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2016-08-15

WACKEN 2016, Teil 4 : Y'all Motherfuckers need Lucifer!

Tag 3, Samstag, 06. August 2016


Triptykon auf der Black Stage

Es wird ja zum letzten Festivaltag hin nicht einfacher, seinen Arsch aus den Federn, unter die Dusche und schließlich ins Auto zu bewegen. Und da wir in den vorigen Tagen immer früher als erwartet auf dem Open-Air-Gelände angekommen waren und es heute ja für mich "erst" um Viertel vor zwei losging, ließ ich es etwas entspannter angehen. Irgendwie muss sich bei mir an diesem Morgen zudem die Vorstellung im Hirn eingenistet haben, dass es zwischen 12:00 und 13:00 Uhr noch eine weitere volle Stunde geben müsse. Drölf?

Lange Rede, kurzer Sinn: Als ich in Schenefeld dann auch noch ein paar kleine Besorgungen im Supermarkt machte und es an der Kasse ein bisschen dauerte, fiel mir auf, dass ja komischerweise eigentlich doch gar nicht mehr so furchtbar viel Zeit war, bis das Set von Myrkur, deren Album "M" bei mir gerade hoch und runter läuft, beginnen würde.

Von da an drückte ich dann doch ein wenig auf die Tube... nur um auf der Strecke nach Wacken schließlich von einem Konvoi von vier gemütlich tuckernden Oldtimertreckern mit langer Autoschlange hinten dran ausgebremst zu werden. Der Fußmarsch von unserem Dorfparkplatz zum Gelände und dort durch Menschenmengen, Pfützen und Schlamm wurde so eilig, dass wir uns sogar für eine Weile aus den Augen verloren. Zwischenzeitlich hatte ich schon Bammel, dass die Band ja auch live total beschissen sein könnte und ich dann die unnötige Hektik vor meinen beiden Mitwackenden rechtfertigen müsste.

Als wir den Bullhead City Circus erreichten, ging es auf der Headbanger Stage auch schon los.

Myrkur

Myrkur

Es gibt ja scheinbar momentan im Metal kaum eine Person, über die so viel Fremdscham auslösender, szenepolizeilicher und vor allem einfach derbe frauenfeindlicher Bullshit ausgegossen wird wie die dänische Musikerin Amalie Bruun, die es als Popsängerin wagte, zunächst anonym ein Black Metal-Projekt aus der Taufe zu heben.

Und damit habe ich zu jenem Quatsch eigentlich auch schon zu viel gesagt, denn was ihr Alter Ego Myrkur live präsentiert ist locker über den verbalen Dünnschiss jedes Internettrolls erhaben.

Ganz klar lebt Myrkurs Kreuzung aus mystisch soundtrackhafter Choralmusik und Black Metal, die einen - um mal ganz schlimme Klischeebilder zu verwenden - zwischen Lothlorien und dem dornigen Unterholz eines norwegischen Waldes bei Nachtfrost hin und her schubst, in ganz großem Maße vom Gesang.

Bruuns Stimme schwebte feengleich betörend unter dem Zeltdach und nutzte dabei die sonst meistens eher schwierige Akustik des Raumes optimal in ihrem Sinne. Was auch galt, wenn sie von bezaubernd auf dämonisch furienhaft umschaltete.
Da das Songmaterial ohnehin stimmt, waren Myrkur für mich unbestritten eines der Festivalhighlights.


Year Of The Goat

Year Of The Goat

Year Of The Goat, die sofort im Anschluss auf der W.E.T. Stage auftraten, waren nun eine jener den Siebziger-Sound von Blue Öyster Cult in die Jetzt-Zeit transportierenden Gruppen, wie ich sie im Zusammenhang mit dem Auftritt eben jener Legenden in meinem Donnerstagsbericht erwähnt habe. Okkulter, melodischer Gitarrenrock, Orgel und Mellotron natürlich auch ganz vintage.

Die Band machte ihr Ding richtig gut. Ein bisschen dunkler hätte ich mir die Musik zwar im Schnitt schon gewünscht, aber dafür war der powervolle Gesang hervorragend, und als die Gruppe Songs von ihrer ersten EP auspackte, kamen noch Drei-Gitarren-Harmonien zum Niederknien hinzu.

Ich hätte den Auftritt ja gerne noch komplett gesehen, aber leider gab es nun - ansonsten dieses Jahr selten - eine kritische Überschneidung in meinem Zeitplan, denn nebenan standen ein paar ganz alte Weggefährten auf der Wackinger Stage, mit denen mein Bruder und ich schon bis ins vorige Millenium zurück auf der einen oder anderen norddeutschen Bühne gestanden haben.


