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2013-11-02

TREPONEM PAL - Survival Sounds

Eigentlich schreibe ich hier ja nur etwas zu Scheiben aus dem aktuellen Jahr, ansonsten wird mir das nämlich doch ein bisschen zu viel. Manchmal hat aber auch ein unwesentlich älteres Album eine Ausnahme verdient.
Zum Beispiel wenn es von zu Unrecht viel zu unbekannten Künstlern kommt.

Die einfachste Weise, die 1986 gegründte Band Treponem Pal zu beschreiben wäre wohl, sie einfach als die französischen Ministry zu bezeichnen, was auch vom Zeitpunkt der größten Erfolge Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre passen würde. Auch dass mit dem Riesen Marco Neves ein charismatischer Frontmann als Mastermind im Zentrum steht, passt in den Vergleich.

Ein Ministry-Klon war die Band allerdings nie, eher ein verwandter Geist. Fügt man zu gleichen Teilen noch die monumentale Macht der Swans und die schräge Gitarrenvirtuosität von Voivod hinzu, kommt man dem Sound der frühen Treponem Pal schon eher nah.
Auf "Excess & Overdrive" gesellte sich 1993 dann schon so etwas wie eine bekifft groovende Lässigkeit dazu, die den nach wie vor brutalen Grundklang geschickt konterkarierte.

Auf dem 1997 erschienenen, vorerst letzten Werk der Gruppe "Higher" änderte sich der Sound dann allerdings radikal, dominierte statt harten Industrial-Metal-Rhythmen doch über weite Strecken nun eine unwiderstehlich pumpende Bassdrum. Der Coversong "Funky Town" war programmatisch, viel Funk und Elektronik, selbst vor Reggae schreckten die Franzosen nicht zurück. Doch vor allem Dank der unverwechselbaren angegurgelten Shout-Stimme des Sängers und der charakteristischen Leadgitarren bestand nie Zweifel, um welche Band es sich handelte. Tatsächlich ist "Higher" für mich ein absoluter Alltime-Klassiker.

Das Reunions-Werk von 2008 habe ich verpasst. Und nach kurzem Reinhören in ein paar anscheinend erschreckend uninspirierte Metalrock-Tracks mit peinlichen Texten, möchte ich auch nichts nachholen.

Bis zum vergangenen Jahr sind sie aber zum Glück wieder warm geworden...
  


TREPONEM PAL - Survival Sounds (2012)

Falls sich die Band für "Survival Sounds" an ihren alten Taten orientiert hat, dann standen hier wohl sowohl die harten Midtempo-Grooves und Powerriffs von "Excess & Overdrive" und die abgründigen Kantigkeiten von "Aggravation" Pate, als auch die Elektroklänge und postiven Vibes von "Higher".

Der Refrain des Titelsongs macht diesen Mix mit der einfachen, aber durch seine gewohnt kraftvoll charismatische Darbietung effektiven Parole "All the freedom fighters are beautiful. All the freedom fighters are strong." schon von Beginn an zum Programm.

Viele Songtitel sind sprechend, so zeigen "Riot Dance", vor allem aber das großartige Doppel aus "Lowman Blues" und dem grenzgenialen "Drunk Waltz" tatsächlich auch die musikalische Richtung an. Wobei ein Treponam Pal-Blues natürlich ganz und gar nicht von der Blues-Polizei als sortenrein zugelassen würde.

"Survival Sounds" ist ein homogenes, geradeliniges Album mit eindeutigen Wurzeln im Industrial Metal und jeder Menge Drive. Nicht kompliziert, aber dafür sehr detailreich und voller unterschiedlichster Einflüsse und somit insgesamt wohl eigenständiger denn je. Treponem Pal sind one of a kind und verdienen schon dafür ein vielfaches ihrer jetzigen Aufmerksamkeit außerhalb ihres Heimatlandes.

Aus jetziger Sicht sind die "Survival Sounds" ganz klar eines meiner Lieblingsalben von 2012 und auch einer meiner aktuellen Favoriten des Meta-Genres "Autofahrmusik".
Leider ist die CD soweit ich weiß nur als Import zu haben, aber die paar französischen Euros Aufpreis sind formidable angelegt!


Anspieltipps: Subliminal Life, Survival Sounds, Drunk Waltz, Lowman Blues

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