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2020-09-18

MOTORPSYCHO - The All Is One

Ach komm, fuck you, Motorpsycho!

Was soll man zur hardest working band Norwegens noch groß sagen? Es läuft doch bei jedem Review auf dieselbe Scheiße hinaus: Ungläubiges Staunen, wie man mit solcher Regelmäßigkeit so verlässlich ein sensationelles Hammeralbum nach dem nächsten raushauen kann, ein paar Sätze darüber, was ähnlich wie bei den vorigen Alben ist und was neu, vielleicht ein verzweifelter Versuch, mir negative Kritikpunkte aus den Fingern zu sauen, dann aber doch eine dringende Kaufempfehlung und am Ende landet das Ding dann irgendwo oben in der album of the year-Liste.

Sorry [und Spoileralarm!], was anderes habe ich diesmal auch nicht zu bieten. Bedankt euch bei den unverschämt fleißigen und kreativen drei Typen aus Trondheim!



MOTORPSYCHO - The All Is One (2LP) (2020)


"The All Is One" versteht die Band als Abschluss ihrer inoffiziell so betitelten "Gullvåg-Trilogie", benannt nach dem Maler Håkon Gullvåg, der für die Albumcover seit dem Einstieg von Zu-Drummer Tomas Järmyr verantwortlich ist.

Waren Järmyrmotorpsychotisches Debüt "The Tower" ein Doppelalbum und "The Crucible" eine "normale", allerdings aus drei epochalen Longtracks bestehende Einzel-LP gewesen, so liegt "The All Is One" nun irgendwo dazwischen, da es sich hier im Grunde um zwei verschiedene Alben in einem handelt.

Doch bevor man dies erfährt, muss man natürlich die Schallplatten aus der "Hülle" bekommen, die wie schon bei den Vorgängern eigentlich kein richtiger, geschlossener Umschlag ist, sondern ein aufklappbares Poster. Diesmal zeigt es allerdings nicht das Covermotiv in extra groß, sondern bildet ein Kreuz aus gleich fünf Gemälden. Das sieht auch sehr sehr gut aus...

...ist allerdings schon durchaus ziemlich unhandlich.



Das herkömmlichere der beiden Alben im Album verteilt sich auf die Seiten A und D und wurde gemeinsam mit dem Fans bereits als eines der wechselnden Livemitglieder von Motorpsycho und von "Still Life With Eggplant" (2013) und "Behind The Sun" (2014) bekannten Reine Fiske eingespielt.
Die Songs hier schließen nahtlos an die Vorgängerwerke an, es ist also wieder ein locker aus den letzten sechzig Jahren Rockmusik schöpfender Rundumschlag. Wobei "Schlag" vielleicht das falsche Wort ist. Denn auch wenn es dem Monsterbass von Bent Sæther sei Dank kaum eine andere Band gibt, bei dem schon die "ganz normalen" Rockriffs auf derart mächtige Art walzen, sind sanftere Zwischenspiele und balladeske Töne in diesen acht Tracks ziemlich gut vertreten.

Unterm Strich ist aber alles zu finden, was die Band in diesem Jahrtausend ausmacht. Mit nur zwei neunminütigen Longtracks wurde der kingcrimsoneske Prog-Anteil zugunsten von leichter verdaulichen, eingängigen Häppchen zurückgefahren. Nach zwei, dreimaligem Hören ist man schon überrascht, wie viele Ohrwürmer sich festgesetzt haben. Auch lyrisch wissen Motorpscho mit Texten, die sich mit dem radikalisierten, immer weiter ins Postfaktische abdriftenden Zeitgeist auseinander setzen, zu überzeugen.

Mitten in dieses für sich schon gewohnt unverschämt gute Album, dessen erste drei Stücke (Titeltrack, "The Same Old Rock" und "The Magpie") alleine schon neunundneunzig Prozent dessen, was sich irgendwie Rock nennt, pulverisieren, pflanzen die Norweger auf die Seiten B und C aber noch den fünfteiligen Epochalbrocken "N.O.X.", auf dem sie den experimentellen Modus auf Anschlag stellen, dabei jedoch maximal treibend und mitreißend bleiben.

"Laufen hier Magma?" frug mich mein Bruder neulich während Teil IV ("Night Of Pan"), und diese Frage war bei Motorpsycho wohl noch nie so berechtigt wie hier, könnte man diesen hypnotischen Part doch tatsächlich für reinen Zeuhl, für eine rockigere Interpretation von Magmas "Zëss" halten.

Statt von Fiske wurde das Kern-Trio Ryan/Sæther/Järmyr hier durch Lars Horntveth (Jaga Jazzist) und den Jazzgeiger Ola Kvernberg (auch schon 2012 auf "The Death Defying Unicorn" dabei) unterstützt.

Dass die Avantgarde, das Verfremdete (sehr exzessive Gesangseffekte), das Abstrakte in "N.O.X." groß geschrieben werden, kommt wohl nicht von ungefähr, wurde eine frühere Version dieser Suite doch als Soundtrack zu einem Ballett im Rahmen einer Gullvåg-Ausstellung dargeboten und ist auch direkt von Werken des Malers inspiriert. Inhaltlich insgesamt schwer zu greifen, bringt es in seinem Finale "Cities Around The Sound, Pt. 2" auf jeden Fall "The Tower", "The Crucible" und "The All Is One" konzeptionell ganz on the nose zusammen. Der Kreis - auch im Titel "Ourobouros (Strange Loop)" präsent - schließt sich auf perfekte Weise.

Genau wie die andere, es umschließende Albumhälfte sind die vierzig Minuten von "N.O.X." den Kauf schon wert. Was Motorpsycho anfassen, wird scheinbar immer zu Gold. Und mit fortschreitendem Alter scheinen die Herren nur immer noch kreativer und besser zu werden.

Kein Zweifel: Ihren Status als eine der verlässlich großartigsten Bands der Gegenwart haben Motorpsycho einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.




2020-09-14

PLAGUE ORGAN - Orphan

Wow. I think this is already my third review this month in which I have to use Phurpa of all bands as a reference. But then - what about the following mind-melting, absolutely bonkers album could I have anticipated?


PLAGUE ORGAN - Orphan (Tape) (2020)


Well, of course it was clear from the start that this would not be dream pop. No, this has to be mean stuff. Indeed the creepy yet majestic cover artwork, the name of the band and its sound form a paramount example of a perfect artistic synergy.

Plague Organ is a project by producer Marlon Wolterink and the always occupied René Aquarius of Dead Neanderthals and uncountable other more or less musical endeavors.

Given the Neanderthals' reputation of stretching minimalistic ideas to extreme lengths one enters this album, which is made of just one track of forty minutes, with a healthy dose of respect. Will anything "real" happen during all this time?

The answer is: Yes, a lot happens. And it does happen in a way you probably won't have heard before.
The other answer is: No, because while there is tension building all the way, in the end nothing really gets resolved or concluded

If we're speaking in terms minimalism and maximalism, I would say it's fair to attribute both to "Orphan", because this track contains lots of different layers, which on their own can be very simplistic,  but stacked on top of each other grow to a cacophonous, almost trance-inducing effect.

