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Interested in me reviewing your music? Please read this!

2020-11-07

BANDCAMP DAY November 2020 mit NITELIGHT, ZOMBI und ESOCTRILIHUM

Uuuund es war schon wieder Bandcamp-Freitag! Abgesehen von einem physischen Tonträger, den ich später gesondert besprechen werde, war es für mich diesmal ganz klar ein Helloween-Special, da alle drei folgenden Veröffentlichungen zu jenem Anlass erschienen sind:



NITELIGHT - Zombie Ritual (download) (2020)

Déjà vu! Die italienischen Synthwaver Nitelight spielen schon wieder Chuck Schuldiner. Diesmal ist es allerdings kein komplettes Death-Album, das gecovert wird, sondern allein der Track "Zombie Ritual".

Das fetzt allerdings genauso großartig (und helloweenbedingt mit deutlich mehr Anleihen an Horrorfilmgespenstigkeit) wie die Neuinterpretation von "Symbolic" und gehört für mich deshalb als Bonustrack unbedingt dazu.




ZOMBI - Evans City (download) (2020)

Vom Zombieritual ist es nicht weit zum nächsten Synthwave-Duo namens Zombi, welche uns hier die teils auf dem Score zu "Night Of The Living Dead" basierende Musik für eine Live-Skriptlesung eben jenes Films präsentieren.
Im Vergleich zum metallischeren Album "2020" sind die Herren Moore und Pattera hier wieder sehr viel oldschooliger unterwegs und ganz auf bedrohlichen Synthiehorrorsoundtrack gebügelt.

Merkwürdig dicht am Puls der Zeit sind sie dennoch unterwegs, liegt "Evans City" doch genau wie Pittsburgh, die Heimat des Duos, ausgerechnet im den Sack gegen 45 dicht machenden Staat Pennsylvania. Und jene Grusellesung war eine Benefizveranstaltung für den Wahlkampf von Biden und Harris. Hui, da hat der Lasst-die-Politik-aus-der-Musik-raus-Mob ja wieder Grund zum Heulen.

Und wer geradeaus denken kann und zudem auf carpentersche Soundtrackmusik steht, der hat besseres zu tun und genießt einfach aus vollem Herzen diese sieben Instrumemtaltracks.




ESOCTRILIHUM - F'htansg (download) (2020)

Für Musiker, die sich ohnehin den ganzen Tag vollkommen alleine in ihrer kalten Gruft verkriechen, um menschenfeindlichen, Advantgardeschwarzmetall mit zehn Hirnkollapsen pro Track aus der Hölle aus jenseitigen Dämonensphären heraufzubeschwören, ist das Pandemiescheißdreckjahr 2020 vielleicht gar nicht dramatisch anders als der übliche Tag im Büro.

Fast schon wundert man sich eher, dass der Franzose Asthâghul aka Esoctrilihum nach den überwältigenden Brocken "The Telluric Ashes Of The Ö Vrth Immemorial Gods" und "Eternity Of Shaog" hier tatsächlich nur eine Drei-Track-EP von knapp über zwanzig Minuten in unsere sterblichen Gehörgänge jagt.

Doch keine Sorge, in dieser Zeit passiert auf die bekannt überfordernd überbordende Art wieder so viel, dass man tatsächlich glaubt, es mit einem sehr viel längeren Album zu tun zu haben. Der gute alte "Altars Of Madness"-Effekt halt. Tatsächlich steckt in dem super garstigen, kratzigen, rauschenden Black Metal und insbesondere im letzten Stück "Lugalugkuh" eine Menge Morbid Angel drin. Mit Keyboards könnte man wohl auch Nocturnus sagen.
Daneben blitzen natürlich zahlreiche andere Stilmerkmale auf. Besonders aus dem dauerbösen Fratzengeballer herausstechend ist der Schluss von "Sustutgrielh L'ays", bei dem das Geblaste plötzlich sphärisch schwebt wie bei Botanist.

Insgesamt ist "F'htansg" ein herrliches Inferno und vielleicht gerade für traditioneller orientierte Schwarz- und Todesbleifans ein etwas einfacherer Einstieg in den esoctrilihumschen Kosmos als die einschüchternd riesigen Alben.




FRA DET ONDE - feat. the Legendary Emil Nikolaisen

Shortly after (or in my case purchased together with) the Martin Rude & Jakob Skøtt Duo's wild melange of jazz, kraut rock, folk and electro on "The Discipline Of Assent" El Paraiso Records follows up with another session recording, which is absolutely on fire.

It's a rather short affair spinning on 45 rpm, but fuck yeah, what a jam...



FRA DET ONDE - feat. the Legendary Emil Nikolaisen (LP) (2020)


At first it seems almost unbelievable that aforementioned fire was lit surrounded by a truly Norwegian outer temperature of minus sixteen degrees Celsius.
On the other hand thinking about it a little bit longer, the need to shake off the bone-chilling cold could be a critical explanation for the relentless drive of this recording.

But don't let yourself be fooled by the powerful rawness of the drums and the thickly snarling Rickenbacker bass sound into believing that this EP has a rock music ratio even remotely comparable to the Rude / Skøtt release!

No, at it's core ninety percent of this is pure jazz! Or electric free jazz, if you want to be more specific.

And the trio of Olaf Olsen (drums), Rune Nergaard (bass) and trumpeter Erik Kimestad Pedersen plays it hard and fast and passionate, but without stepping over into hard rock territory, even though the musical backgrounds to pull that off are there. Fra Det Onde however stay very much true to the spirit of the later, "harder accessible" works of the John Coltrane Quartet and its music-historical spawn.

The production is extremely hands-on in openly affecting the music through excentric mixing choices and tickling the equipment to resound and moan. It's hard to grasp what exactly is happening here, but it is of such important that producer Emil Nikolaisen's name is in the freaking title of the EP.

The overall result at the same time exudes a traditional familiarity and an adventurous modern excitement. I can easily see myself spinning this gem back to back with the likes of Miles' "Dark Magus" oder Trane's "Meditations" without being let down in the slightest.

Or in other words: This free jazz fusion blizzard is a complete ripper!





2020-11-05

MARTIN RUDE & JAKOB SKØTT DUO - The Discipline Of Assent

Jazzjazzjazzjazz... Ich habe immer noch das Gefühl, dass zwischen der Häufigkeit dieses Begriffs in diesem Blog und meiner tatsächlichen Fachkompetenz eine grandcanyonale Lücke klafft. Anderseits wächst meine Jazzsammlung durchaus ständig. So habe ich gerade zum Spottpreis von nicht einmal drei Euro fünfzig pro neuem(!) Tonträger ein überraschend amtlich gepresstes Vinyl-Überraschungspaket bekommen, zu dem u.a. Hammer wie Eric Dolphys "Out To Lunch", Art Blakeys "Drum Suite", Wayne Shorters "Speak No Evil" und Duke Ellingtons "Money Jungle" gehören.
Glücklicherweise waren tatsächlich nur zwei Alben dabei, welche ich bereits vorher besaß. Wäre ich YouTuber, dann hätte es sicherlich ein schlimmes Haul-Video gegeben.

Bei so viel legendärer Old-School-Beschallung muss ich glatt aufpassen, dass ich die kontemporären Neueingänge nicht vernachlässige. Zu jenen gehört ein Album aus dem Stall von El Paraiso, welches sich stilistisch wohl zu jeweils einem Drittel in Jazz, Psychedelic Rock und "sonstiges" einteilt. Eine Mischung, der ich aus diesem Hause immer schwer widerstehen kann.

Dass ich damit nicht alleine bin, bewies sich, als ich trotz Vorbestellung kein Exemplar der Erstpressung abbekommen konnte und auf die unmittelbar hinterhergeschobene Zweitpressung auf transparentem Vinyl warten musste.
Jede unterscheidet sich auch durch einen Promo-Streifen, den ich allerdings noch gar nicht genauer unter die Lupe genommen habe, weil ich es meistens vermeide, Reviews zu lesen, bevor ich meinen eigenen Senf formuliert habe.




MARTIN RUDE & JAKOB SKØTT DUO - The Discipline Of Assent (milky white vinyl LP) (2020)


"The Discipline Of Assent" basiert auf einer Session von Causa Sui-Drummer Jakob Skøtt mit Bassist/Gitarrist Martin Rude. Das spontan improvisierte Rohmaterial wurde später editiert und um einige elektronische Finessen erweitert.

Die stilistischen Schwerpunkte der neun Tracks scheinen sich dabei vor allem durch die Wahl des Saiteninstruments ergeben zu haben.

Die jazzigsten Stücke sind jene, bei denen Rude zum zumeist sehr rhythmisch gespielten Kontrabass greift. Im Grunde klingt das Duo hier oftmals beinahe wie ein ganz traditionelles Jazztrio. Da für ein solches natürlich das Leadinstrument fehlt, geben die Drums umso mehr Gas. Skøtt zollt hier ganz klar dem energetischen Spiel von Elvin Jones und den Größen aus Fusion (einschließlich der elektrischen Phase von Miles Davis) und Spiritual Jazz Tribut.
Allerdings setzt er auch mal gerade im Zusammenhang mit den später hinzugefügten Synthies beinahe breakbeathafte Akzente. Und der vierte Track "Setenta y Tres" strahlt so starke Jazz/Hip Hop-Crossover-Vibes aus, dass ich es mir tatsächlich gut mit einem darüber freestylenden Rapper vorstellen könnte.

Dem Gegenüber stehen die ebenso stark vertretenen Bariton-Gitarren-Stücke, welche eher in die ganz labeltypisch schwebende Psychedelic-Rock-Richtung gehen.

Das schon durch seine elfminütige Länge klar herausstechende Finale "Mountain Montage" bringt schließlich noch die akustische Gitarre und mit ihren einen starken Folkeinfluss (sowohl Western als auch Eastern) ins Spiel.

Dies alles passiert sehr natürlich und bewahrt sich trotz nachträglicher Optimierung seinen spontanen Charme, was die instrumentale Chemie nur noch beeindruckender erscheinen lässt.

"The Discipline Of Assent" ist ein spannendes, abwechslungsreiches, sehr kurzweiliges und mit erfrischender Leichtigkeit auf Kategorisierungen scheißendes Kleinod, welches die El Paraiso-Sektion meines Plattenregals in jeder Form enorm bereichert.
Und dafür kann man die eingangs erwähnten überlebensgroßen Klassiker auch durchaus mal auf spätere Rotation vertrösten.







2020-10-29

SUN RA ARKESTRA - Swirling

Dieses Album - so viel gleich vorweg - war wohl schon lange überfällig.

Nicht, dass es an Gelegenheiten mangeln würde, für das Schaffen Sun Ras Geld auszugeben, erscheint doch ständig rares und neu aufgelegtes Material aus der genauso gigantischen wie unübersichtlichen Diskographie des Jazz- und Afrofuturismus-Vorreiters.

Nun hat allerdings der Meister selbst diesen Planeten ja bereits 1993 verlassen, und Marshall Allan zwei Jahre danach die Leitung des Sun Ra Arkestra übernommen. Und aus jener langen Zeit, die der Saxophonist nun schon dem Repertoire mit seinen Arrangements seinen Stempel aufdrückt, existiert bislang kein Studioalbum.

Diesem Mangel wird offiziell morgen (30. Oktober) mit "Swirling" ein Ende bereitet.



SUN RA ARKESTRA - Swirling (clear vinyl 2LP) (2020)


Der Titeltrack des Doppelalbums ist ein von Marshall komponierter, im Herzen leichter, aber durch die typisch schräge Vielstimmigkeit der Big Band doch unverkennbar in der Sun Ra-Tradition verhafteter Swing.

Der komplette Rest von "Swirling" besteht allerdings  aus aktuellen Inkarnationen bekannter Stücke, eine gesunde Mischung aus greatest hits und deeper cuts.

"Braucht man das wirklich?" mag der eine oder andere vielleicht jetzt noch einmal nachfragen, und meine Antwort ist ganz klar: auf jeden Fall!

Ob es die instrumentalen und gesanglichen Performances der die Liveband über die letzten Jahre prägenden Mitglieder sind (von denen insbesondere Sängerin Tara Middleton und natürlich das schrille Saxophon und die spacigen Eskapaden Marshall Allans auf dem elektrischen Windinstrument hervorstechen), oder die großartige, den Livesound der Gruppe perfekt einfangende Produktion - diese Veröffentlichung rechtfertigt sich auf allen Ebenen.

Letztendlich - und diese Wahrheit darf man bei einem Ensemble, dem mehrere aktive Mitglieder bereits seit den 1950er Jahren angehören, ruhig aussprechen - wird "Swirling" auch ein zentrales Vermächtnis für alle Hörer sein, die in den letzten drei Jahrzehnten zum Arkestra gefunden haben. Und vielen, die bisher keine Berührung mit der advantgardistischen Jazzlegende hatten, mag es in Zukunft auch einen sinnvollen Einstieg in den Kosmos Sun Ras bieten.

Marshall Allan & Sun Ra Arkestra, Überjazz 2019
Selbst ohne Pandemie musste man ja schon für jedes Jahr dankbar sein, welches die Veteranen um den mittlerweile sechsundneunzigjährigen Bandleader auf den Livebühnen dieser Welt sah.
Ich habe das Privileg genossen, sie sowohl 2018 als auch 2019 erleben zu dürfen, und beide Shows waren genauso unglaublich wie horizonterweiternd und inspirierend. Eine Band, die es so nur einmal geben kann.

Und wer kann angesichts der Weltlage voraussagen, ob das Arkestra je wieder zusammen auf Tour gehen kann? Mehr als ein paar besonders gesicherte und begrenzte Einzelshows kann ich mir auch für 2021 jetzt noch nicht vorstellen. Vor allem bei einer derart buchstäblichen Risikogruppe.

Mit Perkussionist Stanley "Atakatune" Morgan und Saxophonist/Flötist Danny Ray Thompson sind zwei der an diesen Aufnahmen beteiligten Musiker indes schon nicht mehr hier und betrachten gemeinsam mit Sun Ra und ehemaligen Erdreisenden wie June Tyson und John Gilmore unser Treiben aus der galaktischen Ferne.

Was auch immer die Zukunft bereit hält - und ich wünsche ja der ganzen Truppe, noch fitte 107 Jahre zu werden, wie es Trommelpionierin Viola Smith jüngst geschafft hat -, genau jetzt sind wir zu Hause und haben dieses Album.

Vom  knapp an traditionellen Konventionen Vorbeischrammenden, irgendwie schon immer Vertrauten (denn das Arkestra war ja gefühlt schon immer da und hat seinen kreativen Einfluss weit gestreut) zum immer noch überraschend Abgefahrenen, von Afrobeat und Vocal Jazz, zu experimenteller Trickfilmsoundtrackmusik stellt "Swirling" eine umfang- und abwechslungsreiche Werkschau dar - und gleichzeitig ein in sich stimmiges und für sich alleine bestehendes Album.

Keine Frage: Wer irgendwie an Jazz, Black Music und generell saugutem, nicht alltäglichem Scheiß interessiert ist, der sollte das Sun Ra Arkestra dieses Jahr unbedingt auf dem Schirm haben.  



Während die Musik für mich über jeden Zweifel erhaben ist, gibt es doch zwei Kritikpunkte an der Veröffentlichung:

1. Zwar sieht die LP (erhältlich in schwarz, gold oder exklusiv über HHV transparent) super aus, doch lesen kann die winzigen Credits ohne Lupe doch niemand! Und das ist kein Spruch, sondern ich habe tatsächlich eine Lupe zur Hand genommen. Da wäre noch genügend Platz gewesen, um den Schriftgrad erheblich zu erhöhen.

2. Mit "Unmask The Batman" und "Space Loneliness" fehlen auf der Doppel-LP zwei Tracks der digitalen Version, und trotz Präsenz auf Bandcamp liegt kein Downloadcode bei, was zusätzlich enttäuscht, wenn dies bei einer anderen LP des Labels, welche man gerade bekommen hat, machbar gewesen ist.  

Das ist dann wohl ein Argument, sich die Schallplatte direkt über Bandcamp (dort allerdings nur in klassisch schwarz) zu ordern.






2020-10-27

THE SURE FIRE SOUL ENSEMBLE - Build Bridges

Hey, es gibt keine Vorschrift, die es einem untersagt, mehr als eine heiße Scheibe, die das Feuer sogar im Titel trägt, pro Einkauf abzugreifen!

Deswegen habe ich auch keine Gewissensbisse, mir zusammen mit Painted Dolls "How To Draw Fire" ein letztes Jahr veröffentlichtes Album vom Sure Fire Soul Ensemble gegönnt zu haben. Und ich muss zugeben, dass der "Beikauf" in diesem Fall sogar noch eine Nummer mehr fetzt.



THE SURE FIRE SOUL ENSEMBLE - Build Bridges (LP) (2019)


Ich bin ja nach wie vor keine riesengroßer Cineast, doch dass das Blaxploitation-Genre einige der funkigsten Soundtracks aller Zeiten auf die Welt losgelassen hat, ist an mir nicht vorbeigegangen. Und ein paar Pam Grier-Filme jenseits von "Jackie Brown" stehen bei mir sogar im DVD-Regal, einer davon "Coffy".

Doch ich schweife ab, bevor ich überhaupt begonnen habe. Dass The Sure Fire Soul Ensemble sein Album gleich mit einem fett produzierten Cover von Roy Alders' "Aragon" aus eben jenem Film eröffnet, ist jedenfalls ein selbstbewusstes Statement und eine Messlatte für den Funk und die 70er-Disco-Kompatibilität der folgenden neun Eigenkompositionen.

Mit traditionellem Trompete/Posaune/Saxophon-Bläsersatz, mehreren Perkussionisten und um die größte Sexyness wetteifernden Licks von Gitarre, Bass und Keyboards haut die neunköpfige Instrumentalformation aus San Diego einen Hit nach dem nächsten raus.


