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2018-03-30

PAINTED DOLL - Painted Doll

Treffen sich ein Death Metaller und ein Comedian auf einem Goblin-Konzert...

Kein Flachwitz, sondern der Beginn dieser auf der gemeinsamen Vorliebe für obskure Psychedelikbands der 60er und 70er Jahre begründeten Band von Autopsy-Grunztrommler Chris Reifert und dem mir zugegeben bisher nicht bekannten Komiker / Musiker Dave Hill.

Da hier ja a) gerade Partywoche ist, b) sich das von Hill selbst gezeichnete Cover in seiner grenzästhetischen Überladenheit so hübsch neben der von mir gerade rezensierten neuen Autopsy-Platte "Puncturing The Grotesque" macht und c) auch einen gewissen Osterbezug nicht von der Hand weisen kann, muss ich das Ding hier jetzt natürlich auch besprechen.




PAINTED DOLL - Painted Doll (mint green vinyl) (2018)

Die Art und Weise wie sich hier zwei Köpfe aus unterschiedlichen Musikwelten zusammengetan und sich zu zweit um das komplette (live nun zu viert aufgeführte) Instrumentarium gekümmert haben, erinnert mich zwangsläufig ein bisschen an The Lennon Claypool Delirium.
Painted Doll agieren allerdings wenig überraschend etwas direkter, so dass ihr selbstbetiteltes Debüt weniger versucht, neue abgefahrene Wege zu gehen, sondern vielmehr den Charakter eines Tributs an eine Ära / ein Genre hat.

Mit beiden Musikern an Bass und Gitarre, Reifert am Schlagzeug und Hill zudem noch an Keyboards und Mikrofon, zelebriert Painted Doll einen immer eingängigen, mal poppig leichten, mal schon etwas dreckigen (von "Eclipse" könnte ich mir durchaus auch eine Autopsy-Version vorstellen) Psychedelic Rock.

Wie es sich bei so einem Projekt schon fast gehört, ist der Opener "Together Alone" ein "Don't Fear The Reaper"-Soundalike. Danach klingen mal hier die Beach Boys, dort die Beatles, anderswo flotter Proto-Punk und natürlich tausend mir nicht so geläufige Gruppen aus dem geworshippten Zeitrahmen an.

Und was soll man sagen? Es ist keine Raketenwissenschaft, aber es kommt von Freaks, die genau wissen, was sie da tun. Es rockt, klingt frisch, macht Spaß. Super Album!

Und das hustenbonbongrüne Vinyl ist nicht nur schick, sondern klingt auch gut.




Bleibt nur die Frage, ob die Band heimlich vielleicht auch noch eine zweite Variante des Coversongs "I Put A Spell On You" mit Chris Reifert als Sänger aufgenommen hat. Denn der Originalinterpret Screamin Jay Hawkins war ja schließlich auch ein ziemliches Brüllmonster. Wäre auf jeden Fall auch ein Track vom Album, den ich gerne mal autopsysiert hören würde.

Sagt übrigens der Typ, der mal auf einem Unplugged-Konzert "In The Grip Of Winter" (inklusive absolut irrem Flötensolo) gespielt hat, haha.




Highlights: Painted Doll, Carousel, Eclipse, I Put A Spell On You



AUTOPSY - Puncturing The Grotesque

Im GosT-Review versprach ich vorgestern, dass diese Woche Party angesagt ist. Und wenn es auf diesem kranken Planeten eine Band gibt, die für frivolen Exzess steht wie keine andere, dann sind es ja wohl die gory Death-Metal-Veteranen von Autopsy.

Und die haben - offiziell anscheinend schon im Dezember erschienen, aber auf physischem Tonträger  dann tatsächlich erst dieses Jahr - mal wieder einen extra widerlichen Auswurf auf Platte gewürgt.




