Most posts are in german, yet sometimes I switch to english. The title of this blog changes from time to time.
If the title is displayed in Comic Sans, please refresh the site! That's unless you really dig Comic Sans of course.
Interested in me reviewing your music? Please read this!

2015-08-23

SUNN O))) - ØØ Void / SUNN O))) - Black One

Die Tonträgerauswahl am Merchandisingstand neulich beim Sunn O)))-Konzert in Hamburg war schon ziemlich brutal. So viele Alben der Drone-Legenden und ihrer Nebenprojekte... Was tun, wenn man kaum Ahnung von der Diskographie des Duos (und seiner wechselnden Mitstreiter) hat?

"Monoliths & Dimensions" und die Ulver-Kollaboration "Terrestials" hatte ich bereits auf CD, die "Soused" mit Scott Walker interessierte mich nicht, da ich mit dessen Stimme zu Sunn O))) nichts anfangen kann.

Ohne reinhören zu können (und wie lange sollte man auch bitte in ein Dronealbum reinhören?) wäre die Auswahl aus dem immer noch großen Restangebot ohnehin ein reines Glücksspiel, also habe ich mich einfach an die beiden Alben gehalten, von denen ich nachmittags noch gelesen hatte, dass sie gerade frisch als hochwertige Doppel-LPs wiederveröffentlicht worden waren.

Und damit hatte ich natürlich auch schon eine Menge Geld ausgegeben, für das ich am Stand auch fünf CDs bekommen hätte. Hat es sich denn gelohnt?

Das Auge zumindest sagt angesichts der äußerst ansprechenden Aufmachung beider Gatefolds zunächst einmal JA



 
SUNN O))) - ØØ Void (2LP) (2000/2015) 

Das Debütalbum von Stephen O'Malleys und Greg Andersons Droneprojekt ist wohl so etwas wie die Blaupause bzw. die Basis für das komplette weitere Studio- und Liveschaffen der Band.

Das macht "ØØ Void" einerseits zum Klassiker, lässt allerdings für jemanden, der spätere Werke zuerst kennengelernt hat, noch etwas den Detailreichtum vermissen, der ein Album wie "Monoliths & Dimensions" so gekonnt über allen hundertprozentigen Genrezuordnungen schweben lässt. 
Wobei auch hier schon neben dem reinen Gitarren- (und Bass-)Dröhnen durchaus schon Gesang und Violine mitmischen, sich allerdings nur sehr subtil aus der Brummsuppe herausheben, so dass man sie beim ersten Durchlauf auch komplett überhören kann.

Tatsächlich habe die vier Stücke auf vier LP-Seiten erstmals am Abend nach dem Konzert aufgelegt und komplett durchgehört, ohne zu merken, dass das Album nicht für die normale Abspielgeschwindigkeit von 33 rpm, sondern für 45 rpm ausgelegt ist! Erst beim Digitalisieren für den Genuss am PC habe ich bemerkt, dass meine Tracks irgendwie alle zu lang waren... Das kann einem auch nur bei Drone passieren!

Zugegeben war ich auch etwas enttäuscht, das Ganze mir doch tatsächlich etwas zu lahm.
Ich hatte also sozusagen doppelte Anlaufschwierigkeiten mit "ØØ Void".

Inzwischen habe ich das Album allerdings schon geradezu erschreckend oft gehört und muss feststellen, dass es jedes Mal wächst und wächst und wächst - eine gewisse Grundlautstärke vorausgesetzt. Allein das ist und bleibt bei dieser im Vorbeihören scheinbar so stumpfen und ereignislosen Musik faszinierend.

Nicht zwingend der beste, jedoch der bemerkenswerteste Track findet sich wohl mit "Rabbits' Revenge" auf Seite C. Das mit dreizehneinhalb Minuten kürzeste Stück des Albums ist nämlich ein Cover (oder die Weitererzählung?) des Melvins-Songs "Hung Bunny" von deren 1992er Album "Lysol".
Allein von diesem Album etwas zu covern, ist schon eine kuriose Wahl. In der CD-Version, die ich von "Lysol" besitze, wurde der Albumtitel aus markenrechtlichen Gründen übergeklebt, und alle sechs Songs wurden in einen CD-Track gepackt und vor allem nirgendwo auf der Hülle namentlich genannt. Spätere Auflagen erschienen dann komplett ohne den Namen "Lysol".

Nun sind es ja oftmals die reduzierten Coverversionen, die besonders gut funktionieren (siehe z.B. zahlreiche von Tori Amos gespielte Lieder), aber überhaupt auf die Idee zu kommen, diesen elfminütigen Lavabrocken, der bei den Melvins immerhin noch Spuren von Schlagzeug enthält, noch langsamer, entkernter und brummdröhniger aufzunehmen, ist schon so komplett bedrogt, dass es den Kult um Sunn O))) fast schon alleine rechtfertigt.

