Most posts are in german, yet sometimes I switch to english.
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Interested in me reviewing your music? Please read this!

2017-02-19

#LBS 07|52 - wire donkey stable


Another short lesson in German: "Drahtesel" (wire donkey) is a colloquial term for bicycle. You're welcome!

Picture lensbabied in Quickborn.



2017-02-13

DEROHLSEN.de update

In case you didn't notice (which honestly is very likely):

It's been a year since the last update, but during the last weeks I worked a little on my little primitive photography website www.DEROHLSEN.de again.

In short there are less pages but more pictures now. And I'm planning to fill it with more galleries in the not-so-far future. It still is only meant as a brief introduction to my photographic stuff though.

Please take a look here:


2017-02-12

OTROVNA KRISTINA - Otrovna Kristina

Yep, kann sein, dass ich neulich bei Sulatron Records eingekauft habe. Um nach Sula Bassanas neuem Album, sowie der mir freundlicherweise als Promo überlassenen CD von Minami Deutsch das Triple voll zu machen, hier noch ein kompakter Shoutout zu meinem Beikauf:


OTROVNA KRISTINA - Otrovna Kristina (red vinyl) (2015)

Otrovna Kristina sind eine untypische Band fürs Labelprogramm, handelt es sich hier doch um ein Powertrio, welches nicht auf exzessiven Space-Out setzt, sondern in knackigen Dreieinhalbminütern zum Punkt kommt.

Energischer, bluesbasierter Siebziger-Hardrock (aka Protometal) mit psychedelischen Elementen wird hier geboten, also ein Feld auf dem heutzutage unzählige Acts mal mehr mal weniger gelungen wildern. Dazu gibt es das eine oder andere Ausrufezeichen wie das sexy funky Lick in "Pita" oder gegen Ende des Albums das überraschend düstere Mörderriffing in "Ljubav je bol", welches mich gar an mächtige Dröhnmusik der Marke Dark Buddha Rising erinnert. Und der Rausschmeißer "Viking" hat mindestens einen Löffel klassisch-epischen Heavy Metal gefressen.

Das ist, wie der Leser nun wahrscheinlich richtig vermutet, alles an sich nicht weltbewegend, lässt anderseits aber auch keinen großen Wunsch offen und macht sehr gute Laune.

Der Kicker, also das Alleinstellungsmerkmal, welches Otrovna Kristina eindeutig von der Masse abhebt, ist allerdings die Sprache. Kroatisch gesungene Rocksongs hört man ja sonst nicht allzu häufig. Und auch wenn ich kein Wort verstehe, kann ich mir die Musik nur widerwillig mit englischem Gesang vorstellen, passt die Sprachmeldodie hier doch einfach zu gut.



Ein kurzweiliges Album, welches ich im Gesamteindruck kaum zwischen anderen Künstlern verorten kann. Der Mittelwert aus Cream, Kin Ping Meh, Retro-Okkultrock und einer Prise Polska Radio One? Ja? Nein? Vielleicht? Keine Ahnung?

Man muss ja auch nicht alles wissen.

Aber in Otrovna Kristina reinhören, das sollte man.


Highlights: Poljubi Me U Treće Oko, Ljubav ja bol, Pita, Viking, Demon


#LBS 06|52 - eccentric duck


In Germany the Citroën 2CV is nicknamed "Ente" (duck) and has become pretty rare in the wild. This week I was lucky to spot a gorgeous specimen in its natural habitat.



SULA BASSANA - Organ Accumulator

Ein Jahr nach "Shipwrecked" beglückt uns Herr Sula Bassana schon wieder mit einem Soloalbum. Und erneut ist es kein gitarrenlastiges Werk, sondern vor allem eine retro-synthetische Huldigung alter Elektrokraut-Helden wie Tangerine Dream mit besonderem Fokus auf - Wer hätte das bei dem Albumtitel gedacht? - der Orgel.





SULA BASSANA - Organ Accumulator (red/white splatter vinyl) (2017)

Es wurden also wieder im Alleingang mit einem Haufen Vintage-Tasteninstrumenten und ebenso historischen Rhythmusmaschinen (plus noch ein wenig Saiteninstrumenten und echten Becken) eine Sammlung trippiger Jams eingespielt, in denen es kräftig bleept, zirpt, wabert, knarzt und weltraumt.

