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2019-12-09

MONO und JO QUAIL live im Mojo Club, Hamburg (08.12.2019)

Mono


In einem Loch im Boden, da lebte ein Nein, ähm... In einem Gewölbe im Boden bei den Tanzenden Türmen, gibt es einen Club. Dort lebt das Mojo.

Nein, auf Google Street View ist dieser Laden (Reeperbahn 1) schlecht zu finden, weisen tagsüber doch tatsächlich nur zwei runde Bodenplatten mit einem M drauf auf die Existenz dieser eigenwilligen Location hin.
Den atmosphärischen Rundsaal im Inneren hätte ich so auf jeden Fall nicht erwartet. Ich pflege von jetzt an jedenfalls die Fantasie, dass sich in jedem Kuhkaff zwischen Wesselburen und Süderbrarup - von der einheimischen Bevölkerung unbemerkt - so ein subterranes Partyrondell verbergen könnte.

Aber wegen der Location war ich ja nicht in Hamburg - und ebenso wenig wegen des sensationell nahen freien Parkplatzes, den ich bekommen konnte -, sondern wegen einer Band, zu der ich eigentlich gar nichts mehr schreiben mag, weil ich alle Ultralative schon aufgebraucht habe.


Jo Quail


Zunächst einmal kam allerdings eine Dame alleine mit ihrem Custom-Cello auf die Bühne. Jo Quail hatte ich am 11. April in Tilburg bereits als Begleitmusikerin von Myrkur und als Teil des - Überraschung! -  Jo Quail Quartets gesehen, mit dem sie Monos Komplettaufführung von "Hymn To The Immortal Wind" unterstützte.

Heute begleitete sie nur sich selbst; und das gewaltig. Unter Ausnutzung aller möglichen und unmöglichen Sounds ihres Instruments baute sie sich mit Loops komplexe Rhythmen und dröhnende Bassteppiche, über die sie ihre mal hoffnungsvollen, aber oft doch eher düsteren Instrumentalgeschichten erzählte. Sehr beeindruckend.

Ihre sympathisch übernervösen und fahrigen Ansagen erinnerten mich an (die zufälligerweise auch gerne loopende) Marissa Nadler. Ich finde das ja gut; da weiß man jedenfalls, dass die Musikerin nicht primär auf die Bühne muss, um ihr Rampensausein zu befriedigen, sondern weil sie ihre Kunst unbedingt an den Hörer bringen muss.

Und diese Kunst ist bei Jo Quail schon ein sehr eigenständiger Genuss.




Mono


Ja, wie gesagt, was soll ich noch groß zu Mono sagen?

Nach diversen Veröffentlichungen, Best-of-the-year-Listen und nun vier Konzerten, ist mein Wortschwatz, um die immense emotionale und physische Dynamik und Gewaltigkeit der japanischen Postrock-Instrumentalisten, die dieses Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern, angemessen zu würdigen, erschöpft.

Aber halt! Dank des einen Stückes "Breathe", in dem Bassistin/Keyboarderin/Glockenspielerin Tamaki ätherisch die Seele ölend singt, sind sie ja nun keine hundertprozentige Instrumentalgruppe mehr. Ebenso wie auf dem Album "Nowhere Now Here" kam der Song auch relativ früh im Set, welches zu über der Hälfte aus atmosphärischen bis brutal kolossalen Stücken des neuen Albums bestand.

Eine schlechte Setlist ist bei Mono materialgegeben ja ohnehin ausgeschlossen, und so gab es wieder einmal anderthalb Stunden lang (geschätzt, da keine Uhr dabei) der allergigantischsten Großgefühle, von sehnsuchtsvoll flirrenden, traditionell japanischen Melodien bis zu unentrinnbar über dem Schädel des Zuschauers zerbröckelnden, von der Kraft der tausend Pedale angetriebenen Lärmmauern.

Und kurz vor Finale und Zugabe durfte auch Madame Quail nochmal auf die Bretter, um ein Stück mit ihrem Cello zu veredeln.

Hach! 

So ohrenbetäubend und wunderschön zugleich ist aktuell auf diesem Planeten kaum eine andere Gruppe. (Am ehesten noch GlerAkur, die allerdings nur extrem selten ihre isländische Heimat verlassen. Oder Sunn O))), wenn sie die Posaune rausholen, natürlich.)

Ja, das war gegen Ende des Konzertjahres noch eines der ganz großen Highlights!







Jo Quail:




Mono:







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