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2019-08-17

PRANA CRAFTER & TAROTPLANE - Symbiose

Ok, I recently grabbed this as a generous surprise download card donation on a certain facebook group. And now I feel obliged to give it at least a brief shout-out to spread the word.

It's a split album, physically available on LP or CD, consisting of two long tracks from two bands I admittedly have never heard of before.



PRANA CRAFTER & TAROTPLANE - Symbiose (2019)


First I have to say that if it wasn't denoted, I probably would have absolutely missed, that there are different artists at play. Because "Symbiose" is a very coherent release and my guess is that both bands strayed from their usual sound to meet on this album.

Of course it would take a minimal research to confirm or deny that, but I honestly don't feel like digging into the discographies of both Prana Crafter and Tarotplane - at least right now -, because I kind of just want to keep the mystery.

So, what's this thing about? Well, hypothetically, if I disliked this kind of music, I would just say this is almost forty minutes of pointless Pink Floyd "Echoes" mid-section noodling, which gets nowhere.

But as I very much love the ready-made for Autobahn night rides sound of both tracks, I'd rather say this isn't pointless at all, but takes you to every dot in the sky at once.

All in all this is a great pairing of cosmic ambient psych. Wide, relaxing and inspirational.






2019-08-15

THE COMET IS COMING - Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery

Dass das Coverartwork des neuen Albums von Saxophonist King Shabakas (Sons Of Kemet) anderer Band The Comet Is Coming sowohl eine Hommage an Weather Report als auch die Hülle für ein 80er-Revival-Synthwave-Werk sein könnte, ist mitnichten ein Zufall.

Denn der Future Jazz auf "Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery" schafft es, jene so verschiedenen (und noch viele weitere) Traditionen zu ehren und als explosiven Fusionmix nach vorne zu treiben.




THE COMET IS COMING - Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery (LP) (2019)


Das Trio, welches mich letztes Jahr auf dem Überjazz Festival als Soundtrack für postapokalyptische Tanzclubs schon restlos überzeugte, hatte sich mit dem 2016 erschienenen Debüt "Channeling The Spirits" bereits eine beachtliche Messlatte aufgelegt.

Als eine Art Jazzversion von Carpenter Brut - und zu zwei Dritteln personell mit einem Mitglied an Synthesizern, Samplern und Gedöns, sowie einem perfekt programmierten Groovemaschinendrummer auch ähnlich aufgestellt - schafften The Comet Is Coming es, einen vollkommen scheuklappenfreien Strauß von Instant-Ohrwürmern aus dem Revers zu zaubern.

Die etablierte Grundformel bleibt auf dem neuen Werk gleich, doch irgendwie ist alles tatsächlich noch catchier und gleichzeitig substantieller. Sprich: Jeder der neun Tracks ist auf seine Art ein Hit.

The Comet Is Coming live at Überjazz 2018
Die Basis des Albums sind tief brummende und blubbernde Elektrobässe, über denen das versatile Drumming und Saxophonspiel es durch zahlreiche Genres navigieren, wobei es selten möglich ist, sich als Hörer auf einen definitiven Stil festzulegen. Vom bombastischen Spiritual Jazz der alles einrahmenden Tracks "Because The End Is Really The Beginning" und "The Universe Wakes Up", über mit geradezu sludge-inspirierter Heaviness walzenden Trip Hop-Grooves, bis zu Passagen, die man als spacigen Post Krautrock labeln könnte, begibt man sich auf eine im Verhältnis zur nicht allzu ausladenen Gesamtlänge erstaunlich gewaltige Musikreise.

The Comet Is Coming betreiben Genre-Bending vom feinsten. Und auch wenn insbesondere Shabakas Stakkato-Spiel immer wieder unverkennbar ist, bedienen sie sich dabei eines ganz anderen Soundarsenals als die Sons Of Kemet. Das heiß, bis auf den Track "Super Zodiac", denn dieses Uptempo-Stück klingt absolut gewollt nach den Sons, nur mit dem Unterschied, dass der Bass hier nicht von der Turbo-Tuba, sondern elektronisch erzeugt wird.

Das einzige, was ich an "Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery" ein wenig schade finde, ist dass es nicht noch zumindest einen Track mehr mit Gaststimme gibt. Denn das achtminüte "Blood Of The Past" mit Sprechgesangsauftritt von Poetin/Autorin/Rapperin Kate Tempest ragt als Kernstück und Herz des Albums tatsächlich noch besonders aus dem ohnehin schon hohen Niveau heraus.

