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2019-10-28

BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE - Grandmother

Als ich Bees Made Honey In The Vein Tree zum ersten Mal live sah, fand ich das Quartett aus Stuttgart ja schon sehr überzeugend, sah mich aber noch nicht genötigt, mir einen Tonträger einzustecken.
Nachdem sie sich jedoch beim diesjährigen Pink Tank Festival in Heide mit dunklerem, in sich noch stimmigeren Sound präsentierten, war es keine Frage, dass die zweite LP der Gruppe mit zu mir nach Hause musste.

Und beim nächsten Konzert denke ich auch wieder daran, eine Tasche für Einkäufe mitzunehmen. Die Platte wäre mir in der zugigen Herbstnacht doch beinahe unter der hässlichen Stadtbrücke vom Wind  entrissen worden.




BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE - Grandmother (LP) (2019)


Im Livereview habe ich ja besonders jene Passagen herausgehoben, in denen es bongt und zaumt, und tatsächlich haben die Fantastischen Bees den Kniff, wie man einem so richtig schön meditativen Dröhndoom entgegenomt besonders gut drauf.

Darüber hinaus muss ich nach dem Genuss der vier Longtracks auf "Grandmother" allerdings feststellen, dass die Band es sich wirklich in jedem der vielen Genres, die sie hier auch innerhalb eines Songs beackert, sehr selbstverständlich häuslich einrichtet.

So wird der Doom Metal durchaus auch mal höhlenmenschlich nihilistischer, sludgiger oder auch schneller. Anderswo begibt sich ganz und gar in die Welt des Psychedelic Rocks, was mal an The Heads erinnern kann, oder auch an düsterere Tracks von Causa Sui, während man die Sounds und Harmonien im Abschlusstrack "Dionysus" auch Postrockbands wie Russian Circles zuordnen könnte. Abgesehen vom Durchatmen vorm Finale vielleicht, in dem man eher glaubt, dass Thom Yorke mal für eine kleine Runde psychedelischen Artrock im Studio vorbeigeschaut hat. 

live in Heide, 2019
Spoiler: Es ist nicht Herr Radiohead. Doch der sporadisch von zwei Mitgliedern dargebrachte, esoterisch stimmungsvolle Gesang funktioniert auch ohne Promibonus in allen Stücken super und bildet das atmosphärische i-Tüpfelchen auf Großmutters Honigkuchen.

Zum Bemängeln habe ich bisher nichts gefunden. Und ich habe die Scheibe seit Donnerstag of rotieren lassen. Bees Made Honey In The Vein Tree wissen auf "Grandmother" einfach ganz genau, was sie wollen und setzen es perfekt um. Ganz starkes Ding!



[Wobei ich abschließend bemerken muss, dass meine Schallplattenreviews einen minimalen Glaubwürdigkeitsmalus aufweisen, habe ich doch beim Digitalisieren herausgefunden, warum ich tatsächlich schon neulich beim Zusammenfügen der A- und B-Seite der neuen Magma eine ganze Minute Track verloren hatte: Mein Plattenspieler dreht einfach ein bisschen zu schnell, also ca. 33,9 statt 33,3 Umdrehungen pro Minute, wenn ich richtig überschlagen habe.

Das ist im Direktvergleich zwar erkennbar, beim Hören letztendlich aber total Banane, weil es noch weit davon entfernt ist, irgendetwas unnatürlich klingen zu lassen und wahrscheinlich ein weitaus geringeren Tempounterschied bewirkt, als die meisten Bands live im Vergleich zum Studio vollziehen.

Aber falls Dir irgendeine LP-Review von mir nicht passt, darfst Du mich von jetzt an gerne beschimpfen, dass ich die Musik ja noch nicht einmal in der korrekten Geschwindigkeit höre. Hurra.]








2019-10-26

PINK TANK Festival Heide • 24. Oktober 2019, Rosengasse (mit BURNPILOT, BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE, CAMEL DRIVER u.a.)

Burnpilot


Letztes Jahr hakte es etwas im Getriebe des rosa SUVs, weshalb er nur anonym einen Heidenlärm veranstaltete, doch dieses Jahr war die liebgewonnene Tradition des donnerstäglichen Psychedelic/Stoner/Fuzz-Festivals in der Rosengasse wieder voll intakt.

Inklusive mir für die Überschrift zu langem "Heavy Music Live Machine"-Titel, enormen Veranstaltungsplakat von Samson und im Eintritt inbegriffenem Labelsampler war das Pink Tank Festival zurück in Heide!




Fünf Bands an einem Abend innerhalb der Woche, das ist schon eine ganze Menge. Aber Tradition ist nun einmal Tradition. Das sahen auch die überwiegend vertrauten Gesichter im Publikum so. Es wäre ja durchaus schön, wenn sich mal ein signifikanter Anteil neuer Besucher anfände, doch das Potential für frisches Publikum für das Randgruppenphänomen Livemusik ist an der spärlich besiedelten Westküste wohl immer überschaubar.

