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2012-02-23

Ramamarama

Die Angst, Film zu verschwenden, ist ein schlechter Begleiter.

An diesen Leitsatz muss man sich durchaus immer mal wieder beim Fotografieren erinnern. Dies gilt insbesondere für Holgaramas (resp. Dianaramas / Adoxoramas / Pouvaramas etc.), also durch Mehrfachbelichtung und unvollständigen Weitertransport des Filmes erzeugte Panorama-Bilder.

Zum Glück habe ich diese Angst mittlerweile wieder ganz gut im Griff. Das hat natürlich auch mit den Resultaten zu tun. Wenn ich nämlich nochmal rückblickend das vergangene Jahr betrachte, stelle ich fest, dass ich wohl bei kaum einer anderen Art Fotos eine so hohen Anteil an "Volltreffern" vorweisen kann. :)

Aus diesem Anlass (bzw. um mich selbst ein wenig abzufeiern) hier einfach mal beginnend mit meinem aktuellen facebook-Titelbild eine bunte Auswahl Ramagraphien, die ich seit 2006 belichtet habe:


Ehrenbreitstein

Hohohenenwewestetedt

Kanalorama

*

♀ ♀ ♀ ♀ ♀ ♀

i t z e h o e l g a

H e l g o r a m a

Hamburg - Tunnel-o-rama

i t z e h o e l g a

Heimat-Holgarama

Autumn Adoxorama

Zürirama

HoherKastorama

gym-o-rama

Holgaland  -  Helgorama

N o r t h S e a



Nachtrag 26. Februar:

Habe nun auch auf flickr alle in einem Album gesammelt:

Der Ohlsen - View my 'Multi-Rama' set on Flickriver

2012-02-21

METALLICA - Beyond Magnetic

Weil ich heute abend gerade sonst auf nichts Lust habe, dachte ich mir, ich hau hier zur Abwechslung mal ein etwas zeitnäheres Tonträger-Rezensiönchen raus...


METALLICA - Beyond Magnetic (2012)

Was ich an Metallica ja besonders schätze und mir in diesem Maße noch von sehr viel mehr Bands wünschen würde, ist die Konsequenz, mit der sich bei ihren Alben daran orientieren, worauf sie selbst gerade Bock haben, selbst wenn es von größeren Teilen der Fans dafür Haue geben könnte.

Dass dies nicht immer mein persönliches Ding ist, wie z.B. das lieblos dahingeklatschte "S&M", in dem sie neben einem Orchester her spielten, oder das vergeigte Lulu-Projekt, bei dem sie neben Lou Reed her schrammelten, das kann ich als Preis verschmerzen. Es zwingt mich ja niemand, das Zeug zu kaufen.

Und auf der anderen Seiten stehen dafür ja auch ebenfalls kontroverse, aber aus meiner Sicht einfach schweinegeile Alben wie die Aggressionstherapie "St.Anger" oder das sämtliche vorhergehende Scheiben im besten Sinne aufgreifende letzte Werk "Death Magnetic".

Aus den Aufnahmesessions zu eben jenem stammen bekanntermaßen die vier im Schnitt sieben Minuten langen Stücke auf "Beyond Magnetic", welche Metallica erst auf ihren speziellen Jubiläumskonzerten im Dezember vorgestellt und mit dieser EP nur wenig später aufgrund großer Nachfrage ohne weitere Bearbeitung der Rohmixe veröffentlicht haben.

Und was soll ich sagen: Das Ding macht einfach Laune und lässt sich problemlos mehrmals hintereinander hören. Jeder Song hätte auch problemlos auf "Death Magnetic" gepasst, wenn denn noch Platz gewesen wäre. Innerhalb von nur knapp dreißig Minuten spielen Metallica wieder die Stärken unterschiedlichster Phasen aus, so dass die EP im Grunde fast so etwas wie eine Miniversion des letzten Longplayers darstellt.

