Wird es allmählich zur Gewohnheit? Nach der Wintereinbruchsshow von Marissa Nadler und dem Tribut an La Monte Youngs "Composition 1960 #7" während des Roadburn Festivals war Amanda Palmers gestriger Auftritt bereits mein drittes Kirchenkonzert innerhalb eines Jahres.
Obwohl ich mich ansonsten so gut wie niemals in dieser Gegend aufhalte, war die St.-Getrud-Kirche am Kuhmühlenteich östlich der Außenalster mit dem Auto leicht zu finden. Ich hatte mich ja auch vorbereitet und wusste genau, welche Straßen - inklusive jener direkt am Ziel - ich auf Parkplatzsuche abfahren musste. Ok, Quatsch. Durch die Vollsperrung einer Zufahrtsstraße war es auf einmal super kompliziert geworden, den Weg zum Gotteshaus zu finden. Zunächst einmal brauchte ich Ewigkeiten, um überhaupt in die Nähe zu kommen, bin sonstwohin abgeschweift und sogar einmal - "Scheiße, das wär's gewesen!" - direkt an dem richtigen Rechtsabbieger vorbeigerauscht. Einfach umkehren konnte man dort leider nicht. Ich befand mich also wieder auf einer Umfahrung jakobswegschen Ausmaßes, als ich - immerhin auch nur einen Kilometer entfernt - spontan eine sich auftuende Parklücke nutzte.
Natürlich sah ich nicht nur auf dem Fußweg zur Kirche zahlreiche mich höhnisch angrinsende freie Parkplätze, sondern erst recht direkt vor der Kirche selbst. Vermutlich ist dieser Flecken momentan tatsächlich eine der isoliertesten Ecken Hamburgs. Under der Veranstalter Kampnagel hatte noch gewarnt, wegen Parkplatzmangels lieber gleich mit den Öffis anzureisen. Ähem.
Das war natürlich zurückblickend alles halb so wild - trotzdem begleitete mich das gesamte Konzert über eine gewisse Grundnervosität, da sich eine halbe Stunde vor Beginn der Show der Parkvorgang auf meiner easypark-App einfach selbstständig beendet hatte und ich natürlich nicht mal eben draußen nachschauen konnte, ob alles in Ordnung war und meine Kiste noch dort stand.
Und falls dich das alles einen Scheißdreck interessiert und Du einfach nur über Amanda Palmer lesen möchtest - tja, Du hättest den ganzen Sermon überspringen können!
Anderseits empfinde ich es auch nicht als ganz unpassend, einen Bericht zu dieser selbst gerne lange Geschichten erzählenden Künstlerin mit etwas Vorgeplänkel zu beginnen, bevor es zur Sache geht. War jetzt halt nur doof, dass ich nichts spannenderes oder relevanteres als diese Banalitäten anzubieten hatte. Sorry?
Obwohl ich mich ansonsten so gut wie niemals in dieser Gegend aufhalte, war die St.-Getrud-Kirche am Kuhmühlenteich östlich der Außenalster mit dem Auto leicht zu finden. Ich hatte mich ja auch vorbereitet und wusste genau, welche Straßen - inklusive jener direkt am Ziel - ich auf Parkplatzsuche abfahren musste. Ok, Quatsch. Durch die Vollsperrung einer Zufahrtsstraße war es auf einmal super kompliziert geworden, den Weg zum Gotteshaus zu finden. Zunächst einmal brauchte ich Ewigkeiten, um überhaupt in die Nähe zu kommen, bin sonstwohin abgeschweift und sogar einmal - "Scheiße, das wär's gewesen!" - direkt an dem richtigen Rechtsabbieger vorbeigerauscht. Einfach umkehren konnte man dort leider nicht. Ich befand mich also wieder auf einer Umfahrung jakobswegschen Ausmaßes, als ich - immerhin auch nur einen Kilometer entfernt - spontan eine sich auftuende Parklücke nutzte.
Natürlich sah ich nicht nur auf dem Fußweg zur Kirche zahlreiche mich höhnisch angrinsende freie Parkplätze, sondern erst recht direkt vor der Kirche selbst. Vermutlich ist dieser Flecken momentan tatsächlich eine der isoliertesten Ecken Hamburgs. Under der Veranstalter Kampnagel hatte noch gewarnt, wegen Parkplatzmangels lieber gleich mit den Öffis anzureisen. Ähem.
Das war natürlich zurückblickend alles halb so wild - trotzdem begleitete mich das gesamte Konzert über eine gewisse Grundnervosität, da sich eine halbe Stunde vor Beginn der Show der Parkvorgang auf meiner easypark-App einfach selbstständig beendet hatte und ich natürlich nicht mal eben draußen nachschauen konnte, ob alles in Ordnung war und meine Kiste noch dort stand.
