Rechtzeitig nach der Rekordhitzewelle habe ich dieses Wochenende meine persönliche Open-Air-Saison mit eher regnerischen, aber weit von katastrophal entfernten Aussichten eröffnet. (Und nein, meine Saison wird dieses Jahr nicht wie bei wirklich üblem Regen 2024 nur aus diesem einen Tag bestehen.)
Es zog mich mich gestern nach Holzbunge, wo der zweite Tag des Woodbunge Festivals stattfand. Als ich 2023 am Freitag dort gewesen war, hatte ich die Veranstaltung noch als gemütliche kleine, mit Liebe gemachte Gartenparty kennenlernt. Diesmal allerdings war mehr los als auf Orange Shitlers großer Freedom 250-Feier auf der National Mall in Washington.
Es war also noch immer genauso kuschelig familiär. ;)
Es zog mich mich gestern nach Holzbunge, wo der zweite Tag des Woodbunge Festivals stattfand. Als ich 2023 am Freitag dort gewesen war, hatte ich die Veranstaltung noch als gemütliche kleine, mit Liebe gemachte Gartenparty kennenlernt. Diesmal allerdings war mehr los als auf Orange Shitlers großer Freedom 250-Feier auf der National Mall in Washington.
Es war also noch immer genauso kuschelig familiär. ;)
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| VERTIGO HIL |
Da die Lübecker Stoner Rocker DeGreaver kurzfristig wegen eines Schulterbruchs absagen mussten, stand als erstes das Hamburger Trio Vertigo Hil auf der Bühne, welches in eine ähnliche, aber nicht identische Richting ausschlug, da neben schwerem Blues auch ein gewisser Pop-Appeal in ihren unbetitelten, nur nummerierten Songs mitschwang.
Das war ehrlich gesagt ein wenig wechselhaft. Zwischendurch, gerade wenn die Sängerin ihre Gitarre zur Seite legte, staunte ich schon kurz, wie fett und vollständig der Sound mit nur einer Klampfe klang, und ein paar Stücke fand ich richtig gut.
Wirklich schlecht fand ich tatsächlich auch nichts, aber insgesamt war mir in der Nummer ein bisschen zu viel gleichförmig austauschbares Midtempo. Wenn die Dame und Herren die Richtung ihrer besten Ideen weiterverfolgen, sehe ich mich zukünftig begeistert. So war es respektabel, aber irgendwie schon noch mit einer gewissen Band-die-nachmittags-zuerst-auf-dem-Festival-spielt-Energie.
Das war ehrlich gesagt ein wenig wechselhaft. Zwischendurch, gerade wenn die Sängerin ihre Gitarre zur Seite legte, staunte ich schon kurz, wie fett und vollständig der Sound mit nur einer Klampfe klang, und ein paar Stücke fand ich richtig gut.
Wirklich schlecht fand ich tatsächlich auch nichts, aber insgesamt war mir in der Nummer ein bisschen zu viel gleichförmig austauschbares Midtempo. Wenn die Dame und Herren die Richtung ihrer besten Ideen weiterverfolgen, sehe ich mich zukünftig begeistert. So war es respektabel, aber irgendwie schon noch mit einer gewissen Band-die-nachmittags-zuerst-auf-dem-Festival-spielt-Energie.
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| DAS HEINRICH MANÖVER |
Das Woodbunge hatte auf den letzten Drücker noch ordentlich organisatorische Löscharbeit leisten müssten, denn auch die Post / Progressive Rocker Thræds fielen nach einem Arbeitsunfall aus. Der Ersatz für die Berliner verschob das musikalische Gleichgewicht des Tages allerdings stärker, zauberte man doch die Hip Hop-Gruppe Das Heinrich Manöver aus dem Hut.
Man weiß in dem Genre ja nicht immer so ganz genau, wie viel Livemusik man überhaupt bekommt, oder ob die "Band" eigentlich "nur" eine Crew von Rappern ist.
Im Fall dieser Hamburger gab es von jenen allerdings mit dem Frontmann und in Backup-Rolle dem Drummer nur zwei. Es gab also handgemachte Mucke inklusive Gitarre, Bass und Synthies - und die taugte richtig.
Betrunkene Beats, Funk, Dub, Punk, Rock, Weltraum, anspruchsvolle Arrangements, die wie der Arsch auf den lyrischen Eimer passten. Und meine liebsten von Doc Sleiwas mit rauer Stimme rausgehauenen Pointen hatten mit Döner und Bernd Höcke zu tun. Was will man mehr? War geil!