Der Sound ist auch genau richtig - schön schnörkellos rausgerotzt.
Ich vermisse da nichts.

Und wer sich leisten kann, sowas jahrelang unveröffentlicht im Archiv schlummern zu lassen, der gehört wohl zurecht zu den Größten. Und schmeißt hoffentlich bald wieder ein vollständiges Album in die Runde!

Anspieltipps: Just A Bullet Away, Hate Train

2012-02-12

Tonträger 2011, jetzt aber wirklich letzter Teil (10) : PAIN OF SALVATION

Da ist doch tatsächlich noch ein Album, welches ich fast unterschlagen hätte, weil es eher unerwartet aus einer CD-Sammlungsauflösung zu mir kam zu einer Zeit, in der ich es meist nur nebenbei während der Arbeit hören konnte. Dabei ist es nun wirklich erwähnenswert!

PAIN OF SALVATION - Road Salt Two (2011)

Multiinstrumentalist und Mastermind Daniel Gildenlöw ist mir zugegebenermaßen in erster Linie als Gastmusiker von Transatlantic und den Flower Kings ein Begriff. Ich kenne zwar auch die Alben "Scarsick" un "Remedy Lane", verzichte aber doch lieber darauf, diese Scheibe mit vorigen Werken in Vergleich setzen zu wollen.

Was ich definitiv sagen kann, ist, dass es wohl kaum eine Progrockband gibt, bei der selbst die kompliziertesten Läufe so nebenbei locker aus dem Ärmel geschüttelt wirken. Dabei steht Gefrickel trotz ständig in allen Musikstilen rumwildernder Gitarrenarbeit hier eigentlich nie als Selbstzweck im Vordergrund.
Nein, die Hauptrolle in dieser wilden Melange aus klassischem (Prog-)Rock zwischen Spock's Beard und Led Zeppelin, irrem Zirkus der Marke Mr. Bungle und einer Prise Western-Filmmusik spielt für mich doch der abwechslungsreiche, charismatische Gesang Gildenlöws, den ich in seiner Bandbreite am ehesten als Mischung aus Ian Gillan und Mike Patton beschreiben würde.

Oder um es einfacher auszudrücken: Das ist einfach geiler, abgefahrener Scheiß!

Mit dem Konzept des Albums habe ich mich noch nicht tiefer auseinandergesetzt, dabei ist das Booklet schon wegen der beinahe überinformativen Infotexte zu den einzelnen Songs lesenswert. Hier mal eine Kostprobe:
"Daniel sang all vocals, played fretless, fretted and slide guitars (mostly to the right in the mix), decided (in a moment of temporary brain dysfunction) to write and sing in French (of which he passed the grammars but failed the pronounciation of the word "donne"), delegated the bass playing three times before finally taking over the bass on his own, arranged and directed the string and wind sections and also bought a very expensive chromatic harmonica that he intended to use but never found the energy to learn how to play in the end."

Sympathisch. Und hörenswert natürlich auch.

Anspieltipps: The Deeper Cut, To The Shoreline, The Physics Of Gridlock, Eleven, Break Darling Break

Tonträger 2011, Teil 9 : Death Gory Fucking Metal! (AUTOPSY)

Das dreckigste zum Schluss!

Neben Morbid Angel hat nämlich auch eine andere Band, die nicht nur für mich Synonym für Death Metal ist, endlich einen neuen Longplayer rausgebracht, der es wahrhaft in sich hat...

