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2016-05-28

DREAM THEATER - The Astonishing (revisited)

Nein, ich habe mir das aktuelle Dream Theater-Album nicht auf LP nachgekauft. Das ist nach wie vor viel zu teuer.

Aber ich habe so ein bisschen das Gefühl, meine Rezension vom Februar nach unten korrigieren zu müssen.


Nach einem geilen Konzert neige ich eigentlich dazu, den aktuellen Tonträger des Künstlers - wenn vorhanden - in den folgenden Tagen hoch und runter zu spielen.

Das  Dream Theater-Konzert zu "The Astonishing" in Hannover fand am 4. März statt, ist also gut drei Monate her. Seitdem habe ich das Album satte zwei Mal gehört, nämlich Mitte April während einer langen Autofahrt Richtung Holland, und jetzt gerade, während ich das hier schreibe.

Ist das Album mit etwas Abstand tatsächlich so viel schlechter geworden?

Eigentlich nicht. Es gibt zwar - wie damals schon festgestellt - ein paar zu kitschige Aussetzer, aber im Großen und Ganzen ist an der Musik auf "The Astonishing" kaum etwas zu beanstanden.
Die Performance von James LaBrie ist nach wie vor großartig, vor allem wenn man bedenkt, dass er hier gegen eine sehr maue Story ansingen muss.

Eigentlich muss ich meine Rezension nur in drei Punkten korrigieren:
  1. Ich habe unterschätzt, wie sehr die generische disneykitschige Geschichte auf Dauer nervt.
  2. Das Album ist doch einfach viel zu lang. Live habe ich es daran gemerkt, dass ich in der zweiten Hälfte des ersten Aktes ungeduldig wurde und mich in der Mitte des zweiten Aktes z.T. schon gelangweilt habe. Und zu Hause merke ich es daran, dass ich im Zwifelsfall jeder anderen Neuerscheinung des Jahres den Vorzug gebe. Warum die ganzen 34 Tracks durchstehen, wenn ich in der Zeit drei geilere Alben hören kann?
  3. Schon weil diese beiden Punkte viel größeres Gewicht haben, als ich zunächst angenommen habe, ist meine Einschätzung, "The Astonishing" im obersten Drittel der Dream Theater-Veröffentlichungen einzusortieren, wohl falsch. Mehr als unteres Mittelfeld kann nicht drin sein.

Das macht "The Astonishing" noch immer nicht zu einem Totalausfall, es ist schließlich immer noch Dream Theater. Aber in meiner Jahresendliste dürften Petrucci und Co. damit sicherlich nicht landen. Und um die Krone der Progressive Metal Band Nummer 1 müssen sich vorerst auch andere Gruppen prügeln.

Review der neuen Haken folgt demnächst! ;)



2016-03-05

DREAM THEATER live im CCH Kuppelsaal, Hannover (04. März 2016)


Dieses bekannte Meme ist natürlich ein bisschen überspitzt und haut schon vom Altersdurchschnitt her nicht hin.

Auf ihrer Tour zu "The Astonishing" gastieren Dream Theater allerdings in allerhand bestuhlten, altehrwürdigen Sälen und Theatern und nähern sich diesem Zustand damit weiter an als je zuvor. Oder um es anders zu sagen: Rockkonzerte zum Sitzen sind schon ein wenig seltsam.

Es eskaliert sich schwieriger und man spürt die Stimmung des Publikums weniger unmittelbar als sonst. Anderseits ist es natürlich bequem - und sitzt man dann noch - wie ich gestern im Kuppelsaal des Congress Centrums Hannover - ziemlich mittig in der ersten Reihe des Parketts, dann kann es einem mitunter durchaus so vorkommen, als gäben die Musiker einem ein Privatkonzert.
Das vom Preis abgesehen einzige Manko dieses Platzes war vielleicht, dass man von der Wirkung der Spielstätte selbst weniger mitbekommt als z.B. oben auf den Rängen, da das komplette Sichtfeld ja von der Bühne ausgefüllt wird.

In diesem Fall hieß das nicht nur, ohne Sichthindernis den Musikern auf ihre Flitzefinger zu schauen und sich über James LaBries Designunfall von Hose zu wundern, sondern vor allem viele LED-Videowände, mit denen die Story des mit Pause zwischen den zwei Akten komplett gespielten "Astonishing"-Albums sehr effektvoll illustriert wurde.
Es war von Anfang an klar, dass Dream Theater in Sachen Produktion eine Liga höher als in der Vergangenheit investiert haben, und ich muss festhalten, dass sich dies auch gelohnt hat. Optisch war das alles schon sehr beeindruckend.

Und musikalisch?

Dem Material geschuldet hat man die Band wohl selten so wenig  Frickelrekorde aufstellen sehen, und dennoch war die Performance der Rock-Oper natürlich gespickt mit spielerischen Finessen.
Das Stageacting passte sich wie immer dem Moshpit an, aber dafür waren ja zum Ausgleich viele visuelle Effekte am Start.
Wie erwartet gefiel mir "The Astonishing" in der Liveumsetzung besser als das Album, an meiner Bewertung der Studioversion hat sich jedoch weder im Positiven noch im Negativen etwas geändert. Sowohl die Highlights auch die Längen blieben an ihrer Stelle. Und diese eine blöde Weihnachtsmusikpassage fand ich auch live eher nicht so festlich.

James LaBrie war nicht in absoluter Top- aber in sehr guter Form. Besonders die ganz balladesken Gesänge gelangen ihm an diesen Abend hervorragend.

Störend fand ich nur, dass einige Leadgesänge, die sich Überschneiden, gesampelt wurden. Es muss mit fünf Leuten auf der Bühne doch irgendwie möglich sein, das auch komplett live umzusetzen. Oder man arrangiert das eben mal nicht sklavisch zu hundert Prozent wie im Studio. In der Hinsicht dürfte sich die Band von mir aus ohnehin gerne noch deutlich lockerer machen.

Unterm Strich war das Konzert schon sehr unterhaltsam.
Mit der Weltklasse-Setlist vom Sommer 2014 kann "The Astonishing" natürlich nicht mithalten, aber man sah Dream Theater dafür mal von einer anderen Seite und in einem ungewöhnlichen Rahmen, welcher so sicher nicht wiederkehren wird.

Bildlich festhalten ließ sich dieser Rahmen leider nicht, da ein Heer von Saaldienern mit Adleraugen ein striktes Fotografierverbot durchsetzte. Kann man übertrieben finden... und sollte man auch.

Und hier meine deswegen nicht allzu spektakuläre Fotoauswahl des Abends:







2016-02-12

DREAM THEATER - The Astonishing

"Ambitioniert" ist wohl die zentrale - und geschickteste - Vokabel in der Promotion zum neuen Werk von Dream Theater, einem zweieinhalbstündigen, aus 34 Tracks bestehenden Konzeptalbum der Kategorie Rock-Oper.

Selbst wenn er das Teil überhaupt nicht ausstehen kann, wird doch fast jeder Kritiker zumindest diesem Wort zustimmen und es übernehmen. Denn dass ein Unterfangen ambitioniert ist, sagt ja nur etwas über die Absicht aus, jedoch noch gar nichts über den Erfolg.

Die Absicht der Band war es, ihr eigenes "The Wall" zu schaffen, eine Zielsetzung die mir im Grunde redundant vorkommt, da Dream Theater ja bereits 1999 mit "Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory" ein Konzeptalbum veröffentlicht haben, welches den zum Ende hin doch etwas durchwachsenen Pink Floyd-Klassiker klar in die Tasche steckt.

Wir reden jetzt natürlich, liebe Musikhistorikerpolizei, über meinen ganz persönlichen Geschmack.
"Scenes" gehört für mich in die rare Kategorie der so rundum perfekten Alben, dass ich auf die Frage "Was ist noch besser als das?" die Antwort verweigern würde. Und so viel sei schon gesagt: "The Astonishing" kann diesen Erfolg eindeutig nicht wiederholen.

Das muss es ja auch nicht zwingend. Oder verlangt irgendwer von Queensrÿche ein zweites "Operation Mindcrime"?

Upps.

   

DREAM THEATER - The Astonishing (2016)

Die eingangs genannten Zahlen lassen es bereits erahnen: "The Astonishing" ist zunächst einmal vor allem - und von allem - viel, sehr viel.

Beim ersten Durchlauf fühlte ich mich dadurch folgerichtig ziemlich erschlagen und ich habe mich auf eine ziemlich lange Warmlaufzeit eingestellt, um diese Reizüberflutung in meinem Kopf zu strukturieren. Eine Gesamtspielzeit wie ein mittlerer Tarantino-Film, ein Wust an Tracks und nach einem elektronischen Intro schon in der zweiten Minute die volle Breitseite aus dickster Zukleisterung mit Chören und Orchester, unmittelbar gefolgt von Gitarren- und Keyboard-Soli, Filmmusik, noch mehr Chören, noch mehr Orchester...

Und dann beginnt die Geschichte. James LaBrie singt ganze acht verschiedene Charaktere (und Exposition). Und immer wieder viel Keyboards, viel Chorgesang, viel Streicher, viel Leadgitarren. Hier Samples, da plötzlich eine Brassband, anderswo ein Dudelsack... Viel viel, viel...

Es flutschte dann aber beim lässigen Nebenbeihören doch sehr viel schneller als erwartet, "The Astonishing" zu entknoten.
(Und sollte es für ein Review doch noch zu früh sein und ich mich hier vollständig zum Affen machen, habe ich spätestens nach der Liveaufführung des Albums ja noch Gelegenheit, mich zu korrigieren.)

Zunächst einmal wirken die vierunddreißig Tracks gleich weniger bedrohlich, wenn man erkennt, dass davon eine Handvoll nur elekronische Zwischenspiele sind und es zudem Overtüren gibt, sowie ein paar Stücke, die eher handlungsorientierten Brücken- als eigenständigen Songcharakter haben. Und natürlich gibt es eine ganze Reihe Themen, die songübergreifend immer wieder aufgegriffen und variiert werden.

Also im Grunde alles ganz klassisch nach dem Rockoper-Lehrbuch, wie es auch Neal Morse oder Arjen Lucassen immer wieder gerne benutzen. Werke wie Spock's Beards "Snow" oder der Output von Ayreon sind es dann auch, mit denen sich Dream Theater hier realistischerweise am ehesten messen.

Und ob man sein Konzept dabei in wenigen Longtracks mit unendlich vielen Parts präsentiert oder eben gleich in vielen kurzen Stücken, ist ja letztendlich reine Formsache.


Die musikalische Basis von "The Astonishing" sind die melodischen und nur relativ selten in Frickelorgien ausbrechenden Dream Theater, wie man sie beispielsweise von "Octavarium" kennt. Was das Verhältnis von Gefühl zu Technik angeht, kommt auch "Scenes From A Memory" als Vergleich in Frage.

Und doch ist dies klanglich eine ganz andere Baustelle. John Petrucci hat zwar das komplette Konzept im Alleingang ersonnen und ist mit der Gitarre sehr geschmackvoll präsent, doch die Hauptrollen überlässt er zu großen Teilen anderen.  Die musikalische Bebilderung der Geschichte obliegt vor allem Keyboarder Jordan Rudess und im fast ebenso großen Maße Komponist David Campbell.
Der Kanadier hat nicht nur diverse Filmsoundtracks in seiner Vita stehen, sondern ist vor allem die Luxus-Go-To-Adresse, wenn es darum geht, sich als Pop-, Rock-, Rap-, Countrystar in klassische Klänge aller Art einzuwickeln.

Durch seine Arbeit auf "The 2nd Law" von Muse sind Dream Theater auf ihn gekommen, und tatsächlich ist das Album auch eine ganz gute Referenz für vieles, was er zu "The Astonishing" beigesteuert hat.

Bass und Schlagzeug konzentrieren sich ungewohnt stark auf ihre Kernaufgabe als sicheres Fundament, welches all den Kladderadatsch darüber zusammenhält. Und das ist auch notwendig und richtig so.
Mike Mangini erhält noch einige wohldosierte Angeberspots, in denen er sich an seinem Kit austoben darf, während die Performance von John Myung wesentlich geradliniger und unauffälliger als auf den letzten beiden Alben gerät.

James LaBrie hingegen hat eine tragende Rolle wie niemals zuvor auf einem Dream Theater-Album, da wirklich lange Instrumentalpassagen rar gesät sind und es einfach eine Menge Text aus verschiedenen Perspektiven abzusingen gibt.
Ok, "abzusingen" klingt unangemessen despektierlich. Denn wenn es in einem Punkt wohl kaum Widerspruch geben dürfte, dann darin, dass der Sänger wirklich unglaublich auf den Putz haut.
Ohne dabei ins zu verstellte Schauspielern zu geraten, schafft er es, alle Figuren gut unterscheidbar zu verkörpern. Das Album wird so als Krönung über allem, was sonst darauf geschieht, vor allem zu LaBries Meisterstück.



Nicht ganz so erstaunlich wie der Titel und die Musik ist allerdings die Story, welche auf "The Astonishing" erzählt wird:
Ein dystopisches nordamerikanisches Imperium befindet sich gesellschaftlich in einem nicht weiter erklärten, aber halt so schön an "The Hunger Games" und ähnliche Geschichten erinnernden Spagat zwischen Science Fiction und Mittelalter.
Die einzige erlaubte Musik wird von Maschinen fabriziert. Es gibt allerdings eine Widerstandsbewegung. Und die Wunderwaffe des Anführers dieser Miliz ist sein Bruder, eine Erlösergestalt, die den Menschen die Musik wiederbringt...

Natürlich sind die meisten Rock-Oper-Handlungen eher naiv gestrickt und würden auf ein anderes Medium übertragen eher nicht funktionieren.
Viel wichtiger als die Tragkraft der Handlung an sich ist ihre Umsetzung, und durch deren Qualität funktioniert die Erzählung von "The Astonishing" durchaus.

Allerdings wurden meiner Meinung nach auch einige Chancen vertan, da irgendwie doch alles nur zum Hintergrund für eine ziemlich konventionelle Romeo-und-Julia-Geschichte um Liebe, Macht und Familienbande wird, die keine wirklich großen Überraschungen bereithält.
Mich persönlich hätte eine Handlung, die sich mehr um die gesellschaftlichen Konflikte in ihrer ganzen Hässlichkeit kümmert, besser gefallen. Dadurch, dass das Album ja deutlich die für Konzeptwerke dieser Art typische Neigung zum Musicalhaften hat, ist mir von der angeblichen Dystopie viel zu wenig zu spüren.
Ein interessanter Ansatz wäre gewesen, die Rolle der "noise machines" noch weiter auszubauen. Deren Zwischenspiele dienen sicherlich vor allem dafür, dass sich die Musiker live mal eben die Finger ausschütteln können. Doch was wäre es für eine mutige Möglichkeit gewesen, ihre elektronische Musik auch tatsächlich ins Songwriting zu integrieren! Und die Musik hätte noch unmittelbarer mit der von ihr illustrierten Welt zu tun.

Es gäbe also im Setting durchaus Ansatzpunkte, das Ding auch musikalisch unkonventioneller aufzuziehen. Denn dass Rockopern auch ohne strenge Anlehnung ans Regelbuch hervorragend funktionieren können, ist ja z.B. durch Motorpsychos "Death Defying Unicorn" hinreichend bewiesen.

Doch dies ist im Großen und Ganzen auch nur Kritik auf hohem Niveau.

Es sind letztendlich nur ein paar Passagen, die mir wirklich klar zu kitschig geraten sind, insbesondere diese Weihnachtsglocken in "Begin Again". Örgs. Doch gerade angesichts der Gesamtspielzeit haben solche Momente tatsächlich kaum Gewicht.


Das einzige ernsthaft große Ärgernis ist der Quasi-Titeltrack und Rausschmeißer "Astonishing".
Wenn die fabelhaften Superprogmetaller Dream Theater mir über zwei Stunden lang eine Geschichte erzählen, in der Musik die Welt rettet, dann erwarte ich am Ende auch ein wirklich großes, schillerndes, zauberhaftes, erstaunliches Stück Musik!
Und auch weil am Anfang beider CDs Overtüren stehen, sowie gegen Ende des ersten Teils in "A New Beginning" das schönste und längste Gitarrensolo des Albums gab, würde ein abschließendes, alles überragendes Instrumental auch strukturell Sinn haben.
Aber stattdessen gibt es den einfallslosesten Track von allen; Dream Theater im erprobten langsamen Epochalmodus, mit viel zusätzlichem Tamtam, aber im Zusammenhang doch seltsam substanzlos und ernüchternd.
Da kann man nur hoffen, dass sie sich zumindest für die Liveaufführung noch ein dramatisches Ass im Ärmel aufgespart haben.

