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2017-04-15

DRONEBURG VII, Hafenklang Hamburg (14.04.2017) mit BIG BUSINESS, AUTHOR & PUNISHER, WHORES. und TESA

Author & Punisher

Hafenklang, alte Fischkopfbutze, mach's mir doch nicht so schwer! Da hast Du ja gestern ja echt mal einen Bock geschossen...

Ich habe doch noch andere Pläne dieses Wochenende und will eigentlich nur schnell ein Festivalreviewchen schreiben, doch Du nötigst einen mit deinem Aufreger des Tages ja zu einem Links/Rechts-Kommentar, dem man, möchte man nicht missverstanden werden, sicherheitshalber auch noch diverse Disclaimer voranstellen muss, also los:

Nein, der folgende Text enthält keine Links/Rechts-Gleichmacherei der Marke "Mimimi, die sind aber genauso schlimm!".
Diese kann ich aus vielen Gründen nicht ausstehen, u.a. weil der linken Weltsicht ja nun einmal keine fremdenfeindliche, rassistische Ideologie zugrunde liegt und Deutschland / Europa / die Welt z.Zt. wahrlich kein großes Problem  von dieser Seite hat, sondern vielmehr von rechten, nationalistischen Hassfratzen allerorten heimgesucht wird.

Ja, der Metal hat ein Nazi-Problem. Wohl immer schon gehabt. Und er hat es aus Bequemlichkeit. Der Metaller will sich mit seiner Trinkbekanntschaft am Clubtresen darüber streiten, welches Slayer-Album das größte ist, hat aber keine Lust, sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass sein Gegenüber evtl. ein rassistischer Klappspaten sein könnte. Man ist als Musiker bewusst unpolitisch, bezieht  keine Stellung, will ja auch seine vielleicht teilweise klappspatigen Anhänger nicht verprellen.
Sich aber angesichts der aktuellen politischen Lage so gar nicht zu positionieren, um seine eskapistische Szeneblase nicht zu gefährden, das lässt das Genre und seine Anhänger nicht gut aussehen.

Nun aber kommen die Abers:

Die "linke Szene", also was der gemeine AfD-Trottel für die staatich organisierte Antifa GmbH hält, hat ein gewaltiges Imageproblem. Und das ist hausgemacht. Jeder kennt die Phrase "so links, dass sie rechts wieder rauskommen", und diese Assoziation mit der Antifa überschattet leider oft deren Dienst an der Gesellschaft, dass sich eigentlich nirgendwo im zivilisierten Deutschland Nazis ungestört zum Demonstrieren zusammenrotten können.
Meine Annahme ist ja, dass vieles seinen Ursprung in dem Frust hat, die Welt besser machen zu wollen, aber festzustellen, dass die eigenen Anstrengen nur ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein sind. Und wenn man das große Ganze schon nicht zufriedenstellend verbessern kann, dann zumindest sein direktes Umfeld. Und schon entstehen dos und don'ts, Gebote, Verbote, krampfhafte Sprachregelungen/Sprachregelunginnen. Man kreist so bald viel zu sehr um sich selbst und sucht sich die falschen Gegner, z.B. indem man Künstler auf schwarze Listen setzt und Träger ihrer T-Shirts aus Clubs verbannt.


Aber was war gestern konkret los?

Auf dem Droneburg Festival sollten ursprünglich sechs Bands spielen (satte fünf davon übrigens vom Roadburn-Lineup stiebitzt), dazu gehörten auch die beiden Black Metal-Gruppen Ultha (Deutschland) und Woe (US), beides Bands, die sich ausdrücklich selbst links verorten und äußern, und nie in irgendeiner Form verdächtig waren, zur NSBM-Szene zu gehören.