Alle Stücken strotzen nur so vor explosiv groovender Tanzbarkeit, jazziger Finesse und breit grinsender Seele. Insbesondere im letzten Track "Step Up" gesellt sich auch ganz klar filmische Library Music zum Repertoire der stilistischen Einflüsse.

Dass die Band einen glasklaren Sound á la Snarky Puppy auffährt und die Produktion auf eine sehr hochwertige Vinylpressung trifft, schadet dem Gesamteindruck natürlich auch nicht.

Ganz klar einer meiner aktuellen Lieblings-Jams, wenn mir der Sinn mal nicht nach düsterem Gedröhne, Elegie und Extremmetalexzentrik steht.

Authentisch, abgehend, überzeugend, dieses fette Funkbrett.





PAINTED DOLL - How To Draw Fire

Zwei Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debüt sagen sich Fuchs und Hase (=Dave Hill und Chris Reifert) erneut nicht gute Nacht, sondern machen durch, um eine Psych-Rock-Party zu schmeißen.



PAINTED DOLL - How To Draw Fire (purple vinyl LP) (2020)


Es lässt sich wohl mit Sicherheit sagen, dass Autopsy-Drummer/Sänger Reifert nicht zu der Sorte Künstler gehört, die das Konzept ihrer Projekte mit jedem Output radikal neu erfinden. Und so ist auch das zweite Album von Painted Doll eine direkte Fortsetzung dessen, was schon den Vorgänger bestimmt hat:

Mit beiden Musikern an Bass und Gitarre, Reifert an Drums, und Hill noch an Keyboards und natürlich Mikrofon, geht es beiden vor allem darum, sich ihre persönliche Hommage an die von ihnen verehrten Psychedelic Rock-Klassiker vom Herzen zu spielen. Das fällt mal poppig-leichter, mal punkig-rotziger aus, geht aber immer mit melodischen Feel-Good-Attitüde eingängig nach vorne.

Dass das eine oder Riff oder Lick einem bekannt vorkommen mag, kümmert weniger als die Liebe zum Genre, die hier ausgedrückt wird. Qualitativ tun sich beide Alben nicht viel, da könnte ich mich jetzt noch nicht für einen Favoriten festlegen. Das Debüt hat halt aktuell noch den längeren Ohrwurmvorlauf. Ich habe allerdings schon den Eindruck, dass gerade die Saiteninstrumente auf "How To Draw Fire" etwas tiefer ins Detail gehen.

Zwar sind und bleiben Painted Doll eine vorsätzlich unkomplizierte Band, doch auf der B-Seite sind mir mit "Get You High Tonight" und "Dollhouse Rock" zwei Stücke dann doch etwas zu songwritingfaul und eher Füllmaterial. Bei insgesamt zwölf Tracks können einen diese knapp fünf Minuten allerdings auch nicht den Spaß verderben.
Und da im letztgenannten Song auch die beiden Live-Bandmitglieder Erika Osterhout und Tom Beaujour zum Zuge kommen, seien Ihnen dieses Tonträger-Cameo gegönnt. 

Nein, das hier ist schon eine sympathische Gruppe. Nichts Überlebensgroßes für die Ewigkeit vielleicht, dafür aber umso mehr für den Moment.


Auch das von Dave Hill wieder selbst gezeichnete Cover bleibt sich stilistisch treu und ist schön bunt und überladen geraten. Ebenso korrespondiert die Vinylfarbe erneut schick mit der Farbwahl des Bandlogos.

Das kann man ästhetisch gerne noch für mehr Alben so fortführen.






2020-10-26

MRS. PISS - Mrs. Piss

Ok... So is this cover artwork safely sharable on social media?

Not sure, but good that I have Mom to help me out here.


MRS. PISS - Mrs. Piss (CD) (2020)


Have you ever thought to yourself: What if someone took the rawness of Chelsea Wolfe's debut, the dark electronics of "Pain Is Beauty" and "Abyss" and the sludgy heavy doom of "Hiss Spun", mixed it with punk and noise rock and distilled it into eight short filthy, dirty and above all seriously pissed tracks for a nasty, panicky, but also very distinct and memorable twenty minutes EP?

Yes, that's a rather specific idea to have. And sorry, Chelsea and her equally as awesome drummer Jess Gowrie already had it themselves.

Mrs. Piss is a hundred percent their angry child, with the two being responsible for all vocal and instrumental performances. And while several passages could very well be imagined on a "regular" Chelsea Wolfe record, with the two bandmates exploring their musical chemistry on equal eye level the dynamics here are obviously different and justify this seperate new band. The vibe of Mrs. Piss' debut EP totally sheds Wolfe's usual mysterious aura and goes much more for the rightful female rage and disgust of Kristeen Young - and it has a lot of cathartic fun on the way.

While "Self-Surgery" is available on vinyl (piss yellow splatter anyone?), I decided for the CD version, mostly because it just isn't that much music and the only one-sided record is still pricy enough.

But whatever medium you choose, I'm sure it will be worth it. Because this is one of those EPs you'll just find yourself starting again immediately after it finishes.

So I guess the song title "Nobody Wants To Party With Us" is either a huge misassessment or a blunt lie.






2020-10-25

ZEAL AND ARDOR - Wake Of A Nation

Wenn wir schon beim Thema "Black Metaller, die sich nicht an die vngeschriebenen Trveness-Statvten halten" sind, darf die neue EP eines der aktuell berüchtigsten Vertreter dieser schlimmen Freidenkerschule natürlich nicht fehlen.



ZEAL AND ARDOR - Wake Of A Nation (clear vinyl 12" EP) (2020)


Unter dem Eindruck von Covid-19-Opfern im eigenen Familienkreis und in direkter Bezugnahme auf den Mord an George Floyd macht Manuel Gagneux mit "Wake Of A Nation" ernst.

Oder besser gesagt: noch ernster als sonst. Denn auch wenn das im Großteil des bisherigen Zeal And Ardor-Schaffens vorherrschende, in Black Music und Black Metal reflektierte Gedankenspiel "Was, wenn die Sklaven in den Südstaaten sich im Namen Satans gegen ihre Unterdrückung aufgelehnt hätten?" einen sehr spielerischen Umgang damit darstellt, war das Kernthema sowohl auf "Devil Is Fine" als auch auf "Stranger Fruit"  selbstverständlich immer schwarze Identität und Ermächtigung gegen Rassismus.

Diesmal gibt es schon wenige Sekunden nach Beginn des Openers "Vigil" kein Entrinnen vor der ohne fiktiven Überbau präsentierten Realität: "I can’t breathe, it’s a cellphone, please don’t shoot, I need to get home, I’m on my knees begging please" bittet Gagneux stellvertretend für unzählige Opfer rassistischer Polizeigewalt, ehe er die bittere Frage stellt: "How many more will it last? Why not just take all of us?"

Doch nicht nur die brandaktuelle Lage der insbesondere in Zeiten von Trumps MAGA-Kult so wichtigen Black Lives Matter-Bewegung findet Eingang. Schon der an den extrem ku-klux-klan-freundlichen ersten großen Kinofilm "Birth Of A Nation" anklingende Titel der EP deutet ja auf eine Lektion in schwarzer Geschichte hin.
Und diese bekommt man vor allem in "Tuskegee", welches sich mit den Opfern der von den 1930ern bis 70er Jahren in Alabama durchgeführten Syphilis-Studie auseinandersetzt, in der arme afroamerikanische Teilnehmer ohne Aufklärung und Einwilligung als Versuchskaninchen missbraucht wurden, selbst nachdem bereits wirksame Medikamente erhältlich waren. Abgründe...


Musikalisch kümmern sich Zeal And Ardor wie gewohnt nicht darum, dass jedes der hier sechs Stücke nach schwarzmodrigem Reinheitsgebot überhaupt irgendwie als Metal klassifizierbar sein muss.
So erinnert der Opener eher an eine Archive-Ballade/Hymne, ist "I Can't Breathe" ein von Samples bestimmtes Industrial-Interlude und der Titeltrack "Wake Of A Nation" eine fast rein perkussive Stomp-and-Chant-Nummer mit Elektroanleihen.
(Dass hier auch mal wieder ein paar deutsche Zeilen einfließen, dürfte gegenüber dem nicht teutonischen oder helvetischen Teil der Menschheit sicherlich helfen, die kryptische Unzuordbarkeit der Band zu wahren.)

Wenn allerdings in "Tuskegee", "At The Seams" und "Trust No One" der Black Metal losgelassen wird, dann aber auch fetter und finsterer denn je. Auch Gagneuxs Krächzstimme hat sich hier abermals gesteigert. Und die eher souligen und gospeligen Passagen sitzen ja eh, sind allerdings auf dieser EP besonders emotional.

Es ist toll zu sehen, wie Zeal And Ardor ästhetisch und konzeptionell stabil bleibt, dabei aber inhaltlich und songwriterisch mit jedem Release noch eine Schippe draufpackt. Und so ist auch "Wake Of A Nation", wenn auch sehr knapp bemessen, wieder äußerst gut und relevant.


Das transparente Vinyl (45rpm) war bei meinem Exemplar am Rand ziemlich ähm... wild geschnitten, klingt aber in Ordnung und sieht natürlich immer so klasse oder scheiße aus, wie was auch immer sich gerade unter ihm befindet.




BRÍI - Entre Tudo que é Visto e Oculto

Ich habe Fragen. Ok, vor allem habe ich eine Frage: Warum benennt ein Brasilianer, den gewiss seine Eltern auf den den bürgerlichen Namen Serafim getauft haben, sein advantgardistisches Black-Metal-Soloprojekt nach einem Käse?

Oder bedeutet Bríi etwas anderes? Mein Portugiesisch (in dem hier auch die Texte verfasst sind) ist ein wenig eingerostet. Davon abgesehen deutet ja schon das ungewöhnliche Coverartwork an, dass auf diesem Album einiges anders als gewohnt läuft.


BRÍI - Entre Tudo que é Visto e Oculto (Tape) (2020)


Zunächst einmal sollte ich vielleicht zum Begriff Advantgarde Black Metal schleunigst noch weitere Stilmerkmale ergänzen. Denn auch wenn in allen vier fünfzehn bis einundzwanzig Minuten langen Tracks von "Entre Tudo que é Visto e Oculto" der schwarzmetallische Anteil für die meisten Hörer entscheidend dafür sein wird, ob sie dieser Musik überhaupt eine Chance geben möchten oder nicht, stehen hier doch - teilweise über sehr lange Strecken - auch andere Merkmale im Vordergrund.

So wird das vielfältige harsche Geschrammel (Serafim wirft ähnlich viele Ideen an die Wand wie sein französischer Geistesbruder Asthâghul aka Esoctrilihum) durch sanft wabernde Ambient-Synthiesounds balanciert, zu denen sich auch entrückte Meditationsroboterstimmen der Marke Cynic gesellen können.
Die elektronischen Elemente hören da aber noch längst nicht auf, sondern steigern sich von Tangerine Dream-Kraut zu modernen Trance-Club-Beats und über der sägenden Gitarre polternden Industrialsounds.

Die Blastbeats sind ziemlich weit in den Hintergrund gemischt, was den interessanten Nebeneffekt hat, dass die brutalen Metalparts eine viel entrücktere Qualität haben als der eigentlich auf diese Wirkung ausgerichtete Teil der Musik. Und das ist gar nicht schlecht, entstehen hier doch sehr interessante Dynamiken.

Dafür dass das grundsätzliche Konzept viertelstündiger Ambient-Elekro-Black-Metal-Monolithen ja nicht gerade auf Rotation im Hitradio angelegt ist, bleiben hier auch sehr viele gute Ideen im Ohr hängen.




Zu haben ist das Longplayer-Debüt von Bríi digital über Bandcamp, oder auf Kassette, die mir als Medium für diese Veröffentlichung absolut prädestiniert scheint.

