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2016-08-11

WACKEN 2016, Teil 2 : I've got a fever! And the only prescription is more saxophone!

Tag 1, Donnerstag, 04. August 2016


Blaas Of Glory auf dem Wacken Center


Wie man es während eines Metalfestivals eben so macht, bekamen zunächst einmal ein paar im Nachbardorf geparkte Pferde Wasser. METAAAAAL!!!

Aber das erwähne ich eigentlich nur, weil ich das Foto dazu mag.

Und eine Stunde gearbeitet hatte ich vorher zu Hause auch noch. Es gibt eben auch Nachteile des Heimschläfertums. Örgs. METAAAAAL!!!


Ja, unser Wacken-Tag ist manchmal leicht untypisch...

Donnerstags ist nach wie vor offiziell der erste Tag des Wacken Open Air. Nachmittags wird das Hauptbühnenareal geöffnet, auf dem aber auch noch nicht alle Bühnen bespielt werden, und abends gibt es die "Night To Remember", diesmal bekanntermaßen mal wieder mit Iron Maiden, die hier den Abschluss ihrer diesjährigen "Book Of Souls"-Welttournee begingen, was zur Feier des Tages auch weltweit live gestreamt wurde.

Doch bis dahin gab es ja noch eine Menge weiterer großer und kleiner Acts zu sehen. Wir begannen den Festivaltag um 12:00 Uhr wieder im Bullhead City Circus, wo sich mit dem letzten Bündel Bands aus dem weltweiten Wacken Metal Battle gut die Zeit vertrieben ließ.


Ritual Day bliesen einen antändigen traditionellen Black Metal ins Publikum, bei dem sich meine Erinnerung einbildet, dass in den Melodien auch minimal die chinesische Herkunft rauszuhören war. Aber ganz ehrlich unter uns: Das kann auch vollkommener Quatsch sein, da die paar Minuten mit dieser Band einfach durch viel zu viele andere musikalische Eindrücke überlagert worden sind. Aber schlecht waren sie auf jeden Fall nicht, so viel weiß ich zumindest noch. Glaube ich.


Pain Is
Pain Is aus Österreich würde ich ebenfalls nicht als schlecht bezeichnen, denn dafür spielten und performten sie einfach zu souverän. Die Mucke wäre normalerweile allerdings nicht meins. Für knapp zwanzig Minuten kann ich mich dann aber auch mal durch modern metalcoriges Hüpf- und Groovezeug unterhalten lassen, zumal es in diesem Fall auch frei von Fremdschämereien war, die ich bei dieser Ausrichtung durchaus manchmal verspüre. Dass die Band am Ende unter die Top 5 des Wettbewerbs gekommen ist, finde ich objektiv betrachtet jedenfalls verständlich.


Tidal Dreams
So ganz kann ich ja nicht mehr nachvollziehen, warum ich Tidal Dreams auf meiner Running Order markiert hatte. Ok, die Band aus Griechenland hat sicherlich den einen oder anderen anständigen Song im Repertoire, und davon habe ich wohl einen auf YouTube erwischt.

Ich muss ihrem leicht progressiv powermetallisch sowie mediterran seemannsfolkloristisch angehauchten Heavy Metal mit superhohem Sirenengesang auch zugestehen, dass er nicht unkreativ ist, wenn auch für mich zu kitschig.

Aber diese fucking Fick-Hose vom Sänger war einfach zu brutal! Es gibt Achtziger-Jahre-Metaltraditionen, die sollte man einfach begraben lassen. Oder sich einfach seine Bühnenklamotte mal im Spiegel anschauen. Aber ich fürchte fast, dem Mann gefällt das sogar.

Als zusätzlicher Schrecken wurde dann für wenige Intro-/Outro-Momente eines Songs auch noch das Instrument ausgepackt, welches in Wacken allmählich echt mal verboten gehört. Zum Glück war der Dudelsack aber fast nur zu sehen und ging im Mix gnadenlos unter.


Zhora

Zhora aus Irland litten leider darunter, dass ihr für Wacken ziemlich untypischer Progressive Sludge-Sound mit sehr tief brummbollerndem Bass aber auch kontrastierenden Clean- und Leadgitarren eine ganze Spur zu undifferenziert aus den Boxen quoll.