Mein Tipp: Besser "gleich" nach Track 33 auf Stopp drücken, dann endet "The Astonishing" zumindest ein wenig befriedigender.


Insgesamt ist  "The Astonishing" dennoch ein wirklich großes, beeindruckendes Werk geworden, welches sich mit jedem Durchlauf zu weiterer Pracht aufbläst.

Wie eingangs verraten kann es sich in seiner Gesamtheit zwar nicht mit der innerdiskographischen Referenz "Scenes From A Memory" messen, doch im oberen Drittel oder Viertel der Dream Theater-Albumgeschichte sollte es sich langfristig durchaus festsetzen können.

[EDIT November 2016: Nach Monaten, in denen mich vor allem die Story und Gesamtlänge vom Hören des Albums abgehalten haben (seit dem Konzert Anfang März nur zwei Durchläufe), muss diese Einordnung wohl weit nach unten korrigiert werden.]


Aber zurück zum Gemecker: Wenn ich schon dabei bin, diesen Text viel negativer erscheinen zu lassen, als ich das Album tatsächlich empfinde, hier zum Schluss noch als sanfte Kritik Stinkefinger in Richtung Roadrunner Records ein paar aktuelle Vinyl-Preise:

Kamasi Washington (3 LPs) : ca. 30 Euro
Iron Maiden (3 LPs) : ca. 30 Euro
The Gentle Storm (3LPs + 2 CDs) : ca. 40 Euro
Dream Theater (4 LPs) : ca. 40  Euro? nein, es sind 94,99 Euro!

Ich bin ja kein Mathematik-Genie, aber irgendwas liegt da doch schief. Das muss ja eine gigantisch geile Karte sein, die der LP-Box beiliegt...

Deswegen: Kaufen unbedingt - aber nur auf CD!
Sonst denkt da noch jemand, diese Preispolitik sei okay.



Anspieltipps: A New Beginning, Moment Of Betrayal, Three Days, The Gift Of Music, The Path That Divides, A Saviour In The Square, Lord Nafaryus


2015-08-10

WACKEN 2015 - Matsch? Egal. Becherskandal!

Yep, ich bin spät dran. Erst hatte ich ein paar Tage lang noch keine Lust, diesen Bericht anzufangen, und dann kam Wackens Rache - eine fiese Sommererkältung, die ich mir eben dort eingefangen habe.



Dabei war das Wetter doch super, so wie fast jedes Jahr am Wochenende rund um den ersten Samstag im August. Ok, es hat kurz vorher ziemlich heftig geregnet, aber das zählt nicht. Bis inklusive Freitag war schließlich noch Juli.

Würde sich das Veranstaltungsdatum nach dem ersten Freitag im August richten, dann hätte die Gesamtsituation wohl schon ganz anders ausgesehen. Doch ich will gar nicht, dass sich da etwas ändert, denn auch wenn Matschzombie-Bilder zur medialen Folklore gehören; bis auf einzelne Schauer ist das Wacken Open Air durchschnittlich eine - zumindest meteorologisch - recht trockene Angelegenheit. 1999, 2002, 2012 und 2015 waren während der gesamten Laufzeit des Festivals die einzigen Jahre, in denen das Pisswetter zu einer ernsthaften Herausforung wurde.
Und abgesehen davon, dass das Vorankommen auf dem matschigen Grund für alle schwierig war, muss ich mal ganz egoistisch feststellen, dass ich mit den wirklich schlimmen Problemen (gesperrte Campingplätze, Ausweichparken in Itzehoe oder sogar Hungriger Wolf usw.) als bei einem Anwohner parkender Heimschläfer zum Glück nichts zu tun hatte.


Mittwoch

Der Weg zur Bandausgabe hat sich selten so lang angefühlt. Was für ein Matsch auf dem Weg über die Campingplätze! Die Wartezeit in der Schlange hielt sich jedoch in Grenzen, so dass noch ein gesundes Zeitfenster zum ersten Programmpunkt auf meiner persönlichen Running Order blieb.



Unmittelbar vorher machten noch die bekloppte holländische Marching-Band Blaas Of Glory in der Nähe der Wackinger Stage Station. Das Lied, mit dem die Gruppe zu ihrem nächsten Auftrittsort abmarschierte, war ganz klar der Theme Song des heutigen Tages: "The Final Countdown"




Danach hieß es dann, sich von der Bühne aus verzaubern zu lassen. Anders kann man ja nicht beschreiben, was passiert, wenn Anneke van Giersbergen den Mund aufmacht. Die Dame könnte auch alleine das Telefonbuch von Amsterdam vorlesen und es wäre ein Ereignis. Einfach wunderschön, charismatisch, zauberhaft.
Statt Namen und Nummern gab es natürlich in erster Linie Musik von The Gentle Storm, bekannterweise live ohne den scheuen Mann hinter dem Vorhang Arjen Lucassen. Ebenfalls nicht dabei war der Keyboarder der Band, weil diesem am Morgen das Auto mit seinem kompletten Equipment gestohlen worden war!
Trotzdem wurde es ein tolles Konzert. Die Mannen und Frauen um Drum-Maschine Ed Warby ließen nichts anbrennen. Auch die Backgroundsängerin wusste die richtigen Akzente zu setzen.
In einem Cover-Block kamen u.a. noch im Original ebenso von Anneke van Giersbergen gesungene Songs von The Gathering und Devin Townsend zum Zuge.

Nur ein bisschen nass war es.

Aber zum Glück fand der Rest unseres Musikprogramms komplett auf den den beiden Bühnen im Zelt statt, welches dieses Jahr erstmals einen kompletten festen Boden hatte, so dass es keine Mudpits vor den Bühnen gab. Allerdings folgten die Bodenplatten durchaus den Unebenheiten des Geländes, für kalte Füße in großen Pfützen war also trotzdem gesorgt.

Und das war wohl auch, wo ich mir meine Erkältung abgeholt habe.



Nachdem wir noch die letzten Stücke des Superhelden-Kasperletheaters der Grailknights mitbekommen hatten, war es Zeit für den Wacken-Klassenclown Nr. 1 Mambo  Kurt.

Im Zelt hatte ich den Mann in beige bisher tatsächlich noch nie gesehen. Ansonsten war es natürlich der gewohnte Heimorgel-Hardcore. Und natürlich durfte im Reigen von Mambos Coverversionen nicht die absolute Hymne des Tages fehlen: "The Final Countdown"
Highlight war diesmal allerdings das letzte Stück, bei dem er einen "Mambo II" an die Heimorgel setzte, während er selbst crowdsurfen ging. Und sein Ersatz war echt mal eine Bühnensau und hat bis ganz zum Schluss super einen hingeorgelt.


Als nächstes spielte eine Kultband der Achtziger, die früher komplett an mir vorbeigegangen war, jedoch genauso klang, wie ich sie mir optimistisch vorgestellt hatte.
Der treibende Postpunkfolkindependetrocksound von New Model Army räumte gut ab und wusste auch mich ohne Einwände zu überzeugen.



Ganz anderes Programm dann direkt im Anschluss auf der anderen Bühne.
Uli Jon Roth hatte ich bisher nur bei seinem ziemlich wirkungslosen Gastauftritt beim Wacken-Konzert von Deep Purple erlebt. Dementsprechend waren meine Erwartungen eher gedämpft. Technisch gut, aber zu generisch, das war meine Prognose, mit der ich allerdings weit daneben liegen sollte!

Tatsächlich dachte ich auch die ersten zwei, drei Lieder lang noch, dass der Sänger klasse ist, mir die Musik an sich gut gefällt, aber dieses hohe Gefiedel vom alten Hippie auch weg könnte... Doch dann kam eine Nummer, in der er richtig aufdrehte und von da an habe ich kapiert, was der gute Mann da macht, und wie er selbst bei Mordstempo aus den höchsten Bünden noch total gefühlvolle Klänge aus seinem Instrument holt. Am Ende war ich von diesem Auftritt komplett überzeugt. Großer Gitarrenrock vom Altmeister!


Nun war es beinahe Mitternacht. Zeit für den finalen... naihrwisstschon.


Zu den unmöglichsten Dingen dieses Wacken Open Airs, die ich mir noch vor wenigen Jahren wohl selbst nicht geglaubt hätte, gehört ganz klar, mittwoch nachts im Zelt ausgerechnet Europe abzufeiern.
Die Band mit diesem einen, vollkommen überspielten Stratosphärenhit, den man als Kind in falschem Englisch mitgesungen hat und der einem zur Zeit der ersten Wackenbesuche vollkommen peinlich gewesen wäre.
Und dann ist da ja auch noch der kleinere Zwillingshit "Rock The Night", welcher auf exakt denselben Akkorden beruht, und den ich, bis er gespielt wurde, erfolgreich verdrängt hatte.
Und Aaaaalter, war das eine Ekstase in der Menge, als dieses Zeug gespielt wurde!

Doch Europe waren ja niemals die Band, für die man sie angesichts ihrer anderthalb Hits halten könnte. Und tatsächlich ist ja auch "The Final Countdown" an sich ein gut arrangierter Song.
Der Grund, warum ich mir Europe überhaupt auf der Running Order markiert hatte, ist das aktuelle Album "War Of Kings", welches einfach mal - ganz ohne wenn und aber - saustark ist.

Alle Daumen hoch für Europe! Ganz großer Rock!


Donnerstag


*brrr*  Zu Wacken eine richtige Jacke anziehen? Was soll man machen...


Abgesehen davon, dass es recht kühl war, hielt sich das Schlechtwetter aber bereits in Grenzen, viel ernsthafter Regen kam da nicht mehr. Reicht ja auch, schon ständig aufpassen zu müssen, dass man sich nicht am Boden festsaugt.


Donnerstags ist ja immer die Gelegenheit, ein paar meiner Lieblingshassthemen auszupacken, doch ich denke zu Skyline und MegaBosch, welche beide gerade spielten, als wir ankamen, habe ich wohl in der Vergangenheit bereits genug gesagt. Ganz davon abgesehen haben wir ja zum Glück auch so gut wie nichts von beiden mitbekommen. Die Wastelandblablubb-Stage haben wir aus Sicherheitsgründen das ganze Festival lang nicht aus der Nähe gesehen.

Auch von U.D.O. mit dem Bundeswehr Musikkorps blieben wir gänzlich unbehelligt.


  
Stattdessen sahen wir uns im Bullhead City Circus noch ein paar Mini-Gigs der am internationalen Metal Battle teilnehmenden Gruppen an.

Den Anfang machten Troldskugge aus Norwegen, deren Pagan-Tralala-Black Metal gut gemacht, aber nicht wirklich mein Ding war. Trotzdem ganz witzig - und der Sänger ist so arschhässlich, dass er einen Sack überm Kopf tragen muss.



Ein ganz anderes Kaliber waren die Walkways aus Israel, welche sehr viel System Of A Down gefrühstückt hatten, jedoch mehr als ein reines Plagiat der Vorbilder waren.
Bühnenbild und Corporate Identity waren auch ziemlich gut durchdacht.
Im Wettbewerb haben sie am den zweiten Platz (von 28 Bands) gemacht, und das sicherlich nicht unbegründet.


Das Trio Libertad O Muerte aus Urugay überzeugte danach mit derbe dreckigem Thrash Metal, der meist gut in die Fresse ging, aber auch mit ein paar gelungenen rhythmischen Elementen der Marke Sepultura aufwarten konnte.


Stortregn aus der Schweiz zelebrierten dann zerstörerisch blastenden Black Metal wie er wohl am meisten Spaß macht.



Eine Band Pause, dann betraten die Teilnehmer aus Großbritannien die Bühne und machten schnell klar, dass die Jury sie wohl weit nach vorne wählen würde.

Der vierte Platz sollte es immerhin werden für Metaprism, die jetzt gar nicht die Musik spielen, welche ich mir kaufen würde, die sich jedoch mit ihrem Frontmännlein/Frontweiblein-Doppelpack ziemlich professionell präsentierten.
Etwas zu notgeil kam mir die Bildregie vor, welche anscheinend extra einen Kameramann abgestellt hatte, nur um das Dekolleté zu filmen, wenn diese die Matte kreisen ließ. Was ziemlich oft vorkam.

Tatsächlich ist mir im Dankeschön-Filmchen auf der Wacken-Homepage aufgefallen, dass dort jeden Menge Livebilder von den Hauptbühnen gezeigt werden, jedoch nur ein einziger Ausschnitt aus dem Zelt - ja, genau dieser Ausschnitt.


Jetzt stehe ich zugegebenermaßen etwas auf dem Schlauch. Habe ich die letzte Metal Battle-Band Arana aus Costa Rica gesehen? Fand ich sie gut? Ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich hatte ich gerade einen Durchhänger. Auf jeden Fall habe ich eine Erinnerungslücke.

Noctiferia hatte ich mir als evtentuell interessant markiert. Waren sie dann aber doch nicht.
Also rüber zum Hauptgelände!


Dort hatte auf der True Metal Stage gerade Rob Zombie sein Coole-Sau-Programm begonnen. Ist schon sehr festivaltaugliches Zeug, gegen das man eigentlich nichts sagen kann.
So richtig mitnehmen konnte er mich allerdings auch erst mit alten White Zombie-Klassiker "Thunder Kiss '65".
Insgesamt hat mir der Mann zu viel Rockstarstimmungsquatsch und Coverversionen eingeschoben. James Brown anzuteasen war ja noch ganz witzig, aber wozu ein halbherziges "Enter Sandman"-Cover anspielen?




Im Anschluss gab es eine ungewöhnlich lange Pause, mussten für den Headliner der "Night To Remember" doch beide Bühnen umgebaut und zusätzliche LED-Leinwande anstelle der großen Werbebanner installiert werden.
Bzw. für die Headliner des Abends, handelte es sich doch um den ersten Auftritt der Power Metal-Legende Savatage seit über zehn Jahren, zusammen mit dem einstigen Ableger - und jetzt in den USA irre erfolgreichem Hauptprojekt der Truppe -  Trans-Siberian Orchestra.


So ganz klar war mir nicht, wie ich mir die Sache mit den zwei Bühnen vorstellen sollte, also bezog ich sicherheitshalber einen Platz ziemlich weit vorne in der Mitte, von dem aus man das Geschehen auf beiden Seiten gut beobachten konnte.

Die Show begann dann alleine auf der Black Stage mit dem Auftritt von Savatage, die als Sänger sowohl den Mountainking höchstselbst, Jon Oliva, als auch Zachary Stevens auffuhren.
Es begann mit Oliva und dem Doppelpack "Gutter Ballett" / "24 Hrs. Ago" und es war gleich klar, wer hier der unangefochtene Zeremonienmeister sein würde. Was für eine großartige, gepeinigte, authentische Stimme!

Nach sieben Stücken inklusive "Edge Of Thornes" und natürlich "Hall Of The Mountain King" ging dann das Licht aus und auf der True Metal Stage begann - zunächst ohne jegliche personelle Überschneidung mit Savatage - das Trans-Siberian Orchestra.

Das Konzept von TSO ist ja, bekannte Gassenhauer aus Klassik, Oper und sogar dem Weihnachtsliedergesangsbuch zu nehmen, und diese mit savatage-ähnlichen Riffs zu verheiraten und diese schon ziemlich kitschige Melange noch mit einer Armee von Lead- und Backgroundsänger(inne)n und sogar Tänzerinnen zu veredeln.

Yep, die Philosophie nutzt sich schnell ab. Anderseits kann ich mir auch schwer vorstellen, mit welcher anderen Art von Musik diese epochale Show vorstellbar gewesen wäre, insbesondere nachdem schließlich tatsächlich beide Bühnen gleichzeitig bespielt wurden und man gar nicht mehr wusste, wo man hinschauen sollte. Die totale Reizüberflutung!



Als Prinzip kristallisierte sich heraus, dass immer beide Bühnen gespiegelt wurden, d.h. es spielten permanent zwei Drummer zusammen, wenn auf einer Bühne ein Solo-Geiger stand, dann auch auf der anderen, fast alle Gesangsparts wurden zu Duetten mit einem Partner auf der anderen Bühne usw... Und wenn unter diesen Sänger dann mal eben eine Hausnummer wie Russell Allan dabei ist - das alleine sagt ja schon etwas aus.

Also auch wenn mein inneres Kitschometer geprüft wurde - das war einfach eine ganz schön epochale, musikhistorische Show!
Die Fernsehaufzeichnung gibt dies übrigens nur unzureichend wieder, da zum einen der Anfang fehlt, und sich dieses Zwei-Bühnen-Ding vielleicht auch gar nicht wirklich auf Konserve einfangen lässt.

Könnte ich nachträglich etwas ändern, dann würde ich am Mittelteil, in dem TSO alleine gespielt haben, kürzen, und dafür der reinen Savatage-Show noch zwei, drei Songs zuschlagen.





Freitag


Endlich normales Festivalwetter!

Den musikalischen Auftakt um eins servierten uns die Inzwischen-auch-schon-Dauergäste Sepultura.
Aber die Konzerte der Brasilianer in Wacken sind ja auch immer super. Diesmal wurde Bandjubiläum gefeiert und dementsprechend beinhaltete das Programm auch ein paar ganz alte Gassenhauer aus der Thrash Metal-Gruft. Kann man machen!




Kvelertak auf der Nachbarbühne interessierte mich dann nicht, doch mit dem melodischen Death Metal von At The Gates ging es danach mit hervorragendem Geboller weiter, ehe das erste der proggigeren Highlights des Tages anstand:

Queensrÿche boten eine hervorragende Mixtur aus technischer Versiertheit und eingängigen Hooks, so wie man es erwarten konnte. Natürlich schafften es auch einige "Operation: Mindcrime"-Hits ins Set, auch wenn die Band das Album ja nicht mehr komplett spielen darf. Sänger Todd La Torre war fantastisch aufgelegt, man brauchte also keine berüchtige Drama Queen am Mikro vermissen...


Nun stand ein böser Clash an: Opeth oder Annihilator?

Wir begannen zunächst einmal mit den kanadischen Thrashern auf der Party Stage. Die Mannen um Jeff Waters, bei denen für ein Lied - eine Stunde vor seinem Auftritt mit Dream Theater - ihr Ex-Drummer Mike Mangini vorbeischaute, machte ihre Sache zwar ordentlich, konnten mich aber bei weitem nicht so packen wie bei ihrem letzten Gastspiel in Wacken.

Nach einer Weile sortierten wir uns vor der True Metal Stage für Dream Theater ein und verfolgten währenddessen noch einen guten Teil der Show von Opeth.
Ich muss schon sagen: Der Trend ihres Headlinergigs auf dem Roadburn Festival hält an: die Schweden gefallen mir live immer besser. Allein diese mahavishnu orchestra-würdigen Schlagzeuggrooves sind der Hammer. Die Balance zwischen Seventies Prog, Folk und Death Metal stimmte und die Laut/leise-Dynamik funktierte diesmal auch wunderbar, da die Soundcrew hier eine der sicherlich besten Leistungen des Wochenendes ablieferte. 1a!



Und nun war es soweit. Der Augenblick, auf den ich in meinen Reviews seit zehn Jahren hingemeckert habe: Dream Theater spielten in Wacken!

Statt eines typischen Festivalprogramms aus Klassikern plus ein paar neuen Stücken feierten die Progmetaller auf ihres Sommertour ihr dreißigjähriges Jubiläum, indem sie in chronologischer Reigenfolge von jedem Album einen Song spielten.
Das waren allerdings ein paar Stücke zu viel für die in Wacken vorgesehene Zeit, so dass die Alben "Awake", "A Change Of Seasons", "Six Degrees Of Inner Turbulence" und "Black Clouds & Silver Linings" hier unberücksichtigt bleiben mussten. Gekürzt wurden vor allem ruhigere Stücke, so dass abgesehen von der Mitsing-Ballade "The Spirit Carries On" ein ziemlich metal/rifflasiges Set übrig blieb.

Die Fans liebten es und feierten die Band zurecht ab, auch wenn die vorangegangene Tour der Stimme James LaBries anscheinend nicht gut getan hatte. Gesanglich war das verglichen mit den letzten Dream Theater-Konzerten, die ich gesehen habe, leider ziemlich schwach.
Natürlich waren das Set und die Dramaturgie letztes Jahr in Hamburg noch besser, aber das damalige Programm mit einer Festivalshow schlagen zu wollen, wäre auch illusorisch.
Nee, das war schon super! Ein bisschen vermisst habe ich allerdings die Comic-Alter-Egos der Band, die diesmal in keinem Filmchen vertreten waren.


Für das Finale des Freitags ging es nun wieder rüber ins Zelt, wo wir noch die letzten Minuten von Armored Saint mitbekamen, die klar machten, dass die Show von John Bush, Joey Vera und co. sicherlich nicht von schlechten Eltern gewesen war.
Aber man kann halt nicht alles haben. Gerade jetzt verzichteten wir ja auch auf die Black Label Society, um an der folgenden Zeremonie teilzunehmen...




"Zeremonie", da die Schweizer Samael das zwanzigjährige Jubiläum ihres Klassiker "Ceremony Of The Opposites" feierten, ein Album, welches ich damals ziemlich geliebt habe - und zugegeben auch das letzte Album der Band, mit dem ich mich beschäftigt habe. Von daher war der Auftritt für mich auf jeden Fall sowohl nostalgisch als auch immer noch aktuell.

Eines der ungewöhnlichsten Merkmale des (Post-)Black Metals von Samael ist, dass der Großteil des Schlagzeugs aus dem Computer kommt, nur hin und wieder akzentuiert durch zusätzliche echte Drums, da der Schlagzeuger (übrigens noch derselbe Herr wie vor zwanzig Jahren) ansonsten die Keyboards bedient. Nein, das entspricht nicht dem traditionellen Metal-Reinheitsgebot, ist tatsächlich aber ziemlich geil.
Einige Songs des komplett gespielten "Ceremony"-Albums wurden auch darüber hinaus ein wenig mehr an den elektronischeren Sound der modernen Samael angepasst, aber das machte das Ganze nur interessanter.

Ungewöhnlich, eigenwillig, auf die Glocke, böse. Sehr gut, Samael!



Es war nun zehn und es standen u.a. mit Nuclear Assault und My Dying Bride durchaus noch interessante Gruppen auf den Brettern, doch wir waren schon lange genug auf den Beinen und machten uns für heute auf den Heimweg.

Bei trockenen Bodenverhältnissen, die einem auch mal erlauben, sich eine Weile hinzulegen, schafft man doch wesentlich mehr Programm.



Samstag


Erkältungsbedingt war unser Wacken-Kommando inzwischen auf zwei Leute (mein Bruder und ich) geschrumpft. Das bedeutete für mich vor allem, dass weniger Leute genervt warten würden, während ich zum ersten Mal seit bestimmt mindestens zehn Jahren das Metal-Markt-Zelt heimsuchen wollte.

Tatsächlich habe ich mich auch nicht durch die komplette Vinylauswahl gearbeitet, sondern nur stichprobenartig in einigen Ecken zugeschlagen. Auch die Bühne mit ihren Krankenschwester-Shows und solierenden Drummern ließ ich links liegen.

Obwohl es der letzte Festivaltag war, gab es noch viele Schätze zu entdecken und die Versuchung, sich diverse Klassiker endlich auch auf Platte zu holen, war groß. Im Sinne meines Budgets (und meiner Schulter, welche die Einkaufstasche schließlich den Rest des Tages trage sollte) blieb ich allerdings standhaft und beließ es insgesamt bei vier LPs:



Ja, bis auf unten rechts eine ziemlich antizyklische Auswahl für dieses Festival - dafür aber sehr geil. ;)


Zu Powerwolf sage ich besser nichts. Wer's mag...

Es ist zu ertragen, wenn man danach mit einem der absoluten Highlights des Festivals belohnt wird:


Amorphis spielten "Tales From A Thousand Lakes".

Yep, noch ein Album, das Geburtstag feierte. Mit genau diesen Stücken hatten wir die Band vor zwanzig Jahren in einem winzigen Liveclub in Itzehoe gesehen, wo sie vor überschaubarem Publikum und erheblich alkoholisch angeheitert eine ziemlich chaotische, aber kultige Show abgeliefert hatten.