AUTOPSY - Puncturing The Grotesque (LP) (2018)

Allein das Cover von Dennis Dread ist selbst für die Verhältnisse dieser Gruppe ein ästhetischer Supergau oberster Güte, geradezu faszinierend abstoßend. Und deswegen natürlich genau richtig.
Da es textlich auf "Puncturing The Grotesque" auch sehr apokalyptisch zugeht - alle gegen alle, egal ob lebendig oder schon tot -, gibt es an diesem Cover gewordenen Kotzestrahl auch inhaltlich nichts einzuwenden.

Alter! Drummer / Gutturalgrunzer Chris Reiffert haut hier aber auch mal wieder souverän die übelst krankeste Scheiße raus. Respekt, wie der Mann sich seit bald dreißig Jahren treu bleibt und dabei keinen Deut gesünder oder erwachsener wird.
Und das geht, abgesehen von den durchaus gewachsenen musikalischen Fertigkeiten ja überhaupt für Autopsy als Ganzes und ist ein nicht unerheblicher Teil dessen, was sie zur wahrscheinlich immer noch großartigsten aller Death Metal-Bands macht.

Dabei beginnt dieses Album (Mini-Album, EP? Man weiß es mal wieder nicht.) noch gar nicht auf Spitzenniveau. Nach einem Krach- und Gebrüllgurgelintro ist der Titeltrack zwar schon solide Autopsy-Kost, allerdings vielleicht einen Tick zu deutlich als Motörhead-Homage erkennbar. Klar, soll ja auch kein Geheimnis sein und macht ja auch Bock. Doch danach wird es noch wesentlich besser.

"The Sick Get Sicker" muss man im Grunde als programmatischen Titel begreifen, denn was wenn nicht dies taugt zum offiziellen Bandmotto?
Der rumpelig flotte Song ist der zentrale Ohrwurm der Platte, mit einem Leadgitarrenlick, das sich vor keinem Hit der Gruppe verstecken braucht.

Überhaupt, und klar, das habe ich auch schon tausendmal in Autopsy-Reviews geschrieben: Danny Coralles und Eric Cutler sind nach dem Dahinscheiden des klassischen Slayer-Line-Ups das ultimative Extremmetal-Leadgitarren-Duo!

Mehr Beweise dafür gibt es auch auf der B-Seite, ob im deathdoomigen Albumhighlight "Gas Mask Lust", dem im Signature-Midtempogroove daherkommenden "Corpses At War" oder dem schnellen Knüppler "Gorecrow".
Zum Abschluss gibt es noch das kurze, schon von der Split-Single mit (den anderen) Bloodbath bekannte Bloodbath-Cover "Fuck You!!!". Was im Bezug auf die niemals eingeknickte Kompromisslosigkeit natürlich ebenfalls als Bandmotto durchgeht.

Fazit: Autopsy sind wieder einmal ihr ekelhaftestes, bestes Selbst und fügen dem Reigen ungebrochen perfekter Veröffentlichungen seit ihrer Reunion ein erneutes Ausrufezeichen hinzu, das vielleicht sogar noch eine ganze Ecke  geiler ist als "Skull Grinder". (Habe jetzt allerdings nicht intensiv zum Vergleich gehört.)

Bewertung: neun von zehn prall gefüllte, nukleare Eiterbeulen.



Highlights: Gas Mask Lust, The Sick Get Sicker, Gorecrow



2018-03-28

GOST - Possessor

Paaarty, ihr Roboterpunker!

Wird mal wieder Zeit, hier ein paar Musiktipps abzufrühstücken! Und diese Woche möchte ich ganz der Tanz- und Geselligkeitsmusik widmen. Den Beginn macht das frisch rausgeprügelte neue Elektroalbum des Herrn Baalberith aka GosT.


GOST - Possessor (download) (2018)

Grundsätzlich ist die Mischung aus Synthwave und Horrorsoundtrack von GosT mit dem Werk von Carpenter Brut oder noch mehr Perturbator vergleichbar. Und auch das Thema auf "Possessor" - der neue, gefährliche Trend aus den Achtzigern, der unsere Jugend bedroht: Satanismus! - schlägt ganz klar in diese Kerbe.

Allerdings sind die knallhart knackigen Computerdrumsounds des zugänglichsten Tracks (außerdem einer der wenigen Stücke mit prominentem Gesang) "Sigil" hier noch der sanfteste Ausschlag auf dem Brutalometer.

Denn als ob es nicht schon genug auf die Fresse gäbe, schleudert GosT einem tatsächlich auch noch Blastbeats, Doublebassgewitter und Blackmetalgebrüll entgegen!
Ja, die Idee an sich ist nicht neu. Allen wie viele BM-Projekte mussten schon aus reiner Not auf ein programmiertes Schlagzeug zurückgreifen? Allerdings hat mich das Ergebnis bisher noch nie so überzeugt, wie in diesem komplett gitarrenfreien Slasher-Wave-Umfeld.

Trotz des augenzwinkernden Hach-Früher-Gefühls mit seinen Retro-Synthies, trashkinoartigen Samples und dem gelegentlich Gesang der Marke "Ich kann's nicht wirklich, aber ich bin saucool" ist dieses kurzweilige Album vor allem ein gnadenloser Faustfick in die Fresse.

Prädikat: stumpf, aber leider schweinegeil!





Highlights: Shiloh's Lament, Beliar, 16 A.M., The Prowler, Commandment


2018-03-22

INSECT ARK - Marrow Hymns

As usual one month before Roadburn, while planning my personal running order as good as I can, my excitement for the dutch festival begins to grow immensely. And also as usual my discovery of new artists already begins way before the actual event, when the participating bands are announced.

This year an instrumental duo from the US has sparked my particular attention:




INSECT ARK - Marrow Hymns (clear LP) (2018)

Insect Ark began as a solo project by bassist Dana Schechter, whose previous work inludes two albums with Michael Gira's Angels Of Light, but has since grown to a two-piece with the involvement of drummer Ashley Spungin.

With Schechter also playing lap steel guitar and both members sharing synth duties, the best label for the band's music is probably the one they are using themselves, psychedelic doom.

One thing is certain already by now: Combined with the fabulous cover artwork and the knowledge that this album is released on Profound Lore, it's extremely likely that this must be good.



And it is good. Profound lore indeed!

Insect Ark are a highly experimental group, but they are very much aware of the nature of the experiment and manage to present it a a quite excessible way, which renownedly isn't necessarily a given when it comes to somehow advantgardistic music.

This excessibility mainly originates from the lap steel guitar. While being a prominent trademark of the monolithic Swans, its delivery by Schechter bears a lot more similarity to the cool and calming western style guitar work of Earth's Dylan Carlson, a notion also backed up by the way some of Insect Ark's compositions are structured.

Over a backdrop of ambient and psychedelic rock sounds, from minimalistic drone moments to its most vivid outbursts of dynamic drumming or sometimes even godfleshy grooving and snarling bass lines, the music of Insect Ark always finds the right balance between being lively and sparse.

The field amidst those poles gives plenty of room for the listener's imagination. On top of that every track on "Marrow Hymns" has its own distinct character, so the album really provides ideal conditions to take you on a new journey each time you give it a spin.

My advice: Just sit back and trust your two guides from the doom travel agency! I promise, you won't regret the trip. 






Highlights: Slow Ray, Windless, In The Nest, Arp 9



2018-03-20

ANNA VON HAUSSWOLFF - Dead Magic

Spoiler: Wer meinen Bericht vom Hamburg-Konzert der Künstlerin vor zwei Wochen gelesen hat, den sollte nicht überraschen, dass das folgende Review aus beinahe uneingeschränkter Lobpreisung besteht.




ANNA VON HAUSSWOLFF - Dead Magic (LP) (2018)

Die Sängerin und Multiinstrumentalistin Anna von Hauswolff ist eine Künstlerin, die in keine der unzähligen schon existierenden Schubladen komplett hineinpasst. Art Rock liest man oft. In Ermangelung einer besseren Alternative labele ich sie in meiner Musiksammlung auch so. Doch unter diesem Begriff erwartet man eigentlich nicht etwas so düsteres, gewaltiges.

