Sometimes German, sometimes English. • The title of this blog used to change from time to time. • Interested in me reviewing your music? Please read this! • I'm also a writer for VeilOfSound.com. • Please like and follow Audiovisual Ohlsen Overkill on Facebook!
Posts mit dem Label Transatlantic werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Transatlantic werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2014-12-20

Jahresrückblick Musik 2014

Was Platten und besuchte Konzerte angeht, war 2014 für mich ein ziemlich fantastisches Jahr, welches kaum Wünsche offen gelassen hat.

Hier sind nun also meine Top-Listen (und anderes Gedöns), und sie sind unfassbar unvollständig. ;)


ALBUM TOP 15:

  • LAIBACH - Spectre
    Nach vielen anderen Veröffentlichungen endlich wieder ein "richtiges" Album der Slowenen. Es ist eingängig, manchmal fast poppig - und nahezu perfekt - auch was den Zeitpunkt seines Erscheinens angeht. Denn Laibach sind hier wieder einmal ganz nah am politischen Puls der Zeit.
    Auch live ist jeder Song ein Knaller. Und James Bond benennt sogar seinen nächsten Film nach dem Album. ;)
     
  • GODFLESH - A World Lit Only By Fire
    Bäm! Es herrscht Krieg! Brüll! Die Welt brennt! In die Fresse! Alles ist zum Kotzen! Der brutalste Scheiß 2014. Und neben Laibach das zweite Album in dieser Liste, welches ganz intensiv den Zeitgeist wiederspiegelt. Zornigster Weltschmerz. "New Dark Ages" erwarten uns. Sowohl das Album als auch die vorher erschienen EP "Decline & Fall" unbedingt mit Japan-Bonustracks!



  •  SWANS - To Be Kind
    Ich war mir eigentlich ziemlich lange sicher, dass dieses Album hier ganz oben landen würde, ist es in seiner Gesamtheit doch das größte, monumentalste, ehrfurchtgebietenste Werk des Jahres. Ein gewaltiger, sicherlich nicht ganz leicht verdaubarer Brocken. Man könnte auch sagen Michael Gira as usual, also phänomenal und intensiv.
    Es ist auch nur knapp abgerutscht; am Ende haben sich Godflesh und Laibach in erster Linie ducrh ihre noch größere Aktualität vorgeschoben.


  • CYNIC - Kindly Bent To Free Us
    Es ist ein Cynic-Album, also Musik für die Ewigkeit. Wie immer anders, wie immer grandios. Diese Melodien kann nur Paul Mausvidal. Und was Sean Malone hier am Bass zaubert ist allein schon den Kauf wert. Und doch geht es hier ganz und gar nicht darum, individuelle instrumentale Fähigkeiten zu bestaunen. Die Songs sind einfach fantastisch.


  • LANA DEL REY - Ultraviolence
    Nein, live würde ich mir die Dame nicht geben. Aber im Studio funktioniert ihr Konzept ausgezeichnet und "Ultraviolence" ist ein in sich vollkommen stimmiges, eigenwilliges Pop-Meisterwerk, welches noch lange relevant bleiben wird.
     
  • YOB - Clearing The Path To Ascend
    Brutal, ranzig, meditativ, ergreifend. Die Doom-Götter um Mike Scheidt fahren in vier langen Tracks wieder alles auf, was sie können. "Marrow" ist die Hymne des Jahres.

  • QUEEN - Live At The Rainbow '74
    Der Doppelschlag (zwei Konzerte) aus dem vielleicht spannendsten Jahr der Bandgeschichte. Für mich das beste Queen-Livealbum aller Zeiten. Und auch die einzige Veröffentlichung aus der aktuellen Resteverwertungsflut der Briten, die man haben muss.
  • BLUES PILLS - Blues Pills
    Hype und Retrotrend hin oder her... Die Blues Pills sind einfach sensationell, allen voran Frontfrau und Energieüberschusswunder Elin Larsson. Ein tolles Debütalbum!
  • BEHEMOTH - The Satanist
    Die absolute Death/Black-Metal-Machtdemonstration aus Polen. Wahnsinn!

  • TRANSATLANTIC - Kaleidoscope
    Wahlweise könnte hier auch das Live-Album/Video "KaLIVEoscope" stehen. Epics, epics... and a few shorter songs again.
  • TRIPTYKON - Melana Chasmata
    Meister Thomas Gabriel Fischer trägt immer noch jede Menge Dämonen und Seelenqual in sich. Was er anfasst, das wird monolithisch dunkel und katharsisch böse. Dabei gibt es - anders als live - auch vieles von der ruhigen und doch sinistren Seite der Band zu hören.
  • MONO - The Last Dawn / Rays Of Darkness
    Zwei Alben in einem. Ein entrückender, instrumentaler Postrock-Höhenrausch aus Japan. Warum habe ich den größten Ohrwurm "Recoil, Ignite" eigentlich im Review nicht als Anspieltipp genannt?

  • THE OATH - The Oath
    So schön und schon vorbei. Wirklich schade, da dieses Debüt der Okkult-Metaller(innen) weit mehr als nur vielversprechend war.Von der Sängerin gibt es ja bald als "Lucifer" (auch irre originell, der Bandname) neues zu hören. Ich werde auf jeden Fall reinhören.

  • KRISTEEN YOUNG - The Knife Shift
    Wer hat die Dame nur so sauer gemacht? Und was kann ihr Keyboard dafür? Wie auch immer, schlechte Alben kann die exzentrische Sängerin anscheinend nicht.


  • SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Earth Air Spirit Water Fire
    Bei "Molasses" werde ich immer an einer der emotional größten Momente meines Konzertgängerlebens denken müssen. Dass das Album an anderer Stelle auch mal ein wenig hängt, ist schon deswegen geschenkt. Selim Lemouchis Vermächtnis.

Bei etwas anderer Tageslaune hätten es u.a. auch noch Autopsy, Body Count, Bongripper, Colosseum, Conan, der Soundtrack zu "Only Lovers Left Alive" und einige mehr in diese Liste schaffen können... alles sehr sehr eng hier.
Und hätte ich noch Singles, EPs und Re-Releases berücksichtigt, wären evtl. auch Avatarium, David Bowie, Magma, White Hills in die Auswahl gekommen...





KONZERT TOP 10:


Nur je ein Konzert vom Roadburn Festival und Wacken Open Air, das ist im Grunde schon absolut unrealistsisch. Ob Triptykon, Bong, Kreator, da hätten noch einige Gruppen Nennung verdient... Aber auch sonst fällt einiges weg, wie z.B. Colosseum auf Platz 11.



TOP Konzert-BLU RAY:


WIEDERENTDECKUNG 2014:

Ganz klar: Die Vinyl-Schallplatte!

Nachdem mein Musik-Nerdtum in den letzten Jahren doch stark zugenommen hat, juckte es mich Kind der CD-Generation schon eine Weile, mich nach unfassbar langer Abstinenz wieder der ritualisiertesten und genussvollsten Form des Musikhörens zuzuwenden, zumal auch immer mehr Künstler exklusive Vinylveröffentlichungen rausbringen. So gab es den Laibach-Soundtrack zum Dictator's Cut von "Iron Sky" ausschließlich als Doppel-LP (+CDs). Das Ding stand also von Anfang des Jahres an im Regal. Später im Jahr folgte dann meine kleine Nachlässigkeit, als mir bei einer Onlinebestellung nicht auffiel, dass es sich bei einem Jarboe-Album nicht um eine CD handelte...

Und so war es Ende August soweit und ich habe mir ein Plattendrehophon zugelegt und mir seitdem eine kleine, aber feine bunte Sammlung aufgebaut. Diese enthält u.a. diverse neue Alben, die ich hier besprochen habe, außerdem Second-Hand-Schätze u.a. vom United Jazz + Rock Ensemble, Herbie Hancock, Kraftwerk und Colosseum II, und noch weitere Neukäufe, u.a. von Amy Winehouse ("Back To Black" natürlich), Julie Christmas, The Devil's Blood, Chelsea Wolfe, Watchtower, Made Out Of Babies... Außerdem ein paar Alben, die ich zwar schon als CD besitze, aber Vinyl ist halt geil: Morbid Angel, Morgoth, Janelle Monae.

Und was habe ich gelernt? Eine gute Vinyl-Pressung ist durch nichts zu schlagen. Man höre sich den z.T. sehr ruhigen Jazz auf "Same Girl" von Youn Sun Nah an und alle Knistervorurteile sind begraben.
Allerdings habe ich auch schnell bemerkt: Die Qualität schwankt durchaus stark, auch was die Verpackung angeht - was ich aus manchen neuen Hüllen schon an Papiergekrümel und Fusseln herausputzen musste, ist nicht mehr feierlich.

Und dann wünschte ich mir noch einen einheitlichen hohen Standard, was die digitale Bonusfrage angeht: Liegt ein Downloadcode bei? Wenn ja, ist dieser noch gültig? Bekomme ich mittelprächtige mp3s oder verlustfreie wav-Dateien? Kann ich mir das Format (wie z.B. bei Bandcamp) aussuchen?
So böseböse amazon auch sein mag: Bei AutoRip weiß ich, dass ich sofort eine digitale Kopie der Musik bekomme. Es sei denn, es ist amazon.co.uk, da müsste ich natürlich Brite sein... aarrgh. Und wenn man sich eine LP z.B. zu Weihnachten wünscht, also bei Kauf vom Wunschzettel, funktioniert die Option natürlich auch nicht...

Das alles nervt schon etwas. Ich habe zwar einen USB-Player, mit dem ich mir ganz anständige Kopien erstellen kann (denn so geil Vinyl auch ist, am meisten Musik höre ich nunmal gezwungenermaßen nach wie vor am PC und unterwegs), doch so gut wie Originale klingen diese Versionen dann doch nicht.
Die optimale Lösung ist eigentlich, wie z.B. bei der letzten EP von Haken, einfach eine CD beizulegen. Die Kosten für den Tonträger machen den Braten nicht fett - und ich kann die Mucke auch noch im nicht mit USB ausgestatteten Firmenwagen hören.

Aber am schönsten ist es natürlich, die Nadel auf die schwarze (oder oft ja auch schick bunte und/oder transparente) Scheibe zu setzen und direkt den warmen, vollen, organischen Klang aus der magischen Rille zu genießen.

Und was natürlich auch erwähnt werden muss: Ein geiles Cover sieht in groß natürlich noch geiler aus. So eine LP ist einfach der rundum schönste Tonträger.
 


BESTES KONZERT von DAS ROTE UNIVERSUM:
  • Mangels Auswahl fällt die Entscheidung mal wieder leicht: Im April in Windbergen haben wir neben unserem regulären Set noch eine kleine spezielle Unplugged-Show mit Covern u.a. von Voivod, Thought Industry, Slayer und Autopsy gespielt.
Ohnehin habe ich dieses Jahr wohl mehr entstöpselt als verstärkt gespielt. So haben Die FIFA Ultras - leider etwas spät - mit "Weltmeister sein" eine wunderbare Fußball-Hymne geschrieben:


Und dann war da ja noch das Familienkonzert mit Geschwistern und Schwägerin auf der Eisernen Hochzeit meiner Großeltern mit Hits u.a. von Abba, Trio, Emiliana Torrini, Freddy Quinn und der unvermeindlichen Helene Fischer. Man kann seinen Horizont doch immer noch in alle Richtungen erweitern.



ENTTÄUSCHUNG 2014:

Cynic und Voivod haben es leider nicht nach Europa geschafft.

Und ich Knauserer habe es nicht nach Hamburg zu Tori Amos geschafft! Dabei hätte ich zwei Tage vorher noch einen guten Platz bekommen können. Natürlich auch für gutes Geld... aber die Setlist war eine der besten der Tour inkl. "Total Eclipse Of The Heart"-Cover... hrmpf.

Die "Covenant"-Tour von Morbid Angel musste ich leider wegen Erkrankung sausen lassen.

Und alle Jahre wieder: Ob "Slovenian Democracy" "Laibach Revisited" noch jemals erscheinen wird? ;)


VORFREUDE 2015:

Welche neuen Alben erscheinen, habe ich noch gar nicht so auf dem Plan.

Konzertmäßig ist auch noch nicht vieles fest geplant, Laibach und Neal Morse sind aber schon ziemlich wahrscheinlich. Roadburn und Wacken stehen auch fest, d.h. ich kann mich schon auf einige Highlights der beiden Festivals freuen, vor allem aber auf die Fields Of The Nephilim, die ich noch nie live gesehen habe und nun gleich zwei Mal erleben darf!


 

2014-11-02

TRANSATLANTIC - KaLIVEoscope

Das ist doch mal eine nette Sendungsankündigung:


Klar, zu einem neuen Livedokument von Transatlantic kann ich unmöglich nein sagen. Tatsächlich höre ich mir ja z.B. "The Whirlwind" fast nur noch in der Liveversion an.

Und weil die Deluxe Version neben der Blu-Ray (bzw. den DVDs) mit dem diesjährigen Konzert in Köln auch drei CDs mit Aufnahmen aus Tilburg, wo ich ja persönlich zugegen war, enthält, gab es bezüglich der Variante, die es sein sollte, auch keinen Zweifel.


TRANSATLANTIC - KaLIVEoscope (2DVD/3CD/Blu-Ray Deluxe Edition) (2014)

Will ich jetzt wirklich anfangen, "KaLIVEoscope" mit allen vorigen Livealben und -videos von Transatlantic ("Live In America", "Live In Europe", "Whirld Tour 2010" und "More Never Is Enough") zu vergleichen?

Das kann man natürlich machen. Hier ist der Sound ein bisschen besser/schlechter als dort, anderswo die Kameraführung und Bildregie. Hier ist Neal Morses Stimme schon ziemlich angegriffen, da verhaspelt er sich mit Roine Stolt etwas im Gitarrenduett... alles Kleinigkeiten, Kritik auf höchstem Niveau, alles Banane.

Hier spielen die Prog-Götter Transatlantic. Das sollte allein schon Kaufanreiz genug sein, auch wenn man vielleicht mit dem aktuellen Album "Kaleidoscope" nicht so warm geworden ist. Live legen gerade Songs wie "Shine" und "Black As The Sky" noch einmal ordentlich zu.

Das Package bietet wie gesagt zwei (oder auch zweieinhalb) verschiedene Konzerte.

Die drei CDs wurden aus den beiden Abenden in Tilburg zusammengestellt, wobei ich einige Lieder eindeutig anhand von Mike Portnoys Ansagen dem von mir besuchten Abend zuordnen konnte, bei anderen jedoch diesbezüglich ahnungslos bin. Das Yes-Cover "And You And I", welches live schon nicht so meines war, wurde ausgespart, dafür sind neben "Nights In White Satin" von The Moody Blues auch die zwei am Vorabend gespielten Stücke "Sylvia" und "Hocus Pocus" von Focus  vertreten, bei denen Originalkeyboarder/-flötist Thijs van Leer mit auf der Bühne stand.
An dieser Stelle vorfreue ich mich auch schon mal, dass die 1969 gegründete Progband nächstes Jahr beim Roadburn Festival auftreten wird...

