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Posts mit dem Label Florence And The Machine werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
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2025-12-10

FLORENCE + THE MACHINE - Everybody Scream

Ok, nach Pink Floyd gleich noch ein weiteres bereits ausgiebig genug global besprochenes Album, zu dem kein Mensch auch noch meine kleine Meinung braucht. Aber nun sind wir ja eh schon hier, also sage ich natürlich schon ein paar Worte.


FLORENCE + THE MACHINE - Everybody Scream (The Bloodwood Edition) (Red Marble Translucent vinyl 2LP) (2025)

Aus zwei Gründen habe ich ein bisschen gebraucht, um in den Nachfolger von "Dance Fever" (2022) reinzukommen:

1. Kleinlich, aber es ist halt wie es ist: Das Album hat leider nicht eingelöst, was der erste Teaser versprochen hat. Dieser Urschrei in ein Erdloch hinein war so ein perfektes Sinnbild für die Weltlage, dass ich irgendwie ein sich mehr ums große Ganze kümmerndes, humanistisches, politisches Album erwartet hatte. Dass es dann doch sehr stark um Florence Welch selbst kreist, ist an sich überhaupt kein Problem; ich hatte mich halt nur schon auf mehr katharsische Weltwut eingestellt.

2. Das wesentlich größere Hindernis allerdings hört auf den Namen Anna von Hausswolff. Zwar leiden momentan auch alle anderen (neuen wie alten) Alben in meiner Sammlung darunter, sich in der Rotation kaum gegen das neue Meisterwerk der Schwedin durchsetzen zu können, Florence + The Machine trifft dies allerdings besonders, da hier einfach die größten Parallelen bestehen, vor allem natürlich dass es sich bei beiden Künstlerinnen um konsequente emotionale Maximalistinnen handelt. Zudem hat "Everybody Scream" auch überraschend dunkle Untertöne, die sich instrumental u.a. ausgerechnet in Orgeln, düsteren Synthies, gewagten Orchesterarrangements und mächtigen Trommeln im Kathedralenhall äußern. Dies alles, aber auch die Qualität der besonders in feministischen Passagen sehr pointierten Lyrik tun irgendwie alles dafür, dass das Doppelalbum mit "Iconoclasts" in ein Fernduell tritt - und für mich dabei zunächst einmal zwangsweise in Annas Schatten stand.

Inzwischen habe ich mich allerdings ans Dämmerlicht gewöhnt und mache die zwölf Songs immer besser aus. Und tatsächlich lerne sie mit ständig wechselnden Favoriten - vor allem gegen Ende mit wenig auf Radiotauglichkeit optinmierten Höhepunkten wie "Drink Deep" und "You Can Have It All" - mit jedem Hören mehr zu schätzen.
Und selbst ein etwas unterm Durchschnittsniveau liegender Song wie "Buckle" bietet in Sachen Arrangement, Performance und Produktion immer nochgenügend Qualitäten, um mich mühelos bei der Stange zu halten.
  
Wie immer liefern Florence und ihre Band also ab, mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Chamber- und Überwältiguns-Pop, Alternative Rock mit Folk/Gospel-Einflüssen und hier und da beinahe schon Gothic-Vibes. Dabei wirkt "Everybody Scream" trotz zahlreicher unterschiedlicher akustischer, orchestraler, elektronischer Texturen noch mehr aus einem Guss als "Dance Fever" - was im Grunde nicht besser oder schlechter, sondern einfach nur anders gut ist.

Nein, man kann als prinzipiell antikapitalistischer Musikhörer noch so sehr die Nase über den kommerziellen Mainstream-Erfolg der Polydor-Künstlerin rümpfen, musikalisch macht die fantastisch charismatische Sängerin einfach alles richtig.

Ähnlich wie bei neuen Alben von Lana Del Rey wurde der Markt natürlich mit zahlreichen Varianten mit komplett unterschiedliche Coverartworks geschwemmt, so dass man, selbst wenn man sich wie ich mit der Indie Exclusive Red Marbled Vinyl Edition eigentlich super bedient fühlt, doch niemals so ganz sicher sein, ob die anderen drölf Versionen vielleicht nicht doch hübscher sind.

Schade ist auf jeden Fall, dass die vier minimalistischeren, noch mehr auf unverstärkte Instrumente, Chor und Orchester konzentrierten Bonusstücke der CD-Chamber Edition hier nicht dabei sind. Optisch habe ich allerdings gar nichts auszusetzen. Dass man Platten auch außerhalb bedruckter Innenhüllen verschicken kann, um Seamsplits zu vermeiden, sollte ja eigentlich bekannt sein. Ich erwähne es aus Gründen trotzdem noch einmal.






2022-06-10

FLORENCE + THE MACHINE - Dance Fever

Ok, time to go back nurturing the underground ethos of this site now!

No, wait. Wrong review. But whatever... good is good, no matter how many people share that opinion. So yes, while I was taking my sweet time with the last one (that's why there's no post about it here), I've bought the new album by Florence Welch immediately after release.

 

FLORENCE + THE MACHINE - Dance Fever (Hardcover Book Deluxe Edition CD) (2022)

It's not a natural given that I like this music: It's often very formulaic with the slow intro and build-up during the first verse, then exploding into uptempo pop with lots of chorus repeats and the lead voice permanently belting and occasionally ooohooohoohooo running out of lyrics... but luckily that isn't always the case. And even more important: when all that stuff which could in theory be quite terrible, happens, it actually doesn't bother me at all, because this artist is just so damn good at it.

There isn't any spectacular new ground broken on "Dance Fever". Folk pop hymns. Check. Singer/songwriter ballads? Check. Heavenly choirs? Check. Seventies disco? Check. Depeche Mode worship? Check. Even the album title is old news considering how obsessed with expressive dance choreography videos Florence Welch has been in the past.
It has all been done before, but the intensity of the singer's performance, the quality of the arrangements and the effortlessness with which the album flows from one thing into another, are just on a really spectacular level.

I won't say that this is her best album. Not only are "Ceremonials" or "How Big, How Blue, How Beautiful" hard to beat; I honestly cannot for the life of me be the judge of that question after this little time. There's no doubt however that "Dance Fever" is further evidence that the vault of possible amazing Florence + The Machine albums is probably endless.

One noticable habit which has already snuck in before, but is really highlighted now, is Florence' use of this deep, almost spoken, creaking early morning voice, which is seldom heard in this way, because it's a) not a "beautiful" sound and b) not too many vocalists are even capable of working with it in such a controlled way. It's an intriguing addition to her palette and not the only proof that she's always working on her voice and pushing it to new limits. Thankfully there's no too blatant and overdone showing off in that regard, but if you're pay attention you'll notice it for sure.

I could say something about most of the fourteen tracks, maybe even find some small fault in one or two songs, which seem a little weaker than the rest, but fuck that - the album as a whole is great and its highlights shine much brighter than any one not so strong bridge or whatever I could find to nitpick about.

The lyrics aren't super long, so you could easily fit them on one or two double pages along with the credits. Or you're strechting them to an almost hundred pages thick artbook like in the Deluxe CD edition I went for. And I dig it, it's a nice item.

The real kicker for me however were the five bonus tracks, four of them being alternate acoustic versions of the album songs "Cassandra", "Free", "Morning Elvis" and "My Love". As we already know since way back through her MTV Unplugged that's of course always a treat.

The final song - also acoustic - is a cover of The Stooges' "Search And Destroy". No points for originality for this choice, I'm afraid. Has the world waited for yet another version of this? Nope. But we haven't heard it from Florence + The Machine before either, so there's no objection from me.







2015-06-13

FLORENCE AND THE MACHINE - How Big, How Blue, How Beautiful

Und nun ist es mal wieder Zeit für einen Ausflug in die Welt der chartstürmenden Populärmusik, genauer gesagt zu Florence Welch und der sie unterstützenden Maschine.

Die Dame ist bekanntermaßen zu Hause im lautgesangigen Alle-Gefühle-müssen-raus-Pop mit hoher Refrainwiederholungsrate, einem an sich nicht ganz ungefährlichem Genre mit hohem Nervensägenpotential.
Abgesehen davon, dass Songwriting und instrumentales Arrangement keinesfalls vernachlässigt werden sollten, ist als Hopp-oder-Top-Kriterium vor allem entscheidend, ob einem persönlich Stimme und Vortrag der Sängerin zusagen.

Will sagen: Wer das Organ von Florence bisher generell nicht mochte, der braucht auch hier und jetzt nicht weiterlesen.

Ich persönlich fand ihre eigenwillige, kraftvolle Stimme schon auf den vorigen beiden Studioalben und dem "MTV Unplugged" mitreißend und faszinierend. Und genervt hat sie mich bisher nur mit dieser elenden Rap-Version von "You've Got The Love", über die wir besser den Mantel des Schweigens ausbreiten...

Nach vier Jahren Pause (ok, für mich Radioabstinenzler und Späteinsteiger war es nicht so lang) ist nun Album Nummer drei erschienen:




FLORENCE + THE MACHINE - How Big, How Blue, How Beautiful (2LP) (2015)

Das Artwork, welches zum Glück der Versuchung widersteht, den Albumtitel bildlich umzusetzen, hat durchaus Potential, eines Takes Ikonenstatus zu erreichen.

Und in seiner schlichten kunstvollen Schönheit deutet es auch an, worin sich "How Big, How Blue, How Beautiful" von seinen Vorgängern unterscheidet: Wo "Lungs" jugendlich verspielt war und "Ceremonials" vollkommen losgelöst in himmelhohen Sphären schwebte, da klingt die Band nun geerdeter, rauer und auch direkter, intimer.




An der generellen Ausrichtung -  hymnischer Pop mit Indierock- und Folk-Einschlag - hat sich nichts geändert und das ist auch gut so. Insgesamt schlägt das Pendel nun etwas mehr zum Rock aus, was aber nicht heißt, dass kein Platz für ruhige Töne bleibt. Auch wenn Florence die powervollen, energischen Teile nach wie vor stimmlich am meisten liebt.

Mit "Queen Of Peace" finden sich auch Anklänge an die 70er-Jahre-Disco auf dem Album wieder, die Florence + The Machine für mich zum Idealkandidaten macht, um live mal die kompletten fünfzehn Minuten von Santa Esmeraldas "Don't Let Me Be Misunderstood" zu covern.
Allerdings hat Lana Del Ray ja schon angekündigt, sich auf ihrem nächsten Output um den Song zu kümmern. Das dürfte aber wohl eher in die souljazzige Richtung des Originals von Nina Simone gehen...

Aber zurück zum Thema:

Ein, zwei Tracks fallen ein wenig ab, doch insgesamt liefern Florence + The Machine wunderbar ab. Die Musik stimmt, es gibt eine Menge starker Hooks, und auch wenn die charismatische Stimme der Frontfrau klar im Mittelpunkt steht und selten eine Pause macht, setzen die Instrumente doch immer wieder genügend interessante Akzente, von denen das glasklare majestätische Bläser-Finale im Titelsong nur der prominenteste ist.

Kurzum: Ein emotionales, mitreißendes, abwechslungsreiches, kurzweiliges, hübsches Album.

Sowas darf dann auch gerne mal da oben in diesen *Naserümpf* Charts herumgeistern.

(Wer gerne Erbsen zählt, dem hat der Layouter immerhin ein wenig Lästermaterial gegeben, indem er den Inhalt von Seite C und D vertauscht hat.)




Anspieltipps: Mother, Queen Of Peace, Delilah, How Big How Blue How Beautiful, St. Jude