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2021-03-20

SATURNIA - Stranded In The Green

Nachdem das Debüt von A/lpaca ja gerade derbe ruppig absliftete, präsentiert Sulatron Records auf dem neuen Werk von Saturnia nun mal wieder eher den entspannten Gegenpol aus beträumt verkiffter Hippiemusik.

Das führt durchaus hier und da zu einzelnen mir etwas zu marihuanasüßlichen Momenten, ist in seiner Gesamtheit allerdings verdammt gut gemacht.


SATURNIA - Stranded In The Green (2021)


Hinter neunundneunzigkommaneunneun Prozent der Musik auf diesem Album steht der portugiesische Multiinstrumentalist Luis Simões, der uns neben klassischen Rockkwerkzeugen auch ordentlich Sitar, Glockengedöns und analoge Orgeln, Synthies und Pianos durch die benebelten Sinne pustet.

Nach dem maximal esoterischen Intro "Pan Arrives" geht Saturnia mit dem fast schon archetypischen Psychrockgroove von "Keep It Long" im Grunde auf Nummer sicher. Die Sitar lullt den Genrejunkie unwiderstehlich ein, während die von einem Gastmusiker beigesteuerte Djembe-Trommel für die interessante Absetzung von der offensichtlichen Beatles-Blaupause sorgt.

Die "Fibonacci Numbers" unterlegen dann Floyd-Vibes mit Blues-Shuffle und einer subtilen, zwischen den an Tönen schwebenden Unruhe.

"Smoking In The Sun" ist ein spacig-proggiges (letztere Assoziation kommt mir vielleicht, weil mich das Ding an irgendwas von RPWL erinnert), in seiner schleppend stampfenden Rhythmik durchaus auch gefühlt leicht doomiges Instrumental, welches das Album in tief(sinnig)ere Gewässer führt, die im knapp viertelstündigen Kernstück "Super Natural" dann noch gründlicher erkundet werden.

Dieser sich sanft aufbauende Epos voller harmonisch umeinander tanzender Keyboard- und Saitensounds könnte gerade während der Strophen glatt von Steven Wilsons "The Raven That Refused To Sing"-Album gerutscht sein. Doch auch da, wo dies nicht zwingend der Fall ist, beweist Simões meisterhaftes Gespür für geschickt gelayerte Atmosphäre. Alleine dieses herrliche, am Soul- und Jazznerv tippende Rhodes-Klavier! Mjamm!

In "When I'm High" sind darauf folgend neben der Leadgitarre Klavier und Mellotron die Stars. Trotzdem ist eher kleine Stück nach "Super Natural" wohl naturgemäß der einzige leichte Spannungsabfall des Albums.

Meine Rezension folgt der Trackreihenfolge der digitalen/CD-Version von "Stranded In The Green".
Die in der ersten Pressung grüne LP ist aus Zeitgründen etwas anders aufgeteilt, und mit dem meditativen (teilweise rückwärts abgespielten, oder?) "Perfectly Lonely", sowie dem dem orientalisch europäischen Jam "Just Let Yourself Go" fehlen zwei Instrumentalhighlights auf der Vinylvariante leider komplett. Da hätte ich doch lieber für zumindest einen der beiden Tracks auf "When I'm High" verzichtet.
Aber was soll's - die Stücke existieren ja allesamt da draußen - und haben will ich diese LP dennoch auf jeden Fall. Allein schon, weil mich interessiert, wie sich diese Meine-neun-beliebtesten-Posts-auf-Instagram-Ästhetik des Covers in tatsächlich gedruckter Form macht.

Zuletzt sei noch der je nach Medium letzte/vorletzte Song "Butterfly Collector" erwähnt, der anfangs zwar Gezirpe antäuscht, um mich abzuschütteln (ok, so schlimm wie die Grillen damals bei Quad ist es nicht , haha), was sich allerdings als Synthiespielerei herausstellt. Außerdem bin ich dank dem Morgenkonzert der nur eine Deckenluke von meinem Bett entfernt lebenden Dohlenkolonie wohl eh aktuell ausreichend abgehärtet, was ornithologische Einsprengsel in meinen Musikgenuss angeht, so dass dieser Vergrämungstrick ohnehin nicht funktionieren würde. Ansonsten ruft Saturnia hier nämlich alle vorher schon bewiesenen kosmisch entrückten Qualitäten erneut ab und fügt sie zu einem erneut einfach guten, runden Song zusammen.

"Stranded In The Green" kommt mir insgesamt zwar ein paar Millimeter konventioneller vor, trifft bei mir jedoch einen ganz ähnlichen Nerv wie letztes Jahr das tolle "Cosmic Comics" von Permanent Clear Light.

Mag ich.

EDIT: Das grüne Gold ist inzwischen gelandet, und gut sieht es aus:







2021-03-18

NOKTI - Cockschmerzen

Sechs Tracks in vierzehn Minuten und das Ding heißt "Cockschmerzen".

Worum es inhaltlich auf dieser EP geht, das weiß ich mangels Fremdsprachenkenntnis nicht, doch musikalisch hat es mit krudem Porngrind erstmal nichts zu tun. Also kein Cock And Ball Torture-Tribut-Act, sondern einfach ein Wortspiel.

NOKTI - Cockschmerzen (CD) (2021)


Eine gewisse spirituelle Nähe zu Teilen der Grindcoreszene kann man Nokti anderseits auch nicht absprechen, schon weil hier auch viel derbes Zeug in kurzer Zeit untergebracht wird. Und da auch ein Saxophon zum Ensemble gehört, ist der Weg zur Assoziation mit John Zorns Naked City und in diese Richtung weitergedacht Mr. Bungle (aber nicht deren relativ gesehen fast schon biedere, jetzt reaktivierte Osterhasenphase) natürlich nicht weit.

Die ersten Vergleiche, die mir beim Hören dieses herrlich bekloppten, aber durchaus mit Substanz daherkommenden Blitzachterbahnfahrt in den Sinn kamen, waren jedoch eine ganze Ecke obskurer. Die entfernte Ähnlichkeit des Coverartworks und die Tatsache, dass ich Nokti, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte, geographisch ähnlich verortete, ließen mich schnell an das Anfang des Jahrtausends von der ungarischen Progmetalgruppe Varso veröffentlichte Album "Finding Deaf Ears" denken, obwohl sich bis auf die Vorliebe zum Grenztonalen und einige beinahe funky schräge Licks musikalisch an sich nicht all zu viele Überschneidungen finden. Außer dass das alles im durchweg guten Sinne sehr artsy und abgefahren ist natürlich.
Nicht zuletzt der (hier zwar nicht rekordreif, jedoch immer noch einigermaßen derbe) knarzende Bass brachte mich dann auch schnell auf das belgische Doomnoisejazztrio Gura. Vielleicht auch, weil ich gerade deren vor anderthalb Jahren auf der MS Stubnitz abgeerntetes T-Shirt trug.

Dabei sind andere Referenzen viel offensichtlicher. Gleich die allerersten Takte des Openers "Pijan Od Krvi" könnte unmöglich noch mehr nach Oranssi Pazuzu klingen. Und ist einem diese Ähnlichkeit erst einmal aufgefallen, bleibt sie auch für die nächsten beiden Stücke im Kopf hängen, bevor sich die EP in der zweiten Hälfte noch weiter öffnet und mehr als ein Mal die manische Seite von The Mars Volta und in parolenhaften Passagen ein bisschen auch System Of A Down beschwört. Dazwischen gibt es mit "Igrice" allerdings noch ein Old-School-Laibach-Zwischenspiel. Alles klar so weit?

Ja, dieses kleine Ding ist schon ein verrücktes Huhn von einer CD.

Als ich mich schließlich auf Discogs schlau machen wollte, woher diese in Österreich veröffentlichte, handwerklich ausgezeichnete Avantgardeplosion denn tatsächlich stammte, war ich nicht wirklich erstaunt, dass die Gruppe nicht in Ungarn, sondern in Kroatien beheimatet ist, und gleich mehrere Bandmitglieder auch in der ähnlich anstrengenden aber geilen, schwarzmetallisch angestrichenen Postmetalband Hesperian Death Horse zocken.

Ja, das passt alles.

Und in der Zeit, in der Du dies alles gelesen hast, kann man sich "Cockschmerzen" auch genauso gut vollständig auf Bandcamp reinpfeifen - oder zumindest die Videos auf YouTube anschauen, haha.





2021-03-14

SENYAWA - Alkisah

Im Review zum Debütalbum von A/lpaca behauptete ich ja gerade ganz dreist, die Band sei eine Außenstelle / globale Dezentralisierungsmaßnahme von King Gizzard & The Lizard Wizard.
Dabei unterschlug ich natürlich, dass König Gizzard mit einer ganzen Reihe von für alle willigen Labels zur Veröffentlichung freigegebenen "offiziellen Bootlegs" tatsächlich im musikkulturellen Outsourcing ganz vorne mitspielen.

Einen ähnlichen Weg geht nun auch das indonesische Experimentalmusikduo Senyawa mit seinem neuen Album "Alkisah", welches gleich ein paar Dutzend Labels in verschiedenen Versionen mit underschiedlichen Covern und z.T. auch Bonusmaterial anbieten.
Und auch wenn man den großen Anteil asiatischer und transatlantischer Varianten wegen hoher Versandkosten abzieht, bleibt für den Mitteleuropäer so immer noch eine ganz ordentliche Auswahl übrig, unter denen ich mich zunächst (Spoiler: bei einer Version wird es für mich nicht bleiben.) für die des belgischen Labels Les Albums Claus entschieden habe.



SENYAWA - Alkisah (Les Albums Claus LP) (2021)

Senyawa, das sind Wukir Suryadi an selbstgebauten Saiten-, Rhythmus- und sonstigen Instrumenten, und Rully Shabara, Meister der tausend urkraftvoll theatralischen  und mystisch brutalen Stimmen, ein komplett eigenständiger Ausnahmevokalist.

Wie gewohnt existiert der Sound der Gruppe in einer singulären Parallelwelt, welche kaum hinreichende Vergleiche mit irgendetwas anderem zulässt.
Ganz eindeutig ist, dass Senyawa trotz weltmusikalischer Tendenzen und schamanistischer Atmosphäre, niemals in esoterisch verträumte Höhen entschweben, sondern immer sehr direkt bleiben, als stünden sie direkt neben dir.

Dicke Dronewände spielen hier teilweise zwar immer noch eine Rolle, doch verglichen mit dem Vorgänger "Sujud" und vor allem der Kooperation mit Sunn O)))s Stephen O'Malley, "Bima Sakti", geht es auf "Alkisah" weitaus rhythmusorientierter zu.
Viele perkussive Sounds erinnern dabei an Einstürzende Neubauten, als deren prä-zivilisatorische Fernostvariante  sich Senyawa also gewissermaßen präsentieren.

Diese Musik ist frisch und überraschend, dabei auf ganz eigene Weise irgendwie auch erstaunlich heavy. Extrem spannendes Zeug und bisher ganz klar eines meiner Lieblingsalben des noch jungen Jahres.

Die Vinyledition von Les Albums Claus ist mir allerdings ein wenig zu lieblos geraten. Das Cover ist zwar ok und die Pressung lässt auch keine Wünsche offen - wer nur darauf Wert legt, kommt mit dieser Veröffentlichung sicher klar -, doch allein, wenn die Credits einen der acht Tracks speziell erwähnen und man feststellt, dass sich auf der Hülle ja nirgends eine Tracklist befindet, merkt man, dass mehr möglich gewesen wäre.

Eine ganze Ecke mehr verspricht da die "CN Edition" von WV Sorcerer Productions, auf deren Ankunft ich allerdings noch warte. Eine Kurzrezension dazu liefere ich also später noch nach.






2021-03-13

A/LPACA - Make It Better

In diesen Zeiten eingeschränkter Reisefreiheit und unsicherer Aussichten für Livemusik ist Dezentralisierung für global operierende Bands vielleicht gar keine schlechte Strategie. Die immerhin in ihrer Heimat ja schon wieder auftrittsfähigen Aussis King Gizzard & The Lizard Wizard scheinen zumindest diesbezüglich bereits zu experimentieren und in Italien die Eröffnung einer europäischen Filiale vorzubereiten.


A/LPACA - Make It Better (2021)


Das könnte man beim Hören von A/lpacas auf Sulatron Records erschienen Debüt zumindest oft denken. Das ständige Uptempo im "Nonagon"-Drive und der durch den Effektwolf gedrehte, sehr an Stu MacKenzie erinnernde Gesang sind nur die offensichtlichsten Merkmale dieser stilistischen Affinität. Insgesamt könnte man diese deutliche Nähe wohl am ehesten als starken Kritikpunkt an "Make It Better" werten, doch ähnlich wie bei den Franzosen Karkara gilt hier entschuldigend: Warum meckern, wenn es doch so viel Spaß macht?

Es ist ja auch keine freche Kopie, wenn das Erbe von Hawkwind, Can und allem, was irgendwo zwischen der offensivsten Form von Krautrock und ungestümem (Post) Punk liegt, auf ähnliche Weise verarbeitet wird. Ok, in einzelnen Passagen wie z.B. dem Refrain von "Citadel" ist die Anlehnung schon sehr deutlich.

