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2017-12-25

YAZZ AHMED - La Saboteuse

Wer die Liste meiner zweiundzwanzig Lieblingsalben 2017 gelesen hat, der ist für dieses Review bereits gespoilert und weiß, dass ich zwar sowohl die Künstlerin als auch ihr aktuelles Albem erst seit sehr kurzer Zeit kenne, sie aber trotzdem gleich mal auf Platz 12 meiner Jahrescharts untergebracht habe.

Ich finde "La Saboteuse" also etwas mehr als nur in Ordnung.




YAZZ AHMED - La Saboteuse (2LP) (2017)

Yazz Ahmed ist eine britisch-bahrainische Trompeterin und Hornistin, die auf diesem Doppelalbum ihre Erfahrungen aus Jazz - und den Kooperationen mit Künstlern aus anderen Genres - mit der musikalischen  Tradition ihrer arabischen Wurzeln verbindet.

Über beinahe die gesamte Spielzeit führt sie diese beiden Pole ganz im Geiste großer Jazz Fusionisten wie Herbie Hancock oder - als Trompeter sowieso die zwangsläufige Referenz - Miles Davis auf Augenhöhe zusammen, reproduziert aber keinesfalls deren Ansatz, sondern ist mit der Einbindung von Einflüssen aus moderneren Rockmusikströmungen, Ambient, soundtrackartiggen Elementen und Spuren von Klassik ganz der Zukunft zugewandt.

In einer sehr großen, professionellen Produktion spielen, gebettet auf einem breiten, von Bass, Drums und Percussions bereiteten Rhythmusteppich neben der Bandleaderin vor allem das Vibraphon und die Bassklarinette eine prägende Rolle. Und wie schon der Titel des These New Puritans-Coversongs "Organ Eternal" verrät, hinterlassen auch die Tasten (obwohl nur in vier von dreizehn Tracks präsent) einen bleibenden Eindruck.

Ganz klar im Mittelpunkt steht aber Ahmed selbst, die jeneseits von reiner Soloperformance auch gerne elekronisch trickst und großflächige Harmonien mit sich selbst orchestriert. Neben der Tatsache, dass sie an sich schon einen wunderbaren Ton spielt, ist es vor allem ihr speziell angefertigtes Flügelhorn, welches eine besondere Betonung der in der orientalischen Musik unverzichtbaren Viertelnoten ermöglicht, welches ihre Darbietung zu etwas besonderem macht.

Ausnahmen wie das rhythmisch sehr frei fließende "Belielle" mal beiseite lassend, verschiebt sich grob betrachtet in der zweiten Albumhälfte die Stimmung von wüstenmusikalischer Komplexität etwas zu eher an Post Rock erinnernden Klängen.

Dazu trägt bei, dass sich hier die beiden Fremdkompositionen befinden. Neben dem bereits erwähnten Artrock-Song "Organ Eternal" (sehr viel wilder als das Original) ist vor allem Radioheads "Bloom", an dem Yazz Ahmed 2011 auch schon im Original als Gastmusikerin mitgewirkt hatte, ein Höhepunkt.

"La Saboteuse" ist ereignisreicher Spitzenjazz, der sich von einem Highlight zum nächsten angelt, alles andere als puristisch, sehr anspruchsvoll und doch durch seine Fülle an tollen Melodien und mitreißenden Grooves leicht nachzuvollziehen.

Auf jeden Fall ist es ein Werk, dass ich auch Hörern, die mit dieser Musikrichtung ansonsten (noch) gar nichts am Hut haben, als Einstieg empfehlen würde.

Neben dem musikalischen Inhalt ist auch die Präsentation des Albums ein unbedingter Kaufanreiz. (Auch wenn ich persönlich leicht bereue, ein paar Euros mit einer Discogs-Version gespart zu haben, deren Zustand dann doch etwas suboptimaler als erwartet war.)

Das Gatefold wird von teilweise eingestanzten Illustrationen geziert, die es zu einem optischen wie haptischen Schatz in der Sammlung machen. Ein großformatiges Booklet stellt ausführlich alle mitwirkenden Musiker, aber auch Soundtechniker, Produzent und Ilustratorin und ihre Rolle für "La Saboteuse" vor. Edel mit Sternchen.

 
 


Das Fazit zu "La Saboteuse" kann nur eines sein:

Klar, auch wenn ich immer wieder an seiner Erweiterung arbeite, ist mein persönlicher Jazzhorizont nach wie vor nicht gewaltig. Somit vetraue ich hiermit also nicht nur meinem eigenen Geschmack, sondern auch anderen, mit mehr Fachwissen ausgestatteten Rezensenten, wenn ich sage, dass es sich - noch vor der EP von Kamasi Washington - wohl um das Genre-Highlight des Jahres handelt.


Highlights: Belielle, Bloom, El Emadi, Organ Eternal, Jamil Jamal, La Saboteuse




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