So blieb die Show der für mich musikalisch neben den Isländern Auðn vom Vortag nach wie vor interessantesten Gruppe des Battles leider ein bisschen hinter meinen Erwartungen zurück.

Schön gegen den Wackenstrich gebürstet war's aber schon. Auf jeden Fall eine Band zum Im-Auge-Behalten.




Lepergod

Die Argentinier Lepergod boten mit ihrem von Vorbildern wie Behemoth und Morbid Angel inspirierten Schwarz- und Todesmetall dann wieder etwas gewohntere, aber durchaus solide Kost.

Nur der Gastauftritt einer Sängerin erweckte irgendwie den Eindruck, dass hier nur der Freundin eines Bandmitglieds ein Backstage-Eintrittsbändchen zugetrickst werden sollte.
Oder ich bin gerade unfair und es lag vor allem am bei Details und Extras ja auch schon bei den vorigen Gruppen schwächelnden Sound hier auf den Zeltbühnen.


Zombies Ate My Girlfriend
Um 14:00 Uhr trat auf der W:E:T Stage dann die letzte Band des Wettkampfes mit dem klangvollen Namen Zombies Ate My Girlfriend auf.

Fröhlich arschtretender Deathmetal/Knüppelcore wäre die passendste Bezeichnung, die mir jetzt zur Musik der Südafrikaner in den Sinn kommt. Und Junge, die fünf Bekloppten gingen wirklich extrem gut nach vorne ab und hatten das große Zelt voll im Griff.

Geiles Ding und für mich klar ein treppchenwürdiger Auftritt. Und was soll man sagen: Zombies Ate My Girlfriend haben den Wacken Metal Battle tatsächlich gewonnen. Glückwunsch!



Danach ging es hinaus in die Sonne. Oberste Priorität dabei: Auf keinen Fall zu früh aufs Infield latschen, solange dort noch die Cover-Gurkentruppe Skyline die Black Stage musikalisch besudelte. Aus der Ferne des Wacken Center hörten wir noch, wie sie ihren letzten Song spielten, eine absolut von jedem Gespür fürs richtige Timing befreite Version von Rage Against The Machines "Killing In The Name Of".
Es ist ja nicht schlimm, wenn einem das Ding nicht liegt, aber merkt man das nicht bei der Probe, bevor man damit zehntausenden Festivalbesuchern die Ohren bluten lässt?


Vorher hatten wir noch eine Weile im Biergarten verbracht, wo gerade Knasterbart spielten. Dass sich die Band mit dem ersten Lied, welches wir hörten, vom Mittelaltergetröte distanzierte, verschaffte ihr gleich einen Sympathiebonus. Ein paar weitere Texte wie im Familienlied "Mein Stammbaum ist ein Kreis" machten auch Spaß, aber insgesamt ist das Programm von Knasterbart halt die übliche Beer Garden-Trinkerbeschallung. Das gibt es aber auch häufig in schlechterer Ausführung.


Blaas Of Glory

Nach dem vorhin erwähnten RATM-Disaster durch Skyline spielte die holländische Blaskapelle Blaas Of Glory auf dem Vorplatz noch eines ihrer Mini-Sets mit den üblichen Hits von Maiden, Metallica, Motörhead, Scorpions und Europe. Mindestens einmal trifft man sie ja mittlerweile jedes Jahr zufällig, aber es unterhält für die kurze Weile auch nach wie vor.

Nun war es Zeit für sieben Stunden Hauptbühnenprogramm. Zwar gab es im Zelt später noch ein hochkarätiges, von Vader eröffnetes Death- und Black Metal-Angebot, aber wir wollen das Innenfeld lieber nicht verlassen, um nicht zu riskieren, später im Headliner-Zuschauerstrom steckenzubleiben.
Die Entscheidung erwies sich später auch als richtig, wohl allein schon weil - wie Ohrenzeugen sagen - der Sound im Zelt wohl den ganzen Abend lang unterirdisch gewesen sein soll.

Da das Gelände ja noch realitiv frisch war und es lange nicht geregnet hatte, war es heute stellenweise sogar noch möglich, sich ohne große Sauerei auf den Boden zu setzen. Zumindest solange niemand versehentlich sein Bier auf einen verschüttete. Grmpf.

So sah ich mir zunächst einmal vom Boden aus mit Blick auf eine Videowand Saxon an.



Saxon

Ja, Saxon gehören als mittlerweile neunfache Hauptbühnenbeschaller ganz klar zu den Bands, die ich gerne nenne, wenn ich die Abwechslungsarmut in der Headlinerrotation des Festivals kritisiere.

Aber anders als echten Plagen wie die für nächstes Mal tatsächlich schon wieder angedrohten Avantasia sind Saxon ja bei gesunder Dosis eine durchaus anständige Gruppe, so dass ich sie mir ab und zu durchaus gerne anschaue.
Kein Pflichtprogramm für mein Plattenregal, aber ernsthaft zu Meckern gibt es an dem powervollen NWoBHM Metal mit einem sympathischen Biff Byford, der immer noch gut bei Stimme ist, eigentlich nichts.


"I want to know what love iiiiis!"


Foreigner nahmen an diesem Tag so ein bisschen die Position ein, welche Europe 2015 am Mittwoch inehatten: Der Achtziger-Jahre-Schrecken, von dem man eigentlich nie geglaubt hätte, ihn sich tatsächlich mal live anzutun.

So ein irrer Abräumer wie die Schweden, die ja auch ein tolles neues Album in der Tasche hatten, letztes Jahr im Zelt waren Foreigner von meiner Warte aus zwar nicht, aber sie nicht als ein Highlight des W:O:A 2016 zu benennen, wäre schon verlogen. Dazu hat es einfach zu viel Spaß gemacht, die Gassenhauer "Cold As Ice", "Urgent" (urgent urgent), "Juke Box Hero" und vor allem das Schlimmschmalzungetüm "I Want To Know What Love Is" abzufeiern.

Außerdem gefielen mir auch die Arrangements, welche die Zeit, aus der die Songs stammen zwar nicht verleugneten, aber sie doch um den einen oder anderen frischen Anstrich bereicherten.

Der absolute Oberknaller war für mich zweifellos das fette Grinsen von Multiinstrumentalist Tom Gimbel, als er der riesigen Metalmeute ein ausgiebiges Saxophonsolo um die Ohren schulterpolstern durfte. Zu gut!


Whitesnake

Als nächstes waren Whitesnake an der Reihe, deren klassischer Hardrock wieder ein bisschen mehr ins Profil eines Metalfestivals passte, für mich den Kult von Foreigner aber nicht erreichte.

Dazu hätte die Band wohl noch mindestens einen Song von Deep Purples "Stormbringer"-Album spielen müssen, an dem David Coverdale sich ja den Gesang mit Glenn Hughes geteilt hat. Aber man kann eben nicht immer alles haben.

Trotzdem war die Show gut, nur beim Gitarrensolo dachte ich mir im Stillen, dass die meisten Leuten am Ende ja eigentlich applaudieren, weil die Band endlich weiterspielt. Muss für mich bei einer Festivalshow nicht unbedingt sein. Als dann auch noch ein Bass-Solo kam, rollte ich zunächst mit den Augen, doch dann kam da mit Loop-Effekten und Schlagzeugunterstützung durchaus ein sehr unterhaltsames Ding bei raus.

Und natürlich kam nachher auch die Königsdisziplin der Überflüssigkeiten, das Drumsolo. Tommy Aldridge ist mir eigenlich schon im normalen Songbetrieb Ereignis und eigentlicher Star der Band genug. Als der Mann dann aber seine Sticks weglegte und das Kit mit bloßen Händen malträtierte, wurde auch dieses Solo großer Rock'n'Roll.

Daumen hoch für Whitesnake!


Iron Maiden

Natürlich wurde es bei Iron Maiden mächtig eng vor der Bühne. Ich hatte mir zum Glück schon während der vorigen Bands einen Platz gesucht, der immerhin schon zentral im Bereich zwischen Stage und Delay-Türmen lag.