Und falls dich das alles einen Scheißdreck interessiert und Du einfach nur über Amanda Palmer lesen möchtest - tja, Du hättest den ganzen Sermon überspringen können!
Anderseits empfinde ich es auch nicht als ganz unpassend, einen Bericht zu dieser selbst gerne lange Geschichten erzählenden Künstlerin mit etwas Vorgeplänkel zu beginnen, bevor es zur Sache geht. War jetzt halt nur doof, dass ich nichts spannenderes oder relevanteres als diese Banalitäten anzubieten hatte. Sorry?
Die Bankreihen plus Extrabestuhlung an der Seite des neugotischen Kirchenschiffs hatten sich gut gefüllt, als sich nach einem orchestralen Intro vom Band aus Richtung Eingang der Klang einer einsamen Ukulele näherte. Amanda Palmer schritt im schwarzen Kleid durch den Mittelgang und begann schließlich ohne Mikrofon, sogleich die brilliante Akustik des Raums demonstrierend, Radioheads "Creep" zu singen. Sicherlich nicht die alleroriginellste Wahl eine Coverstücks, doch als sie die hohe Kanzel hinaufgestiegen war und inbrünstig laut mit unglaublich langgezogenen Noten den Refrain intonierte, war dies mehr als leicht zu entschuldigen.
Es sollte nicht das einzige Fremdmaterial des von hieran am Konzertflügel bestrittenen Abends bleiben. Und Stücke ihres eigenen Duos Dresden Dolls wie das mit brillianter Performancecomedy angereicherte "Coin-Operated Boy" zähle ich hier gar nicht mit.
So folgten später im Set noch ein Track vom Soundtrack zum Barbie-Film (Ich kann Amandas Aussage nur unterstreichen: "If you haven't seen it: It is not what you think it is!"), nämlich Billie Eilishs Ballade "What Was I Made for?" und zum Abschluss der Show - passend zur Location - Leonard Cohens Klassiker "Halleluhjah".
Davor gab es durchaus auch Momente, in denen man dachte, dass eine katholische Kirche dieses Programm wohl nicht hätte durchgehen lassen. Damit meine ich nicht nur gelegentliche explizite *räusper* Anzüglichkeiten, sondern vor allem ein neues, noch unveröffentliches Stück, in dem Palmer mit größtmöglicher Intensität zu kraftvoll gehämmertem Klavier forderte "Get Divorced!" (was in einem späteren Lied sogar als Reprise noch einmal auftauchte). Natürlich hat der Song Kontext, doch alleine in einer Kirche die Forderung zu stellen, sich scheiden zu lassen, fand ich ja schon erfrischend blasphemisch.
Die ersten - ich schätze mal - zwei Drittel der Show bestanden aus etablierten und leicht obskureren Überraschungen, wie einem mit erfreulich amerikaner-untypischen Akzent im Kabarett-Duktus vorgetragenen deutschprachigen Titel. Dazwischen hatte die Künstlerin natürlich einiges zu erzählen, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie sie es auf ihrer noch stärker emotional aufgeladenen 2019er Tour zu "There Will Be No Intermission" getan hatte. Ich hatte die Gelegenheit, sie damals in Hamburg zu sehen, zwar leider nicht wahrnehmen können, hatte die damalige Tour aber zumindest in gleich zwei separaten Livestreams verfolgt.
Von jenem Album - nach wie vor dem einzigen, welches ich wirklich von ihr kenne - war leider gar kein Material in Amandas Setlist vertreten. Doch auch wenn ich z.B. zumindest das überragende "Drowning In The Sound" (oder "Death Thing" oder "The Ride"...) schon durchaus gerne gehört hätte, war dieses Konzert auch ohne jene vertrauten Töne von vorne bis hinten mitreißend und brilliant. Sowohl stimmlich als auch an den Tasten war ihre Darbietung tatsäch noch deutlich besser als ich erwartet hatte.
Einzig die immerhin für einige Lacher verantwortliche "Lightshow" (Saallicht geht zufällig an und aus) wäre definitiv noch ausbaufähig gewesen.
Mein liebster Teil der Tragik und Humor balancierenden Show - und auch die beste, nur durch die beinahe ununterbrochene Abfolge von Songs erzählte Geschichte - war für mich jener Block am Ende, in dem sie eine ganze Reihe brandneuer Stücke präsentierte. Dafür dass diese noch work in progress waren, klangen sie schon verdammt ausgereift und versprechen jetzt schon ein sehr starkes Studioalbum - wann immer dieses auch aufgenommen werden wird.
