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2026-01-23

ANNA VON HAUSSWOLFF und HINAKO OMORI live im Knust, Hamburg (21. Januar 2026)


Am Mittwoch begann Anna von Hausswolff in Hamburg, wo man sie zuletzt vor knapp acht Jahren erleben konnte. den zweiten Teil ihrer "Iconoclasts"-Tour und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich dabei aus gutem Grund um einen Triumphzug voller prall gefüllter bis ausverkaufter Shows handelt.

Dafür friert man sich als trotz Lahmacun-Stopp frühzeitiger Ankömmling am Knust auch gerne vor dem Einlass um acht die Fingerkuppen ab. Zumindest gab's ja keinen Niederschlag. Und die Belohnung hatte es natürlich in sich...




HINAKO OMORI

Zunächst einmal begab sich aber als Support eine Solokünstlerin hinters Keyboard am vorderen Bühnenrand. Die in London lebende Japanerin Hinako Omori sang zauberhaft ätherisch entrückt zu experimentellen elektronischen Ambient-Kompositionen, die mir - egal ob im kristallisch funkelnden Sonnenlicht nahe der Oberfläche oder aus diffus unheimlicher Tiefe dröhnend - immer irgendwie das Gefühl gaben, durch einen Unterwassertraum zu gleiten. Sehr schön!








ANNA VON HAUSSWOLFF
Nach dieser Geburt unter den Wellen folgte dann gefühlt ein ganzes Leben mit allen Empfindungen von existenziellem Schrecken bis zu ekstatischer Verzückung.

Mich hat ja ohnehin seit langer Zeit kein Album mehr so hartnäckig permanent im Kopf begleitet wie "Iconoclasts", das ich folglich ohne auch nur einen Moment nachdenken zu müssen zu meinem Album des Jahres 2025 gekürt habe. Das mag dazu beigetragen haben, dass die lange, beinahe das komplette Werk beinhaltende Show auch zwei Tage danach immer noch zum Greifen nah durch meine Sinne geistert.

Die Setlist war aus guter Erfahrung tatsächlich eins zu eins von den vorigen Konzerten im Dezember übernommen worden. Die einzigen der insgesamt zwölf "Iconoclasts"-Stücke, die hier fehlten waren das Album-Intro "The Beast", an dessen Position live eine Kurzform des späteren Instrumentals "Consensual Neglect" zu "Facing Atlas" einleitete, das Duett mit ihrer Schwester Maria "Unconditional Love", welches sich Anna von Hausswolff vielleicht für besondere Gelgenheiten aufspart und schließlich "Rising Legends", das als Epilog aber immerhin nach Ende der Show vom Band kam.

Es blieben also noch neun fantastische Stücke übrig, welche Anna - unterstützt durch eine fantastische Band aus Bass, Gitarre, Drums, ihrem langjährigen Kompositionspartner Filip Leyman an Synthesizer, Perkussion und Gedöns und dem absoluten Zugewinn zum ohnehin schon mächtigen Klangspektrum, Otis Sandsjö am Saxophon - zum Besten gab. Sie selbst begleitete ihre überweltlich emotionale Gesangspräsenz dazu noch wahlweise auf Keyboard, Gitarre oder dem speziellen Blickfang des Bühnen-Setups, einem Cantiga Organetto. Dabei handelt es sich um eine aus dem Mittelalter stammende, portable Miniaturform einer Pfeifenorgel, die wie ein Hybrid aus Orgel und Harmonium rechts auf der Klaviatur bespielt und links von einem Blasebalg mit Luft versorgt wird.

Erwartungsgemäß waren die epischen Longtracks wie der Titelsong, "The Mouth", das tanzbare "Stardust" oder das selbstbewusst an den Schluss der Zugabe gesetzte "Struggle With The Beast" auch live tiefgehende seelische Großereignisse, während die beiden kürzeren Balladen "The Whole Woman" und "Aging Young Women" auch ohne die Gesangspartner Iggy Pop und Ethel Cain hervorragend funktionierten und einen zwischendurch ein klein wenig durchatmen ließen.

Doch all die von Orgel, einem unglaublich geschmackvoll knarzendem Bass und endlos verwobenen Texturen aus Gitarre und atemlos zirkulierendem Saxophon getragene Herrlichkeit strahlte nicht nur im Material von "Iconoclasts". Mit eingestreut waren immerhin noch zwei gigantische Songs von "Dead Magic", ohne die man sich eine Anna von Hausswolff-Show wohl kaum noch vorstellen kann:
Sowohl der swansige Hit "The Mysterious Vanishing of Electra" als auch das von düsterem Drone zu transzendenter Anrufung und befreienden Ritual übergehende "Ugly and Vengeful" wurden in großartigen, das Saxophon exzellent integrierenden Versionen dargebracht.

Klein aber fein begann vor dem großen Finale außerdem noch die Zugabe mit dem "Ceremony"-Track "Funeral For My Future Children". Was will man mehr?

Technisch habe ich nun einen großen Teil des Konzerts beschrieben, aber welche dauerhaft wirkende Kraft tatsächlich in einer Anna von Hausswolff-Show steckt, das kann ich auch nach mehrfachem Versuch nach wie vor nicht adequat beschreiben.
Die Chance, dass dieser Auftritt in den kommenden elf Monaten nicht mehr von Platz eins meiner frisch begonnenen Liste liebster Clubshows 2026 verdrängt werden könnte, ist auf jeden Fall groß. Höher lässt sich die Messlatte kaum legen.

Das einzige, was mich an diesem Abend etwas enttäuscht hat, war dass meine leise Hoffnung, auf dem Merchtisch vielleicht Filip Leymans letztes Jahr veröffentlichtes Ambient-Soloalbum zu finden, nicht erfüllt wurde. Das Porto zu sparen, wäre schön gewesen. Also doch nur digital besorgen oder auf eine Luxuslaune warten? Ich überlege noch...










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