Das war einerseits schon cool, hatte aber den Nachteil, dass man sich immer mal nach hinten umsehen musste, ob nicht ein Crowdsurfer angeflogen kam, um einen seine kackdreckigen Stiefel ins Genick zu pfeffern. Dieser Scheiß nervt einfach, vor allem, wenn die eigenen Füße sich ständig im Matsch festsaugen, was nicht gerade dabei hilft, flink zu reagieren.
Mit Schönwetter war nun auch Schluss, also hatte die große Stunde des Wacken-Regencapes geschlagen.

So widrig, dass sie einem Iron Maiden verderben können, müssen die Umstände aber erst einmal werden! Nein, mit dem starken Material von "The Book Of Souls" plus einer etwa gleich großen Menge bewährter Klassiker konnten Dickinson, Harris und Co. eigentlich nur gewinnen.
Dazu noch der Motivationsbonus der letzten Show der Tour plus weltweiter Liveübertragung - da war ganz klar zu merken, dass die Briten mächtig Bock hatten.

Klar, kein Set kommt (zumindest für "7th Son"-Kultisten wie mich) an "Maiden England" heran, aber ich fand das Ganze schon verdammt stark. Auf jeden Fall hat es das Wacken-Gastspiel 2010 ganz klar geschlagen.

Bruce ist zu aller Freude ja wieder fit wie ein Turnschuh, allerdings schwankte sein Gesang doch stark in der Lautstärke, was in der Fernsehübetragung zwar zu bemerken, aber nicht schlimm war. Über die PA schien seine Stimme allerdings häufig ganz zu verschwinden.
Davon abgesehen konnte ich in der Show keine Mankos ausmachen.

Nebenbei hat man auch deutlich gemerkt, dass Maiden ihre eigenen Leute in der Bildregie gehabt haben müssen. So punktgenau immer das wichtigste haben die Bildschirme sonst bei keiner anderen Gruppe gezeigt.


Auch wenn es super war, blieben wir nicht ganz bis zum Schluss, sondern machten uns schon vor der Zugabe Richtung Bullhead City Circus auf, um nicht im Riesengewusel nach Abpfiff steckenzubleiben.

So kamen wir auch früher als geplant dort an, während dort auf der Headbanger Stage gerade die Sleaze Rock-Party tobte.


Michael Monroe
Michael Monroe, Ex-Sänger von Hanoi Rocks machte dort die Glamrock'n'rollpunksau und das war für mich mal wieder eine ganz unerwartete Facette, aber in seiner aus der Zeit gefallenen Wildheit durchaus  charmant. Hätte ich mir auch problemlos komplett anschauen können.

Blue Oyster Cult

Und zu guter letzt: More cowbell!

Ich gebe ja gerne zu, dass Blue Öyster Cult zu jeden Klassikergruppen gehört, von denen ich eher den Sound als spezifische Songs kenne. Gerade in den letzten Jahren trifft man ja auch vermehrt auf Bands, die sich stilistisch direkt an der Quelle bei den protometallischen Rockern bedienen. Von daher wollte ich diese Gelegenheit schon meiner Musikbildung zuliebe nutzen.

Am Anfang war der Sound noch furchtbar, fing sich allerdings nach einer Weile. Ansonsten war das Ganze schon eine coole Nummer. Manche Stücke wirkten mir schon etwas "altbacken" (aber wer hat's erfunden?), doch insgesamt gefiel mir das schon als Tagesausklang. Insbesondere beim Finale mit "Godzilla" und dem unverzichtbaren Oberkultfest "(Don't Fear) The Reaper" kannte das Zelt dann auch kein Halten mehr.

Und wie schön - da steht ja tatsächlich nur für diesen Song hinten ein Typ neben den Drums um die verdammte Cowbell zu rocken. Geil!


So viel einen Hardrock und Classic Heavy Metal hatte ich an einem Wacken-Donnerstag wahrscheinlich noch nie im Programm. Kann man aber auch mal machen.


Demnächst an dieser Stelle dann Teil 3 mit dem Bericht vom Freitag!



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