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2026-10-03

CORONER, SCHIZOPHRENIA und TAR POND live im Knust, Hamburg (30. September 2026)


Ich weiß gar nicht, wie ich dies angemessen einleiten soll. Die Schweizer Technical-Thrash-Metal-Legende Coroner - ich hatte sie zuletzt zwei Mal kurz nach ihrer Live-Wiederauferstehung gesehen, auf dem Roadburn Festival und in Wacken. 2012 war das, also auch schon wieder bereits vierzehn Jahre her!

Die letzte Chance, das Trio (plus Live-Keyboarder) auf einer norddeutschen Clubbühne zu sehen, liegt allerdings länger zurück als sich sogar Bassist/Sänger Ron Broder korrekt erinnern konnte, nämlich satte 33 Jahre!

(Ich glaube, ich habe sie damals nicht gesehen, denn auf so vielen Shows war ich damals als Teenager noch nicht - aber wissen tue ich es tatsächlich nicht. So lange her ist der Scheiß! Gut, dass ich meine Konzertbesuche heute alle hier protokolliere.)

Und nun kamen sie also endlich wieder nach Hamburg, mitten in der Woche, auf die für ein Tourpaket aus drei Bands eigentlich zu kleinen Bühne des Knust. Und sie hatten zwei starke Support-Acts dabei, die beide genauso klangen, wie ihr Bandname versprach...



TAR POND
"Teerteich" - Mir kam der Name von Anfang an bekannt vor, aber zuordnen konnte ich ihn nicht. Wahrscheinlich sind sie über Prophecy Productions, die ihr jünstes Album veröffentlicht haben, schon einmal über den Weg geschlichen.
Tatsächlich gehören Tar Pond mit zur Züricher Metalfamilie des Headliners, gegründet u.a. vom (inzwischen ehemaligen) Coroner-Schlagzeuger Marky Edelmann und niemand geringeren als dem vor der (daraufhin um Jahre verzögerten) Veröffentlichung des Debütalbums verstorbenen Celtic Frost-Bassisten Martin Eric Ain.

Vor der Show von Tar Pond wusste ich all dies nicht. Musikalisch habe ich in ihrem minimalistischen, super langsamen und traurigen Doom-Sound allerdings schon Verwandschaften gehört, erinnerte mich die Zähigkeit und Konsequenz doch an eine Mischung aus Winter und der Frost-Nachfolgeband Triptykon mit einer Spur von Fields Of The Nephilim-Atmosphäre, während ich den gequält melancholischen Gesang irgendwo zwischen Steve von Till und - schon wieder in der Familie - Thomas Gabriel Fischer verortete.

Auch wenn es auf der Bühne noch so eng war, dass der Bassist zwischendurch versehentlich einen Beckenständer umschmiss, fühlte sich der Raum zwischen den Noten und Versen doch gigantisch groß an. Zäh und heavy hatte ich angesichts des Bandnamens ja erwartet. Aber in welcher Ausführung dies geboten wurde, das überraschte mich schon. Was für eine Entdeckung! 








SCHIZOPHRENIA
Die größte Überraschung an Schizophrenia war, dass es sich bei der nach dem Sepultura-Album benannten Band nicht um Brasilianer, sondern um Belgier handelte. Denn nicht nur optisch war die Gruppe in die Achtziger zurückgereist, sondern auch ihr Sound war eine leidenschaftliche Verbeugung vor klassischem südamerikanischem Thrash Metal mit schwarz- bis todesmetallischer Färbung. Wildester Rübeschüttelsound inklusive ruppiger Tempowechsel und sogar Grindattacken.

Eine Thrash-Band, bei der es absolut passte, dass sie ein Cover von Morbid Angels "Maze of Torment" zum Besten gab - was kann man daran nicht mögen? Gekonnte Old School-Dauerattacke mit spürbarem Bock auf die Sache. Geil!








CORONER
Nach der letzten Umbaupause war dann endlich mal ein bisschen Platz auf der Bühne. Musikalisch allerdings wurde es erwartungsgemäß so tight, dass kein Blatt Papier zwischen die göttlichen Grooves, Thrash- und Prog-Metal-Passagen passte, welche Coroner ins dankbare Publikum feuerten.
Die Rhythmussektion aus Drummer Diego Rappachietti und Ron Broders fetten Fingerbassspiel konnte alles, Daniel Stössel brachte an Keyboard und Samples reichlich subtile Atmosphäre ins kompakt brutale Geschehen - und so atemfrisch cleane Gitarrensoli wie von Tommy Vetterli hört man wahrlich nicht alle Tage aus einer Konzert-PA wohlklingen.

Nicht rundum perfekt (denn das ging angesichts der begrenzten Zeit der Performance natürlich nicht), aber schon sehr großartig war die gebotene Songauswahl, die alle Alben einschloss, wobei der Fokus vor allem auf den neuen Werk "Dissonance Theory" lag, "Mental Vortex" mit drei und "No More Color" sowie "Grin" mit jeweils zwei Beiträgen aber auch nichts zu meckern hatten.
Klar, gerade von meinem Liebling, dem letztgenannten "Grin", hätte ich natürlich gerne noch x Stücke mehr haben können, aber es war ja nun einmal alles super. Und wer bereits den Titeltrack und "Serpent Moves" bekommt, kann sich ehrlich gesagt kaum beschweren. Überhaupt fiel mir positiv auf, wie sehr die Fans alle Phasen - egal ob die frühen Alben, die grooveorientierten Neunziger-Stücke oder das ganz frische Material - im gleichen Maße gefeiert haben. Es war auch einfach alles saustark.

Ein bisschen Schade war's schon, aber so eine Show muss auch irgendwann zu Ende gehen, zumal ein großer Anteil des Publikums angesichts des Alters und der langen Abwesenheit der Band ja der Generation Papi darf jetzt wieder unterwegs sein angehörte. Und wenn diese Generation sich an die Existenz von Moshpits erinnert und einem in der ersten Reihe immer wieder massive Exemplare in den Rücken rauschen, dann weiß nach einer Weile auch, wofür man sich vorher die Stärkung im Bunker Döner gegönnt hat.

Das gab ein paar kleine blaue Fleckchen, die ich für diese Spitzenunterhaltung aber gerne in Kauf genommen habe.

Also Coroner: Bitte nicht erst wieder in dreiunddreißig Jahren, wenn Hamburg längst unter Wasser liegt!