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Interested in me reviewing your music? Please read this!

2021-09-22

KÖNIG MUSKELMAGEN UND DER EIDECHSE ZAUBERER - Schmetterling 3000

Nein, der Titel dieses Posts ist kein Google translate freak accident!

Für ihr achtzehntes Studioalbum (seit 2012!) haben King Gizzard & The Lizard Wizard sich den Spaß gemacht, das Cover incl. Credits und Texten in verschiedensprachigen Versionen zu veröffentlichen.

Wie immer waren diese zudem in zufällig ausgewählter Farbe gepressten, limitierten Vinylversionen schnell ausverkauft, und ich vermute mal ganz stark, dass die japanischen, chinesischen und thailändischen Varianten zu den ersten gehörten, die nicht mehr zu bekommen waren. Denn nicht nur gehören diese vom ästhetischen Standpunkt her zu den Interessantesten der Auswahl, sondern sie scheinen mir auch inhaltlich am stimmigsten, sprich:

Die Musik auf "バタフライ 3000" / "蝴蝶 3000" / "บตั เตอรฟ์ ลาย 3000" klingt für mich einfach extrem danach, als sei sie fernöstlicher Popkultur entsprungen.


KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD - Butterfly 3000 - Schmetterling 3000 (Butterfly Blue vinyl German edition) (2021)

Es sollte ja inzwischen bekannt sein, dass die bekloppten Australier mal mehr mal weniger deutlich auf fast jedem Album ein eigenes Konzept und oft auch eine musikalisch neue Ausrichtung ausprobieren.
Als Beispiele seien hier der psychedelische Unendlichkeitsdauerlauf "Nonagon Infinity", die mikrotonal gestimmte Trilogie aus "Flying Microtonal Banana", "K.G." und "L.W.", das Boogie-Album "Fishing For Fishies" und die Old-School-Thrash-Metal-Attacke "Infest The Rats' Nest" genannt.

Sehr selten - vielleicht sogar noch nie - ist ein King Gizzard-Werk allerdings in sich von Song zu Song so konsequent auf einen Stil und Sound festgelegt geblieben wie "Butterfly 3000".
Ich will damit nicht sagen, dass es hier gar keine ausschweifenden Rockelemente oder Anflüge anderer Stimmungen gibt (man höre nur "Black Hot Soup"), doch zu neunzig Prozent ist dieses Album ein geradezu über-positivistischer, mit Glückshormonen aufgeladener Sonnenstrahl der extremen Zuckersüßlichkeit.

Die optisch durch das komplette Layout vermittelte Idee wurde also mehr als perfekt umgesetzt...

Das musikalische Mittel dazu ist ein ebenso eigenwilliger wie merkwürdig spezifischer Mix aus Elektronik, Dream Pop und Psychedelic Rock, der auf Synthesizer-Loops zu basieren scheint, die sich z.T. auch durch mehrere Songs ziehen, so dass im Grunde der Eindruck einer großen zusammenhängenden Suite entsteht.

Stu Mackenzie hat vermutlich Recht, wenn er behauptet, dass es sich hier um das bisher mutigste Album von King Gizzard & The Lizard Wizard handelt. Es ist wie gesagt sehr auf eine noch weitgehend unerprobte, und für viele Hörer gewiss anstrengende Variante der Band festgelegt. Wer hier mit den ersten ein, zwei Songs nicht klarkommt, der wird auch mit dem Rest nicht warm werden - oder muss vielleicht auch nur seinen ersten Schock überwinden.
Ich war nämlich ganz zuerst auch etwas überrumpelt und skeptisch. Doch jetzt liebe ich den Schmetterling - und werde sogar den Verdacht nicht los, dass es sich hier mindestens um ein Top-5-Werk aus der Eidechsenzauberer-Diskographie handeln könnte!

Auch wenn die Bilder ähm... manchmal ein wenig von der kompletten Qualität der Musik ablenken, lässt sich das ganze Album auch als irrer Trip in zehn Videos erleben:

(Falls Du gerade nicht so viel Zeit hast, dann skippe zu "Catching Smoke"! Herrlich!)






