Normalerweise genieße ich das epische, jazzrockig, folkloristisch eingefärbte Kraut von Agusa ja vorzugsweise auf Vinyl, doch ich bin eigentlich ganz froh, dass ich hier zum zweiten Mal eine Ausanhme gemacht habe, denn die Gestaltung des Booklets, durch das man einfach gerne durchblättert, erinnert mich daran, dass man mit etwas Liebe so eine CD auch sehr attraktiv geraten kann.
Musikalisch gibt es wie es wie immer maximale Wohlfühlekstase bei minimaler Tracklist. Diese im September 2024 aufgezeichnete Show bestand nur aus drei Stücken, zwei davon vom letzten regulären ("Noir" war ja ein Soundtrack) Album "Prima Materia". Beide Songs sind für die Verhältnisse des Quintetts erstaunlich nah an der Spielzeit der Studioversion, wahrscheinlich weil das Album damals noch ziemlich frisch war. Der von beiden eingerahmte Brocken "Den Förtrollade Skogen" vom selbstbetitelten 2017er-Album, der sich auf dem Livaalbum "Ekstasis" bereits von achteinhalb auf elf Minuten verlängert hatte, strahlt dafür nun in orgelröhrender, trommelwirbelnder, gitarrenhexender, flötenzaubernder Pracht von beinahe einundzwanzig Minuten!
Im Grunde bleibt alles wie immer: Agusa lösen bei mir einfach unmittelbar Glückshormonone aus. Und diese Songauswahl könnte kaum besser sein. Und von Minute 7:19 bis 7:57 von "Ur Askan" zeigt sich eindrucksvoll, welchen Luxus sich die Band damit erlaubt, Frontfrau Jenny Puertas "nur" Querflöte spielen zu lassen. Denn was für ein magischer Moment ist diese einmalige Gesangseinlage? Verdammt, als ich die Band vor Ewigkeiten live kennenlernte, war die Dame ja mutterschaftsbedingt nicht einmal dabei... Hoffentlich kommt in absehbarer Zeit endlich mal wieder eine Gelegenheit, diese fantastische Gruppe wieder zu erleben! "Panacea" macht auf jeden Fall sehr viel Bock darauf.
Vieles von dem, was das Quartett aus Even Hermansen (Gitarre), Trond Frønes (Bass), Gisle Johansen (Saxophon) und Torstein Lofthus (Schlagzeug, spielte auch auf Hedvig Mollestads "Maternity Beat"), sowie ihr illustrer Gastkeyboarder und u.a. regelmäßger Motorpsycho-Kollaborateur Ståle Storløkken auf den acht Tracks dieses Albums präsentieren, geht sehr tief. Ausdrucksstarke emotionale Substanz trifft auf aufregend dynamische, kreativ explodierende Virtuosität.
Habe ich in diesem Genre für dieses Jahr etwa schon wieder einen neuen Liebling? Die Auswahl ist echt hart. Dass mich nicht nur die Gitarre/Saxophon-Läufe hier häufig an Seven Impale erinnern, ist sicherlich nichts schlechtes. Red Kite kommen noch mehr aus der freien - eben jazzigen - und noch psychedelischeren Ecke. Vom Opener "Not To Be" bis zum versteckten Bonustrack hinter "All's Well That Ends" überzeugt mich jede einzelne der fünfzig Minuten dieses Albums. Besser geht's kaum.














