Also "Shipwrecked, Teil 2"? Während des Openers "Lichtbündel" könnte man dies glatt denken, da der Track direkt das düster verlorene Element des Vorgängeralbums aufgreift und sich darauf auch ohne Probleme eingefügt hätte.

Im weiteren Verlauf der sechs Stücke zeigt sich allerdings, das der Geist dieser Platte doch ein etwas anderer ist. Grob würde ich sagen, dass "Organ Accumulator" etwas verspielter daherkommt und den düstereren Tiefgang von "Shipwrecked" nicht immer erreichen kann, dafür aber soundtechnisch mit einem volleren, besseren Wumms ausgestattet ist.

Beiden Alben gemeinsam ist ist der Spagat zwischen ernsthafter, echter Atmosphäre, in die man sich aufsaugen lassen kann und kindlicher Naivität. Für diesen Eindruck sind auch hier vor allem die Beats verantwortlich. Alte analoge Synthies treten klanglich bekanntlich Arsch wie eh und je, darüber braucht man nicht diskutieren. Und sie haben noch keine moderne Alternative gefunden, die sie obsolet machen würde.

Diese Vintage-Elektrobeats allerdings sind an sich erstmal ein eher limitierendes Werkzeug. Angesichts der endlosen Möglichkeiten, die man mittlerweile aus dem digitalen Hut ziehen kann, bleibt da oftmals eine gewisse putzige Note. Das beste Beispiel dafür bietet vielleicht der eigenwillig unwiderstehliche Kontrast zwischen dem primitiven Taschenrechnerbeat und der fett groovenden Gitarre im Titelsong.

Und genau diese von Zeit zu Zeit leicht komische Note macht letztendlich ja auch den speziellen Charme elektronisch-experimentellen Krautrocks  aus. Daran hat sich seit Kraftwerks "Ralf & Florian" nichts wesentliches geändert.


So bleibt Sula Bassana vordergründig immer ein wenig der verschrobene, Knöpfchen drehende Hippieprofessor in seinem anachronistischen Schallwellenlabor. Doch hinter all den verwirrenden Hebeln, Röhren und Zahnrädern an Bord seiner Nautilus verbirgt sich auch bei Kapitän Nemo Bassana eine poetische Seele. Und deren Musik vermag nicht nur hypnotische Diashows an die Schädelinnenwand zu projezieren, sondern kann auch jenseits vom Kiffermusikklischee durchaus  inspirieren und berühren.



Mein persönlicher Favorit auf "Organ Accumulator" ist überraschnederweise der kürzeste Track mit dem mittelblöden Titel "Grashamster", der im Grunde klingt wie der minimalistisch interpretierte Instrumentalmix eines Archive-Songs.

Empfehlen kann ich hier aber jedes Stück - und vor allem das Album in seiner Gesamtheit. Großes addiktives Akkumulationsgeschehen!


Das Cover von Lulu Artwork, deren eher symmetrisch grafische Arbeiten mir eh am besten gefallen, und ein hübsches - und gut klingendes - Splatter-Vinyl runden den Gesamteindruck exzellent ab.



Zum Schluss jetzt noch ein kleiner Tipp für alle, die "Organ Accumulator" hören wollen, während sie sozialmedial unterwegs sind: Circa anderthalb Minuten nach Beginn des Albums schlägt nicht euer facebook-Messenger Alarm!


Highlights: Grashamster, Lichtbündel, Organ Accumulator



2017-02-05

MINAMI DEUTSCH - Minami Deutsch

Mimimi-deutsch? Die plumbtumbe, rudimentäre Sprache der "besorgten Bürger"?

Ach nein, Minami Deutsch. Die kleine weibliche Version von Joachim Deutschland! Auch nicht?

Ok, mal ein paar Songtitel checken: "Futsu Ni Ikirenai", "Übergleich, part II", "Steal Into Hartmut"...

Aha, alles klar! Japanischer Krautrock!
 