Imagine a slowly-moving dark ambience, in which the strings of Sunn O))) mix with various ominous  sounds of unknown origin, floating seemless between creepiness and meditation.
Imagine shamanistic throat singing vocals (insert half sentence mentioning Phurpa here) adding yet another droning, spiritual layer and mixing with super guttural death metal grunts.
Imagine all this growing and evolving at slow pace, filled with details you might only catch listening over headphones.

And yeah, of course don't forget the rhythmic backbone of all this, which is Aquarius in ridiculous furor relentlessly blasting a fast thrash beat over this whole fucking thing!

The drums are accompanied by a weird, potentially annoying string sound which raises the challenge of listening to the piece, yet also adds a lot to its ritualistic character.

In a way the concept of "Orphan" reminds me a lot of "Bloom", the opening track of The Necks' recent album "Three", where you also have to overcome the obstacle of a permanent, extremely busy and demanding percussion inferno of a beat, but as soon as you manage to filter it, so you perceive it only as a backdrop noise, the full hypnotic effect of the track sets in.
Plague Organ just operate with darker ingredients, transfering a similar idea into the context of black metal aesthetics. 

Lulling abrasiveness. Brutal hypnosis. Transcendent lunacy.

Avantgarde drone metal in perfection.


So far Plague Organ's debut has been released digitally and on beautifully designed tape.

Sentient Ruin Laboratories are also working on a vinyl release right now.




2020-09-13

ZOMBI - 2020

Und der Preis für den unglücklichsten Albumtitel des Jahres 2020 geht an Steve Moore und Anthony Pattera für den neuen Longplayer ihrer Band Zombi: "2020".

Dass das Ding so heißen würde, war natürlich schon beschlossen, bevor sich 2020 in seiner ganzen dystopischen Pracht entfaltete, doch hätte man nach der globalen Entwicklung in den letzten (mindestens) fünf Jahren nicht ahnen können, dass aktuelle Jahreszahlen im Grunde als Titel für gar nichts zu gebrauchen sind, was man auch verkaufen möchte?

Wären mir Zombi nicht schon bekannt, dann würde mich die doppelte Zwanzig jedenfalls kaum motivieren, mich mit ihnen vertraut zu machen. Was für schlimme, schwer verdauliche Scheiße muss hier auf Tonträger gebannt worden sein, damit der Titel passt?

Die gute Nachricht in diesem Kontext: Der Titel passt nicht.





ZOMBI - 2020 (LP) (2020)


Es ist schon wieder fünf Jahre her, dass wir mit dem letzten Album "Shape Shift" beglückt wurden. Was hat sich also in der Zeit am Sound geändert?

Zombi, die sich zur Zeit jenes Albums als mit den Mitteln von 70er- und 80erJahre-Soundtracks arbeitende Postrockband verstanden, fallen nach wie vor natürlich irgendwo unter das Label "Synthwave", sind dabei allerdings weniger partyorientiert als z.B. Carpenter Brut, und setzen sich zudem durch das proggige Drumming Patteras stilistisch sofort ab.
Und dadurch, dass Moore ja auch live Synthesizer und Bass zusammen benutzt, gibt es immer wieder Tracks, in denen der Viersaiter mehr im Vordergrund steht als die elektronischen Klänge. 

Bisher also keine nennenswerten Abweichungen vom bereits Bekannten. Auch an der musikalischen Virtuosität des Ganzen ist trotz zumeist übersichtlicher Strukturen auch auf "2020" nichts zu rütteln.

Neu sind allerdings die Gitarren. Zwar hat es jene auf dem prog-orientierteren Album "Spirit Animal" von 2009 auch schon gegeben, doch nun nehmen sie beinahe durchgehend eine Rolle ein, die zwar nicht dominant, aber immerhin so wichtig ist, dass auf der Bühne wohl ein dritter Gastmusiker vonnöten wäre.

Ein großer Teil der Hörerschaft der aktuellen Synthwaveszene rekrutiert sich ja ohnehin aus Metalfans, von daher schadet es sicher nicht, dass sich Zombi hier phasenweise tatsächlich wie eine Metalband anfühlen. Ihren typischen Sound verlieren sie dabei schließlich nicht.

Die ganz großen magnetischen Hooks sind in der Instrumentalmusik des Duos von jeher eher selten zu finden, es ist primär eher die eigenwillige, exzellent eingängige Mixtur aus Spannungsaufbau und Groove, die einen packt und durch die Tracklist treibt.

Die neun Stücke von "2020" sind (anders als die ersten neuen Monate des wirklichen Jahres) kurzweilig und super schnell vorbei.

Ok, das hat auch ein wenig mit der Spielzeit von unter vierzig Minuten zu tun. Anders als auf dem noch kürzeren "Escape Velocity" von 2011 ist es aber diesmal nicht so, dass man das Gefühl hat, es würde noch etwas fehlen. Und anders als das echte 2020 fängt man dieses Album auch gerne wieder von vorne an.





2020-09-09

ELLIS/MUNK ENSEMBLE - San Diego Sessions

Es begab sich eines Jahres im September, dass der Däne Jonas Munk von Causa Sui und El Paraiso Records nach Kalifornien pilgerte, genauer gesagt ins Psychedelic-Rock-Epizentrum San Diego,  bzw. noch genauer gesagt in die Vorstadt Escondido, um den Multiinstrumentalisten Brian Ellis in seinem Studio zu besuchen, in welches dieser auch eine Handvoll weiterer Freunde eingeladen hatte...




ELLIS/MUNK ENSEMBLE - San Diego Sessions (LP) (2020)


Das von Track zu Track wechselnde Line-Up dieses Albums besteht insgesamt aus dreizehn Musikern. Neben Munk und dem mir u.a. durch seine nach ihm benannte Gruppe und seine Zusammenarbeit mit den Psychproghippies von Monarch bekannten Brian Ellis sind hier vor allem dessen Bandkollegen vom Jazz-Fusion-Wirbelsturm Psicomagia und die Mitglieder der mich vor zweieinhalb Jahren live überzeugenden Fuzzmeister Sacri Monti zu nennen.

Beinahe hätten diese Sessions gar nicht stattfinden können, da es ungewöhnlicherweise tatsächlich regnete und das auf dieses meteorologische Ereignis unvorbereitete Studiodach an mehreren Stellen leckte. Doch wozu gibt es Eimer? Im feuchten, mit Instrumenten, Equipment und Menschen zugestopften Studio entstanden folgerichtig dann auch sehr fiebrig tropisch aufgeladene Jams, bis sich nach anderthalb Tagen der Strom verabschiedete und Schicht im Schacht war.

