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2017-01-30

THE DILLINGER ESCAPE PLAN live in der Markthalle, Hamburg (29.01.2017)

The Dillinger Escape Plan


Die Großmeister des maximalbrutalbekloppten Mathcoreabrisses verabschieden sich. Diese Tour und ein paar Festivals noch, dann wird eine kaum füllbare Lücke in der Welt der extremen Stromgitarrenmusik klaffen.

Gestern (nicht heute; hoffentlich haben auch alle frühen Ticketkäufer die Vorverlegung mitbekommen...) verabschiedeten sich The Dillinger Escape Plan in der Markthalle von Hamburg.


Kennen Sie diesen Mann?

Ja, ich habe von diesem Googlenetz gehört, doch ich weiß immer noch nicht, wer da als Support auf der Bühne stand. Genau wie auf meinem letztes Konzert in Hamburg (Oathbreaker und Wife) wurde der Abend mit einem Ein-Mann-Elektroprojekt eröffnet.

Und was der Mann da an Rechner, Reglern und Knöpfen gemacht hat, war schon ziemlich fetter Kram. Melodiearmer Krach, sehr beat- und basslastig. Ich kenne mich in dem Bereich nicht mit Labels aus, würde aber sagen, es hatte etwas von einer Mischung aus 90er Gabba Techno und Noise. Breakbeats, Hip Hop-Samples und Dub steckten da aber auch drin.

Unter den vergleichbaren Acts, die ich gesehen habe, würde ich dies im Mittelfeld ansiedeln. Zum größten Teil gefiel mir dieses Trommelfellgepeinige ganz gut, auch wenn ich es nicht auf Tonträger bräuchte.
In einem kleineren Raum mit weniger Sitzgelegenheiten (das markthallentypische Stufensitzen) hätte es sicherlich auch noch besser gewirkt. Allerdings war eine Dreiviertelstunde davon wirklich zu lang. Spätestens nach dreißig Minuten habe ich schon bei jedem prägnanten Break gehofft, dass nun Schicht im Schacht wäre.
Klar, die Quälerei gehörte auch zum Konzept, aber der Effekt wurde hier dann doch überreizt und schmälerte den Gesamteindruck erheblich.

Die nächste Geduldsprobe folgte auf den Fuß. Denn dafür, dass ja nur ein Tisch mit ein paar Geräten abzubauen und alles andere bereits vorbereitet war, dauerte die folgende Pause auch verboten lange.
Fairerweise kann man natürlich auch annehmen, dass sie sie sich an diesem Abend wegen der Konzertverlegung extra ein bisschen Zeit gelassen haben, um Spätmerkern noch eine Chance zu geben, die Location rechtzeitig zu erreichen.
 

The Dillinger Escape Plan

Als Ringchef Ben Weinman, Schreihals Greg Puciato und Co. dann aber loslegten, gab es etwa achtzig Minuten lang kein Halten mehr.

Der Irrwitz einer Dillinger-Show bleibt nach wie vor mit Worten nicht adäquat erklärbar.
Die Verbindung von Höchstgeschwindigkeit und maximaler Aggression, unfassbarer Technik und entfesseltem Steroiden-Stageacting im Stroboskopgewitter ist durch und durch unerreichtes Meisterhandwerk.

Das Set aus Tracks von allen sechs Alben war enorm abwechslungsreich, denn auch wenn die Basis  dem vom Geist eines tollwütigen Atomphysikers besessenen Maschinengewehrs entsprach, schien doch immer die enorme Bandbreite der Band durch.
Ob in den Mike-Pattonismen des Sängers, sanften popaffinen Passagen, geradlinigen Hits wie "One Of Us Is The Killer" oder puren Jazz Fusion-Freakouts wie in "Low Feels Blvd".

Abgesehen von technischen Aussetzern des Keyboards war es eine rundum arschgeile Show, auch wenn die Architektur des Raumes und der Bühnengraben der Band keine Gelegenheit für epische Sprünge ins Publikum, Deckelhangeleien oder andere ganz irre Stunts boten. Aber mit dem was sie hatten, arbeiteten sie schon beeindruckend.
Nur das zerlegte Drumkit tat mir dann am Ende doch etwas leid.
 

The Dillinger Escape Plan treten auf voller Höhe ihrer Fähigkeiten ab. Schade, aber sehr verständlich, dass man ein live so energiezehrendes Kapitel Krachgeschichte freiwillig abschließt, bevor einen Körper oder kreative Stagnation dazu zwingen.

Nach einem abstinenten Januar war dies mein erstes Konzert im neuen Jahr. Die Messlatte für alle weiteren liegt hoch; mindestens eine weinmansche Gitarrenboxsprunghöhe.


Bleibt nur die Frage, wie clever es ist, dass man in der Markthalle in der Schlange zur Garderobe minutenlang draußen in der Kälte steht und ob man für die Strecke nicht evtl. einen Deckenverleih einrichten sollte.
























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