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2021-09-26

2 x Necio Records: ROSTRO DEL SOL - Rostro Del Sol / SATÁNICOS MARIHUANOS - Inmerso En El Ande

READ A LONGER ENGLISH REVIEW OF SATÁNICOS MARIHUANOS "Inmerso En El Ande" ON VEIL OF SOUND!


Ja vielen Dank, ihr hoffnungslos mit der verklärten Vergangenheit verklebten Vinylsammler, die ihr unbedingt alle überflüssigen Reissue-Bullshitboxen längst totgehörter Megastars haben müsst und damit den Verdrängungswettkampf um den Zugang zu den begrenzten Presswerkkapazitäten befeuert!

Eigentlich war mein Plan ja, diese beiden Alben von Necio Records nach Eintrudeln der Schallplatten mit hübschen fröhlich bunten Fotos der Platten zu rezensieren, doch da Kleinstlabels sich u.a. durch eure Bemühungen um das Wohlergehen der Majors ja nun weit hinten anstellen müssen, würde dies mittlerweile bedeuten, mindestens bis April 2022 mit dem Review zu warten, und das kann es ja auch nicht sein. Zumal ja nach wie vor Exemplare vorbestellbar und beide Werke auch digital zu haben sind.
(Mal ganz davon abgesehen, dass ich - wie am obigen Hinweis zu erkennen - für eines ja auch schon vor einer geraumen Weile eine Kritik für das Veil Of Sound-Webzine geschrieben habe...)

Also, los geht's!


ROSTRO DEL SOL - Rostro Del Sol (2021)

Bikerclubs über Mayatempel-Ruinen. Zu Tito & Tarantula tanzende Vampirköniginnen. Die zehn Meter tiefen Furchen im Gesicht von Danny Trejo.  "Are you a Mexican or a Mexican't?"
Fast alles was ich über Mexiko weiß, habe ich von Robert Rodriguez gelernt. Ein wenig noch von Will Ferrells "Casa de Mi Padre", Spaghetti-Western und Lucky Luke. Aber ich glaube, die letzten Quellen sind bei genauerer Betrachtung etwas rassistisch.
Musikalisch herrscht natürlich Mariachi. Und The Mars Volta. Helge Schneider, klar. Und selbstverständlich Carlos Santana, der alte Schamane.

Das ist schon einiges, aber ich bin trotzdem bereit, meinen Horizont zu erweitern. Von den bemerkenswerten Auswüchsen der mexikanischen Fauna, welche das Cover von Rostro Del Sols selbstbetitelten Debütalbum zieren, hatte ich beispielsweise bisher noch gar nicht gewusst!

Und was die Musik angeht, so muss ich wohl mein Traditionalistenbashing von weiter oben zumindest teilweise zurücknehmen. Denn mehr wie aus den späten 1960ern bis mittleren 1970er Jahren könnte dieses instrumentale lateinamerikanisch gewürzte Jazzrockfusionfest kaum klingen. Der Drive und die sehr präsente Orgel deuten auf Peak Carlos und ähnlich frei aufspielende Klassiker aus der Periode hin.
Rostro Del Sol klingen authentisch, atmen und leben diesen Sound. Mal funky, mal proggiger, mal etwas entrückter, mal bluesverankert ("Backyard Blues"), mal von wilden Drums über Jazzbassläufen bestimmt ("Bop C Sketches"), mal durch sanftes oder wilde Licks schmetterndes Saxophon zum Quintett erweitert, ist diese Band immer Herr über ihren Sound.

Diese Jungs wissen ganz genau, was sie wollen und setzen es perfekt um. Retro-Musik, klar, aber garantiert ohne jede museale Staubschicht. Wer wie ich Brian Ellis' "Quipo" zu den persönlichen Lieblingsveröffentlichungen von Necio Records zählt, den sollte auch "Rostro Del Sol" glücklich machen.





Nach diesem Genuss reisen wir nun weiter nach Süden, bis zur peruanischen Heimat des Labels, und machen uns auf eine Reise von den Gipfeln der Anden bis in alle erhellten Gipfel und dunklen Grotten unseren eigenen Verstandes:
 


SATÁNICOS MARIHUANOS - Inmerso En El Ande (2021)

Es wird nun etwas weniger filigran, dafür aber schwerer, dunkler und auch emotional dichter.
Stoner Rock, Doom Metal, aber auch fast schon freche Anleihen an Maiden, Purple und Metallica sind die Zutaten aus denen die Marihuanasatanisten ihre Suppe kochen. Ihre spezielle Würze erhält sie durch überraschende Spritzer aztekischer Hot Sauce:

Immer dann, wenn man gerade denkt, dass es jetzt doch einen Tick zu eintönig geraten könnte, gibt es einen Black-Metal-Ausbruch hier, einen Powertrio-Freakout dort - oder ein Aufblühen zu majestäischer Post-Rock-Erhabenheit.

An sich sind Satánicos Marihuanos auf diesem Album ein Trio, doch hier und da steuern immer höchst effektiv Gastmusiker Synthesizer und "Ambient Sounds" bei. Und wenn wir die Suppe ganz artig essen, dann spendieren sie uns sogar elegant eingebetteten satanisch keifenden oder mystisch entrückten Gastgesang.

"Inmerso En El Ande" ist kein Album, welches versucht, durch ungezügeltes Frickelspektakel oder Brutalitätsrekorde zu beeindrucken, sondern vielmehr eines, welches auf Stimmungen setzt, coole Heaviness und Atmosphäre im ausgewogenen Verhältnis bietet und dabei eben immer den richtigen Ton zur richtigen Zeit trifft.

Auch ohne Weed und Teufelsanbetung sehr gut!





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