 
Forgotten North

Zweiundzwanzig Jahre, sprach Sänger Børje Lokisson, der erst seit kurzem so heißt, aber neben Drummer Petter Thoresson schon von Beginn an dabei ist, haben Forgotten North darauf hingearbeitet, hier auftreten zu dürfen. Ich hätte an seiner Stelle ja schon erwähnt, ob brutto oder netto, denn ein Großteil dieser Jahre waren natürlich Kreativpause und Besetzungswechsel.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich ja mit dieser ganzen Umstellung auf das jetzige... naja... eben für die Wackinger-Bühne geeignete dithmarscher Liverollenspieler-Image nicht viel anfangen. Musikalisch ist das schon gut gemacht, und der Maiden-Sing-along-Teil im letzten Stück war auch gelungen, aber die Band hatte schon Inkarnationen, die meiner Musikwelt näher waren.

Aber da sie dieser Stil ja nun bei bestem Sonnenschein auf die Wacken-Bühne gebracht hat, gönne ich SaschaPeterRoman und Co. den Spaß natürlich gerne.

Aber wehe, ihr holt auch noch einen Dudelsack dazu, dann bin weg!

 
blumige Aussicht

klebriger Holy Ground


Was zum rundum sommerlichen Wetter jetzt noch fehlte, war ein trockener Sitzplatz, um entspannt Energie für den Rest des Tages zu tanken. Wir fanden ihn zwar in nicht im neuen trojanischen Jägermeister-Hirsch, der übrigens weitaus weniger sichthinderlich positioniert war als frühere Hochsitze oder Hütten, aber auch auf jener Seite des Geländes in einer tabakgesponsorten Erholungszone.

Schön die Beine im Trockenen ausstrecken und in die Sonne blinzeln, während Metal Church ihr Set auf der True Stage begannen. Fast hätte ich sogar ein richtiges Nickerchen gemacht. Life is good.

Metal Church

Ein paar Songs von Metal Church habe ich mir dann auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt dann auch mit freiem Blick auf die Bühne gegönnt. Riffbetonter Heavy Metal, schon ewig dabei und dementsprechend ultrasouverän.
Mucke, über die man nicht viel schreiben, die man aber so auch kaum besser spielen kann.

Vor allem der nach Jahrzehnten zurückgekehrte Sänger Mike Howe hat echt mal ein amtliches Heldenorgan. Sehr guter METAAAL!


The Goddamn Gallows

The Goddamn Gallows

The Goddamn Gallows

The Goddamn Gallows

The Goddamn Gallows

The Goddamn Gallows

Den frühen Abend leiteten auf der Beer Garden Stage die wahnsinnigen Hillbilly-Knastis The Goddamn Gallows ein. Musikalisch irgendwo zwischen Blue Grass, Punk und grobem Metal zu verorten, bewegten sich die u.a. mit Kontrabass, Mandoline und Banjo antretenden Amis inhaltlich zwischen den Polen "Y'all Motherfuckers Need Jesus" und "In League With Satan".

Machten die Songs alleine schon Laune, war aber vor allem die Show des Akkordeon- und Waschbrettspielers der absolute Kicker, um sich hier eine knappe Stunde lang köstlich zu bepissen. Kein Moment, in dem der auf zurückgebliebene Asterix-Figur machende Mann nicht irgendwelche bekloppten Faxen anstellte, von denen jene, plötzlich über die Absperrung zu springen, einem Fan ein Gummiseil um den Bauch zu binden und damit gleich eine ganze Gruppe zum Schlammcatchen zu zwingen, nur die dreckigste war.

Man könnte einen ganzen Bericht nur über diesen Bekloppten schreiben, aber ich will ja niemanden spoilern. Für die letzten Songs wurde er zwar aus Sicherheitsgründen hinters Schlagzeug verbannt, aber dafür stellte sich dann der eigentliche Schlagzeuger als superheiserschreihalsigster Psycho am Mikro heraus. Total irres Entertainment!




Wir machten noch einen Umweg über das Wackinger Village, um den einen Fressstand zu finden, wo das "Fast" in Fast Food für "fast zehn Minuten" steht, ehe das Festival vor den Hauptbühnen allmählich seinem Tageshöhepunkt entgegensteuerte.

Aber vorher gab es ja noch Titten. Und fliegende Penisse.


Steel Panther

Steel Panther

"How many people have seen Steel Panther before? I got some really good news: We have the same show we had for you last time!
How many people have never seen us before? We have a brand new show for you!"


Mit dieser Ansage fasste Michael Starr das Dilemma der Band ganz gut zusammen. Es ist das Phänomen des Witzes, der einem zum zweiten Mal erzählt wird.
Steel Panther sind und bleiben zwar die ultimative spinal tapsche Aufbereitung der Achtziger-Hair-Metal-Welle, aber vieles kannte man halt schon wegen der wetterbedingt wohl auch tittenreicheren Wacken-Show vor zwei Jahren.

Nichtsdestotrotz ist vor allem das ständige penetrante Flirten mit jeder Kamera, die den Spandexhelden vor die Fresse gerät, ein Running Gag, der auch nach wie vor super funktioniert.

Wenn man sich schon mit zehntausenden Metalfans auf Pimmelwitzniveau amüsieren will, ist Steel Panther ganz klar die richtige Wahl. Allerdings sollte das Wacken Open Air nun doch ein paar Jahre mehr verstreichen lassen, ehe man Starr, Satchel, Stix und Sexy Lexxi Foxx das nächste Mal einlädt.


Triptykon

Triptykon

Auch wenn es um 21:00 Uhr technisch noch hell war, hatte auf der Black Stage nun die dunkelste Stunde geschlagen.

Thomas Gabriel Fischer packte mit Triptykon gleich eine superfiese Version des Celtic Frost-Klassikers "Procreation Of The Wicked" aus, der mit "Dethronded Emperor" und "The Usurper" unmittelbar zwei weitere Stücke der Legende folgten.

Sechs von zehn Stücken stammten ursprünglich von Celtic Frost, und doch war dies eindeutig eine Triptykon-Show, das versicherten schon die Persönlichkeiten der weiteren Musiker auf der Bühne, allen voran der fabelhaft ultratief schlabbernde Bass von Vanja Slajh. Zudem sieht das Verhältnis in absoluter Spielzeit natürlich anders aus, wenn man bedenkt, dass die beiden Stücke "Goetia" und "The Prolonging" zusammen schon über eine halbe Stunde schlucken. Solche Monster hat es auf dieser Bühne seit dem letzten Gastspiel von Triptykon 2011 nicht gegeben.

Das letzte Album "Melana Chasmata" war mit zwei Liedern vertreten, allerdings anders als auf dem Roadburn Festival 2014 nicht mit dem brutalen "Tree Of Suffocating" oder "Black Snow", was in Wacken  eigentlich als die sicherere Variante erscheinen müsste.
Nein, stattdessen gab es die getragen depressiven Stücke "Aurorae" und "Boleskin House", letztes sogar wie im Studio mit Gastsängerin Simone Vollenweider, die außerdem noch "Obscured" unterstützte, womit die Band endlich einmal eine auf den Alben seit Celtic Frost-Zeiten etablierte Seite von sich präsentierte, die es bisher noch nicht auf die Bühne geschafft hatte.

Somit hatten nun auch alle drei Auftritte, die ich bisher von der Band gesehen habe, einen sehr eigenen Charakter. Auch wenn sich Herr Warrior unter geschlossenem Dach und nicht zwischen Steel Panther und Twisted Sister wohler fühlt - diese schwarze Messe war eindeutig (und wieder einmal) der Höhepunkt des Festivals.

Und an die Bühnendeko mit den drei H.R. Giger-Covern kam nebenbei atmosphörisch auch niemand heran.



Was denn nun? Elf oder Viertel nach elf? Da es zwischen dem grafischen und dem tabellarischen Zeitplan, die ich mir ausgedruckt hatte, eine Diskrepanz gab, verzichtete ich darauf, noch ein paar Songs von Twisted Sister zu sehen, sondern sicherte mir lieber frühzeitig einen guten Platz vor der Wackinger Stage. Und elf war es dann auch!
 

King Dude

King Dude

King Dude

King Dude

King Dude

King Dude

Dass das Klischee "die laufen da alle in schwarz rum" den gängigen Look in Wacken nur unzureichend beschreibt, hatten am Vortag ja schon Overthrust demonstriert.

Bei King Dude und seiner Band war es noch extremer. Eindeutig von Kopf bis Fuß komplett in schwarz gekleidet - und trotzdem haben wohl keine anderen Künstler so wenig nach Wacken Open Air ausgesehen.

Optisch eher Dark Wave und musikalisch auch nur am Rande mit Metal in Berührung, passte der düstere und reduzierte Neofolk-Rocksound aber gerade um diese Nachtzeit ganz hervorragend auf den Platz. Und so eine "geile Stimme!" ("I didn't understand that. What did he say?") wie das charismatische Organ des Dude hatte hier auch noch niemand gehört.

Hauptsächlich mit "Songs Of Flesh & Blood" gefüllt war ja eigentlich klar, dass dieser Auftritt ein Fest werden würde. Doch wie sehr sich die Performance von seiner großartigen Solo-Show unterschied, die ich vergangenes Jahr in Holland gesehen hatte, überraschte mich schon ein bisschen. Auf jeden Fall ist es in beiden Formen höchst lohnenswert, dem Botschafter Luzifers zu lauschen.

Ganz neue Stücke vom kommenden Album "Sex" gab es auch zu hören. Sehr lieblich und einfühlsam, dieses "Sex Dungeon (U.S.A.)".

King Dude schreibt übrigens exakt so lange Songs wie Twisted Sister. Denn fast immer, wenn der König Pause machte, hatte ein paar hundert Meter weiter unten auch Dee Snider etwas zu erzählen. Das wirkte schon fast wie abgesprochen. 



An dieser Stelle hätte ich im Nachhinein eigentlich auch schon sehr gut Feierabend machen können. Aber es standen ja noch zu herausfordernd später (bzw. schon wieder früher) Uhrzeit die female fronted german Thrasher Cripper auf meinem Zettel. Bis dahin waren es allerdings noch über zwei Stunden.

Von daher war dies also eine gute Gelegenheit, zum zweiten Mal das American Spirit-Armband zu nutzen und von einigermaßen bequemer Warte aus dem Set von Arch Enemy eine Chance zu geben.


Arch Enemy

Der Erschöpfungsschub wurde dann nur leider doch größer als erwartet und Arch Enemy...
Ach, ich würde sie ja gerne gut finden, schon weil Alissa White-Gluz durchaus eine super Sängerin und Bühnenerscheinung ist, aber ich verstehe einfach nach wie vor nicht, was das Ganze soll.
Vielleicht ist da für Death Metal (ist das doch irgendwie noch, oder?) einfach zu viel unnötiger Schnickschnack drumherum. Mich ließ es jedenfalls kalt.

Nein, wie waren schon zu kaputt, um es noch ernsthaft bis Cripper auszuhalten, also machten wir uns auf den mühseligen Weg zum Auto. Dabei stellte ich zunächst einmal fest, dass dieser Slot vielleicht doch noch eine gute Gelegenheit gewesen wäre, ein einziges Mal die Party Stage zu besuchen, denn auch wenn Metalcore ja eher ein Schimpfwort ist, schien mir das, was ich von Parkway Drive im Vorbeigehen mitbekam doch noch wesentlich besser zu fetzten als Arch Enemy. Aber was soll's, man kann nicht alles haben.


Durch die viertägige Kombination von kurzen Hosen und Gummistiefeln hatte sich auf meinen Waden inzwischen durch das immer mal ganz leichte Scheuern des Randes ein kleiner wunder Ring gebildet, der nun gerade bei jedem Schritt bergauf schmerzte, als würde mir ein kleiner Kobold mit einer Mini-Peitsche hinterher laufen.
Ja, so ein Wacken Open Air, das man das ganze Wochende über lässig in bequemen Schuhen abreißen kann, wäre eigentlich auch mal wieder dran!

Ob es nächstes Jahr allerdings überhaupt für mich dazu kommen kann, steht noch gar nicht fest. Die Preiserhöhung auf zweihundertzwanzig Euro pro Ticket ist bei mir nämlich jenseits der Schmerzgrenze. Da können die Begründungen auch noch so nachvollziehbar sein. Die Diskussion darüber würde hier jedoch den Rahmen sprengen.
Da versuche ich doch lieber, kurzfristiger an eine günstigere Karte zu kommen. Aber den Neupreis zahle ich definitiv nicht.
Bandwünsche für nächstes Jahr lasse ich deswegen an dieser Stelle auch weg. Am besten bleibt das Booking so unkreativ die die ersten Ankündigungen, dann fällt es mir leichter, mein Wacken-Budget vielleicht mal in ein anderes Event zu stecken.



Stattdessen meine diesjährigen Höhepunkte, sortiert nach Bühne:

True Metal Stage: Iron Maiden
Black Stage: Triptykon, Ministry
Party Stage: -
W:E:T-Stage: The Vintage Caravan
Headbanger Stage: Myrkur (knapp gegen Orphaned Land und Alcest)
Beer Garden Stage: The Goddamn Gallows
Wackinger Stage: King Dude
Wasteland Stage: Overthrust

+ Sonderwertung Wacken Metal Battle: Auðn




Preiset Jesus, preiset Luzifer, preiset den Moshpit und das Saxophon!

Amen.




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