Man weiß in dem Genre ja nicht immer so ganz genau, wie viel Livemusik man überhaupt bekommt, oder ob die "Band" eigentlich "nur" eine Crew von Rappern ist.
Im Fall dieser Hamburger gab es von jenen allerdings mit dem Frontmann und in Backup-Rolle dem Drummer nur zwei. Es gab also handgemachte Mucke inklusive Gitarre, Bass und Synthies - und die taugte richtig.
Betrunkene Beats, Funk, Dub, Punk, Rock, Weltraum, anspruchsvolle Arrangements, die wie der Arsch auf den lyrischen Eimer passten. Und meine liebsten von Doc Sleiwas mit rauer Stimme rausgehauenen Pointen hatten mit Döner und Bernd Höcke zu tun. Was will man mehr? War geil!
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| THOUGHTS |
Als nächstes gab dann das hier eher erwartete Programm mit zwischen Atmosphäre und polymetrischer Rhythmik riffendem Instrumental-Post Metal. Dass Thoughts schweinetight waren, überraschte nicht, wurde das Rostocker Trio doch aus einem gemeinsamen Bart geklont. Und die drei spielten natürlich auch auf Klick mit reichlich Backingtracks, die der Musik erst ihre epische Breitwandigkeit verliehen.
Das war alles ziemlich gut gemacht, auch wenn ich mir ein paar Ausbrüche der bombastisch ausgedrückten Stimmung aus der für "Post"-Musik oft typischen Ambivalenz gewünscht hätte. Anderseits drückt wohl kaum ein Bandname mehr "könnte jedes Gefühl sein" aus als das suchmaschinenunfreundliche Thoughts.
Um sich von Dynamik und auch Bühnenaction her noch richtig zu steigern, bräuchte die Band im Grunde noch einen Synth / Electric Wind Instrument / Saxophon-Spieler, der das ganze Backingtrackgedöns live übernimmt. Das wär's! Aber man muss anderseits natürlich auch nicht alles haben, um eine gute Show zu spielen.
Das war alles ziemlich gut gemacht, auch wenn ich mir ein paar Ausbrüche der bombastisch ausgedrückten Stimmung aus der für "Post"-Musik oft typischen Ambivalenz gewünscht hätte. Anderseits drückt wohl kaum ein Bandname mehr "könnte jedes Gefühl sein" aus als das suchmaschinenunfreundliche Thoughts.
Um sich von Dynamik und auch Bühnenaction her noch richtig zu steigern, bräuchte die Band im Grunde noch einen Synth / Electric Wind Instrument / Saxophon-Spieler, der das ganze Backingtrackgedöns live übernimmt. Das wär's! Aber man muss anderseits natürlich auch nicht alles haben, um eine gute Show zu spielen.
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| HAMASAARI |
Noch ein Ausfall! Diesmal fiel aber keine komplette Band aus. Ein erkrankter Gitarrist zwang die Franzosen HamaSaari allerdings statt zu viert als Trio aufzutreten. Und auch wenn man sich einiges noch fetter und mit zusätzlichen Harmonien vorstellen konnte, wäre mir die Unterbesetzung ohne Hinweis wahrscheinlich gar nicht aufgefallen.
Es ging weiter mit immer noch technisch anspruchsvoller, aber emotional feinsinnigerer Musik. HamaSaari spielten jene Sorte progressiven Post / Art Rock mit Folkeinfluss, die weit mehr um Gefühle als um spielerische Schauwerte kreiste. Insbesondere die Falsett- und Harmoniegesänge von Jordan und Jonathan Jupin waren weit jenseits von dem, was das durchschnittliche Dorf-Open-Air zu bieten hat.
Richtig schön organisch explodieren konnte die Musik ab und zu auch. Wie gut das wohl erst zu viert gewesen wäre? Wunderbare Band!
Es ging weiter mit immer noch technisch anspruchsvoller, aber emotional feinsinnigerer Musik. HamaSaari spielten jene Sorte progressiven Post / Art Rock mit Folkeinfluss, die weit mehr um Gefühle als um spielerische Schauwerte kreiste. Insbesondere die Falsett- und Harmoniegesänge von Jordan und Jonathan Jupin waren weit jenseits von dem, was das durchschnittliche Dorf-Open-Air zu bieten hat.
Richtig schön organisch explodieren konnte die Musik ab und zu auch. Wie gut das wohl erst zu viert gewesen wäre? Wunderbare Band!
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| OVERHEAD, THE ALBATROS |
Wie beschert man mir einen Pink Floyd-Ohrwurm, ohne überhaupt ihre Musik zu spielen? Man macht es wie die Iren Overhead, The Albatros und zitiert einfach ein Textfragment aus "Echoes" mit seinem Bandnamen.
Doch zunächst einmal hieß es warten! Auf Festivals mit einer einzigen Bühne hat man natürlich mehr Pause als auf größeren Veranstaltungen. Viel Zeit, um zwischendurch zu schnacken, sich sein Regenponcho an und aus und wieder anzuziehen oder um eine Schale Pommes - oder wie ich Knauserer die Essensvorräte in meinem Auto - zu genießen. Wegen unterschiedlicher kleiner Probleme während der Umbaupausen hatte sich der Zeitplan bereits sichtbar nach hinten verschoben, als Overhead, The Albatros (Achtung, Pointe voraus!) den Vogel abschossen, da ihr Videoprojektor das Bild auf dem Kopf darstellte und niemand die Betriebssystemssprache Mandarin in um hundertachtzig Grad gedreht beherrschte. Als diese Hürde nach gefühlten Ewigkeiten mit mehreren Anläufen genommen war und die Show endlich losgehen konnte, zeigte sich aber auch schnell, dass es eine sehr schmerzhafte Entscheidung gewesen wäre, auf die bewegten Bilder im Hintergrund zu verzichten.
Denn auch wenn die überaus eigenständige Musik des Quartetts auch so hervorragend funktioniert hätte, war das Videomaterial doch exakt auf das Set abgestimmt und wertete die Performance deutlich zusätzlich auf.
Am Merchtisch kaufte ich mir später wegen Vinyl und Cover eine Zusammenstellung älterer EPs, die noch eher einer klassischen Post Rock-Ästhetik entspricht, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass live nichts davon, sondern nur das komplette 2024er Album "I Leave You This" von Anfang bis Ende durchgespielt wurde. Und so gab es eine unberechenbare Tour de Force durch cineastische, schwebend schöne Stimmungen, komplexe Rhythmen, Samples, Spoken Words, aber auch ganz abgefahrene Ausflüge in andere elektronische Genres inklusive der eskapistischen Dancehallmusik eines Paralleluniversums ein paar Dimensionstore weiter von unserem. Ähnlich wie Bruit ≤, an deren Drummer ich während der Show häufiger denken musste, vollkommen grandios, verrückt ambitioniert, aber immer auch irgendwie menschlich sehr dicht am Hörer dran.
Auch wenn dieser Auftritt aus Sicht der Musiker selbst, die extra aus Irland gekommen waren und kaum eigenes Equipment dabei hatten - eine stressige Katasrophenabwehr gewesen sein soll - im Publikum kam nur die Kernbotschaft "This Is Like Love" an. Außergewöhnliche Musik für Herz und Hirn. Der Höhepunkt des Festivaltages!
Denn auch wenn die überaus eigenständige Musik des Quartetts auch so hervorragend funktioniert hätte, war das Videomaterial doch exakt auf das Set abgestimmt und wertete die Performance deutlich zusätzlich auf.
Am Merchtisch kaufte ich mir später wegen Vinyl und Cover eine Zusammenstellung älterer EPs, die noch eher einer klassischen Post Rock-Ästhetik entspricht, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass live nichts davon, sondern nur das komplette 2024er Album "I Leave You This" von Anfang bis Ende durchgespielt wurde. Und so gab es eine unberechenbare Tour de Force durch cineastische, schwebend schöne Stimmungen, komplexe Rhythmen, Samples, Spoken Words, aber auch ganz abgefahrene Ausflüge in andere elektronische Genres inklusive der eskapistischen Dancehallmusik eines Paralleluniversums ein paar Dimensionstore weiter von unserem. Ähnlich wie Bruit ≤, an deren Drummer ich während der Show häufiger denken musste, vollkommen grandios, verrückt ambitioniert, aber immer auch irgendwie menschlich sehr dicht am Hörer dran.
Auch wenn dieser Auftritt aus Sicht der Musiker selbst, die extra aus Irland gekommen waren und kaum eigenes Equipment dabei hatten - eine stressige Katasrophenabwehr gewesen sein soll - im Publikum kam nur die Kernbotschaft "This Is Like Love" an. Außergewöhnliche Musik für Herz und Hirn. Der Höhepunkt des Festivaltages!
