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2016-12-18

KATE BUSH - Before The Dawn

Anfang des Monats erschienen und somit ein Spätankömmling in meiner Sammlung, bestand doch schon während des ersten Hörens kein Zweifel, dass dieses auf drei CDs verewigte Zeugnis von Kate Bushs wohl jetzt schon legendärem Bühnencomeback im Herbst 2014 unbedingt in meine Aufzählung der besten 2016 erschienen Liveaufnahmen gehört.


KATE BUSH - Before The Dawn (3CD) (2016)

Drei Wochen hintereinander hatte Bush ins Londoner Hammersmith Apollo Theater geladen. Die Tickets waren innerhalb von fünfzehn Minuten ausverkauft und Fans aus der ganzen Welt pilgerten für diese Shows nach England.

Es handelte sich dabei nicht um ein klassisches Rock/Pop-Konzert, sondern hatte in Bühnenbild und Darbietung ganz klar einen theatralischen Bezug. Eine sehr aufwendige Produktion mit großer Band, Chor, Schauspielern und multimedialen Bestandteilen, wie zahlreiche Fotos im mit liner notes versehenen Booklet belegen.

Verwunderlich ist natürlich, dass es sich hier - ob als Dreier-CD oder weniger erschwingliche 4er-LP - um eine reine Audio-Veröffentlichung handelt. Es wird sich wohl zeigen, ob dies kommerzielles Kalkül des Labels ist, um vielleicht auch nächstes Jahr das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen, oder ob es sich um eine rein künstlerische Entscheidung von Kate Bush handelt, welche in dieser Hinsicht ja durchaus sehr eigen sein kann. Man beachte auch, wie sie sich selbst in der Präsentation zurücknimmt und ihr Name hier so selten wie möglich zu lesen ist. So heißt es auf dem Cover nicht "Kate Bush", sondern "The K Fellowship". Im Verkauf hält sich natürlich niemand an diese kontraproduktive Namensempfehlung.

Für eine künstlerische Absicht spricht die Mühe, welche in die Übertragung in ein reines Hörelebnis investiert worden ist.

"Before The Dawn" besteht aus drei Akten. Der erste davon enthält Hits wie "Running Up That Hill", "Hounds Of Love", "Top Of The City" und liegt sicherlich am nähesten an dem, was passiert wäre, wenn man einfach ein ganz normales Konzert produziert hätte.
In Akt II hingegen wird geschauspielert und es gibt ein paar komplett gesprochene Passagen. Insbesondere mit Hinblick auf diesen Teil wurde das Theaterkonzert im Sinne der Verständlichkeit in ein Hörspiel verwandelt. D.h. es gibt zwar keine Änderungen an den originalen Musik- und Gesangsaufnahmen, doch die Publikumsreaktion wurde bis auf wenige Stellen herausgemischt. Dadurch fühlt sich die sehr dynamische Aufnahme auch in ihren stilleren Momenten intimer an.

Es gibt allerdings zwei Abweichungen von der reinen Liveaufnahme: So wurde "Never Be Mine" bei den Proben aufgenommen, dann allerdings aus Zeitgründen aus dem Programm geworfen und hier nun wieder eingesetzt, was ohne Applaus zwischen den Stücken auch absolut unauffällig gelingt.
Dies gilt ebenso für das Stück, "And Dream Of Sheep", welches nicht auf der Bühne dargeboten, wohl aber als vorher mit Livegesang aufgenommene Projektion Teil der Show war.




Der dritte Akt behält zwar noch die erzählerischen Elemente und Gastgesänge ("Tawny Moon" wird komplett von Bushs Sohn Albert MacIntosh gesungen), konzertriert sich aber wieder etwas mehr auf den musikalischen Kern und enthält mit Songs wie dem "Prologue", "Sunset", "Nocturn" und "Aerial" auch die epischsten Einzelkompositionen, ehe es mit "Cloudbusting" phänomenal abschließt.

Insgesamt erstreckt sich "Before The Dawn" so über beinahe dreißig Tracks, und es ist ohne jeden Abstrich eine wunderbare Reise durch die einzigartige Artrock/Celtic Pop/New Wave/usw.-Diskographie der Ausnahmekünstlerin. Das Verhältnis zwischen Klassikern und neueren Werken ist ausgewogen und es stört den Gesamteindruck nicht, dass natürlich ein paar Wunschtitel fehlen und sogar die beiden vielleicht offensichtlichsten Greatest Hits "Babooshka" und "Wuthering Heights" gar keine Berücksichtigung finden.

Der Klang ist tadellos, die Performance aller Beteiligten selbstredend Weltklasse und Kate Bush ist und bleibt nicht von diesem Planeten. Wer dies live erleben konnte, der darf wohl aus gutem Grund beneidet werden. "Before The Dawn" ist aber schon eine ganz stattliche Entschädigung.

Das einzige was mich hier stört, ist ein Klassiker aus der Reihe "Warum hat immer noch niemand die CD-Hülle erfunden?" und betrifft die Halterungen der drei Silberscheiben an dem ansonsten sehr ansprechendem Digipack. Bei zwei davon habe ich nämlich bei jeder Herausnahme Angst, entweder den Kunststoffknubbel oder die CD selbst zu zerstören. Das ist unnötiger Nervenkitzel.

Ansonsten gilt: rundum traumhaft!


Highlights: Hello Earth, Aerial, Waking The Witch, Top Of The City, Running Up That Hill (A Deal With God), Cloudbusting

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