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2026-02-18

WYATT E. und HEMELBESTORMER live auf der MS Stubnitz, Hamburg (15. Februar 2026)


Ok, es ist bereits Mittwoch. Kann ich mich überhaupt noch an Sonntag erinnern? Der 15. Februar 2026 war zum größten teil eigentlich kein Tag, von dem langfristig viel bei mir hängen bleiben wird. Ein Wochendtag mitten in einem ungewohnt beharrlichen, aber zum Glück nicht wirklich schlimmen Winter (stabile knappe Minusgrade sind mir zumindest lieber als auf den Kreislauf drückende Rekordsommerhitze), den ich gemütlich drinnen zwischen Musik, zu vielen YouTube-Videos und dem Verfassen eigener Texte verbracht verbracht habe.

Am frühen Abend gab es dann aber doch einen herausstechenden Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde. Auf dem Weg nach Hamburg hatte ich den zwar nicht schnellsten, aber dafür kürzesten Weg durch Itzehoe gewählt - eine Wahl, die meinem KfZ beinahe zum Verhängnis geworden wäre, kam mir doch nach einer steilen Kurve in einer Einbahnstraße plötzlich ein Geisterfahrer entgegen! Knapp voreinander hielten wir an: Er sah mich entsetzt an, ich sah ihn entsetzt an. Dann bog er - in die falsche Richtung, allerdings glücklicherweise nur noch für wenige Meter - nach rechts ab, während ich die nächste halbe Stunde als Reaktion auf den Schreck mit gefühlt eingeschnürtem Brustkorb weiterfuhr.

Vernünftigerweise hätte ich wohl unmittelbar nach dem Beinahezusammenstoß eine kurze Pause machen sollen, aber ich hatte so eine bisschen Schiss, dass mir dann vielleicht als verspätete Reaktion das Zittern käme und ich vielleicht länger bräuchte... und hey, die MS Stubnitz wartete. Prioritäten, Baby!





HEMELBESTORMER

Auf dem ordentlich gefüllten Schiff begann der doppelt belgisch besetzte Abend mit Hemelbestormer, was genau das bedeutet, was man aus der deutschen Sprache heraus vermutet. Deswegen spare ich mir hier mal den Erklärbären. Ein bisschen überrascht war ich vom Sound des mir bisher nur namentlich bekannten Quartetts, das ich in meiner Vorstellung fälschlicherweise als garstigen, aber modernen Black Metal, vielleicht eine grobere Version von Terzeij De Horde oder vielleicht Wiegedood abgespeichert hatte. Aber nö.

Passend zu ihrem Label Pelagic Records entpuppten Hemelbestormer sich in Wirklichkeit aber als instrumentale Post-Metal-Gruppe, immerhin allerdings mit durchaus viel düsterschwarzer Atmosphäre und mitunter auch offen blackmetallischem Gitarrenspiel. Mächtig stampfend und riffend, in doomigen Momenten wie instrumentale E-L-R, im cowboyhutigsten Stück wie Solstafír ohne Gesang. Insgesamt durchaus so ein bisschen wie düsterere "Cult of Russian Circles".

Ein schön fetter Einstieg, der auch genau richtig sein Ende fand, gerade als ich gerade das Gefühl hatte, dass demnächst vielleicht Übersättigung und Ungeduld eintreten könnten. Sauber!








WYATT E.

Was mich bei Wyatt E. erwartete, wusste ich im Gegensatz zum Opener genau, kenne ich doch nicht nur die Alben der mystisch meditativen Doomer, sondern habe sie in der Vergangenheit bereits auf zwei verschiedenen Festivals in Dänemark gesehen. Und tatsächlich war des Set dem vom letztjährigen Esbjerg Fuzztival sehr ähnlich, bestand es doch überwiegend aus dem dort gespielten letzten Album "Zamāru Ultu Qereb Ziqquratu Part 1", enthielt - wenn ich mich recht erinnere - aber auch Teile des vorletzten Werks "Āl Bēlūti Dārû", welches während des Colossal Weekends 2019 gerade aktuell gewesen war.

Vertraute Doommacht voller nahöstlicher Magie, aus zeitloser Tiefe kommen, mit ungewöhnlich verfremdeten hypnotische beschwörenden Gesängen. Musik für die Götter, eben, wie das Trio es in seiner Selbstbeschreibung verspricht. Neu - und das gewisse Extra - war hier vor allem mal wieder, den bekannten Sound im Bauch des Doomschiffs Stubnitz zu erleben, was für diese Art erhabener und krachend entrückender Musik kaum passender sein könnte. Exzellente Transzendenz!