Das Publikum bedankte sich für das kurzfristig lange nach Veröffentlichungen des offiziellen Programms des Kampnagel Sommerfestivals angesetzte Konzert mit lange anhaltenden Standing Ovations. Amanda Palmer, die aufgrund des Dramas rund um die Anschuldigungen gegenüber ihrem Ex-Mann mit sie nicht promotender Presse und in Amerika und Australien mit gecancelten Shows und Touren zu kämpfen hat, zeigte sich von diesem Ausgang der Veranstaltung sichtlich gerührt.
Es war ihr zu gönnen. Große Gefühle, große greifbare Kunst.
Es sollte nicht das einzige Fremdmaterial des von hieran am Konzertflügel bestrittenen Abends bleiben. Und Stücke ihres eigenen Duos Dresden Dolls wie das mit brillianter Performancecomedy angereicherte "Coin-Operated Boy" zähle ich hier gar nicht mit.
So folgten später im Set noch ein Track vom Soundtrack zum Barbie-Film (Ich kann Amandas Aussage nur unterstreichen: "If you haven't seen it: It is not what you think it is!"), nämlich Billie Eilishs Ballade "What Was I Made for?" und zum Abschluss der Show - passend zur Location - Leonard Cohens Klassiker "Halleluhjah".
Davor gab es durchaus auch Momente, in denen man dachte, dass eine katholische Kirche dieses Programm wohl nicht hätte durchgehen lassen. Damit meine ich nicht nur gelegentliche explizite *räusper* Anzüglichkeiten, sondern vor allem ein neues, noch unveröffentliches Stück, in dem Palmer mit größtmöglicher Intensität zu kraftvoll gehämmertem Klavier forderte "Get Divorced!" (was in einem späteren Lied sogar als Reprise noch einmal auftauchte). Natürlich hat der Song Kontext, doch alleine in einer Kirche die Forderung zu stellen, sich scheiden zu lassen, fand ich ja schon erfrischend blasphemisch.
Die ersten - ich schätze mal - zwei Drittel der Show bestanden aus etablierten und leicht obskureren Überraschungen, wie einem mit erfreulich amerikaner-untypischen Akzent im Kabarett-Duktus vorgetragenen deutschprachigen Titel. Dazwischen hatte die Künstlerin natürlich einiges zu erzählen, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie sie es auf ihrer noch stärker emotional aufgeladenen 2019er Tour zu "There Will Be No Intermission" getan hatte. Ich hatte die Gelegenheit, sie damals in Hamburg zu sehen, zwar leider nicht wahrnehmen können, hatte die damalige Tour aber zumindest in gleich zwei separaten Livestreams verfolgt.
Von jenem Album - nach wie vor dem einzigen, welches ich wirklich von ihr kenne - war leider gar kein Material in Amandas Setlist vertreten. Doch auch wenn ich z.B. zumindest das überragende "Drowning In The Sound" (oder "Death Thing" oder "The Ride"...) schon durchaus gerne gehört hätte, war dieses Konzert auch ohne jene vertrauten Töne von vorne bis hinten mitreißend und brilliant. Sowohl stimmlich als auch an den Tasten war ihre Darbietung tatsäch noch deutlich besser als ich erwartet hatte.
Einzig die immerhin für einige Lacher verantwortliche "Lightshow" (Saallicht geht zufällig an und aus) wäre definitiv noch ausbaufähig gewesen.
Mein liebster Teil der Tragik und Humor balancierenden Show - und auch die beste, nur durch die beinahe ununterbrochene Abfolge von Songs erzählte Geschichte - war für mich jener Block am Ende, in dem sie eine ganze Reihe brandneuer Stücke präsentierte. Dafür dass diese noch work in progress waren, klangen sie schon verdammt ausgereift und versprechen jetzt schon ein sehr starkes Studioalbum - wann immer dieses auch aufgenommen werden wird.
Das Publikum bedankte sich für das kurzfristig lange nach Veröffentlichungen des offiziellen Programms des Kampnagel Sommerfestivals angesetzte Konzert mit lange anhaltenden Standing Ovations. Amanda Palmer, die aufgrund des Dramas rund um die Anschuldigungen gegenüber ihrem Ex-Mann mit sie nicht promotender Presse und in Amerika und Australien mit gecancelten Shows und Touren zu kämpfen hat, zeigte sich von diesem Ausgang der Veranstaltung sichtlich gerührt.
Es war ihr zu gönnen. Große Gefühle, große greifbare Kunst.
Ach ja, mein Auto war natürlich noch genau dort, wo ich es abgestellt hatte. Für die Rückfahrt bin ich einfach geradeaus gefahren, bis mir etwas bekannt vorkam - und das war wahrscheinlich die kürzeste mögliche Route. So leicht kann es manchmal gehen.
























































