Und nun nur wenige Kilometer entfernt, doch auf der Black Stage des größten Metal Open Airs der Welt. Was für ein Gegensatz!
Und die Finnen waren verdammt gut, auch wenn der strahlende Sonnenschein so gar nicht auf Songs wie "Black Winter Day" abgestimmt war. Wie gesagt: Amorphis waren eines der Festivalhighlights!


Danko Jones nahm ich wohlwollend nebenbei auf, doch der nächste Auftritt, dem wir vollständig beiwohnten, fand auf der beschaulichen Bühne des Biergartens statt, wo wir direkt noch gute Sitzplätze in direkter Hörweite zur Action ergatterten.


Steve'n'Seagulls, finnische banjobekloppte Partycoversensation aus diesem Internet spielten Rock- und Metalklassiker auf ihre eigene, ganz unnachahmliche Weise und die Meute war aus dem Häuschen.

Definitiv die Partyband, die man dieses Jahr gesehen haben musste!


Auf der Black Stage war parallel dazu anscheinend auch Party, als unter dem minimal spannenden Titel Rock Meets Classic anscheinend gerade Dee Snider mit schickem "Stop Taking Selfies!"-Shirt seinen größten Hit sang. Hatte ich gar nicht gewusst, dass der auch hier auftauchen würde...


Bloodbath spielten ordentlichen Death Metal, den ich allerdings nicht wirklich beurteilen kann, da wir nur ein Stückchen des Auftritts aus weiter Ferne betrachteten.
Wir wollten nämlich keinen Schlenker durchs Infield machen, da der nächste Hauptprogrammpunkt doch wieder am anderen Ende des Geländes im Zelt stattfinden sollte.



Setz mir die Pistole auf die Brust und frag mich, was der eine beste Auftritt des W:O:A 2015 war - wenn ich mich entscheiden müsste, dann könnte es tatsächlich der Gig von Morgoth gewesen sein.

Ein Indiz dafür ist auf jeden Fall, dass ich nach keiner anderen Show so sehr überrascht war, dass es schon zu Ende war. Viel zu kurz!

Die Könige des deutschen Todesbleis bretterten uns Hits von "Cursed" und "Odium", sowie Stücke des neuen Albums "Ungod" um die Ohren  und es war einfach die ultimative Death Metal-Show".
Viel besser als 2011 auf der Party Stage. Fantastisch!

Apropos Party Stage...




Dort hatte bereits die nächste Death Metal-Abreibung begonnen.

Cannibal Corpse blasteten, staubsaugten und solierten, als gäbe es kein Morgen. Saugeil!
Und besonders komisch, wenn sich zu ihrem Ultrabrutalgebolze die Leinwandbilder der Hauptbühne anschaute, auf denen Sabaton (siehe Powerwolf...) herumposten.

Für den Death Metal war dies auf jeden Fall ein ganz großer Tag.



Doch nun hieß es erstmal Heavy Metal, denn Judas Priest gaben sich auf der True Metal Stage die Ehre.

Was soll man zu Priest schon groß sagen?
Ich bin überhaupt kein Experte für die Band, doch 2011 fand ich sie überzeugend, und diesmal ebenso. Rob Halford an sich ist ja schon eine Metal-Großmacht. Und er war wohl der einzige Sänger mit so viel Geschichte in seiner Stimme wie Jon Oliva an diesem Wochenende.

Vor der Bühne war es zurecht proppevoll, kein Wunder, gönnte sich doch nun auch die Chefetage mal ein Konzert vom Publikum aus. (Zumindest Thomas Jensen sortierte sich direkt neben mir ein.)

Nach vielleicht zwei Dritteln von Judas Priest verzichteten wir allerdings auf die ganz großen Hits und machten uns zum nächsten Death Metal-Sahnestück auf.



Aaaalter! Was hatten die Todesmetaller denn heute alle im Tee?

Wie geil bitte waren Obituary?

Nee, komm, mir fällt nichts mehr ein. Wahnsinn.



Und das war dann mal wieder ein großes, langes, wunderprächtiges Wacken Open Air für uns.


Es gab wieder diverse kleine Verbesserungen hier und da, die Stimmung unter Fans und Crew war bestens und für das Wetter kann ja niemand was.

Das einzige was mich wirklich negativ gestört hat war die Getränkepreiserhöhung über die Verkleinerung der Becher.

Vielleich wäre mir dies alleine gar nicht aufgefallen. An einem Getränkepils wurde mir allerdings ein größerer Becher vom Vorjahr (entsprechend weniger gefüllt) angedreht. Und diesen Becher hat dann natürlich niemand mehr zurückgenommen!

SKANDAL! ICH KOMME NIE WIEDER!!!!elf!!!



Zum Schluss noch meine obligatorischen Bandwünsche für nächstes Jahr. Ich beschränke mich mal auf Gruppen, deren Buchung für Wacken ich tatsächlich für realistisch vorstellbar halte - und Junge ist das ungewohnt hier zum ersten Mal nicht Dream Theater auflisten zu müssen...

Anthrax
Blues Pills

Melvins
Metal Allegiance
Motorpsycho
Sulphur Aeon
The Dillinger Escape Plan
The Winery Dogs
Voivod 

Das würde mir erstmal reichen. Aber dass ich komme, ist ja eh schon gesichert.


(edit: Aus aktuellem Anlass gehören auch Mordred unbedingt auf die Wunschliste!)

2014-10-11

DREAM THEATER - Breaking The Fourth Wall

Was? Nicht einmal ein Jahr nach "Live At Luna Park" schon die nächste Live-Vollbedienung von Dream Theater?

Ja, so ist es. Allerdings muss man natürlich bedenken, dass der Vorgänger natürlich mit enormer Verspätung herausgekommen ist und das nun vorliegende Konzert wieder im normalen Rhythmus (also Album - Tour - Livealbum - nächstes Album) erscheint.

Natürlich stehen wieder mehrere Varianten zur Auswahl, und da mir die Audioaufnahme wichtig ist - ich höre nunmal weitaus häufiger Musik als dass ich sie mir anschaue -, habe ich mich für die Variante BluRay + 3 CDs entschieden.



DREAM THEATER - Breaking The Fourth Wall - Live From The Boston Opera House (BluRay/3CD) (2014)

Im Bericht vom diesjährigen Konzert im Hamburger Stadtpark habe ich geschrieben, dass die Setlist der aktuellen Tour wohl die beste seit den "Scenes From A Memory"-Konzerten war. Da diese sich auf "Breaking The Fourth Wall" wiederfindet, lässt sich diese Aussage auch 1 zu 1 auf die entsprechenden Live-Veröffentlichungen übertragen, was  alleine beim Fan schon zu mittlerem Kaufrausch führen sollte.

Ein Schwerpunkt des Sets sind natürlich die Stücke vom selbstbetitelten aktuellen Studioalbum, die sich allesamt live sehr gut machen und vor keinem Klassiker verstecken müssen. Die größten Überraschungen im ersten Akt (vor der Pause) waren für mich gleich als zweites der sehr verfrickelte und vor allem vom Ex-Drummer geprägte "Black Clouds"-Track "The Shattered Fortress" und einer meiner Favoriten, der "Falling Into Infinity"-Epos "Trial Of Tears" als Herzstück.

Der zweite Akt besteht zum zwanzigjährigen Jubiläum jenes Albums aus der kompletten zweiten Hälfte des Klassikers "Awake" ab "Lie" und inklusive einer fantastischen Version des vor dieser Tour niemals live gespielten Kevin-Moore-Stücks "Space Dye Vest".
Das gesamte "Awake"-Material wirkt sehr frisch, was auch der Neubelebung durch Tastenhexer Jordan Rudess und dem mittlerweile mehr als komplett in der Band angekommenen Trommeltier Mike Mangini zuzuschreiben ist.

