Most posts are in german, yet sometimes I switch to english.
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Interested in me reviewing your music? Please read this!

2017-04-19

#LBS 16|52 - moving fast


Yes, this segment of my Lensbaby Sunday series comes a little bit early. But since I'll be away for a few days and I won't have my DSLR with me, there's no point in waiting until next Tuesday.

btw: Thanks Blogger for rotating this picture without being asked to do so! This bullshit hasn't happened for a while, so I forgot what to do about it and now I have neither the time nor interest to investigate, so fuck it...

I'm off to Roadburn (with Magma, Subrosa, Coven, Chelsea Wolfe, Pallbearer etc.) now - and Laibach in Cologne the day before. Musical overstimulation ahead!

    

2017-04-17

BONE MAN - III

Ja, ich gebe es zu: Nachdem meine letzte Tonträgerrezension von Bone Man (zusammen mit Burnpilot) ja aus mysteriösen Gründen zu den Greatest Hits dieses Blogs gehört, fühle ich durchaus einen leichten Druck, bei meinem Agenten in Asien anzurufen, dass er meinem unterbezahlten koreanischem Gagschreiberteam diese Aufgabe übertragen soll.

Tatsächlich aber bietet der neue Longplayer der kieler Knochenmänner (man fühlt sich immer ein bisschen wie Inka Bause, wenn man diese Alliteration schreibt) gar keinen Ansatz für Flachwitze oder um sich künstlich zu echauffieren.
Ok, der Titel "III" vielleicht. Aber meine Kritik daran ist ja durchaus ernst gemeint, von daher beginne ich jetzt einfach mit einem total öden, stinknormalen Text, auch wenn ich dafür mit Seitenaufrufen im Minusbereich und der Aufkündigung meiner nicht vorhandenen Werbeverträge bestraft werde.

Nein, ich bin überhaupt nicht wehleidig. Aber irgendwie bin ich ja schon sowas wie ein Held und das Opfer hier. Denkt mal darüber nach! Thanks, Obama.




BONE MAN - III (black eye edition vinyl + CD) (2017)


"III" beginnt gleich mit einem gewaltigen Ausrufezeichen. Und damit meine ich nicht nur die ersten dreißig Sekunden, die einem nicht nur ohne Vorwarnung ganz unvermittelt das Fleisch von den Knochen boxen und dabei noch komplett unerwartet an den Riffprügelhöhepunkt einer typischen Dream Theater-Instrumentalstrecke erinnern. You didn't see that coming, right? Ein bisschen straighter und ranziger natürlich. Der Rest des Openers "Pollyanna"  überrascht dann gleich nochmal mit starken Achtziger-Jahre-Postpunk-Anleihen, welche Bone Man so gut stehen, dass am Ende des Albums eine leichte Enttäuschung bleiben wird, dass es nicht noch ein oder zwei Stücke mehr mit ähnlicher Ausrichtung enthält.

(Okay, "Incognito" hat schon so einen gewissen, mit der Lässigkeit eines Causa Sui-Jams präsentierten Sisters Of Mercy-Vibe.)

Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass mich irgendein Stück enttäuschen würde.
Mit dem zweiten Track "Zeitgeist" kann ich vielleicht am wenigsten anfangen, wenn ich mich entscheiden müsste. Doch auch dieser Song macht Spaß, enthält ein paar ziemlich sexy furzende Basspassagen und vor allem einen super tiefbrummigen Sludgebreakdown zum Abgang, der ihn selbst wenn er bis dahin scheiße wäre (Konjunktiv!) noch retten würde.

Trotzdem ist alles, was danach kommt in meinen Ohren noch besser, denn nun beginnen Bone Man eine ihrer größten Stärken, die für das gesamte Album prägend ist, auszuspielen.
Bei allem fuzzenden bis prügelndem Stonersound durchzieht die Songs nämlich eine sehr profunde Melancholie, die nicht als irgendwie diffuses Gefühl zwischen den Saiten mitwabert, sondern vor allem durch gekonntes Songwrtiting erzielt wird. Und natürlich durch Marians sonoren Gesang, der noch nie so gut eingefangen wurde wie auf dieser Aufnahme und mich in ruhigeren Passagen (noch ein Prog-Vergleich, nanu) an Mariusz Duda von den Polen Riverside erinnert.

