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2025-05-09

DOOL and MAJAK live at Logo, Hamburg (May 7th 2025)


Sorry, yet another reason not to finish my Roadburn Festival reports!

It has only been a little over half a year ago that Dool have visited Hamburg, but how could I say no to this new show last Wednesday? The Dutch quintet is one of my favorite live bands after all.

As a bonus, which was announced when I already had my ticket, I got to see a Northern German group again, who I had last met on the MS Stubnitz opening for Ottone Pesante in 2022...

And because I'm faster that way and there's already another thing coming up in a couple of hours, schreibe ich den Rest dieses Textes einfach mal auf deutsch.




MAJAK

Optisch sind sich die vormals eher in Speed- und Proto-Black Metal-Ästhetik verortbaren Neumünsteraner Majak seit jener Stubnitz-Show auf jeden Fall treu geblieben und präsentieren sich nun eher in jenem Mix aus Western- und Bikerlook, den wir zertifizierten Fachleute als Rock'n'Roll bezeichen.
Musikalisch ging es ohne Rücksicht auf Gatekeeper der Reinheitsgebote spezifischer Metal-Subgenres ebenfalls geradlinig - aber nicht doof - mit vielen coolen Riffs, Heavy-Metal-Leads und lässig reingeschredderten Soli voran.

Ein wahrscheinlich aus nachbarschaftlichen Zwängen heraus ziemlich kurzer, aber sehr feiner Auftritt mit dem souverän gemeistertem Hindernis, dass der zweite Gitarrist an diesem Abend ausfiel und man somit nur als Trio auf den Brettern stand. Die Stimmung im für den Wochentag beachtlich gefüllten Logo war sehr gut, und Majak passten auch super als Hinführung zum Headliner... 








DOOL

Dool. Was soll ich noch groß sagen, was ich nicht schon anderswo geschrieben habe? Raven van Dorst und Co. kamen, sahen und räumten gnadenlos ab.

Als ich die Setlist sah, dachte ich zunächst, sie wäre mit der vom Oktober identisch, aber als die Band loslegte merkte ich natürlich gleich, dass es doch Unterschiede gab, legte man hier doch nicht schnell mit "Venus In Flames" los, sondern ging es atmosphärisch-majestätischer mit "The Shape of Fluidity" an. Doch klar, genau wie auf dem Prophecy Fest 2024 wurde hier natürlich immer noch das aktuelle gleichnamige Album betourt, weswegen die Songauswahl natürlich ähnlich aussah:

Überwiegend die überragenden neuen Stücke, die meisten davon sogar an ähnlicher Position, dazu der Stampfer "The Alpha" und die Zugabe "Oweynagat" vom Debütalbum und diesmal nicht ein, sondern immerhin zwei Stücke von "Summerland", da in der Mitte der Show nun ein instrumentales Intermezzo in "God Particle" mündete, während das sehr oft gespielte Killing Joke-Cover "Love Like Blood" für diese inzwischen auf dem Colossal Weekend in Dänemark beendeten Rundfahrt wohl erst einmal ins Bett geschickt wurde.

Alles in allem natürlich der absolute Hammer. Die Drei-Gitarren-Arrangements, der fette Bass, das großartig präzise Drumming, überhaupt diese auf den Punkt komponierten, live immer wieder neu umhauenden Arrangements. Und natürlich Ravens unverwechselbare, charismatische Stimme und Präsenz. So rockt man nicht nur, sondern man macht es auch dunkler, fieberhafter, besser als neunundneunzig Prozent des Rests aller menschlichen Instrumentenhalter. Es in diesem Fall noch so zum Greifen nah zu erleben, wo man allen Musikern hervorragend auf die Finger schauen kann (wenn man den Kopf mal zwischendurch stillhält), war natürlich noch ein zusätzlicher Bonus.

Dazu habe ich auch noch die Promoter der fantastischen Seven Impale-Show im März - und Verkäufer des T-Shirts, das ich gerade trug - wiedergetroffen, was auch nett war.

Erwähnte ich schon, dass ich Dool liebe? Man kann es ja auch nicht oft genug betonen. Was für eine grandiose Band! 







2022-03-12

OTTONE PESANTE und MAJAK live auf der MS Stubnitz, Hamburg (11.03.2022)

Ottone Pesante

Der 19. November in Odense, Dänemark ist nun auch schon wieder eine Weile her! Seitdem gab es in meinem Konzertkalender bisher nur drei auf später bzw. noch unbekannt verschobene Liveshows.

Nun hat die Saison also endlich doch wieder begonnen, und dies an Bord der MS Stubnitz, deren Umfeld, das zugigste Neubauviertel der Hafen City, sich seit meinem letzten Besuch im Oktober 2019 erneut enorm gewandelt hat - leider wieder ohne Zugewinn an brauchbaren Parkmöglichkeiten. Aber was soll's, bei den aktuellen Spritpreisen tut so ein Abzockerknöllchen obendrauf ja auch kaum noch weh. Der Fußweg war für den Preis aber auch noch lang genug.

Corona ist natürlich weiterhin ein Thema. Um mich herum ist die Seuche in letzter Zeit so dicht an mich herangerückt, dass meine Nasenscheidewand schon wund vom Testen wurde, doch erwischt hat es mich noch nicht. Veranstaltungszugang gibt es in Hamburg aktuell nach 2G+, d.h. mit doppelter Impfung und tagesaktuellem Test (oder wie in meinem Fall Booster) kommt man hinein, setzt auf dem Weg noch seine Maske auf und ist dann drinnen doch wieder ein bisschen überrascht, dass man sie ja gar nicht zwingend braucht.

Majak

Doch Schluss mit meinem Palaver, jetzt zum Rock! Diesen brachten die ewig nicht mehr gesehenen (und seit meinem Fotoshooting mit ihnen im Jahr 2018 auch umbesetzten und weniger mit Blut beschmierten) Neumünsteraner Majak auf die Planken.

Was aber auch nach personellem Wandel noch am meisten den Charme der Band ausmacht, ist der musikhistorisch revisionistische Ansatz, so zu tun, als hätte sich der Metal seit den Achtzigern nicht in drölfzillionen Subgenres aufgespalten. Dreckiger Rock'n'Roll, Speed Metal, Thrash, Black Metal... bei Majak ist das alles irgendwie noch eine homogene Masse, die trotz ihrer Oldschooligkeit allerdings nicht in altbackener Gegenwartsverweigerung stagniert.
Der Raumklang im Schiffsrumpf neigt bei derart herausgerockter Gitarrenmusik etwas zum Verwaschenen, über das man hinweghören musste, doch ansonsten war es ein rundum gelungener Auftritt.




Wer von der Stubnitz-Akustik meiner Erfahrung nach immer enorm profitiert, sind Blasinstrumente. Ob Radare, Gura, Albatre - die Saxophone, Trompeten und Posaunen dieser Gruppen kamen hier stets fantastisch zur Geltung. Gute Voraussetzungen für den Headliner des Abends, welcher ganz ohne Saiteninstrumente in der Konstellation Drums, Trompete und Posaune auftrat...



Ottone Pesante

Ich muss zugeben, dass ich angesichts der Stilbezeichnung "Brass Metal" in der Konzertankündigung zunächst skeptisch gewesen bin. Denn unter den Gimmick-Gruppen, die Metal auf untypischen Instrumenten spielen, gibt es ja immer auch jene, die nur große Stimmungs-Hits covern. Was bei guter Umsetzung natürlich auch cool sein kann. Aber cool genug, um in der jetzigen Lage eine Stunde Fahrt auf sich zu nehmen?

Ottone Pesane schlagen glücklicherweise in eine andere Kerbe. Was die Italiener mit ihren Tröten und Effektboarden raushauen, ist nicht nur hundertprozentig Eigenkomposition, sondern ganz derbe heftiger Avantgarde-Scheiß, der sowohl in den Bereichen Black Metal/Grindcore-Blasts, als auch Groove und Drone und Doom voll auf die Zwölf geht und dabei erwartungsgemäß auch Jazz und Klassik, beides in wildester und düsterster Form, anschneidet.
Das Ganze präsentiert sich als diabolischer Bastard aus Sons Of Kemet und Naked City, ich fühlte mich sogar ein wenig an den unvergesslichen Moment erinnert, als ich meinen ersten Kontakt mit den Dead Neanderthals hatte. Und klar, wenn in Höchstgeschwindigkeit gebrutalknüppelt wird und majestetisch düstere Trompeten darüber von der Apokalypse künden, dann klingen natürlich schon gewisse Tracks von Imperial Triumphant, Celtic Frost und Behemoth an - nur eben ohne Äxte und mit anderer Form von Basswumms.

Was die Jungs hier dröhnten, kloppten, schredderten, das hat mich einfach bei unglaublich vielen musikalischen Vorlieben abgeholt. Alles hieran ist einfach extrem gut, durchaus partytauglich, aber auch gnadenlos antikommerziell umgesetzt.
Der Besucher mit dem Triptykon-Shirt unterm Sunn O)))-Hoodie war uneingeschränkt begeistert!