Orgel Drone könnte man sagen, denn mächtiger dröhnen könnte es tatsächlich kaum. Ein Indiz dafür auf diesem neuen Album ist schon der Produzent: Sunn O)))-Bändiger Randall Dunn holt man sich meist nicht ohne triftigen Grund an die Regler. Und die Orgel ist auch auf "Dead Magic" der monströse Koloss, auf dessen Rücken alles andere aufgebaut ist. Wie auf den Vorgängeralben spielt die Dänin hier kein bühnentaugliches, handliches Instrument, sondern eine echte Pfeifenorgel, Königin des Gedröhnes. Wo jene diesmal aufgenommen wurde, kann jeder Kopenhagen-Tourist mühelos in der Nachbarschaft von Schloss Amalienburg verorten: unter der großen Kuppel der Frederikskirche.
Doch auch dieses royale Instrument macht den Begriff Orgel Drone nicht umfassend genug.

Doom Metal kann man auf Discogs lesen, oder Prog Rock. Doch Anna von Hauswolff spielt weder Metal, noch ist sie instrumental ein große Angeberin.
Es ist aber leicht zu verstehen, wo diese Zuordnungen herkommen: Es ist die ungefilterte Intensität ihrer Musik, die so schwer wiegt wie nur die wenigsten Schwermetallbands, und ihre Furchtlosigkeit, von der sich die meisten progressiven Musiker sicher gerne eine Scheibe abschneiden würden.

Und vom Gesang habe ich dabei natürlich noch gar nicht geredet.


Doch komme ich einfach mal zum Album:

"Dead Magic" besteht bei einer normalen LP-Spielzeit von einer Dreiviertelstunde aus fünf Tracks, von denen das schon vorab mit Video (gedreht erneut von Annas Schwester Maria von Hausswolff, die auch das Coverfoto des Albums zu verantworten hat) veröffentlichte "The Mysterious Vanishing Of Electra" noch zu den kürzeren gehört.




Insbesondere in diesem wohl eingängigsten Stück des Albums macht Anna von Hausswolff keinen Hehl daraus, dass sie auf ihrer Tour im Vorprogramm der Swans sehr gut aufgepasst hat.

Und ist es hier vor allem die Form, die an Michael Giras Schaffen erinnert, so ist es insbesondere in den beiden je über zwölfminütigen Kernstücken des Albums, "The Truth, The Glow, The Fall" und "Ugly And Vengeful" das unerschütterliche Selbstbewusstsein und der ungebremste klangliche und emotionale Exzess ihrer Musik, die Anna von Hausswolff zur idealen Kandidaten macht, um das Loch im Universum zu füllen, welche die nun aufgelöste letzte Inkarnation der Schwäne hinterlassen hat.

Beide Stücke stoßen in gigantische Gefilde vor, die den meinsten Künstlern verschlossen bleiben. Insbesondere "Ugly And Vengeful" ist wie ein ganzes Leben und Sterben, wie ein Aufbau und Zusammenbruch einer Zivilisation. Wummern, Beben, ritualistische Rhythmen, Akkorde so groß wie die Schöpfung, eine Stimme, die aus Sphären wie Lisa Gerrard (Dead Can Dance) in ihren entrücktesten Momenten alle Facetten des Menschseins zugleich auszudrücken scheint; es ist überwältigend, wie perfekt hier alles zusammenkommt.
Und ja, auch wenn ich das Lied nebenbei höre: Bei 8:45 unterbreche ich grundsätzlich alles was ich tue und breite episch as fuck meine Arme aus, denn ich bin ein verdammter Superheld, der sich in einer Tränendrüsen zerstörenden Szene selbst opfert, um die Welt zu retten. Basta.

Ok. Während der Autofahrt nicht. Keine Sorge.

Anna von Hausswolf live im Kampnagel
An dritter bzw. vierter Stelle der Tracklist (Vinyl- und Digitalversion unterscheiden sich aus Platzgründen leicht) steht das kürzeste Stück "The Marble Eye", ein reines Orgel-Instrumental, welches wie u.a. schon die komplette 2016er EP "Källan (Betatype)" beweist, dass Anna von Hausswolff auch ohne ihren überragenden Gesang das ganz große Gefühlskino meistern kann. Einzig, dass diese Komposition relativ unvermittelt endet, ist einer der ganz wenigen Kritikpunkte am Album.