Doch wie gesagt: Drauf geschissen, denn was hier in erster Linie zählt, ist mein allererster Eindruck, als ich das Album morgens im Auto durch die Speaker geblasen habe und der Opening Track "Beat Club" mich zwingen wollte, aufs Gaspedal zu treten: Diese Mucke macht einfach Bock! Und daran hat sich auch nach weiteren Durchläufen nichts geändert.

A/lpaca klingen sehr roh produziert, die Saiteninstrumente sollen bis auf einige spacigere Momente vor allem fetzen, die Snaredrum scheint geradezu zu übersteuern, aber das ist alles nicht nur offensichtlich gewollt, sondern unterstreicht auch gerade diese ungezügelte Energie des Quartetts. Wirklich clean sind eigentlich nur die meisten Keyboards, welche als psychedelisch tiefenwirksamer Kontrapunkt maßgeblich die eigene Note der Gruppe  definieren.

Ich muss nicht mehr betonen, Freunde welcher Gruppen hier zugreifen sollten. Persönlich lasse ich es hier auf jeden Fall nicht bei der Promo, sondern werde mir auch das lila Vinyl ins Regal stellen.

Was muss, das muss.




2021-03-07

ÅRABROT - Norwegian Gothic / ÅRABROT - The World Must Be Destroyed

Wie bei so vielen guten Künstlern in den letzten Jahren war es die Ankündigung eines Roadburn-Lineups, welches die Band, deren Name wie der skandinavische Teil meines Frühstücks klingt, erstmals auf meinen Radar gerückt hat.

Lichterloh gezündet haben Årabrot allerdings nicht auf Anhieb, weshalb ich sie damals auch nicht live gesehen habe. Der zweite Anlauf mit ihrer Unplugged-Performance im Rahmen des Chaos Theory Livestreams hat mein Interesse an der Gruppe mit dem komischen Hut später deutlich stärker entfacht.

Und als schließlich die Promo für das neue Album im Elektrobriefkasten landete, brauchte es nur wenige Songs, ehe klar war, dass ich mir das Ding zusammen mit Monos neuem Livealbum bestellen würde.






ÅRABROT - Norwegian Gothic ("Feel It On" vinyl 2LP) (2021)

Den Kern von Årabrot bilden Sänger/Prediger/Gitarrist Kjetil Nernes und Karin Park. Das norwegische Paar lebt mit seinen Kindern in einer alten Kirche auf dem schwedischen Land. "Rock'n'roll is their religion" sagt der Pressetext. So eine Kirche ist indes nicht nur praktisch zum Wohnen, sondern taugt auch als Aufnahmestudio und Fotolocation fürs Albumcover-Shooting.

Für ihre Touren und Alben umgeben die beiden sich mit wechselnden Kollaborateuren, und allein ein Blick darauf, wer auf "Norwegian Gothic" musikalisch mitwirkt, verspricht hier einiges: Motorpsycho-Drummer Tomas Järmyr, Zu-Bassist Massimo Pupillo, Cellistin Jo Quail, Jaga Jazzist-Multiinstrumentalist Lars Horntveth und Anders Møller von Ulver sind schon für hochwertiges Handwerk stehende Hausnummern.

Nach Abzug einiger kurzer Zwischenspiele besteht "Norwegian Gothic" aus zwölf Song, die jeder auf seine Weise dieses Versprechen voll einlösen. Gothic ist dabei wohl eher Haltung als Genre, lässt sich punktuell aber durchaus auch als Stilbeschreibung anwenden, wenn sich Årabrot zwischen Postpunk, Noise Rock und Spuren von Folk bewegen. Insgesamt verhält es sich mit der Band aber ähnlich wie bei Motorpsycho so, dass der stilistische Bogen so weit gespannt wird, dass einem am Ende tatsächlich einfach nur übergreifend Rock als aus allem destillierte Definition einfällt.

Rock, der alleine durch die Rhythmussektion enorm heavy daherkommt und noch dazu ständig von einer Düsternis umwoben ist, die an Killing Joke, die ideale Fitness von Danzig, vor allem durch Nernes' oft geradezu schneidenden und beißenden Gesang an die Intensität Michael Giras und dessen Swans erinnert.
Und dass "Norwegian Gothic" dabei von unentrinnbaren, hartnäckigen Ohrwürmern geradezu überbevölkert ist, löst diese Dunkelheit keinesfalls auf, sondern steigert nur ihre Vehemenz.

Gefühlt könnten noch ein oder zwei Tracks mehr den Leadgesang von Karin Park gebrauchen, doch vielleicht ist das Verhältnis auch gerade richtig, um ihr orchestrales "Hallucinational" als Gegenpol zur groovenden und stampfenden Teufelsmusik besonders glänzen zu lassen.

Die zahlreichen überraschenden Details, die dieses Album bereithält, will ich hier gar nicht erst zu spoilern versuchen, doch wer das eine oder andere Review von mir gelesen hat, der weiß, dass ich das Finale "The Moon Is Dead" unmöglich unerwähnt lassen kann. Hier brechen Årabrot nämlich aus ihrer sonst eher kompakten Songlänge aus und lassen Streicher und Jazzsaxophon um eine eopchal dröhnende Swans-Ballade eskalieren. Großartig!

Um das Urteil geht hier kein Weg vorbei: "Norwegian Gothic" ist ein gnadenlos mitreißendes, dabei aber nie seinen künstlerischen Anspruch verratendes Rockalbum, ein gewaltiges kreatives Statement. Meisterwerk nennt man so etwas, glaube ich.

Definitiv das ultimative Indoktrinierungsmaterial für diese Kirche!









Während "Norwegian Gothic" am Freitag, den 9. April erscheint, ist bereits seit Ende Januar eine EP zum Aufwärmen zu haben: 






ÅRABROT - The World Must Be Destroyed 
("Feel It On" vinyl 12" EP) (2021)

"The World Must Be Destroyed" präsentiert die Band in einer dem Titel entsprechend rauheren, destruktiveren Form. Mehr Sludge, mehr Melvins, ein zwar klar verwandter, doch ebenso deutlich anderer Sound.
Das kommt nicht von ungefähr, da es sich hier eigentlich nicht um einen Appetizer auf das kommende Album handelt, sondern um bisher unveröffentlichte Stücke aus den Sessions zu Vorgängerwerk "Who Do You Love". Zum Personal gehörten hier u.a. Andrew Liles (Current 93) und Insekt Ark-Chefin Dana Schechter.

Kurz und heftig. Für sich sicher nicht so ein Pflichtkauf wie das kommende Album, doch durchaus auch schon sehr gutes Zeug.

Da Pelagic Records EP und Album im Bündel auf mehrfarbigem "Feel It On"-Vinyl anbietet, habe ich auch hier zugeschlagen. Hoffe dann mal, dass die Welt bis dahin doch noch einigermaßen heile bleibt und bin gespannt, wie es sich anfühlt.

[EDIT 17. Juli 2021 - Da ich anscheinend ein altes Bankkonto gespeichert hatte, wurde meine Bestellung ein biiiiischen später als erwartet bearbeitet. Aber heute habe ich die Tonträger endlichendlichendlich bekommen. Und sie sehen sensationell aus!]








2021-03-06

BANDCAMP DAY März 2021 mit KUKANGENDAI und ... ähm...

Ok, ich bin heute schreib- und auch etwas hörfaul. Deswegen werde ich den größten Teil meines Bandcamp Friday-Einkauf zu einem späteren Zeitpunkt in einem neuen Segment der "Cassette Craze Chronicles" behandeln, wenn die Dinger bei mir eingetroffen sind.

Rein digitale Veröffentlichung habe ich diesmal nicht von meiner Merkliste getilgt. Bleibt also als Thema hier und heute nur noch eine LP übrig, die erstmals vorletztes Jahr auf Stephen O'Malleys Label Ideologic Organ erschien. 


KUKANGENDAI - Palm (LP) (2019)

Die japanische Band mag mit Gitarre, Bass und Schlagzeug vielleicht wie ein klassisches Rock-Powertrio aufgestellt sein, doch da hört der einfach erklärbare Teil auch schon auf.

Kukangendai schaffen es irgendwie, polyrhythmisch anspruchsvoller als die professionell verkopftesten Jazz- und Progrockkapellen zu klingen und dabei doch nur peripher in beiden Sparten verortbar zu sein.

Der extrem experimentelle Rocksound mit starker Funk und Dub-Schlagseite ist in seinem kontrolliertem Chaos niemals wirklich nachvollziehbar, bleibt durch die beinahe schon entspannte Performance jedoch paradoxerweise erstaunlich leicht hörbar.

