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2017-10-21

MOTORPSYCHO in der Markthalle, Hamburg (20. Oktober 2017)

Motorpsycho

Um die eine Beschwerde des Abends gleich abzuhaken: Wer hat Freitag Abend in St. Georg vergessen, nach dem Scheißen zu spülen? Das stank ja bestialisch rund um den Hauptbahnhof!

Zum Glück ist das Aroma nicht ins Innere der Markthalle gekrochen, wo Motorpsycho ihr aktuelles Album "The Tower" betourten.
Dass die Norweger keinen Support-Act dabei hatten, war nach einem Blick auf die Bühne sofort nachvollziehbar; diese war derart mit Instrumenten, Pedalen und Kabelsalat zugekleistert - das willst Du nach dem Soundcheck nicht noch einmal ab- und wiederaufbauen.


Motorpsycho

Motorpsycho


Ich hatte keine Uhr dabei, aber ich schätze mal, es war irgendwann zwischen acht und halb neun, als Bent (Bass, Gesang, Pedale, Orgel), Hans Magnus (Gitarre, Gesang und Pedale), Neu-Drummer Tomas Järmyr und Gastmusiker Kristoffer Lo die Bretter betraten.

Letzter bediente abwechselnd die zweite Gitarre und ein Keyboard-Rack, in dem sich u.a. ein Rhodes-Klavier und ein Mellotron befanden. Außerdem unterstützte er noch gelegentlich den Gesang und glänzte vor allem während des überraschenden Openers auf dem Flügelhorn (wenn ich das Instrument richtig klassifiziert habe).


Nach der Extremerfahrung meines ersten Motorpsycho-Konzerts vor zwei Jahren schob ich mir natürlich sofort den Gehörschutz rein, für den ich auf der Hinfahrt extra nach ein paar Minuten noch umgekehrt war. Beim atmosphärisch entspannten "Stained Glass" vom "Let Them Eat Cake"-Album wäre das allerdings noch nicht nötig gewesen. Doch auch im weiteren Verlauf wurde es niemals so ein körperlich gewaltsamer Angriff auf die Ohren wie beim letzten hamburger Gastspiel.

Das mag zum einen daran liegen, dass die Band vielleicht diesmal etwas weniger auf Krawall gebürstet war. Noch eher allerdings scheint es mit der Location zu tun zu haben. Das Gruenspan ist ja ein scheiße lauter Laden. Die Markthalle hingegen - das muss man auch mal betonen - kann Sound einfach sehr gut. Wenn ich nur mal an die Konzerte dieses Jahres zurückdenke, vom himmlischen Prog-Höhenflug der Neal Morse Band zum Höllerninferno von Grave Miasma, klanglich wird man hier selten enttäuscht. Ganz im Gegenteil.

Oder um es anders zu sagen: Zwar operierten Motorpsycho gerade mit ihrem unnachgiebigen Bass phasenweise im selben mörderisch sludgigen Bereich, doch tatsächlich war das Conan/Monolord-Doppelpack am vergangenen Dienstag ein größerer körperlicher Angriff.

Die Ganzkörperwohlfühlmassage von Motorpsycho war allerdings sehr viel ausdauernder. Über zweieinhalb Stunden spielte die Band durch und jede Minute war ein Genuss. Ob Saiten- oder Tasteninstrumente, ob Schlagzeug oder Gesang, alles war zu differenzieren und alles war wunderbar.

Im Mittelpunkt standen im ausgeglichenen Verhältnis Stücke des neuesten Doppelalbums und ältere Klassiker, die in teilweise hemmungslos ausschweifenden Versionen zelebriert wurden.
Die älteren Lieder stammten dabei aus unterschiedlichsten Phasen seit den frühen Neunzigern. Nur die Kapstad-Jahre waren mit je einem Stück von "Here Be Monsters" und "Behind The Sun" eher sparsam vertreten.

Alter, wie soll ich beschreiben, wie genial dieses Konzert war?

Ich könnte jetzt noch weiter auf Details des Sets eingehen, z.B. wie mir live in "A Pacific Sonata", ohnehin mein Lieblingssong von "The Tower" erst so richtig aufging, wie geil jazzig der neue Drummer schon im entspannten Teil abgeht.

Ach, das ganze Programm war der Hammer, das war rundum, wie ich mir ein nahezu perfektes Set einer der besten Rockbands überhaupt vorstelle. Entsprechend kannte die Begeisterung nach dem endlos epischen Finalblock aus Ship Of Fools" und "The Wheel" und der folgenden regulären Zugabe kein Halten. Einen ganzen Konserven-Song von der PA ließ sich bestimmt drei Viertel des Publikums nicht zum Abschied bewegen, eine Begeisterung wie ich sie hier zuletzt im Oktober 2016 bei Magma erlebt hatte.

Und hier fruchtete die Hartnäckigkeit sogar, denn Motorpsycho kamen tatsächlich noch einmal raus und entließen ihre Fans mit einer Ballade in die Nacht.

"Go home!" hieß es danach scherzhaft verzweifelt.


Ok, nach so einer Vorstellung muss den Künstlern auch mal ihren Feierabend gönnen.


Als Mitbringsel habe ich mir noch die exklusiv auf der Tour verkaufte EP gegönnt. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle!
 


Setlist:
  • Stained Glass
  • In Every Dream Home (There's A Dream Of Something Else)
  • Bartok Of The Universe
  • No Evil
  • Hey, Jane
  • Intrepid Explorer
  • A Pacific Sonata
  • Cloudwalker
  • The Tower
  • The Cuckoo
  • Heartattack Mac
  • Lacuna/Sunrise
  • Ship Of Fools
  • The Wheel
  • A.S.F.E.
  • Plan #1
  • Feel












































2017-10-19

MONOLORD, CONAN, BLAST BOMB und CITIES OF MARS im Bambi Galore, Hamburg (17. Oktober 2017)

Monolord


Als ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal das Bambi Galore besuchte, sah ich dort in Form eines ziemlichen coolen Tourplakates den ersten Hinweis auf die Co-Headliner-Tour von Monolord und Conan. Der Höhlenmenschen-Battle-Doom der Engländer in diesem Kellergewölbe? Das passte wie die Streitaxt in den Monsterschädel, da musste ich unbedingt hin!

Da insgesamt vier Bands spielten, war frühe Ankunft angesagt, doch tatsächlich reichte die Zeit noch, um im Restaurant des Kulturpalasts, zu dem das Bambi gehört, eine Currywurst Pommes für Besseresser zu verputzen. Zu Galore-Konzerten kann man also auch gut hungrig fahren.


Cities Of Mars

Den Auftakt machten die Schweden Cities Of Mars. Das Trio ist nicht, wie ich zunächst annahm, zusammen mit den Headlinern unterwegs, sondern auf eigener Europatour und nur für diesen Abend auf das Package mit aufgesprungen.

Mit ihrem die Bassbox bratenden, fuzzigen Doom passten sie stilistisch genau hinein. Der oft zweistimmige Schreigesang war dabei näher an Conan, die Melodik der Stücke tendierte eher zu Monolord. Von beiden setzt sich die Band allerdings durch mehr Raum für ruhigere Passagen, mehr Prog in den Arrangements, sowie - ihrer Sci-Fi-Thematik geschuldet - futuristische Slomatics-Vibes ab.

Tolle Band und ein respektabler Aufwärmer für die Sludge-Doom-Großmeister, die noch folgen sollten.


Blast Bomb

Zunächst einmal wurde es aber un-doomy mit der lokalen (besonders der Sänger hat einen ganz üblen hamburger Akzent, haha) Blast Bomb.

Früher habe ich ja oft nicht über Bands geschrieben, in denen Bekannte spielen, weil man ja nicht in die Lage kommen möchte, irgendwann jemanden durch einen ehrlichen, üblen Verriss zu verprellen. Aber diese Gefahr besteht bei Blast Bomb zum Glück nicht.

Der crunshige Stoner-Gitarrensound war - wenn auch bei weitem nicht so derbe wie bei den Headlinern - Hauptgemeinsamkeit mit den restlichen Bands des Abends. Ansonsten regierte zumeist eher motörheadig punk'n'rolliges Uptempo. Auf einen Begriff festsetzen mag ich den Stil des Quintetts aber nicht, weil da doch ein recht bunter Strauß Einflüsse vermengt war, allesamt jedoch unter der erkennbaren Prämisse, dass es idealerweise immer nach vorne raus zu rocken hat.

Ging gut ab, die Bombe.


Dass meine Erinnerung an beide bisher aufgetretenen Bands dennoch ein wenig vernebelt ist, liegt jedenfalls nicht an den Gruppen selbst, sondern an dem - wie sagte Blast Bomb-Klaus so schön - "menschenverachtenden" Inferno, welches danach durch den vollen Saal blasen sollte.


Conan


Conan gehören zu den großartigsten Kultivierern groben Stumpfsinns, die ich kenne. 2014 hatte ich die Barbarendoomer zuletzt live gesehen und Junge, es war wirklich wieder Zeit für diese gnadenlose Brutalbedröhnung!

"Die machen ja - nichts!" sagte mein Bruder begeistert. Das ist natürlich eine Übertreibung, aber tatsächlich wird die instrumentale Hauptarbeit bei Conan vom Drummer und den Verstärkern geleistet. Was für ein wohlig den Körper zermalmender Zerstörungssound! Da fährt die Currywurst Pommes im Magen fröhlich Achterbahn.
Die Riffs hingegen sind purer, neanderthaliger Minimalismus und gerade deswegen unbesiegbar. Darüber noch das wortkarg kurzsilbige Synchronbrüllgeschrei und das Doommassaker ist perfekt.  

Conan sind genial. Geiler Auftritt.



Monolord


Der Abend war für mich zu diesem Zeitpunkt ja schon komplett im Soll, doch ein fetter Todesstern von i-Tüpfelchen erwartete uns noch.

Die Schweden Monolord lieben den Fuzz-und-Distortion-Overkill bei Kopfnickertempo genauso sehr wie ihre Tourpartner. Und auch bei Monolord gibt es vereinzelt Passagen ungeheurlichen Stumpfsinns. Insgesamt hält man jedoch noch mehr die klassische Black Sabbath-Fahne hoch, was sich in Melodien, aber vor allem auch Soli und dem von Ozzy inspirierten Gesang widerspiegelt.

Als versöhnliche Auflösung zur Zerstörungswut der vorigen Gruppe - bei gleichbleibender Intensität, waren Monolord der ideale Abschluss und wurden mit Recht vom Publikum abgefeiert.

Man konnte über das Trio auch sagen: "Wie Conan, aber von richtigen Menschen gespielt."


Fuck, ein geiles Konzert!



Cities Of Mars:











Blast Bomb:
















Conan:









Monolord: