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2014-07-13

DREAM THEATER im Stadtpark Hamburg (12.07.2014)

Die Schmerzen sind zum Glück geringer als erwartet, dennoch wurde die eigentlich ja sowieso schon ewig vorhandene Erkenntnis, dass ich mal wieder ein Minimum an Sport treiben sollte, gestern kurz vor dem Konzert von Dream Theater auf der Freilichtbühne im Stadtpark erneut bekräftigt.


Nein, die zwanzig Minuten Fußweg vom Parkplatz bis zur Bühne waren eigentlich nicht das Problem. Als ich allerdings zwanzig Minuten vor Beginn (und der ist im Stadtpark immer pünktlich) auf den letzten Metern zum Veranstaltungsort beim Einstecken eines Flyers bemerkte, dass ich die Tickets im Auto vergessen hatte, da hätte ich mir doch eine nähere Parklücke gewünscht. Bei der Hitze untrainiert und im mäßig geeigneten Schuhwerk den vollen Paniklauf durchziehen, war nicht drin, wenn ich das Konzert noch auf den Beinen erleben wollte, also immer schön auf die Uhr geschaut und die Strecke gut eingeteilt... Am Ende kam der dicke Mann genau zum Intro vor der Bühne an. Und nach dem ersten Song konnte ich dann auch wieder einigermaßen normal atmen.


Dream Theater legten gleich mit ein paar der härteren Nummern der letzten drei Alben los, von denen "The Shattered Fortress" wohl die größte Überraschung darstellte (falls man die Setlist nicht schon im Internet gespickt hat) und "On The Backs Of Angels" schon frühzeitig als Ersatz für "Pull Me Under" fungierte. Der erste ganz große Höhepunkt war für mich, der die Band 1997 kennengelernt hat, der "Falling Into Infinity"-Epos "Trial Of Tears", in dem Jordan Rudess zum ersten Mal sein portables Keyboard in die Hand nahm. Überhaupt legt der Mann mit seinen dreh-, schwenk-, kippbaren Ständern und Kameras viel Wert darauf, sichtbar zu machen, was er tut. Von vielen anderen Keyboardern sieht man ja nur, dass sie hinter ihrem Instrument stehen und irgendwas tun.



Und wo ich schon bei den Einzelmusikern bin: Als nächstes folgte das Instrumentalstück "Enigma Machine" vom aktuellen Album, in welches ein exzellentes, kurzweiliges und auch kompositorisch passendes Drum-Solo eingebaut wurde. Aber Mike Mangini ist natürlich auch ohne Solo eine Show für sich. Im Studio könnte manches von ihm durchaus noch markanter werden, aber live kann ich mir Dream Theater ohne dieses Monstrum hinter der Riesenschießbude kaum noch vorstellen. (Zumal ich ja auch mit Herrn Portnoy in dessen neuen Job bei den Winery Dogs sehr glücklich bin.)

Im folgenden "Breaking All Illusions" erwartete die Zuschauer dann eine der größten Solo-Sternstunden von John Petrucci, der übrigens Geburtstag feierte, laut Sänger James LaBrie seinen zweiundzwanzigsten. Respekt!
Aber ich will und muss gar nicht weiter auf musikalische Einzelleistungen eingehen. Natürlich ist bei dieser Band jeder ständig auf Weltniveau. Die New Yorker Dream Theater sind die deutsche Nationalmannschaft des Progmetal. (Ich schreibe das hier noch vor dem WM-Finale.)


Der erste Teil des Abends war vorüber und Band und Fans hatten erstmal fünfzehn Minuten Pause. Deren zweite Hälfte wurde allerdings auf der Videowand mit reichlich YouTube-Schnipseln verkürzt: ungewöhnliche Dream Theater-Coverversionen, Fans spielen Mike Manginis Audition nach ("Triangle Guy"), Petrucci und LaBrie haben einen Lachflash im Interview usw.
Dazu noch diverse Fake-Werbespots, u.a. für Actionfiguren... Da fällt mir jetzt auf, dass ich überhaupt gar nicht am Merchandise-Stand gewesen bin. Da hat doch irgendwas nicht funktioniert!


Die zweite Konzerthälfte bestand aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums jenes Albums (welches Petrucci also als Zweijähriger eingefiedelt hat) aus der zweiten Hälfte von "Awake". Yep, inklusive dem live vor dieser Tour nie gespielten Kevin-Moore-Song "Space-Dye Vest"! Großartig!

Mit der monumentalen "Illumination Theory", die ich persönlich auch gerne gegen den "Count Of Tusnay" getauscht hätte - aber man kann ja nicht alles haben -, schloss das Set dann wieder mit einer neuen Komposition.






Insgesamt war die Setlist vielleicht die beste seit der "Scenes From A Memory"-Tour im Jahr 2000.
Ein Schnelldurchlauf durch das legendäre Konzeptalbum bildete dann passenderweise auch die Zugabe für das erstklassige Konzert.

Und was kann man sonst noch sagen?
Auch wenn im Stadtpark immer pünktlich um zehn Schluss sein muss und es eine strenge Lautstärkenbegrenzung gibt, ziehe ich Dream Theater bei bestem Sommerwetter draußen jederzeit Dream Theater in seelenloser und eiskalter Mehrzweckhalle im Winter vor.

Außerdem lustig: Dieser eine dauerangespannte Security-Mensch, Fantyp Böhse Onkelz, der anscheinend von der friedlichen Gesamtsitation total überfordert war und auch in den veträumtesten Passagen stets nervös mit einem Bombenanschlag zu rechnen schien. Schon fast eine Show für sich, vergleiche auch Mike Mangini, halt nur ohne spezielle Fähigkeiten.


Ja Mensch, was soll ich als Fazit sagen: gestern Dream Theater at their best, heute Abend voraussichtlich noch Weltmeister - was für ein feines Wochenende!

Und gleich laufe ich nochmal eine Runde, so lange der Muskelkater sowieso noch zwickt.

Es sei denn, mir fällt gleich noch spontan eine doofe Ausrede ein, haha...
Oh, jetzt regnet es. Und ich will mich doch nicht erkälten.







Setlist:
  • The Enemy Inside
  • The Shattered Fortress
  • On The Backs Of Angels
  • The Looking Glass
  • Trial Of Tears
  • Enigma Machine
  • Along For The Ride
  • Breaking All Illusions
  • The Mirror
  • Lie
  • Lifting Shadows Off A Dream
  • Scarred
  • Space-Dye Vest
  • Illumination Theory
  • Overture 1928
  • Strange Déja Vu
  • The Dance Of Eternity
  • Finally Free

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