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2017-12-27

KING GIZZARD AND THE LIZARD WIZARD - Flying Microtonal Banana

Es ist schon erstaunlich was man manchmal für Brücken vom einem Review zum nächsten schlagen kann. Zuletzt schrieb ich hier über Yazz Ahmed, die sich für ihre Fusion aus Jazz und bahrainischem Folk auf "La Saboteuse" extra ein Flügelhorn anfertigen ließ, mit dem sich die Mikrotonalität der arabischen Musik besser umsetzen lässt.

Und nun ist also ein Psychedelic-Rock-Album an der Reihe, für die Band genau dasselbe getan hat, also auch mit extra modifizierten Instrumenten in Erscheinung tritt.
Anders als die Jazzmusikerin machen King Gizzard And The Lizard Wizard allerdings ein viel größeres Gewese um diese Tatsache, wie nicht nur Hinweise auf dem Cover und ein polemischer Klappentext über die harmonische Unterlegenheit der westlichen Tonleiter dezent verraten, sondern auch der Albumtitel "Flying Microtonal Banana".    




KING GIZZARD AND THE LIZARD WIZARD - Flying Microtonal Banana (LP) (2017)

König Gizzard ist allerdings durchaus berechtigt, bezüglich der Mikrotonalität eine größere Welle zu machen. Zum einen natürlich, weil Yazz Ahmed sie einfach nur als Mittel zum Zweck benutzt - und es natürlich blöde aussehen würde, wenn sie arabischstämmige Musikerin so elitär daherfaseln würde. So eine weiße, australische Beklopptentruppe ist in dem Fall natürlich unverdächtiger, tatsächlich eine todernste Agenda zu pushen.

Die siebenköpfige Band um Stu Mackenzie macht die erweiterte Tonleiter hier zum zentralen Dreh- und Angelpunkt. In jedem einzelnen Song ist sofort zu hören, dass Gitarre, Gesang, Mundharmonica, alle Melodieinstrumente hier etwas spielen, das man gerade in der Rockmusik normalerweise nicht zu hören bekommt.

Das ist zwar sehr abgefahren, wird hier aber in extrem eingängigen, ohrwurmigen Songs verpackt.
Wo ihr - nach aktuellem Stand - letztes Album "Polygondwanaland" kompositorisch über alle Stränge schlägt, da ist "Flying Microtonal Banana" nicht nur rhythmisch, sondern auch strukturell leichter nachvollziehbar.

Die speziellen Melodien, aber auch der prominenten Einsatz sehr charakteristischer Sounds - vor allem die Zurna, ein türkisches Holzblasinstrument, sticht hier heraus - bedingen, dass die Grundstimmung der Songs sich durchgehend relativ stark ähnelt. Wer sich also innerhalb der ersten drei Stücke warmgehört hat, der kommt sicherlich auch mit den folgenden sechs Tracks klar.

Insgesamt klingt dies alles wie eine Mischung aus einer geradeaus alternativrockenden Phase von Motorpsycho und den skurrilsten Eskapaden von The Claypool Lennon Delirium. Man stelle sich nun nur noch vor, Norwegen läge am Persischen Golf und Yoko Ono käme aus dem Nahen statt dem Fernen Osten mit dem entsprechenden musikalischen Einfluss auf ihren Sohn Sean, dann haben wir ungefähr das Bild.

"Flying Microtonal Banana" ist ja das erste von fünf Alben, die King Gizzard And The Wizard Lizard für 2017 versprochen haben, von denen ich bisher ansonsten nur Nummer 4 kenne und Nummer 5 nach wie vor geteast wird. Wahrscheinlich hauen sie das noch Silvester kurz vor Mitternacht in Melbourne raus.

Bisher fegt mich "Polygondwanaland" zwar mit seinem Wahnwitz noch mehr um, die Banane hat allerdings die größere Hitdichte und wächst und wächst in meinen Ohren. Daneben gibt es natürlich Pluspunkte sowohl für den bereits vorhandenen Tonträger (mein Exemplar von "Polygondwanaland" kommt voraussichtlich im Januar) und das extrem erfolgreich umgesetzt Konzept, welches dem Album eine sofort spürbare Frische verleiht.

Wenn es jedoch ein Argument gibt, welches mich vollkommen auf die Seite von "Flying Microtonal Banana" zieht, dann ist es der Rubbelduftsticker auf dem Cover - selbstverständlich mit Bananenaroma! Mmmh, lecker.



So, fertig. Haben sie das fünfte Album inzwischen gedroppt?





Highlights: Anoxia, Open Water, Rattlesnake, Flying Microtonal Banana


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