Was Munk aus diesem Happening für dieses Album extrahiert hat, eskaliert von der ersten Sekunde an und lässt auf allen sieben Tracks eigentlich niemals richtig nach.
Die "San Diego Sessions" sind ein kreatives, zumeist von mehreren Gitarren und Keyboards stetig neu angefachtes Dauerfeuer kalifornipsychedelischen Siebziger-Jahre-Space-und-Hardrocks, der vor allem den Orgeln geschuldet sehr an die improvisatorischen Spitzenleistungen des Zeitalters der großen Santana-Jams erinnert.

Wer auf klar strukturierte Songs mit definierten Anfängen und Enden steht, der wird hier naturgemäß kaum bedient. Der Liebhaber des endlosen, jederzeit kreativ in alle Richtungen züngelnden Rauschs allerdings bekommt umso mehr geboten.
Denn wilder und kompetenter kann diese Art der Freiformrockmusik wohl kaum geraten. Die Chemie aller Beteiligten geht bei diesen Sessions regelrecht durch die nasse Decke.

Kurz gesagt: Dieses Album fetzt!




Mit dem Gatefold und einem mal nicht so sehr wie zumeist der labeltypischen Jazz-Ästhetik folgenden Coverartwork fällt die LP optisch bei El Paraiso etwas aus der Reihe, muss aber durch den kürzesten, frech "Munk's Dream" betitelten Track nicht gänzlich auf eine Jazzreferenz verzichten.

Zu haben sind die "San Diego Sessions" auf wie immer zu Recht sehr gefragtem, limitierten Vinyl, sowie auf CD und als Download.






ROBIN SCHLOCHTERMEIER - Spectral

Meine letzte Lieferung von Denovali (Mansurs "Temple", sowie der Miles Davis-Klassiker "Miles In The Sky") ist wohl eine ganze Weile unabgeschickt liegen geblieben. Was soll's, es ist ja nicht so, dass es mir derzeit an neuer Musik mangeln würde. Und Fehler passieren immer. Wichtig ist, wie man mit ihnen umgeht.

So gab es in diesem Fall als Trostpflaster einen schönen Download obendrauf.


ROBIN SCHLOCHTERMEIER - Spectral (download) (2020)


Robin Schochtermeier ist ein Komponist, der in erster Linie von Arbeiten für Filme und Dokumentationen lebt.

"Spectral" ist sein erstes davon unabhängiges Soloalbum, auf welchem er versucht, die Faszination und das Mysterium nachzuempfinden, mit welcher seine kürzlich geborene Tochter die Welt erlebt.

Realisiert wird dies durch eine kleine, aber feine Palette an Klängen, in deren Zentrum ein noch mit abgenutzten Originalseiten bestücktes Klavier aus den 1950er Jahren, sowie atmosphärische Synthiesounds und Samples stehen.

Wer Ambient, Soundtrackmusik, zeitgemäße Klassik, aber auch Postrock und Drone mag, der sollte sich dieses kleine, höchst evokative Album zu einer ruhigen Stunde (oder um eine unruhige Stunde zu beruhigen) zu Gemüte führen. Es lohnt sich!

Staunend in die Welt klingende Gefühlsmusik zum Genießen.







2020-09-05

BANDCAMP DAY September 2020 mit COMA WALL, SUNN O))), OLD MAN GLOOM + ZOZOBRA und RAT ABBEY

 Oh shit, gestern war schon wieder Bandcamp Friday

Für den Fall, dass Du erst seit heute morgen Internetzugang hast und deshalb tatsächlich noch nicht weißt, was das ist: Als Reaktion auf die Pandemiekrise verzichtet Bandcamp am jeweils ersten Freitag des Monat auf seinen eigenen Anteil an allen Verkäufen, d.h. der Erlös geht zu hundert Prozent an die Künstler oder Labels bzw. kommt häufig auch einem guten Zweck zu.

Man kann auch sagen, dass es sich hier um eine der besten Marketingaktionen des Jahres handelt, da äußerst erfolgreich (auch für BC selbst durch die generelle Aufmerksamkeit) und dabei moralisch absolut einwandfrei. Niemand wird hier vom Kapitalismus ausgebeutet.

Da aber nun so viele teils exklusive Veröffentlichungen auf diesen Tag gelegt werden, muss man sich als Musikfan allerdings schon böse zusammenreißen, um nicht die Kontrolle über sein Budget zu verlieren.

Ich war gestern recht diszipliniert und habe mich auf fünf überwiegend digitale Einkäufe beschränkt:



COMA WALL - Ursa Minor EP (download) (2020)

Fünf Jahre ist es nun schon her, dass ich zu Coma Wall auf dem Roadburn Festival geträumt habe. Inzwischen haben sich die verstärkte Mutterband Undersmile und ihr akustischer Ableger Coma Wall längst aufgelöst. 2020 allerdings sollte ein Comebackjahr mit mehreren Konzerten werden. Wir wissen, was daraus geworden ist...

Immerhin gibt es nun diese Drei-Song-EP mit Songs, die eigentlich für Ursa Minor, die vorige Band der beiden Gitarristinnen/Sängerinnen Taz Corona-Brown und Hel Sterne geschrieben und schließlich im Jahr 2012 aufgenommen wurden.

Die Songs lassen sich wohl am ehesten als akustischer Grunge mit Doomeinfluss beschreiben und mit der "subdued" Version von Subrosa vergleichen. Wie immer bei Undersmile / Coma Wall ist es vor allem der durchgehend als gespenstisch schönes Duett vorgetragene Harmoniegesang, der einen hier magisch einlullt. Wunderbar!



SUNN O))) - Veils It White (download) (2003)

Weiter geht es mit einem Klassiker, von dem ich bisher nichts mitbekommen hatte, nämlich der ersten EP von Sunn O))) aus dem Jahre 2003.


Ein einziger, allerdings über zwanzigminütiger Track, brummend, dröhnend, knarzend, wie wir es seither von den Meistern des Drone Metal kennen und lieben.

Und schon hier beweisen die Herren O'Malley und Anderson, dass das verbreitete Ist-ja-nur-Lärm-und-klingt-alles-gleich-Vorurteil über die Band kompletter Bullshit ist. Ich hatte jedenfalls nicht damit gerechnet, mitten im schweren Gedröhne dieser Debütveröffentlichung mit einem Klavier überrascht zu werden.



ZOZOBURN: OLD MAN GLOOM + ZOZOBRA live at Fiesta Roadburn (download) (2020)

Und wenn man schon einmal im Reich der ganz extrem Gitarrensounds herumcruist, sind Old Man Gloom ein logischer nächster Stopp.

Ich fühle mich ja immer ein bisschen schuldig, wenn es um diese schweinegeilderbe Hardcore/Sludge/Doom-Supergruppe geht, weil ich mir immer noch keine Scheibe von ihnen gegönnt habe, obwohl sie seit Jahren fett auf meiner inneren Merkliste stehen. Und dass ich sie clashbedingt am bis heute letzten Roadburn-Tag nicht sehen konnte, ist natürlich auch schade.

Zum Glück jedoch haut SIGE Records nun das komplette Old Man Gloom-Konzert inklusive des letzten Drittels als ihr Alter Ego Zozobra und einem extra albernen, aber durchaus coolen Coverartwork raus. Und das Ding knallt und groovt und brüllt und scheppert ganz fabelhaft.
Und ist zwischendrin auch mal überraschend musikalisch. (Pressluft-)Hammer!



RAT ABBEY - The Engine Of Night (Tape) (2020)

Zu guter Letzt lehnen wir uns nun wieder entspannt zurück und genießen digital, was ich demnächst dann auch als Kassette in der Hand halten sollte.

Rat Abbey ist ein instrumentales Ambient/Drone/Postrock-Projekt von Esben And The Witch-Drittel Thomas Fisher, welches im Prinzip auch nicht weit von den langsameren, atmosphärischeren Stücken jener Band entfernt ist. Man kann sich jedenfalls leicht über jedem der vier Tracks Gesang von Rachel Davies vorstellen.

Damit will ich allerdings nicht sagen, dass ihre Stimme fehlt, denn diese Musik ist schon groß und packend und sehr gut, so wie sie ist. Augen schließen und transzendieren! 



Ja, Du hast richtig gezählt, das waren nur vier Einkäufe, nicht fünf!

Über den letzten kann und möchte ich an dieser Stelle noch nicht groß schreiben, da es sich um eine Vorbestellung handelt, von der erst ein Song online ist. Die Rezension des ersten Albums von Cryptae folgt also logischerweise irgendwann später an dieser Stelle!




2020-09-04

SENYAWA & STEPHEN O'MALLEY - Bima Sakti

While I'm still enjoying the Phurpa tape I ordered last Bandcamp Day (and guess what, today is already BC Friday again) as well as the freshly arrived Mansur EP, let's stay inside this realm of spiritually ladden experimental folk fusion a little longer!

(Spoiler alert: I will even specifically mention the spike fiddle again!)




SENYAWA & STEPHEN O'MALLEY - Bima Sakti (purple vinyl LP) (2020)


Drone my god! This collaboration really sounds as good as its promise.

Senyawa are an Indonesian duo, mixing drone with folkloristic elements, noise and whatnot. I've been introduced to them at the end of 2018, when I wrote a short review of the digital version of their phenomenal album "Sujud", which has been one of my favorite drone records ever since, especially after I found it on vinyl for a reasonable price.

"Bima Sakti" now sees them joining forces with none other than Stephen O'Malley of the mighty genre giants Sunn O))).

Distilled from a probably mostly improvised live show in January 2018 the six tracks find all participants in their expected roles: O'Malley on his gnarly yet majestic drone metal guitar, Senyawa's Rully Shabara on very flexible extreme vocals and Wukir Suryadi on flutes and several selfmade electrified string instruments. I cannot clearly specify those, but I'm sure there must be some kind of Javanese spike fiddle and maybe a deeper variation of the siter in play. And whatever else is used in Gamelan music. I really have no clue about that topic, so I'm only guessing.

The result of this mixture however is a staggering gem of profound and vivid beauty. And by this I don't mean that "Bima Sakti" is sweet or kitschy.
No, the beauty evoked here is deeply earthbound and natural, not designed to please some fleeting aesthetic principle of the day.

With the flutes and manifold weird voices representing birds, wildlife and light and the droning strings standing for its eerie ancient roots and deceitful darkness, I cannot help but see the picture of a jungle painted before my inner eye. Subtly established and without resorting to too worn-out tropes tropes (which is not an accidental word doubling, but an actual term here, haha), but it is unmistakibly there.
Some passages like "Birma Dan Ular Naga, Part II" contain meaner noises, which seem alien to this habitat and could very well be manifestations of the disturbance through human civilization.

Speaking with my personal review history: "Bima Sakti" is the foreboding thicket you enter once you take a step ouside the light-flooded glades of Tengger's ambient meditation.

Maybe I am going far too Botanist with my interpretation, but it certainly speaks for the quality of the art when it can stimulate these visions.

However whether there was an outspoken intent behind it or it's just part of Senyawa's artistic DNA; that's ultimately a question which doesn't really matter at all.
No, what's important is the way these three musicians can come together and tap into the realm of visceral and pure expression, while keeping a very distinct individual style.

Anyone who has seen this performance live should count themselves lucky, because "Bima Sakti" truly is a masterpiece of excellent ethnic drone metal fusion.




So far the album is available digitally and on purple vinyl.






2020-09-03

MANSUR - Temple

Jason Köhnen appears to be one of those musicians who accumulate projects like other people are collecting stamps.

Wait. Do people still collect stamps? Are there even still stamps you don't print out yourself? I guess we'll never know.

Köhnen however has just released "Temple", an EP which introduces us to Mansur, a spiritual continuation of his works with The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble and The Thing With Five Eyes, yet with a slightly different premise. 




MANSUR - Temple (clear red vinyl) (2020)


Mansur again presents a mixture of electronics and a wide array of Eurasian world music influences, but the instrumentation is much more ethnic than on Köhnen's past projects, where he mostly used Western classical and rock intstruments and also relied on samples for a global scope, like very heavily on Bong-Ra's "Antediluvian".

Köhnen is aided by ex-Phurpa member Dimitry El-Demerdashi on oud (an Arabic short-necked proto-guitar) and folkloristic singer Martina Horváth. And besides double bass he himself adds a whole Genghis Khan Mongol Empire Big Band of flutes, percussions and traditional string instruments from the Persian, Indian and Far Eastern spheres to the sound of Mansur.

The result, while elevating and transcendent, radiates a deep familiarity, which for a good part is probably rooted in the diffuse intuition that you're listening to something primal and ancient more than anything else.

If these five tracks are an indication of what's to come on the full album (to be releases in the not too far future), it doesn't make much sense to put the "doomjazz" label on Mansur, because this music much more tends to experimental, but very accessible ethnic fusion.      

Especially with all the spike fiddle, lute and flute sounds "Temple" feels like a mixture of Saba Alizadeh's "Scattered Memories" and the neofolk of The Moon And The Nightspirit in Chinese exile.

It's intriguing.

While quality EPs  always provoke the obvious critique of being too short, I must admit that Mansur doesn't give me that particular feeling, because the journey I'm taken on is so vast that it seems almost implausible that it only took a total of twenty-four minutes.




"Temple is available on red (if you can still get your hands on it, that is) and black vinyl, as well as on CD.






2020-09-01

SLIFT - Ummon

Es gibt Alben, die lassen einem eigentlich gar keine andere Wahl, als bei ihrer Besprechung mit dem Cover anzufangen.

An dem monumentalen, im schwarzweißen Comicstil gehaltenen Gatefold von Slifts "Ummon", auf dem ein titanenhafter Hybrid aus Dr. Manhattan, Thanos und Conan auf der Oberfläche eines leblosen Himmelskörpers irgendwo im All ein monströs überdimensioniertes Schwert hinter sich her zieht, lässt sich jedenfalls unmöglich vorbeischauen.

Keine Frage: Die Optik schürt hier schon eine beachtliche Erwartungshaltung an den musikalischen Inhalt. Kann die Doppel-LP diese Herausforderung meistern?



SLIFT - Ummon (2LP) (2020)


Kommen wir gleich ohne Umschweife zum Punkt: Ja, was die Herren Fossat, Fossat und  Flores hier abliefern, wird der Monumentalität der Illustration tatsächlich gerecht!

Es gibt natürlich schon eine Handvoll unterschiedlicher Genres, zu der die Verpackung passen könnte, z.B. Epic Metal, Synthwave, Doom.

Slift allerdings sind in erster Linie ein Spacerock-Trio, dessen Sound nicht nur von der genretypischen Weite, sondern vor allem durch einen stets sehr energischen Drive nach vorne bestimmt wird. Die Rhythmussektion mit ihrem drahtigen Bass groovt und powert wie Sau, während mich der Sound der gerne auch mal ein wenig zum Rockshredding neigenden Gitarre an ihre Landsmänner von Libido Fuzz erinnert.

Ebenso wie bei jener Gruppe steckt dann auch eine gehörige Portion Stoner Rock - und auch die eine oder andere Prise (Doom) Metal - in "Ummon". Am gewöhnungsbedürftigsten für meine Ohren sind noch einige Riffs und Gesänge, die man als Punk klassifizieren muss. Insbesondere der über dreizehnminütige Abschlusstrack "Lions, Tigers and Bears" ist vielleicht der riesigste Punk-Epos, der mir je untergekommen ist.

Dass eben jene von meinem nicht so hundertprozentig präferierten Genre befallenen Stücke für mich genauso super funktionieren wie der Rest des Albums, mag u.a. daran liegen, dass die Betonung und der überaus starke französische Akzent die englischen Texte sehr stark verfremden und in in eine außerirdisch wirkende Qualität überführen, die sehr gut mit dem galaktischen Setting des Albums korreliert.

Punk, der in die endlose Weite des Alls gegröhlt wird, ist halt besser als herkömmlicher Punk.





Doch um mich nicht zu sehr darauf festzubeißen, will ich ausdrücklich betonen, dass dieses Album auch feinsinnige Momente zu bieten hat und überhaupt ein breites Spektrum an Assoziationen quer durch die Welt der psychedelischen Musik zu bieten hat, und das nicht nur, wenn neben der Rocktriobesetzung noch Synthesizer oder die durch Gastmusiker beigesteuerten "heavenly vocals", Vibrafon oder Glockenspiel zum Einsatz kommen.

Slomatics, Sherpa, HawkwindKing Gizzard & The Lizard Wizard, The Heads, Kikagaku Moyo sind alles Namen, die mir punktuell mal zufliegen, ohne dass sich Slift dauerhaft an einem Einfluss abzuarbeiten scheinen.

Die scheinbare Primitivität, unter der sich in Wirklichkeit sowohl gutes Songwriting als auch eine gelungene, das gesamte Album übergreifende Dramatik verbergen, sowie diese sich wie ein roter Kometenschweif von Anfang bis Ende ziehende, explosive Energie sind es, die "Ummon" jederzeit zusammenhalten und dieses Werk - natürlich auch im Zusammenspiel mit dem Artwork - zu einem extrem stimmigen Erlebnis machen.



Ich möchte mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, doch ich kann schon ziemlich sicher sagen, dass Slift hier einen der bisher heißesten Kandidaten für meinen persönlichen Jahresliebling in der Kategorie Psychedelic Rock abgeliefert haben.

Und das wusste ich eigentlich schon bevor ich "Ummon" in seiner ganzen audiovisuellen Pracht erleben durfte nach der ersten YouTube-Hörprobe des titelgebenden Openers.

Prädikat: zukünftiger Klassiker!


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2020-08-26

SUN DIAL - Mind Control (the ultimate edition)

Bandnamen oft gelesen, aber bisher noch nicht gehört. Mr. Sulatron Records schickt mich mit der Wiederveröffentlichung dieses Sun Dial-Albums mal wieder in die Psych-Nachhilfe.



SUN DIAL - Mind Control (the ultimate edition) (2012/2020)


Unmittelbar fällt auf, dass die britische Band zwar auf neuzeitliche Produktionsstandards (sprich: einen frischen, zeitgemäßen Sound) besteht, dabei aber keineswegs bemüht ist, ihr Verwurzelung im ganz klassischen Psychedelic/Krautrock zu verbergen.

So ist der Opener "Mountain Of Fire & Miracles", mit über neun Minuten längster Track des Albums, von Anfang an dem Familienstamm von Pink Floyds "Set The Controls For The Heart Of The Sun" zuzuordnen, während das direkt darauf folgende "Radiation" rhythmisch ganz eindeutig als Ringo-Starr-Enkel ("Tomorrow Never Knows") zu erkennen ist.

Beides sind keine Kopien, bauen jedoch auf diesen Blaupausen auf und füllen sie mit neuem Leben. Dazu gehören reichlich zusätzliche Instrumentalfarben zum Rock-Standard.
Der großzügige Einsatz von Geige, Bläsern (Flöte und Melodika), sowie Hammond, Moogs und Mellotron zieht sich ohnehin durch das gesamte Album.

Auch die weiteren Stücke nach dem Interlude "Burned In" greifen alle jeweils einen anderen bewährten Psych-Archetypen auf:
Die langsame Dark Side of Floyd in "Last Rays Of The Sun", die roboterrhythmische, hypNeu!tische Trance des Titeltracks, die Post-Hippie-Ballade (goes grunge-beeinflusster Metal - huch!) "In Every Dream Home A Heartache".

Der kurze über dem Mittleren Osten zur Meditation strahlende "Seven Pointed Star" und die entspannt um ihre Achse auswabernde "World Within You" vervollständigen schließlich das Bild eines zeitlosen, mehrere Generation kosmischer Rockmusik vereinenden Werks, dessen Stärke nicht nur das geschickte, und über die komplette Spielzeit sehr abwechslungsreiche Referenzieren ist, sondern welches vor allem durch seine schiere spielerische Qualität zu überzeugen weiß. (Gesang ist ok, aber halt genretypisch nicht wirklich zentraler Fokus.)

Alle Tracks bieten reichlich Ansatzmöglichkeiten, um sie live in endlose Jams ausarten zu lassen (wie die Band es tatsächlich handhabt ist mir nicht bekannt), bleiben in der Studioversion allerdings noch relativ konkret und ausformuliert, was mir in diesem Fall auch gut gefällt.

Für einen Sun Dial-Novizen wie mich hat sich die Reissue an dieser Stelle schon gelohnt.


Für den bereits mit "Mind Control" vertrauten Fan oder den generell nimmersatten Hörer ist allerdings in dieser "ultimate edition" noch eine zweite Scheibe mit zehn (Vinyl) bzw. zwölf (CD) Bonustracks aus dem selben Zeitraum dabei!