Und so bleibt das Pink Tank Festival Heide auch diesmal das öffentliche Meet Up der Bands, bevor es zu den weiteren Festivalausgaben, u.a. in Kiel geht, wo die Konzertgängerdichte den Aufwand auch mathematisch rechtfertigt. Schade natürlich, auch wenn die Stimmung trotzdem wieder super war. Angesichts des aufgebotenen Billings kein Wunder.



Buddha Sentenza

Den Anfang machten Buddha Sentenza, die mit Drums, Bass, zwei Gitarren und einem Keyboarder mit zwei jeweils doppelt gefüllten Ständern voll Tasten, die Kapazität der kleinen Bühne durchaus testeten. Mit ihren langen prog-edelischen Instrumentalstücken, die stilistisch in unzähligen Gewässern fischten, gewöhnten sie einen daran, dass an diesem Abend nur wenige kurze Songs zu hören sein würden. (Nicht dass ich damit irgendein Problem hätte - die roten Ampelphasen nachts nach eins bei der Slalomfahrt um vom Herbstwind weggeblasene Gelbe Säcke in Heide fühlten sich wesentlich länger an.)

Dass man vorsichtig mit dem Anklatschen zum Applaus ist, wenn die Band so tut, als sei ein Song zu Ende, begründeten Buddha Sentenza mit ihren Wechseln von Kalifornien nach Taj Mahal von allen Gruppen am besten. Sprich: Die meisten langen Stücke hätten im Prinzip auch drei kurze sein können. Davon abgesehen eine super Band, die die Messlatte für den Rest des Abends schon verdammt hoch legte.



Bees Made Honey In The Vein Tree


Bees Made Honey In The Vein Tree hatte ich zuletzt vor zwei Jahren hier gesehen. Damals schon toll, kam das Quartett mir nun stilistisch fokussierter vor, mit höherer Konzentration auf von Orientalismen geprägten Drone Doom und Heavy Psychedelic Rock. Nicht selbstverständlich für sowohl das Genre als auch den Abend, bot die Gruppe gleich zwei sporadisch eingesetzte Sänger auf. Die Passagen, in denen es so richtig zaumte und bongte gehörten zu den Tageshighlights. Folgerichtig habe ich später dann auch das aktuelle Album "Grandmother" vom Merchtisch abgeerntet.

Das einzige Problem mit der Band ist natürlich, dass ich den Namen im Kopf immer mit "In The Lion's Skull" beenden muss. Nicht dass ich generell etwas gegen ein Earth-Tribut habe, aber frag mal die Bienen: ein Löwenschädel ist einfach doch eine Ecke cooler zum Bewohnen als ein "Venenbaum".



Camel Driver


Camel Driver boten business as usual, was in diesem Fall bedeutet: gut gelaunt aber mit traditionell beschissenen Ansagen (oder Moment, kam die heute schon von den Bees? Haha, diese Pink Tank-Bands kopieren ja alle ihr kreatives Pausengesabbel voneinander) dargebrachter Stonerfuzzdesertprog mit Geilomatenbass und hastenichtgesehen. Spitzen-Instrumentalband. Auch wenn ich mir gerade keine weiteren Sätze zu den Kielern aus den Fingern saugen kann.



White Noise Generator

Die zweite für mich neue Gruppe war White Noise Generator, im Songwritingkern die fundamentalistischste Stoner-Rock-Band des Festivals, allerdings mit so weit aufgedrehten Fuzz und Verzerrer an Bass und Gitarren, dass das weiße Rauschen tatsächlich körperlich spürbar wurde. Dazu gab es dann auch noch passende Extrasounds aus dem Synthesizer, was insgesamt ein schön verheerendes Brett ergab.

Kompositorisch könnte da für mich noch mehr drin sein und auch der Gesang war nicht immer so super mein Ding, aber alleine für die reine Intensität des Grundsounds gibt es schon fette Respektpunkte.



Burnpilot

Burnpilot hatten letztes Jahr mit mammutösen Spacepunk/Dance-Exzess inklusive tapetengroßem Spickzettel beeindruckt. Heute war das Auftrittsformat des Trios konventioneller, d.h. es gab weniger Elektro, dafür mehr kürzere Stücke, und der Drummer hatte mehr tolle Gesangseinsätze.

Und auch wenn es mich nicht nun mehr so sehr flashen konnte, waren die Arrangements und das Talent des Trios, bei dem man den irre fitzeflinkkreativen Gitarristen gar nicht ohne schlechtes Gewissen herausheben mag, doch ein mit positiven Vibes nur so um sich panzerkanonendes Schauspiel, welches sich irgendwo zwischen Partypilz und Anarchie stilistisch gar nicht so recht festmachen lässt. Auf jeden Fall auch zu fortgeschrittener, müder Stunde noch sehr geil.



Und nun gibt's wie immer noch mehr Fotos, diesmal zur Abwechslung nicht nur mit dem bewährten Digital Harinezumi-Spielzeug, sondern nach langer Zeit auch mal wieder mit dem Lensbaby an der allmählich auseinander fallenden EOS.



Buddha Sentenza:




Bees Made Honey In The Vein Tree:




Camel Driver:




White Noise Generator:




Burnpilot: