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2017-02-12

SULA BASSANA - Organ Accumulator

Ein Jahr nach "Shipwrecked" beglückt uns Herr Sula Bassana schon wieder mit einem Soloalbum. Und erneut ist es kein gitarrenlastiges Werk, sondern vor allem eine retro-synthetische Huldigung alter Elektrokraut-Helden wie Tangerine Dream mit besonderem Fokus auf - Wer hätte das bei dem Albumtitel gedacht? - der Orgel.





SULA BASSANA - Organ Accumulator (red/white splatter vinyl) (2017)

Es wurden also wieder im Alleingang mit einem Haufen Vintage-Tasteninstrumenten und ebenso historischen Rhythmusmaschinen (plus noch ein wenig Saiteninstrumenten und echten Becken) eine Sammlung trippiger Jams eingespielt, in denen es kräftig bleept, zirpt, wabert, knarzt und weltraumt.

Also "Shipwrecked, Teil 2"? Während des Openers "Lichtbündel" könnte man dies glatt denken, da der Track direkt das düster verlorene Element des Vorgängeralbums aufgreift und sich darauf auch ohne Probleme eingefügt hätte.

Im weiteren Verlauf der sechs Stücke zeigt sich allerdings, das der Geist dieser Platte doch ein etwas anderer ist. Grob würde ich sagen, dass "Organ Accumulator" etwas verspielter daherkommt und den düstereren Tiefgang von "Shipwrecked" nicht immer erreichen kann, dafür aber soundtechnisch mit einem volleren, besseren Wumms ausgestattet ist.

Beiden Alben gemeinsam ist ist der Spagat zwischen ernsthafter, echter Atmosphäre, in die man sich aufsaugen lassen kann und kindlicher Naivität. Für diesen Eindruck sind auch hier vor allem die Beats verantwortlich. Alte analoge Synthies treten klanglich bekanntlich Arsch wie eh und je, darüber braucht man nicht diskutieren. Und sie haben noch keine moderne Alternative gefunden, die sie obsolet machen würde.

Diese Vintage-Elektrobeats allerdings sind an sich erstmal ein eher limitierendes Werkzeug. Angesichts der endlosen Möglichkeiten, die man mittlerweile aus dem digitalen Hut ziehen kann, bleibt da oftmals eine gewisse putzige Note. Das beste Beispiel dafür bietet vielleicht der eigenwillig unwiderstehliche Kontrast zwischen dem primitiven Taschenrechnerbeat und der fett groovenden Gitarre im Titelsong.

Und genau diese von Zeit zu Zeit leicht komische Note macht letztendlich ja auch den speziellen Charme elektronisch-experimentellen Krautrocks  aus. Daran hat sich seit Kraftwerks "Ralf & Florian" nichts wesentliches geändert.


So bleibt Sula Bassana vordergründig immer ein wenig der verschrobene, Knöpfchen drehende Hippieprofessor in seinem anachronistischen Schallwellenlabor. Doch hinter all den verwirrenden Hebeln, Röhren und Zahnrädern an Bord seiner Nautilus verbirgt sich auch bei Kapitän Nemo Bassana eine poetische Seele. Und deren Musik vermag nicht nur hypnotische Diashows an die Schädelinnenwand zu projezieren, sondern kann auch jenseits vom Kiffermusikklischee durchaus  inspirieren und berühren.



Mein persönlicher Favorit auf "Organ Accumulator" ist überraschnederweise der kürzeste Track mit dem mittelblöden Titel "Grashamster", der im Grunde klingt wie der minimalistisch interpretierte Instrumentalmix eines Archive-Songs.

Empfehlen kann ich hier aber jedes Stück - und vor allem das Album in seiner Gesamtheit. Großes addiktives Akkumulationsgeschehen!


Das Cover von Lulu Artwork, deren eher symmetrisch grafische Arbeiten mir eh am besten gefallen, und ein hübsches - und gut klingendes - Splatter-Vinyl runden den Gesamteindruck exzellent ab.



Zum Schluss jetzt noch ein kleiner Tipp für alle, die "Organ Accumulator" hören wollen, während sie sozialmedial unterwegs sind: Circa anderthalb Minuten nach Beginn des Albums schlägt nicht euer facebook-Messenger Alarm!


Highlights: Grashamster, Lichtbündel, Organ Accumulator



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