MINAMI DEUTSCH - Minami Deutsch (2017)

Das schon ein paar Jahre in verschiedenen Formen zirkulierende Debüt von Minami Deutsch wurde nun inklusive zwei Bonustracks als erster Release des neuen Jahres auf Sulatron Records wiederveröffentlicht.

Die acht überwiegend instrumentalen Jams bieten auf eingängigen Themen aufbauenden, hypnotischen Space Rock.
Die Gitarre fuzzt herrlich über einer roboterhaft disziplinierten Rhythmussektion. Oder sie flirrt und funkelt in Postrockmanier wie in "Sunrise, Sunset". Manchmal schweben aber auch dezent krautkauzige Keyboards luftig herum ("Terra Recipe"), ein anderes Mal geht es wie im zweiten Extrastück "Taitan" aber auch plötzlich unerwartet grob und ruppig zu.

Sensationell neuartig ist das alles nicht, anderseits aber auch ganz und gar nicht schlecht. Und eine durchgehend erkennbare eigene Identität haben Minami Deutsch in ihrer Performance, in Groove, Dynamik und Ton auf jeden Fall zu bieten. Was im Genre ja keine schicksalsgegebene Sellbstverständlichkeit ist.

Die Vorstellung, dass die Gruppe ihre ersten Konzerte einfach draußen auf den vollen Straßen Tokyos gespielt hat, beschert ihr einen zusätzlichen Sympathiepunkt und geht mir als Bild beim Hören auch nicht aus dem Kopf. Das passt schon auf seltsame Weise.

Psych Rock bewegt sich ja gerne auf dem hauchdünnen Grat zwischen fesselnd halluzinogener Repetition und schlichter Langeweile, und es gibt auf diesem Album durchaus ein paar Passagen, in denen mir die Japaner gezielter zum Punkt kommen könnten und vorübergehend auf der falschen Seite dieser kritischen Linie unterwegs sind, ehe sie sich wieder fangen.

Auf den spärlich eingesetzten Gesang könnte ich zudem problemlos verzichten, gerade in "Futsu Ni Ikirenai" nervt er mich sogar ein bisschen. Dass die Produktion bei den Bonustracks etwas abfällt ist geschenkt, die gibt's ja schließlich gratis obendrauf.

Das sind also die paar kleinen Baustellen. Im Verhältnis zur Gesamtspielzeit fallen sie allerdings wenig dramatisch aus.
So bleibt unterm Strich ein Album, mit dem ausgewiesene Freunde des psychedelischen Stromgitarrenfreakouts eigentlich nichts verkehrt machen können.

Und der Gelegenheitspsychonaut sollte hier zumindest mal ausgiebig reinhören.

Highlights: Vocalism Ai - Forever Takemitsu, Sunrise Sunset, Übergleich, part I

#LBS 05|52 - arches


... out in the woods ...



2017-02-04

CYNIC - Uroboric Forms - The Complete Demo Recordings

Mir blutet ja immer noch Herz darüber, dass ausgerechnet die so tiefenentspannten Proggötter Cynic sich 2015 in - heutzutage sagt man wohl us-präsidential - unwürdiger Weise unter den Augen des (a)sozialen Webs auseinanderzicken mussten.

Noch dazu hat im Dezember auch noch mit Exivious, der holländischen Metal/Jazzfusion-Instrumentalband, die zur Hälfte aus zeitweiligen Cynic-Mitgliedern bestand, das wichtigste Trostpflaster für den Verlust, seinen Dienst eingestellt.

Und nun beginnt, um das Messer in der Wunde nochmals schmerzhaft zu drehen, also mit "Uroboric Forms" die posthume kommerzielle Ausschlachtung der Band?




CYNIC - Uroboric Forms (golden LP + 7" + CD) (2017)

Nein, ich kann entwarnen! Zum einen war die Band aus Florida ja niemals der Reichtum generierende Massenmagnet, zum anderen liegt hier eine Veröffentlichung vor, die sofort als mit viel Liebe erstellt erkennbar ist - und zudem auch musikalisch eine relevante Ergänzung in der für ihre überschaubare Größe ja ohnehin schon sehr abwechslungsreiche Cynic-Sammlung darstellt.