AUTOPSY - Macabre Eternal (2011)

Die Könige des Gore Metals machen im Grunde genau da weiter, wo sie mit der vorjährigen Comeback-EP "The Tomb Within" aufgehört haben. Demnach lässt sich meine Kritik dazu fast eins zu eins auf diesen neuen kranken Brocken übertragen. Ich zitiere einfach mal die wichtigsten Passagen:

"[...] Räudig, stinkend, widerlich [...] glibberig [...] poltert, gurgelt, grunzt und keift [...] in die Fresse [...] Schädelschütteln [...] Sabber [...] grob und dreckig [...] dynamisch, organisch und anstrengend [...] Death Metal [...] Leadgitarrenduo [...] die King/Hannemann des Todesbleis [...] eitriges Randgruppenekzem [...] überzeugt und kompromisslos [...] Spaß [...] total krank [...] Wenn Autopsy auf ihrem nächsten Longplayer dieses Niveau auch nur halten, dann dürfte ein Meisterwerk zu erwarten sein, dass sich nicht hinter dem Klassiker "Mental Funeral" verstecken muss. Üüüüääärrghhh! [...] unbedingt aufs Wacken Open Air [...]"

Aber alles ist damit dann doch noch nicht gesagt.

In den zwölf Stücken dieses Albums zelebrieren Autopsy nämlich nicht nur all ihre bekannten Markenzeichen, wie doomig schleichende Leads, polternde Knüppelpassagen und diarrhoesen Magen-Darm-Gesang, sondern fügen ihrem Repertoire durchaus noch ein paar Facetten hinzu. So fällt beispielsweise schnell ins Ohr, dass neben dem gewohnten Organ von Schlagzeuger Chris Reifert in drei Songs Gitarrist Eric Cutler den - ähem - Gesang übernimmt. Passend zu den Texten, die selbst im Vergleich zum üblichen Autopsy-Schnitt noch besonders hirnkrank erscheinen, erinnert er mich dabei dabei passend zum Albumtitel "Macabre Eternal" ein wenig an die Serienmörderspezialisten Macabre.

Mit dem im bombastischen Finale passend von Schmerzensschreien untermalten Folter-Epos "Sadistic Gratification" durchbrechen Autopsy zudem erstmals die Elf-Minuten-Grenze, und dies steht ihnen ausgesprochen gut. Was für ein fröhlich verstörender Ohrwurm! Und der Soundtrack zu einem Film, der so sehr violence porn ist, dass ich bitte niemals sehen möchte.

Der größte Hit im Radio-Sinne ist für mich jedoch die zunächst im Signatur-Groove startende "Bridge of Bones", welche sich im weiteren Verlauf als Autopsys Karikatur einer Ballade entpuppt. Aus dem Lied kann man einfach nicht ohne breites Grinsen in der Fresse rausgehen.

Nein, für Leute, die es politisch und klanglich politisch korrekt glattgebügelt mögen, oder die nicht zwischen realer und fiktiver Gewalt differenzieren können, wird diese Band immer ein rotes Tuch bleiben.

Freunde des integren Old-School-Death-Metals, der hier jedoch nach wie vor relevant klingt und neunzig Prozent der Szene wie Kindergarten aussehen lässt - Ihr solltet Autopsy im Allgemeinen und "Macabre Eternal" im Speziellen unbedingt in euer eitriges Herz schließen!

Und das Beste ist:
Mit der Sammlung "All Tomorrow's Funerals" gibt es ja schon diesen Monat den nächsten Schlag in die Enddarmgrube!


Anspieltipps: Bridge Of Bones, Deliver Me From Sanity, Sadistic Gratification, Hand Of Darkness

Tonträger 2011, Teil 8 : mehr ist mehr ist mehr (TRANSATLANTIC, OPETH, VOIVOD)

"Mehr ist mehr" ist bekanntermaßen, das nicht immer aber im Falle von Transatlantic durchaus zutreffende Motto des Duos Neal Morse / Mike Portnoy.

Im Falle der folgenden drei Kritiken werde ich mich aber endlich einmal an meinen im Dezember gefassten Vorsatz halten, und mich an den Klassiker "weniger ist mehr" halten.
Sonst werde ich hiermit ja nie fertig. ;)


TRANSATLANTIC - More Never Is Enough - Live @ Manchester & Tilburg 2010 (2011)

Von allen Veröffentlichungen des letzten Jahres ist diese objektiv gesehen wohl die unnötigste. Die Whirld Tour 2010 ist mit der gleichnamigen DVD/CD-Kombi ja schließlich schon hervorragend für die Nachwelt konserviert worden.

