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2026-06-07

DOPE PURPLE live im Speicher Husum (06. Juni 2026)


Was für ein Zufall! Die taiwanesischen Acid Mothers Temple-Verehrer Dope Purple, auf die ich nun schon ein paar Jahre dringend Bock habe, kommen auf ihre erste Europatour und ich ärgere mich schon, dass ich dieses Jahr nicht vorhabe zum Esbjerg Fuzztival nach Dänemark zu fahren - da kündigen sie auch schon ihre einzige deutsche Clubshow (abgesehen vom Desertfest Berlin) an. Und diese findet ausgerechnet im Herz des nordfriesischen Nirgendwo, im touristischen Hafenstädtchen fucking Husum statt! Klar, nichts wie hin da!

Da ich Zeit habe, fahre ich statt Autobahn die kürzeste, aber auch langsamere malerische Route, bin in Friedrichshafen noch einkaufen und abendessen, habe aber trotzdem noch genügend Zeit für zumindest ein bisschen fotografischen Spaziergang (teilweise mit Film, also hier noch nicht zu sehen) bei nicht mehr allzu großzügigem Licht, da das Wetter sich trotz warmer Sommertemperatur bemühte, dem Ruf der "grauen Stadt am Meer" gerecht zu werden.



Um zwanzig Uhr war es dann aber Zeit, direkt neben den Restaurants, Jahnny's Eis und Booten des historischen Hafens in den Speicher einzukehren, wo die Sause - leider ohne Vorband, die die Zuschauerzahlen evtl. noch etwas weiter nach oben gepusht hätte - auch schon bald darauf losging.




DOPE PURPLE
Die Show begann ganz harmlos mit Gitarrist Hung Jiun Chi (den ich der Vergangenheit schon zweimal in Berlin und Tilburg als Hälfte des Duos Mong Tong erlebt hatte) an einem ziemlich großen, mit vielen Extrareglern ausgestatteten Instrument, dem er oftmals an Kikagaku Moyo erinnernde Sitarklänge entlockte. Nach und nach kam der Rest der fünfköpfigen Kombo auf die Bühne, um zunächst Atmosphäre aufzubauen, aber schon bald in diversen immer wilderen, chaotischeren und lauteren Zündstufen neue Raketen psychedelischen Freakouts abzufeuern.

Abgesehen von Gitarren, Bass und Schlagzeug gibt es bei Dope Purple wohl eine gewisse Fluktuation in der Besetzung. So waren zu meiner Überraschung keine Synthesizer am Start, dafür aber Tenorsaxophon - ich nehme mal an gespielt von Yong Yandsen, der auf "Children In The Darkness" noch als Special Guest geführt wurde. Und dieses dauereskalierende, freejazzende, aber manchmal auch wie eine Zurna jaulende Saxophon war im Grunde der Frontmann der nur aus wenigen, dafür aber sehr langen Stücken bestehenden Show.

Wenn sich nicht der am wildesten rock'n'roll-posende Gitarrist/Sänger Kozma Lui in den Vordergund - was auch mal der Publikumsraum sein konnte - schob. Was er sang oder schrie war im ohren- und sinnenbetäubenden Krautgetose kaum auszumachen, spielte aber auch keine Rolle. Wichtig war hier vor allem der vollkommen auf Anschlag in Stufe elf gedrehte Exzess - welcher durch leisere und langsamere Aufbaupassagen nur noch mehr akzentuiert wurde.

Vollumfänglich zu beschreiben, was in diesem oft scheinbar einzig durch den stoischen Bass zusammengehaltenem einstündigen Rausch alles geschah ist genauso müßig wie unmöglich. Es war einfach überwältigend übertrieben - und genau richtig so. Dope Purple bespielen jene verwegene Ecke kosmischen Krachs, in der neben den japanischen Vorbildern auch die französischen Heavy Psych-ologen Slift Radau machen. Einmal kräftig durchspacen bitte!

Eine absolut grandiose Show. Ich fühle mich privilegiert, dabeigewesen zu sein.








2026-06-04

BLOOD INCANTATION und INSECT ARK live in der Pumpe, Kiel (02. Juni 2026)


Déjà Vu? Blood Incantation spielen "Absolute Elsewhere" live - hatten wir das nicht schon vor etwas mehr als einem Jahr in Hamburg? Ja, hatten wir. Aber aktuell spielt die Kosmische Death Metal-Band diverse Sommerfestivals in Europa, zwischen denen auch die eine oder andere Clubshow anfällt. Und so begann die Tour der Amis tatsächlich vergangenen Dienstag in der Pumpe in Kiel.

In der Landeshauptstadt bin ich Ewigkeiten nicht mehr gewesen, und im großen Hauptsaal der Pumpe tatsächlich noch nie. Das spielte beim Ticketkauf allerdings keine Rolle, war das Konzert doch zunächst im Max angekündigt gewesen, bevor es aus Produktionsgründen ortsverlegt wurde. Der eigentliche Kicker für mich, mir diese Tour noch einmal anzuschauen, war allerdings die Ankündigung von Neptunian Maximalism als Support. Die Belgier mussten später leider canceln - aber dafür gab es zum Glück ebenso spannenden Ersatz in Form von Insect Ark:


INSECT ARK
Klar, ein langes Abräumerset mit Traumsound wie letztes Jahr am Roadburn Festival-Sonntag war hier und heute natürlich nicht zu erwarten. Dennoch schlugen sich Dana Schechter (Bass), Tim Wyskida (Drums) und Lynn Wright (Gitarre und Lap Steel) mit ihrem doom-dröhnenden Noise Rock sehr gut. Vom Gesang der Bandchefin hätte schon gerne mehr gehört (vielleicht ein Erste-Reihe-Problem), der Mix aus knarzig krachener Dreckigkeit, grobem und filigranem Spiel und düstertrauriger Atmosphäre holte mich aber natürlich wieder voll ab. Wie sollte es beim dargebotenen Songmaterial von "Raw Blood Singing" auch anders sein?

Als Roadburngänger ist man natürlich ein bisschen verwöhnt, was das Publikum angeht. Doch Blood Incantation sind bei aller Originalität eben auch Titelstory-Protagonisten gedruckter Metalzeitschriften und ziehen somit schon eine "normalere" - und somit dooferweiser auch respektlosere - Menge an, in der sich ein lästiger Anteil von Banausen unbedingt während der Show der Vorband lautstark miteinander unterhalten muss. Nervte. Ohne Scheiß: Es war ein warmer Sommertag - hättet ihr zum Sabbeln nicht rausgehen können?








BLOOD INCANTATION
Als Hauptgang gab es - Überraschung! - natürlich wieder das dreiviertelstündige "Absolute Elsewhere"-Album in all seiner Genregrenzen sprengenden, superpräzise brutalen deathmetallischen, progressiven, voivod-riffigen, tangerineverdreamten Pracht.

Ägyptoesoterische Sci-Fi-Bühnendeko war diesmal nicht am Start, aber personell wurde selbstverständlich wieder das komplette Fünferbesteck inklusive zusätzlicher Analogsynthies, ohne die das Album ja auch kaum spielbar wäre, aufgefahren. Alles wie letztes Mal im Gruenspan also?

Nein, besser! Zunächst einmal war der Sound besser. Hier waren Blood Incantations weniger infernalisch laut und ihre musikalische Wundertüte im Vergleich einfach detaillierter zu verstehen. Außerdem war das Set länger. Es gab im Zugabenteil wieder eine mit Synthies und zwei Gongs bestrittene Ambient-Passage und die Show endete erneut mit "Obliquity of the Epcliptic" von der "Luminscent Bridge"-EP.

Davor allerdings gab es nicht nur ein Stück, sondern immerhin eine Zeitreise (ein sehr ausgiebig und unterhaltsam mit Hilfe von Effekten während einer Ansage ausgeführtes Thema) zum 2016er Full-Length-Debüt "Starspawn" mit "Vitrication of Blood" und "Hidden History of the Human Race" (2019) mit "The Giza Power Plant". Sehr schön, dass auch in diesen älteren Stücken die Synthesizer voll ins oldschool-todesbleierne Geschehen eingebunden wurden.

Der Kult der innerhalb von zwei Tagen aufeinanderfolgenden "Timewave Zero"-Ambient-Show und vollmetallischen Eskalation auf dem Roadburn 2024 bleibt nach wie vor unerreichbar, aber im für mich zweiten Anlauf mit "Absolute Elsewhere" haben Blood Incantation mit ihrer ersten Show in Kiel eine äußerst beeindruckende Annäherung hingelegt. Sehr groß!