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2026-09-12

PROPHECY FEST 2026 vor der Balver Höhle • Teil 1/3: Donnerstag, 03. September • Prophetic Overture mit NEST, NEUN WELTEN und SIMONE SALVATORE


Nachdem ich meinen ersten Wacken Open Air-Besuch seit zehn Jahren ja wegen auch in der Tiefe viel zu schwachem Line-Up abgesagt hatte, dachte ich mir, dass ich mir, dass ich das so gesparte Geld dann doch genauso gut mal wieder fürs Prophecy Fest verprassen könnte.
Gedacht, getan: Ticket gekauft und ein Hotel in der Nähe von Balve gefunden, welches so günstig war, dass eine Nacht mehr nicht dramatisch ins Gewicht fiel und ich mir erstmals auch die draußen am Fuße des Höhlenbergs am Campingplatz stattfindende Overtüre zu gönnen.

Zunächst einmal musste ich natürlich aus dem Echten Norden ins Sauerland kommen, was mir eigentlich keinen Absatz hier wert gewesen wäre, wenn nicht... ja wenn ich nicht nur fünfzehn Minuten vor Ankunft im Hotel in eine erniedrigende, mich auch jetzt immer noch ärgernde Polizeikontrolle mit vollen Framing- und Gaslighting-Programm und Urinprobe / Drogentest geraten wäre.

Für die nächste Kontrolle habe ich immerhin gelernt, dass ich auf die Frage, wann ich zuletzt Alkohol oder andere Drogen konsumiert habe, besser einfach lügen werde: "Vor drei, vier Wochen auf einem Geburtstag - vollkommener Filmriss." Bulle ist zufrieden. Und danach dann so wortkarg wie möglich.
Denn die Wahrheit, dass ich keine Drogen nehme und mich nicht erinnern kann, wie viele Jahre bzw. Jahrzehnte es her ist, dass ich mal besoffen gewesen bin, passt dem "Freund und Helfer" einfach nicht ins vorgefertige Bild, wegen dem man als Metalshirt-Typ ja überhaupt erst aus dem Verkehr herausgepickt wird.

Alles, wirklich alles was ich gesagt habe, wurde danach als Erhärtung des Verdachts ausgelegt, dass ich mich morgens um acht vollkommen dicht ins Auto gesetzt haben musste. Der Tonfall wurde dabei immer unverschämter: "sIND sIE SIcH WIIiIRKliIICH SIChER??"
Und dann fängt der Typ auch noch an, meine Körperhaltung bei der Antwort zu kritisieren... Alter, soll ich wie ein Häftling stramm stehen? Oder mit meiner Körpersprache zeigen, wie angefressen ich gerade tatsächlich bin? Innerlich habe ich mit dem Beamten zu diesem Zeitpunkt nämlich schon mehrmals die Szene mit der Cabrio-Testfahrt aus True Lies nachgespielt. Aber diesen Impuls unterdrückt meine zivilisatorische Sozialisation ja glücklicherweise.

Vielen Dank für Nichts, Polizei Sundern! Geh mal arbeiten statt an der Bushalte abzuhängen und den Bully zu machen!






Mehrere Stunden später, früher Abend. Es ist zwar noch feucht, doch erfreulicherweise regnet es nicht mehr - was bei der kleinen, kaum geschützten  Bühne wohl schnell ein tödlicher Reinfall sein kann.
Das Ambiente war gemütlich, die Menge stand, saß auf Bänken und Campingstühlen oder picknickte gar auf dem Boden. Es gab exklusives Merch für diesen Tag und man konnte sich in einer langen Reihe umsonst einen Willkommensdrink abholen, worauf ich allerdings verzichtete, obwohl wir doch gerade etabliert haben, dass ich ein absolutes Biertier bin, das keine Gelegenheit zur Alkoholaufnahme auslässt. Ich weiß auch nicht, was hier mit mir los gewesen ist.

Ich setzte mich ganz vorne noch vorder ersten Reihe ins Gras, direkt neben den Nest-Ultra, für den der Auftritt des finnischen Solokünstlers Aslak Tolonen den Höhepunkt des gesamten Festivals darstellte. Soweit würde ich zwar nicht ansatzweise gehen, doch ich muss zugeben, dass mir die mit zusätzlichen Backingtracks auf der elektrischen Kantele (eine nordeuropäische griffbrettlose Zither) dargebrachte Musik als mystisch verträumte Einstimmung gut gefiel.

File under: Rollenspielmusik. Der Zither- und Synthiesound von Nest wären während meiner aktiven Pen&Paper-Zeit wahrscheinlich als Soundtrack hoch- und runtergelaufen.









Fantasy-RPG-Sounds, die zweite, mit der deutschen Band Neun Welten, die mit Schwerpunkt auf ihrem zwanzig Jahre alten Debütalbum bis zu sieben neue und alte Mitglieder auf der Bühne versammelte. Elektroakustische, sich manchmal in postrockende Sphären erhebende Folklore mit Akustikgitarren, Trommeln, Geige, Cello, Flöte. Letztere hätte mir in der Quer- statt Block-Variante wahrscheinlich besser gefallen. Musikalisch manchmal nahe der Kitschgrenze, jedock immer noch gerade auf der richtigen Seite, gefiel mir die Show insgesamt aber sehr gut.

Dem Gesang konnte ich zwar nicht immer viel abgewinnen, aber dafür fand er auch ziemlich selten statt. Insgesamt gefiel mir auch diese Show richtig gut. Es war eine feine Untermalung, um mich eins mit dem Gras und der Erde unter mir zu fühlen - und natürlich mit all den harten Drogen, die ich während der Fahrt hierher eingeworfen hatte.









Danach gab es die erste Künstlerankündigung für nächstes Jahr, präsentiert von niemand geringerem als Arthur Brown, der daraus eine eigene kleine absurde Show machte, die komplett entglitt als er spontan mit einem Stück Bühnendeko als Guru eines Holzschlangenkultes ins Publikum verschwand. Das erinnerte mich auf jeden fall wieder daran, warum der Mann mich manchmal an eine Mischung aus Chris Farlowe und Otto Walkes erinnert. 

Wieder eingefangen hieß es dann gemeinsam mit dem Veranstalter: I am the God of Hellfire! And I bring you: Falkenbach!

Dieser Solokünstler sagt mir persönlich tatsächlich gar nichts, ist aber in der Festivalzielgruppe ziemlich beliebt, was sich dann auch nicht nur in ekstatischen Reaktionen, sondern im blitzschnellen Ausverkauf vom Prophecy Fest noch auf dem Festival selbst plus innerhalb von weniger als 24 Stunden danach bestätigte. Darf ich angesichts der Tatsache, dass dies ja die einzige Liveshow dieses Projekts überhaupt jemals irgendwo sein wird, vorsichtig skeptischer sein? Schon kurios. Aber ich werde es sicherlich in zwölf Monaten irgendwo nachlesen, wie die Resonanz ausgefallen ist.







Als letztes trat der Frontmann des italienischen Trios Spiritual Front auf. Die Kulisse und Stimmung war nun eine andere: Es wurde mittlerweile dunkel, das Publikum saß nicht mehr, sondern stand bis direkt vor der Bühne.

Und Simone Salvatore führte mit viel Humor durch sein Set, welches die Stücke seiner Band in zu maximaler Wirksamkeit reduzierten Singer/Songwriter-Varianten präsentierte. Machte Laune.

Danach war der Abend musikalisch dann relativ früh vorbei, aber es war schön, den Donnerstag mit seinem eigenen speziellen Flair auch einmal mitgenommen zu haben. Und relativ zeitig ins Hotelbett zu fallen, störte mich nach den Substanzenexzessen dieses Tages natürlich auch nicht wirklich.







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