Nicht alle davon sind essentiell. So machen die drei alternativen Versionen von Albumtracks hier keinen großen Unterschied. Die full version von "Seven Pointed Star" ist satte vierzehn Sekunden länger, der early mix von "Radiation" enthält Spoken-words-Samples und mehr Hall-Spielereien, während das Zwischenspiel "Burned In" in mehr als doppelter Länge wiederkehrt, einen dabei aber eigentlich nichts wichtiges neues zu erzählen hat.

Die restlichen Extrastücke lohnen sich aber allesamt. Da sind ein paar eher geradlinige Spacerocker, nicht ganz auf dem Niveau der Tracks, die es aufs Album geschafft haben, doch beileibe nicht übel.

Daneben gibt es noch eine Reihe synthielastigerer Stücke. Die beiden Teile von "Mask Of Dawn" und der "Siren Song" gehen dabei etwas in die Richtung der Ambient/Elektrokraut-Reisen von Labelimperator Sula Bassana, während "1018A" seinen Psych noch mit einer schwer festzumachenden Attitüde, die fast schon an Clubsounds und Synthwave erinnert, vermischt.

Ganz zum Abschluss verwöhnt "Spiral" uns noch mit amtlich deeppurpleeskem Orgelrock.

Unterm Strich also eine ganz ordentliche Menge Raum und Zeit fürs Geld.

Super Band, super Album, super Wiederveröffentlichung.





2020-08-21

TENGGER - Nomad

It's time for one of this little karma write-ups again!

Sometimes folks give away their spare download codes - and in case I grab something recently released I think it's only fair that I at least support the art by spreading the word further.

In this case it was a surprise download, because there was no artist or album name on the card, only the promise that it would probably be something psychedelic. And yes, if this is anything, then it's that.


TENGGER - Nomad (download) (2020)


Tengger (which means "unlimited expanse of sky" in Mongolian and "huge sea" in Hungarian) are a South Korean/Japanese couple living on the road and always looking for magical places and new cultural environments, where they can record their flowing dreamlike music.

Most of the six tracks on "Nomad" are pure ambience made of synths, sounds and mystical female vocals here and there.
Almost all rhythm is delivered as a naturally swelling pulse, only "Eurasia" gets a little more tangible with an actual kraut rock beat.

The sound of Tengger dwells in an ageless place beyond the perception of time. It's meditative through and through, sometimes reminding me of the instrumental parts of the most esoteric version of Björk.

And would I buy this? Even though I like it the answer is... I'm not sure. I don't even think that Tengger go too far with the inherent kitsch of their music, but still this is simply a little much new age for my physical collection.
On the other hand I do own some roughly similar synth albums from El Paraiso Records, which of course have the advantage of a unique label design. The cover photo of "Nomad" isn't that bad either, though.

Well, we probably cannot answer that question here and now, but one thing's for sure: Anyone who's into transcended ambient for the temporary seperation and more harmonious reattachment of spirit and body, should give this worthwhile little album a listen!




2020-08-17

ELECTRIC MOON - Live At Freak Valley Festival 2019

Auweia, ich bin ein Amateur. Ist ja auch in Ordnung so. Also meistens zumindest. Es gibt allerdings Rezensionsfehler, die man so nicht unbedingt machen muss.

Im Review zu Electric Moons Livealbum "Hugodelia" war ich nämlich so schlau, den damals gerade aktuell gekuckten Livestream vom Freak Vally Festival zu erwähnen - als Beispiel für ein Konzert, das ich zwar super fand, aber nicht unbedingt auf Tonkonserve benötige.

Ja, toll gemacht, ich weiß.

Denn jetzt hauen die drei Lunanauten natürlich genau dieses Ding raus und bringen mich in die Bredouille, erklären zu müssen, warum ich es nicht ganz so geil finde wie die Aufnahme vom Clubkonzert.


ELECTRIC MOON - Live At Freak Valley Festival 2019 (2020)


Ja.

Ganz schön heiß draußen, oder?

Was soll man machen? Es ist ja, wie es ist, nicht wahr?

Raider heißt immer noch Twix. Ich mag trotzdem lieber Ritter Sport.

Ist es der Geschmack oder die Form? Keine Ahnung. Beides?

Die Sahara-Hitze soll wiederkommen, habe ich gehört. Ich komme ja jetzt schon nicht mehr klar.

Ja.

War was?

Ach so, ja!

Warum "Live At Freak Valley" nicht ganz so ein Kracher ist wie "Hugodelia"?


Puh... Ich bin mir überhaupt gar nicht mehr so sicher, ob das überhaupt stimmt.

Die sind halt unterschiedlich. Und die Größe und Weite, draußen unter den Sternen, die spürt man hier natürlich schon irgendwie.

Sorry, diese kosmische Mushroomwaberfreistilmusik analytisch aufzudröseln und zu vergleichen, das liegt mir einfach nicht. Man will ja auch nicht die Magie rausnehmen. Und von dieser, das ist sicher, schäumt dieser Auftritt über. Aber hey, es ist schließlich Electric Moon, womit ein mondbehördlich gesiegeltes Mindestmaß an Qualität und Wiedererkennungswert ja ohnehin garantiert ist 

Als Bonustrack gibt es das im Rahmen eines Rockpalast-Interviews improvisierte Unplugged-Stück namens "Scheiße, warum fällt mir spontan kein griffiger kurzer Titel ein? Das Ding beißt einen doch später beim Layouten einer eventuellen Veröffentlichung in den Arsch!" (gesprochen: "Der Mondsenator auf dem Weg zur Erde").
Mit dreiminütiger Spielzeit ist dies nach vier Longtracks natürlich ein von der Erde aus kaum auszumachender Zwergsatellit, er schließt das Album aber schön relaxt ab.

Ein weiteres Argument zur Frage, ob man das Ding als physischen Tonträger braucht: Neben der Musik ist auch das Coverartwork sehr gelungen.

"Live At Freak Valley Festival 2019" ist vorbestellbar im CD-Format bei Sulatron Records, und demnächst auch als LP bei Rockfreaks.







2020-08-13

ESOCTRILIHUM - Eternity Of Shaog

Kann ein Album, welches eine Illustration namens "Der Dracula vom Mars" als Coverartwork benutzt, überhaupt etwas falsch machen?

Oh sorry, beinahe genau so hatte ich ja erst letzten Monat mein Review von Esoctrilihums "The Telluric Ashes of the Ö Verth Immemorial Gods" begonnen.


ESOCTRILIHUM - Eternity Of Shaog (CD) (2020)


Überhaupt ließe sich vieles aus der Kritik zum Vorgängeralbum zu "Eternity Of Shaog" im Prinzip copypasten, haben wir es doch auch hier mit einem vollkommen maßlos übertrieben überbordenden, kosmischen Horror über die Welt ausschüttenden  Experimental-blackened-Death-Metal-Monster zu tun. Doch halt! Es gibt durchaus entscheidende Unterschiede.