"Uroboric Forms" beleuchtet die Anfänge der Gruppe und versammelt auf einer LP alle vier von 1988 bis 1991 aufgenommenen Demo-Tapes. Dazu gibt es noch eine 7"-Single und alle insgesamt fünfzehn Tracks beider Platten auf CD.

Eine Demo-Sammlung? Ja, ich höre das Naserümpfen laut und deutlich. Ich bin normalerweise auch nicht der Komplettist, der unbedingt wissen muss, wie seine Lieblingsbands als Teenager zum Sound ihres Debütalbums gefunden haben.

Cynic allerdings waren ja nicht gerade die typische Garagenschülerband. Die Wunderkindergruppe um Gitarrist Paul Masvidal und Drummer Sean Reinert zählte niemand geringeren als Kelly Shaefer von Atheist, sowie Death-Legende Chuck Schuldiner zu ihren Mentoren. Nachdem Masvidal mehrmals als Livegitarrist von Death eingesprungen war, spielten er und Reinert als Zwanzigjährige 1991 als Vollzeit-Death-Mitglieder den Klassiker "Human" mit ein. Auch für Paul Speckmanns Master war Masvidal zu der Zeit tätig.

Das 1993 wie ein Ufo in der damaligen Metalwelt gelandete - und bis heute immer noch genauso beeindruckende und unerreichte - Debüt "Focus" kam also nicht aus dem Nichts.

"Uroboric Forms" rollt die musikalische Vorgeschichte rückwärts auf, beginnt also mit den beiden neuesten Demos von 1991 und 1990.
Beide enthalten je drei Songs und wurden bereits von Scott Burns im Morrisound Studio produziert. Auch die Bandbesetzung entsprach schon fast dem "Focus"-Lineup mit Masvidal, Reinert und Jason Gobel. Nur statt Sean Malone war noch der spätere Atheist- und Pestilence-Bassist Tony Choy dabei.
Das letzte Demo enthielt mit "The Eagle Nature" und "Uroboric Forms" sogar schon zwei "Focus"-Songs in früheren, noch deutlich anders klingenden Versionen. Musikalisch sind die Stücke noch reiner Death-Metal der technisch und kompositorisch anspruchsvolleren Art mit fabelhaften geshreddeten Gitarrensoli, stilistisch sehr nahe an dem, was die beiden gerade parallel in Death spielten.
Es fehlten noch die Gitarrensynthesizer und die Stimmenvielfalt mit Tony Teegardens Growling, dem Geflüster und Paul Masvidals unverkennbaren New-Age-Vocoder-Vocals.
Stattdessen übernahm Masvidal noch selbst den sehr an Shaefer, Schuldiner oder gerade auf dem 1990er Demo auch an den Frontmann von  Cerebral Fix erinnernden Gurgelgesang.

Das alles hat auf beiden Demos bereits ein Niveau, welches locker einer Albumveröffentlichung würdig gewesen wäre.
Wahrscheinlich wäre die Geschichte ganz anders verlaufen, wenn der damalige Entwicklungsstand schon internationale Beachtung bekommen hätte. "Focus" war ja schließlich schon so out there und seiner Zeit voraus, dass es die Szene letztendlich überforderte, was in Folge schließlich zur Auflösung der Band führte. Vielleicht wäre das mit einem erfolgreichen, noch weitaus mehr im Death Metal verwurzelten Album davor so nicht passiert. Naja, was soll's... Hätte, wäre, würde.

Sicher ist, dass diese beiden Demos auch heute noch eine Ladung uneingeschränkt geiler Death Metal sind.


Auf der B-Seite wird es dann schon hörbar rumpeliger. Das heißt, es bleibt insgesamt schon erstaunlich gutes Zeug, welches aber noch längst nicht so professionell aufgenommen wurde. "Reflections Of A Dying World" von 1989, das einzige Tape mit Titel, zeigt Cynic noch stark von ruppigem Thrash Metal beeinflusst. Masvidals Growlingansätze sind mitunter noch niedlich, und auch da wo der Gesang in Ordnung ist, klingt er oft noch eher nach Hardcore als nach Metal, so dass man sich, gerade wenn zu viel Text untergebracht werden muss, plötzlich eher bei D.R.I. oder Tankard zu "The Morning After"-Zeiten wähnt als bei Atheist und Co.
Insgesamt noch nicht albumreif sind die vier Songs aber doch schon ordentliches Headbangerfutter voller bemerkenswerter Details. Mit den späteren Cynic haben in diesem Geknüppel nur wenige Leads oder auch das Bassspiel von Marc van Erp Ähnlichkeit.

Für das erste Demo von 1989 gilt ähnliches. Noch ohne Jason Gobel, nur mit Masvidal an der Gitarre und dem unter dem bereits hohen Restniveau bleibenden Sänger Jack Kelly ist auf der Eigenproduktion noch wenig eigener Stil rauszuhören. Spaß macht das aber auch schon alles.


Mit insgesamt dreizehn Stücken von zweieinhalb bis fünf Minuten Länge ist die Schallplatte schon ziemlich vollgepackt. Trotz ohrenscheinlich gelungenem Vinylmastering muss man die Lautstärke schon gut hochschrauben. Bei anderen Alben wäre die Musikmenge wahrscheinlich auf zwei Platten verteilt worden, doch da aus dem Rohmaterial ohnehin niemals ein audiophiles Premiumklangerlebnis gehext werden kann, ist es auf einem Tonträger gut aufgehoben.


Die zusätzliche Single "Audition" fällt eher in die Kategorie musikalisch nicht essentieller Sammlerstücke. Sie enthält, wie der Titel schon sagt, ein Audition-Tape mit den beiden späteren "Focus"-Liedern und dem irgendwo zwischen Masvidal und Teegarden liegenden (und objektiv betrachtet natürlich zu laut gemischten) Gesang von Brian Deneffe


Optisch ist die Single mit eigenem Cover eine schöne Beigabe zum ohnehin gelungenen Gesamtpaket:


Das seine volle Pracht hochkant aufgeklappte Gatefold-Cover erinnerte mich sofort an "Mundus Numen" von den deutschen Black Metallern Essenz, und tatsächlich war hier mit Manuel Tinnemans auch derselbe Künstler am Werk. Es repräsentiert sowohl im Motiv als auch den begleitenden Symbolen die vier Phasen der musikalischen Evolution, die hier dokumentiert wurden.

Ein großformatiges Booklet enthält alle Songtexte, die Original-Cover der Tapes (mit altem Bandlogo), sowie einen Liner-Notes-Text, der u.a. auf die Bedeutung von Hurricane Andrew für die Bandgeschichte eingeht.

Aus dem restlichen Design herausstechend dient die Innenseite des Gatefolds als historische Foto- und Flyerpinnwand der Zeit. 






Insgesamt eine traumhafte Aufmachung, welche kaum Wünsche offen lässt. Höchstens eine Papphülle mit Cover für die CD vielleicht noch.

Das ultimative Einstiegswerk ist diese Demo-Compilation sicher nicht, es sei denn, man kann generell von der Death-Metal-Welle der späten Achtiger bis frühen Neunziger nicht genug bekommen. Für Cynic-Fans führt aber kaum ein Weg an der Anschaffung vorbei. Zu interessant und zu gut sind diese Aufnahmen.

Fazit: Wunderbar!

Highlights: Pleading For Preservation, Cruel Gentility, Denaturilizing Leaders, Once Misguided



2017-01-30

THE DILLINGER ESCAPE PLAN live in der Markthalle, Hamburg (29.01.2017)

The Dillinger Escape Plan


Die Großmeister des maximalbrutalbekloppten Mathcoreabrisses verabschieden sich. Diese Tour und ein paar Festivals noch, dann wird eine kaum füllbare Lücke in der Welt der extremen Stromgitarrenmusik klaffen.

Gestern (nicht heute; hoffentlich haben auch alle frühen Ticketkäufer die Vorverlegung mitbekommen...) verabschiedeten sich The Dillinger Escape Plan in der Markthalle von Hamburg.


Kennen Sie diesen Mann?