Aber ansonsten: Fuck, Mann! Was für ein enorm cooler Scheiß.







2019-08-11

VOIVOD live im Bahnhof Pauli, Hamburg (10. August 2019)



Superlative:

Was ist ätzender als an einem Sommersamstag in St. Pauli einen Parklatz finden zu müssen?
Und was bietet einen gnadenloseren Einblick in die Stumpfheit der menschlichen Existenz als Junggesell(inn)enabschiedskommandos am Beginn ihrer Asi-Tour auf der noch hell-hässlichen Reeperbahn?

Aber da muss man halt durch, wenn Voivod in der Stadt sind. Gerade mal zehn Monate nach der ultimativen thrashmetallischen Pausenhofprügelei im Logo waren die Kanadier genau am 35. Jahrestag der Veröffentlichung von "War And Pain" im Bahnhof Pauli zu sehen.

Der optisch ganz auf U-Bahn-Station gebügelte und mit seinen nach innen abfallenden Stufen ein bisschen an eine zusammengepresste Markthalle erinnernde Bahnhof Pauli liegt direkt neben den Docks am Spielbudenplatz, im Keller eines diverse Clubs beherbergenden Hauses, welches am Einlass gleich mal einen Hauch von Klassengesellschaft ausstrahlte. Während oberirdisch die Hochzeit von Grinsekatze und Ruby Rhod (von mir vermuteter Anlass) mit einer Kostümparty gefeiert wurde, inklusive rotem Teppich und Begrüßungsmatrosen, war der fürs schmutzige Metalvolk vorgesehene Seiteneingang zur Kellertreppe zunächst einmal kaum auszumachen.


Der anscheinend für so ziemlich alle Anwesenden neue Club selbst ist eine coole Location, allerdings mit Abzügen in der B-Note. So könnte man überlegen, ob die Situation mit der Bank direkt vor Bühne ideal ist und ob sich die vielen Stufen in manchen Bereichen nicht stolpersicherer markieren ließen. Klanglich ist der Raum anscheinend nicht das Nonplusultra, direkt vor Bühne war's für mich aber noch in Ordnung.
Das akustisch schlimmste war eigentlich der wahrhaftig ohrenbetäubende Jubel. Aber daran waren ja eher die verfickt gute Band und ihre enthusiastischen Fans Schuld.


Eine Vorband gab es leider nicht, dafür lief aus der Konserve eine Playlist, bei der ich meinen rechten großen Zeh verwette, dass sie mit dem Befehl "Alexa, spiele Metal-Klassiker!" entstanden ist.
Wirklich nur das vollkommen deep-cut-freie Allergreatest-Hits-Programm von Maiden, Dio, Sabbath, Metallica, Motörhead, PanteraSlayer usw.

Das ist ganz und gar nicht schlimm, fiel aber schon auf. Kann man natürlich auch als "Vor den Besten nur das Beste!" verstehen.






Was soll ich noch groß über Voivod live sagen? SnakeChewyRockyAway kommen raus und alles ist klar: Das Publikum - von denen natürlich viele vertraute Gesichter letztes Mal auch dabei waren - erwartet die perfekte ThrashProgSpacePunkMetal-Eskalation, die super dankbare Band liefert von Beginn an genau diese ab.

Eine der größten Stärken und gleichzeitig das einzige Problem der Show war - wie immer - die Setlist. Jeder Song passt und ist geil, aber zwanzig weitere potentielle Wunschtitel werden halt nicht gespielt. So war die Auswahl aus je ein, zwei Stücken der größten Klassikeralben plus Material von "The Wake" und "Post Society" nicht wesentlich anders als zuletzt.

"The Unknown Knows" war mal wieder zurück: Dafür wurden von "The Outer Limits" bis "Target Earth" immerhin satte sieben Alben überhaupt nicht berücksichtigt.
Mit "The End Of Dormancy" hat es der Quasi-Titeltrack des neuen Albums ins Set geschafft, und wow, ist das Ding ein Killer! Sind jetzt also vier neue Tracks im Repertoire. Dabei wollen wir im Prinzip doch alle das ganze Ding am Stück hören, nicht wahr? Aber was soll man machen? Dreistündige Megavollbedienungen mit Intermission wird es von Voivod so schnell nicht geben. Das kann man angesichts der physisch aufreibenden Hammershow, die sie innerhalb des normalen Zeitrahmens abfeuern, auch nicht ernsthaft verlangen. 