Die Aufmachung für "ØØ Void" wurde in dieser Neupressung komplett überarbeitet, d.h. vor allem, es gibt ein neues lichtdurchflutetes Cover, welches sich auf dem dicken matten Karton sehr gut macht.

Und wirksamer ist diese Musik auf fetter schwarzer Rille natürlich ohnehin.

Es ist durchaus möglich, dass für mich z.B. "White2" mit Attila Csihar oder die Zusammenarbeit mit Boris "Altar" noch interessanter gewesen wären, aber bereuen tue ich es auch nicht, mich für dieses Schmuckstückchen entschieden zu haben.
 
Anspieltipps: NN O))), Ra At Dusk





SUNN O))) - Black One (2LP) (2005/2015)

Fünf Jahre und einige Veröffentlichungen (inklusive "White1" und "White2") später erschien dann dieser - wie der Titel schon sagt - nachtschwarze Klotz.

Schon das wunderbare Artwork in schwarz und silbergrau lässt keinen Zweifel daran, dass hier keine Feelgood-Sommerhitmusik zu erwarten ist.


Man könnte fast meinen, dass es sich bei "Black One" nicht um Drone, sondern um ein Black Metal-Album handelt, wofür auch diverse Gastmusiker aus dem schwarzmetallischen Bereich, der Gebrauch von passenden Pseudonymen, blumigen Synonymen wie "Calls From Beyond The Grave" statt "Vocals" und genrekonformen Songtiteln wie "Cursed Realms (Of The Winterdemons)" sprechen.

Und tatsächlich findet man sich nach einem skandalöserweise nur zwei Minuten kurzen Finsterintro auch musikalisch voll im Black Metal wieder. "It Took The Night To Believe" ist nicht nur ebenfalls eine für Sunn O)))-Verhältnisse sehr knappe Komposition (unter sechs Minuten), sondern wird sogar von einem hohen und schnellen Schraddel-Gitarrenlauf getragen und vom BM-Gegurgel Jef "Wrest" Whiteheads veredelt.
Im Grunde ist dies ein lupenreiner Black Metal-Song - vor dessen Aufnahme sich allerdings der Drummer auf dem Weg ins Studio im norwegischen Wald verlaufen hat.


Ähnliches gilt auch für weitere der insgesamt sieben Tracks, wobei das Tempo jedoch nie wieder so angezogen wird und auch die Länge der Stücke sich mit zunächst acht bis zehn und schließlich auf der zweiten Langrille um die fünfzehn Minuten wieder im normalem Sunn O)))-Bereich einpendelt.


Es bleibt nicht nur finster, sondern wird immer abgründiger, dabei jedoch schon fast so abwechslungsreich und farbenfroh wie "Monoliths & Dimensions". Alles natürlich nur in Schattierungen von schwarz und mit nur minimalsten als hoffnungsvoll interpretierbaren Momenten.

Die absolute Geheimwaffe des Albums, die einen manchmal geradezu überrumpeln kann, ist dessen Dynamik, die es z.B. erlaubt, dass in "Orthodox Caveman", zu einem Zeitpunkt, da das ganze Ding schon über zwanzig Minuten im Gange ist, plötzlich die Lautstärke noch einmal auf jenseits von Spinal Taps elf anschwillt. Gerade wenn man "Black One" streng nach Vorschrift hört (die Anleitung auf dem Backcover lautet "Maxim Volume Yields Maximum Results") drückt dieser Wumms einen unvermittelt einen Meter tiefer in den Sessel.

Im letzten Viertel das Doppelalbums - Du glaubst eigentlich, dass Sunn O))) dich spätestens mit "Cry For The Weeper" schon vollkommen durchgeknarzt und ausgewrungen haben - wird es mit dem finalen Geräuschfest "Báthory Erzsébet" dann tatsächlich noch eine Stufe verstörender.
Ich will gar nicht erst versuchen zu spoilern, was hier geschieht, doch es ist wirklich der Punkt erreicht, an dem sich der eigene, kleine sterbliche Verstand fragt, wie und warum zum Waldschrat er das, was da so krank aus den Boxen gekrochen kommt, überhaupt genießen kann.

Doch er tut es! Dieser pechschwarze Teer-Blob von einem Album macht einfach süchtig - selbst wenn man wie ich Schlagzeug spielt und Sunn O))) deswegen ja eigentlich schon prinzipiell ablehnen sollte, haha.

Großes Album, tadellose Wiederveröffentlichung.

Wer musikalisch immer auf der Suche nach Extremen und dem Herz der Finsternis ist, der darf sich "Black One" nicht entgehen lassen. Absolut böse.


Anspieltipps: Cry For The Weeper, Orthodox Caveman, Báthory Erzsébet, Cursed Realms (Of The Winterdemons)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen