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2015-11-21

AVATARIUM, THE VINTAGE CARAVAN und HONEYMOON DISEASE live im Klubsen, Hamburg (19.11.2015)

Avatarium

Die letzte Gelegenheit, Morbid Angel noch mit David Vincent zu sehen, musste ich vor fast einem Jahr ja leider wegen Krankheit ausfallen lassen. So kam es erst am Donnerstag dazu, dass ich mir erstmals das Klubsen von innen angeschaut habe. Gelegen in einer eher hässlichen Ecke Hamburgs, dafür mit guten Parkmöglichkeiten, ist es tatsächlich ein interessant aufgebauter, schöner Livemusikladen, den ich bei Gelegenheit gerne wieder besuche.

Es spielte die mir seit dem Roadburn 2014 bekannte Doom/Rock-Sensation Avatarium, die mit "The Girl With The Raven Mask" gerade ein überragendes zweites Album veröffentlicht hat.
Support waren The Vintage Caravan, die ich zuletzt vor einem Jahr im Vorprogramm der Blues Pills gesehen hatte, sowie neben dem Headliner eine zweite female-fronted schwedische Band, die mir allerdings bis dahin noch unbekannt war:

Honeymoon Disease

Honeymoon Disease sind eine junge Formation, die ganz klar auf der aktuellen Retrowelle mitschwimmt - was nichts schlechtes heißen soll, zumal es ja für den gesamten Abend galt - und einen flotten, meist zum Cadillac-Cruisen optimierten Rock'n'Roll spielt. Auf Tonträger brauche ich das nicht zwingend (habe mir allerdings als Souvenir trotzem zwei Singles für je fünf Euro mitgenommen), doch live macht die Zwei-Jungs/zwei-Mädels-Gruppe auf jeden Fall ordentlich gute Laune.

Neben der Musik, an der ich nichts grundsätzliches zu meckern finde, macht sich der Corporate-Identity-Look aus Blue Jeans, Blue Jeansweste und individuellem T-Shirt (aber gelb muss es sein!) auch optisch gut. Ich habe mich nur gefragt, ob an manchen Tagen auch mal eine andere T-Shirt-Farbe ausgerufen wird, oder ob der arme Bassist immer mit seinem unten schon total zerlöcherten Flash Gordon-Lappen auftreten muss.

The Vintage Caravan

Nach dem gelungenen Auftakt und einer relativ kurzen Umbaupause legten The Vintage Caravan ganz klar nochmal eine Schippe obendrauf. Das Trio aus Beyoncé, Bruce Willis und Angelo Kelly (zumindest stellten sie sich so vor) hat im Laufe des vergangenen Jahres - nicht zuletzt durch die kürzlich absolvierte Tour als Support von Europe - spürbar an Selbstwusstsein gewonnen und rockte sich mitreißend und bewegungsfreudig durch ein sehr kurzweiliges Programm.

Auch wenn ich ein längeres Set mit ein, zwei Songs vom Debüt mehr durchaus vertragen hätte, musste ich feststellen, dass sich die Isländer nicht nur in puncto Performance, sondern auch songschreiberisch gesteigert haben. Der Gesang ist nach wie vor nicht die große Sensation, aber scheiß drauf, hier geht's eh in erster Linie um Groove, Drive und Gitarrenausflippen. Sehr gut!


Avatarium

Und dann - Doom!

Mit "Ghostlight" begannen Avatarium ihr Set schwer, langsam und spannungsgeladen. Jennie-Ann Smith machte von Anfang an klar, wem an diesem Abend ohne Diskussion die Gesangs- und Charisma-Krone zustand. Beeindruckend und bezaubernd.
Und spätestens als danach das schnelle "Girl With The Raven Mask" ins Publikum gefeuert wurde, war es absolut keine Frage mehr, dass die Band mit ihrem Hybridsound aus Candlemass-Doom, Hardrock und vielen anderen Einflüssen hier abräumen würde.

Das Set bestand zur einen Hälfte aus neuen Songs, zur anderen aus Stücken des Debüts, sowie dem Studioteil der "All I Want"-EP. Viel Abwechslung und eine Menge Highlights, von denen bei mir neben dem Zugabe-Doppelschlag aus "Moonhorse" und "Avatarium" vor allem die Percussion-Ausrasterei in "All I Want", die großen Emotionen in "Pearls And Coffins" und "The January Sea", sowie ganz vorne dieser geniale Mix aus lässig groovendem Vocal Jazz und epischstem Schicksalsgestampfe in "The Master Thief" hängengeblieben sind.

Natürlich war die Kulisse nicht ganz so bombastisch wie in Tilburg, doch die Band ist ganz klar noch besser aufeinander abgestimmt als damals schon. Und auch wenn man jedem nicht gespielten Jetzt-bereits-Klassiker vom Debüt ein Tränchen nachweint (gilt allerdings ebenso z.B. für "Iron Mule"), öffnen die Schweden mit dem Songmaterial vom neuen Album doch einen breiteren stilistischen Fächer, so dass niemals auch nur ein Fünkchen von Langeweile aufzukommen droht.

Avatarium ist trotz des Namens, den ich nach wie vor doof finde, eine großartige, derzeit wohl mit nichts anderem wirklich vergleichbare Liveband, die vom Publikum zurecht abgefeiert wurde.



Nicht feierlich war eigentlich nur, dass ich für meine energieineffiziente Spielzeugkamera zwar zwei Batterien dabei hatte, beide jedoch bereits angebrochen waren. Sonst gäbe es hier sicherlich ein, zwei Fotos mehr vom Headliner. Lektion für die Zukunft: Immer ein Power-Backup frisch aus der Verpackung mitnehmen!

Ansonsten war es natürlich ein äußerst lohnenswerter Musikabend mit einem tollen Bandpackage.



Honeymoon Disease









The Vintage Caravan

















Avatarium







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