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2016-02-20

MOTORPSYCHO - Here Be Monsters

Ich bin ja kein großer Freund von gefühlter Wahrheit, aber...

Wenn Motorpsycho ein Album veröffentlichen, welches "Here Be Monsters" heißt und dieses geile Coverartwork hat, dann kann der Rest nur gut werden!

Nein, das ist nicht logisch, nicht rational, denn theoretisch könnten ja auch die Norweger mal einen schlechten Studiotag haben und ins Klo greifen.

Ja, ich weiß, das klingt schon komisch bis unrealistisch. Wer soll das glauben?

Im Ernst: It's Motorpsycho!





MOTORPSYCHO - Here Be Monsters (LP+CD) (2016)

Die obligatorische Frage, wie zum Henker das Trio es schafft, trotz Liveaktivitäten und Zweitjobs in Spidergawd, in so schneller Frequenz so viele so hochwertige Veröffentlichungen rauszuhauen, muss weiterhin unbeantwortet bleiben. Da steckt man einfach nicht drin.

"Here Be Monsters" ist ein reguläres Album, also kein Monumentalbrocken wie die lässigste aller Rockopern "The Death Defying Unicorn" oder das chor- und orgelgewaltige Liveprojekt "En Konsert For Folk Flest", beides Kooperationen mit dem Komponisten / Jazzorganisten Ståle Storløkken.

Jener ist diesmal nicht dabei, soll die Entstehung der Songs aber maßgeblich beeinflusst haben, und das hört man auch.
So gesehen kann man das Album also auch nicht ganz in die Reihe stellen mit "Still Life With Eggplant" und "Behind The Sun", welche ja beide als Ausgleich zu den eben erwähnten Werken entstanden sind - und die zudem, was ich in meinem Reviews gar nicht erwähnt hatte,  als Quartett-Einspielungen mit Reine Fiske u.a. an zweiter Gitarre selbst etwas aus der Reihe fielen.

"Here Be Monsters" ist ein relativ kurzes Werk, welches auf eine LP passt, und gewissermaßen Motorpsycho light, und zwar in dem Sinne, dass man sich nicht nur auf die Stammbesetzung reduziert, sondern zumeist auch ziemlich relaxt zu Werke geht.

Ziehen wir das zunächst als Intro und später als Interludium vor dem Finale eingesetzte Thema von "Sleepwalking" ab, so besteht die Platte noch aus fünf Songs.
Der erste davon, "Lacuna/Sunrise", ist allerdings schon knapp zehn Minuten lang und setzt mit seinem locker psychedelisch progrockenden Wesen den Grundton für die Platte.
Unter der Oberfläche brummranzt der Bass zwar bereits im typischen Motorpsycho-Groove, was voll aufgedreht schon ordentlich wummst, doch voll entfalten soll sich dieser Aspekt der Musik erst später.

Erst einmal folgt mit "Running With Scissors" nämlich ein noch angejazzteres Instrumental, ehe in "I.M.S." dann aufs Gas getreten und insbesondere gegen Ende der wuchtige Rock'n'Roll-Hammer gezückt wird.

Die B-Seite beginnt mit dem großen Pop-Moment des Albums. "Spin, Spin, Spin" ist das Cover eines Folkrock-Songs, eindeutig inspiriert durch die von der Band H.P. Lovecraft gespielte 60er-Jahre-Psychedelic-Rock-Version des Stücks. Das hätte durchaus auch gut auf die "Childhood's End" von Ulver gepasst. Und Motorpsycho machen sich das Ding großartig zu eigen. Die Harmoniegesänge glänzen zwar auf dem gesamten Album, doch in diesem Ohrwurm sind sie am unwiderstehlichsten. 

Die Krönung folgt aber erst zum Schluss. "Big Black Dog" ist ein über siebzehnminütiger Longtrack, in dem der epische Einfluss Storløkkens nicht zu überhören ist. Motorpsycho fahren hier ihre komplette Dynamikpalette von zart gesäuselt bis überwältigend bombastisch auf. Der schwarze Hund bellt alle Qualitäten der Band hinaus und könnte sich live zu einem echten Sethighlight entwickeln. Wau!



Motorpsycho machen's also wie immer ein bisschen anders als sonst, aber zeigen trotzdem alles, was sie können. Und das kann so sonst niemand. Fans können eh blind (bzw. taub) zugreifen. Alle anderen ernsthaft musikinteressierten Menschen eigentlich auch. Ich habe nullkommnix zu beanstanden.

Und die CD-Version liegt der Platte auch gleich bei. So geht's!


Anspieltipps: Spin Spin Spin, Big Black Dog, Lacuna/Sunrise

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