Nachdem ich seit 1993 zwar nicht immer am Start war, insgesamt aber doch eine Menge Ausgaben mitgenommen habe, war 2016 mein letztes Wacken Open Air - und wird es wohl auch bleiben.
Dabei war mir eigentlich schon seit Jahren klar, dass ich 2026 Jubiläum feiern und wieder hin wollte. Das Ticket war besorgt, das dazugehörige T-Shirt aufgrund des ultrapeinlichen Ü60-Slogans "Party On!" sofort ungetragen verscherbelt. Dass das Billing eher schwach aussah, störte mich nicht. Denn ich gehörte ja in meinen letzten Besucherjahren immer zu den Verteidigern des Festivals; wer sich ein bisschen vorbereitet und sich nicht nur auf das ewig zirkulierende Hauptbühnenprogramm konzentrierte, der konnte von Mittwoch bis Samstag doch locker drei Dutzend coole Konzerte erleben und eine tolle Zeit haben!
,Das war trotz der seitdem weiter explodierten Kommerzialisierung nach dem Verkauf des Festivals an einen internationalen Investor auch weiterhin meine Einstellung. Dann habe ich mich neulich aber endlich daran gemacht, mir im Clashfinder meine Running Order zusammenzustellen und merkte schnell, dass der vom Roadburn Festival gewohnte Workflow, zunächst einmal alles zumindest interessante zu markieren, irgendwie nicht funktionierte - einfach weil zu wenige Gruppen interessant genug waren, um sie herauszustellen.
Ich habe also stattdessen den Rotstift genommen und markiert, was ich auf keinen Fall aus der Nähe erleben wollte, und siehe da: Flugs färbte sich beinahe übers gesamte Wochenende die Wackinger Stage blutig, aber auch jede Menge Bands auf den Hauptbühnen. Sabaton, Powerwolf, Hämatom, Visions of Atlantis sind da nur die Spitze des Scheißbergs. Kommt heute eigentlich keine kommerziell größere Metalband ohne schlimmen Verkleidungsgimmick aus?
Natürlich repräsentiert das stets mit reichlich Verspätung auf den Zeitgeist reagierende Booking von Wacken nicht die Metalszene als Ganzes, aber das Festival definiert halt schon, was Außenstehende als Metal verstehen. Und dieses Bild ist zum großen Teil einfach zum Schämen flach, inhaltslos und kitschig. In Zeiten, die so viel künstlerische Reflektion, Aufschrei und politische Positionierung wie wohl nie zuvor erfordern, zeigt sich Metal hier in erster Linie als sauftauglich eskapistisches Kasperletheater im Nostalgienebel.
Klar, ich will gar nicht so tun, als ob nicht sowohl große wie kleinere Künstler auf der Running Order stehen, die ich gerne gesehen hätte. Auch wenn das Auftauchen von Sepultura, für die ich extra schon 2024 viel Geld bezahlt hatte, um die angeblich allerletzte Gelegenheit, sie live zu sehen zu ergreifen, schon beinahe eine Frechheit darstellt. Außerdem clashen sie tatsächlich direkt mit Alcest.
Castle Rat und The Gathering? Klar! Die anderen nennenswerten Hauptacts hat man schon gesehen. Und werden Savatage und Judas Priest ausgerechnet hier und jetzt noch die Shows ihres Lebens spielen, die den teils stundenlangen Leerlauf im Programm ausgleichen?
Triptykon ist unter den vielen Wiederholungstätern wohl noch der schlimmste Verlust. Aber ernsthaft, 2023 bin ich ja auch nicht wegen Voivod (die gerade das Headbangers Open Air abgerissen haben) hingefahren und habe es überlebt.
Man muss sich auch fragen, wie lange dieses Modell überhaupt noch in der Form bestehen kann. Werden die Heavy Metal- und Hardrock-Klassiker, bei denen jetzt schon Greise auf der Bühne stehen, durch Tributebands und Avatare ersetzt? Es kommen in der Richtung ja kaum Gruppen nach, die Kulissen dieser Größenordung rechtfertigen.