Hier gibt es nun noch einmal gleich zwei Konzerte dieser Tour in einem. Aber echte Fans leben natürlich das Bandmotto und können nie genug bekommen. Denn auch wenn die Setlists der Shows sich gleichen, im Detail gibt es doch viele Unterschiede. Gerade beim Manchester-Gig, der die Tour nach der bereits bekannten DVD-Aufnahme abschließt, merkt man z.B., dass die Band, was Albernheiten angeht, mal so richtig Fünfe gerade sein lässt. Zum Ausgleich glänzt Roine Stolt aber auch mit besonders kreativem Spiel.

Beim Auftritt in Tilburg ist es besonders das extra-enthusiastische Publikum, welches die Band sogar zu einer weiteren Zugabe zwingt, das die Aufzeichnung bemerkenswert macht.

Wer Transatlantic ganz in Ordnung findet und ab und zu mal hört, der braucht dieses Doppelpack nicht. Fans allerdings kommen im Grunde gar nicht daran vorbei. Denn wer weiß schon, wie lange es dauert, bis diese fantastischen Fünf mal wieder unterwegs sind?


Anspieltipps: All Of The Above, Duel With The Devil, The Whirlwind





OPETH - The Devil's Orchard - Live at Rock Hard Festival 2009 (2011)

Musikzeitschriften an sich sind ja zu Zeiten des schnellen Internets schon ein Anachronismus. Mein eclipsed-Abo beispielsweise läuft eigentlich auch nur noch aus Bequemlichkeit weiter - und weil deren CD-Sampler eigentlich immer gutes Futter für die Zufallswiedergabe meines Real Players sind.

Ansonsten braucht es schon besonders interessante Aufmacher oder Gimmicks, damit ich irgendein Magazin mit nach Hause nehme.
So ein Gimmick hatte das dortmunder Proletenblatt RockHard im September mit einer exklusiven Opeth-Live-CD zu bieten.

Aus nachvollziehbaren kommerziellen Gründen eröffnet die Scheibe zunächst einmal mit einem Studiotrack des aktuellen Albums "Heritage", welches ich tatsächlich noch nicht besitze, obwohl es ja schwer danach riecht, die Krönung der bisherigen Discographie der Schweden zu sein.

Dieses Live-Album hingegen ist eher ein Best Of. Fünf klasse Songs zwischen jeweils neun und zwölf Minuten Länge, fabelhaft gespielt, super Stimmung... da wäre man gerne dabeigewesen. Dafür nimmt man die RockHard-Ausgabe als Anhängsel doch gerne in Kauf.

Anspieltipps: The Leper Affinity, Deliverance





VOIVOD - Warriors Of Ice (2011)

Eigentlich müsste ich dieses Livealbum ja scheiße finden, weil die Band doch noch Fotos dieses Konzertes in Montreal gefunden und dementsprechend doch nicht meine Aufnahmen aus Wacken verwendet hat.
Aber anderseits ist es so natürlich stimmiger - und der Kontakt zu den kanadischen Metal-Ikonen hat sich für mich ja auch schon letztes Jahr in Zürich bezahlt gemacht. ;)

Vom Sound her ist mir diese Aufnahme schon fast etwas zu sehr in die Fresse. Aber nur fast. Schließlich handelt es sich hier ja um eine Band, die wie kaum eine andere spielerisch höchst anspruchsvolle Musik mit einer Attitüde wie Motörhead auf Speed ins Publikum schmettert. Und wo andere Gruppen sich für Aufzeichnungen besonders am Riemen reißen, da trinkt Snake anscheinend auch mal ein paar Bier mehr. Zumindest die immer irrer klingenden französischen Ansagen machen auf "Warriors Of Ice" diesen Eindruck. Und auch spielerisch klingt diese Scheibe selbst für Voivod-Verhältnisse besonders räudig.