So hatte Asthâghul, der allein verantwortliche kreative Kopf hinter diesem Soloprojekt, zwar auch auf "Telluric Ashes" schon reichlich Kantele und andere nicht primär mit Metal assoziierte Instrumente als Textur für seinen infernalischen, extremmetallischen Sog eingesetzt, doch auf  "Eternity" stehen die skandinavische Kastenzither, Klavier, Streicher und Synthies noch sehr viel mehr im Fokus, sowohl was die Häufigkeit ihres Einsatzes, als auch ihre dominantere Rolle im Mix angeht.

Außerdem ist das Songwriting bei aller die Aufnahmefähigkeit des Hörers strapazierenden Gnadenlosigkeit hier doch eine ganze Ecke sortierter und nachvollziehbarer geraten. Aber vielleicht spricht da auch ein wenig die Komfortzone aus mir.

Denn gerade im Zusammenspiel mit dem gutturalen Röchelgesang fühle ich mich - auch ohne Saxophon - in der Art und Weise, wie hier harsche Black/Death-Riffs mit "exotischen" cleaneren Klängen kombiniert werden, beinahe in jedem der zehn Tracks an die guten alten Schwarzmetalladvantgardepioniere Pan.Thy.Monium erinnert.
Ein bisschen Hollenthon - die für den Effekt allerdings noch Samples bemühen mussten - kommt mir hier und da ebenfalls in den Sinn.

Auch während des übelsten Gedresches - welches diesmal ohnehin etwas gezähmter bzw. mit mehr ruhigeren Passagen ausbalanciert daherkommt - herrscht eine ganz eigentümlich entrückte, urzeitliche Wurzeln simulierende Atmosphäre, eine stets unter der Oberfläche schimmernde, grausige Schönheit.

Und wer nun kopfschüttelnd Passagen wie den Anfang von "Ŧhritôŋh (2nd Passage: The Colour Of Death)" hört und partout keine Anmut in dem Geknatter ausmachen kann: Try again! Du hast dich noch nicht mürbe genug kloppen lassen.
Anderswo - ganz offensichtlich im überwiegend vom Piano betimmten "Ṡhŧg (4th Passage: Frozen Soul)" - ist das filmisch erhabene Element dafür umso deutlicher zu erkennen.

Selbst wenn der Verstand im Vergleich zum Höllenmahlstrom von "Telluric Ashes" diesmal vielleicht in ein paar tausend Splitter weniger zerschmettert wird, schafft Esoctrilihum es nun gerade durch die größere Ausgewogenheit auf "Eternity Of Shoag", einen über die komplette lange Spielzeit nicht nur bei der Stange zu halten, sondern auch zu unterhalten. 
Dieser irrsinige, mystisch symphonisch kratzblastende Overkill macht einfach unheimlich und unheilig Spaß.

Da mag der Erschaffer noch so sehr insistieren, dass wir mit dem finalen zehnten Track die "Monotonie eines fauligen Lebens im ewigen Nichts" erreicht haben; aber nein, so schlimm ist "Eternity Of Shaog" wirklich nicht. Ganz im Gegenteil!




Auch diesmal fiel es mir übrigens leicht, mich für die günstigere CD-Variante des Albums zu entscheiden, ganz einfach weil mir das Design des Digipaks im A5-Format deutlich besser gefällt als das einen zusätzliches Schmuckrähmchen um das Covermotiv krakelnde Layout der LP-Hülle.
(Etwas großzügigere Klebepunkte zur Fixierung der CD-Halterung wären allerdings begrüßenswert gewesen.)







2020-08-12

THE ACADEMY OF SUN - The Quiet Earth

I've come to know Nick Hudson both as a solo musician supporting Toby Driver and as part of the Kayo Dot mastermind's solo touring band in 2016 and 2018. I must admit though that since then - while always recognizing his remarkable talents - I've often paid more attention to him as one of my main windows into the melancholisarcastic post Brexit soul of an Englishman on facebook than to his actual art.

But at the latest this February "Black Feather Under Your Tongue", his spontaneous duet album with Driver, finally made me dive deep - and often - into one of his works.

It also made me very anxious to hear the long in the works new album of his actual creative main outlet, the quartet The Academy Of Sun, in which he showcases a wholly different wide spectrum of his talents.



THE ACADEMY OF SUN - The Quiet Earth (CD) (2020)


The main difference among many surely is that "Black Feather" was basically one avantgardistic impromptu session, while "The Quiet Earth" above everything else demonstrates Hudson's skills as a phenomenal songwriter.

And despite tons of remarkable aspects and details I could loose myself in, my central impression while listening to this album always remains damn, these are good songs!

It is pretty hard to pin The Academy Of Sun down to one particular genre, especially since there really is no specimen track serving as a blueprint for the "standard" TAOS tune. After the rather brief prologue which is the title track you can be sure that all fourteen times the CD skips to the next track you can expect a variation in mood, tempo and overall style.

Of course ninety percent of this album can somehow find space under the overlapping umbrellas of chamber pop and piano artrock, but well, that can already be quite an impressive wingspread in itself.

Vocally Hudson mostly sticks to a smooth sonorous performance, which through subtle changes in pitch and intensity, paired with the shifts of musical backdrop, brings many names into mind while still remaining original.
The most eccentric spotlights are reserved for the guest voice of Carisa Bianca Mellado in two tracks, one being the first full song "Polestar" on which Hudson himself sounds close to Brendan Perry, which gives the song a strong Dead Can Dance meets Kate Bush feel.

The folky, exuberantly wordy "The House" then not only drives home what an amazing lyricist Nick Hudson is, but in doing so also moves my perception of him distictly into the direction of greats like Nick Cave or Leonard Cohen.
As a non-native speaker I don't always pay the biggest attention to those things - and for sure I often don't get the full meaning -, but the lines on this album and this song in particular are just pure gold:

"This is the lamp that would flicker with bugs 
As you stared at the filament for days that would go on unending.
And this is the glue that had worn off the stamps 
You were reusing on letters that never quite got to the sending.
And this is the clapper of the bell that would signal the 
End of the hell in that war you would lose many friends in.
And this is the note you would leave to yourself 
To intercept on the other side, afterlife-pending."


While "The Quite Earth" certainly draws more specific inspiration from the eras of post punk and new wave than from the preceding decades, you just cannot achieve timeless pop appeal as a British band without conjuring at least the hint of a good old Fab Four vocal harmony, which happens most obviously on the next song "The Parts That Need Replacing".

Track five, the ironically light-hearted "Kidnapping An Heiress" is probably the greatest earworm hit of the whole album. It also gives me strong David Bowie vibes, which of course isn't any diametrical opposite at all. Boy, the pristine guitar work of Guy Brice alone gets me every time.

Speaking of guitars, there are several six string guest appearances scattered over the album, one of them unsurprisingly by Toby Driver on - also not too unexpected - the most avantgarde piece "Inferior Designs" (which is track 11, so I'm jumping around a little bit now).
Exploring the fringes of easily digestible harmony, I assume that this could very likely be a point of division for the audience, where some people might frown about the not music anymore jazz influence, while other appreciate this bold display of piano and guitar virtuosity all the more. You can take a guess, on which side I'm standing.

