Opeth und Corvus Corax mit der Welturaufführung ihres "Cantus Buranus II" an.
Der Auftritt der Mittelaltertruppe plus Chor und Orchester war nicht ganz so überwältigend wie 2005, was aber nur daran lag, dass ich dieses Jahr wesentlich weiter von der Bühne entfernt war und man ja schon ungefähr wusste, was einen erwartete.
Und das war vor allem Bombast, Bombast, Bombast. Fachkräfte für leise Töne waren die Spielleute ja eh nie. Das volle Dynamikspektrum, welches ein Orchester bieten könnte, wurde also nicht annähernd genutzt. Nicht schlimm, denn Wacken ist schließlich immer noch ein Metalfestival und anspruchsvoller als bei vielen Rock/Klassik-Kooperationen waren die Arrangements allemal. Ich fand's wieder einmal sehr beeindruckend. Vor allem beim zweiten Lied mit der Opernsängerin passierte musikalisch derartig viel, dass ich eine Gänsehaut bekam, welche dadurch, dass es allmählich kälter wurde, auch so schnell nicht wegging...
Sehr gutes Ding - ein dritter Teil 2011 muss aber nicht mehr sein. ;)


Nach etwas Erholung zu Hause ging mein Musikprogramm am Samstag in der ersten Reihe bei Holy Moses weiter. Zunächst war ich etwas geschockt, dass sie einen Keyboarder dabei hatten, doch es stellte sich schnell heraus, dass der Gastmusiker darauf hauptsächlich amtlichen Krach fabrizierte. ;) Auf Sabina Classen und ihre Jungs kann man sich eben verlassen. Das war mal wieder Thrashgewitter erster Güte. Allerdings finde ich auch, dass die Partystage der Band besser gestanden hätte. An den Gig auf eben jener im Jahr 2005 (zu etwa der gleichen Tageszeit und ebenfalls am Samstag) kam die Stimmung meiner Meinung nach nämlich nicht heran. Spaß gemacht hat's aber trotzdem.

Danach beeindruckten Exodus mit brachialer Mucke und der patriotischsten Hose des Festivals.
Es folgten Obituary, die sich leider lautstärketechnisch kaum gegen Hatebreed durchsetzen konnten und mir auf Dauer auch etwas zu eintönig und unkommunikativ waren, auch wenn's nett war, mal ein Celtic Frost-Cover zu hören.
Die mir bis dato völlig unbekannten As I Lay Dying ließen zünftig den Pit kreisen und waren dann der letzte Hauptbühnenact, den ich mir aus unmittelbarer Nähe angeschaut habe, da ich mittlerweile an beiden großen Zehen eine Blase hatte. Auch meine Aufmerksamkeitspanne war Schwankungen unterworfen, wie das eben so ist, wenn man den ganzen Tag Songs hört, von denen man die wenigsten von Tonträgern her schon kennt. So blieb von der auferstandenen Death-Metal-Legende Carcass leider weniger bei mir hängen als erhofft.

Um 20:00 Uhr war ich dann aber direkt vor der Biergartenbühne wieder da, als es die vierte und letzte Gelegenheit des Festivals gab, den König der Heimorgel, Mambo Kurt, live zu erleben. Spätestens nachdem ich am Vortag noch die letzten paar Songs von ihm mitbekommen hatte, war klar, dass ich mir unbedingt einen ganzen Auftritt von ihm aus der ersten Reihe reinpfeifen musste. ;)
Von Slayer über Kiss und "Sambastruck" bis Scooter, Rage Against The Machine und "Musik ist Trumpf" war alles dabei, was die Welt des Rock und Pops so zu bieten hat. Nur geil, ein absolutes Tageshighlight und nächstes Jahr garantiert wieder auf meiner persönlichen Running Order! Hoffentliche schaffe ich es dann auch endlich mal, mir die W:O:A Firefighters zu geben.


Der musikalische Ausklang des Festivals war für mich der von gewohnt doofdenglischen Ansagen Milles durchzogene Auftritt von Kreator, bei dem ich merkte, dass es von meinen einstigen Thrashhelden Nr.1 mittlerweile scheinbar auch schon jede Menge Klassiker der Post-"Coma Of Souls"-Ära gibt, die mir nicht geläufig sind. Schon ein guter Auftritt, allein ich war zu fußwund und daher bald sitzenderweise so weit weg, dass der Sound nicht mehr störungsfrei bei mir ankam...

Aber was soll's - schon wegen Maiden, Cynic und Mambo Kurt war's eines der besseren, ein geiles Wacken Open Air.

(Ganz nebenbei habe ich übrigens zum ersten Mal in meinem Leben (!) ein Handy benutzt, um SMSen zu verschicken!)


Nach einer Nacht zu Hause und einer weiteren in einem ziemlich kultigen Hostel in Hamburg, einem leckeren Kuchen im Terminal 2 des Hamburger Flughafens sowie einen bitter nötigen Energydrink am Autohof Tornesch überlegte ich mir Montag nachmittags hier auf meinem PC-Sessel, ob ich mir nicht schon das X-Mas-Ticket für nächstes Jahr holen sollte. Das tat ich leider etwas zu lange, denn die Tickets waren tatsächlich nach knapp über 24h schon ausverkauft. Und das, obwohl noch gar keine Band bestätigt ist!
Dann hol ich mir eben die reguläre Karte ohne Extras. Und ich bin einfach mal für Metallica als Headliner. ;) Wenn's eh schon so riesig ist... und die habe ich ja abgesehen von Rock-am-Ring-Übertragungen auf MTV auch schon seit über 15 Jahren nicht mehr live gesehen.


Waaaah, so viel Text! Das ist ja gar nicht mehr mein Blog hier, also Schluss jetzt!

Nur eine Sache noch: Liebe jüngere Wacken-Jünger, glaubt bitte nicht die schwachsinnigen Zahlen, die z.T. auf dem "W:O:A History Card Game" (in der "Full Metal Bag") zu finden sind!
Da behaupten sie doch tatsächlich, dass es in den Jahren 1992/93 jeweils 150 Mobilklos gegeben haben soll!
Hallo? Der Campingplatz bestand damals aus einem Feld (heutiges Festivalgelände) und die Leute hätten sich gefreut, wenn 15 Klos vorhanden gewesen wären. Jeden Scheiß muss man sich ja auch nicht erzählen lassen. ;)


Demnächst gibt's hier noch einen Eintrag mit Fotos! Die sind gerade noch im Labor.

Bis dahin: Wackööön!

2008-08-02

Wacken 2008 - Cynic gesehen

Kleiner Zwischenstopp zu Hause... gleich noch ein bisschen pennen, dann geht's weiter. ;-)

Selig bin ich jetzt schon, denn ich habe Cynic gesehen! *bet*

Aus diesem Anlass heute ausnahmsweise mal eine Premiumqualitäts-Handygrafie:


Demnächst erzähle ich dann ein wenig mehr. Bis dahin Gute Nacht und WACKÖÖÖÖÖÖN!!!

2008-07-26

Reher revisited - 1986

In der Serie Reher (Holst.) hatte ich mich in den ersten Monaten dieses Jahres ausführlich meinem Heimatdorf gewidmet.

Anders als ich eine Zeit lang dachte, war dies jedoch nicht meine erste Reher-Serie. Einer jener Schuhkartons, in denen zahlreiche wichtige und überflüssige Familienfotos aus mehreren Generationen, die es in kein Album geschafft haben, chaotisch durcheinanderschwirren, offenbarte, dass ich bereits als Neunjähriger im Jahre 1986 während eines Spaziergangs mit meiner Mutter und im Kinderwagen rollender Schwester mal einen Film verknipst habe.

Ich habe davon mal zehn Stück herausgepickt und - soweit möglich - in Bezug zu passenden Bildern aus der neuen Serie gesetzt.

So finden sich auf dem ersten Bild gleich drei Motive der neuen Serie wieder:

1986:

Reher revisited #1


22 Jahre später:

Reher (Holst.) #62

Reher (Holst.) #61

Reher (Holst.) #60
Mehr davon gibt es HIER zu sehen.