Estou animado!






2020-10-21

IMPERIAL TRIUMPHANT - Alphaville

Ok, dann wollen wir mal das aktuell überfälligste Review in meiner Warteschlange abfrühstücken!

Apropos Mahlzeit: Wer auf konventionellere - oder gar leichtere - Metalkost steht, der sollte vielleicht davon absehen, sich Imperial Triumphants "Alphaville" schon am frühen Morgen aufs Sandwich zu schmieren - dieser irre Aufstrich kann Dir nämlich leicht aus allen Körperöffnungen wieder herausschießen!

Wer sich hingegen eh schon regelmäßig von sperrig unbequemem Avantgarde Black Metal und Jazz ernährt, der kann und sollte hier jederzeit reinhauen. Gerne auch nachts um drei, wenn's sein muss.   





IMPERIAL TRIUMPHANT - Alphaville ("Broadway Blues" opaque blue vinyl 2LP) (2020)


Der Vorgänger "Vile Luxury" war ja schon ein garstiges, irrsinniges Brett (und die komplette Livedarbietung des Albums eine meiner Lieblingsshows 2019), doch wenn die drei goldmaskierten Avantgardeextremisten aus New York eines können, dann ist es, den ohne hin schon auf elf gedrehten zerebralen Overkill noch weiter auf zwölf hochzukurbeln.

Am einfachsten ist die Entwicklung zwischen den Alben wohl zu beschreiben, wenn man sagt, dass es von allem mehr gibt. Auch wenn das technisch natürlich nicht ganz akkurat ist, wenn man gewisse Details wie die Bläserensembles von "Vile Luxury" betrachtet, die hier nicht wiederkehren.
Dafür hinterlässt allerdings die Solo-Posaune in "Transmission To Mercury" umso mehr Eindruck.

Dies gilt überhaupt für alle jazzigeren Passagen. Den Vorgänger hatte ich ja noch als Emulation eines Free Jazz-Albums mit den Mitteln des Black Metal verstanden, doch hier machen sich diese Einflüsse abgesehen vom ständig jazzgeladenen Bassspiel insgesamt etwas rarer. Wenn sie jedoch kommen, hauen Imperial Triumphant und diverse Gastmusiker noch sehr viel mehr auf den Putz. Die bereits erwähnte "Transmission" oder auch das Klavier in "City Swine" sind Paradebeispiele dafür.

Doch auch der Metalanteil geht noch viel mehr auf Steroiden steil als zuvor. Der Black Metal ist psychotischer, die Riffs und Rhythmen sind wilder und schräger. Sowohl Voivod als auch Atheist kommen immer wieder als Einfluss in den Sinn.
Und wer Oranssi Pazuzu, insbesondere deren urbanere Werke wie "Mestarin Kynsi" oder das Debüt "Muukalainen Puhuu" mag, der wird auch reichlich bedient. Imperial Triumphant sind allerdings weniger für lange hypnotische Build-Ups zu haben als die Finnen, und springen sehr viel unberechenbarer umher.

Ob sich dabei dreizehneckige Riffmonster und unförmiger Krach abwechseln, ob cineastische Chöre, Barbershop-Gesang, Klassikeinflüsse, japanische Teiko-Trommeln für Abwechslung sorgen oder ob wir mitten im Song einfach mal wartend am Flughafen stehengelassen werden; "Alphaville" ist immer fordernd und anstrengend und übertrieben.

Und genau das macht dieses Album so hirnfickend gut.

New York, insbesondere Brooklyn hat ja durchaus eine von John Zorn begründete Tradition der extremen Metal und Freejazz einschließenden, scheuklappenfreien Krachfusion. Toby Driver muss hier natürlich als prominenter Vertreter gewürdigt werden.
Und Imperial Triumphant fühlen sich in dieser musikhistorischen Gesellschaft ganz offensichtlich sauwohl. Dass Mr. BungleTrey Spruance als Produzent und Gastmusiker an "Alphaville" beteiligt ist, erscheint da mehr als nur folgerichtig.

Doch nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich und ästhetisch bleiben Imperial Triumphant tief in ihrer Heimatstadt verwurzelt. Schon die retrofuturitische, erneut mit "Metropolis"-Anklängen nicht geizende Covergestaltung lässt keinen Zweifel daran, dass dieses Album wohl nur in New York entstanden sein kann.

Das kräftige Blau der "Broadway Blues"-Edition ist eine sehr ansprechende Vinylfarbe. Im Nachhinein kann ich mir jedenfalls gut einreden, dafür gerne unnötigerweise über einen Monat zu lang auf das Doppelalbum gewartet zu haben.

Ok, das war jetzt gelogen.



Neben dem nicht nur gut aussehenenden Vinyl und dem beiliegenden Poster des Artworks, ist aber vor allem Seite D erwähnenswert, die mit der in meiner Sammlung bisher noch nicht vertretenen Kuriosität von zwei parallelen Rillen aufwartet. D.h. je nachdem, wo man die Nadel am Anfang aufsetzt, wird ein anderer, exakt vier Minuten und achtundvierzig Sekunden langer Song gespielt.

Es handelt sich bei den Stücken um zwei Coverversionen, die passender kaum sein könnten, da beide nicht nur als Einfluss auf dem gesamten Album präsent sind, sondern auch gekonnt adaptiert und in das imperiale Chaos überführt wurden.

"Happy Home" von den Residents ist schon im Original höchst schrägkünstlerisch und experimentell. Dass Imperial Triumphant die manischen Qualitäten des Stücks u.a. durch Blastbeats des auf dem gesamten Album komplett außerirdisch performenden Drummers noch mehr herausstellen, ist zweifellos der richtige Ansatz. Herrlich kranker Scheiß!

Das andere Cover wird mit einem der ikonischsten Thrash-Riffs aller Zeiten eröffnet. Besser als das Original kann man Voivods "Experiment" natürlich nicht spielen, doch in seiner gleichzeitig kruden wie präzisen Höllenschlundigkeit inklusive vollkommen übertrieben staubsaugiger Interpretation von Gastgrunzer Phlegeton (Wormed), stellt Imperial Triumphants Version auch hier eine komplette stilistische Einverleibung dar.
Beide Stücke machen somit bereits für sich Freude, ergeben jedoch besonders im Zusammenhang des kompletten Albums Sinn.

Und jenes überzeugt mich schon ohne die Bonustracks von vorne ("Rotted Futures") bis hinten ("The Greater Good") komplett. Da kann ich mir höchstens minimale Detailkritik aus den Fingern saugen, wie z.B. dass ich die Taiko-Drums wohl gerne einen Tick lauter und mächtiger gemixt hätte. Kleinkram also.

Nein, das hier ist wunderbar gnadenlose, kakophonische Dystopie in Perfektion. "Alphaville" ist ganz klar eines der besten und wichtigsten Metalalben des Jahres.








2020-10-20

cassette craze chronicles I


Nothing to see here! Just some tapes of albums, which I I have already covered in previous reviews. Plus some bonus stuff.

I've already told René Aquarius that half of my new stuff since getting into tapes again will probably consist of his misanthropic shit, so here we go...


Initially I had been content with the digital version of the Dead Neanderthals death crust sludge metal monstrosity "Blood Rite", but when after a while the very last copies were still available, I couldn't resist and add this tape to my collection. The artwork really nails the 90s underground death metal aesthetics and thus makes it a good companion to some of the old rancid stuff in my shelf from bands like Stillbirth or Sanity's Dawn.

As a bonus purchase I got myself the more traditional Dead Neanderthals classic "Prime", which sees René (drums), Otto Kokke (sax) and Colin Webster (sax) going berserk through one insane fourty minutes free heavy jazz cataclysm. Glorious!



This one I ordered on Bandcamp Friday August. First I was a little disappointed that the cassette artwork of Phurpa's "Hyms Of Gyer"is different from the digital release, but this cover has an eerie quality to it, which also fits the unreal otherworldliness of the group's overwhelming a cappella drone.



On Bandcamp Friday September I ordered "The Engine Of Night" by Rat Abbay, the instrumental drone/ambient/post rock solo spawn of Thomas Fisher from Esben And The Witch.
The artwork of the tape packaging and additional postcard features a painting by Fisher himself and is done with much love. Still would like to put this beauty into a fitting tray though.



Another Bandcamp Friday, another tape. Well, two actually, but the other one's not on its way yet.

The Raw Deal  / Jah Cuzzi split is totally made for this format in every way. Dig it.


And just in case the tape in the envelope wouldn't be enough for me, Stoned To Death records were very generous with free download cards for other (in physical form already partly sold out) stuff.

"Půl Litru Země" is a great punkish, but at times also quite epic psych ride from Pacino, released in 2017. I especially dig the raw emotional vocals.

The experimental finger picking guitar on "Face to Face Against American Primitivism in Eastern Europe vol. 2" (2019) is something completely different, yet also very interesting.



And finally there were two recent releases from this year:



JASNOVIDEC - Jasnovidec (2020)

How many drone duos are out there? Well, here's another one, featuring a member of Raw Deal.
Six tracks of pure buzzing, whirring, flickering. Here meditative, there drowned in whooshing noise. You won't find great melodies or even songs here. This is primal textural ambient and drone. And even though it's not mindblowing or super innovative, Jasnovidec are quite good at it.







SUNBURNED HAND OF THE MAN - Covered In Mud
(2020)

While there isn't much seriously not to like about the arrangements of the raw psych tunes on here, the production of this jammy psych rock album is rather low-fi, and especially those passages where a way too loud overdriven voice talks over the rest are as good (or bad) as unlistenable.

But then maybe that's just befitting, given song titles like "Mid-Grade Sandpaper" or "Sexpiss". And of course there's also the cover, which might very well be one of the greatest of all times. At least for an album which sounds as dirty as this one. The last track "Hot Lickity Lazy Day" is astonishigly chill though. Weird shit.





2020-10-14

ANNA VON HAUSSWOLFF - All Thoughts Fly

- In the Court of the Organ Queen -


With her 2018 masterpiece "Dead Magic" and breathtakingly enormous shows at important festivals like Roadburn 2019 Anna von Hausswolff has rightfully won a lot of new new fans in recent time.

Luckily the Swedish singer and instrumentalist shows no signs of reacting to her growing popularity by sacrificing any part of her artistic integrity in favour of catering to her fans' assumed expectations.
Personally this doesn't surprise me at all, because the nonconformism at the core of her music is one of the most important elements drawing listeners to her in the first place.

But boy, some guys are really pissed now, because despite her voice originating from a higher plane of human existence, she dares to just not sing on her new album!
As if long instrumental passages and fully instrumental tracks weren't already a common occurance on her previous records. And as if she doesn't already have several instrumental releases under her belt, be it as a solo artist (see "Källan Betatype") or as equal part of a band (Bada).

Of course not everyone can always receive the memo, so I get that Anna shutting up might still be surprsing to some people.
Whether I can empathize with experiencing it as a bad surprise, that's a whole different kind of question though.



ANNA VON HAUSSWOLFF - All Thoughts Fly
(black/white coloured vinyl) (2020) / All Thoughts Fly (tape(2020)


"All Thoughts Fly" was inspired by the visit of Sacro Bosso, a unique Italian sculpture park full of eerie creatures, ancient gods and strange architecture, which is also shown on the photographs of the album artwork and being referenced in song titles.

The whole album was performed exclusively by von Hausswolff herself on a North German Baroque pipe organ in Örgryte New Church in Gothenburg, Sweden.

So there you have it: It's a pure church organ album.


Pipe organs have been dominating Anna's work for a while now, which is understandable. Once you have mastered to utilize the mightiest, most majestic and naturally droning of all instruments for your art, it's probably very hard to set your sights lower.
And you're also unlikely to get tired of the instrument, when you're discovering new specimen, as pipe organs are surely very distinct personalities, each offering an individual palette of sounds and possibilities to explore.

And explore Anna von Hausswolff does.

The focus of her arrangements has always been way more on the connection of sound and emotion than on flashing virtuosity. "All Thoughts Fly" sees her not only honouring this tradition, but pushing it further than ever before.

Of course the album swells in the sounds you would usually expect from the instrument: With its hole arsenal from menacing thunderous bass chords to joyfully trickling high notes the organ wanders through glorious contemporary classical and post-rockish progressions, taking its time, but confidently telling its visceral story.
Yet as we follow Ofelia to meet the Faun in the Labyrinth for the first time (as a fan of "Pan's Labyrinth" this picture always comes up for me), the organ is also used in stranger, rather atypical ways, with skillfully sound-designed textures, yet also as we hear just the pipes breathing or some mechanical elements rhythmically crackling.

"All Thoughts Fly" is a magical journey. And other than on "Källan Betatype", which I would probably like even better with some vocals, I don't miss Anna's voice one bit here. In the same way I also don't miss her band, because all that would only disract from the purity of this work.

It's an album which invites you to let yourself fall into its atmosphere, but also allows you to carefully concentrate on its sonic delicacies.

While it doesn't nearly demand the same patience (only the title tracks teases it with a painfully long phase of anticipation before the all the more overwhelming climax), the place to which Anna von Hausswolff takes me here reminds me a lot of Eyvind Kang's "Ajaeng Ajaeng", which also goes into substantial spiritual depths while meditating over its instruments' timbres.

Southern Lord has released this intense look inside the beautiful belly of the organ on wonderful coloured vinyl (also available on standard black and CD):



Ok. Didn't I just claim in another post that I'm usually not a big fan of buying the same album in several versions?

Well, here's another exception from the rule. Since I slightly prefer the not so obvious choice of cover artwork on the cassette release on Ash International, I had initially set my eyes on this variant. But the presale for vinyl started earlier and you'll never know when it's too late with those limited releases, right?


So short story even shorter: Now I have both, record and tape - and I really don't feel like parting from one of them, as they are both precious in their own way.

And the music is eternally bewitching in its magnitude anyway.






2020-10-12

NEPTUNIAN MAXIMALISM - Éons (reprise)

Yes, I've already written a pretty enthusiastic review about this monstrous album!

Because of its scope I wasn't expecting it to be released in another physical format than the 3CD digipak, and claimed that "that cover would surely be looking fantastic in vinyl format. But I get that would would probably be pretty expensive..."

Well I was wrong. "Éons" has been released in various limited vinyl versions, of which only the black one is still available at the moment. But if this record keeps getting more of the attention it deserves, I'm now sure that more pressings will follow in the future.

Usually I'm not the biggest fan of buying the same release in multiple formats, but in this case I just couldn't resist. Missing the first colour in colour pressing I was lucky enough to get hold of the marbled colour variant and oh boy, it's a true beauty!



It's a triple gatefold, which looks important, but not too big in the record shelf.

Most of the design is very similar to the CD version, but of course the elements are placed differently.

My favorite additions are a couple of photographs from the venue in which the "Èons" sessions were recorded and a 30x90 cm poster of the artwork, which I have already framed and put onto my wall:


Anything else important?

Yes, the pressing sounds great and elevates this spiritual drone doom free jazz masterpiece into even higher spheres!




2020-10-11

CRYPTAE - Nightmare Traversal

At this point I can't even say whether it's just the natural progression of my music taste or if it's one of those 2020 things, but I have noticed that a lot of the stuff I'm drawn to these days tends to be either on the meditative, other-worldly, transcendend side - or from the complete opposite end of the spectrum.

Well, in case you're familiar with their "Vestigial" EP you already know that Cryptae are operating on the rather agitated side of this balance. This band is yet another outlet for René Aquarius' (Dead Neanderthals) love for sonic extremism after all.


CRYPTAE - Nightmare Traversal (Tape) (2020)

WTF!?

That's probably the first impression most listeners will have as soon as "Nightmare Traversal", the opener and title track of this album is unleashed upon them. And if not - wtf is wrong with you?

The distortion is so misanthropically loud and overdriven, so absolutely over the top exaggerated, that you can easily miss what kind of music is actually played here.

It feels a little like one of those 1990s extreme metal demo tapes, where the band was too inexperienced to realize that apart from themselves noone could understand a thing, because the fucked-up production ruined fucking everything.
Cryptae have somehow captured this spirit on purpose and made it work. Because even though this shit sounds abrasive and sick in the head as fuck, you can actually identify what is happening here.

Which despite the alienating layer, which the ferocious sound puts around it, for the most part is pretty straight-forward, traditional old-school in-your-face death metal with grindcore attacks and vacuum cleaner vocals. Zero melodies, crude transitions and all.

Compared to the nineteen-minute longtrack of "Vestigial", which immediately cried avantgarde, assholes! and hinted a lot more the aestheteics of black and post metal and even tiny traces of jazz infuences, the seven shorter pieces of "Nightmare Traversal" rather seem to be a recontextualization of a very pure, classic style.
Even though the second half of the album more and more voivodish ("Monastic Tomb") or even not-sure-if-even-metal parts ("Cronos") sneak in, it always returns to orthodox 90's death metal mayhem.

The only difference is that back then it just wouldn't have sounded that bonkers infernal.


Ok, that's not wholly true. It could have sounded similarily extreme, yet would have been utterly unlistenable, because the rehearsal room home studio concept just miserably failed. Yeah, I know, I'm repeating my point here.

Ultimately Cryptae are just an outright brutal, immensly satisfying joy of a sucker punch on the ears. 





2020-10-10

birdwatcher - shooting birds from my window

 


Thought it would be nice to have a photographic post here for once.

At the beginning of the year I really saw more of those coming, but well  it's 2020, right? It's not like I'm not doing nothing, but most of my pictures are taken home, and there hasn't been that much stuff which felt like it deserved a feature here.

My laziest ongoing series of 2020 is this one. I'm just shooting birds which happen to get into my sight looking outside the two parallel windows of my home office.

The very last one I just took a couple of minutes ago, while I was already writing this.