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2016-08-19

KAMASI WASHINGTON live im Gruenspan, Hamburg (17.08.2016)


Selbstverständlich war Mittwochabend in Hamburg astreinstes Open-Air-Wetter!

Das war mir eigentlich schon klar, seit das Konzert von Kamasi Washington letzte Woche vom Stadtpark ins Grünspan verlegt wurde. Aber was soll man machen? Der Hype um den Saxophonisten reichte mit etwa siebenhundert Tickets im Vorverkauf dann doch nur, um nochmals den Club zu füllen, in dem er zuletzt im November aufgetreten war. Für die Freiluftbühne braucht es wohl noch mindestens tausend Besucher mehr, um eine ähnliche Publikumsdichte zu erreichen.

November ist natürlich erst neun Monate her, und so war "ist ja diesmal draußen" für mich durchaus ein wichtiges Argument gewesen, mir wieder eine Karte zu besorgen. Bereut habe ich es - der Spoiler sei erlaubt - im Nachhinein aber keineswegs. Das einzig wirklich Lästige vor Ort war, dass sich durch die Verlegungssituation eine Kombination aus sehr frühem Einlass und dann aber doch lieber etwas späterem Konzertbeginn ergeben hatte. Da ich pünktlich gekommen war, wartete ich dort also beinahe zwei Stunden, bis es losging.


Aber wie es dann losging! Fast augenblicklich steigerte sich die Band in die erste (und nicht letzte) ekstatische Kakophonie, ehe mit dem hier fast operettenhaften Gesang Patrice Quinns langsam von unten aufgebaut wurde. Kein Zweifel, eine Wiederholung des November-Konzerts würde dies nicht werden.
Die instrumentale Besetzung mit zwei Drummern, Kontrabass, Keyboards, Posaune und natürlich Bandleader Washington hatte sich nicht geändert, das Dazustoßen von Kamasis Vater Rickey Washington an Querflöte und Sopransaxophon vor der Ode an seine Großmutter war ein schönes kleines Deja Vú, geschah diesmal allerdings schon viel früher im Set. Ein paar weitere Songs vom Mammut-Debüt "The Epic" standen ebenso erneut auf dem Programm wie ein Duell der beiden Drummer.

Das waren aber auch schon die Gemeinsamkeiten, von denen einige ohnehin nur auf dem Papier Wiederholungen sind. Denn die Stücke führen ohnehin solch ein starkes improvisatorisches Eigenleben, dass niemand vor oder auf der Bühne ahnen kann was kommt. Da werden Grooves und Tempi neuinterpretiert und die Stücke brechen in vollkommen neue Richtungen auf, um schließlich doch wieder zu ihrem Hauptthema zurückzufinden.

Vor allem aber war es im Vergleich zum letzten Mal noch sehr viel funkier, was mit dem Song "Spaceship" von Keyboarder Brandon Coleman auch direkt als Anspruch formuliert wurde. Sein Umhänge-Moog war fortan immer ganz vorne mit dabei, wenn es darum ging, dem traditionellen Maximalisten-Jazz der "The Epic"-Kompositionen einen hart elektronischen Prince-Touch zu verpassen.

Dass sich Monsterbassist Miles Mosley einer breiten Palette von Effekten bedient, um die Musik ebenfalls über den Jazz hinaus in andere Genres zu pushen, ist soweit bekannt. Die Bläser haben in dieser Beziehung inzwischen allerdings ebenso ein Stück aufgeholt. So setzte Kamasi Washington selbst mehrmals ein Delay ein, während Ryan Porter mit Hilfe eines Wahwah-Pedals auf der Posaune solierte.

Im "Spaceship" übernahmen zudem Coleman und Mosley den Leadgesang, so dass es auch in diesem Bereich neben Patrice Quinn ein paar neue Farben zu hören gab. 

Leise Momente und feine Gefühle... gab es definitiv weniger als im November. Doch dafür stand auf der anderen Seite jede Menge Funk-Spaß, lärmendes Gewusel und natürlich diese sich immer weiter und wilder steigernden Saxophonsoli, bei denen man sich wunderte, dass das geschundene, heiser kreischquietschknarzende Instrument sie überhaupt heil überstand.

Wahrscheinlich war das für Teile der Jazzpolizei schon alles wieder zu laut und unbeherrscht.
Aber fuck the police, was kümmert mich das? Kamasi Washington und seine funkylicious Westcoast-Gang sind einfach der Hammer!

Im Saal dementsprechend Applaus und Begeisterung bis an die Decke, von mir die maximale Anzahl Sternchen in meinem nicht vorhandenen Showbenotungssystem.








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