Diese Kritik gilt ebenso für den gefühlt viel zu frühen Schluss des ruhigen Finales "Källans Återuppståndelse". Allerdings habe ich den Verdacht, dass der abrupte Rauswurf aus der magischen Traumwelt hier - in seiner erstmal verärgernden und einen dann nach mehr hungern lassenden Wirkung - durchaus komplett beabsichtigt ist.

Dann fängt man eben wieder von vorne an! Ich persönlich könnte dieses Werk im Moment jedenfalls tatsächlich den ganzen Tag lang hören.

Fazit, wenig überraschend: "Dead Magic" ist für mich bisher unangefochten das Album des Jahres!


Ich empfehle hier als Format ganz klar die Schallplatte. Neben den üblichen Besserhörer-Gründen gefällt mir die Songreihenfolge hier besser - und neben dem Cover kommt auch die mir noch besser gefallende Illustration auf der Innenhülle besser zur Geltung; gezeichnet von Anna von Hausswolff selbst, deren kreative Talente offensichtlich unbegrenzt sind.
 


Highlights: Ugly And Vengeful, The Truth The Glow The Fall, The Mysterious Vanishing Of Electra





2018-03-18

DRUTURUM - 2 Konzerte im Mai!

Im Mai stehen die nächsten Konzerte meiner eigenen Band DruturuM an:






Am Samstag, den 05. Mai 2018 spielen wir gemeinsam mit Vnrest und Thjodrörir im Jacks, Heide.

Unser (wie immer exklusiv nur an diesem Abend gespieltes) Programm heißt:
"Druturum III: Das Braune Rauschen"




Am Freitag, den 18. Mai 2018 supporten wir Horizon Of The Mute und Father Sky Mother Earth in der T-Stube, Rendsburg.

Unser Set an diesem Abend heißt:
"Druturum IV: The Science Behind Angel Encounters"



Mehr Details und Neuigkeiten zu beiden Veranstaltungen gibt es u.a. auf unserer facebook-Seite!







2018-03-15

LAIBACH live at Kampnagel, Hamburg (08.03.2018)



No, I didn't forget this review. And I also didn't spend several days deciding whether to write it in german or english. But there was this little excessive psychedelic extravaganza with King Gizzard And The Lizard Wizard on Friday, which I wanted to address first. And then, well...  lots of other distractions.

But now to the Laibach concert on Thursday, where watching from the first row was much more comfortable. I have a fractious relationship with seated concerts, but given the theatrical origin of the "Also Sprach Zarathustra" material it was a fitting choice in this case. Plus I had a really good spot.

I wasn't the first one to buy tickets for the huge "K6" hall in the Kampnagel center. But since I only needed to order one ticket I was still lucky enough to catch one seat right in the middle of the first row.
Of course I couldn't resist to take some pictures during the show (who wants text-only reviews?), even though the venue had put up some signs with crossed out smartphones. But hey! Since my super small toy camera technically doesn't count as one of those I took it as a sportingly challenge and made it at least to the middle of the set during the first block of songs with the always enchanting Mina Špiler, until a security guy stopped my evildoings.

So now that I have confessed and am absolved, let's talk about the spectacular show!




When the audience entered the hall, there were already some searching lights going back and forth on stage, indicating that this would be one of the visually most impressive tours in the decades-long history of Laibach, while an endless version of the droning loop "Von den drei Verwandlungen" was playing from the speakers.
I don't know the exact time, but let's say after twenty or thirty minutes the four instrumentalists of the band came on stage one after one to start the set with a rumbling live version of that noise track.

There have been  a couple of changes in the line-up. While the familiar faces of Luka Jamnik and Rok Lopatič are still operating the synthesizers, the band has a new drummer now. And for the first time since the "WAT" tour in 2003 they also have a guitar player in their midst. This guy, whose name I am too lazy to research now, occasionally played a lead or hinted a metal riff, but his main responsibility were all kinds of effects, noises and drones. A very interesting performance which was a main component of the new sound of 2017/2018 Laibach.

Mina Špiler's role was smaller than on the previous tours, no surprise given that she only appears on one track of the recent album. So, since also has no keyboard duties, the fans had to wait for nine whole tracks.

Until then we experienced a version of Laibach that was deep, dark and primal, bulky and demanding. Well, of course "monumental retro-advantgarde" would also be a good term to describe it. Yet just as the "Zarathustra" album it never felt like a simple rehashing of something the band has done before.

Dressed in a shiny red glitter cloak Milan Fras commanded the stage with one of his most minimalistic performances. But even when he was away, like in the instrumental "Von Gipfel zu Gipfel" or "Das Nachtlied II" (that booming snoring sample was as effective as it was hilarious!), the performance never lost any of its suspense. "Also Sprach Zarathustra" showcased the slovenian Kunstmaschine at its very best.

After the "Zarathustra" part, which was concluded on a high note with Špiler's appearance in the orchestral "Vor Sonnen-Aufgang", the band followed with two new tracks with her her on lead vocals, which honestly weren't as memorable as the rest of the set. I would have rather put "Across The Universe" in here.

After that little breather, it was time for some heavier classics. Laibach refrained from the obvious biggest hits like "Geburt Einer Nation", "Opus Dei" or "Tanz mit Laibach". Instead they opted for some of the "revisited" material ("Brat Moj" and "Ti, ki izzivaš"), which appearantly will finally see its way on a studio release this year plus the "WAT" finale "Anti-Semitism", one of the few compositions from way after the 1980s with Slovene lyrics.

On top of that the band delighted me with two tracks from my all-time-favorite album "Kapital". Especially due to the guitar player "Le Privilege Des Morts" was filled with some interesting new sounds, and "Wirtschaft ist tot" was executed flawlessy, with especially the recreation of the different vocals in the piece being one the highlights of the show for me.

The encore fell a little flat compared to this. "Bossanova" was the only original Laibach song from the previous album "Spectre", and I always felt that it's clearly the weakest track of the bunch. I would have rather preferred the not so often included "Americana". The heavy laibachized blues stomping of "See That My Grave Is Kept Clean" was a decent finish however.

So for total perfection I would have tweaked the set a little at two points, but the rest - and especially the "Zarathustra" material - still was a demonstration of fabulous genre-transcending excellence, which only Laibach can deliver.


Despite the strong competition from King Gizzard and the miraculous Anna von Hausswolff within the same week, this was my personal concert of the year so far.













2018-03-10

KING GIZZARD AND THE LIZARD WIZARD + MILD HIGH CLUB live im Uebel & Gefährlich, Hamburg (09.03.2018)

King Gizzard And The Lizard Wizard

Alter, was für ein Exzess! Und wie sowas von ausverkauft das Uebel & Gefährlichs gestern war! Ohne die regelmäßige Wasserversorgung durch das Securityteam wäre es bei dem Gequetsche in der ersten Reihe echt mal kritisch geworden.

Ok, bei der Vorband der neuen Psychedelicrock-Großmacht King Gizzard And The Lizard Wizard war die Lage noch entspannt. Ziemlich entspannt sogar.


Mild High Club

Auf einer super mit Equipment zugekleisterten Bühne spielte zunächst der Mild High Club. Das Quintett hatte mit King Gizzard auf "Sketches From Brinswick East", dem dritten der fünf Alben, die jene letztes Jahr veröffentlicht haben, mitgewirkt.

Der Name ist bei diesem Club das Programm. Sehr milder, manchmal fast poppiger Psychedelic Rock, laid back, mit fast schon jazzloungigem Unterton. Wiedererkennungsmerkmal der Band ist neben den Keyboards und dem locker shuffeligen Schlagzeugspiel vor allem der charakteristische Ton der zwölfsaitigen Leadgitarre. Der Gesang balancierte für meinen Geschmack etwas zu weit an der Grenze zur Parodie und einen Tonträger der Band muss ich (abgesehen von "Sketches") auch nicht zwingend haben. Als relaxte Einstimmung auf das, was noch kommen sollte, war diese freundliche Kiffermusik aber genau richtig.


