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2026-04-06

SUNN O))) - sunn O)))

Da ist das Ding! Das neue Doppelalbum von Sunn O))) ist da, entstanden aus denselben Aufnahmesessions, denen schon ihr letztjähriges Sub Pop Records-Debüt, die "Eternity's Pillars"-EP, entsprungen ist.

Kann also nur grandios sein und braucht eigentlich keine Rezension, oder?


SUNN O))) - sunn O))) (Pearl Flip vinyl 2LP) (2026)

Nach dem Unboxing der massigen Gatefoldhülle werden die Zweifel an der Notwendigkeit meines Senfs zum Thema nur noch größer, bersten die Plattenhüllen doch geradezu über vor alle Beschreibung des Hörerlebnisses eloquent diskutierenden Liner Notes, als wäre dies die Luxusedition eines verlorenen Miles/Coltrane-Albums. Insbesondere das Kapitel über stehende Wellen ist an sich schon eine Literaturempfehlung wert. Was soll ich kleines Licht dem noch hinzufügen?

Immerhin, zur symbolischen Entscheidung, dieses Album selbstbetitelt zu lassen, wird nichts weiter ausgeführt. Oder habe ich's schon wieder vergessen? Ich schaue jetzt mal nicht nach. Allerdings ist es auch ohne Winks mit dem Zaunpfahl offensichtlich, warum Stephen O'Malley und Greg Andersson sich für "sunn O)))" entschieden haben. Es ist der Neuanfang auf dem Label, auf dem auch Earth ihre Droneklassiker veröffentlicht haben, ohne die es Sunn O))) so wohl kaum gäbe. Und es ist Sunn O))) in reinster, destilliertester Form: Gitarre rechts, Gitarre links, wwwwrrrrroooommmm.

Sunn O))) live in Hamburg
Ok, es ist natürlich schon ein bisschen mehr. So finden auch Bassgitarre, Synthesizer und Feldaufnahmen aus der Natur statt. Entscheidend ist allerdings - ganz im Geiste der vergangenen Tour, auf der sie im Uebel & Gefährlich auch den Opener und längsten Track "XXANN" gespielt haben -, dass alles tatsächlich nur vom Kernduo aufgenommen wurde. Es ist das erste Studioalbum, auf dem kein weiteres Bandmitglied bzw. Gastmusiker zu hören sind. Und da alles, was nicht durch die zeitlose Unendlichkeit knarrende, brummende, dröhnende, heulende, tektonische Platten verschiebende Gitarre ist, sehr subtil stattfindet, bekommt neben dem körperlichen Erleben klanglicher Texturen hier vor allem das tatsächliche Spiel der beiden Musiker deutlich wie selten zuvor eine Bühne.

Und für eine Band, die nicht gerade durch ihren musikalischen Ereignisreichtum bekannt geworden ist, spielen sie innerhalb der durchschnittlich über fünfzehn Minuten langen sechs Stücke auch ganz schön viel. Das Ausmaß, in dem hier nicht nur seismisch-kosmischer Ton zelebriert wird, sondern auch verschiedene Riffs und Leads - teilweise in ungewohnt hohen Frequenzen - stattfinden, ist schon ungewöhnlich. Und das Tempo ist manchmal auch so - relativ gesehen - schnell, dass ich mir tatsächlich ein Schlagzeug dazu vorstellen könnte.

Drums gibt es aber natürlich nicht. Das tatsächlich auftauchende überraschende Instrument, welches ich vorhin noch unerwähnt gelassen habe, ist das Klavier im letzten Track "Glory Black". Als ich das Album zum ersten Mal auflegte, war ich gerade mittagsmüde und eigentlich zu schläfrig, um mich mit neuer Musik zu befassen. Dementsprechend bin ich auch in dem Stück kurz eingenickt und war ganz schön desorientiert, als ich zum unerwarteten Tasteninstrument aufwachte. Dabei ist die minimalistische und sich einer klaren Melodie entziehende Weise, in der das Piano eingebunden ist, vollkommen harmonisch zum Rest des Albums und bedient zudem auch zumindest ein klein wenig meine aktuelle Begeisterung für das Werk Erik Saties.

