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2014-11-08

COLOSSEUM live in Hamburg (07.11.2014)

Wow, über sieben Jahre ist es schon wieder her, dass Colosseum in Kellinghusen gespielt haben!
Und eigentlich hatte ich auch nicht damit gerechnet, die dienstälteste Jazzrock-Gruppe des Planeten noch einmal live sehen zu können, vor allem da die inzwischen siebzigjährige Saxophonistin Barbara Thompson sich aufgrund ihrer Parkinson-Erkrankung endgültig von der Bühne verabschieden wollte. Neuer Medikamente sei Dank konnte sie sich jedoch wieder vom Abschied verabschieden.

Gestern also wieder Colosseum in der ausverkauften Fabrik, in klassischer Besetzung:
Chris Farlowe (Gesang), Clem Clempson (Gitarre), Dave Greenslade (Hammond), Mark Clarke (Bass), Jon Hiseman (Drums) und natürlich Frau Thompson.

Insgesamt habe ich die Jazz/Rock/Blues-Pioniere nun fünf Mal live gesehen (einmal noch mit dem verstorbenen Dick Heckstall-Smith am Saxophon), und noch nie konnte ich die Band so schlecht sehen. Das ist eben das Blöde an der ausverkauften Fabrik - es gibt immer hunderte Blindplätze. Im Laufe des Konzertes habe ich mich zwar zu besserer Sicht vorarbeiten können, aber an Bilder mit meiner Harinezumi-Spielzeugkamera war nicht zu denken. Immerhin war aber der Klang überall gut.

Und die Musik war natürlich wie erwartet fantastisch. Wobei ich angesichts der langen Zeit doch vergessen hatte, wie großartig diese Band live ist.
Die alten Herrschaften spielten neun Stücke in knapp zwei Stunden, darunter Songs aus der Zeit nach der Reunion 1994, die vom kürzlich verstorbenen Bassisten Jack Bruce geschriebene und ihm gewidmete "Morning Story", Lieder vom brandneuen Album "Time On Our Side", sowie natürlich das obligatorische irrsinnige Schlagzeugsolo und die vor fünfundvierzig Jahren etablierten Klassiker "Valentyne Suite" und "Lost Angeles".

Virtuosität, Improvisationen, Spielwitz ohne Ende und eben dieser ganz eigene Gesamtsound, den nur Colosseum hat. Kann ich nicht beschreiben, ist einfach toll. Großartig wie immer!

Und als i-Tüpfelchen war Chris Farlowe sofort nach der Show am Merchandising-Stand und hat mir meine LP signiert.


Das einzige, was man bei Colosseum in die Tonne treten kann, ist ein Großteil des Publikums.

Ich nenne sie ja gerne "Generation Jeansjacke", auch wenn sie novemberbedingt schon auf wind- und wetterfesteres Material umgestellt hatte: Platzhirschige Silberrücken ab Mitte fünfzig, die schon längst ein Haus gebaut und ein Kind gezeugt haben, denen aber noch das Baumpflanzen in der Liste ihrer Lebenserrungenschaften fehlt.
Deswegen schlagen sie im Konzert auch Wurzeln aus Beton. Und wenn sie sich tatsächlich mal einen Millimeter bewegen müssen, weil jemand vorbei möchte, dann fange die Idioten tatsächlich an, rumzumotzen als wollten sie sich gleich kloppen wie auf dem Schulhof. Klar, die dürfen das! Schließlich haben die das Auf-Konzerte-Gehen erfunden, damals als sowieso alles besser war.

Ich möchte selbstverständlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber der große Anteil dieser weißhaarigen (der selbst erzeugte Stress...) Reviermarkierer macht das Colosseum-Publikum leider zu einer mittleren Schande für die Rockmusik an sich.
Diese Typen spannen bei Umsonst&Draußen-Konzerten wahrscheinlich auch beim allerersten Regentröpfchen sofort den Schirm auf oder tollwüten sich im Auto in Rage, weil man ihnen an einer nicht beschilderten Kreuzung von rechts aus die Vorfahrt nimmt.

Oder die setzen sich zu Hause mit Schaum vorm Maul an ihre PCs und wettern auf ihren Blogs endlos lange über vermeintliche Idioten (alle außer ich!) auf Konzerten.

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