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2017-07-04

BLUES PILLS und DEWOLFF live im Orange Club, Kiel (02.07.2017)

Blues Pills

Das leidige Thema "Künstler, die nicht nach Norddeutschland (und ich meine das richtige Norddeutschland) kommen" blitzt hier ja zwangsläufig einigermaßen regelmäßig auf. Eine betroffene Band des vergangenen Jahres waren ausgerechnet die sonst so gastspielfreudigen  Blues Pills, welche ihr Album "Lady In Gold" leider nur in der von hier aus gefühlten Peripherie Bayerns vorstellten. Und kommt mir jetzt nicht mit diesem All-inklusive-Metal-Hammer-Seniorenwohlfühlfestival irgendwo an der Ostsee! Das zählt nicht.

Umso positiver war ich überrascht, dass die Band nun doch auf ihrer Sommertour einen Clubgig in Kiel einschob. Das war nebenbei auch ein ganz guter Trost für das von mir aus einer Kombination von zu wenig Zeit, Sparsamkeit und keinen Bock auf Camping ausgelassene Kalifornia Crossing Festival an diesem Wochenende.

Ort des Geschehens war der Orange Club in der Traum GmbH, ein ziemlich stimmungsvoller Laden mit apartem Grundriss, in dem ich vorher noch nie gewesen war. Auf jeden Fall eine interessantere Location als das nur ein paar Fußminuten entfernte Max, in dem ich die Gruppe zuletzt gesehen hatte.


DeWolff

Eine Frage muss man nicht nur angesichts des Headliners stellen:

Wo kommen eigentlich diese ganzen blutjungen 60s und 70s-Bluesrockbands her? Im Fall des Supportacts des Abends lässt sich die Frage mit "aus Holland" beantworten. Das Trio DeWolff muss auch schon bei einem Durchschnittsalter von vielleicht vierzehn Jahren angefangen sein und hat seit 2009 schon eine überaus stattliche Diskographie produziert.

Eher ungewöhnlich ist das Fehlen eines Bassisten, die Hammond und andere Keyboards hauen dafür umso wuchtiger rein. Vom urzeitlichen Gitarrenamp bis zur klapprigen Schlagzeughardware Marke Notenständer aus dem Schul-Musikraum - DeWolff ziehen das Retro-Ding wirklich sehr konsequent durch. Ich hatte mal überhaupt keine Hausaufgaben gemacht und dachte zunächst, die Band würde in erster Linie einigermaßen knackig ohrwurmige Bluesrock/Boogie-Stücke mit Spätsechziger-Psychedelikeinschlag spielen, doch weit gefehlt - zeitweilig uferte das Set in weite, aber atmosphärisch dichte Instrumentalstrecken aus, die auf ihrem Höhepunkt sogar einen regelrechten "Valentyne Suite"-Vibe verströmten.

Es gab zwar auch die eine oder andere Passage, die mich nicht ganz so abholte, aber insgesamt waren DeWolff ohne Frage ein exzellenter Opener für den Abend.


Blues Pills
Blues Pills

Blues Pills fackelten nicht lange und ließen mit dem Doppelpack aus "Lady In Gold" und "Little Boy Preacher" das Energieometer gleich an die Decke gehen. Sofort wurde klar, dass das Zusammenspiel und vor allem die Chemie in der mittlerweile mit zusätzlichem Organisten / Gitarristen fünfköpfigen Band nicht besser sein könnte. Gesangsflummi Elin Larsson stand wie immer klar im Zentrum des Geschehens. Die schuhallergische Schwedin wird mir ihrer niemals stillstehenden und manchmal etwas sonderbaren, aber dadurch umso sympathischeren Art immer mehr zum Superstar der Herzen.
Ihre Stimme muss ich nicht extra erwähnen, oder?

Also eigentlich alles wie gehabt. Da ich neulich das komplette Video der Show auf dem Rock Hard-Festival gesehen hatte, gab es auch in der Setlist für mich keine Überraschung. Die muss es ja auch nicht geben, wenn another day in the office schon so gnadenlos gut ist. Das Set bestand relativ ausgewogen aus Stücken des Debüts und natürlich von "Lady In Gold". Letztere Songs brachten in Vergleich zum früheren Programm noch einmal eine gute Dosis zusätzlicher stilistischer Farbtupfer, auch wenn mangels Chor der starke Souleinschlag des Albums der klassischeren Rock'n'Roll-Attitüde weichen musste.

Aber anders als im Studio klingen die Blues Pills ja ohnehin immer, das ist schließlich eine der zentralen Stärken der Gruppe. Fast alle Lieder sind live länger, z.T. erheblich länger, und was während der Jam- und Solostrecken genau passiert, liegt ganz in der momentan Eingebung von Saitenmystiker Dorian Sorriaux. Auf jeden Fall wird man in den seltensten Fällen sehen, dass die Frontfrau eine echte Pause macht, wenn sie nicht singt. Stattdessen tanzte und tamburinte sie so wild, dass man das Instrument ein paar Schellen verlieren sah.

Insgesamt sind die Blues Pills einfach atemberaubend gut und eine höchst wirksame Medizin für beste Laune. Schade fand ich nur, dass vor "Gone So Long" die auf der von mir verpassten Tour noch gespielte Ballade "I Felt A Change" fehlte. Zur Entschädigung begann die Zugabe dafür allerdings mit dem unwiderstehlich abgehenden Jefferson Airplane-Cover "Somebody To Love".

Und selbst am abschließenden "Devil Man", dem einen Song, der mir eigentlich über ist, wurde irgendwie so magisch gedreht, dass er mir plötzlich wieder richtig gut gefiel.

Fazit: Lasst die Hasser hassen. Blues Pills gehören immer noch zum heißesten Live-Scheiß unserer Zeit.

Im September spielen sie für lau auf dem Hamburger Rathausmarkt. The Vintage Caravan sind auch dabei... nicht auszuschließen, dass ich da auch wieder aufschlage.



DeWolff:













Blues Pills:






































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