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2026-07-28

10 Jahre WACKEN-Abstinenz


Nachdem ich seit 1993 zwar nicht immer am Start war, insgesamt aber doch eine Menge Ausgaben mitgenommen habe, war 2016 mein letztes Wacken Open Air - und wird es wohl auch bleiben.

Dabei war mir eigentlich schon seit Jahren klar, dass ich 2026 Jubiläum feiern und wieder hin wollte. Das Ticket war besorgt, das dazugehörige T-Shirt aufgrund des ultrapeinlichen Ü60-Slogans "Party On!" sofort ungetragen verscherbelt. Dass das Billing eher schwach aussah, störte mich nicht. Denn ich gehörte ja in meinen letzten Besucherjahren immer zu den Verteidigern des Festivals; wer sich ein bisschen vorbereitet und sich nicht nur auf das ewig zirkulierende Hauptbühnenprogramm konzentrierte, der konnte von Mittwoch bis Samstag doch locker drei Dutzend coole Konzerte erleben und eine tolle Zeit haben!

,Das war trotz der seitdem weiter explodierten Kommerzialisierung nach dem Verkauf des Festivals an einen internationalen Investor auch weiterhin meine Einstellung. Dann habe ich mich neulich aber endlich daran gemacht, mir im Clashfinder meine Running Order zusammenzustellen und merkte schnell, dass der vom Roadburn Festival gewohnte Workflow, zunächst einmal alles zumindest interessante zu markieren, irgendwie nicht funktionierte - einfach weil zu wenige Gruppen interessant genug waren, um sie herauszustellen.

Ich habe also stattdessen den Rotstift genommen und markiert, was ich auf keinen Fall aus der Nähe erleben wollte, und siehe da: Flugs färbte sich beinahe übers gesamte Wochenende die Wackinger Stage blutig, aber auch jede Menge Bands auf den Hauptbühnen. Sabaton, Powerwolf, Hämatom, Visions of Atlantis sind da nur die Spitze des Scheißbergs. Kommt heute eigentlich keine  kommerziell größere Metalband ohne schlimmen Verkleidungsgimmick aus?

Natürlich repräsentiert das stets mit reichlich Verspätung auf den Zeitgeist reagierende Booking von Wacken nicht die Metalszene als Ganzes, aber das Festival definiert halt schon, was Außenstehende als Metal verstehen. Und dieses Bild ist zum großen Teil einfach zum Schämen flach, inhaltslos und kitschig. In Zeiten, die so viel künstlerische Reflektion, Aufschrei und politische Positionierung wie wohl nie zuvor erfordern, zeigt sich Metal hier in erster Linie als sauftauglich eskapistisches Kasperletheater im Nostalgienebel.


Klar, ich will gar nicht so tun, als ob nicht sowohl große wie kleinere Künstler auf der Running Order stehen, die ich gerne gesehen hätte. Auch wenn das Auftauchen von Sepultura, für die ich extra schon 2024 viel Geld bezahlt hatte, um die angeblich allerletzte Gelegenheit, sie live zu sehen zu ergreifen, schon beinahe eine Frechheit darstellt. Außerdem clashen sie tatsächlich direkt mit Alcest.

Castle Rat und The Gathering? Klar! Die anderen nennenswerten Hauptacts hat man schon gesehen. Und werden Savatage und Judas Priest ausgerechnet hier und jetzt noch die Shows ihres Lebens spielen, die den teils stundenlangen Leerlauf im Programm ausgleichen?
Triptykon ist unter den vielen Wiederholungstätern wohl noch der schlimmste Verlust. Aber ernsthaft, 2023 bin ich ja auch nicht wegen Voivod (die gerade das Headbangers Open Air abgerissen haben) hingefahren und habe es überlebt.

Man muss sich auch fragen, wie lange dieses Modell überhaupt noch in der Form bestehen kann. Werden die Heavy Metal- und Hardrock-Klassiker, bei denen jetzt schon Greise auf der Bühne stehen, durch Tributebands und Avatare ersetzt? Es kommen in der Richtung ja kaum Gruppen nach, die Kulissen dieser Größenordung rechtfertigen.

Ich könnte jetzt noch die Nu Metal-Scheußlichkeiten anführen, die inzwischen auch zum nostalgischen Dad Rock geworden sind, aber der Grund, warum ich mein Ticket loswerden musste, liegt tatsächlich dort, wo ich bislang immer Hoffnung hatte, nämlich auf den kleinen Bühnen.

Ein kuratiertes Programm ist besser als ein demokratisch gewähltes, und nichts zeigt dies besser als die Gewinner der internationalen Metal Battles, von denen ich mir erheblich mehr versprochen hatte. Aber die Highlights scheinen diesmal wirklich rar zu sein, stattdessen gibt's haufenweise uninspirierten Groove Metal, seelenloses Metalcoregeriffe und Möchtegern-Jinjer-Abklatsche... Leute, das Original ist live schon enttäuschend!


Nun gibt es natürlich noch dutzende weitere Shows auf den Nebenbühnen, auf denen der Veranstalter die Chance hätte, noch ein paar wirklich gute Metalbands aller Subgenres zu unterstützen. Doch stattdessen werden diese Bühnen mit viel zu vielen Witzgruppen, Coverbands und Mittelaltermarktfantasyquatsch zugemüllt. Dabei gibt es so viele, so großartige Metalbands da draußen, die mit einem Fingerschnippen bereitstehen würden. Was da zugunsten vom bierseeligen primitivsten gemeinsamen Nenner an Potential verschenkt wird, geht auf keine Wackenkuhhaut mehr.

Ganz ehrlich: Vor ein paar Wochen hätte ich mir nicht vorstellen können, hier so zu ranten. Aber wenn man beim Recherchieren für seine Running Order ständig die Musik nach wenigen Sekunden anhalten und "Warum macht ihr so eine Scheißmusik?" brüllen muss, dann macht das schon etwas mit einem, haha.
Auf jeden Fall war das dann auch der Punkt der mir klar gemacht hat, dass mein Ticket in anderen Händen besser aufgehoben ist und das Geld dafür sich auf meinem Konto wohler fühlt als in den überteuerten Fressbuden des Holy Ground.

Fazit: Ich wollte ja, aber nein, wenn ich's nicht einmal aushalte, mir mein Programm für alle Tage zu Ende zu planen, dann war's das jetzt besser wirklich mit uns, liebes Wacken Open Air!

Thanks for the memories und allen Fans von *brrr* Crematory, P.O.D. und den Wacken Firefighters viel Spaß in den kommenden Tagen!







2026-07-27

HEADBANGERS OPEN AIR 2026 • Samstag, 25. Juli • mit AGENT STEEL, AMBUSH, BENGAL TIGERS, FATAL EMBRACE, LÖANSHARK, SARACEN und VOIVOD


Ja tatsächlich! Ich war am Wochenende zum allerersten Mal für einen Tag auf dem Headbangers Open Air! Wer mich auch nur ein bisschen kennt, der weiß natürlich, welcher Name auf dem Billing dies zu verantworten hat. Und trotzdem ist es angesichts der Tatsache, wie nahe dieses familiäre Metal-Fest liegt, schon etwas erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis ich einmal meinen Arsch dorthin bewegt habe.

Klar, als ich noch Wacken-Gänger war, da war noch ein Wochenende Festival vorher einfach zu viel. Und ich bin natürlich nie der größte Heavy-Metal-Traditionalist gewesen, wie er hier vor allem bedient wird. Es gab durchaus schon mal Bands, die mich gereizt hätten, aber dann doch nicht ausreichten, um z.B. gegen Autopsy auf dem zeitgleich stattfindenden Stonehenge Festival in den Niederlanden anzustinken.

Nun aber war es endlich soweit, und das perfekte Draußen-Wetter bestätigte mich, dass ich mir den richtigen Tag ausgesucht hatte. Mit der Bühne als festen, für einen großen Teil des Publikums überdachten Aufbau neben einem Wohnhaus, ist das Headbangers tatsächlich nach wie vor eine "Gartenparty", als solche allerdings durchaus schon sehr viele Nummern größer als z.B. die Gartenparty in Holzbunge, auf der ich Anfang des Monats gewesen bin. Mit überschaubarem Gelände, kurzen Wegen, aber doch so vielen Menschen, dass man den einen oder anderen Bekannten nur in einziges Mal am Tag oder vielleicht sogar nicht treffen kann, hat es im Grunde die perfekte Größe.

Bemängeln kann man vielleicht nur die Ausschilderung. Oder habe ich von Wrist aus nach Brande-Hörnerkirchen kommend einen orangen Pfeil übersehen? Wie auch immer, ich kam trotz kurzer Desorientierung rechtzeitig kurz vor Mittag in der Funklochwalachei an, wo das Programm bereits um Punkt zwölf Uhr startete:




LÖANSHARK
Ganz unabhängig von der tatsächlichen Qualität der Bands ist eine Sache auf dem HOA klar: Es werden gnadenlos alle Klischees abgearbeitet, die Heavy Metal zu bieten hat. Die erste Band des Tages begann den Reigen dann nicht nur mit Metal-Ümlaut im Namen, sondern auch mit Ansagen, die aufgrund des Akzents der Spanier kaum ein Mensch im Publikum komplett verstand. Check. Aber egal - Metal!

Löansharks Metal war schnell, traditionell, nicht originell genug, dass ich mich ohne Hilfe jetzt noch detailliert erinnern könnte - aber anderseits makellos gemacht. Will sagen: Das Trio blies mich zwar nicht komplett um, machte seine Sache aber sehr gut und bot somit einen launigen Einstieg in den Tag.








FATAL EMBRACE
Bei den Deutschen Fatal Embrace ging es dann eine ganze Ecke derber zu. Die Zeichen standen auf Speed und gesanglich oft mit angelripperscher Rotzigkeit dargebrachten, räudigen Thrash Metal zwischen teutonischer Thrashtradition und Slayer-Reminiszenzen.

Auch hier war jedes Riff wieder irgendwie bekannt, aber leider geil. Auch dank jahrzehntelanger Erfahrung bot die fünfköpfige Gruppe ein fettes Brett zum freudigen Rübeschütteln.







In den Umbaupausen war immer genügend Zeit, um für kurze Snack- und Getränkeaufnahme zum Auto zurückzukehren. Nach Fatal Embrace machte ich allerding eine etwas längere verspätete  Mittagspause inklusive Nickerchen. Auf den Auftritt von Slander verzichtete ich damit komplett - die einzige der acht Bands des Tages, die ich mir gar nicht angeschaut habe.

Weiter ging es für mich also mit einer 1979 gegründeten Truppe aus Down Under:


BENGAL TIGERS
Ich hätte das Gründungsjahr wahrscheinlich nicht einmal verraten müssen. Die Beschreibung der Bengal Tigers als Band, die laut Encyclopedia Metallum die Themen Frauen, Sex und Metal behandelt und offensichtlich aus der Zeit stammt, als Tiger-Ikonographie noch cool war, hätte vermutlich ausgereicht.

Bei einer Veranstaltung, die dafür bekannt ist, seit Urzeiten aktive - oder reaktivierte - Künstler zu beherbergen (die natürlich obskur genug sein müssen, dass man ihnen abnehmen kann, es nicht des Geldes wegen zu machen, sondern weil sie noch Bock darauf haben), stellt sich natürlich häufiger die Frage nach der Vereinbarkeit von Rock'n'Roll und der Würde des Alters. Wie lange kann man das Bühnenoutfit von damals tragen? Ich will aber kein Ageist sein und gönne Sänger Gordon Heald den Spaß an seinem Barbaren-Cosplay meets SM-Keller-Sonnenbrillenlook. Nur von Kindergärten und Schulen sollte er sich in dem Aufzug besser weit entfernt halten.

Aber jetzt mal zum Wichtigsten: Musikalisch war der etwas sleazige Heavy Metal der Australier nämlich sehr tight und powervoll. Nichts was ich unbedingt zu Hause hören müsste, aber live durchaus eine mehr als ordentliche Bank.








SARACEN
Mit den Briten Saracen folgte ein sogar noch älteres Geschütz, hatten sich die NWoBHMler doch ursprünglich bereits 1985 nach zwei Alben aufgelöst, ehe sie zu Beginn des neuen Jahrtausends zurückkehrten. Die Garderobenfrage wurde hier ganz anders gelöst. Mit dem normalsten Alltagslook des Tages wurde die Aufmerksamkeit ganz auf die Performance und die Qualität des gespielten Materials gelenkt. Und in beiden Belangen mussten Saracen sich nicht verstecken.

