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2016-08-17

VIRUS - Memento Collider

Und nun nicht zum ersten Mal ein Review aus der Kategorie total bekloppter  Scheiß aus Norwegen. Irgendwas stimmt da oben doch mit dem Wasser nicht!

Während die irgendwann letztes Jahr vorbestellten Neupressungen des Backkatalogs von Virus anscheinend immer noch in der Warteschlage der Schallplattenbäckerei stehen, habe ich mit nicht ganz so langer Verspätung immerhin kürzlich das neue Studiowerk der Herren Crzal, Plenum und Einz in meine gierigen Finger bekommen.



VIRUS - Memento Collider (LP) (2016)

Das Album enthält sechs Stücke mit einer durchschnittlichen Länge von ca. siebeneinhalb Minuten. Und das war es hier dann auch schon mit den leicht zu beschreibenden Fakten.

Dass Carl-Michael Eide früher ein profilierter Black Metal-Drummer gewesen ist, bevor er nach einem Sturz von einem mehrstöckigen Gebäude die Bewegungsfähigkeit seiner Füße verlor und auf Gitarre und Gesang umstieg, ist zwar Standardinformation bei Virus-Reviews, hilft zum musikalischen Verständnis allerdings nur insofern, dass gerade die Geschichte der norwegischen BM-Szene natürlich reich an Protagonisten ist, die sich irgendwann vom extremen Metal weg der Advantgarde zugewandt haben.

Nein, Metal ist das hier im Grunde ohnehin nicht. Dafür verweigert sich Czral schon zu konsequent der durchaus naheliegenden Versuchung, entsprechende Riffs zu spielen.

Und da "Advantgarde" ein ziemlich dehnbares Füllwort ist, nennen wir das Ganze mal progressiven Psychedelic Rock - und sind damit auch nicht viel weiter.

Zum Glück gibt mein diesjähriger Rezensionsverlauf mit dem Debüt von The Claypool Lennon Delirium eine ganz taugliche Referenz her. Die Drumgrooves und das sehr geschäftige Bassspiel von deren flotteren Kompositionen sind nämlich durchaus mit dem verwandt, was die Rhythmussektion von Virus auf "Memento Collider" vom Stapel lässt.


Virus live 2015
Auch dass die Gitarre das Geschehen streckenweise nur mit Nuancen verfeinert und ansonsten dem Tieftöner als Leadinstrument den Vortritt lässt, passt in diesen Vergleich. Dem Gegenüber steht allerdings der Rest des Albums, welcher vom absolut eigenständigen Stil Czrals dominiert wird.
Die sehr laid back gespielten, nie sonderlich stark verzerrten Licks ziehen ihre Spannung vor allem aus ihrem grenzwertigen Harmonieverständnis und einer Performance, die es schafft, gleichzeitig anspruchsvoll geplant und doch spontan improvisiert zu wirken.

Es ist ein bisschen so, als würde Captain Beefheart den Klang von Voivods "Nothingface" imitieren. Passend dazu steuert übrigens eben deren Dan Mongrain ein kurzes Solo zu "Gravity Seeker" bei, welches anderswo einigermaßen außerirdisch wäre, hier allerdings zum "normalsten" Gitarrenmoment des ganzen Albums wird.

Der Gesang ist ein für sich alleine wahrscheinlich eher wenig beeindruckendes Gecroone mit einer guten Portion Pathos, die aber perfekt zur Schrägheit der Musik passt, die ich mir mitunter auch ganz gut als Soundtrack zum surrealistischsten Spaghetti-Western aller Zeiten vorstellen könnte.

Wer das Feeling der progressivsten Ansätze von Hexvessel mag und so etwas gerne noch viel schräger und abgefahrener hätte, der ist mit "Memento Collider" vielleicht richtig beraten.

Letztendlich gibt es aber nur äußerst wenige Bands, deren Musik so vollkommen eigenständig klingt wie die von Virus. Deswegen sind alle Empfehlungen der Marke "klingt so ähnlich wie" Makulatur.
Der eine wird wohl ganz unabhängig von sonstigen Hörgewohnheiten an der exzentrischen Disharmonie, die hier gepflegt wird scheitern, der andere diese gar nicht wahrnehmen, da ihn die mitreißende Tanzbarkeit der Stücke sofort packt.

Ich für meinen Teil finde die Gruppe an sich sowieso sensationell und freue mich, wie sie ihren sehr spezifischen Sound hier noch weiter vorangebracht hat.
Und irgendwann kapiere ich ja vielleicht auch, was zum Teufel da in den ersten anderthalb Minuten von "Dripping Into Orbit" passiert. Das hat mich schon geflasht und bis weit über das Konzert hinaus verfolgt, als sie den Song letztes Jahr live vorgestellt haben.



Highlights: Phantom Oil Slicks, Afield, Dripping Into Orbit (ach... eigentlich sind die alle gleich geil)



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