Ich könnte jetzt noch die Nu Metal-Scheußlichkeiten anführen, die inzwischen auch zum nostalgischen Dad Rock geworden sind, aber der Grund, warum ich mein Ticket loswerden musste, liegt tatsächlich dort, wo ich bislang immer Hoffnung hatte, nämlich auf den kleinen Bühnen.
Ein kuratiertes Programm ist besser als ein demokratisch gewähltes, und nichts zeigt dies besser als die Gewinner der internationalen Metal Battles, von denen ich mir erheblich mehr versprochen hatte. Aber die Highlights scheinen diesmal wirklich rar zu sein, stattdessen gibt's haufenweise uninspirierten Groove Metal, seelenloses Metalcoregeriffe und Möchtegern-Jinjer-Abklatsche... Leute, das Original ist live schon enttäuschend!
Nun gibt es natürlich noch dutzende weitere Shows auf den Nebenbühnen, auf denen der Veranstalter die Chance hätte, noch ein paar wirklich gute Metalbands aller Subgenres zu unterstützen. Doch stattdessen werden diese Bühnen mit viel zu vielen Witzgruppen, Coverbands und Mittelaltermarktfantasyquatsch zugemüllt. Dabei gibt es so viele, so großartige Metalbands da draußen, die mit einem Fingerschnippen bereitstehen würden. Was da zugunsten vom bierseeligen primitivsten gemeinsamen Nenner an Potential verschenkt wird, geht auf keine Wackenkuhhaut mehr.
Ganz ehrlich: Vor ein paar Wochen hätte ich mir nicht vorstellen können, hier so zu ranten. Aber wenn man beim Recherchieren für seine Running Order ständig die Musik nach wenigen Sekunden anhalten und "Warum macht ihr so eine Scheißmusik?" brüllen muss, dann macht das schon etwas mit einem, haha.
Auf jeden Fall war das dann auch der Punkt der mir klar gemacht hat, dass mein Ticket in anderen Händen besser aufgehoben ist und das Geld dafür sich auf meinem Konto wohler fühlt als in den überteuerten Fressbuden des Holy Ground.
Fazit: Ich wollte ja, aber nein, wenn ich's nicht einmal aushalte, mir mein Programm für alle Tage zu Ende zu planen, dann war's das jetzt besser wirklich mit uns, liebes Wacken Open Air!
Thanks for the memories und allen Fans von *brrr* Crematory, P.O.D. und den Wacken Firefighters viel Spaß in den kommenden Tagen!
,Das war trotz der seitdem weiter explodierten Kommerzialisierung nach dem Verkauf des Festivals an einen internationalen Investor auch weiterhin meine Einstellung. Dann habe ich mich neulich aber endlich daran gemacht, mir im Clashfinder meine Running Order zusammenzustellen und merkte schnell, dass der vom Roadburn Festival gewohnte Workflow, zunächst einmal alles zumindest interessante zu markieren, irgendwie nicht funktionierte - einfach weil zu wenige Gruppen interessant genug waren, um sie herauszustellen.
Ich habe also stattdessen den Rotstift genommen und markiert, was ich auf keinen Fall aus der Nähe erleben wollte, und siehe da: Flugs färbte sich beinahe übers gesamte Wochenende die Wackinger Stage blutig, aber auch jede Menge Bands auf den Hauptbühnen. Sabaton, Powerwolf, Hämatom, Visions of Atlantis sind da nur die Spitze des Scheißbergs. Kommt heute eigentlich keine kommerziell größere Metalband ohne schlimmen Verkleidungsgimmick aus?
Natürlich repräsentiert das stets mit reichlich Verspätung auf den Zeitgeist reagierende Booking von Wacken nicht die Metalszene als Ganzes, aber das Festival definiert halt schon, was Außenstehende als Metal verstehen. Und dieses Bild ist zum großen Teil einfach zum Schämen flach, inhaltslos und kitschig. In Zeiten, die so viel künstlerische Reflektion, Aufschrei und politische Positionierung wie wohl nie zuvor erfordern, zeigt sich Metal hier in erster Linie als sauftauglich eskapistisches Kasperletheater im Nostalgienebel.
