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2013-12-08

STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing (Limited Edition)

Ich könnte mich dieses Jahr gewiss über vieles Beschweren, aber mit Sicherheit nicht über einen Mangel an hervorragenden neuen CDs in meiner Sammlung. Die meisten davon, welche auch 2013 erschienen sind, habe ich an dieser Stelle schon rezensiert. Ein paar besondere Perlen fehlen allerdings noch.

Eine davon stammt von einem Musiker der in meiner Wahrnehmung bisher ähnliche Probleme hatte wie sein Kumpel Mikael Åkerfeldt von Opeth, nämlich Steven Wilson. Auf dem Papier müsste dessen Band Porcupine Tree zu meinen Lieblingen gehören, und ich habe auch schon einige Songs gehört, die sehr sehr gut sind. Aber um mir eine CD von ihnen zu kaufen, dafür hat es irgendwie noch nicht genug gekickt. Vielleicht ist alles einen Tick zu clean und perfekt, ich weiß es wirklich nicht.

Als ich jedoch das Video zum Titeltrack seines Soloalbums sah, wusste ich sofort, dass ich es haben muss.





STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing ... and other stories (2013)

Wie der Titel schon sagt, erzählt jeder der sechs Songs auf diesem Album eine (fiktive) Geschichte. Und über jede dieser Geschichten ließe sich wiederum eine eigene kleine Geschichte schreiben. Das möchte ich allerdings nicht tun.

Stattdessen will ich so kurz wie möglich auf den Punkt bringen, was "The Raven That Refused To Sing" meiner Meinung nach vor allem ist, nämlich nicht weniger als ein Remake im Geiste eines der für Prog-Fans ikonenhaftesten Alben aller Zeiten - King Crimsons 1969er Debüt "In The Court Of The Crimson King".

Es handelt sich aber zum Glück keineswegs um ein Ripoff. Vielmehr wird sehr deutlich, dass sich Wilson in den letzter Zeit als Produzent (Remaster der King Crimson-Klassiker) eben sehr intensiv mit seinen Idolen auseinandergesetzt hat.

So spielen im Instrumentarium der hier vorgestellten Progrock-Epen mit relativ kleinem Gesangsanteil nicht nur die klassischen Rockinstrumente eine große Rolle, sondern ebenso Flöten, Klarinette und Saxophon.
Und wahrscheinlich der Hauptgrund, warum mir der Vergleich schon beim allerersten Durchlauf in den Sinn kam, ist das neben Hammond und weiteren Keyboards ebenso eingesetzte Mellotron, bei dem es sich tatsächlich um exakt dasselbe Originalinstrument handelt, welches Robert Fripp und Co. damals eingesetzt haben.

Und dann ist da diese ungebändigte Spielfreude. Vor allem Schlagzeuger Marco Minnemann, der mir - wie so vielen - abgesehen von einigen Youtube-Videos erst richtig seit dem berühmten Portnoy-Nachfolger-Casting von Dream Theater ein Begriff ist, bringt eine unnachahmliche Frische in den Sound.
Ich kenne keinen anderen Progrockdrummer von Weltklasse, der selbst die anspruchsvollsten Rhythmen so spontan klingen lässt. Manchmal nah am Wahnsinn klingt es immer so, als wäre der Kerl einfach gerade phänomenal gut drauf und würde das alles im ersten Take einfach so aus dem Ärmel schütteln.

Und dann sind da natürlich noch Bass / Chapman Stick, die Gitarren von Guthrie Govan und dem Meister selbst, die geschmackvollen Streicher. Kompositorisch und instrumental ist dieses Album einfach ein Traum, welches immer die richtige Balance zwischen technischem Anspruch und emotionalen Erfordernissen der Geschichten hält.
Zur Stimme dieser Geschichten habe ich noch gar nichts gesagt. Zwar ist Steven Wilson als Sänger vielleicht eher ein introvertierterer Charakter, doch dies hat er eindrucksvoll kultiviert, und außer uneingeschränktem Lob fällt mir zu seiner Darbietung nichts ein.

Die Produktion ist in Zeiten des Komprimierungswahns (auch Loudness War genannt) eine Wohltat für die Ohren und zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, chartkompatibel, absolut up to date und eben doch kompromisslos dynamisch mit großen Laut/leise-Unterschieden zu klingen.
In dieser Hinsicht dürften sich so einige Scheiben eine Scheibe von "The Raven" oder dem für mich auch im Gesamteindruck verwandten, wenn auch etwas räudigerem Auberginen-Album von Motorpsycho abschneiden.

"The Raven That Refused To Sing" ist ein zeitloses Progrock-Meisterwerk, welches dieses Jahr noch lange überdauern wird. Hier stimmt einfach alles.

Als i-Tüpfelchen ist auch das Artwork, welches die Musik sehr passend visualisiert, klasse.

Die Special Edition enthält zudem noch eine Bonus-DVD mit einem Making-Of-Video und einem hervorragenden Surround-Mix des Albums.

Nur dass das tolle Video zum Titelsong fehlt, finde ich etwas schade.


Anspieltipps: Holy Drinker, The Raven That Refused To Sing, Luminol

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