Ob "Amnesia", "These Days Are Gone", "Cold Echo" oder "Wreck Under The Sea", die meisten Stücke auf "III" sind gewaltige Ohrwürmer.

Insgesamt machen Bone Man mit "III" einen großen Satz nach vorne.
Es ist kein Quantensprung, der alles vorher gewesene verblassen lässt. Dafür haben sie ja schon zu viele Hits im Repertoire. Die Dichte an wirklichem A-Material hat hier allerdings hörbar zugenommen.

Ich sag mal so: Man nehme die zwei oder drei besten Stücke der vorigen Alben, spiele und produziere sie besser und dann kommt man so etwa auf dieses Level.

Die Produktion bietet mir keinerlei Ansatz für Klugscheißereien. Sauber, differenziert und kontrolliert, wenn es sein muss, aber an anderer Stelle auch so schön kompromisslos einsägend, wie es auch ein wichtiger Bestandteil von Bone Man live ist.
An dieser Stelle bedauere ich kurz, dass ich leider nicht beim Releasekonzert am kommenden Wochenende zugegen sein kann.

Damit ist eigentlich alles wichtige gesagt. tl;dr: Töftes Psychedelic Stoner Trio nun noch töfter.


Und was hab ich nun am Titel zu meckern?
Naja, ich mag es einfach, wenn solche Numerierungen - wenn schon, denn schon - konsequent durchgezogen werden. Bone Man haben in ihrer Diskographie allerdings neben dem erweiterten Remake ihrer EP "Shapeshifter" mit "Plastic Wasteland" schon mindestens einen echten dritten Longplayer.
Die Message ist wohl, dass man stilistisch eher an "II" als an "Plastic Wasteland" anschließt, aber mir ist dieser Ansatz etwas zu zaunpfahlig (lasst das den Hörer doch selbst rausfinden) und bandgeschichtsrevisionistisch.

Spielt das irgendeine Rolle für die Qualität von "III"? Nö.
Aber damit hätte ich arbeiten müssen, um dem Stil meiner letzten Bone Man-Rezi treu zu bleiben. Ein bisschen dünn. Deswegen hab ich's ja auch gelassen. Und nein, ihr müsst euch nicht für diesen Einblick in den Gedankenfluss eines Hobbyplattenkritikers bedanken.

Hört lieber Bone Man!


 

Highlights: Amnesia, Cold Echo, Pollyanna, These Days Are Gone



[Ich habe zwar die superlimitierte "black eye edition" vorbestellt, doch zum Zeitpunkt dieses Textes steht mir nur eine freundlicherweise überlassene digitale Version zur Verfügung. Es ist also gut möglich, dass ich das Review in ein paar Wochen noch um ein paar Sätze ergänze.]


 

2017-04-16

#LBS 15|52 - hamburg


I had a little time on my hands on Good Friday before the Droneburg festival started, so I drove a few hundred meters further down the Elbe and took some Schietwetter pictures with my Lensbaby.


EXIVIOUS - Chrysalis - the early demos

A few days from today I'll be in Tilburg again for the fifth season called Roadburn. And right now a band that happens to be from that area comes with a digital surprise release.

Unfortunately the instrumental jazz fusion metal band Exivious has announced its split a few months ago and will only play some last farewell shows, yet sadly not at Roadburn, which would have been perfectly fine with me.

Well, at least parts of the band's spirit will remain alive in Our Oceans. who released one of my favorite albums of 2015. And of course I have this compilation of remastered demo tracks from the group's beginnings in the early 2000s now.

 

EXIVIOUS - Chrysalis - the early demos (download) (2017)

Almost immediately a few things are crystal clear: In 2001 the style of Exivious was a lot closer to the Cynic masterpiece "Focus" than their later albums "Exivious" and "Liminal". Sometimes it's even even close to crossing the line between inspiration and copycatting. But that being said... This shit already is really good.

Ok, I guess, this shouldn't surprise me too much, since these demos probably were the reason why two of the four Exivious members became part of the Cynic reunion line-up.