Zum Abschluss des regulären Sets ertönt die zwanzigminütige "Illumination Theory" - und wie!
Nun wird nämlich klar, warum der außergewöhnliche Konzertsaal, das altehrwürdige Opernhaus von Boston, für die Aufzeichnung gewählt wurde:
Der Orchestergraben vor der Bühne befindet sich dort nämlich nicht zum Spaß, und auch hinter den Musikern ist noch Platz, einen kompletten Chor unterzubringen. Das klingt jetzt erstmal nicht ganz neu, da ähnliches ja auch schon in Ansätzen auf "Live Scenes From New York" und natürlich auf der "Score"-DVD zu sehen war. Orchester und Chor bestehen hier allerdings nicht aus alten Hasen, sondern komplett aus Schülern des Berklee College of Music, an dem Mike Mangini bis zu seinem Eintritt bei Dream Theater vor wenigen Jahren noch Lehrer war - und an dem drei Schüler eben jene Band einst gründeten. Im Grunde also was Die Ärzte auf "Rock'n'Roll Realschule" gemacht haben, nur auf einem leicht höheren musikalischen Niveau.

Das Resultat sieht nicht nur mächtig aus, sondern kann sich auch mehr als hören lassen. Insbesondere der reine Orchesterteil von  "Illumination Theory" erfährt hier natürlich eine einmalig eindrucksvolle Livedarbietung.
Auch beim Zugabenteil, einem fünfundzwanzigminütigem Schnelldurchlauf durch "Scenes From A Memory" inklusive der Mutter aller Over-The-Top-Progmetal-Instrumentals "The Dance Of Eternity" sind die Gastmusiker voll dabei. Man kann es drehen und wenden wie man möchte - das ist einfach atembraubend geiler Scheiß! Und dass dieses Konzert für alle Anwesenden etwas ganz besonderes gewesen sein muss, lässt sich am Bildschirm auf jeden Fall nachvollziehen.

Und dass das vorletzte Studiowerk "A Dramatic Turn Of Events" nur am Rande und der Albumklassiker schlechthin "Images And Words" überhaupt nicht im Set gewürdigt werden, stört tatsächlich kein bisschen!

Der Sound ist übrigens deutlich besser als auf "Live At Luna Park", was wohl auch damit zu tun haben mag, dass die Location einfach besser für Musik optimiert ist.
Die Kameraführung und Bildregie ist im Vergleich zur letzten BluRay entspannter, d.h. wenn ein Solo gespielt wird, konzentriert sich das Bild auch in erster Linie auf das Spiel des Solisten. Statt Schnittspektakel steht also die Musik im Fokus. Passt.

Extras gibt es kaum, ich vermisse sie angesichts der tadellosen Konzertaufnahme, an der ich nichts zu meckern finden kann, allerdings auch nicht.

Fazit: "Breaking The Fourth Wall" zeigt die Herren LaBriePetrucciRudessMyungMangini in individueller wie kollektiver Höchstform und demonstriert, warum Dream Theater nach wie vor verdient die unangefochtenen Könige des Prog Metal sind. Ein perfektes Livealbum /-video!


Fun fact am Rande: Auf der deutschen Seite eines bekannten Onlineversandhändlers ist zum Zeitpunkt dieser Rezension bei der BluRay nach wie vor ein gewisser Mike Portnoy als Regisseur gelistet.


Anspieltipps: Space Dye Vest, Strange Deja Vu, Illumination Theory, Trial Of Tears, Breaking All Illusions, Enigma Machine

2014-07-13

DREAM THEATER im Stadtpark Hamburg (12.07.2014)

Die Schmerzen sind zum Glück geringer als erwartet, dennoch wurde die eigentlich ja sowieso schon ewig vorhandene Erkenntnis, dass ich mal wieder ein Minimum an Sport treiben sollte, gestern kurz vor dem Konzert von Dream Theater auf der Freilichtbühne im Stadtpark erneut bekräftigt.


Nein, die zwanzig Minuten Fußweg vom Parkplatz bis zur Bühne waren eigentlich nicht das Problem. Als ich allerdings zwanzig Minuten vor Beginn (und der ist im Stadtpark immer pünktlich) auf den letzten Metern zum Veranstaltungsort beim Einstecken eines Flyers bemerkte, dass ich die Tickets im Auto vergessen hatte, da hätte ich mir doch eine nähere Parklücke gewünscht. Bei der Hitze untrainiert und im mäßig geeigneten Schuhwerk den vollen Paniklauf durchziehen, war nicht drin, wenn ich das Konzert noch auf den Beinen erleben wollte, also immer schön auf die Uhr geschaut und die Strecke gut eingeteilt... Am Ende kam der dicke Mann genau zum Intro vor der Bühne an. Und nach dem ersten Song konnte ich dann auch wieder einigermaßen normal atmen.


Dream Theater legten gleich mit ein paar der härteren Nummern der letzten drei Alben los, von denen "The Shattered Fortress" wohl die größte Überraschung darstellte (falls man die Setlist nicht schon im Internet gespickt hat) und "On The Backs Of Angels" schon frühzeitig als Ersatz für "Pull Me Under" fungierte. Der erste ganz große Höhepunkt war für mich, der die Band 1997 kennengelernt hat, der "Falling Into Infinity"-Epos "Trial Of Tears", in dem Jordan Rudess zum ersten Mal sein portables Keyboard in die Hand nahm. Überhaupt legt der Mann mit seinen dreh-, schwenk-, kippbaren Ständern und Kameras viel Wert darauf, sichtbar zu machen, was er tut. Von vielen anderen Keyboardern sieht man ja nur, dass sie hinter ihrem Instrument stehen und irgendwas tun.



Und wo ich schon bei den Einzelmusikern bin: Als nächstes folgte das Instrumentalstück "Enigma Machine" vom aktuellen Album, in welches ein exzellentes, kurzweiliges und auch kompositorisch passendes Drum-Solo eingebaut wurde. Aber Mike Mangini ist natürlich auch ohne Solo eine Show für sich. Im Studio könnte manches von ihm durchaus noch markanter werden, aber live kann ich mir Dream Theater ohne dieses Monstrum hinter der Riesenschießbude kaum noch vorstellen. (Zumal ich ja auch mit Herrn Portnoy in dessen neuen Job bei den Winery Dogs sehr glücklich bin.)

Im folgenden "Breaking All Illusions" erwartete die Zuschauer dann eine der größten Solo-Sternstunden von John Petrucci, der übrigens Geburtstag feierte, laut Sänger James LaBrie seinen zweiundzwanzigsten. Respekt!
Aber ich will und muss gar nicht weiter auf musikalische Einzelleistungen eingehen. Natürlich ist bei dieser Band jeder ständig auf Weltniveau. Die New Yorker Dream Theater sind die deutsche Nationalmannschaft des Progmetal. (Ich schreibe das hier noch vor dem WM-Finale.)


Der erste Teil des Abends war vorüber und Band und Fans hatten erstmal fünfzehn Minuten Pause. Deren zweite Hälfte wurde allerdings auf der Videowand mit reichlich YouTube-Schnipseln verkürzt: ungewöhnliche Dream Theater-Coverversionen, Fans spielen Mike Manginis Audition nach ("Triangle Guy"), Petrucci und LaBrie haben einen Lachflash im Interview usw.
Dazu noch diverse Fake-Werbespots, u.a. für Actionfiguren... Da fällt mir jetzt auf, dass ich überhaupt gar nicht am Merchandise-Stand gewesen bin. Da hat doch irgendwas nicht funktioniert!


Die zweite Konzerthälfte bestand aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums jenes Albums (welches Petrucci also als Zweijähriger eingefiedelt hat) aus der zweiten Hälfte von "Awake". Yep, inklusive dem live vor dieser Tour nie gespielten Kevin-Moore-Song "Space-Dye Vest"! Großartig!

Mit der monumentalen "Illumination Theory", die ich persönlich auch gerne gegen den "Count Of Tusnay" getauscht hätte - aber man kann ja nicht alles haben -, schloss das Set dann wieder mit einer neuen Komposition.






Insgesamt war die Setlist vielleicht die beste seit der "Scenes From A Memory"-Tour im Jahr 2000.
Ein Schnelldurchlauf durch das legendäre Konzeptalbum bildete dann passenderweise auch die Zugabe für das erstklassige Konzert.

Und was kann man sonst noch sagen?
Auch wenn im Stadtpark immer pünktlich um zehn Schluss sein muss und es eine strenge Lautstärkenbegrenzung gibt, ziehe ich Dream Theater bei bestem Sommerwetter draußen jederzeit Dream Theater in seelenloser und eiskalter Mehrzweckhalle im Winter vor.

