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2016-08-24

KAYO DOT live auf der MS Stubnitz, Hamburg (23.08.2016)

Kayo Dot

Tja, Herr Driver, da haben Sie doch mächtig mit meiner Erwartungshaltung gefickt!

Mit dem synthielastigen Album "Plastic House On Base Of Sky" im Gepäck, sowie der kürzlichen Interviewaussage, mit Metal aktuell eher nichts am Hut zu haben, war ich ja doch eher auf klarere Töne eingestellt.
Doch da Kayo Dot in den vergangenen Tagen Doom- und Krachfestivals, u.a. mit Neurosis gespielt hatten, haben die drei Herren ihr Programm an Bord der MS Stubnitz einfach mal nach Tageslaune modifiziert.

So waren die rhythmisch anspruchsvollen neuen Stücke zwar durchaus mit am Start, entwickelten aber durch den ungleich stärkeren Fokus auf Bass und Gitarre eine ganz andere Dynamik als im Studio.
Dem letzten, mir aus Tilburg und dem Hafenklang bekannten Programm, welches ja auch dank des diesmal nicht mitgereisten Saxophons von einer entrückt schwebenden Jazzstimmung durchzogen war, kam der Abend noch am nächsten, als Kayo Dot den Epos "The Mortality Of Doves" von "Coffins On Io" zelebrierten.

Ansonsten gab sich die Band insgesamt aber sperriger, fragmentarischer und schwieriger zugänglich, indem sie ihren Fluss in Doom/Noise-Zwischenspiele abstürzen ließ oder auch mal den Blasthammer auspackte. Generell ist dies bei John Zorn-Schüler Toby Driver ja nichts neues, sondern eher back to the roots, aber die Form, in der es ausbrach, war schon unerwartet.

Was die Performance leider etwas schwächte war die Trio-Besetzung. Es ist nachvollziehbar, dass der Chef neben Bass (oder wahlweise auch Gitarre) auch noch die Keyboards übernommen hat, da die Band für so eine Tour ja offensichtlich immer am Rande der Obdachlosigkeit operiert und so ein Flugticket gespart werden konnte. Und es ist auch beeindruckend, diese Musik überhaupt zu dritt darbieten zu können. Aber dies bedeutete auch, dass Driver oft mit der Koordination seiner Instrumente und Einstellungen zu tun hatte, was etwas auf Kosten der sonst gewohnten Souveränität ging. Anderseits war die Show dafür noch etwa waghalsiger und abseitiger...

Man merkt es wahrscheinlich: Ich kann mich gar nicht so recht zu einem finalen Urteil hinreißen lassen. Eine das Publikum mühelos mitreißende magische Klangmesse wie der Auftritt in Het Patronaat auf dem Roadburn war dies nicht. Dazu mangelte es vielleicht auch einfach an Zuhörern, auch wenn die Situation nicht ganz so dramatisch wie letztes Mal im März bei Toby Drivers Auftritt als Solokünstler war.

Eine das Musikverständnis herausfordernde, sehr interessante und das Gehirn massierende Erfahrung war es durchaus.

Und die MS Stubnitz ist als Location ja sowieso etwas ganz spezielles.

Dies gilt im übrigen auch für ihre Lage. Mal eben vor dem Konzert zu Fuß in der Nachbarschaft einen Burger zu essen, entpuppte sich als mal locker eine satte Stunde schluckende Aufgabenstellung. Immerhin kam jener Burger aber auch mit extra Salat und Kartoffelspalten - und schmeckte super.

Es ist also nicht alles hässliche Designerscheiße in der Hafen City.










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