Ja, ich habe von diesem Googlenetz gehört, doch ich weiß immer noch nicht, wer da als Support auf der Bühne stand. Genau wie auf meinem letztes Konzert in Hamburg (Oathbreaker und Wife) wurde der Abend mit einem Ein-Mann-Elektroprojekt eröffnet.

Und was der Mann da an Rechner, Reglern und Knöpfen gemacht hat, war schon ziemlich fetter Kram. Melodiearmer Krach, sehr beat- und basslastig. Ich kenne mich in dem Bereich nicht mit Labels aus, würde aber sagen, es hatte etwas von einer Mischung aus 90er Gabba Techno und Noise. Breakbeats, Hip Hop-Samples und Dub steckten da aber auch drin.

Unter den vergleichbaren Acts, die ich gesehen habe, würde ich dies im Mittelfeld ansiedeln. Zum größten Teil gefiel mir dieses Trommelfellgepeinige ganz gut, auch wenn ich es nicht auf Tonträger bräuchte.
In einem kleineren Raum mit weniger Sitzgelegenheiten (das markthallentypische Stufensitzen) hätte es sicherlich auch noch besser gewirkt. Allerdings war eine Dreiviertelstunde davon wirklich zu lang. Spätestens nach dreißig Minuten habe ich schon bei jedem prägnanten Break gehofft, dass nun Schicht im Schacht wäre.
Klar, die Quälerei gehörte auch zum Konzept, aber der Effekt wurde hier dann doch überreizt und schmälerte den Gesamteindruck erheblich.

Die nächste Geduldsprobe folgte auf den Fuß. Denn dafür, dass ja nur ein Tisch mit ein paar Geräten abzubauen und alles andere bereits vorbereitet war, dauerte die folgende Pause auch verboten lange.
Fairerweise kann man natürlich auch annehmen, dass sie sie sich an diesem Abend wegen der Konzertverlegung extra ein bisschen Zeit gelassen haben, um Spätmerkern noch eine Chance zu geben, die Location rechtzeitig zu erreichen.
 

The Dillinger Escape Plan

Als Ringchef Ben Weinman, Schreihals Greg Puciato und Co. dann aber loslegten, gab es etwa achtzig Minuten lang kein Halten mehr.

Der Irrwitz einer Dillinger-Show bleibt nach wie vor mit Worten nicht adäquat erklärbar.
Die Verbindung von Höchstgeschwindigkeit und maximaler Aggression, unfassbarer Technik und entfesseltem Steroiden-Stageacting im Stroboskopgewitter ist durch und durch unerreichtes Meisterhandwerk.

Das Set aus Tracks von allen sechs Alben war enorm abwechslungsreich, denn auch wenn die Basis  dem vom Geist eines tollwütigen Atomphysikers besessenen Maschinengewehrs entsprach, schien doch immer die enorme Bandbreite der Band durch.
Ob in den Mike-Pattonismen des Sängers, sanften popaffinen Passagen, geradlinigen Hits wie "One Of Us Is The Killer" oder puren Jazz Fusion-Freakouts wie in "Low Feels Blvd".

Abgesehen von technischen Aussetzern des Keyboards war es eine rundum arschgeile Show, auch wenn die Architektur des Raumes und der Bühnengraben der Band keine Gelegenheit für epische Sprünge ins Publikum, Deckelhangeleien oder andere ganz irre Stunts boten. Aber mit dem was sie hatten, arbeiteten sie schon beeindruckend.
Nur das zerlegte Drumkit tat mir dann am Ende doch etwas leid.
 

The Dillinger Escape Plan treten auf voller Höhe ihrer Fähigkeiten ab. Schade, aber sehr verständlich, dass man ein live so energiezehrendes Kapitel Krachgeschichte freiwillig abschließt, bevor einen Körper oder kreative Stagnation dazu zwingen.

Nach einem abstinenten Januar war dies mein erstes Konzert im neuen Jahr. Die Messlatte für alle weiteren liegt hoch; mindestens eine weinmansche Gitarrenboxsprunghöhe.


Bleibt nur die Frage, wie clever es ist, dass man in der Markthalle in der Schlange zur Garderobe minutenlang draußen in der Kälte steht und ob man für die Strecke nicht evtl. einen Deckenverleih einrichten sollte.
