The first songs from the 2001 demo even have vocals which imitate the computer voice / vocoder style of "Focus" as well as their grunt style, which later of course reappeared on Cynic's comeback album "Traced In Air" in 2008. The only band invoking these elements along with the music as blatantly as Exivious I can think of were Obscura on their latest album.

On the 2002 and 2003 demo tracks Exivious then decided to go fully instrumental. And wow, this is fantastic stuff, an absolute no-brainer for anyone who loves the jazzy Cynic style of progressive metal, especially Sean Malone's work with Gordion Knot.

There are a few minor flaws on the production side (some of the drums and percussions sound strangely detached from the rest or simply miss the right amount of punch) and of course all this doesn't reach the level of either Exivious' paragons or their own later work yet.

The flow between metal, jazz fusion (and later post rock) isn't as smooth yet, the jacopastorian feel of the bass not as developed. But the seeds are all there, there's vision, ambition and some really good tunes.

After the release of the wonderful Cynic demo compilation "Uroboric Forms" this insight into the past work of a band so closely connected to them feels like another very welcome source of solace.






Highlights: Shapeless Thoughts, Fear The Unknown, Transcendence, The Innerchild


2017-04-15

DRONEBURG VII, Hafenklang Hamburg (14.04.2017) mit BIG BUSINESS, AUTHOR & PUNISHER, WHORES. und TESA

Author & Punisher

Hafenklang, alte Fischkopfbutze, mach's mir doch nicht so schwer! Da hast Du ja gestern ja echt mal einen Bock geschossen...

Ich habe doch noch andere Pläne dieses Wochenende und will eigentlich nur schnell ein Festivalreviewchen schreiben, doch Du nötigst einen mit deinem Aufreger des Tages ja zu einem Links/Rechts-Kommentar, dem man, möchte man nicht missverstanden werden, sicherheitshalber auch noch diverse Disclaimer voranstellen muss, also los:

Nein, der folgende Text enthält keine Links/Rechts-Gleichmacherei der Marke "Mimimi, die sind aber genauso schlimm!".
Diese kann ich aus vielen Gründen nicht ausstehen, u.a. weil der linken Weltsicht ja nun einmal keine fremdenfeindliche, rassistische Ideologie zugrunde liegt und Deutschland / Europa / die Welt z.Zt. wahrlich kein großes Problem  von dieser Seite hat, sondern vielmehr von rechten, nationalistischen Hassfratzen allerorten heimgesucht wird.

Ja, der Metal hat ein Nazi-Problem. Wohl immer schon gehabt. Und er hat es aus Bequemlichkeit. Der Metaller will sich mit seiner Trinkbekanntschaft am Clubtresen darüber streiten, welches Slayer-Album das größte ist, hat aber keine Lust, sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass sein Gegenüber evtl. ein rassistischer Klappspaten sein könnte. Man ist als Musiker bewusst unpolitisch, bezieht  keine Stellung, will ja auch seine vielleicht teilweise klappspatigen Anhänger nicht verprellen.
Sich aber angesichts der aktuellen politischen Lage so gar nicht zu positionieren, um seine eskapistische Szeneblase nicht zu gefährden, das lässt das Genre und seine Anhänger nicht gut aussehen.

Nun aber kommen die Abers:

Die "linke Szene", also was der gemeine AfD-Trottel für die staatich organisierte Antifa GmbH hält, hat ein gewaltiges Imageproblem. Und das ist hausgemacht. Jeder kennt die Phrase "so links, dass sie rechts wieder rauskommen", und diese Assoziation mit der Antifa überschattet leider oft deren Dienst an der Gesellschaft, dass sich eigentlich nirgendwo im zivilisierten Deutschland Nazis ungestört zum Demonstrieren zusammenrotten können.
Meine Annahme ist ja, dass vieles seinen Ursprung in dem Frust hat, die Welt besser machen zu wollen, aber festzustellen, dass die eigenen Anstrengen nur ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein sind. Und wenn man das große Ganze schon nicht zufriedenstellend verbessern kann, dann zumindest sein direktes Umfeld. Und schon entstehen dos und don'ts, Gebote, Verbote, krampfhafte Sprachregelungen/Sprachregelunginnen. Man kreist so bald viel zu sehr um sich selbst und sucht sich die falschen Gegner, z.B. indem man Künstler auf schwarze Listen setzt und Träger ihrer T-Shirts aus Clubs verbannt.


