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2012-09-29

Grind & Gore Day 2012 (AUTOPSY, TERRORIZER, NAPALM DEATH)

Der 24. Februar war dieses Jahr für mich so eine Art Grunz-und-Röchel-Feiertag, erschienen an diesem Tag doch neue Scheiben von gleich drei Genre-Legenden des brutalen Haudraufs...



AUTOPSY - All Tomorrow's Funerals (2012)

Ein Jahr nach der Comeback-Gedärmbombe "Macabre Eternal" schon das nächste Album der Gore-Death-Metal-Großmeister?

Nein, auf "All Tomorrow's Funerals" befindet sich nur eine handvoll neuer Stücke, ansonsten war die Grundidee hinter der Veröffentlichung, einmal alle teilweise vergriffenen EPs und sonstige nicht auf Alben vertretenen Tracks in einem Stück wiederzuveröffentlichen.
Die Präsentation erfolgt dabei chronologisch von neu nach alt, was gut funktioniert und einen gewissermaßen immer tiefer ins modrige Grab hinabsteigen lässt.

Der Kenner weiß daher natürlich schon, welche schimmelige, Leichenwasser gurgelnde Feinkost ihn hier erwartet. All die autopsy-typischen Grooves, Riffs, Doppelleads und natürlich das Kinderfresserorgan von Drummer Chris Reifert ziehen sich selbstverständlich durch die kompletten 22 Tracks. Bei zwei der neuen Kompositionen darf sich auch Gitarrist Eric Cutler mal wieder bösartigst auskotzen.

Die 17 wiederveröffentlichten Stücke stammen ursprünglich vom "Peaceville Vol.4"-Sampler, sowie den EPs bzw. Singles "Retribution for the Dead", "Fiend for Blood", "Horrific Obsession" und "The Tomb Within". Gerade letztere ist ja eigentlich noch ziemlich frisch und wäre von daher wohl am ehesten verzichtbar gewesen. Bei den älteren Tracks, wie denen von "Fiend for Blood", die ich nun auch doppelt besitze, hat man hingegen noch den Mehrwert eines neuen Masterings. Manchen Fans ist der Sound nun natürlich nicht mehr true genug, ich persönlich stimme aber den liner notes im Booklet zu: "[...] now the old stuff sounds better than ever. Don't worry folks, we didn't ruin anything. Hah!"
Denn gerade der "Fiend" mangelte es früher bei aller Liebe zum Kultklang ja gehörig an Wumms.

Das Booklet des Digipacks ist überhaupt sehr schön aufgemacht und erhält neben liner notes und bekloppen Bandfotos auch sämtliche Texte und die Coverartworks der Ursprungsplatten.
Auch für den Fan, der vieles schon kennt, gibt's also genügend Gründe sich das Ding zuzulegen.

Für Autopsy-Einsteiger ist "All Tomorrow's Funerals" ohnehin zu empfehlen. 

Anspieltipps: All Tomorrow's Funerals, In The Grip Of Winter, Keeper Of Decay, Mutant Village



Während bei Autopsy die Toten ja meist eher passiv der Sammelleidenschaft und anderen Gelüsten des kranken Ich-Erzählers dienen, sind sie woanders selbst deutlich aktiver...

TERRORIZER - Hordes Of Zombies (2012)

Der Haken ist nur: sie sind gar nicht tot bzw. untot oder wie auch immer der klassische hirnfressende Zombie wissenschaftlich korrekt kategorisiert wird. Und besonders aktiv sind sie eigentlich auch nicht, eher abgestupft, seelenlos, apathisch. Denn Terrorizer sind ja nicht gory, sondern eher so prophetisch postapokalyptisch politisch. Und die Zombies sind wir, die Menschheit, irgendwann, bald wahrscheinlich.

Ok, meine Möchtegern-Delling-Überleitung zu dieser Rezension war zu gewollt. Aber was soll's...

Wichtiger als die Botschaft ist hier ohnehin der Vortrag. Wunderbar schnörkelloses superstumpfes Hochgeschwindigkeitsgeknüppel, dargeboten auf technisch allerhöchstem Niveau. Klar, mit der klassischen Morbid Angel-Rhythmussektion aus Basser David Vincent  und Drummer Pete Sandoval, der bei der Hauptband ja aus gesundheitlichen Gründen pausiert, flutscht es natürlich fast von alleine.