King Gizzard And The Lizard Wizard

Bei King Gizzard And The Lizard Wizard standen die Zeichen dann von Anfang an auf Abriss. Die eins, zwei, drei... siebenköpfige australische Verrücktentruppe rund um Mastermind und Verwarzeste-Fußpedale-Benutzer Stu Mackenzie schaltete den Energielevel mit dem Hit "Rattlesnake" gleich voll auf elf.
Angetrieben von zwei Drummern (außerdem Bass, Keyboard/Effekte, drei Gitarren und Mckenzie machmal auch statt an den sechs Saiten an der Querflöte) preschte beinahe das gesamte Set im nimmermüden Uptempo voran. Und es war - wie bei der Fülle von aktuellem Material zu erwarten - ein langes Set!

Bis auf das eher ruhige Album mit dem Mild High Club wurden auch alle 2017er Alben berücksichtigt. Zunächst wurde ein großer Block des Sets mit den für arabische Mikrotonalität umgebauten Instrumenten gespielt, die das nach Mackenzies gelber Customgitarre benannte Album "Flying Microtonal Banana" geprägt haben. Dementsprechend stammten die ersten Stücke natürlich auch hauptsächlich von diesem Werk. Vom am 31. Dezember digital rausgebrachten "Gumboot Soup", das leider noch nicht in physischer Form am Merchstand erhältlich war, wurden allerdings ebenfalls mikrotonale Stücke eingeflochten.

Der nächste Block gehörte dann dem Drei-Konzeptstorys-auf-einer-LP-Irrwitz "Murder Of The Universe" und dem hyperaktiven Psychprog von "Polygondwanaland". Zum Finale tischte der Kaumagenkönig dann nach der einzig wirklich ruhigen Strecke zum letzten Durchatmen noch eine gute Portion vom 2016er Fanfavoriten "Nonagon Infinty" auf.

Auffällig für mich während des gesamten Sets: Obwohl ich die Band noch nicht allzu lange kenne und manche Stücke erst sehr selten gehört habe, war doch jeder einzelne Song des Abends schon als Wurm in meinem Ohr abgespeichert. Das hätte ich nicht unbedingt erwartet. Und es unterstützt nur noch weiter den Eindruck, dass diese Gruppe der wild zuckende kreative Arm eines Genies ist.


Ich habe keine Ahnung, wie lang das komplette Programm genau war, doch es war zweifellos die ausdauernste wilde Party, die ich seit langer Zeit auf einem Konzert erlebt habe. Mindestens seit Carpenter Brut auf dem letzten Roadburn Festival.
Und witzigerweise sind eben jene Synthwaver auch nach aktuellem Stand die nächste Gruppe, die auf meinem Live-Terminkalender steht. Und das dann auch wieder im Uebel & Gefährlich. Gut, dass ich meine Quetsch- und Rempelfähigkeit nun schon trainiert habe!


Mild High Club:










King Gizzard And The Lizard Wizard:

















 

2018-03-06

ANNA VON HAUSSWOLFF + NEBULOSA live im Kampnagel, Hamburg (05.03.2018)

Anna von Hausswolff


Zunächst einmal möchte ich mich herzlich bei der Sparkasse bedanken, die endlich erkannt hat, dass ein flächendeckendes Netz aus Filialen und Geldautomaten nicht mehr zeitgemäß ist, und die so meinen Plan, auf dem Weg nach Hamburg schnell noch bei Edeka in Itzehoe zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, also etwas zu trinken zu kaufen und Bargeld abzuheben, mächtig torpediert hat.

Neben ein paar weiteren kleinen Widrigkeiten und Dämlichkeiten meinerseits führte dies dazu, dass es noch einigermaßen knapp wurde, pünktlich zu Konzertbeginn im Kampnagel anzukommen. Merken, Stephan: Die meinen mit der Uhrzeit den Beginn und nicht den Einlass!

