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2017-07-08

ULVER - The Assassination Of Julius Caesar

Wo ich hier gerade das Thema Kraftwerk hatte, bleiben wir doch mal bei - zumindest großteils - elektronischer Musik.

Genau wie neulich beim Debüt von Temple Ov BBV geht es wieder um ein Album, welches ich bereits in sonntäglicher Roadburn-Aufführung erlebt habe, nämlich den neuesten Streich der Norweger Ulver.






ULVER - The Assassination Of Julius Caesar (LP) (2017)

Wer bei einem Musikwerk mit dem Titel "Die Ermordung Julius Cäsars" dagegen wettet, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt, der hat natürlich ganz schlechte Karten, das ist klar. Die Art des hier präsentierten Überbaus ist aber gar nicht so einfach zu fassen. Oder besser gesagt: sie ist zwar durchaus wirksam, aber schwer überzeugend in einer Rezension zu vermitteln.

Ulver spannen hier ganz weite Bögen: von Kaiser Nero zu Prinzessin Diana, von gothischen Villen in Louisiana zur Küste der Normandie am D-Day. Zum Mond wandert das Album und immer wieder nach Rom, um am Ende nach Hause, nach Norwegen zu kommen.
Vergänglichkeit und Wiederkehr sind die zentralen Themen dieser von historischen und kulturellen Verweisen schwangeren, ungewöhnlichen, aber sowohl im lyrischen Detail als auch im Gesamtbild äußerst stimmigen Annäherung an die Conditio Humana.

"We all must carry Rosemary's Baby"

Zu diesem Gesamtbild gehört auch ausdrücklich das schwere, mit großformatigen historischen Fotos, Gemälden und Grafiken in gold auf schwarz veredelte Booklet. Die Gestaltung des Albums könnte nicht schöner sein.


Das alles ist natürlich für die Katz wenn die Musik nicht stimmt, aber da fängt die Kunst hier erst richtig an. Nachdem ich "The Assassination Of Julius Caesar" ein paar mal im Stream gehört hatte, habe ich die Scheibe zunächst als "besseres neues Depeche Mode-Album" bezeichnet. Das ist zwar gar nicht ganz verkehrt, allerdings auch unzureichend und nicht ganz fair, da ich zu dem Zeitpunkt das neueste Baby von Martin Gore und Co. noch nicht komplett kannte und letztendlich auch nur ein paar der acht Tracks tatsächlich stilistisch vergleichbar sind.

Ulver live at Roadburn 2017
Die Letztes-Jahrhundert-mal-Black-Metal-Band Ulver hat ja zahlreiche musikalische Metamorphosen hinter sich, von denen Ausflüge in Ambient, Folk, Trip Hop, Gothic, Psychedelic Rock und Klassik nur ein Ausschnitt sind.

Auf diesem Album spielen viele dieser Erfahrungen hinein, in erster Linie handelt es sich aber trotz Gitarren, Percussions und gelegentlichem Saxophon um ein von Synthies und künstlichen Drums dominiertes Elektro-Werk. Oder genauer gesagt um ein zutiefst melancholisch Artrock-Album, welches mit den Mitteln elektronischer Musik arrangiert wurde.

Die Rolle des Gesangs und eingängiger Melodien sind sehr wichtig, doch der anfängliche Verdacht, es hier mit einer handlichen Packung zumindest instrumental radiotauglicher Pophäppchen zu tun zu haben, verfliegt spätestens, wenn das pumpend groovende zweite Stück "Rolling Stone" in eine sperrig-chaotische Elektrofreejazzknüppelverlängerung geht.

Nach diesem früh plazierten anstrengendsten Brocken herrscht aber vor allem unwiderstehliche, doch nie flache Eingängigkeit. In der Dichte und liebevollen Ausarbeitung der Songs kann man eigentlich nur kritisieren, dass es vielleicht manchmal fast zu perfekt wird. Ulver agieren ohne Frage nicht mehr und nicht weniger als auf Weltklasseniveau.

Von der unerwarten Tanzeinlage in "So Falls The World" bis zum finalen Trance-Jam-Finale vom introspektiv beginnenden "Coming Home" ist "The Assassination Of Julius Caesar" einfach ein ebenso ohrwurmreiches, süchtig machendes, wie auch intellektuell inspirierendes Meisterstück.

Wir sehen uns also voraussichtlich am Jahresende weit oben in der Liste meiner Lieblingsalben wieder. Zumindest im Genre kann ich mir kaum vorstellen, noch auf etwas zu stoßen, was hieran kratzen kann.

Fabelhaft!



Highlights: So Falls The World, Transreverbation,Nemoralia, Coming Home



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