Und diese Gruppen spielen in einer Woche auf einem Festival, auf der auch die Gruppe Inquisition spielt, welche - soweit ich das jetzt überblicke - wohl auch nie NSBM war, allerdings vor drölfzig Jahren durchaus mal Sachen vom Stapel gelassen hat, die man als rechtsoffen interpretieren könnte, oder so. Ist eigentlich auch nur sekundär wichtig, denn eigentlich haben Inquisition ja mit dem Droneburg gar nichts zu tun.
Das Hafenklang sieht das offenbar anders als der Veranstalter:
"Wir werfen den Bands keine rechten Tendenzen vor, allerdings durchaus ein reinwaschen rechtsradikaler Bands. Dem möchten wir im Hafenklang keine Bühne bieten.
Leider erreichten uns diese Informationen so kurzfristig, daß eine rechtzeitige Absage nicht mehr möglich war."

Mit anderen Worten: Ein linker Laden, der zugekleistert ist mit hehren Forderungen wie z.B. dem Stopp des Racial Profilings nimmt eindeutig nicht rechtsradikale Bands in Sippenhaft, weil sie eine Woche später auf einem Festival spielen, auf dem der dortige Veranstalter auch eine Band gebucht hat, die von einigen Szeneaußenseitern als rechts eingestuft wird.
Das ist an sich schon auf so vielen Ebenen am Ziel vorbeigeschossen, dass das pikante Detail, dass Woe aus jüdischen Mitgliedern besteht (und man so ganz herrlich den Links-ist-das-neue-Rechts-Krakeelern in die Hände spielt) nur das Sahnehäubchen auf dem Scheißekuchen darstellt.

Denn denkt man dies mal logisch zu Ende, dann müssten ja alle Bands, die je mit Inquisition in Berührung gekommen sind, von nun an verbannt werden. Und die Gruppe hat schon einige wirklich große Festivals gespielt. Da müsste wahrscheinlich mindestens die Hälfte der kommenden Krachkonzerte im Hafenklang gecancelt werden.
Und die betroffen Gruppen weichen in den strammen Fascholaden Markthalle aus? Da sind Inquisition nämlich auch gerade erst neulich aufgetreten.

Und was ist eigentlich mit den Bands, die mit Bands gespielt haben, die mit Bands gespielt haben, die... ?

Eines ist klar: Auch wenn man sich irgendwie einbildet, dass das gut gemeint war; bei dieser Last-Minute-Entscheidung gibt es fast nur Verlierer:
  • Die Bands, die 150 km vor Hamburg per Textnachricht nach Hause geschickt werden.
  • Die Fans, die extra wegen dieser Bands gekommen sind. Und das waren wohl durchaus einige, die auch längere Anreisewege hinter sich hatten.
  • Die restlichen vier Bands des Abends, denen damit auch ein Teil des Publikums entgeht. Denn auch wer nur wegen der beiden Black Metal-Bands im Billing gekommen ist, wird sicherlich mit zumindest einer anderen Gruppen etwas anfangen können.
  • Das Droneburg Festival selbst natürlich, den, wie die sozialen Netzwerkommentare schon zeigen, nicht alle vom Hafenklang und deren Entscheidung trennen können.

Gewinner sind eigentlich nur die echten Rechtsmetaller und alle sonstigen Idioten, die gerne über verpeilte Zecken herziehen. Aus deren Ecke kommt nun leider zurecht ein lautes Höhöhö.


Nebenbei: Mir persönlich waren die beiden Bands musikalisch gar nicht so wichtig und ich hatte im Vorfeld leichte Bedenken, ob nicht sechs Gruppen an einem Abend sogar ein bisschen viel sein würden. Ich könnte also lässig mit den Schultern zucken, aber wenn irgendwo im spontanen überaktionistischen Eifer Bullshit gebaut wird, dann muss man sich ja auch positionieren. (siehe weiter oben, Metal und rechts)

Grauzone bekämpfen ist schon wichtig, aber Fachkompetenz und die richtige Wahl der Mittel eben auch.
Nee, Hafenklang. Du bist ja eigentlich ein feiner Laden, aber das war echt Murks.



