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2026-05-21

JEGONG - Gomi Kuzu Can

No, I didn't miss this in February! I only ordered it alongside another record which hadn't been released yet.

But here it is now, album number three of Sum Of R mastermind Reto Mäder's and Mono drummer's Dahm Majuri Cipolla's duo JeGong:


JEGONG - Gomi Kuzu Can (Glass Clear vinyl LP) (2026)

As always both musicians are responsible for all instruments - which include hypnotic bass, motorik drums and percussions, trippy and noisy analogue synths, mellotron, occasional guitars, samples and effects. And on "What Ever Happened To The Gene" Dahm even surprises us with some decent clean lead vocals in German accent Krautrock style.

The natural expectation of what a band like this should sound like is of course a mix of their respective main projects, and once again this is true for JeGong, but not in a 50/50 ratio. Especially the parts reminiscent to Mono have rather decreased in comparison to the more Post Rock influenced predecessor "The Complex Inbetween".

While grand escapist textures in that direction are still being teased in tracks like "Sister", most of this album focusses on a repetitive Psychedelic purity layered with Ambient and Noise. Similar to the last Sum Of R record there's a lot of eeriness and darkness on "Gomi Kuzu Can", but this album omits the outright evil escapades and leans more into cosmic and retro-futuristic atmospheres, with vibes all in all reminding me more of recent electronic Ivan The Tolerable solo works.

btw: With the obvious reference to Kraut legends Can in the titles of the album and the track "Müll Schrott Dose" ("garbage scrap can") I'm of course now wondering if Mäder also thought of them on Sum Of R's "Beer Cans In A Bottomless Pit" now.

But back to the release at hand: My favorite feature of JeGong's new work is its all-embracing analogue warmth. "Gomi Kuzu Can" baths in a 1970's feel with relish and obviously follows a nostalgic impulse, but it doesn't just copy what has already been done. Instead Mäder/Dahm find their own timeless sound and once more confirm the special impression their live debut gave me at Roadburn 2024.

As you can see below the vinyl in a gatefold cover is also a beauty, so why haven't you given Pelagic Roecords your money yet? 






2025-12-02

KUKANGENDAI x KRIKOR - Commuters / MARISSA NADLER - New Radiations / MONO - Forever Home


Mit nach aktuellem Stand voraussichtlich nur noch einem Konzert vor mir ist die Livemusiksaison 2025 so gut wie abgeschlossen. Aber man kann ja auch zu Hause Musik hören, habe ich mal irgendwo mitbekommen, z.B. auf Alben, die man sich nach der Show gekauft hat.

In diesem Sinne hier meine letzten drei Merch-Table-Einkäufe:






KUKANGENDAI x KRIKOR  - Commuters (CD) (2025)

Auf diesem aus dem Hafenklang mitgenommenen Album hat sich das japanische multimetapolyrhythmische Trio Kukangendai mit dem französischen Elektronikkünstler Krikor zusammengetan, wodurch sich "Commuters" schon sehr deutlich von der speziellen Mathematikrockvariante von Albem wie "Palm" oder "Tracks" unterscheidet.

In Stücken wie "Sub Express Suffering" findet das verwirrend mit sich selbst verknotete und doch irgendwie wundersam funkige Spiel der Band zwar durchaus vor elektronischer Ambientkulisse statt, doch ist es - relativ gesehen, z.B. im Titeltrack - schon ein bisschen straighter geradeaus als sonst. Oftmals rücken die Beteiligten auch bewusst stilistisch noch dichter zusammen, so dass Kukangendai andere Wege finden, sich auszudrücken. Und so wirkt dieses Album fragmentarischer, soundtrackartiger als ihr normales Schaffen, kommt atmosphärisch aber auch eine Ecke dichter daher. Die experimentellere Seite der Taiwanesen Mong Tong kommt mir hier zum Beispiel in den Sinn.

Der Sound flasht einen vielleicht nicht so unmittelbar und offensichtlich mit irren Schauwerten wie Kokangendais Normalbetrieb, bewegt sich letztendlich aber auf demselben Niveau, welches man im Grunde gar nicht einzuordnen vermag, weil man es bei so vielen Ideen einfach für so unvorstellber hält, dass sie irgend jemand anderem als genau diesen Typen einfallen könnten.

Sehr faszinierend. Ein wirklich starkes Experimentalmusikwerk!








MONO - Forever Home: Live in Tokyo with Orchestra Pitreza (2CD + BluRay) (2025)

Einmal nachgeschaut: 2021. Es ist also wirklich noch nicht lange her, dass Mono mit "Beyond The Past" ihr letztes monumentales Livealbum inklusive Orchester veröffentlicht haben. Und nun schon wieder? Muss das sein? Antwort: Es muss zwar nicht sein, aber es macht schon sehr glücklich.
Mono live sind ja immer phänomenal - und mehr Mono ist ohnehin nie verkehrt.

Klar, vieles ist vertraut. Orchesterbegleitung ist für die japanischen Instrumental-Postrocker ohnehin nichts neues und oftmals ja sogar Teil der Studioalben. Auf dieser Aufnahme von 2024 war es ein elfköpfiges Ensemble, also ein Musiker mehr als auf dem letzten Livealbum. Geschenkt.

Entscheidend ist aber, dass das Quartett sicherlich bewusst darauf geachtet hat, sich nicht zu wiederholen. Dabei hilft natürlich das Material vom zwischenzeitlich erschienenen Album "Oath". Doch auch sonst ist trotz angemessen langer Shows tatsächlich einzig ihr Pflicht-Epos "Ashes In the Snow" auf beiden Alben vertreten. Die beiden Live-Doppelalben ergänzen sich also exzellent.

Dazu passt dann auch, dass zumindest die CD-Versionen, obwohl auf verschiedenen Labels erschienen, mit ihren Digipaks plus reichlich bebildertem Booklet auch sehr ähnlich gestaltet sind. Einmal extra kann man die Hülle von "Live In Tokyo" allerdings aufklappen, da das Konzert neben den Audio-CDs auch noch als Video auf BluRay mitgeliefert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir dies häufig anschaue, ist zwar wie bei fast allen Konzertfilmen generell nicht riesig, aber solide mit vielen Kameras gefilmt sage ich zu diesem zusätzlichen Dokument natürlich nicht nein.

Alles in allem eine Veröffentlichung, die keine Wünsche offen lässt. Habe ich gerne aus dem Knust mitgenommen. Überlebensgroß schön!








MARISSA NADLER - New Radiations (Smokey Marble vinyl LP) (2025)

Nach diesem japanischen Doppel fliegen wir nun rüber nach Nashville, Tennessee, zum neuesten Album von Marissa Nadler, erdacht und eingespielt nur von der Künstlerin selbst plus Milky Burgess, der neulich ja auch in der Christianskirche als Multiinstrumentalist und Backgroundsänger mit von der Partie gewesen ist.

Man kann "New Radiations" vielleicht vorwerfen, insgesamt etwas einseitig zu klingen. Denn im Prinzip bieten alle elf Lieder - von "Bad Dreams Summertime" über "Smoke Screen Seelene", "Weightless Above The Water" zu "Sad Satellite" - Variationen desselben Prinzips: Mit sehnsüchtig säuselnder bis schwebender Stimme zwischen Angel Olsen und Lana Del Rey, oftmals in feenhafter Harmonie gedoppelt, singt Marissa Nadler gekonnt gedichtete Poesie zum eleganten, sanften Fingerpicking ihrer Gitarre. Um diesen Kern herum bewegen sich atmosphärische Texturen aus Synthesizer- und Gitarrenklängen, die den Stücken eine zusätzliche Note von wahlweise Ambient, Gothic, moderner Klassik oder Americana geben.

Aber darf man ernsthaft meckern, wenn die konsequent umgesetzte Idee so wunderschön ist und der Mix von Randall Dunn dem Ganzen auch noch zusätzliche Substanz spendet?

Abzüge gibt es allerdings leider bei der mit vielen Oberflächengeräuschen knackenden Pressung, was gerade bei so filigraner Seelenmassagenmusik natürlich ziemlich stark stört. Schade, da die marmorierte Vinylfarbe opisch durchaus etwas hermacht und gut zur rundum schick gestalteten Hülle passt.
 






2025-11-22

MONO und CORECASS live im Knust, Hamburg (16. November 2025)


Willkommen in der Komfortzone! Dieser Konzertbericht enthält keine Überraschungen... ok, eine kleine vielleicht... Wenn man zu Mono fährt, weiß man halt, was einen erwartet. Es sei denn, von der einen kleinen Überraschung hat man nicht wie ich schon vorher gehört...