Ok, das ist wie so oft eine sehr relative Aussage, aber ernsthaft: Wenn man nicht gerade beim ersten Hören versucht, Hirnverknoter wie "Hi-Vision" zu dechiffrieren und die absolut irren Arrangements einfach als den eigenen Musikverstand übersteigend hinnimmt, ist es einfach nur ein irre cooler, irgendwie ursprünglicher und in seiner Einzigartigkeit faszinierender Sound, mit dem Kukangendai einen hier umspülen.

Am ehesten kann ich hier punktuell den Einfluss von King Crimson und mehr noch Blind Idiot God erkennen. Ein bisschen Khruangbin, Postrock, einige ganz subtile Japanismen kann man sich auch noch hineinhören, doch im Großen und ganzen ist "Palm" eine fernab aller gewohnten Normen und Konventionen stattfindende, in sich selbst stimmig geschlossene Erfahrung.

Dieses Album ist ganz klar ein rarer musikalischer Schatz, und ich kann es kaum erwarten, diesen auf schwarzem Gold drehen zu lassen.




2021-03-01

MAJAK - Rippe's Restless Rehearsal Rumble

Montag Abend, ich bin schon viel zu früh müde. Aber hey, ein spontanes Review rauszuhauen, das wird ja wohl noch drin sein!

Ich hocke nun schließlich bereits seit ein paar Wochen tatenlos auf dieser digitalen EP. Und das ausdrücklich nicht, weil ich keinen Bock drauf hätte, sondern einfach, weil ich auf einen besonders für Gekloppe empfänglichen Moment gewartet habe, um mir diese drei neuen Tracks der Neufinsteraner Majak zu Gemüte zu führen.

Jetzt, wo ich diesen Absatz beende, habe ich das eine Dreiviertelstunde kurze Ding auch schon das erste Mal durch die Lautsprecher gejagt.
Die doppelte gute Nachricht ist, dass mir 1. (noch?) keine schlechte Nachricht einfällt und ich 2. durchaus Bock drauf habe, mich noch zwei, drei Mal von dem Zeug durchblasten zu lassen. Was die Chancen, diese Kritik tatsächlich heute noch zu veröffentlichen und folglich den Anfang nicht ändern zu müssen, natürlich erheblich verbessert.

So much winning!


MAJAK - Rippe's Restless Rehearsal Rumble
(download) (2021)

An der bereits auf dem Debütalbum "The Herald" fest etablierten Prämisse hat sich im Grunde nichts geändert. Majak haben sich also weiterhin dem okkulten Underground-Ethos verschrieben und spielen einen super direkten Metal, der vergleichbar mit Bands wie Bütcher oder Hellripper zumindest im ersten Eindruck aus der Zeit zu stammen scheint, als Speed Metal, europäischer Thrash, die erste Blackmetal-Welle und räudiger Röck'n'Roll im Wesentliche eine einzige gemeinsame Szene bildeten. (Wenn es stimmt, was die Metal-Altvorderen sagen, zumindest.)

In technischer Detailbetrachtung kommen schon einige Riffs, Blasts und Grooves hinzu, die eher die Sprache der Neunziger sprechen, doch diese Elemente sind allesamt stimmig in den böse brüllenden Achtzigerspirit eingebettet. Was Majak für mich ja am meisten ausmacht, ist dass bei aller rhythmischen Präzision und trotz soliden Heavy-Metal-Gitarrengefrickels ein großer Teil der Heaviness einer gut kultivierten Rest-Rumpeligkeit zu entspringen scheint. Eine Mischung, wie sie ähnlich z.B. einige der feinsten Momente von Kreator definiert.
Da passt dann auch der kehlige Brüllgesang, den man sicher nicht lieben muss, der aber unbestreitbar die unverblümt grobe Seite der Band exzellent unterstreicht.

Das beste an der EP - auch im Vergleich zu "The Herald" - ist allerdings, dass es sich bei dieser Vorschau auf das nächste Studiowerk um eine Live-Session handelt. Ansonsten wäre der Titel ja auch reichlich bekloppt.
Und fuck, Rippes Rasselbande rippt! Pack diese Performance in einen Laubbläser, und die Blätter trauen sich zukünftig gar nicht mehr, überhaupt vom Baum zu fallen.

Jetzt lasst uns nur schnell dieses scheiß Virus so weit in die Ecke prügeln, dass der Metalfön auch endlich wieder von einer echten Bühne aus pusten darf! Majak haben offensichtlich ganz klar Bock.