Most posts are in german, yet sometimes I switch to english.
If the blog title is displayed in Comic Sans, please refresh the site! That's unless you really dig Comic Sans of course.
Interested in me reviewing your music? Please read this!

2014-02-11

CYNIC - Kindly Bent To Free Us

Es lohnt sich mitunter, neue Alben direkt beim Label zu vorzubestellen. In diesem Fall konnte ich nicht nur einige auf jeweils zwei Euro herabgesetzte Ausverkaufsschnäppchen u.a. von Kosmos und Jarboe / Justin Broadrick mit in den Einkaufswagen packen, sondern habe die CD bereits mehr als eine Woche vor der offiziellen Veröffentlichung am kommenden Freitag aus Frankreich zugestellt bekommen.

Und nun ist es nicht einmal Mitte Februar und kurz nach der neuen Transatlantic rotiert auch schon die zweite, aus einer vollkommen anderen Ecke des Genres stammende, für mich essentielle Prog-Neuerscheinung 2014 in meinem Player.


CYNIC - Kindly Bent To Free Us (2014)

Auch wenn es mich in den Fingern gejuckt hat, diesmal habe ich mir die Superdeluxewieauchimmersieheißt-Ausgabe des Albums verkniffen und mich mit dem CD-Digipack begnügt. Die Luxusvariante enthält zwar einige schöne Extras (z.B. ein Notenbüchlein für alle Instrumente), für mich wirklich interessant gewesen wären allerdings nur das Poster des wieder einmal wie direkt zu dieser Musik gemalten Covergemäldes von Robert Venosa und ein exklusiver Bonustrack. Aber dafür fast dreißig Ocken mehr ausgeben?

Der Werbesticker auf dem Album sagt: "For fans of Anathema, Porcupine Tree, Opeth."
Das ist zur Orientierung für Neuhörer durchaus in Ordnung, aber die Hörerfahrung von Cynic funktionierte schon immer anders als über den Vergleich zu anderen Bands oder die Zuordnung zu Musikstilen.

Im Fall von "Kindly Bent To Free Us" lief der Prozess bei mir so ab, dass ich mich zunächst einmal über die mir etwas schwammig vorkommende Produktion gewundert habe und ein, zwei Durchläufe brauchte, um mich an den Sound zu gewöhnen. Cynic haben das Album wie schon die letzte EP "Carbon-Based Anatomy" als Trio aus Paul Masvidal, Drummer Sean Reinert und Studio-Bassist Sean Malone aufgenommen und sich mit Gitarrenspuren so weit zurückgehalten, dass die Songs im Gegensatz zur bisherigen Diskographie auch live zu dritt funktionieren würden. Demnach tritt der Bass bzw. Chapman Stick viel weiter in den Vordergrund als bisher, während der Gesang oft relativ weit hinten ätherisch herumfliegt.
Der Sound ist in sich durchaus schlüssig, aber man muss sich evtl. etwas hineinhören.

Kaum war dies bei mir geschehen, merkte ich, dass ich nicht nur an den Klang gewöhnt, sondern auch schon das Album als Ganzes in mein Herz geschlossen hatte. Auch wenn es sich in vielerlei Belangen deutlich vom letzten Album "Traced in Air" unterscheidet, hat Paul Masvidal es doch schon wieder geschafft, Songs zu komponieren, die mich einfach auf einer beinahe - und diese für Esoterik anfällige Vokabel kommt in meinem Wortschatz eigentlich überhaupt nicht vor - spirituellen Ebene berühren. Ich kenne "Kindly Bent To Free Us" erst knapp eine Woche, aber die meisten Lieder fühlen sich an, als wären sie - wie das legendäre Debütalbum "Focus" - schon seit Ewigkeiten als guter Freund bei mir.

Was will ich mehr? Dass da stilistisch irgendwie Metal-Wurzeln mit Progrock, Jazz und Weltmusik vermengt werden, dass da schon wieder niemand grunzt, aber dafür mehr "klassische" Gitarrensoli vorkommen, dass das es kein köstlicheres musikalisches Sahnehäubchen gibt als das Drumming von Sean Reinert, oder dass der Schluss von "Holy Fallout" beweist, dass die scheinbar einfachsten Arrangements manchmal auch die schönsten sind... das alles sind bei diesem durchgehend melancholischen, dabei aber immer positiv aufbauenden Werk im Grunde nur Randnotizen.

Um das Haar in der Suppe nicht zu vernachlässigen: Mit dem letzten Track, dem mantraartigen "Endlessly Bountiful" bin ich bisher noch nicht ganz warm geworden, da er mir in seiner Funktion zu sehr an "Nunc Stans" von "Traced In Air" angelehnt ist, an dessen Klasse aber nicht ganz heranreicht.

An den restlichen sieben Stücke finde ich allerdings auch auf höchstem Niveau noch absolut gar nichts zu meckern. Es ist eben Cynic. Und mit einer Gesamtlänge von 42 Minuten ist "Kindly Bent To Free Us" für diese Band, die in zwei Minuten mitunter mehr ausdrücken kann als manche andere Künstler in ihrem ganzen Leben, ja fast schon ein Doppelalbum.


Anspieltipps: Kindly Bent To Free Us, Holy Fallout, Infinite Shapes, Moon Heart Sun Head

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen