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2016-09-20

KENDRICK LAMAR - untitled unmastered.

Yep, es wird mal wieder allerhöchste Eisenbahn für ein richtig fundiertes Expertenreview hier! Deswegen heute mein Auskenner-Genre Nummer 1: Hip Hop.

Aber mal ohne Scheiß: Gegen gute Rapper habe ich erstmal gar nichts. Das Problem ist halt, dass mir jenseits des Sprechgesangs an sich die Musik selten was gibt. Und dann sind da natürlich die Inhalte, die gerade im deutschsprachigen Raum schnell zum Ausschlusskriterium geraten können. Vom Blingbling-und-Titten-Overkill amerikansicher Superstars mal ganz zu schweigen...

Doch nun ist da ja ein multipler Grammy-Gewinner, der das Genre mit seinem Meisterwerk "To Pimp A Butterfly" mächtig aufgemischt hat. Ein Konzeptalbum, welches nicht mainstreamgerecht, aber dafür sehr zeitgeistig gefühlte tausend Mal das Wort "Nigger" - eingebettet in exzellente Sprachakrobatik - enthält, und welches u.a. durch kompositorisches Mitwirken von Kamasi Washington eben auch musikalisch wirklich gut ist!

Die mit zahlreichen Musikstilen jonglierenden, aber vor allem jazzigen Arrangements haben ja sogar so weit übers Genre hinaus gewirkt, dass David Bowie auf seinem Abschiedsalbum "Blackstar" davon hörbar beeinflusst wurde.

Und nun also dieses ominös sparsam gestaltete olivgrüne Nachfolgewerk "untitled unmastered."

Ist es überhaupt ein echter Nachfolger?




KENDRICK LAMAR - untitled unmastered. (LP) (2016)

Alle acht Stücke auf "untitled unmastered." tragen Titel wie "untitled 01 | 08.19.2014." oder "untitled 03 | 05.28.2013.".

Und das sind auch alle Informationen, die wir an die Hand bekommen. Sind es Outtakes, die nicht ins Konzept von "Butterfly" passten? Ausschuss aus der Vorbereitung zum Album? Oder Nachgedanken? Basiert der alberne Jam am Ende von "untitled 07" auf dem kurzen "untitled 04" oder ist er dessen Ursprung?

Vielleicht ist alles irgendwie zutreffend. Manche Tracks vereinen zwei oder drei unterschiedliche Bewegungen, manche scheinen isolierte, noch nicht ganz abgeschlossene Ideen zu sein, andere sind komplette Songs auf vollem Album-Niveau.

Natürlich kokettiert Kendrick Lamar mächtig mit dem skizzenhaften Charakter dieser Veröfftlichung: Seht her, das ist meine B-Ware, der ich nicht einmal Titel gebe! Und dennoch steckt sie wohl über neunzig Prozent der restlichen Hip-Hop-Welt auch so locker in die Tasche.

Insgesamt kann "To Pimp A Butterfly" selbstverständlich nicht das Wasser gereicht werden, aber das will "untitled unmastered." auch nicht. Dafür fehlt einfach der übergreifende Erzählfluss des Konzeptalbums.


Die meisten einzelnen Tracks könnten es mit dem allerletzten Feinschliff dennoch mit dem Vorgänger aufnehmen. Das merkt man vor allem, wenn man z.B. die Videos der Premieren bei Stephen Colbert und Jimmy Fallon oder den letzten Grammys anschaut, in denen ein paar der zur allgemeinen Verwirrung nicht immer richtig übereinstimmend nummerierten Stücke vorgestellt wurden. Im Livearrangement ist das Zeug nämlich nur noch jawdropping großartig.


Ok, ich will nicht weiter so tun, als hätte ich hier irgendeinen popkulturellen Plan.


Kendrick Lamar macht einfach arschgeile Mucke.

"To Pimp A Butterfly" bleibt zwar die Empfehlung zum Kennenlernen. Aber wer das Album mag - und Junge, daran gibt es so viel zu mögen - der wird an "untitled unmastered." auf jeden Fall auch viel Freude haben.





Highlights: untitled 08, untitled 06, untitled 05, untitled 02

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