2012-01-09

Tonträger 2011, Teil 6 : alles anders wie immer (CYNIC)

CYNIC - Carbon-Based Anatomy (2011)

Tja, über Cynic habe ich mittlerweile ja so viel Lob vergossen, dass mir spätestens seit dem Livereview zum Konzert am 19. Dezember eigentlich kaum noch etwas zu schreiben einfällt.

Vielleicht hilft mir ja ein Blick ins Lehrbuch für Cynic-Rezensionen...
Nein, leider nicht. nach diesem ist nämlich zunächst einmal die Messung des Metal-Gehalts wichtig, bzw. die Feststellung, ob und wie weit sich die Musik der Band seit "Focus" geändert hat. *gähn*

Also gut: Man hört schon durchaus, dass die Band im Metal verwurzelt ist, es gibt aber keine längeren Riffpassagen und auch keine Growls. Und ja, diese EP ist tatsächlich kein zweites "Focus", unterscheidet sich von den Bonus-Tracks der späteren "Focus"-Neuauflage, klingt ebenso nicht nach "Traced in Air" und knüpft auch nicht direkt da an wo "Wheels Within Wheels" auf der "Re-Traced"-EP aufgehört hat!

Und dennoch erkennt man natürlich schon nach kürzester Zeit, dass es sich um Cynic handelt. Irre! Wie überraschend! Und scheiße, was sind mir diese Kriterien kackegal. Dass Metaller oftmals engstirnige Traditionalisten sind - ok, dass wird sich auch in den nächsten dreißig Jahren nicht ändern. Aber dass gerade sogenannte Fans progressiver Bands von diesen verlangen, sich ab einem bestimmten Punkt ja nicht mehr zu ändern, da steige ich nicht hinter.



Und eigentlich machen Cynic ja in gewisser Weise doch jedesmal das gleiche. Auch "Carbon-Based Anatomy" nimmt uns mal wieder mit auf die komplette Reise durch Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt. In erstaunlich kurzer Zeit, das muss man zugeben.
Aber natürlich gibt es Unterschiede zu den vorangegangenen Trips. Der deutlichste ist wohl, dass es sich nur bei der Hälfte der sechs Tracks um vollwertige Songs handelt, die auch für sich alleine stehen können. Demnach ist es zu empfehlen, die EP stets als zusammenhängendes Gesamtwerk zu hören, das steigert die Wirkung erheblich und lässt sich bei 23 Minuten Spielzeit auch leicht einrichten.

Musikalisch gibt es nicht nur im von Gastsängerin Amy Correia intonierten, schamanenhaften Intro "Admidst the Coals", der Meditation "Bija!" und dem Ausklang "Hieroglyph", dessen Text im Booklet passenderweise recht schwer lesbar ist, einen deutlichen Einschlag von Ambientklängen und Weltmusik.
Mit diesem Einfluss, aber auch verdeutlicht in einem naiven Songtitel wie "Elves Beam Out", machen sich auch in den eigentlichen Songs die 70er Jahre stärker bemerkbar als in der Vergangenheit, ohne jedoch das wie gewohnt doch eher futuristische Gesamtklangbild an sich zu reißen.

Die Besetzung der Band ist mit Paul Masvidal, Sean Reinert und Immer-wieder-Studiobassist Sean Malone eine sichere Nummer, die jeder für sich und zusammen erst recht mit ihrem unverkennbaren Stil viele Glanzpunkte setzen. Allein der Basslauf des Titelstücks ist schon für die Götter. Dazu die exzellenten Leadgitarren und als weitere Markenzeichen das zwischen Jazz und Powerdrumming fließende Spiel Sean Reinerts und der mal ganz reduzierte, mal durch Vocoder-Effekte entrückte Gesang Paul Masvidals, schon ist man wieder ganz tief drin, im Cynic-Klangkosmos. Und wie immer gilt dabei, dass bei aller Kunst der Song an sich stets im Mittelpunkt steht.

Um den Thron der absoluten Spitzenscheiben 2011 kann "Carbon-Based Anatomy" zwar nicht mitkämpfen (dafür fehlt es einfach an Spielzeit), aber sowohl Fans, die nicht bis in alle Ewigkeit Neuauflagen der "Focus" hören wollen, als auch Neu-Zyniker machen hier mit dem Kauf nichts verkehrt.

Eine Tendenz für das nächste volle Album werde ich aus der EP nicht ableiten, denn daran halten sie sich ja ohnehin nicht. Wenn auf eines Verlass ist, dann doch dass Cynic immer sie selbst bleiben, jedoch mit jeder Veröffentlichung eine neue Facette ihres Sounds präsentieren. Und dies hoffentlich nie wieder mit einer fünfzehnjährigen Pause dazwischen!

Anspieltipps: Carbon-Based Anatomy, Box Up My Bones

2012-01-07

Tonträger 2011, Teil 5: Die nihilistische Dreifaltigkeit (JESU)

Kein Jahr, in dem uns Justin K. Broadrick nicht mit mindestens einem Release von Jesu beglückt. Um für 2011 auf drei zu kommen, habe ich allerdings etwas geschummelt, da "Heartache / Dethroned" schon im Dezember des Vorjahres rauskam. Aber der Dezember geht ja immer so schnell vorbei, deswegen wollen wir hier mal keine Haarspalterei betreiben. ;)

Außerdem hat die Musik auf dieser Doppel-EP ja ohnehin schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, handelt es sich doch um eine Wiederveröffentlichung des Debüts von Jesu, sowie die Aufbereitung noch älterer Demoaufnahmen. 

 JESU - Heartache / Dethroned (2010)

Die aus nur zwei, jeweils ca. zwanzigminütigen Songs bestehende EP "Heartache", ursprünglich 2004 erschienen, kommt zwar nun optisch reduzierter in noch monochromerer (und sich somit besser in die Diskografie einfügender) Aufmachung daher, hat aber musikalisch nichts von ihrer Kraft und Relevanz eingebüßt.
Nach wie vor ist dies eines der ganz essentiellen Werke im Broadrick-Universum.

Den Song "Heartache" kann man aus heutiger Sicht als Vorläufer des mehr als doppelt so langen Brockens "Infinity" betrachten, dem er im Aufbau nicht unähnlich ist.
Nachdem man zunächst einmal an die Zerre der Saiteninstrumente gewöhnt wird, bestimmen Riffs und relativ häufige Wechsel das Klangbild, ehe das Stück etwa in der Mitte sein langsames Mantrathema mit der immer gleichen Textzeile "But really there's nothing" findet.

Im Vergleich zu den meisten Veröffentlichungen des Vorgängerprojektes Godflesh zeigt sich der Sound insgesamt melancholischer und dynamischer, der Drumcomputer hingegen klingt in manchen Passagen noch gewollt synthetischer. In "Ruined" öffnet Broadrick seinen Klangkosmos zudem noch weiter für Pianosounds, die man früher von ihm nicht so gehört hätte. Anderseits hält dieser Track im Gegensatz zu den meisten späteren Jesu-Werken noch das damals gewohnte brutale Shouting bereit, welches im Laufe der Zeit immer mehr von der zerbrechlichen Gesangsstimme abgelöst worden ist.
Alles in allem bewegt sich "Heartache" perfekt im Spannungsfeld Mensch und Maschine, Gefühl und Kälte, Schönheit und Abgrund.

Das ältere Material der nun erstmals erschienenen "Dethroned"-EP steht dem kaum nach. Die Stücke sind zwar kürzer, dafür sind derer vier zu hören. Von harten Godflesh-Rhythmen zu melancholischeren Elegien umfasst sie ein angesichts ihrer Kürze schon bemerkenswertes Klangspektrum. Irgendwo knarrzt, ranzt und dröhnt es dabei allerdings ständig, im Vergleich zu "Heartache" ist der Sound also schon etwas dreckiger. Mit einem echten Schlagzeug hätten sich die Stücke auch allesamt gut in das erste Full-Length-Album "Jesu" eingefügt.

Als eigenständiges Merkmal dieser EP kann man die Effekte auf dem Gesang betrachten, die natürlich im Prinzip nichts wirklich neues sind, hier aber beispielsweise im Titeltrack eine besonders entfremdende Qualität entfalten.

Für Freunde der musikalischen Katharsis liefert der Meister auf diesem Solowerk wieder einmal feinste Kost, und während der hypnotischen letzten Takte von "I Can Only Disappoint You" wünscht man sich, es hätte davor noch ein bisschen mehr als eine knappe halbe Stunde Musik gegeben.

Anspieltipps: Heartache, Dethroned, Ruined, I Can Only Disappoint You





JESU - Ascension (2011)

Während ich "Heartache" (mit dem Bonus "Dethroned" nun erst recht) zu jenen Jesu-Scheiben zähle, die ich einem Neuling zum Einsteig ans Herz legen würde, sieht es bei diesem neuesten Longplayer etwas anders aus... Nein, das Album ist definitiv kein Flop! Aber es ist schon sehr... anstrengend, selbst für Jesu-Verhältnisse.

Dabei ist es aber weit entfernt von der ausufernden Stumpfheit von Songs wie dem genialen Debütalbum-Opener "Your Path To Divinity". Auch wabert sich hier kein Song über die Zehn-Minuten-Grenze. Und es mangelt ähnlich wie auf dem zweiten Album "Conqueror" oder der "Lifeline"-EP ebenso nicht an Melodien, denen man anders arrangiert schon fast Pop-Appeal attestieren könnte.

Dennoch hat sich das Album sehr langsam an mich herangeschlichen. Hört man "Ascension" nämlich nur so nebenbei, besteht das Risiko, dass einen die Musik einfach verdammt runterziehen kann.
Nie klangen Jesu (hier mal wieder als Duo mit Ted Parsons als echtem Drummer) so organisch, nie stand so wenig Maschine zwischen dem Song und den Hörer. Selbst der fragile Gesang verzichtet über weite Strecken auf die gewohnten Delay-Spielereien. Dadurch ist  "Ascension" sehr intim geworden, und so nah wie hier am emotionalen Kern der Musik zu lauschen, das erfordert schon ein gehöriges Maß an Gewöhnung. Denn hier geht es nunmal eine Stunde lang sehr langsam und schlechtwetterlyrisch zu.

"You give life and then don't feed it - It's all smothered beauty"
"Is it any wonder that something's missing forever more?"
"Age comes like the night in winter, just after we leave December"
"Can't you keep it to yourself? Does it eat you up like the cancer in us all?"


Hat man sich in dieser Gedankenwelt zu einer Stunde lang permanent schwermütig langsamer Musik erst einmal zurecht gefunden, dann dringen durch all die Depression auch die Songs zu einem durch und entfalten irgendwann auch ihre ganze Schönheit. Und am Ende - im Finale von "December", dem darauf folgenden "King of Kings" und dem abschließenden Epilog und Titelstück - meint man fast dieser Himmelfahrt (="Ascension") beizuwohnen.

Dieser Prozess der Entfaltung hat eben nur - bei mir zumindest - deutlich länger als allen vorangegangen Alben und EPs gedauert. Aber was langsam wächst, wird ja oft umso besser.
So auch hier. Hat man es sich erschlossen, so reiht sich "Ascension" nahtlos in die Reihe seiner meisterlichen Vorgänger ein.

Anspieltipps: Broken Home, King Of Kings, Small Wonder, Fools




Und nun schwelge ich noch ein wenig in bitterem Selbstmitleid, weil ich Jesu dieses Jahr nicht auf dem Roadburn Festival sehen kann...

2012-01-02

2012 - the complete fireworks

grglprfrz
Moin 2012! Dorffeuerwerk, das letzte
hmmdndpmpnt
rural fireworks simulation ;)

Was das Dorf halt so hergibt. ;)

2012-01-01

52 Wochen | 52 | fin


Na also, endlich ist dieses Trauerspiel vorbei! So viele auf den letzten Drücker rausgequetschte Notbilder. wer hätte gedacht, dass ein läppisches Digitalfoto pro Woche so kompliziert sein kann? Gerade, wo es mit dem 365-Tage-Projekt damals ja ganz gut geklappt hat. Dieses Jahr gibt's weder das eine noch das andere, stattdessen hoffentlich im monatsschnitt mal wieder ein bisschen mehr reguläre Fotografie.

Moin 2012!

2011-12-31

Tonträger 2011, Teil 4 : Das Denkmal für die Ewigkeit (QUEEN)

Als hätte ich mir in letzter Zeit nicht schon genug neue und alte CDs zugelegt, von denen ich bestimmt die Hälfte noch nicht so intensiv gehört habe, wie sie es eigentlich verdiente hätte, kam nun auf den letzten Drücker noch meine persönliche vierte aus der 2011er Queen Remaster Serie (allgemeine Ausführungen siehe Review zun "Queen I") hinzu. Chronologisch wäre eigentlich das Superlativalbum "A Night At The Opera" dran gewesen, aber mir war dann doch nach persönlich weniger vertrautem Terrain...


QUEEN -Innuendo (2011 Remaster Deluxe Edition) (1991)

Als "Innuendo" erschien, war es für den gerade Heavy, Thrash und Death Metal bis Grindcore und andere extreme Musikstile entdeckenden Vierzehnjährigen, der nun unfassbare zwanzig Jahre später diese Zeilen schreibt, eine ziemliche Enttäuschung.

In der Musikpresse war die illusionäre Hoffnung auf eine zweite Opernnacht geschürt worden, der auch ein überragendes Spitzenalbum kaum gerecht werden konnte.
In der Rückschau muss ich allerdings einräumen, dass sich Queen auf dem letzten zu Freddie Mercurys Lebzeiten veröffentlichten Album diesem Anspruch schon erstaunlich weit angenähert haben. Nein, mit Heterogenität und Pathos wurde hier wahrlich nicht gekleckert.

Doch damals hat bei mir eigentlich nur der bombastische Titelsong mit seinem irrwitzigen Flamenco-Mittelteil gezündet, so dass ich mich auch mit der Single begnügt habe. Schon mit der Produktion des restlichen Albums, die sich so gar nicht festlegen mochte, ob sie Rock oder Pop sein wollte, waren meine pupertierenden Ohren wohl schon überfordert. Und auch inhaltlich lag da etwas schwer fassbares in vielen Songs, das nicht unbedingt meiner Erwartungshaltung an ein Rockalbum entsprach.

Heute wissen wir natürlich alle um den Hintergrund, vor dem dieses Album entstanden ist. Und dieses Wissen macht eine differenzierte Beurteilung von "Innuendo" im Grunde unmöglich, da es doch bei jedem Hören mitschwingt. Wer sich todkrank immer wieder aufrafft, um im Studio einige der größten Gesangsleistungen seiner Karriere abzurufen ("Don't Try So Hard"), der darf es - als Sänger von Queen sowieso! -  mit dem Kitsch auch mal einen Schritt zu weit treiben oder ein albernes Liedchen über seine Lieblingskatze ("Delilah") singen.
Auch kann man sich ja gar nicht dagegen wären, jede Textzeile auf möglichen Bezug zu Mercurys Lebenssituation zu analysieren, auch wenn ein solcher oft vermutlich gar nicht gegeben ist.
Wer weiß - vielleicht wäre vieles mit einem kerngesunden Sänger gar nicht so anders ausgefallen. So gab es einen beinahe klassischen Gospel ("All God's People") ja schließlich auch schon mit "Jesus" auf der allerersten Veröffentlichung der Königlichen.

Wie auch immer es darum bestellt sein mag, "Innuendo" ist selbstverständlich das große Denkmal des Freddie Mercury, mit dem er theatralisch und gleichzeitig künstlerisch wertvoll wie kein Rockstar vor oder nach ihm seinen eigenen Abgang orchestriert hat. Wie kann man dieses Album hören, ohne spätestens im Finale der abschließenden Hymne "The Show Must Go On" eine Gänsehaut zu bekommen?

Anderseits - und das ist der Punkt, der mich nun nach dem neuem Kennenlernen sehr positiv überrascht hat - ist "Innuendo" auch ein wirkliches Gemeinschaftswerk einer Rockband, zu der jedes Mitglied einen enormen kreativen und spielerischen Anteil beigesteuert hat. Auch wenn bei einem so breiten stilistischen Spektrum zwangsweise nicht jeder Song auf gleicher Höhe begeistern kann, so sind doch sämtliche Stücke überreich an Ideen, Details und dem spürbaren unbedingten Willen, noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen.

Der remasterte Sound transferiert "Innuendo" klanglich perfekt in die Zeit der zu spät Geborenen oder damals ignoranten Teenager. Mich haut dieses Werk gerade richtig um - so groß hatte ich es wahrlich nicht in Erinnerung. Eine sehr schöne Nach-Weihnachts-Überraschung!


Geschmälert wird der Eindruck erwartungsgemäß durch die magere Bonus-CD. Wobei alle Stücke darauf durchaus hörbar sind und ihre Berechtigung haben. Aber wenn es gerade aus dieser Schaffensphase doch laut Wikipedia noch so viele unveröffentlichte Songs geben soll, wären diese dann nicht relevanter als die Pilotgesangsversionen von "Ride The Wild Wind" und "Headlong" bzw. die alternativen Varianten von "I Can't Live With You" und "I'm Going Slightly Mad"?


Immerhin ist mit Brian Mays Blues "Lost Opportunity" auch eine nicht schon vom Album bekannte Komposition vertreten. Trotzdem hat man wieder einmal das Gefühl, dass das exklusivste Bonusmaterial möglicherweise für eine dieser superteuren Sammlerboxen, wie sie bei vielen Bands bzw. Plattenfirmen aktuell in Mode sind, aufgespart wird.

Schade eigentlich. Folglich kann man bei "Innuendo", ähnlich wie bei "Sheer Heart Attack", auch gepflegt zum günstigeren Füßgänger-Remaster statt zur Deluxe-Version greifen, ohne dass einem etwas essentielles entgeht.

Das Album selbst jedoch würde ich aber auf keinen Fall noch einmal zwanzig Jahre lang verpassen wollen. Wir haben viel nachzuholen, wir beide!


Anspieltipps: Innuendo, The Show Must Go On, Don't Try So Hard, I'm Going Slightly Mad

2011-12-29

Tonträger 2011, Teil 3 : Battle of Redheads (BJÖRK, TORI AMOS)

Ein Review-Doppelpack mit Tori Amos und Björk - nein, originell ist das nicht, ich weiß. Aber hey - auch wenn musikalisch eigentlich nur wenige Berührungspunkte existieren, so gibt es doch durchaus gute Gründe dafür!

Erstens sind die Alben der beiden Damen im September und Oktober zeitnah zueinander erschienen, zweitens sind es die einzigen 2011 erschienenen Alben von Sängerinnen, die ich mir zugelegt habe - und drittens hat Björk es mit ihrem Rothaarperückenlook doch ganz klar auf einen Catfight abgesehen! ;)

Natürlich gibt es zwischen den beiden noch weitere Gemeinsamkeiten jenseits der Tatsache, dass es sich brilliante Sängerinnen und Songschreiberinnen handelt, die nun schon seit Jahrzehnten beweisen, dass sie wirklich schlecht vermutlich gar nicht können.
Beide neigen jedoch auch leicht zur Überkonzeptionalisierung ihrer Werke, was einem im Vorfeld manchmal ein bisschen Sorgen macht, dass die Hörbarkeit der Songs darunter leiden könnte. Meistens lässt sich der konstruierte Überbau im Endeffekt dann aber wahrnehmen oder ignorieren, wie man gerade möchte und es bleiben einfach eine Menge toller Songs, wobei man sich bei Björk bei ca. einem Viertel der Stücke etwas mehr rhythmische Catchiness wünscht, während Frau Amos oft derart viele Songs auf einen Tonträger packt, dass eine Handvoll beinahe zwangsläufig kompositorisch abfallen muss und beim Hören dann stets geskippt wird. Nicht weil die Lieder schlecht wären, sondern weil die restlichen zwanzig Stück halt ein eine noch höhere Klasse besitzen.

Am hohen Songausstoß liegt es dann auch, dass ich als Fan bei Tori Amos eigentlich immer ein, zwei Jahre hinter dem aktuellsten Schaffen zurückliege, weil ich das jeweilige Vorgängeralbum noch gar nicht ganz "ausgehört" habe. (Dass ich die "Night Of Hunters" bereits besitze, ist allein dem amazon-Adventskalender zuzuschreiben.)
Zudem werden die Cover und Promobilder leider auch immer weniger zum Kaufanreiz, weil das gebotoxte (?) Püppchen darauf leider seit ein paar Jahren nur noch bedingt mit jener Person zu tun hat, die dann glücklicherweise doch noch zu hören ist. Schon traurig zu sehen, wie eine der einst heißesten Künstlerinnen des Erdballs nicht mit der Tatsache klarkommt, dass ab einem bestimmten Alter nunmal Falten auftreten können. Hätte ihr doch nur mal jemand gesagt, dass das gar nicht schlimm ist...

In punkto würdevolles Altern liegt Björk also klar vorne.

Dafür hat die Isländerin andere Wege, einem Angst zu machen, doch dazu jetzt mehr in der Albumkritik, die an Umfang wohl kaum mit dieser Einleitung wird mithalten können. ;)


BJÖRK - Biophilia (2011)

Kleine Teaser und Appetithäppchen sind ja meistens eine feine Sache, aber - auch wenn ich mich dem als facebook-Follower ja freiwillig aussetze - was von Björk im Vorfeld dieses Albums kam, hat oft einfach nur genervt und eher mein Desinteresse geschürt.
Multimediageschwafel, immer wieder Apps... auch wenn Steve Jobs ja nun heilig ist - i mich am Arsch, ich will doch einfach nur neue Musik von Björk hören!

Man ist ja schon fast dankbar, dass "Biophilia" dann tatsächlich auch als herkömmliche CD zum ganz normalen passiven Anhören erschienen ist. Und es ist dann doch ein zwar teilweise etwas düsteres, aber insgesamt doch ziemlich normales Björk-Album geworden, mit Songs die auch auf "Homogenic" oder "Volta" gepasst hätten. Zwar gibt es ein Soundkonzept mit reduzierten Elektropassagen, viel düsterem Brummen, spannenden, harmonisch grenzwertigen Chören und sporadisch herausexplodierenden Beats, doch so zwingend wie auf dem Schnee-Album "Vespertine" oder dem Acapella-Werk "Medúlla" kommt es nicht daher.
Dass hier für einzelne Songs spezielle Instrumente erfunden worden sind, drängt sich durch den reinen Höreindruck auch nicht auf, das muss man schon wissen.

Alle externen Informationen außen vor lassend, bleibt am Ende ein solides, also 95% Prozent der modernen Popmusik locker einkassierendes Björk-Album, welches ich jedem Fan weiterempfehlen würde, auch wenn der ganz große Funke früherer Tage nicht überspringen mag.

Kurz vor und nach "Biophilia" habe ich mir dieses Jahr die Live-Serie zu den ersten vier Alben "Debut", "Post", "Homogenic" und "Vespertine" gekauft - und häufiger gehört. Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich mir mal wieder ein ganz und gar organisches Björk-Album mit klassisch echten, traditionellen Instrumenten wünschen. Ob nun mehr in Richtung Rock, Pop, Folk, wasauchimmer wäre mir ja egal, aber ich glaube, so ein bisschen zurück zum Konventionellen wäre durchaus mal ganz erfrischend, um nicht auf hohem Advantgarde-Niveau zu stagnieren...


Anspieltipps: Mutual Core, Nattura, Crystalline



Stagnation auf hohem Niveau ist ein Vorwurf, den man Tori Amos in den vergangenen zehn Jahren durchaus machen konnte - "Scarlet's Walk", "The Beekeeper" und "American Doll Posse" waren allesamt Spitzenalben, deren Songs man untereinander aber durchaus hätte vertauschen können. Mit dem verruchten "Abnormally Attracted to Sin" und dem Beinahe-Weihnachtsalbum "Midwinter Graces" (welches ich noch nicht beurteilen kann, da ich wie gesagt normalerweise bei Tori immer etwas hinterherhänge), haben ihre Veröffentlichungen dann zwar wieder einen stärkes albumspezifischeres musikalisches Wasserzeichen erhalten.

Doch was mit "Night Of Hunters" kommen sollte, war aufgrund dieser Tendenz sicherlich nicht zu erwarten...

TORI AMOS - Night Of Hunters (2011)

Schon die Veröffentlichung auf dem Label "Deutsche Grammophon" deutet darauf hin, dass die US-Amerikanerin sich offensichtlich von potentiell chartaffiner Popmusik losgesagt hat.

Stattdessen geht sie zurück zu den Wurzeln, was in diesem Fall nicht etwa  ihr Hit-Debütalbum "Little Earthquakes", sondern noch viel weiter zurück eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer klassischen Klavierausbildung bedeutet - und wie noch nie zuvor ihre ganze Klasse als Komponistin aufzeigt.

"Night Of Hunters" ist ein ausschließlich mit Piano, Kammerorchester und natürlich Gesang vorgetragener Liederzyklus, bei dem jedes Stück auf einer klassischen Komposition - bspw. von Schubert, Mendelssohn, Chopin oder Bach - beruht.
Das mag für Klassikbanausen, wie ich ja auch einer bin, in der Theorie zwar potentiell interessant, aber nicht zwingend spannend klingen. In der Praxis jedoch macht sich Frau Amos die Stücke so weit zu eigen, dass niemals der Eindruck einer "Popsängerin goes Klassik"-Scheibe entsteht, sondern man stets das Gefühl hat, einem hundertprozentigen Tori-Amos-Album zu lauschen, und zwar dem wohl tiefgreifendsten, wie sage ich es... mächtigsten, und auf jeden Fall einem der besten ihrer Diskographie.

Das an sich schon besondere Gesamtkonzept mal außer Acht lassend fallen neben den ungewohnt langen Instrumentalpassagen ("Seven Sisters" oder der Mittelteil des zentralen 10-Minuten-Epos "Star Whisperer") besonders die vielen Duette auf "Night Of Hunters" aus dem üblichen Rahmen.
Wenn sie in der Vergangenheit Duette gesungen hat, waren ihre Gesangspartner ja meistens kontrastierende tiefe Männerstimmen, hier jedoch singt Tori Amos bei gleich vier Stücken gemeinsam mit ihrer wie ihr kindliches Spiegelbild klingenden, elfjährigen Tochter. Dass hier großes Gesangstalent weitervererbt wurde, ist unverkennbar. "Job's Coffin" trägt Natashya Hawley sogar fast im Alleingang. Diesen Namen in sieben, acht Jahren auf einem Soloalbum wiederzufinden wäre sicherlich keine allzugroße Überraschung.

Eine weitere gelungene Gesangspaarung gibt es im Titelsong, wo Tori Amos auf die anscheinend im klassischen Gesang geübte, aber ebenfalls klangfarblich ähnliche Stimme ihrer Nichte Kelsey Dobyns trifft.


Auch wenn mit dem etwas zu langen "Battle Of Trees" und dem nicht ganz so starken Hauptthema von "Your Ghost" noch kleine Ansätze für Negativkritik vorhanden sind; "Night Of Hunters" ist - auch ohne Pauke - ein kreativer Paukenschlag von Tori Amos und für mich ganz klar eines der absoluten Top-Alben 2011!

Anspieltipps: Star Whisperer, Snowblind, Nautical Twilight, Night Of Hunters


Und was den im Titel ausgerufenen Kampf der Rotschöpfe angeht - sorry Björk, aber mit noch so viel Apple und löblicher Anstrengung ist gegen Toris geballte Kreativmacht diesmal einfach unmöglich zu gewinnen!

2011-12-25

52 Wochen | 51 | osterhasi


Es war so kalt, dass meine Nichte gleich alle neuen Klamotten auf einmal anprobieren musste. ;)

Tonträger 2011, Teil 2: Amboss auf Amboss (ANVIL)

 ANVIL - Monument Of Metal (2011)

Nach dem - berechtigen - Hype um die hervorragende Filmdokumentation "Anvil - The Story Of Anvil" war es natürlich nur folgerichtig, den vielen dadurch neu gewonnenen Fans, zu denen auch ich mich zähle, eine Übersicht über das bisherige Schaffen in Form einer Best Of anzubieten.Wie es sich bei einer so durch und durch geerdeten Band wie Anvil gehört, hat die Band die enthaltenen Tracks selbst verlesen. Ein paar Songs der ersten drei Alben "Hard'n'Heavy", "Metal on Metal" und "Forged in Fire" wurden sogar extra neu aufgenommen. Und im Cover, welches selbstverständlich einen Amboss zeigt, sollte jeder, der den Film gesehen hat, ein gewisses Gemälde von Schlagzeuger Robb Reiner wiedererkennen. Und zum Glück ist es nicht jenes, welches im Treppenflur zur Toilette hängt. *g*

Musikalisch gibt es hier ausschließlich - na klar! - Heavy Metal. Diesen könnte man noch weiter spezifizieren finden sich bei Anvil ja zahlreiche Spielarten wie Power Metal, Hard Rock, Doom, Thrash etc. wieder, aber bei einer Band, die länger da ist als die meisten anderen und einfach nur konsequent ihr Ding macht, sind solche akademischen Spitzfindigkeiten im Grunde müßig. Anvil rocken!
Das muss man wissen - und wer es noch nicht tut, der kann sich auf "Monument Of Metal" hervorragend informieren.

Anspieltipps: Plenty Of Power, Park That Truck, Metal On Metal, Thumb Hang



Reicht die Musikkasse aber nur für einen Tonträger, so gibt es allerdings tatsächlich einen noch besseren Einstieg in die Welt des Ambosses:

ANVIL - Juggernaut Of Justice (2011)

Was schon auf "This Is Thirteen" versucht, aber noch nicht hundertprozentig umgesetzt wurde, nämlich ein absolut frisches und endlich mal auch voll auf der Höhe der Zeit produziertes Anvil-Album aufzunehmen, ist mit dem vierzehnten Studioalbum, der Gewalt der Gerechtigkeit, nun vollends gelungen.

So wurden zwei lange mitgeschleppte Schwächen abgestellt: Lips, als Gitarrensau über alle Zweifel erhaben, ist nun einmal nicht der größte aller Metal-Tenöre und versucht sich auf diesem Album nicht mehr an Bereichen, die ihn stimmlich überfordern und kann so durchgehend überzeugen.


Power-Drummer Robb Reiner verhält sich songdienlicher als bei vielen älteren Songs, indem er das Tier auch mal ein paar Takte lang zurückhält und dann umso effektiver von der Kette lässt, so z.B. beim mit Bläsersätzen (!) überraschenden Instrumental-Show-Off "Swing Thing".

Auch ansonsten zeigen die Kanadier vom black-sabbathesken "Paranormal" über unwiderstehliche Groovestampfer wie "New Orleans Voo Doo" bis zu schnellen Krachern wie "Running" oder "When Hell Breaks Loose" die ganze Palette ihres Könnens. Schwachstellen habe ich auf diesem Album noch keine ausmachen können. Auch die Bonus-Tracks der Special Edition hauen rein und runden das Album perfekt ab.

Dazu gibt's noch noch eines der großkotzigsten und somit besten Anvil-Coverartworks aller Zeiten.
Es ist doch schön zu sehen, wie sich die alten Herren bei aller leidenschaft für ihre Musik nach wie vor niemals zu ernst nehmen. Allein wer das Konzept, auf jedem Titel seiner Band "Amboss" einen Amboss zu zeigen und stets das Schema "Stabreim auf Stabreim" anzuwenden, über so lange Zeit so gnadenlos durchzieht, der kann doch nur ein guter Mensch sein.

In der Kategorie prog-freier Metal ist "Juggernaut of Justice" für mich das Nummer-Eins-Album dieses Jahres.

Und aufgemerkt: Ich habe in zwei Rezensionen nicht einmal das Wort "Spinal Tap" benutzt! ;)

Anspieltipps: New Orleans Voo Doo, Swing Thing, Paranormal, Fuken Eh!

2011-12-23

Tonträger 2011, Teil 1 : A Sympathetic Attack Of The Divine Queen


In bester, 2010 begründeter Tradition, möchte ich zum Jahreswechsel auch 2011 wieder einen Blick bzw. ein Ohr auf die in den vergangenen zwölf Monaten erschienenen CDs und Musik-DVDs in meiner Sammlung werfen.

Da es ein paar mehr sind als letztes Jahr und ich manchen Scheiben auch noch gar nicht die eigentlich gebührende Aufmerksamkeit schenken konnte, fallen die Kritiken voraussichtlich etwas kürzer aus als letztes Mal.

Ganz kurz wird es auf jedem Fall in diesem ersten Teil, da ich hier nur noch einmal die Tonträger aufzählen möchte, zu denen ich bereits eine Rezension geschrieben habe.

Das Progmetal-Doppelpack - zeitgleich erschienen und auf Augenhöhe irgendwo über den Wolken:




Nicht 100%ig neu, aber nach wie vor relevant - die ersten drei Alben der königlichen Remaster-Serie:






Das wohl kontroverseste Todesbleigeschütz des Jahres:



6 down, 12 to go... Demnächst geht es an dieser Stelle dann weiter mit A wie "Amboss".

ARCH / MATHEOS - Sympathetic Resonance

"Review demnächst" habe ich vor ein paar Monaten in meiner Kritik der aktuellen Dream Theater-Scheibe geschrieben. Ähem, naja... Es gab dann halt viel Arbeit und wenig Zeit für diese Seite. Dabei habe ich die ersten beiden Absätze doch schon seit Ewigkeiten als Entwurf hier schlummern...

Bitte beachten: Die folgende Plattenkritik wurde in Unkenntnis jeglichen früheren gemeinsamen Schaffens der Beteiligten verfasst. Oder anders gesagt: Obwohl ich Fates Warning mal in Wacken bestaunt und für interessant befunden habe, kenne ich die Band nicht wirklich. 1993 ist ja nun auch schon eine Weile her. Aber immerhin meine ich mich noch erinnern zu können, von wo aus auf dem damaligen Festivalgelände ich mir die Progmetaller angeschaut habe. Das ist ja auch schon was wert.

Fans müssen mir also nachsehen, dass ich trotz der Tatsache, dass dieses Projekt ausschließlich aus aktuellen und ehemaligen Fates Warning-Mitgliedern besteht, keine entsprechenden Vergleiche ziehen kann.

ARCH / MATHEOS - Sympathetic Resonance (2011)

Dass das Projekt nicht unter dem Namen Fates Warning firmiert, sondern als Kooperation von Sänger John Arch und Gitarrist Jim Matheos präsentiert wird, scheint mir "Unwissenden" aber schon aus musikalischer Sicht sehr folgerichtig, denn es sind auch musikalisch vor allem diese beiden Pole, die das gesamte Geschehen auf dem Album bestimmen.

Auf der einen Seite ist da ein nicht enden wollendes Arsenal an Power-Riffs, die einen in allen bekannten Prog-Taktarten kreuz und quer durchschütteln. Zwar agiert auch das restliche Intrumentarium auf allerhöchstem Niveau, doch es hält sich in sofern zurück, als dass die Gitarre stets die Richtung vorgibt, der die Rhythmussektion auch durch die aberwitzigsten Schlenker folgt.

Natürlich gibt es außer geballter Riffgewalt auch hervorragende Harmonien und brilliante Leads auf die Ohren, doch die Melodien trägt vor allem John Arch mit seiner sich oftmals in erstaunlichen Spiralen über der Musik windenden Ausnahmestimme, von der man sich tatsächlich kaum vorstellen kann, dass sie außer für zwei Songs einer EP seit über 20 Jahren nicht im Einsatz gewesen sein soll.

Arch/Matheos spielen Progmetal, der - auch wenn es wie im finalen Track "Incense And Myrrh" mal etwas balladesker klingt - in jeder Minute Metal ist. Und der vor allem ohne jeden B-Noten-Abzug so durch und durch großartig ist, dass ich mir schon beim ersten Hören sicher war, hier einem Klassiker zu lauschen, den ich auch in zehn oder zwanzig Jahren noch genauso genial finden werde. Und bisher wächst das Album auch tatsächlich immer noch bei jedem Durchlauf.

Es handelt sich hierbei also auf keinen Fall um ein reines Nischenalbum nur für Hardcore-Fans der alten Fates Warning, sondern um ein modernes zeitloses, auch ohne diesen Kontext höchst relevantes Metal-Meisterwerk, wie es nicht alle Tage in die Welt entlassen wird.
Um aber nicht ganz auf Namedropping zu verzichten, sei am Ende dieser Kritik noch "A Social Grace", das Debut von Psychotic Waltz genannt. An den Geist jenes Albums fühle ich mich beim Hören von "Sympathetic Resonance" nämlich stark erinnert.

Für ein Album des Jahres mag ich mich 2011 aufgrund vieler Spitzenveröffentlichungen zwar nicht entscheiden, aber wenn ich es müsste, dann hätten Arch/Matheos mehr als gute Chancen auf den Titel.

Anspieltipps: Incense And Myrrh, Neurotically Wired, Stained Glass Sky

2011-12-20

Cynic live im Hafenklang, Hamburg (19.12.2011)

Die Kommentare unter Youtube-Posts sind für gewöhnlich ja kein Hort überschäumender Weisheit, doch neulich las ich unter einem Video von Cynic einen äußerst gehaltvollen Satz, der in etwa lautete: "I saw them live, but I didn't make it to the end of the show, because I jizzed my pants and had to go home."

Ich konnte mich gestern zum Glück beherrschen und so den ganzen Auftritt von Paul Masvidal und co. genießen. Nur von dem auch ganz und gar nicht üblen Instrumental-Progmetal der Vorband Chimp Spanner habe ich leider nicht alles mitbekommen, da fälschlicherweise noch eine dritte Band aus Hamburg im Internet angekündigt war, die mich nicht interessierte, weshalb ich zu Beginn des Sets noch ein paar Meter weiter Richtung Fischmarkt etwas essen war.

Wie auch immer - Zu Cynic weiß ich inzwischen gar keine Superlative mehr auszupacken, weshalb ich mir jeden Versuch einer Erklärung der Band für Unwissende an dieser Stelle einfach mal spare. Genau wie 2008 in Wacken und in der Markthalle und 2009 im Logo, war der Ohrgasmus mal wieder garantiert. Als minimaler Kritikpunkt bleibt nur, dass die (instrumental über jeden Zweifel erhabene) neue Besetzung vom Stageacting her ruhig noch etwas agiler werden könnte.
Und trotz aller Kürze der Tonträger haben Cynic doch mittlerweile schon so viel Material, dass schon mehr als ein, zwei Klassiker im Set leider unberücksichtigt bleiben mussten. (z.B. kein "Textures", "Uroboric Forms" oder "Nunc Stans")

Aber das ist halt der Lauf der Zeit, dafür gab es mit den Songs der aktuellen EP "Carbon-Based Anatomy" und dem Stück "Wheels Within Weels" ja auch viel neueres gutes Zeug zu hören. Und der letztes Mal in Hamburg vermisste Überkracher "How Could I?" war diesmal wieder dabei. Was will man also mehr?
Genau, mehr geht eigentlich nicht. Da muss sich Weihnachten aber anstrengen, um einigermaßen mitzuhalten. ;)

Ich bin selig. Om.

Setlist (ohne Gewähr, da aus dem Gedächtnis):

  • Hieroglyph /  Amidst The Coals
  • Carbon-Based Anatomy
  • Evolutionary Sleeper
  • How Could I?
  • Adam's Murmur
  • Celestial Voyage
  • Elves Beam Out
  • King Of Those Who Know
  • Veil Of Maya
  • Wheels Within Wheels
  • Integral Birth (erste Strophe in der Re-Traced-Version)
  • Box Up My Bones
  • The Space For This

2011-12-18

52 Wochen | 50 | leben und tod, baby!


Heute mal das etwas andere Adventsprogramm.

2011-12-12

2011-12-05

52 Wochen | 48 | auto, baby!


Mal was mit dem Lensbaby. Und mal wieder quasi auf den letzten Drücker. ;)

2011-11-21

2011-11-14

2011-11-08

52 Wochen | 44 | produktfotografieouttake


Also, hätte ich geahnt, dass es dieses Jahr so mühsam sein würde, ein Digitalfoto pro Woche zu machen... Hätte ich nicht ein paar Onlineshop-Fotos gemacht, dann hätte ich's letzte Woche echt total verpennt.

2011-10-31

2011-10-23

52 Wochen | 42 | schon wieder ein fensterfoto


Diesmal ohne Riss, dafür mit Viech und Sonne. ;)

2011-10-17

52 Wochen | 41 | altpapier?


Hat Blogger etwas gegen meine Bilder?

Warum sonst sind alle von mir hier direkt hochgeladenen Grafiken (inkl. Header) hier unsichtbar?

Und wie man in diesem Post (nicht) sieht, ist auch von ganz frisch hochgeladenen Bildern nichts zu sehen. :(

Ich warte erst einmal eine Weile ab, ob sich da demnächst noch etwas tut. Ansonsten bin ich wohl gezwungen, alle Bilder soweit möglich auf meiner Festplatte ausfindig zu machen, auf eigenem webspace hochzuladen und dann in vielen vielen Einträgen hier die Bild-URLs zu ändern.

Das mache ich natürlich gerne. Vielen Dank, hab ja sonst nichts zu tun! ;)


Edit: Aaaaaaah, Bilder sind wieder da! :-)

2011-10-16

Öhm...

Was ist denn hier mit dem Server los?

Ich habe weder Lust noch Zeit, hier alle meine Grafikdateien zu erneuern. :(

2011-10-10

52 Wochen | 40 | hirnriss

Nein, so schlimm ist es noch nicht. Aber es ist schon eine  Menge Arbeit zu tun im Moment... Und der Glaser kommt hoffentlich auch bald wieder. ;)

2011-09-26

52 Wochen | 38 | dennis moore


If you don't get the title, please search for it on YouTube! ;)

2011-09-18

52 Wochen | 37 | gelb


anspruchsloser Blümchenknips ;)

2011-09-15

DREAM THEATER - A Dramatic Turn Of Events

Nach der Rückkehrscheibe von Morbid Angel bespreche ich hier nun ein weiteres gespannt erwartetes Album, auf dem ein vorher für viele Fans als unersetzlich geltender Schlagzeuger nicht mehr mit von der Partie ist.

Hier handelt es sich jedoch im Gegensatz zu den Death-Metallern nicht um eine gesundheitsbedingte Langzeitpause, sondern um einen freiwilligen (und dann zu spät doch wieder bereuten) Ausstieg, da dem Rest der Band nicht nach einer mehrjährigen Kreativ-/Midlife-Crisis-Pause war.

Ich habe ja dummerweise in meinem letzten Transatlatic-Review angedroht, an dieser Stelle noch meinen Senf zu dem ganzen Portnoy/Dream Theater-Hickhack zu geben, aber eigentlich möchte ich doch lieber über die neue Musik schreiben. Also möglichst über die Musik von beiden Seiten...

Was die Musik angeht, war ich nämlich schon unmittelbar nach der Überraschung über die Trennung guter Hoffnung. Denn zum einen sollte Mike Portnoy ja nun mehr Luft für neue Glanztaten mit Transatlantic haben (aber mal sehen, der Mann macht ja momentan neben dem Testosterone...äh sorry... Adrenaline Mob jeden Monat eine neue Projektbaustelle auf), und zum anderen war einer meiner Kritikpunkte am letzten Album "Black Clouds & Silver Linings" ja, dass darauf teilweise etwas zu viel Mike Portnoy stattfand. Stattdessen hätte ich mir eher mehr kreative Anteile von Sänger James LaBrie und einen auch im Mix prominenteren Bass von John Myung gewünscht.

Dafür war der Weg ja nun frei. Und da so eine Zäsur erfahrungsgemäß idealerweise zu einem neuem Wir-Gefühl führt, standen die Chancen für das frischeste Dream Theater-Werk seit vielen Jahren eigentlich sehr gut.

Und ich muss zu meiner Freude feststellen, dass diese Chancen in jeder Beziehung genutzt wurden!


DREAM THEATER - A Dramatic Turn Of Events (2011)

Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: So richtig scheiße ist an diesem Album eigentlich nur, dass man in der Zeit, in der es läuft, nicht auch die zeitgleich erschienene Scheibe von Arch / Matheos (Review demnächst!) hören kann.

Ansonsten haben wir es hier mit einem großartigen Dream Theater-Album ohne Ausfälle zu tun, welches den goldenen Mittelweg zwischen der Progrock- ("Falling Into Infinity", "Octavarium") und der Metal-Seite ("Train Of Thought", "Systematic Chaos") der Band auf so ausbalancierte und fließende Weise findet, dass es sich in seiner Perfektion direkt neben den ganz großen All-Time-Klassikern "Scenes From A Memory" (1999) und "Images And Words" (1992) einreiht. Und auch unter jenen, die mit all diesen Albumtiteln noch nichts anfangen können, dürften die New Yorker sicher wieder neue Hörer gewinnen.

Die Mannschaft in der Einzelkritik:
  • James LaBrie hat mich in der Vergangenheit zwar auf keinem Studioalbum enttäuscht, dennoch merkt man ihm deutlich an, dass er nach langer Zeit endlich mal wieder hundertprozentig so singen durfte, wie er es für richtig hält, ohne sich dabei der Laune der Woche eines Bandchefs unterzuordnen. Und ob bei den zahlreichen großen Hooks, den gefühlvollen Stücken wie "Far From Heaven" oder den seltenen, aber dafür umso effektiveren aggressiven Momenten ("Build me Up, Break me Down") - das Ergebnis ist brilliant. Für viele Portnoy-Kritiker sicherlich auch wichtig: LaBrie singt alleine!

  • John Petrucci gibt sich sehr songdienlich und hat sich beim Drahtsaitenakt zwischen Vorsprung durch Technik und dem Spiel mit Seele ganz deutlich zu letzterem bekannt. Nach vielen großenteils rifforientierten Werken spielt er hier sein Gespür für Melodien und Harmonien mal wieder auf kompletter Albumlänge (= 77 Minuten) voll aus. Und was für ein Solo in "Breaking All Illusions"!

  • Jordan Ruddess zeigt sich freier und vielfältiger denn je. Die Zeiten, in denen er im Unisonospiel mit der Gitarre oftmals etwas unterging, sind definitiv vorbei. Auf "A Dramatic Turn Of Events" spielt er durchgehend eine prominente, aber stets songdienliche Rolle. Neben vielen mehr als zuvor an Kevin Moore erinnernden Flächensounds ist es vor allem das sehr geschmackvolle Piano, welches sich sowohl passagenweise in den epischeren Songs als auch tragend in den Balladen wie ein roter Faden durch das Album zieht und es in meinen Ohren sogar zusammenhält.
    Daneben bleibt er aber der Klanghexer, der mit Trip-Hop-Beats, blockbusterreifen Düsterchorsounds oder auch mal einem verspielten Analogsolo ("Beneath The Surface") immer wieder für überraschende Farbtupfer sorgt.
     
  • John Myung - ist zu hören! Wirklich! Auf dem kompletten Album! Und wie aus Dankbarkeit darüber, im Mix nicht wie so oft in schlechtester Metallica-Tradition von Drums und Gitarre untergebuttert zu werden, bringt sich der Ausnahmebassist nach sehr langer Zeit auch wieder songwriterisch stärker ein. Zum Glück, denn Myung-Songs haben unter Fans nicht umsonst einen ganz besonderen Nimbus.

  • Mike Mangini - der neue Mike. Mit seinem enthusiastischen und sympathischen Auftreten beim Superdrummercasting, welches als DVD-Doku "The Spirit Carries On" der CD beiliegt, aber auch schon vorher im Internet veröffentlicht wurde, konnte der ehemalige Extreme- / Steve Vai- / Annihilator- / und auch James LaBrie-Drummer nicht nur die Band, sondern auch mich als Fan voll überzeugen. Der Mann ist einfach ein Tier hinter dem Kit! Ich kann's gar nicht erwarten, ihn mir auf der Tour nächstes Jahr live anzusehen.

    Auf dem Album fällt er beim ersten Durchlauf gar nicht besonders auf, oder besser gesagt: Es fällt nicht im geringsten negativ auf, dass Mike Portnoy fehlt!
    Ein paar stilistische Unterschiede sind beim genaueren Hinhören aber schon auszumachen. So scheint Mangini sowohl in den straighteren als auch in den total abgefahrenen Frickeltherapieparts noch um Nuancen dichter am restlichen Instrumentarium dran zu sitzen, was zum Teil sicher an seinem extrem notenbewussten Beckenspiel liegen mag. Und ich wage sogar zu behaupten, dass er inspirierter klingt als sein bei aller Genialität doch oft voraussehbarer Vorgänger. Kurzum: Einen besseren Nachfolger hätte es für diese großen Fußstapfen wohl nicht geben können. Ausnahmedrummer ersetzt Ausnahmedrummer.

    Wenn man bedenkt, dass die Band diesmal ganz bewusst zu viert komponiert hat, Mike Mangini also im Songwriting noch gar nicht beteiligt gewesen ist, kann man jetzt schon gespannt sein, was er beim nächsten Album als vollwertiges Mitglied beizusteuern hat.

Doch zunächst einmal heißt es, sich am aktuellen Album die Ohren wund zu hören. An einem der ohrwurmhaltigsten und spielfreudigsten Alben der Dream Theater-Geschichte, bei dem auch endlich mein Ruf nach weniger Gefrickel um des Gefrickels Willens gehört wurde. Das heißt aber ganz und gar nicht, dass auf vollkommen vom anderen Musikstern kommende Angeberkapriolen verzichtet wurde! Nur werden diese nicht mehr so austauschbar heruntergerifft wie teilweise auf den letzten Werken, sondern fügen sich allesamt wieder richtig schön ins große Ganze ein. Als kurze Formel könnte man sagen: Weniger Beliebigkeit, mehr Verstand. Weniger Routine, mehr Spielspaß.

Ebenso wie das Gefrickel bei Dream Theater manchmal leicht überdosiert ist der Kitsch. Auf diesem Album finden sie aber immer das richtige Maß, bzw. auch wenn es mal etwas kitschiger als nötig wird, gehören sie halt zu den wenigen Bands, die das dürfen, weil sie's können. Es gibt ja gerade im Metal viele Gruppen, die dadurch unhörbar werden...

Die Texte sind ok, es gab schon bessere, gab schon schlechtere. Mann sollte nur nicht in Interviews fragen, was sie bedeuten, das ist leider z.T. etwas ernüchternd. Aber zum Glück ist man als Nichtmuttersprachler in der Hinsicht ja nicht so sensibel.

Auf die Songs im Einzelnen möchte ich hier gar nicht weiter eingehen. Die sind nämlich alle klasse und könnten eigentlich jeder für sich als Anspieltipp genannt werden.

Nein, ich belasse es jetzt mal dabei, noch eine Lanze für das vielgescholtene Albumcover zu brechen; ich fand es in seiner in bester Prog-Tradition leicht naiven Verkopftheit von Anfang an geil! Und im Zusammenhang mit der aufwendigen restlichen Gestaltung, in der u.a. sich der Einradfahrer noch anderen Situationen stellt, muss ich sagen, dass "A Dramatic Turn Of Events" zusammen mit dem Vorgängeralbum und "Octavarium" auch optisch zu den Highlights der Band zu zählen ist.


Ganz ganz großes Kino mit Potential zum Album des Jahres!


Anspieltipps: Lost Not Forgotten, Breaking All Illusions, Bridges In The Sky, On The Backs Of Angels

2011-09-11

52 Wochen | 36 | reisefotografie


Rastpatz irgendwo zwischen Tostedt und Hamburg ;)

2011-09-10

MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus

Damals, die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht... Einige Jahre ist es ja nun auch schon her, dass der wohl charismatischste Death-Metal-Sänger und -Bassist unseres Höllenkreises, David Vincent, zu den legendären Morbid Angel zurückgekehrt ist. So lange tatsächlich, dass mir die Phase ohne ihn - trotz Spitzenalben wie "Formulas Fatal To The Flesh" und "Gasteways To Annhilation" - kaum noch im Gedächtnis geblieben ist. (Ich muss aber auch zugeben, dass ich die wirklich lange nicht mehr gehört habe.)

Man hat sich also sehr lange Zeit gelassen, ehe endlich ein neues Studioalbum anvisiert wurde, begleitet von jeder Menge schwarzmalerischem Blabbermouth-Buhei, als bekannt wurde, dass Pete Sandoval wegen schwerer Rückenprobleme im Studio und auch für die Touraktivitäten danach nicht zur Verfügung stehen würde. Morbid Angel ohne die genialen, ganz eigenen Blasts und (Nicht-)Grooves Sandovals? Für viele Fans schwer vorstellbar und auch für mich ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke.

Dennoch waren mein Vertrauen und meine Vorfreude ungebrochen groß.

Zu Recht?

MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus (2011)

Wenig überraschend macht "Illud Divinum Insanus" ziemlich genau dort weiter, wo "Domination" (das letzte Studioalbum mit Mr. Vincent, wie ihn das Booklet heute nennt) 1995 aufhörte. Es gibt also großenteils den klassischen Morbid-Angel-Death-Metal-Sound in klarer, druckvoller Produktion, mit sehr kraftvollen, deutlich artikulieren Grunts, den einmalig bösen Riffs und kranken Soli, an denen die Band sofort zu erkennen ist, alles angereichert mit einigen experimentelleren Klängen und Ideen.

Und das Schlagzeug? An manchen Stellen fehlen im Hochgeschwindigkeitsbereich schon die ganz typischen, gewohnten Snare-Akzente, aber eine enorme Kompetenz in seinem Fach ist Ersatztrommler Tim Yeung, der dafür mit ausgesprochen nähmaschineninspirierter Doublebase zu bestechen weiß, weiß der Teufel nicht abzusprechen.

Aber war da nicht noch etwas? Klar. Denn hätte die Scheibe nur typische Songs der Marke "Nevermore", "Blades For Baal" oder "Existo Vulgoré" zu bieten, hätte sie unter den Fans wohl kaum eine große Kontroverse entfacht.

Nein, das Ausmaß, in dem Morbid Angel im guten alten Industrial(-Metal) der Achtziger und frühen Neunziger wildern, und vor allem die Tatsache, dass Chefsaitenhexer Trey Azagthoth offenbar weit von seinem Mystikerthron hinabgestiegen ist und sich nicht scheut, seine Virtuosität auch mal von aus dem Thunderdome ausgebrochenen Beats niederbügeln zu lassen, ist vielen Hörern dann wohl doch zu wild.

Ich persönlich war gleich von Beginn an entzückt, als mich das Intro "Omni Potens" an die "Nova Akropola"-Phase von Laibach erinnerte. Beim dann folgenden, eigentlichen Opener "Too Extreme!" könnte ich dann gar nicht anders, als freudig zu grinsen. Eine derart manische, auch noch überlange Stumpfsinnsorgie gleich am Anfang - das ist mutig. Und macht Laune.

An "Destructos Vs. The Earth" stört mich nur ein wenig das max-cavaleraeske "March!"-Gebrülle, auch wenn es dem Thema und Rhythmus des Songs eigentlich angemessen ist. Das kleine Song-Anhängsel "Attack" entpuppt sich dann aber als die Blast-Spitzenleistung des Albums.

Die absolute Spitzenleistung heben sich die Floridianer aber bis ganz zum Schluss auf. In "Profundis - Mea Culpa" verschmelzen anspruchsvoller Hochgeschwindigkeits-Death-Metal, mich in ihrer Phrasierung an den frühen, noch slowenisch brüllenden Milan Fras erinnernde Beschwörungen und ein hirnkranker Schuss Kirmestechno zur Quintessenz des ganzen Albums. Mein Favorit!

Auch bei mir haben aber ein paar Stücke nicht sofort funktioniert, nämlich zunächst einmal "I Am Morbid", welches wohl die größtmögliche Annährung Morbid Angels an eine Manowar-Selbstbeweihräucherungshymne darstellt und mich vor allem wegen der Einbeziehung des Live-Publikum-Chors irritierte. Sowas wirkt fast immer aufgesetzt und darf seit der ironischen Brechung in "Silence Is Sexy" von den Einstürzenden Neubauten ja eigentlich gar nicht mehr gemacht werden. Bei der Darbietung in Wacken habe ich das Lied dann aber lieb gewonnen.

Bleibt als problematischstes Stück die andere Selbstbeweihräucherungshymne "Radikult", die textlich dann doch weit in satirische Sphären vorstösst (nicht, dass das im Metal Seltenheitswert hätte...) und musikalisch eher ein Genitorturers- als ein Morbid-Angel-Werk zu sein scheint, zumindest bis das wirklich geile Gitarrensolo kommt. Und das Outro kommt auch gut. Wobei, so wirklich schlecht ist das Lied im Grunde auch nicht. Ok, der Text schon.


Alles in allem gibt es unterm Strich wirklich wenig zu meckern an "Illud Divinum Insanus".
Kein Jahrhundertwerk, was für zukünftige Veröffentlichungen (das Alphabet ist hinter "i" ja noch lang) Luft nach oben lässt, aber eine sehr geile Scheibe allemal!


Und all jenen, denen die vier Musiker (zweiter Gitarrist ist derzeit ein Herr mit dem lustigen Namen "Destructhor") bei der Aufnahme zu viel Spaß hatten, winkt auf der Rückseite der CD noch ein grinsender Beelzebub hinterher.

Absicht?


Anspieltipps: Profundis - Mea Culpa, Blades for Baal, Beauty Meets Beast

2011-09-08

sychshyndyrtzwynzyg

Dieses Posting kommt etwas spät, aber ich hab ja neulich so lange gebraucht, bis ich endlich mal wieder genügend Filme zusammen hatte, dass sich der Versand zum Labor lohnte...

Am 20. Juni (6/20) war mal wieder Six-20-Camera-Day, an dem käuflich nicht mehr zu erwerbender 620er-Rollfilm in antike Kameras gelegt werden. Das habe ich dann auch mal wieder gemacht. Die Bilder stinken gegen die vom letzten Jahr zwar etwas ab, aber dafür gibt es auf ihnen schön viel Gestrypp, Geschylf und Gebeum. ;)


Syx-Twynty-Cymyry-Dyy

Syx-Twynty-Cymyry-Dyy

Syx-Twynty-Cymyry-Dyy

Syx-Twynty-Cymyry-Dyy

Syx-Twynty-Cymyry-Dyy