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2017-09-27

ZOLA JESUS - Okovi

Zola Jesus schwirrt schon länger auf meiner endlos langen Liste von Künstlern, mit denen ich mich irgendwann mal näher beschäftigen sollte, herum. Und das nicht nur, weil ich nach bestimmt schon über fünfzehn Jahren endlich, ohne die alphabetische Reihenfolge zu verbiegen, etwas anderes als den italienischen Dream Theater-Klon Zen am Ende meines CD-Regals stehen haben wollte.

Als mich das Internet neulich irgendwie auf die Bandcamp-Seite der Sängerin schubste, habe ich mich aber sofort so sehr in ihr neues Album verliebt, dass ich sie nicht länger aus meiner Sammlung ausschließen konnte.


ZOLA JESUS - Okovi (CD) (2017)

Die meisten Vergleiche, die mir zu Zola Jesus als Sängerin und zur Musik auf "Okovi" einfallen, sind wohl ziemlich offensichtlich.

Stimmlich hat sie große Ähnlichkeit mit Florence Welch, nur ein wenig tiefer. Dazu setzt sie sich natürlich auch durch ihren Akzent (US-Amerikanerin, doch ich bilde mir ein, dass sie zumindest beim Singen ebenso ihre europäisch-russischen Familienwurzeln ein bisschen kultiviert) von der Engländerin ab.

Außerdem ist gar nicht mal so selten - und gar nicht mal so übel, wie mancher erschrockene Leser jetzt denken mag - eine Spur Rihanna mit drin, z.B. in "Wiseblood".

Trotzdem ist vor allem die Ähnlichkeit zu Welch nicht nur in ihrer Phrasierung unbestreitbar. Auch Jesus' Songwriting hat insbesondere in den hymnischeren und tanzbaren Passagen des Albums starke Züge von Florence + The Machines "Ceremonials".

Sollte ich "Okovi" in einem Satz zusammenfassen müssen, dann würde ich sagen, dass es eine Kreuzung aus "Ceremonials" mit den Björk-Alben "Vulnicura" und "Homogenic" unter der Beigabe der Düsternis von Chelsea Wolfes "Pain Is Beauty" ist.

Der Bezug zu Björk ist ebenfalls unmöglich zu überhören, denn die Instrumentierung mit Streichern über Elektronik ist den genannten Alben schon sehr ähnlich. Auch was den emotionalen Einsatz angeht, braucht sich Zola Jesus nicht vor der isländischen Ikone zu verstecken.

"Okovi" ist insgesamt ein eher introspektives Werk, welches sich jedoch nie im Ambient-Mäandern verliert oder vor dem Zuhörer verschließt und noch dazu immer im richtigen Moment den katharsischen Ausgleich im Pop sucht. Zola Jesus meistert den Spagat zwischen künstlerischer Tiefe und Zugänglichkeit über die ganze Albumlänge.

Das einzige, was mich bisher ein bisschen stört, ist dass mir die Songs teilweise zu abrupt enden. Aber das ist schon wieder das bemüht gesuchte Haar in der Suppe, damit ich hier nicht als vollkommen unkritischer Abnicker dastehe.

Im Ernst: Vom Tränenbad "Witness" bis zum unwiderstehlichen Umpffumpffumpff von "Veka" ist dies trotz der genannten Ähnlichkeiten eine insgesamt sehr eigene, so anspruchsvolle wie ergreifende Sammlung elektrogothischen Art Pops, die in Ohr und Seele geht.

Wunderbar.




Highlights: Witness, Soak, Veka, Remains

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