Auf der Blu-Ray bzw. den DVDs ist das Konzert in Köln zu sehen, welches von der Länge her der Standard der Tour ist. Die drei Coverversionen sind jedoch als Bonus enthalten.
Dazu gibt es neben einem Bandinterview und einem wahnwitzigen Beatles-Song-Schnellerkennungswettstreit zwischen Morse und Portnoy die obligatorische Tourdokumentation, welche sich in drei Akte aufteilt (Nord- und Südamerika, die Progressive Nation At Sea-Kreuzfahrt und Europa) und ganz kurzweilig geraten ist.

Ein schön aufgemachtes Package mit jeder Menge Inhalt und Epics, epics, epics also - wie man es von Transatlantic erwartet. Einwandfrei! Meine volle Empfehlung!


(Für weitere Details zum Set, wie sich der kurzfristig eingesprungene fünfte Mann Ted Leonard schlägt usw. verweise ich hier nochmals auf mein englisches Konzertreview!)



Anspieltipps: Into The Blue, Hocus Pocus, Nights In White Satin, Kaleidoscope, Medley: All Of The Above / Stranger In Your Soul, We All Nee Some Light

2014-03-16

LAIBACH and TRANSATLANTIC in Amsterdam and Tilburg (13.+14.03.2014)

The absolute sum of people who would drive five hours+ from Northern Germany to the Netherlands to see a concert of the mechanical industrial-rooted but nowadays mostly electronic slovenian retrogarde legends Laibach on one day and a show of the retro-progressive rock supergroup Transatlantic one night later might very well be 1 - that would be me.

So what a great opportunity to write a double review that will most likely piss every reader off at some point. Add to that a bit of boring tourist and photography ramblings and who the hell would still read that? Haha, I'm in for it!

As the tradition of my entries about the Roadburn Festival 2012 and Laibach in Kopenhagen (both events where I had to interact in english for most of the time) dictates, I'm writing this one in english instead of german too. (The click-hungry slut in me also notes that the amount of pissed-off readers will be significantly higher this way.)

As an explanation for the strange quality of the photographs which accompany this text you're welcome to take a look aut my tumblr "The Year of the Hedgehog" where I document my one-picture-for-365-days-challenge with the Harinezumi 3.0, a deliberately trashy digital low-fi camera.


Originally I was bummed when Transatlantic released their tour dates, because they wouldn't come to Hamburg this time. Then I decided I'd spent a few days in Berlin and see them there. I had already bought my ticket and booked a hotel, when it was announced that Laibach would be in Amsterdam one day before TA played in Tilburg. Now that was too tempting, so I resold the ticket and changed my plans. Anyone who is familiar with past live DVDs knows that watching Transatlantic in Tilburg on the second to last date of their tour would be a special experience - and I also definitely had to go to Laibach this year, no matter where. At that time I didn't know that they would also come to Hamburg again after a long hiatus. So I'm happy to see the Slovenes two times on this tour.


The drive to Amsterdam went smoothly, except for a half-hour detour caused by my navigation system reacting too slow at a motorway junction.

And then of course the last few hundred meters in Amsterdam... I'm used to the rural traffic of sparsely populated Northern Germany and my hotel was in the middle of a one-way-street labyrinth of narrow canal streets overflooded with cyclist and pedestrians from all directions at the same time. So that was almost some kind of culture shock.

It was only after I finally reached my hotel with reserved parking, checked in and went out with some film cameras for sightseeing that I realized that I was indeed right in the centre of the city's redlight district.

I recommend every fellow hobby photographer to really check your frame there before shooting, if you don't want to be unintentionally disrespectful to the virtually naked sex workers popping up behind every second window. That's at least what my conscience - and also a lot of signs on those glass doors - tell me.
At first this whole thing felt a little awkward, but taking a look at the whole acceptance of the situation, I sense a lot more dignity in De Wallen than on the Reeperbahn in Hamburg. Yet I'm no milieu expert, so what do I know...

view from my hotel room

typical tourist picture

hot

hot dogs

The flag of Amsterdam contains three Laibach crosses!

Laibach played in the Melkweg, a cultural centre with several concert rooms, a bistro and even an art gallery, a really nice venue with room for a few hundred people.

The band's live line up was the same one that's been touring for a few years now, with all electronic sounds, apart from the organic drums. The centre of the stage is equally shared by the band's iconic deep voice phenomenon Milan Fras and his counterpart Mina Špiler.

My general praise for the abilities of each member and the performance as a whole basically remains the same as on the last tour in Kopenhagen, so it would be tiring for me to repeat myself all over again in such detail.

Yet some things have obviously changed. With the strong new album "Spectre" just released the first half of the show was fully dedicated to it. The whole album (except for the bonus tracks) was played, yet in a different order, so I won't guarantee the correctness of the setlist below. And just like the album the show obviously offered a catching overall vibe and many great big and small moments. Be it the fateful beginning with the clear statement that "Europe is falling apart", the mighty Ommm ending of "Resistance Is Futile", "Eat Liver!", where Mina took full control of the stage, or the haunting beauty of "Koran". I can't help it, I was awestruck the whole time again!

After an intermission the themes of the last tours were reprised, starting with the renewed classics "Brat Moj" and "Ti, Ki Izzivaš" from the still unreleased "Laibach revisited" album - or should it be renamed "Slovenian Democracy"? It's already been a few years now since the original release date. At least those treasures are available in live versions on the fabulous "Monumental Retro-Avant-Garde".

Then followed the two greatest hits of the "Iron Sky" soundtrack and the upbeat double of "Leben-Tod" and "Warme Lederhaut", before the show closed with several cover versions of the last few years. Especially Bob Dylan's "Ballad Of A Thin Man" has become a favorite of mine. The show closed a bit too predictable with "Tanz mit Laibach", but at least they surprised me a little by not playing "Geburt einer Nation" or "Leben heißt Leben", which are obviously great classics - but we've heard them so often, they can need this break.
Oh, and I almost forgot the perfect ending with another song of "WAT", "Das Spiel ist aus".

One new feature for this band which isn't really known as talkative on stage was that they actively communicated with the audience between the songs - or well, they sort of did... it was really hilarious, but I won't tell more about it, because I don't want to spoil the laugh for those who are still to visit the tour.

All in all this was a great show from beginning to end again.
You just can't beat Laibach at their unique game.

I'll definitely see them again in Hamburg!

Setlist:
  • Eurovision
  • Walk With Me
  • Americana
  • We Are Millions And Millions Are One
  • Eat Liver!
  • Bossanova
  • Koran
  • The Whistleblowers
  • No History
  • Resistance Is Futile
  • Brat Moj
  • Ti, Ki Izzivaš
  • B Mashina
  • Under The Iron Sky
  • Leben-Tod
  • Warme Lederhaut
  • Ballad Of A Thin Man
  • See That My Grave Is Kept Clean
  • Love On The Beat
  • Tanz Mit Laibach
  • Das Spiel Ist Aus

art gallery in the Melkweg

Mina + megaphone

The Whistleblowers

propaganda for the membership in Laibach's Spectre party
I'm member 494 by the way.


Too excited to just go to sleep I wandered around in the city for a quite a while, but I'll spare you all the dirty details of my escapades. They were probably much more boring than your imagination - or a lot more spectacular, I'll leave that to you. ;)

The point is I didn't sleep very long. And of course I had to get up early and do a long walk to the harbour and some other places I hadn't seen the day or night before. So when I drove down to Tilburg for the second stop of my concert trip, I was already really tired and clumsy at just walking. And I had to walk quite a distance to get from my free parking spot to the cafe in which I had rented a guest room...




more sightseeing in Amsterdam

I guess I should visit the city again with a little more time someday...

Now I wonder what roller porn looks like.

Fine weather in Tilburg.

Beware of monsters...

...and of cute cats!
The initial plan was to get to the 013 very early to get a place in the front just like the day before, but I really needed a break - and the admittance started earlier than I had expected, so the place was already packed to the roof when I arrived. Maybe I should thank my host for giving me the shock of my life by suddenly drilling holes in the wall right at the head end of my bed. Boy, I was shaking!
But at least it was ensured that I got up in time and didn't miss the beginning of a show that was going to be the epitome of epic.

Transatlantic started out with "Into The Blue", the twentyfive minute opener of the recent album "Kaleidoscope". As I had expected from my trip to the Roadburn Festival in 2012 and various DVDs the sound in the venue was clear and almost flawless.
And the uplifting joy of Neal Morse, Roine Stolt, Pete Trewavas and Mike Portnoy, while they're playing this masterful music is just an incredible delight to behold. Especially the drummer seems to have the time of his life on this tour. I mean I've already seen that on the concerts of Neal Morse and the fabulous Winery Dogs in Hamburg last year, but in those constellations he has another role on stage, so he doesn't get too crazy with his show drumming, but with Transatlantic the slogan is "more is never enough" anyway, so he just goes full "drummer at the wrong gig" (yet of course he's absolutely at the right gig), with a huge arsenal of tricks, show elements and audience interactions from silly to uncredible - all while playing drums like Mike Portnoy. That man is just a blast of entertainment!

On the other side of the stage Neal Morse tradionally delivered the highest emotional commitment to the mix, but all five musicians were just giving their all.
Speaking of the guest singer and guitar/keyboard/percussion player: as Daniel Gildenlöw had to cancel his appearance on the tour due to an evil flesh eating bacteria (I don't even want to imagine that shit... good that he is on his way to recovery) they had to find a replacement on short notice.
They found Spock's Beard singer Ted Leonard, who did a fantastic job stepping in those not tiny footsteps. When he sung the vocal passage that Daniel did on the studio version of "Into The Blue" he so stunningly nailed it, that every possible doubt anyone could have had was blown away right from the beginning.

After the opener Mike warned us that there would be no break, so for everyone who hadn't peed yet the night would really become a test of stamina. Then followed the next epic, a classic from the debut album, not played on tour for over a dozen years: "My New World".

In the rest of the main set the whole "Kaleidoscope" album was performed, including a little snippet of Metallica's "Ride The Lightning" in the title song section of the same name.
To point out every highlight would be impossible, yet the purest moment was when Neal began to sing "Beyond The Sun" all on his own without any instrumental backing.

"The Whirlwind" was shortened drastically and played as medley, which surely was still over half an hour long and had most of the finest parts of the song it. "Rose Colored Glasses" couldn't be left out and the incredible escalation of "Is It Really Happening?" left the fans with open jaws again.

When Morse and Stolt began a guitar duet, everybody knew that it was time for the hymn which can't be left out at any Transatlantic concert, "We All Need Some Light". Portnoy, who lost the stamina contest, used the song for his own pee break while on the musically relevant side of things Ted Leonard delivered a lead vocal verse in the song.

The main set ended with the powerful rock of "Black As The Sky" - and then things started to get crazy, when Mike Portnoy explained that they very well knew the drill, that the prog-crazy audience wouldn't leave after the encore anyway, so they would start with the second encore, a song only played on this night, such making the evening the longest of the tour (and in the end with almost three and a half hours the longest in the history of the band).

Even though at the end the keyboards didn't fully work and Neal's effect computer had to be rebooted, the audience singing along the grand "I love you" in the chorus of the The Moody Blues cover "Nights In White Satin" was really a goose bumbs experience.
I was exhausted to my bones from the whole day and short night beforehand at that point, so I had a little attention break then, as I must admit the heretical truth, that I don't give much about Yes. So instead of "And You And I" I would honestly have prefered another original song. But never mind, that's just a thin hair in the soup.

The last epic of this long evening was a medley of the first half of "All Of The Above" and the grand finale of the "epic to end all epics" as Neal Morse once declared, "Stranger In Your Soul".

What can I say about this show? Prog history - a night noone who attended it will forget soon, or ever.

Thank you, Neal! Thank you Roine! Thank you, Pete! Thank you Ted! Thank you, Mike!

That you couldn't stop by in Hamburg this time - it's fully forgiven!

Setlist:
  • Into The Blue
  • My New World
  • Shine
  • The Whirlwind Medley
    incl. parts of Overture
    Rose Colored Glasses
    Evermore
    Is This Really Happening?

    and Dancing With Eternal Glory
  • Beyond The Sun
  • Kaleidoscope
  • Guitar Duet / We All Need Some Light
  • Black As The Sky
  • Nights In White Satin
  • And You And I
  • All Of The Above / Stranger In Your Soul Medley

an already packed 013 when I arrived

NealRoineTedPeteMike

We All Need Some Light Now!




After a small fast food snack I stumbled to my hotel room, closed the door, took my clothes and glasses off and fell right diagonal on the bed. Next thing was me awakening three hours later in the middle of the night with the light still on. And I'm normally not good at all at sleeping from one moment to the other.

The next morning was mainly me getting up late (at least for my traveling standards), having a nice breakfast and abandoning all touristing / photographing plans I might have had.

The drive home was for the most part very relaxed and inspired. And whoever read this thing all to the end deserves a medal. You're my hero!

yeah, nice idea, those one-way slippers...

walking down these steps with your luggage on your right side - not advisable

See you again for Roadburn in a few weeks, Tilburg!

2014-01-31

TRANSATLANTIC - Kaleidoscope

Da sind sie endlich wieder, die Herren Stolt, Morse, Portnoy und Trewavas! Trotz zahlreicher Verpflichtungen wie u.a. Marillion, The Flower Kings und The Winery Dogs gibt es über vier Jahre nach "The Whirlwind" ein neues Studioalbum der Supergroup Transatlantic:



TRANSATLANTIC - Kaleidoscope (2CD + 2DVD Artbook) (2014)

Zu haben ist das Album in diversen CD- und/oder LP-Versionen und Bundles, wie viele genau, weiß wohl nur der Prog-Gott allein. Und vielleicht noch Inside Out Music. Da ich dieses Jahr schon ganz nach Tilburg fahren werde, um die Herren live zu sehen, hätte ich's albern gefunden, mich beim Tonträger lumpen zu lassen und habe mich für die luxeriöse Artbook-Variante im Beinahe-LP-Format entschieden.

Das Cover, welches das Transatlantic-Luftschiff durch das titelgebende Kaleidoskop betrachtet zeigt, kommt sehr schön als eines dieser räumlichen, je nach Blickwinkel anders erscheinenden Wackelbilder daher. Das Buch enthält Songtexte, Liner-Note-Interviews mit allen Bandmitgliedern und natürlich Promobilder, sowie Fotos aus dem Studio und vom Videodreh zur Single "Shine".
Alles sehr schön gemacht und in sich noch stimmiger als beim vergleichbaren Artbook von Dream Theaters "Live at Lunapark".

Aber nun zum wichtigsten: Es sind vier Discs enthalten.

