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2015-11-22

OUR OCEANS - Our Oceans

Und nun zum Debüt einer neuen Band mit vertrauten Gesichtern aus Holland:


OUR OCEANS - Our Oceans (2015)

Der Schlagzeuger ist ein anderer, doch drei Viertel von Our Oceans sind personalidentisch mit der großartigen instrumentalen Jazz/Metal-Fusionband Exivious. Und von diesen dreien wiederum waren Gitarrist Tymon Kruidenier und Bassist Robin Zielhorst bekanntlich für ein paar Jahre Mitglieder von keiner geringeren Band als den aktuell leider auf sehr unschöne Weise zerbrochenen Cynic

Der Hauptgrund, neben Exivious bei fast gleicher Besetzung überhaupt eine neue Gruppe zu gründen, war sicherlich, dass bei Our Oceans gesungen wird. Doch auch instrumental geht es in eine andere Richtung.

Der Postrock, welcher sich auf "Liminal" neu in den Exivious-Kosmos geschoben hat, bildet hier die Basis für einen sehr songorientierten, manchmal fast singer/songwriter-artigen, mit sphärischen Ambient-Elementen angereicherten Klang. Der Jazzeinfluss ist gerade im individuellen Spiel zwar noch auszumachen - der bundlose Bass von Robin Zielhorst ist z.B. immer ein sehr charakteristischer Hinhörer -, doch auf lange Soli und Frickeleien wird komplett verzichtet. Ebenso gibt es bei Our Oceans keine kantigen Metalriffs. Nur in ein paar wohldosierten Steigerungen deutet sich zumindest die Intensität des Genres an.

Was aber haben Our Oceans?

Zum einen wirklich jede Menge träumerische, meist erhebende, manchmal auch katharsische Atmosphäre. Zum anderen den Gesang. Dass der Mann growlen kann (was er hier natürlich gar nicht tut), war ja bekannt, doch Junge, dass Tymons Clean-Stimme derart variabel und selbstbewusst daherkommt, hätte man nicht zwingend erwarten können!

Die gesamte, zumeist rund um den Gesang kreierte Stilistik erinnert sehr an das in den Neunzigern nach der damaligen Auflösung von Cynic als Nachfolgeband gestartete Portal-Projekt, welches allerdings erst 2012 als "The Portal Tapes" unter dem reunierten Cynic-Banner veröffentlicht wurde. An die größten Stücke davon reichen sie vielleicht nicht heran, doch insgesamt ist Our Oceans ganz klar die reifere, abgerundetere Band.

Die eine oder andere weitere Assoziation mag mir sicher noch unbewusst im Kopf schlummern, doch eine Platte, an die mich die Stimmung auf "Our Oceans" erinnert, ist "Octahedron", das entpannteste Werk von The Mars Volta.
Und so ein bisschen kommt die Band auch von anderer Seite dort an, wohin es Cynic zuletzt mit "Kindly Bent To Free Us" verschlagen hat.

Gesanglich orientiert sich Tymon nicht nur an dem unleugbaren, auch in der Wahl der dezenten Effekte auf der Stimme durchschimmernden Paul Masvidal, sondern schafft gerade in kräftigeren Passagen sein eigenes Ding, welches u.a. auch mal an den frühen Brent Oberlin (Thought Industry) erinnern kann.

Auf jeden Fall ist die Performance großartig, die poetischen Texte sind ebenso gelungen, und auch an den Kompositionen und Arrangements habe ich nichts auszusetzen. Diesen exzellenten Musikern ist einfach zu vertrauen.

Kein Finger- oder Nackenbrecher, aber einfach ein wirklich sehr schönes, rundum stimmiges Album. Ich wünsche eine wunderbare Weltflucht!




Anspieltipps: Turquoise, Lioness' Sunrise, Reawaken, Illuminate



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