2021-09-19

BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE und WHITE NOISE GENERATOR im Fundbureau, Hamburg (18.09.2021)

Bees Made Honey In The Vein Tree


Ich würde sagen, ich habe die vergangenen zwei Wochen Urlaub ganz gut genutzt, um den Livemusik-Faden wieder aufzunehmen. Und man kann es sogar fast wörtlich nehmen, habe ich doch nun schon mehrere Bands gesehen, die zuvor auf dem Pink Tank Festival 2019 in Heide gespielt hatten, welches zu der Handvoll letzter Veranstaltungen gehörte, die ich erleben durfte, bevor die Welt in die große Zwangspause ging.

Am 3. September beendete ich die lange Durststrecke zunächst mit zwei Pink Tank Records-Gruppen, von denen Camel Driver damals dabei gewesen waren. Gestern nun ging es erneut ins Hamburger Fundbureau, diesmal sogar mit zwei Wiederholungstätern.

Die äußeren Umstände haben sich in den vergangenen vierzehn Tagen etwas geändert. Statt 3G durften diesmal nur Geimpfte und Genesene teilnehmen, wobei ich ja annehme, dass der Anteil lediglich Getesteter unter Leuten, die Bock auf Konzerte haben, inzwischen eh nicht mehr allzu signifikant sein dürfte. 
Praktisch war der Abend dadurch wieder einen Schritt normaler, weil der Publikumsraum nun wieder offen ohne Sitzbänke war. Ein wenig seltsam ist da natürlich, dass die Auflage, eine Maske zu tragen, sobald man sich im Raum bewegt, nach wie vor bestehen blieb - zumal ich es inzwischen auf dem Prophecy Fest noch weiter gelockert (allerdings mit Checks auf Krankheitssymptome) und trotz 999 Besuchern inzidenzfallfrei erleben durfte.

Aber je nach Bundesland und Location werden uns wohl noch eine Weile von unterschiedlichen Details in den Sicherheitskonzepten überraschen lassen müssen. Wen das verärgert statt nur verwundert, der sollte vielleicht besser noch einige Monate zu Hause bleiben! Aber letztendlich sieht es ja in allen Bereichen des Alltags ähnlich aus. Und ich für meinen Teil bin echt froh, dass das Bühnenleben nun tatsächlich Schritt für Schritt wieder zurückkehrt.


White Noise Generator

Doch nun zur Musik - und die startete gestern mit einem gewaltigen Wumms!

Was Gesang und Songwriting angeht bin ich zwar immer noch nicht der größte Fan von White Noise Generator, aber die Erinnerung daran, was es bedeutet, einen überwältigend fetten Rickenbacher-Basssound im kleinen Club um die Ohren gedröhnt zu bekommen, mochte dafür entschädigen.
Auch wenn Sleep-Stonerdoom-Riffklumpen schon zu den wichtigsten Bestandteilen gehörten, war die Band für mich auch diesmal nicht komplett in einer stilistischen Ecke festzunageln. Vielleicht fände ich sie auch noch geiler, wenn sie sich konsequenter und meinetwegen auch gerne conanmäßig stumpfer an einzelnen Versatzstücken ihres Sounds abarbeiten würden. Für den Bandnamen finde ich ja, dass das Ganze im Grunde viel zu viel Musik ist. Wenn es nach diesem ginge, dann hätten wir es wohl eher mit Getöse der Marke Merzbow meets Sunn O))) zu tun. 

Trotzdem super fett. Am besten gefiel mir ganz klar das psychedelische, aber doch im Hawkwind-Stil nach vorne rockende Finale.









Bees Made Honey In The Vein Tree

Der Grund, warum ich mir das Ticket für diesen Abend besorgt hatte, waren allerdings Bees Made Honey In The Vein Tree, welche nicht nur das kombinierte Versprechen aus den beiden Malen, die ich sie vorher bereits gesehen hatte und ihrem fantastischen "Grandmother"-Album einlösten, sondern ganz klar noch eine Schippe nachlegten.