Was für eine Energieleistung - und was für eine Stimmung! Hexenkessel Bahnhof Voivod. Ich könnte fast zu jedem Song noch etwas rumgewäschen, aber ich belasse es mal bei zwei Lieblingsmomenten: Das teilweise zart leise abklingende Präzisionsgeknüppel in "Iconspiracy" ist 1a-Drummertainment.

Und in der finalen "Voivod"-Sause war ich wohl einen Moment zu lang vom Freak mit der Gasmaske neben mir abgelenkt, als Chewy mitten im Song die Saiten von einer seiner geilen Custom-Gitarren gerissen hatte und das Instrument einfach kurzerhand ins Publikum reichte, während er sich Ersatz holte und ganz ganz kurzknapp vorm Solo wieder einstöpselte. Metal!

Fazit: Voivod rippen.

Falls Du glaubst, dass irgendeine andere Band XYZ live der allergeilste Rock'n'Roll-Scheiß ist, dem nichts gewachsen ist, dann hast Du entweder noch nie Voivod in ihrer aktuellen Permanentspitzenform gesehen - oder Du hast einfach nicht mehr alle Latten am Zaun.

#justsayin


Setlist:

  • Post Society
  • Psychic Vacuum
  • Obsolete Beings
  • The Prow
  • Iconspiracy
  • Into my Hypercube
  • The End Of Dormancy
  • Overreaction
  • Always Moving
  • The Unknown Knows
  • Fall
  • Technocratic Manipulators
  • Voivod




2019-08-07

PAPIR - VI

Das sechste Studioalbum der Dänen Papir ist dieses Jahr rausgekommen, das zweite seit dem Labelwechsel von El Paraiso zu Stickman Records.

Auf deren Stand beim Markthallen-Konzert von Motorpsycho wollte ich mir das Ding eigentlich auch bereits mitnehmen. Gab es dann aber wider Erwarten doch nicht. Oder nicht mehr? Egal, ich habe es letztendlich dann neulich beim bösen großen kleinen a mitbestellt, die es wie Sau verpackt hatten, d.h. es flog meterweit lose im zerbeulten Karton umher. Aaargh. Kann hier jemand nebenan im Dorf mal einen gut sortierten Plattenladen aufmachen, um so einen unnötigen Scheiß zu vermeiden?

Übertolerant wie ich bin, habe ich die riesigen Knicke im Cover dann aber ignoriert und den Riss tesa-verarztet. Schließlich war der Tonträger selbst in gutem Zustand. Und die Musik ist ja immer noch das wichtigste.




PAPIR - VI (clear vinyl) (2019)


Puh, was soll ich zu diesem Album groß sagen? Eh schon gute Instrumentalgruppen, die ihrem Stil treu bleiben, aber halt immer noch ein wenig besser werden, sind für Schreiber ohne großes musiktheoretisches Fachwissen ja grundsätzlich potentielles Rezensionskryptonit.

Also zunächst die Basics: Papir sind ein Psychedelic / Space Rock-Trio mit einer auffällig unermüdlichen Rhythmussektion, wie man sie aktuell am ehesten vergleichbar bei den allerdings noch sehr viel jazzigeren Newcomern Kanaan hören kann. Ihre langen Jams habe ich ich vorherigen Texten bereits irgendwo zwischen Jimi Hendrix Experience und Hills einsortiert - die Freunde und Landsmänner von Causa Sui muss man zwingend als Vergleich nennen -, was natürlich ein weites, schwer definierbares Feld ist. Aber genau das ist natürlich der Punkt.

Papir live in Hamburg
Im Grunde ergibt es nämlich auch keinen Sinn, diese Band vollkommen auseinander analysieren zu wollen. Wer generell auf den Musikstil steht, der muss schon ziemlich schräg drauf sein, um Papir nicht zumindest sehr ok zu finden. Für mich gehören sie spätestens seit dem letzten Gastspiel 2017 im Hafenklang zu meinen Genrelieblingen. Und ich denke, dass das melodiöse und dramatische Gespür, vor allem aber die unbändige Energie des Gruppe sie auch zu einer idealen Einstiegsdroge macht, um von anderen musikalischen Interessen aus in diese Richtung vorzustoßen.