Vor allem Sänger Steve Bettney demonstrierte eine beeindruckende stimmliche Form. Da hat jemand sein Organ über die Jahre richtig behandelt! Musikalisch merkte man schnell, dass die Keyboards im Songwriting der Band eine große Rolle spielen - was mir ausdrücklich gefiel, erweiterte es den im Vergleich zu manchen Zeitgenossen eh schon etwas zeitloseren Frühachtziger-Heavy-Metal-Sound doch um Elemente, die mich im besten Sinne an Queensrÿche oder Europe denken ließen. Sehr gut.








AMBUSH
Der frühe Abend begann dann mit einer schwedischen Band, die zwar vor dreizehn Jahren gegründet ein paar Generationen jünger war, die Klischees rund um Speed und Heavy Metal dafür aber umso gründlicher zelebrierte. Von V-Gitarren-Heldentum und choreographiertem Posing, von hymnischen Harmoniegesängen und stratosphärigen Judas Priest-Falsettschreien hauten Ambush alles mit ungemeiner Spielfreude nach vorne raus.

Das Resultat war Fistraising-Metalfest des Energielevels RAM bis Riot City, welches vom Publikum enthusiastisch aufgenommen wurde. Man konnte zweifellos merken, dass die Schweden zum aktuellen heißen Scheiß der Szene gehören. Für mich persönlich war's der größte pure Heavy-Metal-Abriss seit Amethyst letztes Jahr in Berlin. Klares Highlight soweit!








AGENT STEEL
Zur besten Sendezeit wurde es dann leider traurig. Ich gebe ja zu, dass ich null Expertise beanspruche, was die meisten Künstler auf diesem Festival angeht, aber um zu erkennen, dass das, was bei Agent Steel auf der Bühne geschah, weit unter dem Anspruch der (erstmals) 1984 gegründeten Band liegen musste, bedurfte es keiner Vorkenntnisse. Und inwiefern es sich bei der hier auftretenden Band überhaupt um die "richtigen" Agent Steel handelte, traue ich mich angesichts der an Drama, Besetzungskarussell und Namensrechtsstreitigkeiten reichen Bandgeschichte gar nicht zu spekulieren. Keine Zeit, zu kompliziert. Es war auf jeden Fall Sänger und Urmitglied John Cyriis dabei, zumindest mehr oder weniger. Und damit haben wir das Problem dieser Show auch gleich verortet.

Der Mann war durch Verzögerungen bei der Anreise so spät auf dem Gelände angekommen, dass die Autogrammstunde der Band auf nach der Show verschoben werden musste. Gerüchte gingen um, dass Agent Steel gar nicht auftreten würden, doch die Veranstalter machten vor dem Auftritt in aller Deutlichkeit klar, dass dies nicht stimmte. Die Behauptung, dass uns eine tolle Show erwartete, war allerdings unfreiwillig gelogen.

Der eh schon gestresste Sänger hatte nämlich sein eigenes Funkmikrofon inkl. Effekten dabei - und es funktionierte überhaupt nicht. Was man von seiner extrem hohen Stimme hörte, klang wie aus dem Telefon und schob massenhaft Feedback vor sich her. Ein Ersatzmikro musste über denselben Kanal laufen und brachte auch keine Besserung. Cyriis kam damit überhaupt nicht klar und war anscheinend auch nicht gewillt, wo wie alle Künstler vor ihm mikrofoniert zu werden. Es gab lange Diskussionen zwischen den Songs, zwischenzeitlich stellte er den Gesangsbetrieb komplett ein und ihm musste von innerhalb und außerhalb der Bühne gut zugeredet werden... Um weitere Rückkopplungen zu vermeiden verichtete der Rest der Band freiwillig darauf, Backgroundgesänge beizusteuern, was die Sache auch nicht besser machte. Es kam kein Fluss auf, die Show kreiste nur um ein Problem und den unsouveränen Umgang damit.

Dabei hätten Agent Steel es mit ihren richtig geilen Speed/Thrash-Stücken zweifelsohne in der Hand gehabt, eine hervorragende Metal-Feierstunde abzuliefern. Stattdessen war dieser Auftritt ein Debakel, welches mir in seinen langen kommunikationslosen Pausen reichlich Zeit ließ, einen "Stongehenge"-Ohrwurm zu entwickeln. Im Gegensatz zu Spinal Tap war hier allerdings nichts zum Lachen. Wäre ich nicht auf einen guten Platz in der ersten Reihe beim nachfolgenden Headliner aus gewesen, dann hätte ich mir dieses unwürdige Trauerspiel niemals bis zum Ende angeschaut.








VOIVOD
Es war nun an der kanadischen Sci-Fi-Thrash-Legende Voivod, das Stimmungsruder wieder herumzureißen. Und wer nicht nur die Verlässlichkeit der Band kennt, sondern außerdem schon den ganzen Tag lang die unglaublich hohe Merchpräsenz im Publikum nicht nur auf Metalkutten, sondern auch in T-Shirts und Kopfbedeckungen beobachtet hatte, der wusste, dass sie diese Chance niemals verspielen würden.

Dabei sind sie auf dieser Sommertour selbst unter ungewöhnlichen Umständen unterwegs, ist Sänger Snake doch aus familiären Gründen verhindert. Doch statt ihre Festivalauftritte abzusagen, sind Chewy, Rocky und Away auf seinen Vorschlag hin nun mit dem würdigsten Ersatz unterwegs, nämlich Eric Forrest, Sänger/Bassist der Trio-Besetzung in den späten Neunzigern, der das Material der Alben "Negatron" und "Phobos" auch weiterhin mit seiner Band E-Force pflegt (gesehen und begeistert gewesen im Jahr 2018 im Bambi Galore).

Die Setlist wurde entsprechend angepasst. So musste zwar auf neueres Material von "Synchro Anarchy" oder "Post Society" verzichtet werden, doch dafür begann die Show gleich mit seinem Stück "Rise" und enthielt später auch "Nanoman". Insgesamt war die Songauswahl mit zwölf Tracks von zehn verschiedenen Alben ein erstaunlich umfassender Best-Of-Rundumschlag, der auch gut die verschiedenen Typen von Liedern in Voivods Repertoire repräsentierte. Zwischen krieg- und schmerzvoller Brutalität, monolithisch hirnfickender Sperrigkeit und unwiderstehlichen Sing-along-Hits geht so eine Show einfach irre schnell rum.

Und ganz egal ob "The Unknown Knows", "Nuclear War", "Fix My Heart" (so großartig, dass das Ding in letzten Jahren seine Wiederauferstehung gefeiert hat!) oder das neueste Stück "Obselete Beings" von "The Wake" gezockt wurden - es war alles gleich fantastisch und wurde ohne Ausnahme maximal abgefeiert. Und beim unverzichtbaren Pink Floyd-Cover to end all Pink Floyd covers "Astronomy Domine" hab ich direkt mal Gänsehaut bekommen.

Davon, dass es sich bei der Besetzung um eine Notlösung handelte, zeugte im Grunde nur das Pad, auf dem E-Force die Texte zur Unterstützung dabei hatte. Seine Performance - wie erwartet stimmlich anders als Snake, aber hier und da sogar irgendwie besser, war super. Auch ohne Bass wusste er etwas mit sich anzufangen.

Dazu schien Dan Mongrain an Gitarre und Mikro auch noch umso motivierter zu sein. Die Band gab mal wieder alles und man spürte, dass Voivod auch jenseits der regulären aktuellen Besetzung eine Familie sind. So schade es auch war, Snake nicht dabei zu haben, so ungebrochen war die Chemie auf der Bühne.

Abgesehen von Agent Steel war ich ja den ganzen Tag lang gut unterhalten gewesen, aber Hand aufs Herz und bei allem Respekt für Ambush, Saracen und Co.: Voivod operierten hier einfach in einer ganz anderen galaktischen Liga. Nach dem viel zu frühen Ende ihres Auftritts hatte ich nicht nur einen neuen aktuellen Spitzenreiter auf meiner Liste der besten Festivalshows des Jahres, sondern auch den Eindruck, einem speziellen Moment in der Geschichte der Band beigewohnt zu haben.

Merci, Voivod! Fuckyeah, dankeschön Headbangers Open Air!