Doch zunächst zum Opening Act, der mir auch bereits bekannt war und sich tatsächlich zu so einer Art jährlichen Tradition zu entwickeln scheint.





CORECASS
November 2023 als Support von Jo Quail. Oktober 2024 alleine im Hafenklang. Und nun stand Elinor Lüddes elekroakustisches Dark Ambient Neoclassical Post Gothic Drone-Projekt Corecass also wieder auf der Bühne, um Songs ihres Albums "Tar" zu spielen.

Im Vergleich zu den Studioversionen schlägt das Pendel zwischen Licht und Schatten live schon häufiger in die Dunkelheit. Das liegt nicht nur an dem gegenüber Piano, Harfe und Feengesang in der Wirkung doch dominanteren Dröhnelementen wie Orgel und Gitarre, sondern auch daran, dass das Duo fast immer von einem Teil der Musik als Backingtrack begleitet wird, der irgendwie eine seltsam unterkühlte Distanz schafft - insbesondere, wenn weit entfernt eine komplette post-schwarzmetallische Band zu spielen scheint.

Und so ist Corecass zwar musikalisch interessant und faszinierend, hat es aber trotz aller vorhandenen und auch angewendeten Mittel schwer, darüber hinaus Momente wirklich tiefer emotionaler Verbindung mit dem Publikum zu generieren. Ich mag es also an sich, würde mir aber zukünftig irgendwie schon - entweder minimalistischer oder unter Hinzunahme eines weiteren Musikers - eine direktere, klanglich nähere, mehr auf die tatsächlich live gespielten Anteile fokussierte Darbietung wünschen.  







MONO
Danach standen bald Mono auf der Bühne. Ja, standen, denn neuerdings gibt es tatsächlich keine Hocker mehr auf den beiden Gitarristenplätzen. Wenn Takaakira oder Yoda also nicht auf dem Boden über ihren Effektboards knien, stehen sie nun während der gesamten Show. Na und? Das erscheint natürlich im rockmusikalischen Gesamtzusammenhang unbedeutend, doch wenn eine Post Rock-Institution wie das japanische Quartet nach Jahrzehnten seine schon zum Markenzeichen gewordenen Gewohnheiten ändert, hat das aus Sicht eines Fans schon eine psychologische Wirkung. Da vermeint man schon, eine zwingendere Energie zu spüren - als ob das bei der Lautstärke und den unendlich emotionsgeladenen Instrumentalkompositionen der Band überhaupt nötig sein könnte. Trotzdem natürlich ein Plus für die Performance.

Abgesehen vom Stehen war die Auftellung natürlich wie gewohnt: zwei Gitarren, Tamaki am Bass und Dahm am Schlagzeug, dazu für den Einsatz in jeweils einem Song Klavier und Glockenspiele.
Das reguläre Set bestand zur Hälfte aus Stücken das aktuellen Albums "Oath", die die Show auch einrahmten. Dazu waren noch die beiden vorigen Alben vertreten, wobei gerade der lange, mit seinem ungeraden Takt Spannung zurückhaltende Auftakt von "Innocence" einen Gegenpol zum sofort intuitiv verständlichen Großteil des Programms darstellte.

Insgesamt war es wieder ein dynamischer Rausch vom sanften Säuseln der Blüten im Windhauch bis zur reinigenden Apokalypse in Erdbeben und Vulkaneruption. Zwischen Stücken wie "Sorrow" oder "Time Goes By" wäre es hier im Grunde unmöglich, einzelne Highlights hervorzuheben - ja, wenn zu diesem Zweck nicht schon zwei Plätze in der Setlist für das Klassikeralbum "Hymn To The Wind" reserviert gewesen wären. Denn "Pure As Snow" und "Ashes In The Snow" sind einfach immer wieder Ereignisse, welche einem den Film eines gesamten Lebens vor dem inneren Auge abspielen. Das war an diesem Abend im Knust natürlich nicht anders.

Epochal vom Licht in die Düsternis eintauchend verabschiedeten Mono das Publikum mit "Recoil, Ignite" von "Rays Of Darkness" - und ich staune gerade, dass ich die Band erst seit Veröffentlichung dieses Albums vor elf Jahren kenne. Aber wer will einem angesichts derart gewaltiger Post-Rock-Macht verdenken, dass man sein Zeitgefühl verliert?

Auch wenn dieser Zustand für Mono natürlich a day in the office ist: Diese Show war wieder einmal vollkommen überwältigend!