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2021-09-05

MANSUR - Minotaurus

Ich habe das Gefühl, dass es momentan vor allem zwei Label gibt, bei denen mich mindestens jede zweite Neuveröffentlichung das virtuelle Portemonaie zücken lässt, WV Sorcerer Productions und Denovali. Bei letztem ist im Grunde Jason Köhnen alleine schon der Grund, ständig zuzuschlagen.

Zum Glück sollten die wiederaufgelegten Backkataloge von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und The Mount Fuji Doomjazz Corporation ja nun bald durch sein, doch der Mann werkelt ja nach wie vor in zahlreichen Nachfolgeprojekten
Alleine mit dem Trio Mansur hat er seit letztem Jahr eine EP, ein Debütalbum und nun bereits den dritten Schlag "Minotaurus" (oder "Minotavrvs", je nachdem welcher Quelle man glaubt) veröffentlicht.


MANSUR - Minotaurus (red clear vinyl LP) (2021)

So unzweifelhaft gut "Temple" und "Karma" auch waren - als Rezensent hatte ich ja ein wenig Sorge, dass es nichts zu berichten geben könnte, außer dass die erfolgreiche Formal noch einmal angewandt wurde und noch mehr gleichwertige Tracks hervorgebracht hat.

Doch tatsächlich probieren Köhnen, Dimitry El Demerdashi und Martina Horváth auf dem neuen, unter vierzig Minuten kurzen Album einen etwas anderen Ansatz aus.
Statt sorgfältig auskomponierter und übereinander geschichteter Arrangements sind die sechs Stücke auf "Minotaurus" allesamt freie Improvisationen. Die Grundlage bilden Bass/Elektronik, die an das Köhnen Pandi Duo erinnert, ein flüsternder bis dröhnender Fluss, der selten aus einem klaren Anfang entspringt oder in ein erkennbares Ende mündet, sondern einfach in wechselnder Intensität da ist, fließt und gleitet.
Darüber mystizieren Oud und in der Ferne schwebender Gesang, uns auf eine außerkörperliche Seelenreise zwischen Schwarzem Meer, Mittelmeer und Persischem Golf versetzend.

"Minotaurus" ist mehr Landschaft, Reise und Gefühl als strukturierte Liedersammlung. Nennt es orientalisch folkloristischen Darkjazz, antiken Ambient oder mythologischen Drone... letztendlich geht es auch auf diesem Album wieder um den Griff nach seit prähistorischer Zeit präsenter, alle unsere Kulturen und Konditionierungen vorausgehender Ursprünglichkeit.

Eine Übung, welche die beiden Herren und die Dame in Mansur meisterhaft beherrschen.
Einzig, dass ein paar Tracks mir etwas zu plötzlich in die Leere ausfaden, wirft mich ein klein wenig aus der Stimmung heraus. Vielleicht wären nahtlos ineinander greifende Überblendungen hier die bessere Wahl gewesen. Trotzdem bleibt dies wunderbare Klangkunst.

Auf ähnlich kräftig roten, leicht transparent Vinyl gepresst wie "Temple" macht "Minotaurus" auch optisch wieder etwas her. Erneut also ein rundum stimmiger Release aus dem Hause Denovali




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