Spielerisch bleibt es aber immer einwandfrei, und so ist dieses Livealbum ein ganz klares Statement, an wen man sich wenden muss, wenn man maximal gerockt werden will. Mehr als bei Voivod geht gegenwärtig nicht!

Und mehr - ich erwähnte es bereits weiter oben - ist mehr ist möööaahrrr!

Anspieltipps: Tribal Convictions, Nothingface, Panorama, The Unknown Knows, Astronomy Domine

Tonträger 2011, Teil 7 : transeuropäischer Eskapismus (SIGUR RÓS, ARCHIVE)

Ok, es wird jetzt wirklich mal Zeit, mit meinen Tonträgern 2011 zu Potte zu kommen, schließlich ist der Januar ja nun auch schon längst vorüber und die Jahresrückschausaison damit eigentlich zu Ende, aber was man einmal angefangen hat...

Zu Live-Alben muss man ja auch nicht zwingend viel schreiben, vor allem dann, wenn sie voll und ganz einhalten, was sie versprechen, und das ist bei den Konzertmitschnitten von Sigur Rós und Archive unzweifelhaft der Fall. Mit diesen Bild- und Tonträgern kann man sich perfekt auf die der jeweiligen Band ureigene Art in eine andere Welt entrücken lassen.


SIGUR RÓS - Inni (2011)

Die meisten Käufer dieser Doppel-Live-CD werden wissen, welcher unnachahmliche, vor allem von mit Geigenbogen gespielter E-Gitarre und in Fantasiesprache schwebendem Falsettgesang geprägter Stil sie hier erwartet. Und wer es nicht weiß, für den sollte "Inni" ein perfekter Einstieg in die fabelhafte Welt von Sigur Rós sein.
Ob man nun sanft durch neblige Traumwelten gleitet oder das Märchenland vom Gewitter sich gewaltig auftürmender Walls of Sound erschüttert wird- das Liveerlebnis wurde in seiner ganzen Dynamik perfekt eingefangen und weiß einen auf kompletter Länge in seinen Bann zu schlagen. Die Balance zwischen den zeitlosen Epen der frühen Tage und den kürzeren neueren Songs, in denen die Band ihre Vision von Pop auslebt, stimmt auch.
Eines darf man allerdings niemals tun, nämlich sich bei "Inní Mér Syngur Vitleysingur" Hape Kerkeling am Mikro vorstellen. Das Bild wird man nämlich leider nicht mehr los! ;)

Als mangelhaft bewerten muss ich leider die Verpackung. Hier wurde der richtige Kompromiss zwischen naturschonendem Material und Funktionalität leider meilenweit verpasst. Ich finde es jedenfalls wenig schön, wenn ich jedes Mal, wenn ich die Hülle in die Hand nehme aufpassen muss, dass mir CDs und DVD ins andere Ende des Raumes davonrollen.

Die eben erwähnte DVD erhält einen Konzertfilm, den ganz zu schauen ich leider noch keine Zeit und Muse hatte. Außerdem reagiert mein pc-interner Player etwas allergisch auf die Scheibe - vielleicht ist sie von der blöden Verpackung auch schon zu zerkratzt?
Der Film besteht aus neun der insgesamt fünfzehn Livetracks, welche in ausschließlich schwarzweißen, aus teils ungewöhnlichen Perspektiven abgefilmten Bildern besteht. Musiker, die Musikern auf die Finger schauen wollen, werden enttäuscht sein, da hier ganz konsequent auf das reduzierte visuelle Unterstreichen der Stimmung der Songs gesetzt wurde.