Musikalisch neu erfunden wird auf "Hordes of Zombies" erwartungsgemäß nicht eine Note. Wozu auch? Das haben Terrorizer schließlich schon 1989 gemacht, als sie mit "World Downfall" so etwas wie eine Blaupause für fast alle nachfolgenden Platten des Grindcore-mit-Deathmetaleinschlag-Genres rausbrachten.

Die Songs sind alle ziemlich ähnlich aufgebaut, so bestehen sie z.B. häufig aus einem Strophe-Bridge-Refrain-Block, der mit identischem gegrunztem Parolentext einfach nochmal wiederholt wird, damit man zumindest die Zwei- oder maximal die Drei-Minuten-Grenze sprengt. Aber das ist keine Negativkritik, sondern macht großen Spaß.

Ehrlich gesagt erinnern mich die 15 Klon-Tracks in einer Dreiviertelstunde so ein bisschen daran, wie es damals in den frühen Neunzigern war, wenn man eine Bad Religion-Kassette in den Walkman eingeworfen hat. Nur in Deathgrind statt Radiopunk natürlich. ;)

Anpieltipps: A Dying Breed, Ignorance and Apathy, Malevolent Ghosts, Generation Chaos




Dass Deathgrind allerdings nicht nur perfekt gespielt, sondern dazu auch sehr abwechslungsreich arrangiert möglich ist, zeigen die ganz großen Legenden der Szene mit ihrem aktuellen Meisterwerk:

NAPALM DEATH - Utilitarian (2012)

Auf satten 18 Stücken zeigen die Engländer hier alles, was sie können, und das ist innerhalb ihres stilistischen Rahmens bekanntlich eine ganze Menge.

Auf "Utilitarian" passiert so vieles in so kurzer Zeit, dass ich gar nicht versuchen möchte, das Album allzu tief zu analysieren, um nicht in eine "Analysis Paralysis", um mal ganz geschickt einen Songtitel einzuwerfen, zu verfallen. Wichtig ist: es ist aggressiv, es knallt, haut Dir links und rechts in die Fresse, bläst Dich um, zwingt Dich im Auto, besonders aufzupassen, dass die Nadel nicht zu weit nach oben schießt.
Denn abgesehen vom instrumentalen Opener "Circumspect" spielt sich tempomäßig fast alles zwischen schnell stampfendem Death Metal und Blastbeat-Grindcore ab. Und dabei ist es richtig abwechslungreich, ohne allerdings in Mathcore-Gefilde abzudriften.

Am auffälligsten ist, dass Barney ("throat") und Mitch Harris ("chops / throat") durch ein paar erfolgreiche Gesangsexperimente zusätzlich Farbe hineinbringen. Sei es, dass der Gitarrist wie beim Schon-jetzt-Klassiker "The Wolf I Feed" den Großteil der Leadvocals übernimmt - und zwar sowohl mit Krächz- als auch mit an Fear Factory erinnernder Klarstimme. Dazu kommen noch ein paar von den Swans inspirierte Düsterchoräle.

Wer wie ich seit mindestens zwanzig Jahren die "Naked City" von John Zorn bzw. sein Jazzgrind-Projekt Painkiller (mit Ex-Napalm Death-Drummer Mick Harris) liebt, der erlebt mit dem vom Meister höchstselbst in "Everyday Pox" eingetröteten Saxophonsolo einen schönen Nostalgiemoment.

Alle anderen geilen Momente müsst ihr dann schon ohne Vorwarnung von mir über euch hineinbrechen lassen!

Wie schon eingangs gesagt: "Utilitarian" ist  ein Meisterwerk. Momentan würde ich es sogar noch vor der "Phantom Antichrist" von Kreator als heißesten Anwärter auf den Titel "Metal-Album des Jahres" handeln.

Anspieltipps: The Wolf I Feed, Fall On Their Swords, Everyday Pox, Orders Of Magnitude, Leper Colony, Collision Course

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