CD 1 enthält das wieder einmal rund 75 Minuten lange Album. Nachdem "The Whirlwind" ja nominell nur einen einzigen Song erhielt (welchen ich allerdings nach wie vor eher als Konzeptalbum aus vielen Stücken empfinde), hat sich die Band diesmal formal wieder an ihren beiden ersten Werken "SMPTe" und "Bridge Across Forever" orientiert. Drei kürzere Stücke stecken im Sandwich zwischen zwei Epics. Wenn man unbedingt einen Vergleich mit früheren Stücken habe wollte, entspräche das neue Album in etwa folgender Playlist: "Duel With The Devil", "We All Need Some Light", "Mystery Train", "Bridge Across Forever", "Stranger in your Soul".

Zumindestens bei den drei mittleren Songs taugt dieser Vergleich auch als musikalische Referenz: "Shine" ist die hymnische Singalong-Ballade, "Black As The Sky" der knackigere Rocksong und "Beyond The Sun" das entrückte Pianostück, alle drei für sich genommen zwar stark, aber kaum repräsentativ für das Album als Ganzes, jedoch ein willkommener Gegenpol zu den mammutösen Epen "Into the Blue" und dem Titelsong mit Spielzeiten von 25 und 32 Minuten.

Ein Konzeptalbum ist "Kaleidoscope" nicht, aber ähnlich wie bei "Bridge Across Forever" gibt es ein paar Motive, die sich von einem Song in einen anderen hinüberschleichen.

Das gesamte Album bietet genau das, was man von Transatlantic erwartet, also eine stilistische Mixtur der Stamm- und Ex-Bands und Solowerke der vier Mitglieder mit ausgeprägtem Hauptaugenmerk auf die ihnen allen gemeinsamen Einflüsse der Marke The Beatles, Yes, Genesis, King Crimson, Pink Floyd und noch ein paar Mal The Beatles. Alles vom allerfeinsten, mit tollem Gesang und großen Melodien, liebevollen Details und Wendungen. Zwei besonders schöne Momente (unter vielen anderen) sind für mich die von Pete Trewavas gesungende Passage "Walking The Road" in "Kaleidoscope" und der Gastgesang vom 5. (Tour-)Mitglied Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation).



CD 2 zeugt davon, dass mal wieder ein Tag im Studio übrig war und bietet acht Coverversionen, u.a. von Elton John, Yes, Procul Harum und The Moody Blues, von denen die meisten im Vergleich zu Transatlantics eigenem Material wohl einen ziemlichen Spaziergang darstellen. Soweit ich das beurteilen kann sehr nah an den Originalen gespielt, sind die Tracks dieser Bonus-CD musikhistorisch sicherlich bedeutungslos, aber dennoch natürlich tadelloses Handwerk und eine nette Beigabe.


Auf DVD 1 gibt es das Album noch einmal im 5.1-Surround-Mix und auf DVD 2 das so eher mittelprächtige Video zu "Shine", sowie ein ausführlich Making of, bei dem man wieder einmal im Heimstudio von Neal Morse zu Gast sein und den Meistern bei der Arbeit zuschauen darf.


Fazit: Auch wenn ich es in einer Rangliste noch nicht einordnen könnte, bewegt sich "Kaleidoscope" zweifellos mindestens auf dem Niveau seiner drei Vorgängeralben. Transatlantic haben also erneut ein zeitloses Meisterwerk geschaffen, welches sich mit Sicherheit in 11 Monaten in meinen Top-Alben des Jahres wiederfinden wird.

Und neben der tollen Musik zeigt das Label Inside Out mit dieser Limited Artbook Edition einmal mehr, dass es noch viel mehr im Leben gibt, als sich mp3s runterzuladen.


Anspieltipps: Kaleidoscope, Into The Blue, Black As The Sky, Nights In White Satin

2013-02-26

NEAL MORSE und THE FLOWER KINGS live in der Markthalle, Hamburg (25.02.2013)

Die Tatsache, dass ich mich gerade in der Abschiedsphase vom alten Auto befinde und der Tankfüllstand noch relativ viel hergibt, hat sicherlich bei der Entscheidung geholfen, mir noch kurzfristig ein Ticket für die gestrige Retroprogvollbedienung in der Hamburger Markthalle zu besorgen. So gesehen möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei der alten Rostlaube bedanken!

Das Konzert begann früh. Bereits um halb acht starteten die Flower Kings ihr 90minütiges Set. Auch wenn sich meine Songkenntnis auf den immerhin schon einen großen Happen der Spielzeit einnehmenden Klassiker "The Truth Will Set You Free" beschränkte, wusste mich die komplette Show der schwedischen Frickelhippies um  Roine Stolt doch sehr gut zu unterhalten.
Insbesondere mochte ich an der Band ja schon immer die sehr eigenen, jazzig beschwingten und oftmals knapp am vermeintlichen Chaos vorbeischrammenden Schlagzeugarrangements, die vom deutschen Drummer Felix Lehrmann auch einwandfrei umgesetzt wurden. Bei einer Referenzliste, die neben Yvonne Catterfield, Jeanette Biedermann, Michelle Hunziker (die singt?) und diversen Castingshowgewinnern wie z.B. Tobias Regner oder Lena Meyer-Landruth sogar den Schlagerbarden Bernhard Brink einschließt, hätte ich jetzt nicht zwingend mit den Flower Kings gerechnet...


Weiter ging es mit Neal Morse, der mal wieder eine vorzügliche Band mit sich führte, die sowohl in symphonischen und gefühlvollen Teilen, als auch gesanglich und bei total fiesekrankem Gehexe wie "Thoughts, Part 5" oder "Author of Confusion" keine Wünsche offen ließ. Professioneller, aber gleichzeitig spielfreudiger und unterhaltsamer kann man Progrock gar nicht darbieten!
Man kann von seiner aus Ottonormalatheistensicht befremdlichen Religiosität vielleicht irritiert sein, aber an diesem Abend war vom Prediger eigentlich nichts zu spüren, und in erster Linie ist Neal Morse einfach ein erstklassiker Musiker, Komponist und Entertainer, der seine Musik lebt und dabei unglaublich viel Energie und gute Laune versprüht. Besonders witzig der Teil in der "Question Mark Suite", in dem er ins Publikum gestiegen ist und einzelne Fans beim Singen mit Umarmungen überfallen hat.

Zwei Bandmitglieder (Gitarre + Gesang, sowie Gitarre, Gesang + Keyboards) waren übrigens erstaunlicherweise per YouTube gecastet worden, während hinten bewährtes Stammpersonal inklusive Randy George und Mike Portnoy für Sicherheit sorgte. Der ehemalige Dream Theater- und nun Zwanzig-Projekte-parallel-Drummer gefällt mir übrigens im Zusammenspiel mit Morse stilistisch vielleicht am besten. Die Sachen, die er auf dessen Soloscheiben und bei Transatlantic trommelt, sind einfach stets sehr geschmackvoll.
Überhaupt scheint das aktuelle NM-Album "Momentum" ja tatsächlich ein ausgesprochen gelungenes Werk zu sein, bei dem der Macher aus seiner ja doch immer vorhandenen Songwritingformel sehr viel herausgeholt hat. Zumindest das dazugehörige Live-Album muss ich nach diesem Konzert unbedingt haben!


Aber wo ich gerade Transatlantic erwähnt habe: mit Neal Morse, Mike Portnoy und Roine Stolt waren doch drei Viertel der Prog-Supergroup, die zuletzt im Mai 2010 hier gastiert hatte, anwesend.
Wäre es da nicht naheliegend... natürlich!

Nach anderthalb Stunden Neal Morse gab es tatsächlich am Ende noch einen halbstündigen Transatlantic-Jam als Zugabe, bei dem zunächst nur zwei Leute auf der Bühne standen ("Bridge Across Forever"), ehe für ein Medley aus Stücken aller drei Studioalben zunächst Mike Portnoy und der Bassist der Flower Kings, später dann aber (fast) alle Musiker des Abends dazukamen, bis beim großen "Stranger In Your Soul"-Finale, tatsäch Bass und Bass Pedals, sowie drei Leadgitarren den epischen Höhepunkt und Endpunkt eines langen, aber kurzweiligen Progabends to remember zelebrierten. Gänsehaut!


Und um den Abend für mich persönlich noch erinnernswerter zu machen (nicht das das nötig gewesen wäre!), gab's im Anschluss dann noch diese kleine Begebenheit mit dem scheinbar aus dem nichts aufgetauchten Polizisten an meinem Auto, aber die kennen meine facebook-Freunde ja schon. ;)

2012-02-12

Tonträger 2011, Teil 8 : mehr ist mehr ist mehr (TRANSATLANTIC, OPETH, VOIVOD)

"Mehr ist mehr" ist bekanntermaßen, das nicht immer aber im Falle von Transatlantic durchaus zutreffende Motto des Duos Neal Morse / Mike Portnoy.

Im Falle der folgenden drei Kritiken werde ich mich aber endlich einmal an meinen im Dezember gefassten Vorsatz halten, und mich an den Klassiker "weniger ist mehr" halten.
Sonst werde ich hiermit ja nie fertig. ;)


TRANSATLANTIC - More Never Is Enough - Live @ Manchester & Tilburg 2010 (2011)

Von allen Veröffentlichungen des letzten Jahres ist diese objektiv gesehen wohl die unnötigste. Die Whirld Tour 2010 ist mit der gleichnamigen DVD/CD-Kombi ja schließlich schon hervorragend für die Nachwelt konserviert worden.

Hier gibt es nun noch einmal gleich zwei Konzerte dieser Tour in einem. Aber echte Fans leben natürlich das Bandmotto und können nie genug bekommen. Denn auch wenn die Setlists der Shows sich gleichen, im Detail gibt es doch viele Unterschiede. Gerade beim Manchester-Gig, der die Tour nach der bereits bekannten DVD-Aufnahme abschließt, merkt man z.B., dass die Band, was Albernheiten angeht, mal so richtig Fünfe gerade sein lässt. Zum Ausgleich glänzt Roine Stolt aber auch mit besonders kreativem Spiel.

Beim Auftritt in Tilburg ist es besonders das extra-enthusiastische Publikum, welches die Band sogar zu einer weiteren Zugabe zwingt, das die Aufzeichnung bemerkenswert macht.

Wer Transatlantic ganz in Ordnung findet und ab und zu mal hört, der braucht dieses Doppelpack nicht. Fans allerdings kommen im Grunde gar nicht daran vorbei. Denn wer weiß schon, wie lange es dauert, bis diese fantastischen Fünf mal wieder unterwegs sind?


Anspieltipps: All Of The Above, Duel With The Devil, The Whirlwind





OPETH - The Devil's Orchard - Live at Rock Hard Festival 2009 (2011)

Musikzeitschriften an sich sind ja zu Zeiten des schnellen Internets schon ein Anachronismus. Mein eclipsed-Abo beispielsweise läuft eigentlich auch nur noch aus Bequemlichkeit weiter - und weil deren CD-Sampler eigentlich immer gutes Futter für die Zufallswiedergabe meines Real Players sind.

Ansonsten braucht es schon besonders interessante Aufmacher oder Gimmicks, damit ich irgendein Magazin mit nach Hause nehme.
So ein Gimmick hatte das dortmunder Proletenblatt RockHard im September mit einer exklusiven Opeth-Live-CD zu bieten.

Aus nachvollziehbaren kommerziellen Gründen eröffnet die Scheibe zunächst einmal mit einem Studiotrack des aktuellen Albums "Heritage", welches ich tatsächlich noch nicht besitze, obwohl es ja schwer danach riecht, die Krönung der bisherigen Discographie der Schweden zu sein.

Dieses Live-Album hingegen ist eher ein Best Of. Fünf klasse Songs zwischen jeweils neun und zwölf Minuten Länge, fabelhaft gespielt, super Stimmung... da wäre man gerne dabeigewesen. Dafür nimmt man die RockHard-Ausgabe als Anhängsel doch gerne in Kauf.

Anspieltipps: The Leper Affinity, Deliverance





VOIVOD - Warriors Of Ice (2011)

Eigentlich müsste ich dieses Livealbum ja scheiße finden, weil die Band doch noch Fotos dieses Konzertes in Montreal gefunden und dementsprechend doch nicht meine Aufnahmen aus Wacken verwendet hat.
Aber anderseits ist es so natürlich stimmiger - und der Kontakt zu den kanadischen Metal-Ikonen hat sich für mich ja auch schon letztes Jahr in Zürich bezahlt gemacht. ;)

Vom Sound her ist mir diese Aufnahme schon fast etwas zu sehr in die Fresse. Aber nur fast. Schließlich handelt es sich hier ja um eine Band, die wie kaum eine andere spielerisch höchst anspruchsvolle Musik mit einer Attitüde wie Motörhead auf Speed ins Publikum schmettert. Und wo andere Gruppen sich für Aufzeichnungen besonders am Riemen reißen, da trinkt Snake anscheinend auch mal ein paar Bier mehr. Zumindest die immer irrer klingenden französischen Ansagen machen auf "Warriors Of Ice" diesen Eindruck. Und auch spielerisch klingt diese Scheibe selbst für Voivod-Verhältnisse besonders räudig.

Spielerisch bleibt es aber immer einwandfrei, und so ist dieses Livealbum ein ganz klares Statement, an wen man sich wenden muss, wenn man maximal gerockt werden will. Mehr als bei Voivod geht gegenwärtig nicht!

Und mehr - ich erwähnte es bereits weiter oben - ist mehr ist möööaahrrr!

Anspieltipps: Tribal Convictions, Nothingface, Panorama, The Unknown Knows, Astronomy Domine

2010-12-24

Tonträger 2010, Teil 2 : Epics, epics, nothing but epics! (TRANSATLANTIC, NEAL MORSE)

Soll ich oder soll ich nicht? Irgendwie juckt es mich ja schon in den Fingern, meinen Senf dazu zu geben, aber anderseits hat die Sache mittlerweile ein solches Fremdschämpotential entwickelt, dass man gar nichts mehr davon hören möchte und sich eigentlich nur noch sehnlichst wünscht, irgendwer möge ihm doch bitte bitte mal - auch um seiner selbst willen - sein Internet wegnehmen!

Die Rede ist von Mike Portnoy, seiner Midlife-Crisis und dem damit einhergehenden unglückseligen Ausstieg bei Dream Theater.

Soll ich...?
Nein, das Thema spare ich mir lieber bis zur Rezension des Nachfolgers von "Black Clouds & Silver Linings" auf.


Hier und jetzt erinnere ich mich lieber daran, dass der derselbe Schlagzeuger dieses Jahr auch gänzlich unpeinliche Dinge getan hat, wie z.B. zusammen mit den Herren Morse, Trewavas, Stolt und Gildenlöw mein persönliches Konzert des Jahres in der Markthalle zu spielen.

Und dann gab es ja auch noch einen Mitschnitt vom vorletzten Konzert derselben Tour als 2 DVD & 3 CD Deluxe Edition ...



TRANSATLANTIC - Whirld Tour 2010 (2010)

Ich halte diese Rezension mal kurz, denn mit Superlativen habe ich ja schon im weiter oben verlinkten Konzertbericht aus Hamburg um mich geworfen.

Das Set war auch in London dasselbe, mal abgesehen davon, dass sich im Laufe der Tour noch ein paar weitere Gimmicks entwickelt haben, wie z.B. Einsprengsel von Deep Purples "Highway Star" an entsprechender Textstelle in "Duel With The Devil" oder das in der Studioversion von "The Whirlwind" nicht verwendete, aber durch die dazugehörige Making-Of-DVD berüchtigte "Boba Fett"-Thema.

Den 80-Minuten-Song selbst habe ich ja eigentlich erst nach dem Konzerterlebnis so ganz begriffen, danach hat das Album bei mir noch ordentlich Sympathien dazugewonnen. Die Live-Version (hier nicht in Einzeltracks zerstückelt) ziehe ich nun allerdings eindeutig vor. Diese Band ist einfach vor allem für die Bühne gemacht!

Auch in dieser Box ist eine Dokumentation enthalten, welche die Band zunächst beim Proben, dann auf Tour beidseitig des Atlantiks und als Bonus noch zusammen mit Steve Hackett "The Return Of The Giant Hogweed" spielend sieht. Interessant finde ich vor allem, dass man zumindest einen kleinen Eindruck davon erhält, was auf der Tour so alles während des Chaos-Teils von "Stranger In Your Soul" passieren konnte. Für das London-Konzert hat man natürlich eine zivilisierte Variante, über die wohl auch alle auf der Bühne bescheid wussten, gewählt. Anderswo sind durchaus kaputtere Dinge passiert. Schade, dass Hamburg fehlt, aber es gibt ja zum Glück das Internet. ;)

Das gefilmte Konzert ist selbstverständlich - egal ob mit oder ohne Bild - fantastisch. Mehr Transatlantic in einer Veröffentlichung geht nicht. Für jeden Fan und Prog-Freund ist dieses Ding im Grunde Pflicht, auch wenn man die "Live in Europe" von 2001 schon besitzt, denn hier wird eindeutig nochmal eine Schippe draufgelegt!

Anspieltipps: The Whirlwind, We All Need Some Light



Naturgemäß artverwandt ist ein anderes dieses Jahr erschienenes Live-Album, welches es ebenfalls auf drei CDs bringt:

 
NEAL MORSE - So Many Roads (2010)

Ganz so lange wie bei Transatlantic stand der Meister auf seiner Europatour 2008 wohl nicht auf der Bühne, auch wenn die drei Silberscheiben es zunächst vermuten lassen könnten. Aufgenommen wurde "So Many Roads" aber auf fünf verschiedenen Konzerten in Deutschland, Belgien und Holland.

Klanglich passt aber alles ordentlich zusammen, so dass dieser Umstand keineswegs stört. Ganz im Gegenteil, kommen so ja auch ein paar Songs zum Zuge, die nicht jeden Abend gespielt wurden.

Zu hören gibt es neben Songs und halbstündigen Mammut-Medleys von Morses Soloalben auch Stücke von Spock's Beard und Transatlantic. Alles in allem ist dies wohl der umfassenste Liveeinblick in das Schaffen des Allroundmusikers.

Natürlich gibt es einiges schon in zahlreichen anderen Versionen. Trotzdem lohnt es, auch diese noch zu hören. Nehmen wir zum Beispiel "Stranger In Your Soul", in das hier "Bridge Across Forever" komplett eingebettet ist, und in dem wir nebenbei auch erfahren, wer für das "Soul Sacrifice"-Cover von TA verantwortlich sein muss.
Vor allem ist es aber die beeindruckende, komplett aus international weniger bekannten niederländischen Musikern bestehende Band, die für eine frische Note sorgt, wobei neben Drummer Collin Leijenaar (übrigens auch Tourmanager von Transatlantic) vor allem Keyboarderin Jessica Koomen in ihren Gesangsduettpassagen mit Neal Morse Akzente setzt.
Überhaupt sind die mehrstimmigen Sätze wie beispielsweise im wahnwitzigen "Author Of Confusion" mal wieder großartig.

Ein anderes Thema - Muss man es noch erwähnen? - sind natürlich Jesus und seine Verwandschaft, die in den Texten oft eine verzichtenswert prominente Rolle einnehmen und Neal Morse für viele Hörer zu einer schwierigen Angelegenheit machen. Ich persönlich habe mich bei den meisten Liedern einigermaßen daran gewöhnt und nehme eher das Grundgefühl als den wörtlichen Inhalt wahr. Wenn ich Morbid Angel, Slayer oder Autopsy höre, identifiziere ich mich ja zum Glück auch nicht so weit mit den Texten, dass ich zum Kirchenabfackler, Massenmörder, Grabschänder werde. ;)

Alles in allem ein tolles Livealbum, das übrigens auch bezüglich des Preis-/Leistungsverhältnisses keine Wünsche offen lässt. Kurioserweise kostet der mp3-Download bei Amazon mehr als das CD-Set. Ich find's ja eh schöner, wenn ich auch etwas zum Anfassen habe.

Anspieltipps: At The End Of The Day, Author Of Confusion / I'm The Guy, Stranger In Your Soul / Bridge Across Forever

2010-05-06

Transatlantic in der Markthalle Hamburg (05.05.2010)

Meistens zähle ich mich ja zu den eher zurückhaltenderen und auch etwas an den Spritverbrauch denkenden Autofahrern.
Gestern allerdings, als ich zum ersten Mal seit sehr sehr lange Zeit mal nicht alleine auf dem Weg zu einem Konzert in Hamburg war, merkten meine Mitfahrer schon bald belustigt, dass es mir mit dem pünktlichen Erscheinen in der Markthalle schon ziemlich ernst war.

Ich bin allerdings auch ein gebranntes Kind: beim letzten Transatlantic-Konzert im November 2001 kam ich nämlich nicht pünktlich an und verpasste anderthalb Songs, was bei Retro-Prog in der Tradition von alten Genesis und Konsorten natürlich schon eine Menge Zeit bedeuten kann. ;)

Diesmal war ich pünktlich vor Ort. Und was soll ich sagen? Es war wieder monumental!

Die Setlist sagt dem Kenner schon alles - sechs Songs in drei Stunden:
  • The Whirlwind (die kompletten ca. 80 Minuten!)
  • All Of The Above
  • We All Need Some Light (mit Leadgesang von Roine Stolt statt Neal Morse)
  • Duel With The Devil
  • Bridge Across Forever (mit dezenter Gitarre aufgehübschtes Arrangement)
  • Stranger In Your Soul (Mike Portnoy überrumpelt Band und Publikum mittendrin mit einem in Falsettgesang vorgetragenen Beatles-Cover)
Und was soll ich sonst noch sagen? Alle Musiker komplett vom anderen Stern und mit viel Freude dabei. Neal Morse (ex-Spock's Beard) bietet das komplette Repertoire all seiner patentierten Grimassen, Livemitglied Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) ist einmal mehr das Mädchen für alles (Gitarren, Keyboards, Percussions), wofür sonst niemand zwei Hände frei hat, Roine Stolt (The Flower Kings) beeindruckt durch gefühlvollste Soli, Pete Trevavas (Marillion) festigt erwartungsgemäß den Status als einer meiner Lieblingsbassisten und Mike Portnoy (Dream Theater) wirkt beim souveränen Vorantreiben des Geschehens geradezu pervers unterfordert. ;)

Modisch fand ich's als Lost-Fan natürlich schwer in Ordnung, dass er während der Zugabe einen formschicken Dharma-Jumpsuit getragen hat. Wie bequem das ist, wenn man schon 2 1/2 Stunden Konzert in den Knochen hat, kann ich nur vermuten. Vielleicht werde ich ja auch schlagartig ein besserer Drummer, wenn ich mich mit so einem Teil einkleide. *g*

Alles in allem ein extrem lohnenswertes Konzert - und wer weiß, wie viele Jahre ins Land streichen werden, bis die nächste Gelegenheit kommt, dieser Supergroup zuzusehen?

Im Grunde gab's nur einen einzigen Kritikpunkt, nämlich das viel zu laute Lüftungssystem der Markthalle. Angesichts des Klimas musste es schon aktiv sein, aber gerade während der ruhigen Passagen nervte es erheblich. Und in der Pause fehlte an einem tresen eine zusätzliche Schankmaid. Aber das war's auch schon - ansonsten alles grandios!

Ich bin um halb drei zufrieden ins Bett gekommen und dementsprechend als Folgeerscheinung jetzt ziemlich kaputt, aber ich hoffe mal, ich habe diesen Bericht ortogrphisch einihermaßen sichr über die Bühne gebracht. ;)

2009-11-30

TRANSATLANTIC - The Whirlwind

- CD review -

Wo waren wir gerade? Genau, bei Songschreibern, die im Grunde seit Jahrzehnten eine musikalische Formel perfektionieren, bei Jesus und bei Alben mit nur einem Song. Da passt es doch, gleich noch ein Review zu einem Album, auf das ich viele Jahre sehnsüchtig gewartet habe, hinterherzuschieben:

365 days | 322 | finally

TRANSATLANTIC - The Whirlwind (2009)

Nach acht langen Jahren hat der Herrgott seinem oftmals penetranten, aber dennoch nach wie vor sympathischen Prediger Neal Morse also endlich erlaubt, zusammen mit Mike Portnoy, Roine Stolt und Pete Trevavas den Progsupergroupzeppelin Transatlantic wieder abheben zu lassen. Die erste Frage, die sich da für alle stellt, die wie ich das Glück hatten, sie 2001 auf ihrer einzigen Europatour erleben zu dürfen ist natürlich: Spielen sie wieder in Hamburg? Bittebittebitte!
Leider noch unbeantwortet...

Also kommen wir erstmal zum neuen (insgesamt dritten) Album. Kann es mit den vorigen Meisterwerken mithalten?
Das können wohl erst die nächsten Jahre zeigen, denn schließlich haben "SMPTe" und "Bridge Across Forever" viele Jahre und Hördurchläufe Vorsprung.

Ganz zweifellos ist "The Whirlwind" grandios und alle Kritik bewegt sich auf hohem Niveau.
So lässt sich z.B. bemängeln, dass der angebliche 70-minütige Song eine Mogelpackung ist. Tatsächlich wurde er in 12 Tracks aufgeteilt und die die Brüche zwischen den Parts sind trotz wiederkehrender Themen z.T. so stark, dass ich nicht das Gefühl habe, einem Stück wie z.B. dem halbstündigen "All Of The Above" vom Debüt zu lauschen. Eher fühle ich mich da an das grandiose letzte Spock's Beard-Album mit Neal Morse "Snow" erinnert. Diese Kritik ist allerdings rein akademisch und macht das Album natürlich keinen Deut schlechter.

Wie bei allen Projekten, an denen er beteiligt ist, wurde "The Whirlwind" natürlich maßgeblich von Neal Morse geprägt. Tatsächlich war es in einer kürzeren Version ja sogar als neues Soloalbum geplant gewesen...
So gibt es einige ganz unverkennbare Morse-Trademarks wie die gleich am Anfang mit dem Hauptthema beginnende Overtüre, der Aufbau des Finales (Instrumentalwurstelhöhepunkt, dann kurzes Durchatmen, Höhenflughymne und am Ende das Reprise des Openers...) und natürlich der Punkt, welcher den Fans diesmal wohl die größten Sorgen bereitete, nämlich die Lyrics. Im Grunde erzählt der Mann seit Snow ja immer die eine gleiche Geschichte und dies gerade auf seinen Soloalben teils mit einer für atheistische Mitteleuropäer sehr befremdlichen inbrünstigen Direktheit, die zurecht nicht jedermanns Sache ist. So sehr ich z.B. die "Testimony"-Live-DVD musikalisch schätze - textlich ist sie stellenweise kaum zu ertragen.

Zum Glück orientiert sich "The Whirlwind" lyrisch eher an den vorigen Transatlantic-Alben. Es fallen zwar viele Metaphern und es ist klar, worum es geht, aber es tut eben nicht weh. ;)

Zurück zur Musik: Wie gewohnt fantastischer, die ganz Großen zitierender Retro-Prog mit tollen Melodien und Gesängen. Alles ist vollgepackt mit Musik, unzählige Spuren türmen sich übereinander, und trotzdem bleibt die Produktion immer glasklar und jedes Instrument ist stets herauszuhören. Angesichts der auf der Bonus-DVD dokumentierten schnellen und teils unkonventionellen Entstehung des Albums (einige Backgroundgesänge wurden z.B. vor einem Dream Theater-Konzert in einem nicht schallisolierten Raum aufgenommen, wären nebenan der Line-Check stattfand) ist das schon beachtlich.

Stilistisch wird genau dort angeknüpft, wo man vor acht Jahren aufhörte. Neu dazu gibt's vor allem einige jazzige Ansätze.
Was für mich persönlich aber Transatlantic bei aller Morse/Portnoy-Dominanz vor allem ausmacht, das ist das präzise kraftvolle Spiel des Marillion-Bassisten Trevavas. Für mich einer der größten Charaktertieftöner überhaupt.

Den Part, wo ich auch nochmal die Gitarre, das Drumming, die Orgeln usw. lobe, spare ich mir jetzt einfach mal. Meine persönlichen Lieblingsteile / Anspieltipps sind bisher "The Wind Blew Them All Away" und "Is It Really Happening?".

Damit hat es sich natürlich noch nicht, denn die Special Edition besitzt natürlich noch eine Bonusdisc. Jene besteht aus vier weiteren Eigenkompositionen und vier (bzw. eigentlich fünf) Coversongs. Fünf, da "I Need You" ein Minimedley aus den gleichnamigen Songs von America und den Beatles ist.
Ehrlich gesagt finde ich diese Disc insgesamt nicht so stark wie das eigentliche Album. Hauptsächlich beeindruckt mich, wo zum Teufel (oder Gott) die Kerle innerhalb von ein paar Tagen überhaupt die Zeit hernehmen, neben einem Riesenkonzeptwerk auch noch nebenbei über 56 Minuten Bonusmaterial aufzunehmen.
Die eigenen Songs sind zwar ok, aber alle eine Nuance zu weichgespült. "The Return Of The Giant Hogweed" ist ein Genesis-Cover der Sorte "Wir spielen, weil wir's können." Das ist natürlich beeindruckend und alles andere als schlecht, aber man würde wohl notfalls auch ohne auskommen.

Die Highlights der Bonusdisc sind für mich das ruhige sehr überzeugend von Mike Portnoy gesungene Procol Harum-Stück "A Salty Dog" und Santanas "Soul Sacrifice". Für Santana-Cover würden mir zwar schon naheliegendere und passendere Gruppen als Transatlantic einfallen, aber dass hier eines der seltenen Studio-Drumsoli von Portnoy zu hören ist, macht dann schon viel Freude.

Fazit: Gute, aber nicht überragende Bonusdisc mit ein paar Längen, dafür ein geniales Hauptwerk, das bei jedem Hören wächst. Die Legende lebt! :)