Um so ärgerlicher - wie bei vielen Konzertfilmen dieser Art - die Unterbrechungen durch Interview- und Bandhistoryschnipseln aus dem Archiv der Gruppe. Das hätte nicht sein müssen. Aber vielleicht kommt da ja auch noch interessantes zu Tage, sobald ich das Ding mal ganz bis zum Ende schaue.

Die CDs halte ich allerdings für den essentielleren Teil der Veröffentlichung. Denn eigentlich sind Sigur Rós ja ohnehin eher ein Erlebnis, zu dem man die Augen schließen und seine eigenen Bilder entstehen lassen sollte.



Anspieltipps: Popplagid, E-Bow, Svefn-G-Englar, Ný Batterí



Von der Sagenwelt Islands geht es nun ans andere Ende Europas, dorthin wo der Traum momentan eher aus ist. Nach Athen nämlich zog es die wohl legitimsten aller Pink Floyd-Nachfolger, Archive, um ein Open-Air-Konzert zu geben und aufzuzeichnen...



ARCHIVE - Live in Athens (2011)

Den Kauf alleine wert ist im Grunde schon der epochale Opener "Lights", doch auch in den folgenden knapp zwei Stunden nach diesem Klassiker fällt das Niveau bis zum mächtigen Abschluss mit "Bullets" und "Again" niemals ab.

Was diese Band mit ihren vier Sänger(inne)n - Rapper Rosko lernt man erst ab Minute 40 kennen - anfasst, das hat einfach zeitlose, auf Genreschubladen scheißende Klasse. Und natürlich ganz viel Atmosphäre und Spannung.
Einzelne Songs will ich hier eigentlich gar nicht weiter hervorheben, denn egal ob in diesen nun wummernde Electronica oder treibender Rock vorherrscht - dafür ist dieses Konzert einfach ein viel zu stimmiges Ganzes, das mich darüber fluchen lässt, eine der aktuell wohl besten Livebands dieses Planeten noch nicht leibhaftig gesehen zu haben.

Der Sound der Aufnahme ist makellos und die Bilder großartig. Hier wurde, wenn ich mich recht erinnere, statt mit üblichen Videokameras mit modernen DSLRs gefilmt, was sich in ungewöhnlichen Blickwinkeln und Schärfespielen niederschlägt, die man so von bewegten Konzertaufnahmen nicht unbedingt kennt.
Wenn man dann noch bedenkt, dass diese Show wegen schlimmen Wetters spontan von draußen nach drinnen verlegt wurde, kann man das Ergebnis gar nicht genug loben.

Obwohl, einen Makel gibt es schon zu verzeichnen: Warum fehlt ausgerechnet der Titelsong von "Controlling Crowds"? Das hätte nochmal ein Plus hinter die Eins gesetzt.

Dass mit "Pulse" einer meiner persönlichen Lieblinge fehlt, ist da schon eher zu verkraften, wurde der ja schon auf der "Live at the Zenith"-CD in einer unschlagbaren Version, durch die ich seinerzeit auf diese Band aufmerksam geworden bin,  auf Tonträger gebannt.

Mit Worten lassen sich Archive einfach nicht erklären. Ich kann jedem nur empfehlen, mit dieser Live-DVD in den einzigartigen Kosmos dieser Gruppe einzutauchen! In der Live-Kategorie ist dies eindeutig mein Tonträger des Jahres.

Anspieltipps: Lights, Collapse/Collide, Again, Dangervisit, Pills, Finding It So Hard

2012-02-07

DREAM THEATER live in der AWD Hall, Hannover (05.02.2012)

Lange nichts mehr geschrieben hier, dabei wollte ich doch noch meine Tonträger des Vorjahres abschließen. Kommt aber auch bald. Bestimmt! ;)

Als aktuellen Anlass für einen Eintrag gibt's aber nun das vorgestrige Konzert von Dream Theater in Hannover.