Spätestens mit der Vorstellung eines neuen Tracks vom kommenden Album machten die Stuttgarter klar, dass ihr oft shoegazig trippiger Drone Doom mit Postrockelementen noch nicht am Ende seiner Evolution steht. Die Wucht ihres Klangs muss sich so wenig vor den Größen der genannten Genres verstecken wie die Dichte ihrer Stimmungen. Auch der lange Atem, mit dem sie über atmosphärische Gitarren-Effektloops meditieren, ehe sie sich mit voller Wucht in Herz und Magengrube hämmern, ist Teil dessen, was diesen Auftritt so großartig gemacht hat.

Alles in allem ein enorm fetter Abend - und meine Ohren sind jetzt auch wieder komplett auf das richtige Malträtierungslevel für kommende Bedröhnungsaufgaben justiert.




2021-09-18

AGUSA - En Annan Värld

Es ist wieder an der Zeit, sich wie ein kleines Kind zu fühlen, welches mit großen Augen und Ohren alles in der Welt zum ersten mal entdeckt.

Vier Jahre nach dem selbstbetitelten vierten Album sind die Schweden Agusa mit einer neuen Langrille zurück!



AGUSA - En Annan Värld (green vinyl LP) (2021)

Die Musik von Agusa, dieser herrlich ausschweifende, aber dabei immer mehr auf Freude an sich selbst als auf Angeberei gebügelte, rauschhafte 70er-Jahre-Instrumentalprogrock hat auch auf diesen beiden Longtracks - "Sagobrus" bringt es auf fünfundzwanzig Minuten, "Uppenbarelser" immerhin auf einundzwanzig - nichts von ihrer magisch entrückenden Erzählkraft eingebüßt.

Wie der Titel auch ohne Schwedischkenntnisse leicht übersetzbar verrät, versetzt einen auch "En Annan Värld" wieder in eine andere Welt. Und was Agusa mit Orgeln, Gitarre und vor allem der unverkennbaren Querflöte für eine ehrliche, spürbar aus dem Herzen kommende Bildgewalt entfalten, ist für mich in dieser einmaligen Magie mit kaum einer ähnlich klingenden aktiven Band vergleichbar.

Doch Vorsicht! Das glücklich staunende Kind kann sich hier durchaus mal erschrecken und ein wenig gruseln, denn der dunkle, durch ein großartiges Stillleben auf dem Cover repräsentierte Wald, hält doch ein paar äußerst dichte, dunkle, einem weniger Luft zum Atmen lassende Täler bereit!

Wenn bedrohliche Trommeln mögliches Unheil ankündigen oder unerwartet gespannte Jazzrock- und sperrige Krautrockelemente in die Harmonie platzen, dann läuft das Kind besser schnell in Sicherheit zum nächsten Feentanzplatz, an dem die spanische Gitarre einen in vermeintlich mediterrane Sonnenwärme taucht.

Eine Unsicherheit bleibt jedoch immer. "En Annan Värld" ist diesmal kein Ort der vollkommen sorgenvergessenen Flucht aus unserer Welt. Der Effekt von Agusa ist hier also ein wenig anders als vom Großteil des vorherigen Materials gewohnt, Er ist jedoch nicht minder wirkungsvoll, gerade weil er ein wenig dichter an der psychologischen Erfahrung unserer tatsächlichen Realität liegt. Und doch erfolgt die Vermittlung dieses Gefühls so wie der Fan es kennt, auf mystischen Märchenpfaden.   

Nein, auch dieses Album kann und will nicht losgelöst von seiner emotionalen Wirkung seziert und überanalysiert werden. Es geht nach wie vor allem darum, sich in die wortlose Geschichte zu versenken - und dies gelingt intensiver denn je zuvor. Denn irgendwie scheint dieses Quintett es fertigzubringen, ein immer noch dichteres Zusammenspiel, eine immer noch fassbarere, geradezu mit einem Messer durchschneidbare Atmosphäre zu entwickeln.

Wahnsinnig gut.




2021-09-17

DORDEDUH - Har

Um das Thema Prophecy Fest gebührend abzuschließen, fehlt ja noch ein genauerer Blick auf meine dortigen Musikeinkäufe. Die Alben von E-L-R und Spiritual Front sind zwar beide großartig, fallen allerdings nicht mehr unter meine ich Ich-review-alles-was-ich-mir-im-Erscheingsjahr-zugelegt-habe-Regel.