Im KMH, einer mir bisher noch nicht bekannten, "kleineren" Halle des Kulturzentrums (immer noch mit einer ziemlich stattlich breiten Bühne), begann der Supportact Nebulosa, dessen Identität sich noch am Nachmittag tatsächlich als ziemlich nebulös herausgestellt hatte. So fand ich in der Youtube-Suche zwar eine schwedische Band dieses Namens, musste die aber schnell wieder streichen, da es sich um eine Progrockgruppe aus den Siebziger Jahren handelte. Also hieß es, mich überraschen zu lassen.

Tatsächlich verbarg sich hinter dem Alias einer der beiden Gitarristen Anna von Hausswolffs, welcher drei lange instrumentale Solostücke spielte. Stilistisch so im Bereich Earth / Drone / Postrock / Effektnoise... ziemlich cool.

Nur die "Umbaupause" danach hätte mangels notwendigem Umbau auch gerne deutlich kürzer ausfallen dürfen.


Anna von Hausswolff

Das Warten wurde allerdings belohnt. Schon ihr Auftritt im Vorprogramm der Swans war ja eine Offenbarung gewesen. Doch heute, mit sechsköpfiger Band und ausgereiftem Studiomaterial im Rücken, stieg die schwedische Sängerin / Organistin in noch gewaltigere Höhen und Tiefen vor.

Gespielt wurde ein wenig älteres - vor allem der Brocken "Come Wander With Me / Deliverance" von "The Miraculous" -, jedoch in erster Linie alle fünf Stücke des neuen Albums "Dead Magic". (Review demnächst.)
Und von wegen dead! Die quicklebendige Magie kroch dem Material aus allen dröhnenden und schwelgenden Poren.

Besonders herausheben muss ich  schon länger als erste Auskopplung bekannte "The Mysterious Vanishing Of Electra", bei dem Anna (nach einem vorherigen Intermezzo an der Mundharmonika) die Orgel gegen die Akustikgitarre eintauschte and den spürbaren Einfluss der langen Tour mit Michael Gira & Co. am deutlichsten präsentierte, was sich nicht nur im Song und dem ganz klar als Hommage erkennbaren Live-Schluss festmachte, sondern auch in der zart angedeuteten Übernahme kleiner Manierismen des Swans-Strippenziehers.

Ein Höhepunkt, der über das gesamte Set hinausstrahlte war auch dieser eine (gewiss etwas an "The Host Of Seraphim" von Dead Can Dance anklingende) Gesangspart in der Mitte von "Ugly And Vengeful", der mir eine minutenlange Gänsehaut bescherte und mich quasi alle Emotionen, die es gibt, auf einmal erleben ließ. Ein Moment, wie um zu beweisen, dass Musik allmächtig ist.

Man muss natürlich erwähnen, dass die Erscheinung der extrem zierlichen Sängerin und ihre manchmal beinahe schüchternden Ansagen die Wirkung ihrer Kunst live noch ungemein verstärkt.
Hier ist der gefühlt kleinste Mensch der Welt und erzeugt - ob instrumental oder mit ihrer außerweltlichen Stimme - diese kolossale, alles umfassende Musik, die gewaltig wie die Bewegung der Kontinentalplatten und wunderschön wie ein daraus resultierender, tödlicher Vulkanausbruch ist.

Das ist schwer zu begreifen, aber sehr leicht gebannt zu bewundern.

Zur Zugabe, der majestätischen Ballade "Gösta" schneidet Anna von Hausswolff ganz langsam mit ihrem Mikrofonkabel eine Schneise durch die Mitte des Raumes. Da steht sie nun wie eine Botschafterin aus einem besseren Jenseits, von allen um sie herum um ein bis mehrere Köpfe überragt, doch ihre Stimme reicht bis in den Himmel und ihr gehört der komplette Saal.

Größer hätte sie dieses fantastische Konzert wohl kaum beenden können.