Zum Glück braucht man über Konzerte der Progmetal-Giganten ja nicht viel schreiben. Man erwartet, dass auf allerhöchstem Niveau abgeliefert wird, und das passiert dann auch.
Da kann man dann auch nur auf hohem Niveau meckern. Zum Beispiel darüber, dass der Preis wie immer ganz schön happig war, und darüber, dass es in Hamburg doch auch ganz schön - und nicht so weit zu fahren - gewesen wäre.
Die Vorband Periphery war stilistisch mit ihrem modernen Vier-Gitarren-Brüll/Sing/Hüpf/Riff-Progmetal etwas deplaziert, machte ihre Sache aber eigentlich schon ganz gut. Eine Gruppe größeren Kalibers hätte sicherlich auch länger gespielt und den Dream Theater-Auftritt nach hinten verschoben.

Aber zurück zum Meckern: Es wurde gerade mal "nur" zwei Stunden gespielt und es gab weder Songs von "Falling Into Infinity", noch von "Octavarium", "A Change Of Seasons" oder "Black Clouds & Silver Linings" zu hören!

Anderseits war die Songauswahl natürlich trotzdem super, wobei der Schwerpunkt natürlich ganz deutlich auf dem aktuellen Album "A Dramatic Turn Of Events" lag, von dem deutlich über die Hälfte live dargeboten wurde. Und Stücke wie "Breaking All Illusions", der Opener "Bridges In The Sky", "Outcry" oder das "Pull Me Under"-Surrogat "On The Backs Of Angels" haben nicht die geringste Mühe, sich neben den Klassikern zu behaupten.
Letztendlich genießen die New Yorker ja ohnehin die Lage, aus einem riesigen Repertoire schöpfen zu können, in dem jeder Fan seine ganz eigenen Lieblinge hat, ohne dass es die großen kommerziellen Single-Hits gibt, die auf Gedeih und Verderb gespielt werden müssen.

Unverzichtbar ist momentan wohl nur das Drumsolo, mit dem sich "der Neue" Mike Mangini den Fans vorstellte. Der Mann ist wirklich der Dschinn, als der er im Zeichentrickfilm am Anfang der Show vorgestellt wurde... Überhaupt muss ich sagen, dass mir die Lightshow und das Stagedesign mit den drei Lichtwürfeln, auf die Nahaufnahmen der Musiker und diverse Filme und Effekte projeziert wurden, sehr gut gefallen haben.

Den guten Mike Portnoy habe ich musikalisch nicht vermisst, dafür ist sein Nachfolger einfach zu gut. Einzig beim Gesang fehlt es manchmal an einer dritten Live-Stimme neben James LaBrie und John Petrucci.

Wie immer ist das aber Detailkritik, die den fabelhaften Gesamtauftritt der Band nicht schmälern soll. Dream Theater sind einfach eine eigene Liga, die einen stundenlang  mit offenem Mund dastehen und freudig staunen lässt. Und wenn's mal ganz gefühlvoll wie im Gitarrensolo der Hymne "The Spirit Carries On" wurde, gesellte sich auch noch eine Gänsehaut dazu...  Wenn man die nicht ohnehin schon hatte, weil man den Pullover in der Garderobe abgegeben und sich trotz der eisigen Außentemperaturen nur im T-Shirt in die Halle begeben hatte. Gruß an Sönke an dieser Stelle! ;-)

Dream Theater im Sommer wäre überhaupt auch mal nicht schlecht. Wacken anyone?

Setlist:
  • Bridges In The Sky
  • 6:00
  • Build Me Up, Break Me Down
  • Surrounded
  • The Dark Eternal Night
  • Drum Solo
  • A Fortune In Lies
  • Outcry
  • Wait For Sleep
  • Far From Heaven
  • On The Backs Of Angels
  • War Inside My Head
  • The Test That Stumped Them All
  • The Spirit Carries On
  • Breaking All Illusions
  • As I Am