There are other moments on "The Quite Earth" where Driver's influence - or at least a similarity of shared influences - shine through. Like the keyboard in "Rose Devoid Of Form" or the weird eerie tone of "Charboy In The Cinders", which is another of the not too radio-friendly tunes here.

But make no mistake: While Kayo Dot were always deliberately operating the furthest away from the possibilty of any mainstream recognition, all the big names I've been throwing in as comparisons here are no accident. Even though "The Quiet Earth" has little bits where the art may outshine the accessibility, the overall impact of this almost ridiculously ambitious work is not that of a stunning, but hopelessly obscure piece of musicians' music, but that of an album which in a better world would make The Academy Of Sun huge. I mean really huuuge. Seriously.

Another thing which should be huge is the epic detailed doomsday cover artwork. It's deafening how loud this one screams I want to be a record sleeve! 
Since this is a CD/digital only release, I would at least have prefered a packaging, where the digipak didn't include an 8-page booklet for the lyrics and credits, but a foldout poster with a larger version of the cover on the other side. Yeah, that's basically my one negative critique  I can offer about this album.

Ok, I'm also not the biggest fan of "So What, Caravaggio". A whole album of songs like this would shatter my nerves. But even this black sheep track counters its annoying chorus with a great slow break passage declaring "I can feel my skeleton protesting its cargo."
And finally the wider context of the whole album perfectly smoothes out any perceived weakness on one single puzzle piece.  

But hey let's go on! I have few more name references to drop. 

The finale of the aforementioned "Rose Devoid Of Form" and the whole of "Couch Surfer" both strongly remind me of the recent ongoing phase of Ulver. Which basically means everything that's super cool about 80s synth pop in a nutshell.
"Couch Surfer" could basically be sold as a cover version of a "lost track" from a Depeche Mode classic and I would buy into the lie.

It's not far from here to Frankie Goes To Hollywood now, right? But don't think "Relax" or "Welcome To The Pleasuredome", think of their ballads, as Nick Hudson switches to a higher register and bolder expression in "Don't Touch The Animals" and I can't help but picturing Holly Johnson beside him leaning on his piano.

In "Sky Tourism" it's not the voice which enforces the comparison, but the piano during the verses is undoubtly the child of a huge Tori Amos afficionado.

The biggest vocal surprise Hudson reserves until the end, when after the post punk staccato of "Everything At Once Forever", the last track "Cloud Prayer" finally makes use of his emotive falsetto abilities.

A drifting, dream-like closer and beautiful goodbye from an album, that should rightfully be among the most talked-about releases of the year.

I know, I know... That's a little much to demand from 2020. But come on, listen to this and do your part! Karma will thank you.

"Thin skies of only cloud
Break apart when 
Tired hearts are 
Treated kindly,
Come and find me,
Love exists to share."






2020-08-08

BANDCAMP DAY August 2020 mit LINGUA IGNOTA, KONSTRUKT & OTOMO YOSHIHIDE und PHURPA

Während ich mich, wie anderswo im Netz festgehalten, nach wie vor an den inzwischen eingetrudelten, vor einem Monat am Bandcamp Day abgegriffenen Vinylschätzen von A.A. Williams und Esben And The Witch erfreue, hat sich die Plattform entschieden, es doch noch nicht das letzte Mal gewesen sein zu lassen, dass den Künstlern 100% ihrer Gewinne (inklusive der Provision von BC selbst) überlassen wird. Die Tradition des Bandcamp Day am ersten Freitag des Monats wird also auf unbestimmte Zeit fortgesetzt.

Dieses Mal (also gestern) bin ich gar nicht dazu gekommen, mich groß mit dem Angebot zu beschäftigen, doch zwei Tonträger und einen Einzeltrack haben sich dann doch in meinen Einkaufskorb gedrängelt.

Bevor ich auf diese eingehe, empfehle ich aber noch dringend, bei Yazz Ahmed vorbeizuschauen, da die Jazztrompeterin die Exklusivveröffentlichungen vergangener Bandcamp Fridays für dieses Wochenende noch einmal zugänglich gemacht hat!




LINGUA IGNOTA - Wicked Game (download) (2020)

Wiederholungstäterin Kristin Hayter aka Lingua Ignota schlägt erneut mit einem Einzeltrack zu. Wie schon mit "Jolene" handelt es sich um ein Coverstück in ihrem einzigartig verzweifelt düsteren Stil.

Zumal ich persönlich mit Chris Isaaks "Wicked Game" auch Erinnerungen an ein eigenes Unplugged-Konzert verbinde (eine der liebsten Fremdkompositionen, die ich je live gesungen und gespielt habe), gab es natürlich gar keinen Zweifel, dass ich auf diese - natürlich vollkommen anders dekonstruierte - Version nicht verzichten konnte.

Ergreifend intensiv.





KONSTRUKT & OTOMO YOSHIHIDE - Eastern Saga: Live At Tusk (LP) (2020)

Das vierte Album in der auf Karlrecords erscheinenenden Reihe von Kooperationen der türkischen Experimentalfreejazzer Konstrukt mit anderen Künstlern (zwei davon bisher mit Keiji Haino, eines mit Ken Vandermark) hätte für mich auch ohne Aktionstag Priorität gehabt.

"Eastern Saga" ist eine Livaaufnahme vom Tusk Festival 2018, auf der die Gruppe in Fünferbesetzung - zwei Drummer, Kontrabass und zwei Multiinstrumentalisten, die sich um Gitarre, Saxophon, Flöten und Elektronik kümmern - aufspielt und sich dazu mit dem japanischen Experimentalmusiker Otomo Yoshihide an Gitarre und Turntables verstärkt.

Das Resultat sind die zwei abenteuerlichen Longtracks "Fire Dance" und "The Myth", deren exzellente Mischung aus exzessivem Free Jazz mit leicht orientalischer Note und wildem Noiserock absolut großartig in den Hohlraum zwischen den Synapsen hämmert. Wer genauso auf Bill Laswell wie die letztjährige Zusammenarbeit von Keiji Haino mit Sumac steht, der wird hier eine Menge Freudenschweiß ausstinken.





PHURPA - Hyms Of Gyer (Tape) (2020)

Die Gerüchte stimmen: Ich habe mir tatsächlich wieder ein kleines Kassettenabspielgerät an die Anlage angeschlossen und mir vorgenommen, mir ab und zu mal ein Tape nicht nur als Regalschmuck, sondern tatsächlich zum Hören zu gönnen.

Den Anfang macht ein Livealbum des russischen Obertongesangkollektivs Phurpa.

Selbst wenn man die Gruppe schon einmal live erlebt hat, bleibt es beinahe unfassbar, dass dieser über einstündige Drone/Dark Ambient-Sog nur ducrh drei Kehlköpfe und zwei Klangschalen erzeugt wird

Ein Portal in andere Dimensionen. Oder zumindest der Wegweiser zu höheren Leveln des eigenen Bewusstseins.

In jedem Fall nicht von dieser Welt.