Dafür habe ich den Schock auf dem Hinweg und die bei den kurzen Aufenthalten im Freien zwischendurch kalten Beinchen (da ich zu faul gewesen war, mir eine lange Elli unterzuziehen) doch gerne in Kauf genommen. Und nach meiner dritten Wyatt E.-Show habe ich mir jetzt auch endlich mal eines ihrer stets sehr ansehnlichen - und für Barzahler rabattierten - T-Shirts gegönnt. Irgendwann kommen ja auch wieder Zeiten, in denen Bandshirts nicht mehr unter drölf Pulloverschichten verschwinden.







2026-02-15

MARTIN STÜRTZER - Dyson Sphere Beta

Verwechslungsgefahr: Die Ähnlichkeit des Covers ist zwar unübersehbar, doch dies ist nicht das brilliante aktuelle Album von Ivan The Tolerable!

Musikalisch gibt es durchaus Parallelen, zumal Dub Techno / Ambient-Produzent ebenfalls sehr krautig psychedelisch unterwegs ist. Verwechseln könnte man seine Musik auf "Dyson Sphere Beta" allerdings viel eher mit Klaus Schulze und Tangerine Dream.


MARTIN STÜRTZER - Dyson Sphere Beta (download) (2026)

Ich möchte nicht vollkommen ausschließen, dass mir schon einmal ähnliches widerfahren ist, bin mir aber zu mindestens neunzig Prozent sicher, dass dies das erste Album in meiner Sammlung ist, auf welches ich durch einen Rant über Sperrungen auf Spotify durch absurde Urheberrechtsansprüche, welches mir der YouTube-Algorithmus in meinen Feed gespült hat, aufmerksam geworden bin. Und das, obwohl mir der Künstler, auch Teil des Ambient-Duos Sphäre Sechs, vorher - soweit ich mich erinnern kann - noch nie begegnet ist.

Martin Stürtzer spielt ab und zu improvisierte Livestreams aus seinem Studio, und dies ist die Aufnahme eines solchen von seinem letzten Geburtstag. Deswegen haben die neun im Schnitt ca. zwanzigminütigen Tracks auch statt eines Namens die jeweile Zeit (zwischen 22:00 und 01:00 Uhr), in der sie im Stream gespielt wurden, im Titel.

Aufgrund der Sperre auf dem von mir ohnehin nicht genutzten Ausbeuterstreamingdienst hat Stürtzer den dreistündigen kosmisch meditativen Fluss nun an meinem Geburtstag neu auf Bandcamp veröffentlicht. Da konnte ich doch schlecht nein sagen, zumal das Ganze auch noch geschenkt bzw. name your price ist.

Von daher gehe ich jetzt auch gar nicht weiter ins Detail zu den einzelnen Tracks. Was hindert dich daran, selbst nachzuhören? Wer elektronische Berliner Schule dieser Art mag, der kann hier ohnehin nichts verkehrt machen. Und wer (noch) Skeptiker ist, den kostet es maximal auch nur, was er zahlen möchte.

Also, bei akutem Entschleunigungs- und Entrückungsbedarf: Nichts wie rüber in die Dyson-Sphäre! Timewave Far-Below-Zero!






NADJA - Cut

Das Gute an verzögerten Veröffentlichungen durch Stau oder sonstige Probleme im Presswerk ist ja, dass es zu kleinen Überraschungen führen kann, weil man die Details seiner Bestellung inzwischen vergessen hat. So wusste ich, nachdem sich der physische Release von Nadjas (immer noch?) neuestem Album bis ins neue Jahr verschoben hatte, z.B. gar nicht mehr, dass ich ja auch noch ein großartiges Album von thisquietarmy und Tom Melmendier von Midira Records mitgeordert hatte. Nice!

Auch daran dass "Cut" eine Bonus-CD enthält, konnte ich mich nicht erinnern. Und tatsächlich wurde jene wohl erst im Laufe der Wartezeit als Dankeschön für die Geduld dazugepackt.


NADJA - Cut (Bone Cream vinyl 2LP + CD) (2025/2026)

Trotzdem war ich nach dem Auflegen der ersten der beiden cremig weißen Schallplatten zunächt einmal enttäuscht von der Qualität der Pressung, knackte und geräuschte es doch mächtig laut und störend in die leise(?) Musik hinein. Zum Glück erwies es sich aber nur als holpriger Start, während man Großteil der restlichen Laufzeit ohne Beeinträchtigungen hören kann.

Warum habe ich hinter "leise" ein Fragezeichen gesetzt? Nun ja, Nadja sind eine Band, die gerne mit der Wahrnehmung von laut und leise spielt, z.B. wenn man live im Dröhnen von Bass und Gitarre badet und der Drumcomputer zwar laute Anschläge simuliert, aber aus weiter Ferne zu kommen scheint.

Das neue Doppelalbum treibt dies nun mit vielen ungewohnten Produktionsentscheidungen auf die Spitze. Und es sind nicht nur die Wände und Texturen aus Leah Buckareffs Bass und Aidan Bakers Gitarre, Drummaschine und gelegentlich auch Saxophon, sowie die säuselnden Stimmen der beiden, die miteinander in einer Weise vermengt werden, dass man oft nicht weiß, ob ihr Zeitlupensound nun eigentlich eher Doom, Noise und Drone oder experimenteller Ambient / Shoegaze ist.
Nein, neben dem Paar bereichern noch mehrere musikalische Gäste die vier Longtracks von "Cut" mit Harfe, Horn und Gesang, letzterer u.a. von Bakers Partnerin im semi-akustischen Slowcore-Trio Tavare Tristen Bakker und der wie immer magischen Lane Shi Otay:onii, die hier wie aus der Ferne eines in den Wolken kaum erkennbaren Berggipfels an der Grenze zwischen bewusster Wahrnehmung und Traum herüberschwebt.

Nadja live in Hamburg 2024
Angesichts meiner immer noch großen Lücken in der unüberschaubaren Diskographie von Nadja ist es natürlich eine etwas gewagte Aussage, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass dies zu ihren filigransten, am sorgsamsten arrangierten und mit den größten Deep-Listening-Qualitäten ausgestattenen Werken zählen muss. "Cut" ist zwischen zartem Wohlklang, brutalem Crunch und fiesem Flüstern (gerne alles gleichzeitig) ein außergewöhnliches, natürlich sehr kopfhörerfreundlichs Hörerlebnis.

Und dieses lässt sich - bei Nutzung von Bandcamp-Download und Bonus-CD - über drei Stunden lang in wechselnden Varianten genießen. Denn auf dem im schicken Gatefold-Cover verpackten Vinyl gibt es nicht die selben Tracks zu hören, sondern exklusive, jeweils ein paar bis einige Minuten längere Versionen der vier Songs.
Das ruhigste Stück "She Ate His Dreams From The Inside & Spat Out The Frozen Fucking Bones" ist sogar noch ein drittes Mal enthalten, und zwar als über 59(neunundfünfzig)-minüte "Forever Version".

Und alle insgesamt neun Stücke funktionieren. Die Standardversionen sind bereits großartige, sich vollständig anfühlende Songs, die von den LP-Versionen aber ohne Ballast wunderbar erweitert werden. Der einstündige CD-Track fühlt sich in seiner ewig wie das Meeresrauschen mäandernden Form allerdings schon wie eine komplett neue Komposition an. Hier wird man dem normalen Fluss von Zeit und Raum vollkommen entrissen und gleitet zu cinematischen Klängen zwischen Earth und dem Kilimanjaro Darkjazz Ensemble erhaben durch das eigene Bewusstsein. Traumhaft!

Egal in welcher Form, aber umso mehr in maximaler Vollständigkeit lässt Nadjas "Cut" nur ein Fazit zu: Doomgaze-Meisterwerk.






2026-02-06

SULA BASSANA - Time Travel

Dass sich Dave "Sula Bassana" Schmidt gesundheitsbedingt aus seinem Sulatron Records-Label verabschiedet hat und fortan etwas kürzer tritt, bedeutet nicht, dass er mit Musik in Zukunft nichts mehr am Hut hätte.

Trotzdem ist seine neueste (bislang nur digitale) Veröffentlichung eher rückblickender Natur, versammelt er auf "Time Travel" unter dem selbsterklärenden Untertitel "Rare & Obscure Tracks From The Decades" doch einen anderthalbstündigen Strauß unterschiedlichster Stücke, die zuvor entweder gar nicht oder nur auf seltenen CD-Rs und Samplern veröffentlicht wurden.


SULA BASSANA - Time Travel (download) (2026)

Die Reise durch die Jahrzehnte beginnt in der jüngeren Vergangenheit mit seiner aktuellen Liveband. "Ridin'" ist eine lässig leichtfüßig fuzzende Fortsetzung der Split mit Skyjoggers, wurde es doch ebenso wie die beiden Sula-Stücke des Livealbums auf dem Dazed & Spaced Festival 2024 aufgenommen.

"Krachgarten" von 2012 hält das Energielevel des coolen Einstiegs dann mit einer Kombination aus fast schon funky groovendem Krautrock mit ein paar ganz schön *huiibuuh* gruseligen Synthies.
Jene werden noch freakiger im deutlich schrägeren, aber immer noch schön mitheadbopkampatibel nach vorne gehenden "Arkelanfall".

Ob man "Animal Farm" besser nicht spoilern sollte oder im Gegenteil ausdrücklich vor dieser auf Tiergeräuschen von einer Klangbibliotheks-CDs basierenden Spielerei warnen sollte, das mag evtl. eine die Bassana-Hörerschaft spaltende Frage sein. Es ist definitiv eine der albernsten Aufnahmen des Meisters - verzichtet aber dennoch nicht auf ein paar sehr schöne Analogsynthiesounds.

In den folgenden Stücken treten dann spacige Gitarren in den Vordergrund, ehe wir in den aus Tangerine Dream-Ambient und programmierten Beats gespeisten "Fiebertraum" gleiten. Wunderbar!

Danach geht es im bis dahin mit knapp dreizehn Minuten längsten Stück "Paranoid?" aus den späten Neunzigern mit viel Reverb und Experimentierfreude beim Mix mit einer immer wieder in andere Richtungen wabernden Kombination aus Schulze- und Kraftwerk-Klängen weiter, ehe es - inspiriert von nebligen Winterspaziergängen auf der finnischen Insel "Suomenlinna" noch einmal ganz spooky faszinierend atmosphärisch wird.

Kommen wir nach dieser mystischen Wanderung noch einmal in die realere Welt der Rockmusik zurück?
Die über halbstündige Antwort des zehnten und letzten Tracks "Pilzwald" ist ein nö!, wie es deutlicher nicht sein könnte. Hier haben Sula und Alexander Bulgrin, Sänger seiner damaligen Band Liquid Visions, einfach mal einen Haufen kleiner Instrumente um sich drapiert - von Flöten, Glockenspiel, Kalimba und Regenmacher zu Synthesizern und Drummaschine -, zwei Mikros aufgestellt und sind mit Hilfe von Hall- und Multieffekten komplett und ohne Rückfahrticket in die mykolgische Anderwelt jenseits von Bewusstsein und Traum aufgebrochen. Was für ein Trip!

Jeder Verdacht, dass es sich bei dieser stimmigen Compilation um ein Großreinemachen handelt, bei dem Putzfrau Schmidt einfach alte Reste nach draußen auf den Bandcamp-Hof kehrt, ist komplett unbegründet. Ganz im Gegenteil: Wenn "Time Travel" eines verdeutlicht, dann dass der Krautmeister sein Ding seit Jahrzehnten auf verdammt hohem Niveau durchzieht. Eine derartige Archivmaterialsammlung ohne Füller (ok, über "Sex Farm" äh "Animal Farm" darf man vielleicht diskutieren) hat wahrlich nicht jeder Mucker einfach mal so in der Schublade liegen.

Gute Zeitreise!








EXACT JELLY - an autumn / winter film


A tractor track through a snowdrift with a wall of bright autumn leaves. A wintry country road closed off by a corrugated iron facade. Tiny deer crossing a snowy field, camouflaged by autum textures. An upside-down FCKAFD sticker floating in the sky between the turbines of a wind farm, gently reminding us that the MAGA-, ICE- and Putin-loving German right-wing fascist party sucks and finally has to be verboten now.

Yes, it's double exposure time!

Above you can see two 35mm toy cameras. The spread-out one is/was a Jelly Cam, which I dismantled as far as I needed to assess whether I would even have the confidence to try to fix it. No, I don't have it.

At least it let me take a couple of last pictures on a long expired Kodak EPH P1600 film of unknown year of manufacture in October 2025. Yet since it got stuck half-way and I didn't know if the shutter had even worked so far, I used the film again in the Exacta camera in January 2026.

I still lost over a third of the potential 36+ frames. The rest is shown below.
Since both cameras wind(ed) the film into opposite directions the Jelly Cam pictures are upside-down - except for a couple where the autumn exposure was dominant or alone, which I turned around. 

That was today's plastic lens nerd talk. THANK YOU FOR YOUR ATTENTION TO THIS MATTER!!!