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2016-09-16

ASTRAL TIDE - How Far, Are You Out There?

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass rezensionsfertige Musik von mir selbst umging (und beim letzten Tonträger waren wir dazu auch noch extrem promotionfaul). Aber ich weiß noch genau, welche Sache mich bei positiven wie negativen Reviews immer genervt hat, nämlich wenn sich der Schreiberling an irgendwelchen Begriffen und Details aus der scheiß Bandinfo aufgerieben hat, anstatt sich einfach mal eigene Gedanken zur Musik zu machen.

Und nun sehe ich mich - anders als gewohnt - selbst in der Situation, so einen mit möglichst vielen Musikstilreferenzen plus endzeitlichem ost-berliner Plattenbaugeschwurbel angereicherten Din-A4-Wisch neben der Tastatur liegen zu haben. Und ich muss zugeben: Die Versuchung, eigentlich nur diesen Text zu besprechen und seine Aussagen auf die Goldwaage zu legen, ist tatsächlich sehr real.

Also weiche von mir, Infoblatt!




ASTRAL TIDE - How Far, Are You Out There? (EP) (2016)

Ok, ein paar harte Fakten sind schon übernehmenswert. So wird vor allem der bereits hörbare Eindruck als Tatsache bestätigt, dass die hier vorliegende Debüt-EP der international besetzten berliner Band Astral Tide live eingespielt wurde, was dem gesamten Ding eine angenehm authentische, rohe Dringlichkeit verleiht.

Die Musik der vierköpfigen Gruppe ist eine Mischung aus shoegazigem bis sludgigem Post Metal mit geräuschreichem Punkanteil. Aus dem Punk ziehen Astral Tide vor allem die Energie und bei einigen Stücken auch das bewusst nicht metronomgerechte Tempo.
Die stärksten Momente sind allerdings jene, in denen sich die Band an epischer Breite versucht, wie im klagenden "Out Of Orbit" oder dem achtminütigen Opener "Wrongfoot". Diese beiden Kompositionen können sich durchaus mit Bands aus der postrockenden Oberklasse messen.

Ansonsten herrscht ebenfalls frisches, ideenreiches Abwechslungsreichtum, allerdings nicht immer ganz auf stabilem Maximalniveau, da gerade die auch formal punkigeren Teile und der jammernde Gesang manchmal knapp an der Grenze zur Nervenlücke operieren. Will sagen: bei einem Hördurchgang geht mir eine Stelle leicht auf den Keks, bei nächsten Mal finde ich genau diesen Part gerade gut, beim dritten Mal höre ich dort nicht so genau hin...

Insgesamt sind die vierundzwanzig Minuten von "How Far, Are You Out There?" eine genauso kurzweilige wie eigenwillige Angelegenheit. Die größte Schwäche der EP ist im Grunde eine, die zu kritisieren unfair ist, nämlich eben dass es sich um eine EP handelt.
Nach dem einigermaßen ausladenden Einstieg folgen nur noch Drei- und Vierminüter, wo man als dramatisches Gegengewicht eigentlich einen größeren Ausklang erwartet, der im kurzen "Blissful Agony" zwar durchaus gut, aber halt viel zu kleinformatig angedeutet wird.
An dieser Stelle zehn Minuten erhaben fuzzender Doomkrach und das Ding wäre vollends abgerundet.

Was allerdings in Form von insgesamt sechs Stücken vorhanden ist, das taugt etwas und zeigt noch großes Potential für die Zukunft, wobei ich der Band empfehlen würde, die Liveaufnahme langfristig auch für spätere Veröffentlichungen als Ethos und Markenzeichen zu etablieren.

Zu haben ist die EP als Stream / Download auf Bandcamp , sowie in einer Auflage von 250 Stück auf schwarzem Vinyl (45 rpm auf 12"). Da dürfte dann auch das im mir vorliegenden Promo-CD-Format eher kryptische, nicht wirklich zur Musik passen wollende Coverartwork vielleicht noch Wirkung entfalten.

Highlights: Wrongfoot, Out Of Orbit, Living Off-Air


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