Anders sieht dies bei Dordeduh aus, die dort am Freitag ihrer ehemaligen Band Negură Bunget Tribut zollten, und am Samstag dann ihr aktuelles Werk präsentierten.
Ich habe das Material von "Har" hier also bereits schon einmal gelobt, und daran ändert sich nach Anhören der CD natürlich nichts. Nein, ich bin vielmehr nun sogar noch mehr von dem ganze neun Jahre nach "Dar De Duh" erschienenen zweiten Album der Rumänen angetan.


DORDEDUH - Har (CD) (2021)

Dass die Band sich in dieser Zeit weiterentwickelt hat, sollte nicht überraschen. Man bedient sich nun einer noch größeren Bandbreite an Einflüssen als ohnehin schon und verschiebt die Basis hörbar von Black Metal hin zu oftmals melodischem, progressiven Death Metal.

Gerade im Zusammenhang mit der Qualität sowohl des Growlings von Edmond Karban als auch der cleanen harmonischen Gesänge, ist der Vergleich zu Opeth damit naheliegend. Doch auch das ätherische von Alcest und eine Prise klassischen Deathdooms der Marke Paradise Lost lassen sich im Metalanteil der Band ohne Mühe heraushören.

Doch egal, wie man es betrachtet, Dordeduh sind doch immer noch etwas mehr und etwas anders. man steht zwar der avantgardistischen Pan-Thy-Monium-Tradition nahe, zielt dabei selbst allerdings offensichtlich weniger auf what the fuck! Verwunderungseffekte, sondern möchte bei aller Vielfältigkeit doch zugänglich bleiben, was durch die schiere Qualität ihrer lautmalerischen Erzählkunst auf sehr erfolgreiche Weise gelingt. Man bedenke, dass die Gruppe sich dabei kaum auf den Inhalt ihrer muttersprachlichen Texte verlassen kann, da ein Großteil ihrer Fans einen eher begrenzten rumänischen Wortschatz ihr Eigen nennen dürften.

So wie einen ein guter Film selbstverständlich durch unterschiedlichste Szenen und Stimmungen leiten kann, so folgt man auch auf "Har" einer Geschichte, in der alle, stets ohne Kitsch und mit viel Geschmack dargebrachten Stilmittel - ob dies nun folkloristische Trommeln, neoklassische Keyboards, die besonders herausstechenden Dulcimer-Einsätze oder Stakkatos und Riffgewitter sind - letztendlich nur der Erzählung als Ganzes dienen.

Man kann vor allem die epischsten Tracks wie "Vraci De Nord", "Dea Neam Vergur" oder der Opener "Timpul Întâilor" zwar problemlos für sich alleine genießen, doch vom Anspruch her ist dies schon ein Album-Album, welches man idealerweise am Stück genießt.

Prophecy Productions sollten sich das Ding auf jeden Fall sofort in die Hall Of Fame stellen, denn so viele unterschiedliche, typische Merkmale des Labels finden dermaßen stimmig gewiss nicht aller Tage auf einem Tonträger zusammen. Und da schließe ich nicht nur meine speziellen ähm... Lieblinge Empyrium, sondern auch ernsthafte Klassiker wie "Light Of Day, Day Of Darkness" von Green Carnation mit ein. 

Ich bin zwar Fan der Gruppe seit Wacken 2014 und schätzte schon "Dar De Duh" sehr, doch mit diesem Album katapultieren sich Dordeduh für mich in ganz neue Sphären. Perfekt.

(Im Nachhinein kaum noch nachvollziehbar, dass ich nach der ersten Single von "Har" noch skeptisch gewesen war. Manchmal erwischt man wohl einfach den falschen Fuß oder ist gerade nicht in der kompatiblen Stimmung.)




cassette craze chronicles VII (feat. CHARLIE BUTLER, PRIMITIVE MAN, THECODONTION and VESSEL OF INIQUITY)

 



In the mood for some crystal clear dream pop? Then this bunch of recent tape arrivals in my collection is probably something you should check out later.


PRIMITIVE MAN - Caustic (2017/2020)


I've tried to get into Primitive Man before, but somehow it didn't work. Maybe it was the other album not being for me, maybe they were just too much or I was just too weak. Maybe I first had to train myself with bands like Cryptae, who knows. Whatever, bygones! I'm fully converted now and can uhm... enjoy? the Tartarus Records tape edition of their 2017 masterpiece "Caustic" with all of my senses. Or better with the little rest of senses this superlative of aural punishment hasn't pulverized yet.

Primitive Man shout directly into your ear to berate you for the downfall of Earth and humanity, which is your fucking fault, while they smash your jaw on the border stone - and they do it perseveringly and in slow motion to make sure that you don't miss one nanosecond of that sweet torturous murderous pain.
Everything about this apocalyptic meteor of sludge is set to cause complete annihilation. And seldom has the shattering of all your bones at once felt so good.





CHARLIE BUTLER - Collapsing Sphere (2021)


Appearently Primitive Man have accidentally left all their gear running after their last rehearsal. And now all that crusty crunchy distortion is droning through endless loops. Feedbacks and overtones are seperating themselves from the rumbling mass, levitating. Somehow this almost sounds beautiful now.

Of course this is not Primitive Man's instruments' random transition to independence, but the deliberate work of Charlie Butler. "Collapsing Spheres" is a rather short, but all the more enthralling collection of minimalistic drone waves. Especially the two B-side tracks "Diverted Bridleway" and "Pull Down The Drawbridge" flood the room with dark Sunn O)))shine. Fanciers immediately realize that this music is ninety percent about sound. And the sound is just right.

As a low-fi film photographer myself I also dig the cover artwork of the tape, which is shot very much in the style of a lot of my shit. So that's cool too, right?






THECODONTION / VESSEL OF INIQUITY - The Permian-Triassic Extinction Event
(2021)

The Italian dinosaur kids are back! All of us who have been a little boy at some point know this phase, right? Where you love dinosaurs so much that you learn all their names and every information your little children's book provides and proudly recite all your knowledge to everyone? Yeah, got you!
Thecodontion never left that phase and have made a concept out of telling us all their Wikipedia knowledge about selected dinosaur species - over a gnarly bass-guitar-only black metal soundtrack!
This weird link between earliest Sodom and modern avant-garde black metal with the lead tone of funeral doomers Bell Witch already worked extremely well on their full-length debut "Supercontinent" and continues to do so on the two tracks on this tape, where they introduce us to "Thecodontosaurus antiquus" and "Procompsognathus triassicus".

This split EP however is dedicated to the event which killed almost all species on Earth approximately 251 million years ago. And the B-side shows us exactly how that destruction sounded with the eleven minute track "The Great Dying" by Vessel Of Iniquity. The one-man project heaps up all kinds of black metal, orchestral sounds and noises in such an exorbitant amount, that it ultimately seems to be more white noise than music. Which is exactly the point and makes this low-fi blastfest a very convincing representation of its idea.
And since we are living right in the middle of the greatest extinction event since the fall of the evolutionary much more successful and long-lasting giants, we'll rather sooner than later will have to accept that this right here is also the jam of our doom.  





2021-09-15

PROPHECY FEST in der Balver Höhle 2021 • TAG 2: Samstag, 11. September (mit DOOL, DORDEDUH, SPIRITUAL FRONT, E-L-R, DEINE LAKAIEN u.a.)

 - out of the black light
and through the eye of the fire -



Hier gibt's das Review vom ersten Festivaltag:

PROPHECY FEST in der Balver Höhle 2021 • TAG 1: Freitag, 10. September (mit ARTHUR BROWN, DORDEDUH performing NEGURĂ BUNGET u.a.)




Guten Morgen! Nach einer komfortablen Nacht im hauptsächlich mit Besuchern des Prophecy Fests belegten Gästehaus eines Vier-Sterne-Hotels etwa zehn Minuten von der Balver Höhle, war es zunächst  einmal an der Zeit, etwas Tourist zu spielen und neben meiner Spielzeugdigitalknipse auch noch ein paar Filmkameras auszuführen.
Ein Steinbruch mit blauem Lagunensee lag unweit entfernt, doch weil ich zu stolz war, auf demselben Weg umzukehren, wurde meine kleine Wanderung viel zu lang. Und dadurch, dass meine Socken zu dünn für mein Schuhwerk waren, rutschte ich bei den vielen ungewohnten Steigungen dieser Landschaft doch etwas in meinen Latschen hin und her und handelte mir so eine fiese Blase ein. Autsch.


Zumindest hatte ich danach einen triftigen Grund, für eine weitere Weile erschöpft ins Bett zu fallen. Beinahe wäre ich so mittags ins Hintertreffen geraten, und hätten Fvnerals, die eigentlichen Opener des Tages, ihren Auftritt nicht abgesagt, dann wäre ich auch nicht pünktlich zu Programmbeginn in der Höhle angekommen.
Glücklicherweise passte es diesmal aber ganz genau, und kaum war ich an der Bühne angekommen, ging der Spaß auch schon los.




Spiritual Front

Ich finde ja immer noch, dass Spiritual Front ein paar Livemusiker zu kurz aufgestellt sind, da mit allem außer Gesang, akustischer und Leadgitarre und Drums doch ein ziemlich fetter Anteil vom Backing Track kommt. Ein Orchester kann und muss man ja nicht dabeihaben, aber zumindest die beinahe immer präsenten Instrumente Bass und Akkordeon hätten durchaus leibliche Anwesenheit verdient. Zumal es bei dieser Gruppe ja auch thematisch viel um Körperlichkeit geht, nicht wahr?

Gefallen hat's mir der flotte Mix aus Post Punk, Cash, Isaak und Italoschlager aber auch diesmal wieder sehr. Und nach dem nur von drei Trommlern und Gesang getragenen Finale von "Children of the Black Light" war für mich auch klar, dass ich die CD des 2018er Albums "Amour Braque" zur Ohrwurmabtötung auf der Heimfahrt mitnehmen musste.






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Bandnamen, die sich ohne auf sie zugeschnittenes Logo irgendwie komisch lesen, Teil 1.

Musikalisch wurde hier wenig überraschend vor allem Black Metal geboten. Wie bereits in meinem Freitags-Bericht ausgeführt, ist der Hang zu fremdschamgefährlicher deutschsprachiger Düsterlyrik nicht so mein Lieblingsmarkenzeichen unter Prophecy-Künstlern, doch musikalisch holten Eïs die Kohlen zumeist wieder aus dem Feuer.
Die reine schwarze Blastlehre alleine wäre mir auf Dauer sicherlich zu eintönig, weswegen es gut war, dass die Band ihren Sound mit Samael-Stampfern, sogar noch langsamerem, in Richtung symphonischer Postrock/Blackgaze tendierenden Passagen und Elektronik auflockerte.
Nichts für meine Plattensammlung, aber eine solide Performance, über die man nicht meckern kann.






E-L-R

Bandnamen, die sich ohne auf sie zugeschnittenes Logo irgendwie komisch lesen, Teil 2.

Mit dem Schweizer Trio E-L-R wurde es nun doomend, sludgend, postmetallend heavy, aber dabei auch traumhaft hypnotisierend. Das Stilmittel der Wiederholung zwar weit, aber klar unterhalb der Schwelle zur Redundanz auslotend, wären die Song ihres 2019er Albums "Mænad" schon instrumental perfektes Futter für Freunde von Bands wie Russian Circles oder ihren Labelkollegen GlerAkur gewesen.
Doch der feenhafte Harmoniegesang der beiden Frontdamen gab der Gruppe ihre ganz eigene Magie, die diese Show zur transzendentesten Erfahrung dieses Wochenendes machten.

Wäre dies ein englisches Review, dann stünde hier jetzt: Mesmerizing!





Der Fototourist in mir meldete sich nun wieder. Ich hatte noch unbelichtete Positionen auf meinen Filmen vom Vormittag übrig, also machte ich mich nun auf, diese auf einem Spaziergang Richtung Ortsmitte zu füllen.

Am Zustand des offenbar stark unterspülten und dadurch beschädigten Fuß- und Radweges entlang der Hönne war übrigens zu erkennen, dass auch Balve von den dramatischen Hochwassern dieses Jahres betroffen war.


Während ich mir zurück auf dem Festivalgelände meine durch die Bewegung verdiente Kohlenhydratzufuhr in Pommesform gönnte, spielten zwar noch Klimt 1918, aber das nahm ich zu peripher wahr, um an dieser Stelle irgendwas über sie schreiben zu können.





Dordeduh

Ganz anders verhielt es sich dann natürlich mit den heute ganz als sie selbst auftretenden Dordeduh, die ich mir wieder aus der ersten Reihe anschaute. Ich hatte bisher nicht die Muse gehabt, mich mit ihrem neuen Album "Har", welches ja ziemlich sensationelle Reaktionen in Kritikerkreisen einheimst, auseinanderzusetzen und mir die erste richtige Bekanntschaft mit dem neuen Material einfach für diesen Moment aufgehoben. Eine Entscheidung, die ich nach dieser großartigen Show nicht bereue, auch wenn es zwischenzeitlich etwas Mühe kostete, nicht von den äußerst enthusiastischen rumänischen Superfans neben mir aus der Höhle gedrückt zu werden.

Dordeduh fuhren neben dem üblichen Death/Black-Metal-Besteck aus Drums, Bass und zwei Gitarren noch zusätzliche Trommeln, ihr großes hängendes Signatur-Holzbrett, sowie gleich zwei gehämmerte Dulcimer auf. Die Verbindung von extremem Metal mit folkloristischen und neoklassischen Elementen ist natürlich eine der Grundideen, auf denen das Prophecy-Label aufgebaut ist. Und abgesehen vielleicht von Lotus Thief oder den ehemaligen Prophecylern Alcest repräsentiert wohl kaum eine andere Band die Verschmelzung dieser - und noch einiger anderer, darüber hinausgehender - Bestandteile so rundum gelungen und vor allem authentisch wie die Rumänen.

Mit "Har" sollten Dordeduh sich in einer idealen Welt eigentlich eine Vorreiterposition in der aktuellen Metallandschaft verdienen. Live wurden sie dem meisterhaften Album auf jeden Fall gerecht. 






Dool

Nach Dordeduh blieb ich während des Umbaus einfach vorne an der Barrikade sitzen, denn nun folgte die Gruppe, die neben der Location an sich nicht zum ersten Mal der zentrale Kicker für mich waren, diese Veranstaltung überhaupt zu besuchen.

Viermal hatte ich die Düsterrocker Dool bisher live erleben dürften, und zumindest die Auftritte im aus allen Nähten platzenden Cul de Sac auf dem Roadburn Festival 2016, als noch einmal alles komplett umkrempelnde Tagesopener beim Hell Over Hammaburg 2017 und mit um zusätzliche Musiker verstärkter Besetzung auf dem Prophecy Fest im selben Jahr, waren jedes auf eigene Weise überwältigend und adäquat nur als legendär zu beschreiben.

Die Messlatte lag also hoch, ebenso aber die Motivation der Band, nach zwei Jahren Pause endlich wieder eine Bühne in Grund und Boden zu rocken.
Gespielt wurden vor allem Stücke des im April 2020 veröffentlichten zweiten Albums "Summerland", welchem eine Releaseshow bisher versagt geblieben war. Es schien sogar so, als würden Dool das ganze Ding am Stück präsentieren, doch gegen Ende schummelten sich auch noch das Killing Joke-Cover "Love Like Blood" und der eigene Überflieger "Oweynagat" (Gänsehaut beim Solo!) in die Setlist.

Ryanne von Dorst nennt sich jetzt Raven (mehr goth ging nicht, oder?), doch ansonsten blieb alles beim Alten: der unglaubliche Drive der Rhythmussektion, die mit drei Gitarren protzenden Riffs, Licks und Leads zum Niederknien, die charismatische, powervolle und versatile Stimme und der arschtretende Auftritt der kompletten Band... Dazu noch die Livepremiere von absoluten Krachern wie "Wolf Moon", "Summerland" und "Dust & Shadows", und ich sehe mich erneut gezwungen, die Trophäe für den Festivalsieg an Dool zu überreichen. 






Deine Lakaien

Nur mit Steinway & Sons-Flügel, Stimme und Ist-das-noch-eine-Frisur-oder-schon-ein-Hut ausgestattet, boten Deine Lakaien danach ein perfektes Kontrastprogramm. Witzig der Anfang als Sänger Alexander Veljanov das Publikum begrüßte und es gleich darauf zu einer Unterbrechung kam, weil Ernst Horn merkte, dass er mit Festivalarmband am Handgelenk nicht spielen konnte und schnell eine Schere auf die Bühne flitzen musste.