Aber was war gestern konkret los?

Auf dem Droneburg Festival sollten ursprünglich sechs Bands spielen (satte fünf davon übrigens vom Roadburn-Lineup stiebitzt), dazu gehörten auch die beiden Black Metal-Gruppen Ultha (Deutschland) und Woe (US), beides Bands, die sich ausdrücklich selbst links verorten und äußern, und nie in irgendeiner Form verdächtig waren, zur NSBM-Szene zu gehören.

Und diese Gruppen spielen in einer Woche auf einem Festival, auf der auch die Gruppe Inquisition spielt, welche - soweit ich das jetzt überblicke - wohl auch nie NSBM war, allerdings vor drölfzig Jahren durchaus mal Sachen vom Stapel gelassen hat, die man als rechtsoffen interpretieren könnte, oder so. Ist eigentlich auch nur sekundär wichtig, denn eigentlich haben Inquisition ja mit dem Droneburg gar nichts zu tun.
Das Hafenklang sieht das offenbar anders als der Veranstalter:
"Wir werfen den Bands keine rechten Tendenzen vor, allerdings durchaus ein reinwaschen rechtsradikaler Bands. Dem möchten wir im Hafenklang keine Bühne bieten.
Leider erreichten uns diese Informationen so kurzfristig, daß eine rechtzeitige Absage nicht mehr möglich war."

Mit anderen Worten: Ein linker Laden, der zugekleistert ist mit hehren Forderungen wie z.B. dem Stopp des Racial Profilings nimmt eindeutig nicht rechtsradikale Bands in Sippenhaft, weil sie eine Woche später auf einem Festival spielen, auf dem der dortige Veranstalter auch eine Band gebucht hat, die von einigen Szeneaußenseitern als rechts eingestuft wird.
Das ist an sich schon auf so vielen Ebenen am Ziel vorbeigeschossen, dass das pikante Detail, dass Woe aus jüdischen Mitgliedern besteht (und man so ganz herrlich den Links-ist-das-neue-Rechts-Krakeelern in die Hände spielt) nur das Sahnehäubchen auf dem Scheißekuchen darstellt.

Denn denkt man dies mal logisch zu Ende, dann müssten ja alle Bands, die je mit Inquisition in Berührung gekommen sind, von nun an verbannt werden. Und die Gruppe hat schon einige wirklich große Festivals gespielt. Da müsste wahrscheinlich mindestens die Hälfte der kommenden Krachkonzerte im Hafenklang gecancelt werden.
Und die betroffen Gruppen weichen in den strammen Fascholaden Markthalle aus? Da sind Inquisition nämlich auch gerade erst neulich aufgetreten.

Und was ist eigentlich mit den Bands, die mit Bands gespielt haben, die mit Bands gespielt haben, die... ?

Eines ist klar: Auch wenn man sich irgendwie einbildet, dass das gut gemeint war; bei dieser Last-Minute-Entscheidung gibt es fast nur Verlierer:
  • Die Bands, die 150 km vor Hamburg per Textnachricht nach Hause geschickt werden.
  • Die Fans, die extra wegen dieser Bands gekommen sind. Und das waren wohl durchaus einige, die auch längere Anreisewege hinter sich hatten.
  • Die restlichen vier Bands des Abends, denen damit auch ein Teil des Publikums entgeht. Denn auch wer nur wegen der beiden Black Metal-Bands im Billing gekommen ist, wird sicherlich mit zumindest einer anderen Gruppen etwas anfangen können.
  • Das Droneburg Festival selbst natürlich, den, wie die sozialen Netzwerkommentare schon zeigen, nicht alle vom Hafenklang und deren Entscheidung trennen können.

Gewinner sind eigentlich nur die echten Rechtsmetaller und alle sonstigen Idioten, die gerne über verpeilte Zecken herziehen. Aus deren Ecke kommt nun leider zurecht ein lautes Höhöhö.