2017-01-29

#LBS 04|52 - memorial


Trees around a memorial site. Anyone who follows my photography will probably have seen at least one other version of this, as I have shot there with probably most of my cameras.




2017-01-28

BATTLE OF MICE - All Your Sympathy's Gone

Nach dem Erfolg des großartigen gemeinsamen Albums "Mariner" von  Cult Of Luna und Julie Christmas dürften der Bekanntheitsgrad sowie das Interesse am bisherigen Schaffen der am ersten Weihnachtstag geborenen Sängerin sicherlich spürbar gestiegen sein.

Da passt es natürlich gut, das Gesamtwerk ihrer "Mariner" stilistisch wohl nächsten Band Battle Of Mice auf Vinyl wiederzuveröffentlichen. Konkret bedeutet dies eine Doppel-LP, von der drei Seiten dem bisher nur auf CD erhältlichen 2006er Album "A Day Of Nights" und eine Seite den beiden Songs von der Split-EP mit Jesu gehören.



BATTLE OF MICE - All Your Sympathy's Gone - The Complete Recordings (2LP) (2016)

Never mix music with relationships!

Sinngemäß ist das eine Weisheit, die wohl jeder Musiker kennt. Das Klischee der Männerfreundschaft, die über ein Groupie zerbricht. Oder diese wichtigtuerische Alte vom Frontmann bei Spinal Tap, remember? Natürlich wissen wir aber auch alle, dass das Quatsch ist. Denn es gibt schließlich genügend Gruppen, in denen Liebende oder gar Ehepaare musizieren, ohne dass es zur Katastrophe kommt.
Die neulich von mir besprochenen "Columbia Years" von Betty Davis sind z.B. ein fantastisches Beispiel dafür, wie sich die Energie und Dynamik einer frischen Beziehung (Betty und Miles Davis) sogar direkt auf die Musik übertragen können.

"A Day Of Nights" von Battle Of Mice war allerdings das genaue Gegenteil.

Die kurzlebige Band war so eine Art Post Metal Supergroup, gegründet von Made Out Of Babies-Sängerin Julie Christmas und dem jetzigen A Storm Of Light-Frontmann Josh Graham, der damals bei den instrumentalen Postmetallern Red Sparowes spielte, sowie als Projektionskünstler (nicht musizierendes) Mitglied von Neurosis war.
Die beiden waren - obwohl sie sich schon bei ihrer ersten Begegnung überhaupt nicht ausstehen konnten - in einer intensiven, objektiv betrachtet wohl ziemlich bekloppten On/Off-Beziehung, die für keinen der beiden gesund gewesen sein sein kann. Und "A Day Of Nights" machte die Abgründe zwischen ihnen auch noch zum Thema.

Und so wurde das Album dann auch zu einem offenen Kampf. Mühsam zusammengehalten von Produzent, Multiinstrumentalist und Drummer Joel Hamilton lieferten sich die schweren bösartigen Riffs von Graham eine Schlacht gegen das Organ von Christmas.
Es war ein Fernduell, denn da sie ihre Gegenwart längst nicht mehr ertragen konnten, nahmen sie ihre Parts getrennt voneinander auf.

Das Ergebnis ist monumental verstörend, ein zäher Seelenauffresser auf ähnlichem Level wie Neurosis' "Through Silver In Blood".
Julie Christmas ist als Sängerin ja immer eine Advokatin des extremen Irrsinns mit Substanz gewesen, doch dieses Werk sticht speziell heraus und dürfte sehr wahrscheinlich immer ihr düsterstes bleiben. Wie sie hier zwischenmenschliche Stricke zu giftigen Metaphern spinnt und säuselnd, spuckend, schreiend ihren Frust und Schmerz nach außen kehrt, überschreitet viele Grenzen, vor denen andere Künstler bei wesensverwandten Trennungsalben zurückschrecken.