Für gute Musik braucht es manchmal auch nicht mehr als einen überzeugenden Dark Wave-Sänger und ein virtuoses advantgardistisches Klavier. Gespielt wurden abgesehen vom Patti Smith-Cover "Because The Night" alternative Versionen von Stücken aus der fünfunddreißigjährigen Bandgeschichte des Duos. Da die meisten Lieder nicht allzu lang waren, gab es natürlich eine ganze Menge, wovon ich als Neuling nach einer halben Stunde dann auch zufrieden gesättigt war.

Das wäre nun auch der ideale Zeitpunkt gewesen, um mich für dieses Jahr von der Balver Höhle zu verabschieden.





Dummerweise blieb ich allerdings doch eine ganze Weile länger, um nach ausgiebigem Genuss der Stille (und Aufladen meines Smartphones) im Auto der letzten Band eine Chance zu geben...




Empyrium

Manchmal komme ich mir hier ja schon fast wie ein Arsch vor, aber was kann ich denn dafür, dass in der Qualität der Prophecy-Künstler derart dramatische Scheren klaffen? Und dass gerade die Gruppen, die das Label groß gemacht bzw. überhaupt erst zu dessen Gründung beigetragen haben, dann auch noch zu den schlimmsten Ausreißern gehören, macht es für mein Rezensentengewissen nicht besser.

Ich wurde ja schon skeptisch, als ich in dem großen Musikeraufgebot während des aufgrund der Menge recht ausgiebigen Soundchecks, den Räusperer von Dornenreich als zweiten (oder war es dritten?) Gitarristen sah. Ansonsten gab es hier neben dem auch bei Sun Of The Sleepless aktiven Sänger/Gitarristen, der auch Dulcimer spielte, u.a. noch einen Keyboarder, welcher zusätzlich opernhaften Gesang beisteuerte und eine Violinistin. Alles ziemlich viel für letztendlich ziemlich wenig.

Mit zahlreichen an sich z.T. durchaus interessanten klanglichen und stilistischen Versatzstücken operierend, hatte ich sehr bald das Gefühl, dass mir Empyrium eine übertrieben ausschweifende Geschichte erzählen wollten, dabei aber einen erheblichen Mangel an literarischem Talent mit aufgeblasenem Schwulst kaschierten. Oder anders gesagt: Die Geschichte ging komplett an mir vorbei. Nein, was ich bei Dordeduh weiter oben noch gelobt habe, das ging hier aber mal komplett in die Hose. Ich fand es geradezu ärgerlich, dafür noch geblieben zu sein.

Das war selbstverständlich meine eigene Schuld, weil ich mich so minimal auf das Programm vorbereitet hatte. Zwei Tage später schmiss ich den Best Of-Sampler der Prophecy-Anthologie, die alle Besucher beim Einlass bekommen hatten, ein und siehe da: erster Song von Empyrium und Alter, was für eine öde, affektierte Kackmusik. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir an dieser Stelle satte drei, vier Absätze Text sparen können.




Ich weiß, es kommt ein bisschen doof, diesen Bericht mit solch einem Rant abzuschließen. Aber es ist halt, wie es ist. Insgesamt war es ja immer noch ein Festival mit vielen guten bis großartigen Shows, und dazu sehr liebevoll und besucherfreundlich gestaltet.

Wenn man dann noch bedenkt, dass ja diverse Künstler im Vorfeld abspringen mussten und andere aus bekannten Gründen wohl gar nicht erst in Erwägung gezogen worden sind, dann möchte ich nicht ausschließen, dass bei der nächsten Ausgabe in zwei Jahren vielleicht sogar ohne Dool ein derart starkes Line-Up aufgefahren wird, dass ich gerne wieder dabei bin.


Ok, das war's jetzt aber. Wirklich schön, mal wieder die Gelegenheit gehabt zu haben, so ein Geschreibsel zu verfassen! Und ab nach Hause. Tschüssikowski!