Außerdem lustig: Dieser eine dauerangespannte Security-Mensch, Fantyp Böhse Onkelz, der anscheinend von der friedlichen Gesamtsitation total überfordert war und auch in den veträumtesten Passagen stets nervös mit einem Bombenanschlag zu rechnen schien. Schon fast eine Show für sich, vergleiche auch Mike Mangini, halt nur ohne spezielle Fähigkeiten.


Ja Mensch, was soll ich als Fazit sagen: gestern Dream Theater at their best, heute Abend voraussichtlich noch Weltmeister - was für ein feines Wochenende!

Und gleich laufe ich nochmal eine Runde, so lange der Muskelkater sowieso noch zwickt.

Es sei denn, mir fällt gleich noch spontan eine doofe Ausrede ein, haha...
Oh, jetzt regnet es. Und ich will mich doch nicht erkälten.







Setlist:
  • The Enemy Inside
  • The Shattered Fortress
  • On The Backs Of Angels
  • The Looking Glass
  • Trial Of Tears
  • Enigma Machine
  • Along For The Ride
  • Breaking All Illusions
  • The Mirror
  • Lie
  • Lifting Shadows Off A Dream
  • Scarred
  • Space-Dye Vest
  • Illumination Theory
  • Overture 1928
  • Strange Déja Vu
  • The Dance Of Eternity
  • Finally Free

2013-12-30

Jahresrückblick Musik 2013

Willkommen zur Fortsetzung meiner letztes Jahr begründeten Blog-Tradition des Jahresrückblicks im üblichen Musikpresse-Format.



ALBUM TOP 15:

  • THE WINERY DOGS - The Winery Dogs
  • VOIVOD - Target Earth
  • JANELLE MONÁE - The Electric Lady
  • THE DILLINGER ESCAPE PLAN - One Of Us Is The Killer
  • AUTOPSY - The Headless Ritual  
  • STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing
  • DAVID BOWIE - The Next Day
  • MOTORPSYCHO - Still Life With Eggplant
  • EXIVIOUS - Liminal 
  • DREAM THEATER - Dream Theater
  • AYREON - The Theory Of Everything
  • SWANS - Not Here / Not Now
  • YOUN SUN NAH - Lento
  • BLACK SABBATH - 13
  • JESU - Every Day I Get Closer To The Light From Which I Came

Auf 10 Stück wollte ich es beim besten Willen nicht mehr runterbrechen. Die Auswahl war so schon knifflig genug und ist im Grunde bis auf die ersten beiden Plätze als Momentaufnahme zu betrachten. Gerade ein paar Livealben (NEAL MORSE, BONGRIPPER) hätten hier eigentlich noch hineingehört. HAKEN wären mit ihrem sensationellen "Mountain"-Album wohl auch vetreten, aber das kaufe ich mir ja erst im neuen Jahr. Und LAIBACH waren mit einer anderen Version ihres "Iron Sky"-Scores ja schon letztes Jahr dabei; ganz davon abgesehen dass der Soundtrack zum Director's Cut auch nur noch einen Tag Zeit hat, um noch 2013 per Post bei mir einzutreffen.


TOP Konzert-BLU RAY:
  • DREAM THEATER - Live At Lunapark


KONZERT TOP 5:
  • THE WINERY DOGS - Knust, Hamburg
  • NEAL MORSE - Markthalle, Hamburg
  • IRON MAIDEN - O2 World, Hamburg
  • THE DILLINGER ESCAPE PLAN - Knust, Hamburg 
  • ANTHRAX - Wacken Open Air
Es überrascht vielleicht das Fehlen von DEPECHE MODE. Irgendwie habe ich die gar nicht so sehr als Konzert, sondern mehr als Event in Erinnerung, was bei großen Sportarenen und Mehrzweckhallen wohl immer die Gefahr ist. Aus diesem Grund spare ich mir schweren Herzens auch die anstehende Tour von DREAM THEATER. Für diesen "Konzertsaal" wieder nach Hannover? Nein.


BESTES KONZERT von DAS ROTE UNIVERSUM:
(Nein, die Auswahl war wieder nicht riesig. Unsere Performance war vielleicht bei den anderen Gigs besser, aber schon durch die Umstände werden wir uns an diese Party wohl am längsten erinnern.)


WIEDERENTDECKUNG 2013:
  • DANZIG
Es gibt ja diese Bands, die man früher live gesehen und ständig gehört hat, aber da man alle Alben nur auf Kassette besaß (heute wäre die Entsprechung wohl "in den Youtube-Favoriten gespeichert" oder so ähnlich), haben sie irgendwann an Bedeutung verloren. So ging es mir mit DANZIG.
In Wacken habe ich Meister Böse nun wiederentdeckt und mir nicht nur endlich die ersten vier Alben auf CD zugelegt, sondern zusätzlich auch noch sein zweites düsterorchestrales Solowerk "Black Aria II" (Nr. 1 kenne ich dank exzessiven Einsatz in Rollenspielrunden in- und auswendig), sowie die sehr lohnenswerte Sammlung "Lost Tracks of Danzig", die inzwischen so rar ist, dass ich drei Monate auf ihre Lieferung warten musste.

Und neben der großartigen Musik gehören bei Danzig natürlich auch grenzwertige Cover und peinliches Posing mit Pornohäschen-Blondinen zum Entertainment-Package dazu.




UND SONST SO 2013?

Dank den tollen La Discotheque Ideale-Boxen eine Menge Jazz-Klassiker kennengelernt.

"FRAKTUS - Der Film" gehört in jede gut sortierte Heimkinosammlung. Dickie Schubert ist der norddeutsche Nigel Tufnel!
 


ENTTÄUSCHUNG 2013:

Zunehmende Special Edition-Abzocke:
Als erstes das Album in normal und als Special Edition mit Bonustracks auf den Markt bringen. Dabei würden die Bonustracks auch locker auf die normale Version mit drauf passen. Außerdem kaufen zunächst einmal sowieso fast alle die Special Edition, was diese eigentlich zur normalen Version macht, während sich die Normalversion nur Leute besorgen, die übersehen haben, dass es auch die Special Edition gibt. Alles klar?
Wie auch immer, wenn der Verkauf läuft, dann bringt man zu Weihnachten noch einmal eine zusätzliche Version mit noch mehr Bonustracks raus. Musikliebhaber finden ja ohnehin nichts geiler, als sich zehn mal dasselbe Album zu kaufen.
Und dann gibt es ja auch noch die Boxen.... Du möchtest das Konzert auf Audio-CD? Ok, aber nur wenn Du die Blu Ray und DVD dazukaufst. Nichts brauche ich mehr, als identischen Inhalt auf DVD und Blu Ray - und fucking Digital Copy natürlich auch noch... Im übrigen ein Problem, dass sich die Musikindustrie mit Film-DVDs und -Blu Rays teilt.

Und über die Unfähigkeit, FSK-Aufkleber vernünftig entfernbar anzubringen und die Immer-noch-nicht-Erfindung der CD-Hülle habe ich mich ja schon oft genug ausgelassen. Obwohl... geholfen hat es bisher noch nicht. ;)



VORFREUDE / HOFFNUNG 2014:

Neue Alben von CYNIC, TRANSATLANTIC, TRIPTYKON und LAIBACH. Von letzteren vielleicht auch endlich die immer wieder verschobene "Revisited"-Scheibe, bevor man sie in "Slovenian Democracy" umbenennen muss. Hoffentlich auch Gelegenheit, diese Bands alle live zu sehen. Bisher sieht es, auch wenn ich dafür weit fahren muss, sehr gut aus, denn es fehlt mir tatsächlich nur noch das Ticket für CYNIC - wenn sie denn auf Tour kommen. Sie teilen sich ja mit EXIVIOUS die Plattenfirma. Das wäre doch die Traumkombination...

TRIPTYKON spielen u.a. zusammen mit CANDLEMASS, NAPALM DEATH und den leibhaftigen MAGMA auf dem Roadburn Festival, auf das ich schon extrem gespannt bin, inkl. mir persönlich noch neuer Künstler wie YOB und LOOP. Und das Festival bringt mich gedanklich natürlich zu VOIVOD. Die dürfen 2014 selbstverständlich gerne die Tour zu "Target Earth" nachholen.