Klar, ich will gar nicht so tun, als ob nicht sowohl große wie kleinere Künstler auf der Running Order stehen, die ich gerne gesehen hätte. Auch wenn das Auftauchen von Sepultura, für die ich extra schon 2024 viel Geld bezahlt hatte, um die angeblich allerletzte Gelegenheit, sie live zu sehen zu ergreifen, schon beinahe eine Frechheit darstellt. Außerdem clashen sie tatsächlich direkt mit Alcest.
Castle Rat und The Gathering? Klar! Die anderen nennenswerten Hauptacts hat man schon gesehen. Und werden Savatage und Judas Priest ausgerechnet hier und jetzt noch die Shows ihres Lebens spielen, die den teils stundenlangen Leerlauf im Programm ausgleichen?
Triptykon ist unter den vielen Wiederholungstätern wohl noch der schlimmste Verlust. Aber ernsthaft, 2023 bin ich ja auch nicht wegen Voivod (die gerade das Headbangers Open Air abgerissen haben) hingefahren und habe es überlebt.
Man muss sich auch fragen, wie lange dieses Modell überhaupt noch in der Form bestehen kann. Werden die Heavy Metal- und Hardrock-Klassiker, bei denen jetzt schon Greise auf der Bühne stehen, durch Tributebands und Avatare ersetzt? Es kommen in der Richtung ja kaum Gruppen nach, die Kulissen dieser Größenordung rechtfertigen.
Ich könnte jetzt noch die Nu Metal-Scheußlichkeiten anführen, die inzwischen auch zum nostalgischen Dad Rock geworden sind, aber der Grund, warum ich mein Ticket loswerden musste, liegt tatsächlich dort, wo ich bislang immer Hoffnung hatte, nämlich auf den kleinen Bühnen.
Ein kuratiertes Programm ist besser als ein demokratisch gewähltes, und nichts zeigt dies besser als die Gewinner der internationalen Metal Battles, von denen ich mir erheblich mehr versprochen hatte. Aber die Highlights scheinen diesmal wirklich rar zu sein, stattdessen gibt's haufenweise uninspirierten Groove Metal, seelenloses Metalcoregeriffe und Möchtegern-Jinjer-Abklatsche... Leute, das Original ist live schon enttäuschend!
Nun gibt es natürlich noch dutzende weitere Shows auf den Nebenbühnen, auf denen der Veranstalter die Chance hätte, noch ein paar wirklich gute Metalbands aller Subgenres zu unterstützen. Doch stattdessen werden diese Bühnen mit viel zu vielen Witzgruppen, Coverbands und Mittelaltermarktfantasyquatsch zugemüllt. Dabei gibt es so viele, so großartige Metalbands da draußen, die mit einem Fingerschnippen bereitstehen würden. Was da zugunsten vom bierseeligen primitivsten gemeinsamen Nenner an Potential verschenkt wird, geht auf keine Wackenkuhhaut mehr.
Ganz ehrlich: Vor ein paar Wochen hätte ich mir nicht vorstellen können, hier so zu ranten. Aber wenn man beim Recherchieren für seine Running Order ständig die Musik nach wenigen Sekunden anhalten und "Warum macht ihr so eine Scheißmusik?" brüllen muss, dann macht das schon etwas mit einem, haha.
Auf jeden Fall war das dann auch der Punkt der mir klar gemacht hat, dass mein Ticket in anderen Händen besser aufgehoben ist und das Geld dafür sich auf meinem Konto wohler fühlt als in den überteuerten Fressbuden des Holy Ground.
Fazit: Ich wollte ja, aber nein, wenn ich's nicht einmal aushalte, mir mein Programm für alle Tage zu Ende zu planen, dann war's das jetzt besser wirklich mit uns, liebes Wacken Open Air!
Thanks for the memories und allen Fans von *brrr* Crematory, P.O.D. und den Wacken Firefighters viel Spaß in den kommenden Tagen!










































