Nebenbei: Mir persönlich waren die beiden Bands musikalisch gar nicht so wichtig und ich hatte im Vorfeld leichte Bedenken, ob nicht sechs Gruppen an einem Abend sogar ein bisschen viel sein würden. Ich könnte also lässig mit den Schultern zucken, aber wenn irgendwo im spontanen überaktionistischen Eifer Bullshit gebaut wird, dann muss man sich ja auch positionieren. (siehe weiter oben, Metal und rechts)

Grauzone bekämpfen ist schon wichtig, aber Fachkompetenz und die richtige Wahl der Mittel eben auch.
Nee, Hafenklang. Du bist ja eigentlich ein feiner Laden, aber das war echt Murks.



Nun aber zum verspäteten Einlass und hoch in den Goldenen Salon, wo um zwanzig nach acht Tesa aus Lettland den Abend eröffneten.

Tesa

Die Tretminensammlung auf der Bühne ließ es erahnen: das Trio Tesa dröhnschwebte durch einen massiven, vielschichtigen Wall of Sludge. Mächtiger Post Metal mit Parallelen zu Mono und Neurosis. Mächtig gute Ohrdurchpustung.

Dummerweise fiel zwischendurch der Bass-Amp aus und musste ersetzt werden, was die Gruppe mit Hilfe einer in Feedback und Delay wabernden, quasi selbstspielenden Gitarre zwar gut überbrückte, sie jedoch mit Sicherheit mindestens einen Song gekostet hat. Trotzdem ein gelungener Auftritt.


Whores.

Unten im Hauptsaal wurde es direkt im Anschluss dann ein paar Stufen ranziger mit dem over the top megaverzerrten Hurenrock von Whores. (mit Punkt, auch wenn der Satz hier noch nicht zu Ende wäre)

Die exzessive Übertreibung macht hier den Spaß und Ohrenschmerz aus. Fettest geschriebener Noise Rock also. Dass sie für mich die "schwächste" der vier Bands waren, spricht dabei nur für die Qualität des gesamten Restbillings. Wären sie auf meiner Roadburn-Running Order nicht gnadenlos eingekeilt, könnte ich mir prinzipiell durchaus gerne wieder geben.


Author & Punisher

Noch mehr gilt dies für den folgenden Solokünstler im Goldenen Salon, der nächste Woche u.a. mit Pallbearer clasht und für mich der Hauptgrund war, zum Droneburg zu kommen.

Author & Punisher, das ist Tristan Shone, ein Mann umzingelt von Maschinen und mit ihnen verbunden. Ein brutaler Rhythmusarm, schwere Drone-Hebel, ein postapokalyptisches Cyberpunkmultimikrofon, dazu noch herkömmliche Elektromusikkomponenten und last but not least das Kehlkopfmikro, welches ihn selbst halb zum Cyborg werden lässt.

Die Musik ist Industrial Metal-Krach mit sehr deutlichen Godflesh-Einflüssen. Ein Song schien mir beinahe eine genre-gebendete Celtic Frost-Huldigung zu sein.
Allein schon mit diesen Einflüssen hat Author & Punisher mein Teenager-Ich natürlich astrein abgeholt.

Meine volle Empfehlung für diese Lehrstunde im Lärmmaschinenbau- und einsatz!


Big Business


Das Finale gehörte dann Big Business, die direkt da weitermachten, wo Whores. aufgehört hatten. Noch eine Runde Noise Rock also, allerdings diesmal zu zweit, nur mit Drums und Bass. Jener hatte den vollmundigsten, am besten abgerundeten Extremverzerrsound des Abends. Ob es wohl an den mythischen Sunn O)))-Amps gelegen hat?

Der Stil war im vergliech noch sludgiger, allerdings auch mit etwas mehr Melodiegespür. Die Melvins ließen unverkennbar grüßen.
Wer hier nach zwei, drei Songs Volldröhnung gegangen ist, der verpasste allerdings noch ganz andere Seiten des Duo, in denen insbesondere die Multi-Cowbell (jep, das Instrument hat sicherlich noch einen eigenen, schlauen Namen) und ein Looper am Gesangsmikro eine wichtige Rolle spielten.

Das war alles ziemlich mächtig, saucool, mitreißend. Big Business waren deutlich besser, als ich erwartet hatte. Großes Entertainment und verdient an der Headlinerposition.


Trotz der unsinnigen Platzverweise war es also musikalisch durchaus ein lohnender Abend.
Bin dann ja mal gespannt, ob nächstes Jahr nicht auf einem anderen Rasen gespielt wird. Es gäbe ja z.B. eine Location mit zwei Bühnen direkt am Millerntor...



Tesa:










Whores.:










Author & Punisher:







Big Business:










2017-04-13

#HdD -neustart

Hach damals...


als ich (Drums und Gesang) im Logo, Hamburg im März 2004 meinen ersten Auftritt mit Das Rote Universum gespielt habe.





Die Fotos sind diesmal natürlich nicht von mir.

Und ich poste das auch nicht ganz ohne Grund. Wer diesem Blog etwas folgt, der wird vielleicht bemerkt haben, dass mit Das Rote Universum in den letzten Jahren sehr wenig bis gar nichts mehr passiert ist.

Wer die Band allerdings direkt beobachtet oder mich auf facebook abonniert hat, der wird schon mitbekommen haben, dass wir Das Rote Universum nun zwar offiziell eingefroren haben, in genau einem Monat jedoch mit neuem Konzept und brandneuer Musik unseren ersten Auftritt als DruturuM begehen werden:

  
Der Rahmen dieser Livepremiere wird der dreißigjährige (brutto) Musikneipengeburtstag des Rock's in Windbergen sein, ein Laden, mit dem wir so einige schöne und schräge Erinnerungen verbinden.

Zur musikalischen Ausrichtung von "Druturum I" wollen wir noch nicht zu viel verraten. Es wird allerdings eine einmalige Performance werden, d.h. auf unserem nächsten Konzert "Druturum II" werden wir eine andere Geschichte erzählen!


"Druturum I: The Grand Book of Anticyclic Chorals"

DruturuM spielt:

druturum I-I
druturum I-II
druturum I-III
druturum I-IV

Rock's, Windbergen, XIII. V. MMXVII


Mehr zu DruturuM auf druturum.blogspot.com und facebook!

Und da dieser Eintrag hier bald gnadenlos nach hinten gespült werden wird, mache ich garantiert spätestens im Mai noch einmal Werbung für dieses einmalige Ereignis.



 

2017-04-09

THE PICTUREBOOKS - Home Is A Heartache

Nach dem Konzert im Vorprogramm von Monster Truck vor einer Woche bleibe ich hier doch gleich beim Thema The Picturebooks. Schließlich habe ich mir ja nach der Show das neue Album mit nach Hause genommen.





THE PICTUREBOOKS - Home Is A Heartache (LP+CD) (2017)

Der Titel dieser Sammlung von dreizehn Songs (vierzehn auf der zum Glück auch der LP beiliegenden CD) lautet zwar "Home Is A Heartache", doch das Cover könnte gewissermaßen auch für das Bandmotto "Zero Fucks Given" stehen: Mir doch egal, dass das hier ein öffentlicher Verkehrsweg ist, ich setze mich jetzt naggisch zum Pinkeln auf den Mittelstreifen.
Oder eine Metaebene zurück: Uns doch egal, ob Du denkst, dass es aussieht, als wollte sie pinkeln - ist doch ein schönes Cover.

Im gleichnamigen Opener der B-Seite reimt sich übrigens jede einzelne Zeile auf "given". (Einfach mal so ohne Wertung festgestellt.)

Aber im Ernst: Das passt schon so mit dem Coverfoto. Und wo ich schon bei der Verpackung bin, möchte ich noch erwähnen, dass die Auswahl von Live-, Tour- und Drumherum-Fotos, die u.a. als Collage das Backcover füllen, sehr gut den Spirit der Gruppe und des Albums einfängt.

The Picturebooks live 2017
Über diesen Geist des deutschen Duos habe ich im Livereview ja schon etwas geschrieben, und es gibt nach vielfachem Durchlauf von "Home Is A Heartache" eigentlich kaum etwas substanzielles zu ergänzen.

