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2016-10-23

CAMEL DRIVER / MOEWN - Rites Of Passage / Aestus

Zusammen mit dem Bone Man/Burnpilot-Kuschelkissen habe ich neulich ja noch eine zweite frische Split-LP aus dem Hause Pink Tank Records geordert. Diese präsentiert sich zwar weniger flauschig, ist aber ebenfalls ein Paradebeispiel für diese spezielle Gattung von Album.
 


CAMEL DRIVER / MOEWN - Rites Of Passage / Aestus (salt lake marbled vinyl) (2016)

Beide mit jeweils drei Songs vertretenen Bands sind Instrumental-Trios, deren Musik u.a. Psychedelic- und Stonereinflüse enthält. Moewn, deren Debutalbum ich letztes Jahr rezensiert habe, geben sich dabei ein maritimes Image, während Camel Driver sich mit orientalischem Bezug schmücken.

Beides wird in erster Linie durch Fantasieanreize per Artwork und in den Songtiteln verkauft, musikalische Passagen, die einen das Image mit dem Holzhammer überziehen, sind eigentlich ziemlich selten. So gibt es hier mal ein paar sich morgendländisch schlängelnde Bass/Gitarren-Läufe, dort mal eine walgesangige Leadgitarre oder ein meeresrauschig durchschepperndes Becken. Aber würde man Moewns "Nordpol" in "Oase" umbennnen, dann funktionierte das Stück wahrscheinlich immer noch. Die Bilder im Kopf würden sich eben nur etwas ändern.

Ich will sagen: Das Cover spielt hier eine sehr große Rolle für die Wahrnehmung des Ganzen. Zum Glück weiß Moewn-Gitarrist Ben das auch und hat hier ein konzeptionell zwar sehr offensichtlich naheliegendes, aber in der Umsetzung dafür umso schöneres Doppelcover gestaltet.

Inklusive Doppelposter und zusammen mit dem schönen Vinyl, hält man hier zum schmalen Preis ein wirklich ansprechendes Package in der Hand.




Weiterhin hilft bei der Präsentation als ganzheitliches Album, dass beide Seiten am Anfang und Ende - nicht zu dick aufgetragen, aber schon so, dass es gerade auffällt -  von einer eng verwandten Noise-Suppe eingerahmt werden.

Die Musik dazwischen ist allerdings klar voneinander zu unterscheiden. 

Camel Driver sind in meinen Ohren - was ich gar nicht erwartet hatte - eine Progband, was in diesem Fall genauso sehr psychedelischer Retroprogrock heißt wie stonerbeeinflusster Progmetal. Rekordverdächtige Hyperpräzision und Angeberei ist hier ausdrücklich nicht eingeschlossen, aber es sind halt schon zumeist recht anspruchsvolle Arragements zwischen sludgiger Riffbraterei und trippigem 70s Hardrock, die hier in mächtig staubiger Coolness heruntergezockt werden.
Insgesamt ein Gemisch, was außer jenen, die ohne Gesang gar nicht können, ein ziemlich breites Spektrum von Rock- und Metalfans ansprechen sollte.




Letzte Aussage gilt nicht nur für die kieler Kameltreiber, sondern ebenso für die hamburger Jungs von Moewn, die es zumeist noch eine Nummer crunchiger und gröber angehen, allerdings auch zu Momenten einen vom Wolkenhimmel zum Meeresgrund transzendierender Postmetal-Elegie fähig sind. Wären sie nicht schon bei einem sehr sympathisch lässigen Label zu Hause, klänge das mitunter schon wie eine sehr ernstzunehmende Bewerbung beim The Ocean-Label Pelagic Records.

Im Vergleich zu ihrem Album "Acqua Alta" sind ganz klare songwriterische Fortschritte zu erkennen. Dort gab es - auf insgesamt auch schon ordentlichem Niveau - durchaus noch ein paar ein wenig zu beliebige Wechsel und Passagen. Hier sind Fluss und Dramaturgie noch besser ausgearbeitet und alles ist am richtigen Platz. Den Postrock erfinden Moewn auf "Aestus" zwar auch nicht neu, doch sie wissen was sie tun - und tun es verdammt gut.


Split-LPs, das sollte klar geworden sein, sind beim rosa Panzer offenbar exzellent aufgehoben. Was den Gesamteindruck angeht, ist die "Psychedelic Sellout" natürlich schwer einholbarer Kult, musikalisch  holen mich Camel Driver und Moewn persönlich noch mehr ab.

Kommendes Wochenende finden in Norddeutschland ja noch ein paar Pink Tank Festivals statt, auf denen jeweils zumindest eine der Bands immer dabei sein wird.

Mich sieht man dann am Donnerstag in Heide. Ich hab Bock!
 

Highlights: Integration, Kaventsmann



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