Sollte ich diesen Bericht mit schlauen Empfehlungen für den Veranstalter abschließen? Gibt ja genügend Künstler, die er mal anchecken und nach ihren Spesen fragen könnte... Ex-Easter Island Head? Agusa? ... Aber nein, ich bin hier ja noch gar nicht fertig!
Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, auf mein Smartphone zu hören, welches mit leerem Akku keinen Bock mehr hatte und komplett dicht machte. Aber es lag noch eine weitere, erneut ungeplant lange Pause vor mir, die durchzuhalten sich allerdings im Nachhinein weit weniger gelohnt hat.
Mit Albumcovern und T-Shirts zwischen Power Metal-Allerweltsware und Carpenter Brut-Ästhetik hatte ein Teil von mir schon gehofft, dass die Kieler Inner Axis eine so schlimme Überzeichnung aller Heavy Metal-Klischees zelebrieren würden, dass es schon wieder großartig sein könnte. Aber natürlich könnte es auch einfach nur durchschnittlicher Metal oder schlimmer sein. Naja, alles war möglich. Und da mein nächstes Open Air deutlich traditionsmetrallischer ausfallen wird, dachte ich mir, dass ich mich hier ja evtl. schon akklimatisieren könnte...
Zugegebenermaßen schienen Inner Axis für viele der noch verbliebenen Besucher als Abschluss inklusive Fistraising und Schlachtgesängen gut zu funktionieren. Vielleicht fehlten mir auch die Biere, welche diese intus hatten. Aber dieser Gesang... nee, nicht für mich. Nach dem Soundcheck beschwichtete ein Bandmitglied noch, dass der Frontmann noch nicht alles gegeben hätte. Aber dann ging es in der Show trotzdem wenig überzeugender weiter. Ich habe noch bis zum Beginn des zweiten Stücks durchgehalten, denn vielleicht hatte man ja einfach nur einen suboptimalen Song zum Beginn gewählt. Dann bin ich aber geflohen.
Mich direkt nach Overhead, The Albatros zu verabschieden wäre definitiv eleganter gewesen. Aber das weiß man ja vorher nicht. Trotzdem war ich insgesamt nach diesem unterm Strich tollen Festivaltag sehr zufrieden!
Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, auf mein Smartphone zu hören, welches mit leerem Akku keinen Bock mehr hatte und komplett dicht machte. Aber es lag noch eine weitere, erneut ungeplant lange Pause vor mir, die durchzuhalten sich allerdings im Nachhinein weit weniger gelohnt hat.
Mit Albumcovern und T-Shirts zwischen Power Metal-Allerweltsware und Carpenter Brut-Ästhetik hatte ein Teil von mir schon gehofft, dass die Kieler Inner Axis eine so schlimme Überzeichnung aller Heavy Metal-Klischees zelebrieren würden, dass es schon wieder großartig sein könnte. Aber natürlich könnte es auch einfach nur durchschnittlicher Metal oder schlimmer sein. Naja, alles war möglich. Und da mein nächstes Open Air deutlich traditionsmetrallischer ausfallen wird, dachte ich mir, dass ich mich hier ja evtl. schon akklimatisieren könnte...
Zugegebenermaßen schienen Inner Axis für viele der noch verbliebenen Besucher als Abschluss inklusive Fistraising und Schlachtgesängen gut zu funktionieren. Vielleicht fehlten mir auch die Biere, welche diese intus hatten. Aber dieser Gesang... nee, nicht für mich. Nach dem Soundcheck beschwichtete ein Bandmitglied noch, dass der Frontmann noch nicht alles gegeben hätte. Aber dann ging es in der Show trotzdem wenig überzeugender weiter. Ich habe noch bis zum Beginn des zweiten Stücks durchgehalten, denn vielleicht hatte man ja einfach nur einen suboptimalen Song zum Beginn gewählt. Dann bin ich aber geflohen.
Mich direkt nach Overhead, The Albatros zu verabschieden wäre definitiv eleganter gewesen. Aber das weiß man ja vorher nicht. Trotzdem war ich insgesamt nach diesem unterm Strich tollen Festivaltag sehr zufrieden!






















