Sunn O))) live in Hamburg
Innere Stimmigkeit ist ohnehin das Ein und Alles während dieser beinahe achtzigminütigen Meditation. Tausende Kritiker werden Jahre vor mir geschrieben haben, dass Sunn O))) zu hören der Detailbetrachtung der abstrakten Farbfeldmalerei Mark Rothkos ähnelt. Und so haben sie sich für dieses Album dann auch konsequenterweise die Erlaubnis eingeholt, gleich zwei Werke des 1970 verstorbenen Expressionisten als Coverkunst zu verwenden. Deutlicher ließe sich das Gesamtbild kaum malen.

Regungsloser Stillstand und doch eine Unendlichkeit von Geschichten darin, die jeder Hörer anders empfinden wird. Für den einen mag es immer noch in erster Linie bizarr verlangsamter Doom Metal mit einem der brutalsten Gitarrensounds aller Zeiten sein - für den anderen hingegen spielt es im Grunde gar keine Rolle, welches lauteste Instrument der Welt die Trance triggert, die ihn auf Entdeckungsreise Richtung Ereignishorizont durch das eigene Synapsenlabyrinth schickt.

Einig sind sie sich hoffentlich darin, dass Sunn O))) hier sowohl back to the roots gehen, als auch die Erfahrungen aus der "Life Metal" / "Pyroclasts" / "Metta, Benevolence"-Phase erfolgreich aufgreifen und in reduzierter, fokussierter Form zu etwas Neuem weiterspinnen.

Und auch wer vielleicht sehnsüchtig auf eine Rückkehr des "Monoliths & Dimensions"-Maximalismus wartet, muss einfach zugeben, dass sich "sunn O)))" vor keinem anderen Werk der ins siebenundzwanzigste Jahr gehenden Diskographie des Drone-Duos verstecken muss. Uneingeschränkt und zeitlos meisterlich, keine Frage!

Verpackung und Design sind erwartungsgemäß edel, die halbtransparente Evil Greed-exklusive Vinylfarbe schick und ein dicker OBI-Streifen macht die Schleife ums Paket. Und dass Sub Pop überwiegend die jetzt schon kultige, modifizierte Sunn O)))-Variante des Labellogos verwendet, kann für zukünftige Veröffentlichen selbstverständlich gerne beibehalten werden. Da fehlt doch nur noch (Ist es anno 2026 so schwer, Leute?) ein beiliegender Downloadcode zur Perfektion.
 





2026-04-05

SUMAC und CHAINED TO THE BOTTOM OF THE OCEAN live auf der MS Stubnitz, Hamburg (03. April 2026)


Wow, in anderthalb Wochen steht ja schon wieder die Pilgerfahrt zum Roadburn Festival an! Zeit, sich konkret vorzubereiten, zu schauen, ob noch Dinge für unterwegs eingekauft werden müssen... und natürlich Zeit zu schauen, ob man sich sich die Planung der Running Order hier und da erleichert, in den man einzelne Roadburn-Künstler vielleicht schon auf Tour abfrühstückt.

Ok, in Bezug auf das fett besuchte vorgestrige Konzert auf der MS Stubnitz, ist das natürlich Quatsch. Ich wollte einfach Sumac sehen. Punkt. Dass deren Support allerdings auch übernächsten Sonntag in Tilburg spielen wird und ich nun einen Clashfaktor weniger habe, das nehme ich doch gerne mit.



CHAINED TO THE BOTTOM OF THE OCEAN

Der Name deer besagten Gruppe passt natürlich super für ein Bootskonzert, auch wenn es von Hamburg natürlich noch ein paar Seemeilen zur Nordsee und zum Ozean sind. Das Quartet Chained To The Bottom Of The Ocean überzeugte mit super lautem, garstigen Sludge Metal voller gewaltsam erdrückender, aufs Allernötigste reduzierter, dabei aber durchaus sehr catchy daherkommender Minimalriffs, eingebettet in teilweise überraschende rhythmische Ideen. Die Hauptrolle spielte aber eindeutig die beständig aufs Publikum herabgesenkten Tonnen menschenfeindlicher Aggression. Geiles Zeug, definitiv artverwandt mit Primitive Man und Body Void.

Ein mit dem Headliner nicht vertrauter Zuhörer hätte nach diesem (leider etwas kurzen) Set durchaus annehmen können, dass es an diesem Abend unmöglich noch härtere Tritte in die Magengrube geben könnte...








SUMAC
Auf dem Papier war das Set von Aaron Turner, Brian Cook und Nick Yacyshyn nicht länger als das ihrer Vorband, doch wenn ein Stück wie "The Stone's Turn" schon deutlich die Zwanzig-Minuten-Grenze überschreitet, sind vier Tracks - zwei vom aktuellen Album "The Healer", der Rest älteres Material - natürlich schon eine erdzeitaltergroße Hausnummer, nach der folgerichtig auch niemand im Publikum ernsthaft eine Zugabe erwartet hat.

Dem Statement dieser Show konnte da tatsächlich nichts mehr hinzugefügt werden. Für die ersten paar Minuten hatte man vielleicht noch glauben können, dass einfach noch eine weitere Sludge-Band auf der Bühne stand, nur noch erfahrener im Zusammenspiel und räudiger im Klangbild. Tatsächlich enfaltete sich aber bald die ganze einmalige Breite aus derbsten Bass- und Gitarrenton zwischen Godflesh, Sunn O))) und ja, ich sag mal Merzbow, metrisch verknoteten und eigenwillig synkopierten Riffs, krankesten Gitarrenloopzwischenspielen, überraschend reduzierten und atmosphärisch, aber immer auch chaotisch-freejazzig wirkenden Passagen, sowie Ausbrüche unfassbar übertriebenen, über jeden Extremmetalstandard hinausgehenden Infernos.

Es war wie immer ein Fest der katarthisch gewalttätigen Post-Metal-Avantgarde. Und wieder einmal war kaum zu fassen, wie viel Plan in den epischen Kracheskapaden des Trios steckt. Sumac sind einfach gleichzeitig hohe Künst und absolute Zerstörung wie kaum eine andere Band. Und der gewaltige Raumklang der Schiffsbauchlocation hat die Show natürlich noch zusätzlich vergoldet.

Zum Glück verbietet es sich bei dieser Musik von selbst, zu tanzen. Auf dieses Erlebnis wegen Deutschlands immer noch nicht komplett abgeschaffter Karfreitags-Tanzverbot-Regel zu verzichten, wäre eine Tragödie gewesen.







2026-04-03

Veil of Stuff feat. BONG-RA, IVAN THE TOLERABLE, PONTE DEL DIAVOLO and THE SHITS


1, 2, 3 aaand it's time for another roundup of my last for reviews on Veil of Sound, as always - if I own it - with some pictures of the physical media.








IVAN THE TORABLE - Chromophobia (Crystal Clear vinyl 2LP) (2026)
[MY REVIEW ON VEIL OF SOUND.COM ]

Not only am I pretty satisfied with my review, if I daresay so, but unbelievably when it was published this double album actually was Oli Heffernan's most recent release. Of course now, as a couple of months have passed, I'm behind again, because the prolific Psychedelic / Ambient / Jazz / Electronic artist has already put out new stuff.

This album with the serious background of the death of an important friend and collaborator however still remains an important beacon in Ivan The Tolerable's discography. Based on minimalist ideas, but ornamented in countless creative ways plugged from the history of Psychedelic Electronic music, these fourteen tracks just emit a special radiance between profound weight and floating lightness.

The simplistic artwork and the as transparent as transparent goes vinyl are of course a match. Perfection.











PONTE DEL DIAVOLO - De Venom Natura (transparent green vinyl LP) (2026)
[MY REVIEW ON VEIL OF SOUND.COM ]

The two-basses-powered Italian Blackened Post Punk Prog Doom Metal sensation is back with their second full album for friends of Healthyliving, Kothi Tuhoa, Gggolddd, Maggot Heart, Brutus, Shaam Larain and everything between. With select guests on duet vocals, theremin, clarinet, trombone and more, each song shows new facets of Ponte Del Diavolo's sound. Charismatic front witch Erba leads the group from highlight to highlight until the album ends - way too early - with a crowning Bauhaus cover. What a banger!

The record comes in a gatefold with lyrics on delicously poisonous green vinyl. Nice.









BONG-RA - Esoterik (transparent orange with black smoke vinyl LP) (2026)
[MY REVIEW ON VEIL OF SOUND.COM ]

Holy Egyptian Stargate Space Jesus! Jason Köhnen takes Bong-Ra full circle... again... and even fuller than before. After the switches from an Electronic solo project to a massive Doom Metal band, to Doomjazz influences and then to bringing back the breakbeats together with tons of oldschool Godflesh and Ministry worship on previous albums, "Esoterik" continues on the Industrial Metal path, but also sees Colin Webster return on the saxophone and layers all its organic and electronic, crushing, atmospheric and jazzy noises in an overwhelming more is more Blut Aus Nord storm.

Sick stuff and a solid presentation by Debemur Morti Productions (unnecessarily small font for the lyrics though) with a nice vinyl colour.









THE SHITS - Diet Of Worms (2026)

And finally we got new bowel actions from Leeds with the second full-length album of The Shits!

Their "Diet Of Worms" is a brutally repetitive stomper with heavy Crust Punk / Sludge / Noxious Rock'n'Roll riffs, deafening guitar Noise and vocals which hate themselves as much as they despise the listener. It's as real and nasty as it's absolutely fucking glorious! A fourty-three minutes boot kick into the jaw - if you like that kind of thing. For fans of La Muerte, Fetish 69 and good old English anger.

Now let's just don't ask ourselves what was used to paint the cover picture - and shhh please ignore that that whole phrase in the beginning of my VoS review about me surviving a Shits show "without being hit by gobs of spit, half-empty beer cans or ball-sweat flavoured handshakes of their frontman" was completely recycled from my Roadburn 2023 live review. But hey, sometimes you just cannot hit the nail on the head any more precise than you already did, right?






WORLD PEACE CORPORATION - Prosperity

Months and months... and months and multiple errors in the pressing plant... it was a long wait of almost a year since preordering this debut album. But maybe nomen est omen and that's not really a surprise in hindsight. Having "World Peace" in your band name in these troubled times... I don't know, it's not what our dear global leaders and their cult followers want.


WORLD PEACE CORPORATION - Prosperity (clear vinyl LP) (2025/2026)

Luckily "Prosperity" still feels fresh to me depsite the long wait, because I just decided not to listen to my digital copy until the transparent wax would arrive. And with very few exceptions I stayed strong and stuck to that. But a couple of weeks ago the postman finally brought the record, so I can finally properly dive into World Peace Corporation's meditation on "Understanding Authority" (side A) and "Facilitating Unity" (side B).

World Peace Corporation is the Swedisch/Dutch duo of Mark Bouwman and Dead Neanderthals' Otto Kokke. Their debut is a pure Drone release, fabricated with guitar and synths.

Each side contains one unbroken breathing, oscillating, booming piece with a tone that mixes Sunn O))) Drone Metal with mighty organ sounds and a pinch of Electronic buzz. Admittedly I'm not even sure if the latter is always actually there or just manifest as a psychic resonance between my brain and the tinnitus in my right ear. But with good Drone (or also Ambient) the listener's mind often does half the work. It's tasteful, with just enough action in its slow progressions to keep you engaged while you're also drifting away.

In its second half the album even surprises with some unexpected annavonhausswolffish beauty. "Prosperity" has a very satisfying sound which vibrates just in the right spots.

A great Drone, comparable to (and at least as good as) Dead Neanderthals' collaboration with Machinefabriek as DNMF on "Smelter" from 2018. Prosperous!