Nun aber zum verspäteten Einlass und hoch in den Goldenen Salon, wo um zwanzig nach acht Tesa aus Lettland den Abend eröffneten.

Tesa

Die Tretminensammlung auf der Bühne ließ es erahnen: das Trio Tesa dröhnschwebte durch einen massiven, vielschichtigen Wall of Sludge. Mächtiger Post Metal mit Parallelen zu Mono und Neurosis. Mächtig gute Ohrdurchpustung.

Dummerweise fiel zwischendurch der Bass-Amp aus und musste ersetzt werden, was die Gruppe mit Hilfe einer in Feedback und Delay wabernden, quasi selbstspielenden Gitarre zwar gut überbrückte, sie jedoch mit Sicherheit mindestens einen Song gekostet hat. Trotzdem ein gelungener Auftritt.


Whores.

Unten im Hauptsaal wurde es direkt im Anschluss dann ein paar Stufen ranziger mit dem over the top megaverzerrten Hurenrock von Whores. (mit Punkt, auch wenn der Satz hier noch nicht zu Ende wäre)

Die exzessive Übertreibung macht hier den Spaß und Ohrenschmerz aus. Fettest geschriebener Noise Rock also. Dass sie für mich die "schwächste" der vier Bands waren, spricht dabei nur für die Qualität des gesamten Restbillings. Wären sie auf meiner Roadburn-Running Order nicht gnadenlos eingekeilt, könnte ich mir prinzipiell durchaus gerne wieder geben.


Author & Punisher

Noch mehr gilt dies für den folgenden Solokünstler im Goldenen Salon, der nächste Woche u.a. mit Pallbearer clasht und für mich der Hauptgrund war, zum Droneburg zu kommen.

Author & Punisher, das ist Tristan Shone, ein Mann umzingelt von Maschinen und mit ihnen verbunden. Ein brutaler Rhythmusarm, schwere Drone-Hebel, ein postapokalyptisches Cyberpunkmultimikrofon, dazu noch herkömmliche Elektromusikkomponenten und last but not least das Kehlkopfmikro, welches ihn selbst halb zum Cyborg werden lässt.

Die Musik ist Industrial Metal-Krach mit sehr deutlichen Godflesh-Einflüssen. Ein Song schien mir beinahe eine genre-gebendete Celtic Frost-Huldigung zu sein.
Allein schon mit diesen Einflüssen hat Author & Punisher mein Teenager-Ich natürlich astrein abgeholt.

Meine volle Empfehlung für diese Lehrstunde im Lärmmaschinenbau- und einsatz!


Big Business


Das Finale gehörte dann Big Business, die direkt da weitermachten, wo Whores. aufgehört hatten. Noch eine Runde Noise Rock also, allerdings diesmal zu zweit, nur mit Drums und Bass. Jener hatte den vollmundigsten, am besten abgerundeten Extremverzerrsound des Abends. Ob es wohl an den mythischen Sunn O)))-Amps gelegen hat?

Der Stil war im vergliech noch sludgiger, allerdings auch mit etwas mehr Melodiegespür. Die Melvins ließen unverkennbar grüßen.
Wer hier nach zwei, drei Songs Volldröhnung gegangen ist, der verpasste allerdings noch ganz andere Seiten des Duo, in denen insbesondere die Multi-Cowbell (jep, das Instrument hat sicherlich noch einen eigenen, schlauen Namen) und ein Looper am Gesangsmikro eine wichtige Rolle spielten.

Das war alles ziemlich mächtig, saucool, mitreißend. Big Business waren deutlich besser, als ich erwartet hatte. Großes Entertainment und verdient an der Headlinerposition.


Trotz der unsinnigen Platzverweise war es also musikalisch durchaus ein lohnender Abend.
Bin dann ja mal gespannt, ob nächstes Jahr nicht auf einem anderen Rasen gespielt wird. Es gäbe ja z.B. eine Location mit zwei Bühnen direkt am Millerntor...



Tesa:










Whores.:










Author & Punisher:







Big Business:










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