Im Finale aus den beiden größten Stücken "At The Base Of The Giant's Throat" und "Cave Of Spleen" kann man schließlich regelrecht sehen, wie sie vorm Mikrophon zusammenfällt, während ihre Stimme sich überschlagt und bricht.
Und das Sample im Outro von "Giant's Throat" ist geradezu beängstigend. Man hört Julie Christmas hier als Anruferin aus der Perspektive des Notrufs. Eine Performance, die mich in ihrer brutalen Eindringlichkeit schon fast an Björks emotionale Selbstzerfleischung als Schauspielerin in "Dancer In The Dark" erinnert.

"A Day Of Nights" ist starker Tobak, sehr heftiges Zeug. Musikalisch natürlich auch ein Magengrubenfüller, bleibt das Album aber immer hörbar und ist auch aus heutiger Sicht sowohl in seinen reduzierten als auch in seinen schräg brutalen Passagen nach wie vor kreativ, packend und relevant. Ein Genreklassiker.

Bei all dieser Rosenkriegshölle ist übrigens, um es nicht ganz zu unterschlagen, durchaus auch Platz für ein paar Lichtblicke mit echter Schönheit. Sie sind zwar in der Minderheit und unter der Oberfläche bitter wie der Rest, doch ein Track wie "Wrapped In Pain" zeigt, dass Battle Of Mice auch zu ergreifenden Piano-Balladen fähig waren.


Der Sound war vor zehn Jahren etwas schade. Einerseits würde eine perfekt ausbalancierte Hochglanzproduktion natürlich gar nicht zum Inhalt passen. Anderseits wünscht man sich manchmal schon etwas weniger Low-Fi und mehr Wumms, gerade wenn man das aktuelle "Mariner" zum Vergleich nimmt.
Das neue Mastering der Vinyl-Ausgabe bügelt die Schwächen gut aus und kommt eine ganze Nummer fetter und in sich stimmiger daher, ohne jedoch das Grundgefühl zu verraten. Da meine Digitalversion vom Originalalbum stammt, habe ich beide Versionen nun häufiger gehört und werte die Anschaffung der Doppel-LP daher in jedem Fall auch für alte Fans als Gewinn.


Was ich mir gar nicht erklären kann, ist wie es nach dem Entstehungsprozess von "A Day Of Nights" überhaupt noch mehr Studioaufnahmen geben konnte.

"The Bishop" und "Yellow And Black" waren mir schon bekannt, da ich die ursprüngliche Veröffentlichung bereits besitze. Für den sich diesmal weniger einbringenden Joel Hamilton kam ein neuer Drummer, und gerade im wilderen Schlagzeugspiel findet sich hier ein hörbarer Unterschied zu den Albumtracks. Generell sind die beiden Stücke wohl auch objektiv gesehen die anspruchsvollsten Kompositionen hier. Auch die Produktion kann mehr als die des Albums. An Intensität fallen die Songs aber gegenüber dem vorangegangenen groben Liebesexorzismus natürlich trotzdem irgendwie ab.

Ich liebe diese Tracks - gerade "Yellow And Black" ist eine gigantische Post-Metal-Dampfwalze. Als Gegenpol zu Justin Broadricks exzellenten Jesu-Geschleiche auf der gemeinsamen Split-12" sind sie allerdings noch eine Ecke besser aufgehoben als hier.

Schaden tun sie aber natürlich nicht. Die vierte LP-Seite ist ja sowieso da.


Es bleibt nur meine uneingeschränkte Empfehlung!

Und wer Sammler ist und nicht genug bekommen kann, dem lege ich ebenso ans Herz, sich mal nach der Red Sparowes / Made Out Of Babies / Battle Of Mice-Triple-Split-EP aus drei 7-Zöllern "Triad" umzuschauen. Auch ein sehr schönes Teil!


Highlights: Yellow And Black, Cave Of Spleen, At The Base Of The Giant's Throat, Bones In The Water, Wrapped In Plain 

2017-01-20

Mosch-Party abgesagt.


Ok, ich sehe ja ein, dass man die meisten dieser Platten wahrscheinlich entsorgen sollte. Nur das Konzept, seinen Müll einfach aus dem Auto zu schmeißen, finde ich generell eher armselig.

Ein paar Lensbaby-Fotos habe ich natürlich trotzdem gemacht.