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2015-12-13

MOEWN - Acqua Alta

Nicht der einzige, aber ein durchaus ein wichtiger Trend in meinem persönlichen Hörverhalten der letzten Jahre ist, dass ich - quer durch alle möglichen Genres - immer mehr auf Instrumentalmusik stehe.

Es hat ja auch für den Künstler einige Vorteile, auf den Gesang zu verzichten. So muss man keine Texte schreiben, was mitunter der größte pain in the ass des gesamten kreativen Prozesses sein kann, spart das Geld für Mikros plus Ständer und ist live schneller mit dem Soundcheck fertig. Und auch wenn man mal ein wenig erkältet ist, kriegt das nicht sofort jeder überdeutlich mit.

Diese Vorteile haben sich mittlerweile ja sogar bis zum Metal und vielen angrenzenden Genres herumgesprochen, so dass überwiegend oder gänzlich instrumentale Gruppen auch dort keine vollkommenen Exoten mehr sind.




MOEWN - Acqua Alta (LP) (2015)

Das Trio Moewn aus Hamburg (und ja, das Intro sowie das Logo auf dem Plattenlabel verraten, dass mit dem Namen tatsächlich die  zumindest ähnlich ausgesprochenen Vögel gemeint sind), stammt auch eher aus der Peripherie des Metal und berührt diesen nur gelegentlich.

Bereits das sehr schöne, von Gitarrist Ben selbst gestaltete Cover deutet in seiner Ästhetik an, dass die Basis der Songs von "Acqua Alta" im eskapistisch schwebenden Postrock zu suchen ist. Dargebracht werden sie allerdings ohne zusätzliche aufplusternde oder verkitschende Extrawürste mit den direkten Mitteln rauen Stonerrocks, welche für ausgesuchte Höhepunkte auch mal in die bassbrummend hartriffigen Gefilde des Sludge Metals abdriften. In den ganz derben Bongripper-Krach geht man aber längst nicht rein, also eher Sludge Metal light.

Strukturell setzt die Band auf eine ausgeglichene Mischung aus dem Steigern von Themen und dem eher für Progressive Rock  und Metal typischen Aneinanderflanschen unterschiedlicher Parts. Den diesen Genres innewohnendem Hang zur technischen Angeberei lassen die Moewn allerdings komplett vermissen. Entspannte Psychedelik  schlägt also krampfhafte Virtuosität. Es bleibt alles stets nachvollziehbar, und im Fokus stehen immer die Stimmung und der Spannungsbogen des gesamten Stücks.

Letzteres haut nicht immer hundertprozentig hin, da es durchaus noch den einen oder anderen Wechsel gibt, der dem Rest gegenüber abfällt, doch insgesamt ist "Acqua Alta" mit seinen sechs Tracks und der vergleichsweise zurückhaltenden durchschnittlichen Songlänge von etwa fünfeinhalb Minuten ein kompaktes, sehr kurzweiliges Hörvergügen geworden.

Wer irgendwo zwischen Kiffer- und Rübenschüttlermusik zu Hause ist und gerne von der Weite und Tiefe des Meeres träumen möchte, der macht nichts verkehrt, wenn er  mal in diese Musik hineintaucht.

Die Platte kostet auch nicht Welt, selbst wenn man nicht wie ich am sparfüchsischen Black Friday-Wochenende bei Pink Tank Records zuschlägt.

Trotzdem ärgere ich mich nach wie vor ein bisschen, sie mir nicht schon beim Konzert in Itzehoe mitgenommen zu haben, da ich dann die (vom Label gewohnt schicke) Stormy Sea Wax-Farbedition inklusive Poster mein eigen nennen würde. Anscheinend ist das Ding neben der schwarzen Standardversion auch immer noch zu haben, ansonsten gibt es das Album noch in digitaler Downloadform. Dass nur der Farbvariante ein Downloadcode beiliegt, finde ich allerdings schon ein bisschen knauserig.

Wie auch immer, die Musik stimmt in jedem Fall. Von daher meine volle Kaufempfehlung!



Anspieltipps: Felsendunst, Schwarzer Frost, Packeis




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