Nun hatten Papir mit "V" bereits ein Doppelalbum vorgelegt, auf dem sie so ziemlich alles aufgefahren haben, was sie können und was sie ausmacht. "VI" ist nun mit nur vier durchschnittlich zehn Minuten langen Tracks auf einer LP die kompaktere Variante davon.

Insgesamt fällt mir hier eine große Leichtigkeit im Sound auf. Dem Trio scheint seine anspruchsvolle, aber eingängige Eskapistenmusik mit weniger Anstrengung denn je von den Fingern zu gehen. Zwar machen Drums und Bass konsequent Dampf, doch die Gitarre schwebt zumeist sehr entspannt darüber. Im zweiten Track ("VI.II"; Papir katalogisieren weiter konsequent römisch durch) gibt man sich anfangs gar folk-fröhlich verspielt.

Fuzz und Heaviness spielen eine eher untergeordnete Rolle. Selbst in den exzessivsten Teilen des Finales geht es mehr darum, dass eine Menge los ist, es voll klingt und unwiderstehlich abgeht, als um auf elf hochgedrehtes Riffgebrate. Aber das muss bei so einer außerordentlich geilen Intrumentalpsychedelikscheibe auch nicht sein.




Das Artwork ist gewohnt minimalistisch. Mit deftigen Knickkanten und Rissen kann man ihm natürlich noch eine individuellere Note verleihen. Die Erstauflage von "VI" ist zudem schick durchsichtig und klingt trotzdem super.





2019-08-04

NEUROSIS & JARBOE - Neurosis & Jarboe

Womit macht man nach einem erdrückend emotionalen Koloss wie Lingua Ignotas "Caligula" hier angemessen weiter? Gerade als ich über diese Frage sinnierte, schickte mir ein freundlicher Presse-Promo-Newsletter die Antwort. Mit der remasterten Vinyl-Neuauflage des original 2003 veröffentlichten, gemeinsamen Albums von Neurosis und Jarboe bleiben wir nämlich zumindest auf einem ganz ähnlichen Intensitätslevel.


NEUROSIS & JARBOE - Neurosis & Jarboe (2003/2019)

Sowohl für die Post-Metal-Giganten als auch die unverkennbare ehemalige Swans-Sängerin gilt, dass sie in meiner persönlichen Musiksammlung wohl in weitaus kleinerem Umfang vertreten sind, als sie es verdient hätten.

Und gerade ihre selbstbetitelte Kooperation hat aus gutem Grunde Kultstatus und gewiss großen Einfluss auf das Schaffen z.B. aller Bands, in denen Julie Christmas je gesungen hat. Bis hin zu ihrer Zusammenarbeit mit Cult Of Luna auf "Mariner", welches wohl als direkter Nachfahre im Geiste von "Neurosis & Jarboe" gelten muss.

Der Zeitpunkt diesen kreativen Zusammentreffens war offenbar optimal: Neurosis befanden sich in sich finster auftürmender, kataklystischer, aber auch Elektro- und Ambient-Experimenten gegenüber aufgeschlossener Hochform, und Jarboe hatte offenbar nach vielen von eher ruhigen Tönen geprägten Jahren mal wieder so richtig Bock, sich in kopfüber in zäheste Soundfluten zu stürzen. Und da es wohl kaum eine Sängerin gibt, die man so gerne immer wieder dieselbe Zeile wiederholen hört, ohne dass dabei Spannung verloren geht, ist sie im repetiven Lavasound von Neurosis ideal aufgehoben.

Natürlich wirft einen ihr spezielles Timbre und Vibrato immer wieder in ihre Zeit bei den Swans zurück. Und das geht sicher nicht nur mir als Zuhörer, sondern auch ihren Mitmusikern so. Zumindest hat man den Eindruck, dass nicht nur die Musik noch schwanenschwerer klingt, sondern auch, dass die Herren Neurotiker in den meisten ihrer im Vergleich zu Jarboe eher seltenen Gesangsparts versuchen, den sonor schnarrenden Sprechgesang Michael Giras zu emulieren.

Was bewusste Hommage ist und was sich natürlich ergeben hat, das sei mal dahingestellt und spielt auch gar keine Rolle.
Was am Ende zählt, ist ja das Resultat. Und "Neurosis & Jarboe" ist wirklich in jeder Beziehung überlebensgroß. Acht Brocken für die Ewigkeit.

Und jetzt eben mit verbesserten Sound, neuem Cover von Sumac-Frontmann Aaron Turner und erstmals auf Doppel-LP zu haben.