Wo bei dem ungefilterten Superheavy Bluesrock-Powersound von The Picturebooks die Musik spielt ist ganz klar: auf dem Highway. Also on the road, meine ich. Also live auf der Bühne.

Und "Home Is A Heartache" ist ganz nah am Bühnenerlebnis dran. Es fehlt natürlich das Publikum und überhaupt der visuelle Eindruck davon, mit welcher Gewalt die Rhythmen auf dem hi-hat- und cymbal-losen Drumkit erzeugt werden. Klanglich allerdings ist der Eindruck absolut authentisch. Kein Wunder, denn tatsächlich wurde das meiste auch live eingespielt, direkt in der picturebookseigenen Pimp-my-bike-Garage, weil der Raumklang darin einfach so geil ist und perfekt zur Mucke passt.

Braucht man nur noch ein paar klasse Songs. Und davon gibt es reichlich. Ob Aushängestampfer wie "Zero Fucks Given", "I Need That Oooh" oder "Bad Habits Die Hard", der ruhige, aber innerlich gebtriebene Titelsong, das gefühlvolle "I Came A Long Way For You" oder textarme bis textlose Stücke wie "Cactus" und "Inner Demons", welche den schamanistischen Vibe betonen, welcher sich auch in Stücken wie dem Mitgröler "Wardance" oder dem Interlude "The Murderer" findet; The Picturebooks liefern mit jedem einzelnen Track ab. Hier gibt es nichts zu skippen.

The Picturebooks live 2015
Obwohl die Band mich ja schon auf dem Roadburn 2015 begeisterte, hatte ich auf das Vorgängeralbum "Imaginary Horse" bislang ja noch verzichtet.

So großartig wie die Herren Grabke und Mirtschink hier deine Vorstellung, wie zeitgemäßer Rock zu klingen hat, in den Boden stampfen, werde ich diesen Zustand aber auf jeden Fall noch überdenken.

Das Fazit ist so einfach wie unumgänglich:

"Home Is A Heartache" ist ein Hammer!   




Highlights: Bad Habits Die Hard, Home Is A Heartache, Wardance, I Came A Long Way For You, Cactus, I Need That Oooh



#LBS 14|52 - eider barrage



Had a fish sandwich where the river Eider flows into the North Sea. Lots of gulls are nestling there and it was an almost stormy day, so I took my good share of bird action pictures, as well as some film photographs of the barrage and its surroundings. This was my last Lensbaby shot, framing two people with a man-made artificial landscape.




2017-04-05

MONSTER TRUCK und THE PICTUREBOOKS live im Uebel & Gefährlich, Hamburg (02.04.2017)

Monster Truck

Vielleicht hätte ich auf die stets sehr emsig tourenden Picturebooks auch anlässlich eines normalen Clubkonzerts stoßen können. Und Monster Truck könnten mir von ihren jüngsten Europareisen im Vorprogarmm von Nickelback oder Billy Talent bekannt sein. Also zumindest unter der Prämisse, dass ich mich jemals auf ein Nickelback- oder Billy Talent-Konzert verlaufen könnte, haha.

Aber natürlich war es das übliche: Beide Gruppen waren für mich das Genrehighlight des Roadburn-Festivals, die einen 2014, die anderen ein Jahr später.
Dass das Genre diesmal geradlinig powernder Arschtritt-Rock'n'Roll war und nicht z.B. Doom, wie bei der letztjährigen Tour von Subrosa und Sinistro, ist natürlich in diesem Zusammenhang schon etwas untypisch.

Das Konzert im Bunker am Heiligengeistfeld war wegen Sonne, Sonntag und Hamburger Dom diesmal unmöglich umsonst parkend zu erreichen. Das hat mich so genervt, dass ich zur Frustkompensation erst einmal einen Spieß mit Schokolade überzogender Weintrauben verputzen musste. Schlimm.

Fast forward etwas über ein Stunde und der größte Teil des Publikums im ausverkauften Saal steht bereits auf der Matte, als das (in Klang und Erscheinung zum Glück klar von den Österreichern Bilderbuch unterscheidbare) deutsche Duo The Picturebooks die Bühne betritt.


The Picturebooks

Als ich zuletzt vor zwei Jahren über das Duo aus Gütersloh schrieb, behauptete ich, dass sie so amerikanisch klängen wie Burt Reynolds, der seinen Convoy über die Route 66 führt. Retrospektiv ist das aber eigentlich eher ein Bild, welches zum Headliner des Abends passt. Mit einem Partyconvoy aus Monstertrucks natürlich.

The Picturebooks hingegen cruisen mit dir auf Harleys in der Dunkelheit durch die Wüste, bis ihr irgendwo zwischen Felsen und Kakteen zusammen mit einem Medizinmann, einem Hippiemädchen und einem Coyoten auf Chilitrip um ein Lagerfeuer sitzt und den Mond anheult.

Der Fokus ihres Sets lag auf dem in ihrer Motorradschraubergarage aufgenommenen, jüngst erschienenen Album "Home Is A Heartache".

Fynn Grabke und Philipp Mirtschink spielen Bluesrock der heaviesten Sorte, schamanistisch, schweißtreibend und gleichzeitig verdichtet und exzessiv. Was Philipp auf seinem zumeist mit fetten Mallets malträtierten, ganz ohne Becken auskommenden Drumkit (inklusive einer Bassdrum als Standtom und selbstgebauter archaischer Riesenpercussion) abzieht, ist die perfekte Symbiose aus aufs vollkommen wesentliche reduzierte Powerdrumming und tollwütigem Barbarentum. An sich schon ein echtes Ereignis, wegen dem es sich lohnt, sich The Picturebooks anzuschauen.
Aber die Songs sind halt auch geiler Scheiß. Großartiger Auftritt!

Als Supportband waren The Picturebooks ganz klar auf Augenhöhe mit dem Hauptact und haben bestätigt, dass ich an diesem Abend zu gleichen Teilen wegen beider Gruppen gekommen war.


Monster Truck
Monster Truck

Das erste Stück Equipment von Monster Truck, welches in der Umbaupause auf die Bühne gebracht wurde, war ein Werkzeugkasten mit "Don't Fuck With The Truck"-Sticker. Dieser ist so etwas wie das heimliche Markenzeichen der Band, auf dem Bassist und Leadsänger Jon Harvey sein Bein abstellen muss.
In ihrer kanadischen Heimat mindestens mit dem Fuß in der Tür auch zur kommerziellen Rock-Oberliga, finde ich es ja sehr sympathisch, dass auch bei den größten Hallenshows und Festivals, der alte Kasten aus dem Proberaum immer noch dabei sein darf.

Ihre Show in Tilburg war damals eine verdammt wilde Angelegeneheit gewesen, und ich erwartete schon, dass das Quartett seine Kräfte auf dieser Tour etwas kontrollierter freisetzen würde. Gitarrist Jeremy Widerman, der beim Soundcheck noch mit einem Metal-Tourshirt von Bernie Sanders gepunktet hatte, ließ zwar auch in Hamburg die Sau raus, hatte seinen Adrenalinüberschuss aber im Vergleich zu 2014 besser im Griff, so dass man sich zumindest nie Sorgen um seine Gesundheit machen musste.

Musikalisch hat sich die Band seitdem sogar noch gesteigert, und natürlich bildeten die Songs von "Sittin' Heavy" in Hamburg den größten Teil des Sets. Ob Monster Truck nun Deep Purple und Soundgarden huldigten, das Southernrockpartyfeuerwerk abfackelten, James Browns "I Got You (I Feel Good)" in einem tatsächlich überzeugenden Rockstampfer verwandelten oder großgefühlig und episch den Blues zelebrierten - die Stimmung im  Uebel & Gefährlich war durchgehend an der Decke.


Fazit: Saugeiler Abend, an dem beide Bands perfekt zusammenpassten und zurecht voll abgeräumt haben. Und ich habe wohl niemals live in diesem Zeitraum so viele "Aahaahaahaa"-Stimmungsgesänge gehört, ohne davon genervt zu sein.



Abschließend wurde dann gleich die Picturebooks-LP einverleibt, die dank beiliegender CD gleich zur Autobeschallung auf dem Heimwegh dienen durfte.



The Picturebooks:





















Monster Truck: